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Entdeckungen und Begegnungen
Stichworte: Parlament/Hausführung/Livius
Parlamentskorrespondenz/09/15.10.2001/Nr. 676

DIE GESCHICHTE BEGINNT MIT "DER GRÜNDUNG DER STADT"

Titus Livius (59 v. Chr. - 17 n. Chr.)


Wien (PK) - Als Cäsar unter den Dolchen der Verschwörer starb, war sein Nachbar auf der Rampe des Parlaments gerade 15 Jahre alt: Titus Livius wurde im Jahr 59 v.Chr. in Patavium, dem heutigen Padua, geboren und kam erst im Alter von 28 Jahren erstmals nach Rom. Dort genoss er eine wissenschaftliche Ausbildung und begann alsbald mit seiner literarischen Tätigkeit. Dabei führte er stets ein Leben im Verborgenen und bekleidete weder militärische noch öffentliche Ämter. Wenngleich er politisch ursprünglich Pompeius nahe stand, schloss er sich später Augustus an und zählte den jungen Claudius zu seinen Freunden. Am Ende seines Lebens ging er zurück nach Padua, wo er im Jahr 17 starb.


DAS WERK


Livius Leben prägte die schier gigantische Arbeit an seinem Opus magnum "Ab urbe condita" ("Von der Gründung der Stadt an"), in dem er in 142 Bänden die Geschichte Roms von ihrer sagenhaften Gründung durch Romulus und Remus bis zum Augusteischen Zeitalter beschrieb. 35 dieser Bände sind erhalten, und aus der Gestaltung der Inhalte des Werkes kann geschlossen werden, dass er im Jahr 27 v.Chr. mit der Niederschrift begann und wohl bis zu seinem Tod daran arbeitete, weil es unverständlich erscheint, dass er es mit dem Tod des Drusus und dem Germanienfeldzug im Jahre 9 v.Chr. enden lässt, ohne auf die weiteren Taten des Kaisers Augustus einzugehen. War Livius zu seiner Zeit hochgeachtet und seine Geschichtsbücher gleichsam Standardlektüre, so geriet er im Mittelalter fast völlig in Vergessenheit. Erst Dante entdeckte Livius wieder und bezeichnete ihn als einen Menschen, "der nicht irrt". Später schöpften Shakespeare und Corneille aus Livius Schriften Stoffe für ihre Dramen, und selbst Grillparzer griff für sein Stück "Hannibal und Scipio" auf Livius zurück. Livius wurde dabei nicht nur zum Künder römischer Vergangenheit, er galt auch lange Zeit als hervorragende Quelle römischer Sitte, Religiosität und klassischen Lateins.


"Ab urbe condita" beginnt mit der Ankunft des Äneas in Italien und stellt sodann die Königszeit bis zur Errichtung der Republik im Jahre 510 v.Chr. dar. Das 2. Buch berichtet über die frührömischen Helden Horatius Cocles und Mucius Scaevola während des Krieges mit Porsenna und schildert den Auszug der Plebejer auf den heiligen Berg sowie die damit verbundenen Kämpfe um das Volkstribunat. Im 5. Buch wird die Eroberung Roms durch die Gallier sowie die Rettung des Kapitols durch die kapitolinischen Gänse erzählt. Das 9. Buch wiederum hat die Samnitenkriege zum Inhalt, während die folgenden Bücher die Zeit bis zum ersten Punischen Krieg behandeln. Dieser bildet übrigens den Inhalt des 16. Buches, während auch in den Büchern 17 bis 51 immer wieder die Kämpfe mit Karthago im Mittelpunkt stehen. Daneben freilich wird die Expansion Roms bis zur völligen Beherrschung des Mittelmeerraums dargelegt. Das 64. Buch beschreibt den Krieg mit Jugurtha (siehe Sallust), das 77. Buch befasst sich mit dem Bürgerkrieg zwischen Marius und Sulla, das 102. schließlich mit der Verschwörung des Catilina. Die Bände 104 bis 116 dominiert die Gestalt Cäsars, die Bände 117 bis 133 widmen sich den darauf folgenden Kämpfen zwischen den Cäsar-Mördern einerseits und Augustus andererseits sowie dessen Weg zur Alleinherrschaft nach den Niederlagen des Marc Anton und des jungen Lepidus. Danach gibt es eine Lücke in der Darstellung, denn Livius' Werk schließt mit den Germanienfeldzügen des Drusus zwischen 15 und 9 v.Chr. (Bücher 139 bis 142). Mit Titus Livius erreichte die römische Geschichtsschreibung einen neuen Höhepunkt, an dem sich auch spätere Historiker, allen voran Tacitus, immer wieder maßen. Sein Werk gilt daher auch heute noch als eine unverzichtbare Quelle für die Entwicklung des vorchristlichen Roms.


(Schluss)


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