Nationalrat, XXI.GP Stenographisches Protokoll 49. Sitzung / Seite 29

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Steinbrüche zu verkaufen  das ist nicht die Strategiedebatte und die Zukunftsdebatte, die ich mir wünsche. (Beifall bei den Grünen.)

Es muss hier gesagt werden, dass kein legitimiertes Kollegialorgan auch nur einer österreichischen Universität diesen Wunsch ausgesprochen hat, dass bei uns kaum ein Stein mehr auf dem anderen bleiben soll. Aber es finden sich immer wieder Erfüllungsgehilfen für politische Wünsche, und daran arbeiten einige; es sind vielleicht zu viele.

So viel jetzt zu den vertrauensbildenden Maßnahmen. Es ist das Geschick oder das Gespür der Politik, das ich vermisse.  Dazu kommen jetzt aber noch Inhalte.

Uns wirft man vor, das seien alles irrlichternde Ängste, Furcht vor Veränderung, das seien die Betonierer, die alles so bleiben lassen wollten, wie es ist, die alles gutheißen würden, wie es ist. Dazu zähle ich mich nicht, aber: Sind diese Ängste nicht doch irgendwo begründet?

Ich bringe Ihnen ein Beispiel und zitiere aus einem Gutachten zur Universitätsreform aus dem Schwarzbuch der Rektorenkonferenz. Das ist jetzt kein Kabarett, es ist auch keine Satire, es ist Realität: "Sooft etwas Wichtiges im Kloster zu behandeln ist, soll der Abt die gesamte Gemeinschaft zusammenrufen und selbst darlegen, worum es geht. Er soll den Rat der Brüder hören und dann mit sich selbst zu Rate gehen. Was er für zuträglich hält, das tue er."  Seite 40 des Schwarzbuches der Rektorenkonferenz zur Universitätsreform, zur Strukturreform, zur Personalreform; Vorbild: die Regeln des Benediktinerordens.

Es geht aber weiter, und zwar dahin gehend, wie man sich Hierarchien und Leitungsstrukturen vorstellt: "Wenn weniger wichtige Angelegenheiten des Klosters zu behandeln sind, soll er nur die Älteren um Rat fragen."  Seite 41.

"Wenn die Gemeinschaft größer ist, sollen aus ihrer Mitte Brüder von gutem Ruf und vorbildlicher Lebensführung ausgewählt und zu Dekanen bestellt werden. Als Dekane sollen jedoch nur solche erwählt werden, mit denen der Abt seine Last unbesorgt teilen kann."  Das ist Demokratie, Kritik und so weiter.

Es geht aber noch weiter und wird eigentlich immer besser: "Vielmehr liegen die Entscheidungen im Ermessen des Abtes. Was er für heilsamer hält, darin sollen ihm alle gehorchen."  Das ist Pädagogik der Neuzeit!

Nächstes Zitat, Seite 41: "Keiner im Kloster"  zur Erleichterung für einige, die es nicht glauben wollen: Kloster steht natürlich für Universität  "darf dem Willen seines eigenen Herzens folgen."  Also jetzt wird es schon etwas grauslich.

Und wenn ich zum Schluss, auf Seite 46, lese: "Wegen des heiligen Dienstes, den sie geloben, darf es für sie nach einem Befehl des Oberen kein Zögern geben, sondern sie erfüllen ihren Auftrag sofort, als käme er von Gott", kann ich nur sagen: Na bravo! "Daher verlassen die Mönche sofort, was ihnen gerade wichtig ist, und geben den Eigenwillen auf."  Zitatende.

Also, mein Wunsch, Mönch zu werden, ist seither stark geschwunden. (Beifall bei den Grünen.)

Ich hoffe doch, Frau Ministerin, Sie werden nicht die Regeln eines Männerordens und die Gelübde von Gehorsam, Armut und Keuschheit als Leitbild unserer Universität verordnen. Aber da vertraue ich Ihnen, muss ich sagen. Da vertraue ich Ihnen sogar.

Immer häufiger werden Universitäten jetzt als Produktionsstätten gesehen. Das halte ich im Prinzip für nicht schlecht, das ist weder rechts noch links, das ist weder gut noch böse. Aber es drängt sich jetzt irgendwie alles zur Mitte, und da bleibt wenig Raum zum Atmen und noch weniger zum Denken bei dieser Reform. (Beifall bei den Grünen.)

Budgets werden ja auch produziert. Der Input wird von der Bundesregierung und ihren Abgeordneten geliefert, der Output aber betrifft alle: die so genannten Chaoten, die so genannten Spießbürger, die gesamte bunte Gesellschaft, die mit diesem Output eines neuen Gesetzes und


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