Stenographisches Protokoll

46. Sitzung des Nationalrates der Republik Österreich

 

 

XXII. Gesetzgebungsperiode

 

Donnerstag, 29. Jänner 2004

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



Stenographisches Protokoll

46. Sitzung des Nationalrates der Republik Österreich

XXII. Gesetzgebungsperiode         Donnerstag, 29. Jänner 2004

Dauer der Sitzung

Donnerstag, 29. Jänner 2004: 9.00 – 22.28 Uhr

*****

Tagesordnung

1. Punkt: Bericht über das Volksbegehren „Atomfreies Europa“

2. Punkt: Bericht über den Entschließungsantrag 43/A (E) der Abgeordneten Mag. Ul­rike Sima, Kolleginnen und Kollegen betreffend Nichtzustimmung Österreichs zur Aufstockung des EURATOM-Kreditrahmens

3. Punkt: Bericht über den Entschließungsantrag 139/A (E) der Abgeordneten Mag. Ul­rike Sima, Kolleginnen und Kollegen betreffend Forcierung der Lärmbekämpfung in Österreich

4. Punkt: Bericht über den Entschließungsantrag 226/A (E) der Abgeordneten Dr. Ga­briela Moser, Kolleginnen und Kollegen betreffend gesetzliche Maßnahmen zur Ver­hinderung und Reduzierung der Lärmbelästigung

5. Punkt: Bundesgesetz, mit dem im Konsumentenschutzgesetz Bestimmungen über den Heimvertrag eingeführt werden (Heimvertragsgesetz – HVerG), und Bericht über den

Antrag 231/A der Abgeordneten Dr. Johannes Jarolim, Kolleginnen und Kollegen be­treffend ein Bundesgesetz über ein Bundes-Heimvertragsgesetz

6. Punkt: Bundesgesetz über den Schutz der persönlichen Freiheit während des Auf­enthalts in Heimen und anderen Pflege- und Betreuungseinrichtungen (Heimaufent­halts­gesetz – HeimAufG)

7. Punkt: Bundesgesetz, mit dem das Strafgesetzbuch, die Strafprozessordnung 1975, das Gerichtsorganisationsgesetz, das Auslieferungs- und Rechtshilfegesetz und das Strafvollzugsgesetz geändert werden (Strafrechtsänderungsgesetz 2003),

Bundesgesetz, mit dem das Strafgesetzbuch geändert wird, und Bericht über die

Bürgerinitiative (10/BI) betreffend „Höhere Strafen für Kindesmissbrauch“

8. Punkt: Fakultativprotokoll zum Übereinkommen über die Rechte des Kindes be­treffend den Verkauf von Kindern, die Kinderprostitution und die Kinderpornographie

9. Punkt: Kündigung des Übereinkommens über die behördliche Zuständigkeit, das an­zuwendende Recht und die Anerkennung von Entscheidungen auf dem Gebiet der Annahme an Kindesstatt


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10. Punkt: Bericht über den Antrag 291/A der Abgeordneten Mag. Dr. Maria Theresia Fekter, Dr. Helene Partik-Pablé, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundes­gesetz, mit dem das Handelsgesetzbuch geändert wird

11. Punkt: Bericht und Antrag über den Entwurf eines Bundesgesetzes, mit dem das Bankwesengesetz, das Versicherungsaufsichtsgesetz und das Pensionskassengesetz geändert werden

12. Punkt: Bundesgesetz, mit dem ein E-Government-Gesetz erlassen wird sowie das Allgemeine Verwaltungsverfahrensgesetz 1991, das Zustellgesetz, das Gebührenge­setz 1957, das Meldegesetz 1991 und das Vereinsgesetz 2002 geändert werden

13. Punkt: Bericht über den Antrag 309/A der Abgeordneten Dr. Ulrike Baumgartner-Gabitzer, Dipl.-Ing. Elke Achleitner, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bun­des­gesetz, mit dem ein Bundesgesetz über das Gebäude- und Wohnungsregister (GWR-Gesetz) geschaffen und das Vermessungsgesetz geändert wird

14. Punkt: Ersuchen des Landesgerichtes für Strafsachen Wien (093 Hv 61/03a) um Zustimmung zur behördlichen Verfolgung des Abgeordneten zum Nationalrat Dr. Rein­hold Lopatka

*****

Inhalt

Personalien

Verhinderungen .............................................................................................................. 11

Ordnungsruf ................................................................................................................. 205

Geschäftsbehandlung

Wortmeldungen zur Geschäftsbehandlung im Zusammenhang mit der Beant­wor­tung von Fragen im Rahmen der Fragestunde:

Dr. Alexander Van der Bellen ............................................................................... 12, 14

Mag. Wilhelm Molterer ................................................................................................ 12

Herbert Scheibner ........................................................................................................ 13

Dr. Günther Kräuter ..................................................................................................... 13

Feststellungen des Präsidenten Dr. Andreas Khol zur Handhabung der Ge­schäftsordnung                13, 14

Wortmeldung des Abgeordneten Dr. Josef Cap betreffend Qualifizierung von Fragen durch ein Regierungsmitglied ......................................................................................................... 19

Wortmeldung des Abgeordneten Dr. Alexander Van der Bellen im Zusam­men­hang mit der Beantwortung von Fragen im Rahmen der Fragestunde sowie Ersuchen, die Sitzung zu unterbrechen und eine Präsidialkonferenz abzuhalten ....................................................................................... 20

Wortmeldungen in diesem Zusammenhang:

Dr. Josef Cap ................................................................................................................ 21

Mag. Wilhelm Molterer ................................................................................................ 21

Herbert Scheibner ........................................................................................................ 21

Feststellung des Präsidenten Dr. Andreas Khol betreffend Fragen und deren Beantwortung im Rahmen der Fragestunde sowie die Würde des Hauses ............................................................ 22


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Unterbrechung der Sitzung .......................................................................................... 22

Absehen von der 24-stündigen Frist für das Aufliegen des schriftlichen Aus­schuss­berichtes 372 d. B. gemäß § 44 (2) der Geschäftsordnung ...................................................................................... 33

Verlangen auf Durchführung einer kurzen Debatte über die Anfragebeant­wor­tung 1014/AB gemäß § 92 Abs. 1 der Geschäftsordnung ........................................................................................ 35

Durchführung einer kurzen Debatte gemäß § 57a Abs. 1 der Geschäftsordnung........ 138

Redner:

Petra Bayr ................................................................................................................... 138

Bundesministerin Dr. Benita Ferrero-Waldner ...................................................... 140

Mag. Karin Hakl .......................................................................................................... 142

Mag. Walter Posch ..................................................................................................... 143

Mag. Eduard Mainoni ................................................................................................. 144

Mag. Ulrike Lunacek .................................................................................................. 146

Redezeitbeschränkung nach Beratung in der Präsidialkonferenz gemäß § 57 Abs. 3 Z. 2 der Geschäftsordnung .......................................................................................................... 36

Antrag der Abgeordneten Mag. Werner Kogler, Dr. Günther Kräuter, Kollegin­nen und Kollegen auf Einsetzung eines Untersuchungsausschusses zur Unter­suchung der Vorwürfe gegenüber Bundesminister für Finanzen Mag. Karl-Heinz Grasser gemäß § 33 Abs. 1 der Geschäftsordnung ......... 221

Bekanntgabe ................................................................................................................. 100

Verlangen gemäß § 33 Abs. 2 der Geschäftsordnung auf Durchführung einer kur­zen Debatte im Sinne des § 57a Abs. 1 GOG ........................................................................................................ 101

Redner:

Mag. Werner Kogler ................................................................................................... 223

Karlheinz Kopf ............................................................................................................ 226

Dr. Günther Kräuter ................................................................................................... 227

Detlev Neudeck ........................................................................................................... 228

Ablehnung des Antrages auf Einsetzung eines Untersuchungsausschusses ............ 230

Antrag der Abgeordneten Dr. Peter Wittmann, Kolleginnen und Kollegen, die Regierungsvorlage 252 d. B. betreffend das E-Government-Gesetz gemäß § 53 Abs. 6 Z. 2 der Geschäftsordnung an den Verfassungsausschuss rückzuver­wei­sen – Ablehnung ...................................... 191, 219

Feststellung des Präsidenten Dr. Andreas Khol betreffend Reihenfolge der Redner im Rahmen der Debatte über die Dringliche Anfrage sowie Erteilung von Ordnungsrufen .................. 204

Fragestunde (4.)

Finanzen ........................................................................................................................ 11

Mag. Hans Moser (38/M); Dr. Peter Pilz

Dipl.-Ing. Klaus Hubert Auer (31/M); Sigisbert Dolinschek, Dr. Eva Glawischnig, Mag. Melitta Trunk

Mag. Werner Kogler (34/M); Kai Jan Krainer, Franz Xaver Böhm, Dipl.-Ing. Maximilian Hofmann


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Josef Bucher (36/M); Michaela Sburny, Ulrike Königsberger-Ludwig, Ing. Josef Winkler

Doris Bures (39/M); Konrad Steindl, Maximilian Walch, Mag. Werner Kogler

Peter Haubner (32/M); Dipl.-Ing. Elke Achleitner, Sabine Mandak, Mag. Andrea Kuntzl

Dr. Peter Pilz (35/M); Dr. Günther Kräuter

Mag. Eduard Mainoni (37/M); Mag. Werner Kogler, Dkfm. Dr. Hannes Bauer, Jo­hann Ledolter

Ausschüsse

Zuweisungen .................................................................................................................. 33

Dringliche Anfragen

der Abgeordneten Dr. Gertrude Brinek, Mag. Dr. Magda Bleckmann, Kollegin­nen und Kollegen an die Bundesministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur betreffend Eskalation der Gewalt und der Sprache im Zuge von Studenten­protesten der Linken (1376/J) ...................................................... 102

Begründung: Dr. Gertrude Brinek .............................................................................. 103

Bundesministerin Elisabeth Gehrer......................................................................... 109

Debatte:

Mag. Dr. Magda Bleckmann ...................................................................................... 111

Werner Amon, MBA ................................................................................................... 114

Dr. Alfred Gusenbauer .............................................................................................. 116

Dr. Kurt Grünewald .................................................................................................... 118

Dipl.-Ing. Elke Achleitner ........................................................................................... 121

Dr. Reinhold Lopatka ................................................................................................. 122

Dr. Josef Cap .............................................................................................................. 124

Bundesministerin Elisabeth Gehrer ................................................................ 127, 131

Dieter Brosz ................................................................................................................ 128

Mag. Andrea Kuntzl ................................................................................................... 129

Herbert Scheibner ...................................................................................................... 132

Mag. Andrea Kuntzl (tatsächliche Berichtigung) ....................................................... 133

Mag. Werner Kogler ................................................................................................... 134

Mag. Wilhelm Molterer .............................................................................................. 136

Dipl.-Ing. Dr. Wolfgang Pirklhuber ........................................................................... 137

der Abgeordneten Dr. Josef Cap, Kolleginnen und Kollegen an den Bundes­minister für Finanzen betreffend Missachtung des Parlaments durch den Finanz­minister (1375/J) – gelangt gemäß § 57b GOG nicht zum Aufruf .............................................................................................................................. 35

Verhandlungen

Gemeinsame Beratung über

1. Punkt: Bericht des Umweltausschusses über das Volksbegehren (206 d.B.) „Atomfreies Europa“ (373 d.B.) ........................................................................................................................ 36

2. Punkt: Bericht des Umweltausschusses über den Entschließungs­antrag 43/A (E) der Abgeordneten Mag. Ulrike Sima, Kolleginnen und Kollegen be­tref-


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fend Nichtzustimmung Österreichs zur Aufstockung des EURATOM-Kreditrah­mens (374 d.B.) ............................................................................ 36

Redner:

Mag. Ulrike Sima .................................................................................................... 36, 63

Karlheinz Kopf .............................................................................................................. 37

Dr. Eva Glawischnig .................................................................................................... 39

Klaus Wittauer ............................................................................................... ........ 42, 61

Dkfm. Dr. Hannes Bauer ............................................................................................. 44

Erwin Hornek ................................................................................................................ 45

Heidemarie Rest-Hinterseer ....................................................................................... 46

Bundesminister Dipl.-Ing. Josef Pröll ........................................................................ 48

Dipl.-Ing. Elke Achleitner ............................................................................................. 50

Katharina Pfeffer .......................................................................................................... 51

Matthias Ellmauer ........................................................................................................ 52

Erika Scharer ................................................................................................................ 53

Martin Preineder ........................................................................................................... 54

Dipl.-Ing. Uwe Scheuch (tatsächliche Berichtigung) ................................................... 55

Petra Bayr ..................................................................................................................... 55

Dr. Gabriela Moser ....................................................................................................... 62

Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Ulrike Sima, Dr. Eva Glawisch­nig, Kolleginnen und Kollegen betreffend die weitere Vorgangsweise Österreichs zur Reform des EURATOM-Vertrages in Richtung Umweltverträglichkeit, Aus­stieg aus der Kernenergie und Gewährleistung höchster Sicherheitsstandards – Ablehnung .......................................................................... 56, 64

Kenntnisnahme der Ausschussberichte 373 und 374 d. B. .......................................... 64

Annahme der dem schriftlichen Ausschussbericht 373 d. B. beigedruckten Ent­schließung betreffend die weitere Vorgangsweise Österreichs zur Reform des EURATOM-Vertrages in Richtung Umweltverträglichkeit, Ausstieg aus der Kern­energie und Gewährleistung höchster Sicherheitsstandards (E 36)                          64

Gemeinsame Beratung über

3. Punkt: Bericht des Umweltausschusses über den Entschließungs­an­trag 139/A (E) der Abgeordneten Mag. Ulrike Sima, Kolleginnen und Kollegen betreffend Forcierung der Lärmbekämpfung in Österreich (375 d.B.) ........................................................................................................................ 65

4. Punkt: Bericht des Umweltausschusses über den Entschließungsan­trag 226/A (E) der Abgeordneten Dr. Gabriela Moser, Kolleginnen und Kollegen betreffend gesetzliche Maßnahmen zur Verhinderung und Reduzierung der Lärm­belästigung (376 d.B.) ................................................................ 65

Redner:

Mag. Ulrike Sima .......................................................................................................... 65

Norbert Sieber .............................................................................................................. 65

Dr. Gabriela Moser ....................................................................................................... 67

Klaus Wittauer .............................................................................................................. 69

Karl Dobnigg ................................................................................................................. 70

Dipl.-Ing. Elke Achleitner ............................................................................................. 71

Heidemarie Rest-Hinterseer ....................................................................................... 72

Bundesminister Dipl.-Ing. Josef Pröll ........................................................................ 73

Gerhard Steier .............................................................................................................. 75

Gerhard Reheis ............................................................................................................ 75

Dr. Robert Rada ............................................................................................................ 76

Anita Fleckl ................................................................................................................... 77


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Kenntnisnahme der Ausschussberichte 375 und 376 d. B. .......................................... 78

Annahme der dem schriftlichen Ausschussbericht 376 d. B. beigedruckten Ent­schließung betreffend Forcierung der österreichischen Lärmbekämpfung und rasche Umsetzung der EU-Richtlinie 2002/49/EG über die Bewertung und Be­kämp­fung von Umgebungslärm in das österreichische Recht (E 37)                        78

Gemeinsame Beratung über

5. Punkt: Bericht des Justizausschusses über die Regierungsvorlage (202 d.B.): Bundesgesetz, mit dem im Konsumentenschutzgesetz Bestimmungen über den Heimvertrag eingeführt werden (Heimvertragsgesetz – HVerG), und über den

Antrag 231/A der Abgeordneten Dr. Johannes Jarolim, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz über ein Bundes-Heimvertragsgesetz (377 d.B.) .......................................................... 79

6. Punkt: Bericht des Justizausschusses über die Regierungsvorlage (353 d.B.): Bundesgesetz über den Schutz der persönlichen Freiheit während des Aufent­halts in Heimen und anderen Pflege- und Betreuungseinrichtungen (Heimaufent­haltsgesetz – HeimAufG) (378 d.B.) ................. 79

Redner:

Mag. Heribert Donnerbauer ........................................................................................ 79

Dr. Johannes Jarolim .................................................................................................. 81

Dr. Helene Partik-Pablé ............................................................................................... 82

Kai Jan Krainer (tatsächliche Berichtigung) ................................................................. 84

Dr. Gabriela Moser ....................................................................................................... 85

Bundesminister Dr. Dieter Böhmdorfer .............................................................. 87, 95

Dipl.-Ing. Mag. Roderich Regler ................................................................................. 88

Mag. Johann Maier ....................................................................................................... 89

Barbara Rosenkranz .................................................................................................... 91

Theresia Haidlmayr ...................................................................................................... 92

Mag. Walter Tancsits ................................................................................................... 96

Mag. Ruth Becher ........................................................................................................ 97

Dr. Kurt Grünewald ...................................................................................................... 99

Dr. Franz-Joseph Huainigg ....................................................................................... 101

Bettina Stadlbauer ..................................................................................................... 148

Anna Franz .................................................................................................................. 149

Franz Glaser ................................................................................................................ 150

Ingrid Turkovic-Wendl ............................................................................................... 151

Sabine Mandak ........................................................................................................... 152

Mares Rossmann ....................................................................................................... 153

Entschließungsantrag der Abgeordneten Dr. Johannes Jarolim, Dr. Gabriela Moser, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz über ein Bundes-Heimvertragsgesetz (231/A) – Ablehnung         .............................................................................................................. 86, 155

Annahme der Gesetzentwürfe in 377 und 378 d. B. .................................................... 154

Kenntnisnahme des Ausschussberichtes 377 d. B. hinsichtlich des Antrages 231/A                       154

Annahme der dem schriftlichen Ausschussbericht 378 d. B. beigedruckten Ent­schließung betreffend Bericht über die Erfahrungen mit der Anwendung des Heimaufenthaltsgesetzes (E 38) ....... 155

Gemeinsame Beratung über

7. Punkt: Bericht des Justizausschusses über die Regierungsvorlage (294 d.B.): Bundesgesetz, mit dem das Strafgesetzbuch, die Strafprozessordnung 1975, das


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Gerichtsorganisationsgesetz, das Auslieferungs- und Rechtshilfegesetz und das Strafvollzugsgesetz geändert werden (Strafrechtsänderungsgesetz 2003), über die

Regierungsvorlage (309 d.B.): Bundesgesetz, mit dem das Strafgesetzbuch ge­ändert wird, und über die

Bürgerinitiative (10/BI) betreffend „Höhere Strafen für Kindesmissbrauch“ (379 d.B.)                     155

8. Punkt: Bericht des Justizausschusses über die Regierungsvorlage (18 d.B.): Fakultativprotokoll zum Übereinkommen über die Rechte des Kindes betreffend den Verkauf von Kindern, die Kinderprostitution und die Kinderpornographie (380 d.B.) ............................................................................... 156

Redner:

Mag. Dr. Maria Theresia Fekter ................................................................................ 156

Dr. Johannes Jarolim ................................................................................................ 157

Mag. Dr. Maria Theresia Fekter (tatsächliche Berichtigung) .................................... 159

Dr. Helene Partik-Pablé ............................................................................................. 159

Mag. Terezija Stoisits ................................................................................................. 161

Mag. Dr. Josef Trinkl .................................................................................................. 167

Dr. Christian Puswald ................................................................................................ 169

Detlev Neudeck ........................................................................................................... 171

Mag. Brigid Weinzinger ............................................................................................. 172

Dr. Gertrude Brinek ................................................................................................... 173

Mag. Gisela Wurm ...................................................................................................... 175

Bundesminister Dr. Dieter Böhmdorfer .......................................................... 176, 180

Dipl.-Ing. Uwe Scheuch ............................................................................................. 177

Sabine Mandak ........................................................................................................ ... 178

Mag. Elisabeth Grossmann ...................................................................................... 180

Annahme des Gesetzentwurfes in 379 d. B. ............................................................... 181

Genehmigung des Staatsvertrages in 380 d. B. .......................................................... 182

Beschlussfassung im Sinne des Artikels 50 Abs. 2 B-VG hinsichtlich 380 d. B. ........ 182

Beschlussfassung im Sinne des Artikels 49 Abs. 2 B-VG hinsichtlich 380 d. B. ........ 182

Gemeinsame Beratung über

9. Punkt: Bericht des Justizausschusses über die Regierungsvorlage (53 d.B.): Kündigung des Übereinkommens über die behördliche Zuständigkeit, das anzu­wendende Recht und die Anerkennung von Entscheidungen auf dem Gebiet der Annahme an Kindesstatt (346 d.B.) .................. 182

10. Punkt: Bericht des Justizausschusses über den Antrag 291/A der Abgeord­neten Mag. Dr. Maria Theresia Fekter, Dr. Helene Partik-Pablé, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Handelsgesetzbuch geän­dert wird (347 d.B.) .............................................................. 182

11. Punkt: Bericht und Antrag des Justizausschusses über den Entwurf eines Bun­desgesetzes, mit dem das Bankwesengesetz, das Versicherungsaufsichts­gesetz und das Pensionskassengesetz geändert werden (348 d.B.) ...................................................................................................................... 183

Redner:

Mag. Dr. Maria Theresia Fekter ................................................................................ 183

Dr. Johannes Jarolim ................................................................................................ 184


Nationalrat, XXII.GPStenographisches Protokoll46. Sitzung / Seite 8

Dr. Helene Partik-Pablé ............................................................................................. 184

Mag. Terezija Stoisits ................................................................................................. 185

Bundesminister Dr. Dieter Böhmdorfer .................................................................. 186

Mag. Peter Michael Ikrath .......................................................................................... 186

Mag. Werner Kogler ................................................................................................... 187

Genehmigung der Kündigung des Übereinkommens in 346 d. B. ............................... 188

Annahme der Gesetzentwürfe in 347 und 348 d. B. .................................................... 188

Annahme der dem schriftlichen Ausschussbericht 347 d. B. beigedruckten Ent­schließung betreffend Stärkung des Vertrauens in die österreichische Wirtschaft (E 39) ............................................. 188

Gemeinsame Beratung über

12. Punkt: Bericht des Verfassungsausschusses über die Regierungsvorlage (252 d.B.): Bundesgesetz, mit dem ein E-Government-Gesetz erlassen wird so­wie das Allgemeine Verwaltungsverfahrensgesetz 1991, das Zustellgesetz, das Gebührengesetz 1957, das Meldegesetz 1991 und das Vereinsgesetz 2002 geän­dert werden (382 d.B.) ......................................................................................................... 189

13. Punkt: Bericht des Verfassungsausschusses über den Antrag 309/A der Ab­geordneten Dr. Ulrike Baumgartner-Gabitzer, Dipl.-Ing. Elke Achleitner, Kollegin­nen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem ein Bundesgesetz über das Gebäude- und Wohnungsregister (GWR-Gesetz) geschaffen und das Ver­messungsgesetz geändert wird (383 d.B.) .................................................................. 189

Redner:

Dr. Peter Wittmann .................................................................................................... 189

Fritz Neugebauer ........................................................................................................ 191

Dr. Peter Wittmann (tatsächliche Berichtigung) ........................................................ 194

Dr. Gabriela Moser ..................................................................................................... 194

Dipl.-Ing. Elke Achleitner .............................................................................. .... 196, 217

Staatssekretär Franz Morak ...................................................................................... 197

Mag. Johann Maier ..................................................................................................... 199

Mag. Karin Hakl .......................................................................................................... 201

Theresia Haidlmayr .................................................................................................... 202

Josef Bucher ............................................................................................................... 205

Stefan Prähauser ........................................................................................................ 207

Mag. Hans Langreiter................................................................................................. 208

Otto Pendl ................................................................................................................... 209

Dr. Reinhold Lopatka ................................................................................................. 210

Mag. Walter Posch ..................................................................................................... 212

Helga Machne ............................................................................................................. 213

Peter Marizzi ............................................................................................................... 214

Ing. Josef Winkler ....................................................................................................... 215

Mag. Johann Maier (tatsächliche Berichtigung) ........................................................ 216

Mag. Andrea Kuntzl ................................................................................................... 216

Entschließungsantrag der Abgeordneten Dr. Gabriela Moser, Dr. Peter Witt­mann, Kolleginnen und Kollegen betreffend Evaluierung des E-Government-Ge­setzes (Bürgerkartennutzung) – Ablehnung       ............................................................................................................ 195, 220

Annahme der Gesetzentwürfe in 382 und 383 d. B. .................................................... 219

Annahme der dem schriftlichen Ausschussbericht 383 d. B. beigedruckten Ent­schließung betreffend gesamtösterreichische Geodatenpolitik (E 40) ............................................................ 220


Nationalrat, XXII.GPStenographisches Protokoll46. Sitzung / Seite 9

14. Punkt: Bericht des Immunitätsausschusses über das Ersuchen des Landes­gerichtes für Strafsachen Wien (093 Hv 61/03a) um Zustimmung zur behörd­li­chen Verfolgung des Abgeordneten zum Nationalrat Dr. Reinhold Lopatka (372 d.B.) ................................................................................... 220

Annahme des Ausschussantrages .............................................................................. 220

Eingebracht wurden

Regierungsvorlagen ................................................................................................... 33

387: Bundesgesetz, mit dem das Karenzurlaubszuschussgesetz und das Karenz­geldgesetz, das Karenzurlaubsgeldgesetz und das Kinderbetreuungsgeldgesetz geändert werden

388: Europa-Mittelmeer-Assoziationsabkommen zwischen der Europäischen Ge­meinschaft und ihren Mitgliedstaaten einerseits und der Libanesischen Republik andererseits samt Anhängen, Protokollen und Schlussakte

389: Europa-Mittelmeer-Abkommen zur Gründung einer Assoziation zwischen der Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten einerseits und der De­mokratischen Volksrepublik Algerien andererseits samt Anhängen, Protokollen und Schlussakte

Anträge der Abgeordneten

Mag. Walter Posch, Kolleginnen und Kollegen betreffend die Durchsetzung dringen­der Maßnahmen zur Einschränkung der Transitlawine im Tourismusland Kärnten (326/A) (E)

Mag. Ulrike Sima, Kolleginnen und Kollegen betreffend die Einführung eines direkten Zuschusses zur Beschleunigung von Einbau und der Nachrüstung dieselbetriebener Kraftfahrzeuge mit einem Partikelfilter (327/A) (E)

Mag. Ulrike Lunacek, Kolleginnen und Kollegen betreffend Einsatz für ein unab­hän­gi­ges Verfahren unter UNO-Aufsicht bei Behandlung der irakischen Schulden (328/A) (E)

Dr. Reinhold Mitterlehner, Dipl.-Ing. Maximilian Hofmann, Kolleginnen und Kolle­gen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Ziviltechnikerkammergesetz 1993 – ZTKG geändert wird (329/A)

Ing. Josef Winkler, Sigisbert Dolinschek, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Bundesgesetz betreffend die Grundsätze für die Regelung des Arbeitsrechtes in der Land- und Forstwirtschaft (Landarbeitsgesetz 1984 – LAG) geändert wird (330/A)

Anfragen der Abgeordneten

Dr. Josef Cap, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Finanzen betref­fend Missachtung des Parlaments durch den Finanzminister (1375/J)

Dr. Gertrude Brinek, Mag. Dr. Magda Bleckmann, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur betreffend Eskalation der Gewalt und der Sprache im Zuge von Studentenprotesten der Linken (1376/J)

Mag. Ruth Becher, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Finanzen betreffend betriebswirtschaftliche Evaluierung von Bergschäden durch Ernst & Young (1377/J)


Nationalrat, XXII.GPStenographisches Protokoll46. Sitzung / Seite 10

Mag. Ruth Becher, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit betreffend betriebswirtschaftliche Evaluierung von Bergschäden (1378/J)

Petra Bayr, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für auswärtige Ange­legenheiten betreffend die österreichische Entwicklungshilfe (1379/J)

Mag. Hans Langreiter, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Justiz betreffend Durchsetzung des Sorgerechts in Salzburg (1380/J)

Mag. Werner Kogler, Kolleginnen und Kollegen an den Bundeskanzler betreffend Ak­tien­besitz und Unvereinbarkeitsausschuss (1381/J)

Mag. Werner Kogler, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Finanzen betreffend Vortragstätigkeit des Finanzministers (1382/J)

Dipl.-Ing. Dr. Wolfgang Pirklhuber, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft betreffend Umsetzung der GAP-Reform in Österreich (1383/J)

Mag. Christine Lapp, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz betreffend fehlende Antworten bei der Anfragebeantwortung 1050/AB zum Pflegescheck in Kärnten (1384/J)

Gabriele Heinisch-Hosek, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Inneres betreffend spezifische Leistungen für Kinder und Jugendliche von Asylwer­berInnen in Bundesbetreuung bzw. i. R. der am 1. Mai 2004 in Kraft tretenden Grund­versorgungsvereinbarung – Art. 15a B-VG (1385/J)

Mag. Johann Maier, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Justiz betreffend Strafrechtliches Entschädigungsgesetz (StEG) II (1386/J)

Mag. Johann Maier, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz betreffend Pensionsanträge – Mo­nate­langes Warten!" (1387/J)

Mag. Johann Maier, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie betreffend Bahnhofsumbau Salzburg – Finanzierung – Be­ginn der Bauarbeiten (1388/J)

Mag. Johann Maier, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit betreffend Vollziehung Preisauszeichnungsgesetz – Marktbeobachtung in Österreich (1389/J)

Doris Bures, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit betreffend Absiedelung des Gerichtsgebäudes Riemergasse – ein ganzes Vier­tel stirbt! (1390/J)

Anton Heinzl, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Verkehr, Inno­vation und Technologie betreffend Weiterbau der Güterzugumfahrung St. Pölten (1391/J)

Mag. Andrea Kuntzl, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz betreffend finanzielle Entwicklung des Familienlastenausgleichsfonds (1392/J)

 



Nationalrat, XXII.GPStenographisches Protokoll46. Sitzung / Seite 11

Beginn der Sitzung: 9 Uhr

Vorsitzende: Präsident Dr. Andreas Khol, Zweiter Präsident Dr. Heinz Fischer, Dritter Präsident Dipl.-Ing. Thomas Prinzhorn.

*****

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Die Sitzung ist eröffnet. Ich begrüße alle Damen und Herren Abgeordneten und bitte, die Plätze einzunehmen.

Als verhindert gemeldet sind die Abgeordneten Dr. Spindelegger, Fuhrmann, Schie­der, Oberhaidinger und Öllinger.

Fragestunde

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Wir gelangen zur Fragestunde, die ich um 9.01 Uhr beginne.

Bundesministerium für Finanzen

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Wir kommen zur 1. Anfrage des Abgeordneten Mag. Moser an den Herrn Bundesminister für Finanzen. – Bitte, Herr Kollege.

 


Abgeordneter Mag. Hans Moser (SPÖ): Herr Bundesminister! Meine Frage lautet:

38/M

„Wann wurde Ihnen als Minister bekannt, dass engste persönliche Mitarbeiter von Ihnen einen Verein gegründet haben, der mit umfangreichen Spendemitteln der Indus­triellenvereinigung eine Homepage mit Ihrem Namen betreibt?“

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Finanzen Mag. Karl-Heinz Grasser: Sehr geehrter Herr Prä­sident! Hohes Haus! Meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordneten! Nachdem ich bereits im Rahmen einer Vielzahl von dringlichen Anfragebeantwortungen, schrift­li­chen Anfragebeantwortungen und verschiedenen Diskussionen im Unterausschuss des Rechnungshofausschusses zu diesem Sachverhalt Stellung genommen habe, ver­weise ich auf meine diesbezüglichen Aussagen. (Beifall bei der ÖVP.)

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Zusatzfrage, Herr Kollege? (Abg. Dr. Van der Bellen: Das soll eine Fragestunde sein?! – Abg. Eder: Geben Sie eine Antwort! – Rufe: Das ist keine Antwort, bitte! Mehr Respekt, bitte! – Weitere Zwischenrufe bei der SPÖ und den Grünen.)

Ich bitte das Hohe Haus, Ruhe zu bewahren – und Herrn Kollegen Moser, seine Zu­satzfrage zu formulieren!

 


Abgeordneter Mag. Hans Moser (SPÖ): Ich glaube, es ist in diesem Zusammenhang notwendig, dem Hohen Haus die Grundzüge jener Antworten (Rufe bei der ÖVP: Fra­ge!), die Sie im Rahmen dieser Unterausschüsse gegeben haben, zu erläutern. Daher bitte ich Sie, die drei wesentlichen Aussagen dazu dem Hohen Haus noch einmal zu erörtern.

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Herr Minister, bitte.

 



Nationalrat, XXII.GPStenographisches Protokoll46. Sitzung / Seite 12

Bundesminister für Finanzen Mag. Karl-Heinz Grasser: Sehr geehrter Herr Abge­ord­neter! Hohes Haus! Da es in dieser Frage auch von KollegInnen dieses Hohen Hau­ses mehrere Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft gibt, bin ich sehr dafür – das würde uns allen gut anstehen –, dass man sagt, unabhängige Behörden, denen bereits im Som­mer letzten Jahres alles offen gelegt wurde, sollen sich das im Detail ansehen, sollen das im Detail prüfen und dann das Ergebnis vorstellen. (Abg. Eder: Dreck am Stecken oder nicht?) Ich habe dazu im Hohen Haus ausführlich Stellung genommen. (Beifall bei der ÖVP.)

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Eine Zusatzfrage wünscht Herr Abgeordneter Dr. Pilz. – Bitte.

 


Abgeordneter Dr. Peter Pilz (Grüne): Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Bundes­minister! Sie sind offensichtlich nicht bereit, Fragen (Rufe bei der ÖVP: Frage! Fragen Sie einmal!) zu all den Vorkommnissen, die wir da haben, zu beantworten. Deswegen stelle ich eine ganz einfache Frage an Sie: Sie befolgen hier offensichtlich das Gesetz des Schweigens. Wie heißt die sizilianische Organisation, die dieses Gesetz des Schweigens zu ihrem Prinzip gemacht hat? (Abg. Dr. Fasslabend: Das ist eine Frech­heit! – Heftige Zwischenrufe bei der ÖVP.)

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Finanzen Mag. Karl-Heinz Grasser: Herr Abgeordneter Pilz! Ich darf Ihnen mit Genossen Lenin antworten, der einmal sinngemäß gesagt hat: Wenn man jemandem mit politischen Argumenten nicht beikommen kann, dann soll man ihn kriminalisieren. – Sie werden keinen Erfolg haben mit dieser Vorgangsweise! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Weitere Zusatzfragen werden nicht gestellt.

Wir kommen zum zweiten Fragenkomplex. (Abg. Dr. Van der Bellen: Zur Geschäfts­ordnung!) – Herr Kollege Van der Bellen, zur Geschäftsbehandlung, bitte.

 


9.04

Abgeordneter Dr. Alexander Van der Bellen (Grüne) (zur Geschäftsbehandlung): Herr Präsident! Ich bitte um Aufklärung: Es gibt eine Fragestunde dieses Hohen Hau­ses. (Abg. Eder: Missbrauch ist das!) Heißt das, dass in dieser Fragestunde nur Fra­gen gestellt werden dürfen, aber auf die Antworten können wir verzichten? – Ich bin davon ausgegangen, dass ein Minister – schon allein aus Höflichkeit dem Parlament ge­genüber – zumindest ein Minimum an Verpflichtung hat, auf eine Frage zu ant­wor­ten. (Abg. Dr. Fasslabend: Das macht er auch! – Zwischenruf der Abg. Dr. Par­tik-Pablé.) Das ist doch ein Witz, was der Finanzminister hier macht! (Beifall bei den Grü­nen und der SPÖ.)

9.04

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Zur Geschäftsbehandlung zu Wort gemeldet hat sich Herr Abgeordneter Mag. Molterer. – Bitte.

 


9.04

Abgeordneter Mag. Wilhelm Molterer (ÖVP) (zur Geschäftsbehandlung): Meine Da­men und Herren! Hohes Haus! (Abg. Dr. Partik-Pablé: Das ist doch eine Frechheit, was Pilz gefragt hat!) Ich verweise nur auf die Geschäftsordnung (Abg. Dr. Partik-Pablé: Herr Van der Bellen, Sie sollten sich distanzieren von einer solchen Frage!), die das ganz klar regelt, und zwar besagen § 91 GOG beziehungsweise die Erläuterungen dazu, dass es im Ermessen des Befragten steht, wie eine Frage zu beantworten ist.


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Ich mache aber darauf aufmerksam, dass die Antwort auf eine Frage selbstver­ständ­lich auch von der Qualität der Frage abhängig ist, Herr Kollege Pilz! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

9.05

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Weiters zur Geschäftsbehandlung zu Wort gemeldet hat sich Herr Abgeordneter Scheibner. – Bitte.

 


9.05

Abgeordneter Herbert Scheibner (Freiheitliche) (zur Geschäftsbehandlung): Herr Prä­sident! Ich glaube, die Geschäftsordnung gibt ausreichend Auskunft darüber, wie die Fragestunde abzuhalten ist und vor allem auch wie die Beantwortung zu erfolgen hat. Der Minister ist verpflichtet, eine Antwort zu geben. Welchen Inhalt diese Antwort hat, das kann ihm natürlich nicht vorgeschrieben werden. Ich glaube aber, wenn hier schon über die Würde des Hohen Hauses gesprochen wird, dann wäre es auch sinnvoll, dass man gerade die Fragestunde, bei der es darum geht, den Minister über Belange seines Ressorts zu befragen, nicht zu einer politischen Debatte ausarten lässt. Dazu haben wir gestern schon genug Gelegenheiten gehabt. (Beifall bei den Frei­heitlichen und der ÖVP. – Zwischenrufe bei der SPÖ und den Grünen.)

9.06

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Weiters zur Geschäftsbehandlung zu Wort gemeldet hat sich Herr Abgeordneter Dr. Kräuter. – Bitte.

 


9.06

Abgeordneter Dr. Günther Kräuter (SPÖ) (zur Geschäftsbehandlung): Herr Präsi­dent! Hohes Haus! Meine Damen und Herren! Herr Kollege Mag. Moser hat ordnungs­gemäß eine Anfrage eingebracht. – Herr Bundesminister Grasser hat die Antwort ver­weigert. Das ist ein glatter Bruch der Geschäftsordnung! (Beifall bei der SPÖ und den Grünen.)

9.06

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Meine Damen und Herren! Wir haben es hier mit einem Fall zu tun, den ich während meiner 20-jährigen Praxis als Abgeordneter immer wieder erlebt habe: Ein Bundesminister wird gefragt; er gibt entsprechend der Geschäfts­ord­nung jene Antwort, die er politisch zu verantworten hat. Das Hohe Haus muss sich mit dieser Anfragebeantwortung zufrieden geben. (Abg. Dr. Van der Bellen: Genau so ist es!)

Ich zitiere § 94 Abs. 2 unseres Geschäftsordnungsgesetzes:

„Das befragte Mitglied der Bundesregierung oder der im Sinne des § 19 Abs. 1 zum Wort gemeldete Staatssekretär ist verpflichtet, die Anfragen mündlich in derselben Sit­zung, in der sie aufgerufen werden, zu beantworten. Ist den Genannten die Erteilung der gewünschten Auskunft nicht möglich, so haben sie dies in der Beantwortung zu begründen.“ (Abg. Dr. Van der Bellen: § 96 (2)!)

Das heißt also: Der Herr/die Frau Minister hat zu antworten, aber was er/sie sagt – um Gender-gerecht zu sprechen –, ist in der Geschäftsordnung nicht geregelt. Wir haben hier eine ständige Praxis. (Abg. Dr. Van der Bellen: Nein, ich bin nicht Ihrer Ansicht!)

Damit ist diese Runde der Geschäftsordnung unserer Praxis entsprechend beendet. (Abg. Dr. Van der Bellen: Zur Geschäftsordnung!)

Herr Kollege Van der Bellen! Wir haben in der Präsidiale die Praxis vereinbart, dass es, wenn man keine Anträge stellt, trotzdem möglich ist, dass über den Ablauf des Ver­fahrens jede Fraktion einmal zu Wort kommt. Das ist geschehen, jede Fraktion ist einmal zu Wort gekommen, und es ändert sich nichts. (Abg. Dr. Van der Bellen: Ich


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kann mich zur Geschäftsordnung jederzeit melden!) – Bitte, Herr Kollege Van der Bellen.

 


9.08

Abgeordneter Dr. Alexander Van der Bellen (Grüne) (zur Geschäftsbehandlung): Ich beginne mich zu wundern, Herr Präsident! (Beifall bei den Grünen. – Ruf bei der SPÖ: Ich mich auch!) § 94 Abs. 2 ist nicht der einzige Paragraph der Geschäftsordnung, der hier in Frage kommt. Ich verweise auf § 96 Abs. 2, der sich ausdrücklich auf die Fra­gestunde bezieht.

Im § 96 Abs. 2 heißt es: „Die Beantwortung hat so kurz und konkret zu erfolgen, wie es die Anfrage zuläßt.“ (Abg. Scheibner: Dann solltet ihr eine gescheite Anfrage stellen!)

Herr Kollege Moser hat eine vollkommen klare und eindeutige Frage gestellt – und der Finanzminister weigert sich, diese zu beantworten.

Ich soll hier einen Antrag stellen, dass die Geschäftsordnung des Nationalrates einge­hal­ten wird? Meinen Sie das im Ernst, Herr Präsident? (Beifall bei den Grünen und der SPÖ.)

9.08

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Über die Einhaltung der Geschäftsordnung wacht der Präsident, das wissen Sie. Sie wissen auch, dass es die ständige und stetige Praxis gibt, dass die Antwort des befragten Regierungsmitgliedes inhaltlich von mir nicht be­urteilt wird – und auch von Ihnen nicht beurteilt wird. (Abg. Dr. Puswald: Sie haben verlesen: Nur wenn es nicht möglich ist!) Dass man sich lediglich mit der politischen Verantwortung des betreffenden Regierungsmitgliedes begnügen muss, ist ständige Praxis. (Beifall bei der ÖVP. – Abg. Dr. Puswald: Der Herr Finanzminister hat nicht gesagt, dass es nicht möglich ist!)

Ich bin aber jederzeit bereit, eine Präsidialkonferenz im Laufe des Tages einzuberufen, im Rahmen derer wir diese Frage erneut besprechen, würde jedoch vorschlagen, dass wir jetzt in der Fragestunde weiter fortsetzen, so wie es der Praxis des Hohen Hauses entspricht. (Beifall bei der ÖVP.)

Wir gelangen zur 2. Anfrage, das ist die Anfrage des Herrn Abgeordneten Dipl.-Ing. Klaus Hubert Auer. – Herr Kollege, ich bitte Sie, Ihre Frage zu formulieren.

 


Abgeordneter Dipl.-Ing. Klaus Hubert Auer (ÖVP): Herr Finanzminister! Ich stelle eine für mich als Kärntner Abgeordneter wichtige Sachfrage:

31/M

„Welche Schwerpunkte enthalten die Konjunktur- beziehungsweise Wachstumspakete der Bundesregierung für den Arbeits- und Wirtschaftsstandort Kärnten?“

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Bitte, Herr Bundesminister.

 


Bundesminister für Finanzen Mag. Karl-Heinz Grasser: Sehr geehrter Herr Präsi­dent! Hohes Haus! Werter Herr Abgeordneter Auer! Ich möchte zunächst einmal fest­stel­len, dass sich die Konjunktur- und Wachstumspakete selbstverständlich bundesein­heitlich auswirken. Das heißt, alle darin getroffenen Maßnahmen wirken sich selbst­verständlich auch auf Kärnten aus. (Abg. Dr. Puswald: Diese Platte kommt immer wieder! – Weitere Zwischenrufe bei der SPÖ.)

 


Präsident Dr. Andreas Khol (das Glockenzeichen gebend): Meine Damen und Her­ren! Ich würde Sie bitten, die Fragestunde in Ordnung durchzuführen, ersuche Sie, Ihre


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Plätze einzunehmen und dem Herrn Minister zuzuhören! (Abg. Dr. Puswald: Wieso müs­sen wir uns das immer wieder anhören? – Weitere Zwischenrufe bei der SPÖ.)

 


Bundesminister für Finanzen Mag. Karl-Heinz Grasser (fortsetzend): Es war dazu notwendig, Herr Abgeordneter, dass wir zuerst einen Weg der Sanierung, sprich: der Kon­solidierung des Haushaltes beschritten haben, um die Möglichkeit eines finanziel­len Spielraums zu haben, um gegensteuern zu können. Genau das haben wir gemacht mit zwei Konjunkturbelebungspaketen (Abg. Dr. Pilz: Schmiere!), mit einem Wachs­tums- und Standortpaket (Abg. Dr. Pilz: Schmiere!) sowie mit der ersten beziehungs­weise der zweiten Etappe der Steuerreform. (Abg. Dr. Partik-Pablé: Herr Präsident! Hören Sie nicht, was Kollege Pilz sagt? Sonst sind Sie immer so heikel!)

Das Wirtschaftsforschungsinstitut hat geschätzt, dass die beiden Konjunkturpakete im Jahre 2003 einen Effekt von 0,5 bis 0,75 Prozent des Bruttoinlandsproduktes hatten, dass es vor allem Vorzieheffekte bei den Investitionen gegeben hat, und zwar in einem Ausmaß von 0,25 Prozent des BIP, und dass es zum Beispiel auf Grund der Maß­nahme, die wir mit der Einführung der Lehrlingsprämie in der Höhe von 1 000 € pro Jahr und Lehrling umgesetzt haben, bei einem Viertel der ausbildenden Sachgüter­erzeuger und bei der Hälfte der ausbildenden Dienstleister mehr Lehrlinge gibt, als das bisher der Fall war.

Wir sehen weiters, dass sich der Bildungsfreibetrag beziehungsweise die Bildungs­prämie sehr positiv auswirkt; genauso ist es mit dem Forschungsfreibetrag und der For­schungsprämie.

Zu den besonderen Vorteilen, was das Bundesland Kärnten betrifft, zählt für mich die vorzeitige Abschreibung für Betriebsgebäude. Da in den Konjunkturpaketen I und II diese vorzeitige Abschreibung vorgesehen ist und Kärnten ein besonderes Touris­musland ist, sehen wir auf Grund des hohen Anteils an Gebäudeinvestitionen auch verstärkte Wirkungen für das Bundesland Kärnten.

Zweiter Punkt, was die erste Etappe der Steuerreform betrifft, mit der der halbe Durch­schnittssteuersatz für den nicht entnommenen Gewinn eingeführt wurde: Das ist eine ganz wichtige Eigenkapitalbildungsmaßnahme besonders für die vielen Klein- und Mit­tel­betriebe im Tourismus in Kärnten. Das heißt, diese Maßnahmen sind durchaus ge­rade auch für das Tourismusland Kärnten sehr sinnvoll gewesen.

Ein anderes Beispiel: Von Produzenten wie Infineon, also im Bereich der Mikroelek­tronik, sind der Forschungsfreibetrag und der Bildungsfreibetrag sehr positiv angenom­men worden. (Beifall bei der ÖVP.)

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Wird eine Zusatzfrage gewünscht? – Bitte.

 


Abgeordneter Dipl.-Ing. Klaus Hubert Auer (ÖVP): Herr Bundesminister! Im Rahmen des Konjunkturpaketes II wurde ein Sonderprogramm für Jugendliche beschlossen. (Abg. Dr. Pilz: Schmiere!) Wie hat sich dieses Sonderprogramm in Kärnten entwickelt? (Abg. Dr. Pilz: Schmiere!)

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Finanzen Mag. Karl-Heinz Grasser: Sehr geehrter Herr Abge­ord­neter! Dieses Programm richtet sich (Abg. Dr. Partik-Pablé: Herr Präsident! Wieso ist das kein Ordnungsruf, wenn Pilz andauernd „Schmiere“ schreit? Sonst sind Sie so empfindlich, was die Ordnungsrufe betrifft!), wie Sie wissen, schwerpunktmäßig an we­ni­ger qualifizierte Jugendliche unter 25 Jahren, die länger als drei Monate beim Ar­beits­­marktservice Österreich vorgemerkt sind.

Für dieses Sonderprogramm Jugendliche waren im Jahr 2003 insgesamt rund 80 Mil­lionen € zusätzlich im Bundesvoranschlag dotiert. Vom AMS Kärnten wurden für


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Zwecke des Sonderprogramms Jugendliche in den Jahren 2002 und 2003 rund 6,4 Mil­lionen € eingesetzt. Das heißt, wir konnten damit auf vorläufiger Basis in etwa 1 300 Ju­gendliche fördern. Ich glaube, das ist ein wichtiger Erfolg für das Bundesland Kärnten. (Beifall bei der ÖVP.)

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Eine weitere Zusatzfrage stellt Herr Abgeordneter Do­linschek. – Bitte.

 


Abgeordneter Sigisbert Dolinschek (Freiheitliche): Herr Bundesminister! Welche arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen und Initiativen werden im Jahr 2004 zur Bekämp­fung der Jugendarbeitslosigkeit insbesondere in Kärnten gesetzt?

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Finanzen Mag. Karl-Heinz Grasser: Sehr geehrter Herr Abge­ord­neter Dolinschek! Sie wissen, dass im EU-Vergleich Österreich mit 7,4 Prozent die zweitniedrigste Jugendarbeitslosenrate hat. Das heißt, wir sind da Gott sei Dank sehr erfolgreich. Wir versuchen, noch besser zu werden, daher hat das AMS vom zu­ständigen Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Bartenstein den Auftrag bekommen, mit Beginn des Jahres 2004 – es ist also bereits erfolgt – das Programm „Jobs for You(th) 04“ zu starten.

Im Rahmen dieser Initiative werden neue Beschäftigungsmöglichkeiten für rund 6 000 junge Menschen geschaffen. Die Bundesregierung stellt dafür mehr als 66 Millionen zusammen mit Zusatzfinanzierungen des AMS zur Verfügung. Dem AMS Kärnten werden im Rahmen dieses Programms im Jahr 2004 rund 3,6 Millionen € zur Verfü­gung stehen. Für das Jahr 2005 sind laut Planungen des AMS 1,38 Millionen € für Kärn­ten vorgesehen. Ich dachte, das interessiert Sie, da Sie auch aus Kärnten kom­men. (Beifall bei der ÖVP.)

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Weitere Zusatzfrage? – Frau Abgeordnete Dr. Glawisch­nig, bitte.

 


Abgeordnete Dr. Eva Glawischnig (Grüne): Herr Präsident! Herr Bundesminister! Ich würde gerne etwas anderes hören als Werbesprüche. Ich möchte Sie daher konkret fragen: Sie sagen immer, alle profitieren von der Steuerreform. In Kärnten gibt es über 28 000 Betriebe, davon profitieren 4 000 nur theoretisch von der Steuerreform. Sie sa­gen außerdem, man profitiere von den nicht entnommenen Gewinnen. (Rufe bei der ÖVP: Frage!) – Lassen Sie mich vielleicht einmal in Ruhe meine Frage formulieren!

Herr Bundesminister! Alle werden gewinnen, haben Sie gesagt. Ich glaube, Sie kennen die Situation nicht: Die meisten dieser Betriebe kämpfen ums Überleben und haben nicht die geringste Chance, überhaupt darüber nachzudenken, Gewinne zu machen. (Rufe bei der ÖVP: Frage!) Ich möchte Sie daher endlich einmal ernsthaft fragen: Wieso sagen Sie immer nur plakatförmige Werbesprüche, und wieso sagen Sie nie etwas ernsthaft zu den Fakten, so wie auch schon bei der ersten Frage? (Beifall bei den Grünen. – Abg. Dr. Partik-Pablé: Das ist keine Wahlveranstaltung!)

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Finanzen Mag. Karl-Heinz Grasser: Sehr geehrte Frau Abge­ord­nete Glawischnig! Da ich in Kärnten unter anderem vier Jahre lang als Touris­musreferent, als Gewerbereferent, als Wirtschaftsreferent der Kärntner Landesre­gie­rung tätig war (Abg. Mag. Posch: Erfolglos!), glaube ich, dass ich die Situation der Betriebe und die wirtschaftliche Situation in Kärnten ganz gut einschätzen kann. (Abg. Mag. Hans Moser: So schaut es auch aus!) Gleichzeitig weiß ich, wie sich die erste und die zweite Etappe der Steuerreform auswirken. Seien Sie versichert, dass mit der ersten Etappe, 100 000 € Gewinngrenze, der Gewinn im Unternehmen bleibt, denn bis


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dorthin kann man den halben Durchschnittssteuersatz für den nicht entnommenen Ge­winn anwenden. Zweite Etappe: 25 Prozent Körperschaftsteuersatz; damit treffen wir alle Steuer zahlenden Unternehmen mit Ausnahme der Freiberufler, für die wir aus ökonomischen Gründen in dieser Etappe noch keine Initiative vorgesehen haben.

Alle produzierenden Betriebe, alle Gewerbebetriebe, alle Handelsbetriebe werden von diesen Maßnahmen profitieren. (Abg. Mag. Hans Moser: Wenn sie Gewinn haben!) Damit darf ich Ihnen sagen: Ohne diese spezifische Treffsicherheit für die Klein- und Mittel­betriebe hätten wir diese Steuerreform niemals auf den Weg geschickt. Ich kom­me aus einem Klein- und Mittelbetrieb, der weniger als 20 Mitarbeiter gehabt hat, und daher sind mir diese Klein- und Mittelbetriebe ein großes Anliegen. (Abg. Dr. Pilz: Magna!) Diese Steuerreform dient der breiten Masse der Klein- und Mittelbetriebe und ist wichtig für den Wirtschafts- und Arbeitsstandort.

Weiters darf ich Ihnen sagen, da Sie Kärnten dermaßen kritisch ansprechen, dass wir mit dem Land Kärnten zum Beispiel über die BABEG eine Förderung in der Höhe von 18,2 Millionen € für die Technologie-Infrastruktur im Projekt Lakeside-Park vereinbart haben, die schon abgewickelt wurde.

Ich darf Ihnen sagen, wir haben eine Grenzlandförderung mit dem Land Kärnten ver­ein­bart, und ich denke, wir alle sollten gemeinsam daran arbeiten, dass dieses Bun­desland den guten Weg, auf dem es ist, weiter fortsetzen kann. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Weitere Zusatzfrage? – Frau Abgeordnete Mag. Trunk, bitte.

 


Abgeordnete Mag. Melitta Trunk (SPÖ): Herr Finanzminister! In Ihrer bisherigen Be­ant­wortung haben Sie sich auf Projekte bezogen, insbesondere auf die Lehrlings­förde­rung. Diese Förderung gilt für ganz Österreich und ist keine explizit für Kärnten getrof­fene Maßnahme. (Rufe bei der ÖVP: Frage!)

Sie wissen, dass sämtliche wichtigen wirtschafts- und arbeitsmarktpolitischen ...

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Frau Kollegin, ich bitte Sie, die Frage zu formulieren!

 


Abgeordnete Mag. Melitta Trunk (fortsetzend): Ich habe das Recht, eine kurze Ein­leitung zu machen und daran die Frage anzuschließen.

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Sie haben kein Recht, aber es ist die Praxis, einen Einleitungssatz zu machen. Diesen haben Sie gemacht. Ich gestehe Ihnen gern einen zweiten zu, aber dann kommen Sie bitte zur Frage! (Abg. Scheibner: Sie kann doch nicht ein ganzes Referat halten!)

 


Abgeordnete Mag. Melitta Trunk (fortsetzend): Es ist ein Faktum, dass Kärnten bei vielen wirtschafts- und arbeitsmarktpolitischen Parametern das Schlusslicht darstellt, daher frage ich Sie sehr präzise – und ersuche um eine präzise Antwort –:

Welche Ihnen vorgelegten, vom Kärntner Landtag einstimmig beschlossenen Maß­nahmen und Projekte, wie etwa die angesprochene Grenzlandförderung, wird der Bund unterstützen und woher nehmen Sie die Mittel für die Grenzlandförderung? In zwei An­fra­gebeantwortungen haben Sie sich gegen eine Grenzlandförderung ausgesprochen, in der Pressekonferenz mit Jörg Haider vorige Woche allerdings dafür. (Abg. Dr. Par­tik-Pablé – in Richtung SPÖ –: Ihr glaubt alle, ihr könnt eine Wahlveranstaltung abhal­ten!)

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Herr Minister, bitte.

 


Bundesminister für Finanzen Mag. Karl-Heinz Grasser: Sehr geehrte Frau Abge­ord­nete! Ich möchte der Aussage widersprechen, dass Kärnten das Schlusslicht in


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Österreich wäre. Ich denke, wir sollten uns nicht in erster Linie um negative Bewer­tungen kümmern, sondern uns die Frage stellen: Wie können wir dazu beitragen, dass Bundesländer eine positive Entwicklung durchmachen?

Die Bundesregierung tut das, indem sie zwei Konjunkturbelebungspakete, ein Wachs­tums- und Standortpaket und zwei Etappen der Steuerreform, mit denen die größte Entlastung in der Geschichte der Zweiten Republik erfolgt, beschlossen hat. Wir tun das im Besonderen dadurch, dass die Bundesregierung mit dem Land Kärnten und auch mit der Steiermark eine Grenzlandförderung vereinbart hat. 4 Millionen € werden jeweils durch das Land aufgebracht, und 4 Millionen € werden von Seiten des Bundes zur Verfügung gestellt.

Ich darf in Erinnerung rufen, dass wir mit dem Land Kärnten den Verkauf des Flug­hafens als Regionalförderungsprojekt für das Land betrieben haben. Ich darf in Erinne­rung rufen, dass wir in den Jahren 2002 und 2003 eben mit der BABEG, die ich ange­sprochen habe, 8,4 Millionen € zwecks Förderung von Forschung und Entwicklung zur Verfügung gestellt haben, dass wir 1,4 Millionen € zwecks Finanzierung des For­schungs- und Entwicklungszentrums in St. Veit zur Verfügung gestellt haben und dass wir 2004 weitere 1,4 Millionen € wiederum zwecks Finanzierung des Forschungs- und Entwicklungszentrums in St. Veit zur Verfügung stellen werden. Und ich habe bereits erwähnt, dass 18,2 Millionen € für das wichtige Technologieinfrastruktur-Projekt Lake­side-Park bereitstehen.

Ich darf Ihnen auch sagen, dass sowohl das Land Kärnten als auch die Bundes­regierung beispielsweise mit Infineon verhandelt hat – ein sehr wichtiger Arbeitgeber in Kärnten in der Region, aus der Sie kommen, also rund um Villach –, damit zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden, damit aus Deutschland Arbeitsplätze nach Kärnten verlagert werden. Wir sind hier auf einem sehr, sehr positiven Weg. (Abg. Mag. Posch: Sie sollen die Fragen beantworten! – Herr Präsident, jetzt reicht es aber wirklich! Er soll die Fragen beantworten und keine Propagandareden halten!) Dieser Betrieb kommt sogar steuerlich nach Österreich.

Insofern, denke ich, sind dies sehr, sehr wichtige Schwerpunktsetzungen zum Wohle des Landes Kärnten und damit Österreichs. (Beifall bei der ÖVP.)

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Wir kommen jetzt zur Behandlung des dritten Fra­gekomplexes, das ist die Anfrage des Abgeordneten Mag. Kogler. – Ich bitte Sie, Herr Abgeordneter Kogler, Ihre Anfrage zu formulieren. (Abg. Mag. Posch: Das färbt sehr auf Ihre Objektivität der Geschäftsführung ab!)

 


Abgeordneter Mag. Werner Kogler (Grüne): Herr Mag. Grasser! Meine Frage lautet:

34/M

„Wie genau ist der Wirkungszusammenhang zwischen dem Eintreffen der Spende der Industriellenvereinigung in der Höhe von 283 000 € an den „Verein zur Förderung der New Economy“ mit dem Förderungszweck Karl-Heinz Grasser und dem Regie­rungs­vorschlag zur Senkung der Körperschaftssteuer im Ausmaß von rund 1 Milliarde €?“

(Beifall bei den Grünen.)

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Finanzen Mag. Karl-Heinz Grasser: Erstens, sehr geehrter Herr Abgeordneter, gibt es nicht den geringsten Wirkungszusammenhang. (Ironische Heiterkeit bei den Grünen.) Zweitens sollte diese Frage, wenn ich mir diese Be­mer-


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kung erlauben darf, eigentlich unter Ihrer Würde sein. Ich möchte sie auch sehr scharf zurückweisen, denn Sie unterstellen ... (Zwischenrufe bei den Grünen und der SPÖ.)

Meine Damen und Herren! Wenn Sie sich strafrechtlich relevante Unterstellungen gefallen lassen – ich tue das nicht. Ich weise diese Unterstellung, die damit implizit zum Ausdruck kommt, auf das Schärfste zurück. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Zur Geschäftsbehandlung hat sich Herr Abgeordneter Cap zu Wort gemeldet. – Bitte.

 


9.22

Abgeordneter Dr. Josef Cap (SPÖ) (zur Geschäftsbehandlung): Herr Präsident! Ich bin jetzt schon sehr lange hier im Parlament (Zwischenrufe bei der ÖVP und den Freiheitlichen), aber dass hier eine Beschimpfung eines Regierungsmitgliedes gegen­über dem Fragesteller mit der Qualifizierung „diese Frage ist unter Ihrer Würde“ erfolgt, ist ein Skandal. Das möchte ich Ihnen schon sagen. Und ich erwarte von Ihnen als Präsident, dass Sie dazu, bitte, eine ordnende Meinung äußern. (Beifall bei der SPÖ und den Grünen.)

9.22

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Ich bin an sich der Meinung, dass die Formulierung ein politisches Werturteil beinhaltet, das aber in Worten gefasst wurde, die mit der Würde des Hauses vereinbar sind. Ich werde mir aber das Protokoll herbeiholen und mir das Ganze noch einmal anschauen. Wenn ein Klubobmann eine solche Anregung macht, folge ich ihr natürlich sehr gerne.

Zu einer Zusatzfrage hat sich Herr Abgeordneter Kogler zu Wort gemeldet.

 


Abgeordneter Mag. Werner Kogler (Grüne): Herr Bundesminister! Wie erklären Sie sich den nunmehrigen Zusammenhang zwischen einer Aussage einer Anti-Korrup­tions­broschüre, die von Ihnen und Herrn Staatssekretär Finz herausgegeben wurde, wonach schon geringfügige Geschenkannahmen zum Verdacht der Korruption führen können, und dass Sie mit Ihrem Verhalten hier nicht nur sich selbst, sondern die ganze Bun­desregierung in diesen Verdacht der Korruption gebracht haben? (Beifall bei den Grünen und der SPÖ.)

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Finanzen Mag. Karl-Heinz Grasser: Sehr geehrter Herr Abge­ordneter! Ich denke, es besteht ein großer Unterschied, ob man sich selbst in den Ver­dacht der Korruption bringt oder ob von der politischen Opposition im Sinne einer Polit-Kampagne behauptet wird, dass man sich der Korruption verdächtig macht. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Herr Abgeordneter! Ich habe niemals Druck, wie Sie das auch gesagt haben – nicht Sie jetzt, aber Kollegen –, auf die Staatsanwaltschaft ausgeübt. (Abg. Mag. Kogler: Ich habe gar nichts gesagt von der Staatsanwaltschaft! Jetzt beantwortet er wieder etwas, was gar nicht gefragt wurde!) Ich habe nur gesagt: Ich wünsche mir möglichst de­taillierte und inhaltliche Ermittlungen und möglichst schnell ein Ergebnis, damit wir ge­meinsam nicht spekulieren müssen darüber, sondern mit Daten und Fakten auf den Tisch kommen. Und ich freue mich auf dieses Ergebnis, Herr Abgeordneter, und bin dann gespannt auf Ihre Reaktion. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Frei­heitlichen.)

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Zu einer weiteren Zusatzfrage hat sich Herr Abgeord­neter Krainer zu Wort gemeldet. – Bitte, Herr Kollege.

 



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Abgeordneter Kai Jan Krainer (SPÖ): Herr Bundesminister! Es steht Ihnen natürlich frei, Fragen gar nicht zu beantworten, halb zu beantworten – meistens machen Sie es gar nicht. Aber da ich wie Anne Frank an das Gute im Menschen glaube, gebe ich Ih­nen noch eine Chance und stelle Ihnen auch gerne eine Frage und bin auf die Antwort gespannt, nämlich:

Ist es richtig, dass Sie vom „Verein zur Förderung der New Economy“ Zuwendungen an Ihren Sozialfonds erhalten haben, beziehungsweise wurden auf das zur Fonds­grün­dung von Ihnen eingerichtete und dann treuhändisch verwaltete Konto Zahlungen an­ge­wiesen, Geld angewiesen von diesem Verein, und wenn ja, in welcher Höhe? (Beifall bei den Grünen und der SPÖ.)

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Finanzen Mag. Karl-Heinz Grasser: Ich darf wie bei Frage 1 darauf antworten, dass ich in mehreren Dringlichen Anfragen, schriftlichen Anfrage­beantwortungen und in der Diskussion zum Unterausschuss des Rechnungshof­aus­schusses dazu Stellung genommen habe (Zwischenrufe bei der SPÖ) und dem nichts hinzuzufügen habe. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen. – Ruf bei der SPÖ: Das ist ja unerträglich!)

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Zu einer weiteren Zusatzfrage hat sich Herr Abgeord­neter Böhm zu Wort gemeldet.

 


Abgeordneter Franz Xaver Böhm (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehr­ter Herr Bundesminister! Als Vertreter der Salzburger Wirtschaft und der Salzburger Unternehmerschaft bedanke ich mich recht herzlich für die Steuerreform. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)

Ich erlaube mir, folgende Frage zu stellen: Gibt es bereits Studien über die Aus­wir­kungen der KöSt-Senkung auf den Arbeits- und Wirtschaftsstandort Österreich?

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Finanzen Mag. Karl-Heinz Grasser: Sehr geehrter Herr Ab­geord­neter! Ich möchte auf eine Studie verweisen, die das Wirtschaftsforschungs­ins­titut zur gesamten ersten und zweiten Etappe der Steuerreform durchgeführt hat und die vor einigen Tagen auch vorgestellt wurde – verfasst von Professor Aiginger, Pro­fessor Kramer, Margit Schratzenstaller im Jänner 2004. Die Autoren sagen darin Fol­gen­des: Die Effekte werden im Jahr 2005 0,4 Prozent zusätzliches Wachstum bringen, es wird im Jahr 2006 durch diese zwei Etappen der Steuerreform zusätzliche 0,5 Pro­zent Wachstum geben, und es wird einen Beschäftigungseffekt von zusätzlichen 4 000 bis 5 000 Personen geben.

Es gibt eine Untersuchung der ökonomischen Abteilung des Bundesministeriums für Finanzen, die mittelfristig von Beschäftigungseffekten von 12 000 zusätzlichen Jobs in Österreich ausgeht. – Ich denke daher, dass es sich dabei um eine sehr, sehr wichtige Maßnahme auch für den Arbeitsmarkt handelt. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Zur Geschäftsbehandlung haben sich Herr Abge­ord­neter Van der Bellen und Herr Abgeordneter Cap zu Wort gemeldet. – Bitte, Herr Kol­lege Van der Bellen.

 


9.26

Abgeordneter Dr. Alexander Van der Bellen (Grüne) (zur Geschäftsbehandlung): Inhaltlich, Herr Präsident: Es ist unmöglich, dass sich der Finanzminister zu der vorhin gestellten Frage betreffend die Überweisung vom Verein an diesen Sozialfonds schon gemeldet hat, weil das ein völlig neues Faktum ist, das bisher überhaupt nicht in der


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Diskussion war. – Es kann einfach nicht stimmen, was der Herr Finanzminister sagt. (Beifall bei den Grünen und der SPÖ.)

Ich stelle angesichts des fortgesetzten Antwortverweigerungs-Verhaltens des Finanz­minis­ters den Antrag auf Unterbrechung der Sitzung und Abhaltung einer Präsidial­sitzung. (Beifall bei den Grünen und der SPÖ.)

9.27

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Zur Geschäftsbehandlung: Herr Abgeordneter Cap, bitte.

 


9.27

Abgeordneter Dr. Josef Cap (SPÖ) (zur Geschäftsbehandlung): Ich möchte mich den Äußerungen von Klubobmann Van der Bellen vollinhaltlich anschließen. (Zwischenrufe bei der ÖVP.) Ich glaube, dass das insgesamt die Einrichtung der Fragestunde in Frage stellt, Herr Präsident, denn das ist ja auch ein Präzedenzfall. Wenn man hier seitens der Abgeordneten Fragen stellt und darauf keine Antwort bekommt und das einfach hinnimmt, dann braucht man künftig keine Fragestunden mehr durchzuführen. (Beifall bei der SPÖ und den Grünen.)

Daher würde ich ebenfalls die Auffassung vertreten, dass wir jetzt eine Sitzungs­unter­brechung machen sollten, um über die weitere Vorgangsweise hier zu beraten, denn das kann das Parlament einfach nicht hinnehmen. (Beifall bei der SPÖ und den Grü­nen.)

9.28

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Gibt es weitere Wortmeldungen zur Geschäftsbe­hand­lung? – Herr Abgeordneter Molterer, bitte.

 


9.28

Abgeordneter Mag. Wilhelm Molterer (ÖVP) (zur Geschäftsbehandlung): Herr Präsi­dent! Grundsätzlich ist es so – Herr Kollege Van der Bellen, Sie wissen das –, dass der Präsident über diese Fragen entscheidet, dass auch der Präsident darüber entschei­det, ob eine Sitzungsunterbrechung stattfindet.

Wenn es die Anregung gibt, eine Präsidiale durchzuführen, dann sollte sie zu einem Zeit­punkt durchgeführt werden, durch den der Sitzungsverlauf nicht gestört ist, Herr Präsident. Aber selbstverständlich bin ich ... (Zwischenrufe bei der SPÖ und den Grünen.) – Moment, Herr Professor Van der Bellen! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Selbstverständlich bin ich interessiert an einer Debatte über die Abwicklung der Frage­stunde, zum Beispiel über die in der Geschäftsordnung festgehaltene Vorgangsweise, was Zusatzfragen betrifft. Kein einziger „Zusatzfrager“ der Opposition hat sich an die Geschäftsordnung gehalten. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen. – Zwischenruf des Abg. Dr. Jarolim.)

9.29

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Weitere Wortmeldung zur Geschäftsbehandlung: Herr Abgeordneter Scheibner. – Bitte.

 


9.29

Abgeordneter Herbert Scheibner (Freiheitliche) (zur Geschäftsbehandlung): Herr Präsident! Ich halte eine Unterbrechung der Sitzung für nicht notwendig, die Frage­stunde sollte weitergeführt werden, halte es aber nach den heutigen Erfahrungen für sehr notwendig, dass wir uns über die zukünftige Durchführung von Fragestunden in der Präsidiale sehr genau unterhalten. Wenn man die Geschäftsordnung konkret anwen­det, dann ist nämlich klar zu sagen, dass Anfragen, auch mündliche Anfragen,


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zum Vollziehungsbereich des Ministers gestellt werden müssen (Abg. Mag. Posch – in Richtung Präsident Dr. Khol –: Entscheiden Sie es selbst, oder entscheiden Sie es, wie es der Herr Molterer vorgeschlagen hat? Entscheiden Sie selbst, Herr Präsident?), dass dem Minister freigestellt ist, wie er diese Anfragen beantwortet, und dass in der Geschäftsordnung ausdrücklich steht, dass die Antworten konkret und knapp sein sollen, sofern es die Anfragen auch erlauben.

Wenn man all das in einen Zusammenhang stellt, kann sich jeder, glaube ich, selbst ein Urteil über die jetzige Fragestunde bilden. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

9.30

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Meine Damen und Herren! Ich unterbreche die Sitzung und berufe eine Präsidialkonferenz – in meinem Büro – ein. (Beifall bei der SPÖ.)

Die Sitzung ist unterbrochen.

(Die Sitzung wird um 9.30 Uhr unterbrochen und um 10.38 Uhr wieder aufge­nom­men.)

*****

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Ich nehme die unterbrochene Sitzung wieder auf.

Meine Damen und Herren! Wir haben in der Präsidialkonferenz ausführlich über die Vor­kommnisse in den ersten 30 Minuten der heutigen Fragestunde beraten. Die Hand­habung der Geschäftsordnung und damit auch die Handhabung der Fragestunde obliegt dem Präsidenten. (Ruf bei der SPÖ: Das ist unbestritten!) Ich werde heute noch einmal wiederholen, wie ich – in voller Tradition mit der Praxis dieses Hauses – die Fragestunde zu handhaben gedenke.

Meine Damen und Herren! Es gibt eine Gesamtverantwortung aller Abgeordneten und aller, die an der Fragestunde teilnehmen, für die Würde des Hauses. Das Schauspiel, das wir in den ersten 30 Minuten der Fragestunde zum Teil (Zwischenrufe bei der SPÖ) hier geboten haben, ist mit der Würde des Hauses aus meiner Sicht nicht vereinbar. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.) – Ich bitte um keinen Beifall!

Die Geschäftsordnung regelt das Fragerecht und die Antwortverpflichtung im Hohen Haus sehr genau. Fragen, die nicht Gegenstand der Vollziehung sind, braucht ein Re­gierungsmitglied nicht zu beantworten. Ich werde weiterhin, wie es in vielen Jahren die Praxis war, auch Fragen zulassen, die nicht Gegenstand der Vollziehung sind, wobei es aber dem befragten Regierungsmitglied absolut freigestellt ist zu sagen: Das ist eine Frage, die nicht meine Vollziehung betrifft, und ich beantworte sie daher nicht.

Zweitens. – Grundsätzlich: Ich werde auch Zusatzfragen zulassen und Fragen, die nicht die Vollziehung betreffen. Auch hier hat der Minister die Möglichkeit zu sagen, ich beantworte sie nicht – oder er beziehungsweise sie beantwortet diese Frage.

Wenn aber in den Fragen kriminelle Handlungen unterstellt werden, werde ich in Zu­kunft die Verantwortung dafür übernehmen und diese Frage nicht zulassen.

Wie sieht es aus mit der Antwortpflicht des Ministers, der Ministerin, des Staats­sekre­tärs, der Staatssekretärin? – Die Geschäftsordnung legt hier sehr klar fest, dass das befragte Regierungsmitglied zu einer Antwort verpflichtet ist. Er/sie kann aber diese Antwort aus vielfältigen Gründen – rechtlichen, Datenschutz-, politischen, faktischen Gründen – verweigern, muss aber diese Gründe angeben. Ich glaube, wir bleiben aus gutem Grund bei dieser Antwortpflicht.


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Was den Inhalt der Antwort betrifft: Hier gibt es geschäftsordnungsmäßig kein Beur­teilungsrecht und kein Rügerecht des Präsidenten. Die Antwort, die erteilt wird, ist die Antwort – und diese zu beurteilen steht dem Hohen Haus zu. Es gibt kein geschäfts­ordnungsmäßiges Recht auf eine lange, auf eine Antwort in die eine oder in die andere Richtung.

Weiters bleiben wir bei der Praxis, dass – in Auslegung der Geschäftsordnung – Zu­satz­fragen kurz sein müssen und mit einem Einleitungssatz eingeleitet werden können. Beim zweiten Satz ist die Sache schon so, dass ich zu läuten beginne.

Ich setze jetzt mit der Fragestunde fort.

Ich appelliere an Sie, meine Damen und Herren, sich Ihrer Verantwortung für die Wür­de dieses Hauses und für das Erscheinungsbild bewusst zu sein und ihr auch gerecht zu werden. (Rufe bei den Grünen: Das gilt auch für die Regierungsmitglieder! – Abg. Brosz: Das gilt für die Regierungsmitglieder auch! – Gegenruf: Das gilt auch für Sie!) – Das gilt für jeden in diesem Haus, und das gilt auch für mich – ganz natürlich. Niemand steht in diesem Land außerhalb des Gesetzes, Herr Abgeordneter Jarolim. (Abg. Brosz: Auch die Regierungsmitglieder nicht!)

Fortsetzung der Fragestunde

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Wir setzen fort mit der Zusatzfrage des Abgeordneten Dipl.-Ing. Hofmann zur Frage 34/M – das ist der dritte Fragekomplex –, und wir werden die Fragestunde um 11.10 Uhr beenden. – Bitte.

 


Abgeordneter Dipl.-Ing. Maximilian Hofmann (Freiheitliche): Herr Bundesminister! Da das politische und wirtschaftspolitische Handeln der Oppositionsparteien in der jüngsten Vergangenheit sehr schlecht nachvollziehbar war – ich sage fairerweise dazu: Kollege Matznetter als Budgetsprecher hat sich mehrmals für eine Absenkung der KöSt unter 25 Prozent ausgesprochen –, erlaube ich mir, an Sie die Frage zu stellen:

Welche Folgen hätte es, nämlich für den Wirtschafts- und Arbeitsstandort Österreich, würde man auf die Senkung der Körperschaftsteuer verzichten?

 



Nationalrat, XXII.GPStenographisches Protokoll46. Sitzung / Seite 24

Präsident Dr. Andreas Khol: Bitte, Herr Bundesminister.

 


Bundesminister für Finanzen Mag. Karl-Heinz Grasser: Sehr geehrter Herr Präsi­dent! Hohes Haus! Herr Abgeordneter! Wenn man weiß, dass der Körperschaft­steuer­satz in Slowenien 20 Prozent, in Ungarn 16 Prozent, in Kroatien 20 Prozent, in Polen 19 Prozent, in der Slowakei 19 Prozent ausmacht, dann weiß man auch, dass es ganz, ganz wichtig war, den Körperschaftsteuersatz abzusenken, weil ansonsten eine Abwanderung sowohl von Arbeitsplätzen als auch von Unternehmungen eingetreten wäre. Insofern ist dies eine wichtige Maßnahme zur Attraktivierung des Wirtschafts- und Arbeitsstandortes Österreich. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Frei­heitlichen.)

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Wir kommen jetzt zur 4. Anfrage, die von Herrn Abge­ordnetem Bucher gestellt wird. Ich bitte den Herrn Abgeordneten, die Frage zu formu­lieren.

 


Abgeordneter Josef Bucher (Freiheitliche): Herr Bundesminister! Meine Frage lautet:

36/M

„Welches Volumen wurde/wird im Rahmen der beiden Etappen der Steuerreform sowie der drei Konjunkturbelebungs- bzw. Wachstumspakete insgesamt bewegt?“

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Bitte, Herr Bundesminister.

 


Bundesminister für Finanzen Mag. Karl-Heinz Grasser: Herr Präsident! Sehr geehr­ter Herr Abgeordneter! Wir bewegen mit der ersten Etappe der Steuerreform eine Net­to­entlastung von 500 Millionen €, mit dem Konjunkturpaket I und II sowie dem Wachs­tums- und Standortpaket etwas mehr als 1 Milliarde € und mit der zweiten Etappe der Steuerreform eine Nettoentlastung von 2,5 Milliarden €. Das heißt, in Summe hat diese österreichische Bundesregierung seit dem Jahr 2000 Entlastungen von mehr als 4 Mil­liarden € beschlossen. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Zusatzfrage? – Bitte, Herr Abgeordneter Bucher.

 


Abgeordneter Josef Bucher (Freiheitliche): Wie hoch waren die bewegten Volumina bei den Steuerreformen der Vorgängerregierungen?

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Finanzen Mag. Karl-Heinz Grasser: Herr Präsident! Sehr geehr­ter Herr Abgeordneter! Wenn Sie die Steuerreformen seit 1989 zusammen­rechnen, dann kommen Sie auf das Volumen, das wir mit den Etappen 2004 und 2005 jetzt in zwei Etappen umsetzen. Das heißt, alle Reformen zusammen seit 1989 haben das Ausmaß, das wir jetzt als ganz großen Entlastungsschritt für die österreichische Be­völkerung und für die österreichische Wirtschaft bewegen. – Der Vergleich macht uns sicher! (Beifall bei Abgeordneten der ÖVP und der Freiheitlichen.)

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Weitere Zusatzfrage? – Frau Abgeordnete Sburny, bitte.

 


Abgeordnete Michaela Sburny (Grüne): Herr Minister! Die Forschungsausgaben, die Ausgaben für Forschung und Entwicklung, die ein wesentlicher Indikator für ein dyna­mi­sches Wachstum in einer wissensbasierten Gesellschaft sind – wie es in den Lissabon-Zielen geplant ist –, sind in Österreich viel zu niedrig und werden auch durch die so genannten Konjunkturbelebungspakete keineswegs so erhöht, dass auch nur ir­gend­eine Chance besteht, die von der Regierung selbst angestrebte Forschungsquote von 2,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes bis 2006 zu erreichen.

Meine Frage daher: Was werden Sie über die bereits jetzt budgetierten – geringen – Mittel hinaus tun, um diese Forschungsquote bis 2006 zu erreichen und nicht völlig den Anschluss innerhalb Europas im Forschungsbereich zu verlieren?

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Bitte, Herr Bundesminister.

 


Bundesminister für Finanzen Mag. Karl-Heinz Grasser: Sehr geehrter Herr Präsi­dent! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Frau Abgeordnete! Da mit der Person des Vizekanzlers auch der Forschungsminister hier neben mir sitzt, möchte ich schon sagen: Wir haben gerade in dieser Legislaturperiode mehr für die Forschung initiiert als jemals zuvor.

Ich darf auf die Forschungsstiftung verweisen, die wir Ende des vergangenen Jahres ge­meinsam – auch beschlussmäßig hier im Hohen Haus – ins Leben gerufen haben.

Ich darf darauf verweisen, dass bis zum Jahr 2006 zusätzlich 1,2 Milliarden € – 1 200 Millionen € – für die Forschung zur Verfügung gestellt werden.

Ich darf verweisen auf die Einführung eines Freibetrages von 25 Prozent und einer Prämie von 8 Prozent, um auch zusätzliche Forschungsausgaben der Wirtschaft zu induzieren.

Insofern: Wir liegen jetzt im Schnitt des europäischen Niveaus, was die Forschungs­quote betrifft; wir haben das Ziel, im Jahr 2006 auf 2,5 Prozent zu kommen. Ich bin


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sehr zuversichtlich, dass das gelingt, weil wir für die Forschung und Entwicklung mehr Geld ausgeben als jede andere Bundesregierung vor uns. (Abg. Sburny: Aber wie?)

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Weitere Zusatzfrage? – Frau Abgeordnete Königs­berger-Ludwig, bitte.

 


Abgeordnete Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ): Sehr geehrter Herr Bundesminis­ter! Laut Aussagen des Rechnungshofpräsidenten Fiedler – wie wir gestern gehört haben – haben gerade die Lohnsteuerpflichtigen in den letzten Jahren durch die kalte Progression in überproportionalem Ausmaß zur Budgetkonsolidierung beigetragen.

Außerdem haben die ArbeitnehmerInnen beinahe zur Gänze die Last der schwarz-blauen Belastungspakete der letzten Jahre getragen.

Meine Frage lautet daher: Warum werden jetzt bei Ihrer Steuer- und Abgabenreform in den Jahren 2004 und 2005 im Speziellen wieder die großen Unternehmen in doppel­tem Ausmaß gegenüber den ArbeitnehmerInnen entlastet?

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Bitte, Herr Bundesminister.

 


Bundesminister für Finanzen Mag. Karl-Heinz Grasser: Sehr geehrter Herr Präsi­dent! Frau Abgeordnete! Ihre Feststellung ist unrichtig, denn beispielsweise macht die Senkung des Körperschaftsteuersatzes ein finanzielles Entlastungsvolumen von 975 Mil­lionen € aus (Abg. Mag. Kogler: Mehr als 1 Milliarde!), während wir an tarif­lichen Maßnahmen in Summe 1 Milliarde 380 Millionen € vorsehen.

Das heißt: Erstens wird jeder Steuerzahler entlastet, und zweitens war die soziale Gerechtigkeit Priorität dieser Steuerreform. (Abg. Brosz: Das ist gegen die Würde des Hauses!) 2 550 000 Steuerpflichtige – Einkommensteuer- und Lohnsteuerpflichtige – werden mit 1. Jänner 2005 keine Einkommensteuer und Lohnsteuer mehr zahlen. – Eine Reform gerade für die kleinen und mittleren Einkommen und damit ein wichtiger Punkt für soziale Gerechtigkeit! (Beifall bei Abgeordneten der ÖVP sowie des Abg. Mag. Mainoni.)

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Weitere Zusatzfrage? – Herr Abgeordneter Ing. Winkler, bitte.

 


Abgeordneter Ing. Josef Winkler (ÖVP): Herr Präsident! Herr Bundesminister! Mit welchem Entlastungsvolumen können die Klein- und Mittelbetriebe auf Grund der Steuerreform rechnen? (Abg. Parnigoni: Mit gar keinem! Mit null!)

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Bitte, Herr Bundesminister.

 


Bundesminister für Finanzen Mag. Karl-Heinz Grasser: Sehr geehrter Herr Präsi­dent! Werter Herr Abgeordneter! Ich konnte früher bereits ausführen: Wir entlasten die breite Masse der Klein- und Mittelbetriebe. Erster Schritt, erste Etappe der Steuer­reform: 100 000 €-Grenze – bis dorthin halber Durchschnittssteuersatz im Einkommen­steuerbereich. Und im Körperschaftsteuerbereich erfolgt die deutliche Senkung von 34 auf 25 Prozent. Insofern kommt es zu einer Entlastung für die breite Masse der Klein- und Mittelbetriebe, also für jene Unternehmen, die die Wertschöpfung erwirtschaften, die die Steuern zahlen und die die Arbeitsplätze sichern. Das war unser Ziel bei dieser Steuerreform – und das ist gut gelungen! (Beifall bei Abgeordneten der ÖVP sowie des Abg. Mag. Mainoni.)

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Damit ist der vierte Fragenkomplex abgearbeitet.

Wir kommen zur 5. Anfrage, die Frau Abgeordnete Bures stellt. – Bitte.

 


Abgeordnete Doris Bures (SPÖ): Herr Bundesminister! Meine Frage lautet:


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39/M

„Entsteht eine Steuerpflicht, wenn sich ein Errichter eines Fonds gemäß Bundes­stiftungs- und Fondsgesetz Teile des erforderlichen Gründungskapitals anstelle der Aufbringung aus seinem Privatvermögen durch Dritte zuwenden lässt?“

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Finanzen Mag. Karl-Heinz Grasser: Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordneten! Frau Abgeordnete Bures, die Rechts­an­sicht des BMF zu dieser Frage ist folgende: Der Errichter eines Fonds nach dem Bun­desstiftungs- und Fondsgesetz zieht ja keinerlei Vorteile aus dem Fonds selbst. Man­gels eines derartigen Vorteils kann der Errichter keiner Einkommensteuerpflicht unter­liegen. Eine Schenkungssteuer fällt dann nicht an, wenn der Fonds gemeinnützigen oder mildtätigen Zwecken dient. Dies ergibt sich aus § 15 Abs. 1 Z 14a des Erbschafts- und Schenkungssteuergesetzes.

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Zusatzfrage? – Bitte.

 


Abgeordnete Doris Bures (SPÖ): Herr Bundesminister! Ich möchte die Frage des Herrn Kollegen Krainer noch einmal formulieren, weil ich ebenfalls der Auffassung bin, dass sie in Ihre Vollziehung und daher in Ihre Zuständigkeit fällt.

Ist es richtig, dass Sie vom „Verein zur Förderung der New Economy“ Zuwendungen an Ihren Sozialfonds erhalten haben, beziehungsweise wurden solche auf das zur Fondsgründung von Ihnen eingerichtete Treuhandkonto angewiesen? Wenn ja, in welcher Höhe?

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Finanzen Mag. Karl-Heinz Grasser: Herr Präsident! Sehr geehr­te Frau Abgeordnete! Beide Fragenkomplexe, sowohl der „Verein zur Förderung der New Economy“, der ein privater Verein ist, als auch der Sozialfonds betreffen nicht Gegenstände meiner Vollziehung als Bundesminister für Finanzen. Deswegen sind diese Fragen aus meiner Sicht nicht geschäftsordnungsgesetzeskonform gestellt. Ich erlaube mir daher, sie nicht zu beantworten. (Abg. Dr. Jarolim: Sehr elegant!)

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Die nächste Zusatzfrage kommt von Herrn Abgeord­ne­tem Steindl.

 


Abgeordneter Konrad Steindl (ÖVP): Sehr geehrter Herr Bundesminister! Mich interessiert in diesem Zusammenhang die Rechtslage hinsichtlich der Steuerfreiheit von Spenden.

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Herr Bundesminister, bitte. (Abg. Parnigoni: Ein Fi­nanz­minister mit Geheimnissen! Was hat er zu verbergen?)

 


Bundesminister für Finanzen Mag. Karl-Heinz Grasser: Werter Herr Präsident! Wer­ter Herr Abgeordneter! Was die Steuerfreiheit von Spenden betrifft, so muss man Folgendes unterscheiden: Wenn zum Beispiel ein Vortrag gehalten wird, für den vom Vortragenden keinerlei Honorarleistung verlangt wird, dann sind diese Spenden, die lediglich aus Anlass dieses Vortrags an gemeinnützige Institutionen geleistet werden, beim Vortragenden nicht steuerpflichtig. Das gilt auch dann, wenn der Vortragende nur einen Hinweis darauf gibt, es könne ein ihm zunächst zugedachtes Honorar nach freier Entscheidung des Vortragsveranstalters einer gemeinnützigen Institution gespendet werden.

Wenn es umgekehrt ist, also man hält einen Vortrag und sagt, das Honorar dafür beläuft sich auf 1 000 €, 2 000 € und das spenden Sie bitte an diese oder jene Stelle,


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aber es ist mein Honorar, dann wäre es steuerpflichtig. (Abg. Parnigoni: Das schlech­te Gewissen ist ihm ins Gesicht geschrieben!)

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Eine weitere Zusatzfrage stellt Herr Abgeordneter Walch.

 


Abgeordneter Maximilian Walch (Freiheitliche): Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Bundesminister! Die SPÖ weist auf ihrer Homepage auf einen Solidaritätsfonds hin und bittet um Spenden. Ich habe folgende Frage dazu:

Welche steuerlichen Konsequenzen ergeben sich aus Ihrer Sicht für den Solidaritäts­fonds der SPÖ?

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Finanzen Mag. Karl-Heinz Grasser: Sehr geehrter Herr Präsi­dent! Herr Abgeordneter! Ich bitte um Verständnis, dass ich auf Grund der abgaben­rechtlichen Geheimhaltungspflicht zu konkreten Steuerfällen keine Auskunft erteilen kann. (Abg. Scheibner – in Richtung SPÖ –: Jetzt seid ihr froh! Jetzt regt ihr euch nicht auf!)

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Eine weitere Zusatzfrage stellt Herr Abgeordneter Mag. Kogler.

 


Abgeordneter Mag. Werner Kogler (Grüne): Herr Bundesminister! Wie erklären Sie sich die unterschiedlichen Auskünfte des Bundesministeriums für Finanzen, einerseits des Herrn Staatssekretärs anlässlich der angeblichen Steuerfreiheit Ihres New Eco­nomy-Vereins und andererseits Ihre heutigen Aussagen, wonach das Ganze jetzt quasi deshalb in Ihrer Privatsphäre sei, weil das ein privater Verein sei? Für die Frage der Steuerbeurteilung war das, was Ihre Sphäre betrifft, offensichtlich keine private Angelegenheit.

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Finanzen Mag. Karl-Heinz Grasser: Herr Präsident! Sehr geehr­ter Herr Abgeordneter! Es hat in dieser Frage keine unterschiedlichen Aussagen des Staatssekretärs und des Bundesministers für Finanzen gegeben. (Ironische Heiterkeit bei den Grünen und der SPÖ. – Abg. Dr. Jarolim: Das gibt es ja nicht!)

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Wir kommen damit zur 6. Anfrage.

Diesen Fragenkomplex leitet Herr Abgeordneter Haubner ein. Herr Abgeordneter, ich bitte um die Formulierung der Frage.

 


Abgeordneter Peter Haubner (ÖVP): Herr Präsident! Herr Bundesminister! Österreich ist dank dieser Bundesregierung das familienfreundlichste Land Europas. Meine Frage lautet:

32/M

„Welche familienpolitischen Effekte erwarten Sie sich durch das Familienpaket der Bun­desregierung im Rahmen der Steuerreform?“

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Finanzen Mag. Karl-Heinz Grasser: Sehr geehrter Herr Präsi­dent! Werter Herr Abgeordneter Haubner! Wir setzen 230 Millionen € zielgerichtet für eine Erhöhung des Kinderabsetzbetrages dort ein, wo es Alleinverdiener bezie­hungs­weise Alleinerzieher betrifft. Das heißt: Es gibt eine Kinderstaffel von 130 € Absetz­betrag für das erste Kind, 175 € für das zweite Kind und 220 € für das dritte Kind. Das


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ist eben gerade zielorientiert für 900 000 Alleinverdiener, darunter sind 100 000 Allein­erzieherinnen und Alleinerzieher. Diese Maßnahme ist ganz spezifisch auf eine armutsgefährdete Bevölkerungsgruppe hinorientiert, um diese zu unterstützen und um dieser eine besondere Entlastung anzubieten.

Das ist die Handschrift einer Bundesregierung, die nicht zuletzt mit dem Kinderbe­treu­ungsgeld gezeigt hat: Wir wollen Europameister in der Familienpolitik sein, weil wir wis­sen, dass Kinder 100 Prozent der Zukunft unseres Landes sind. (Beifall bei der ÖVP.)

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Zusatzfrage? – Bitte, Herr Abgeordneter Haubner.

 


Abgeordneter Peter Haubner (ÖVP): Herr Bundesminister! Die Bundesregierung dürf­te sich damit aber auf die Alleinverdiener konzentrieren. Können von der Erhöhung der Absetzbeträge auch jene Familien mit Kindern, in denen beide Elternteile berufs­tätig sind, profitieren?

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Bitte, Herr Bundesminister.

 


Bundesminister für Finanzen Mag. Karl-Heinz Grasser: Sehr geehrter Herr Abge­ord­­neter! Die Maßnahme ist spezifisch auf Alleinverdiener und Alleinerzieher orientiert, und zwar deshalb, weil man sehen muss, dass Doppelverdienerhaushalte natürlich auch zweimal von der Tarifentlastung profitieren. Wenn sowohl der Mann als auch die Frau arbeiten, profitieren beide von den generellen Entlastungsmaßnahmen beim Tarif. Mit dieser Alleinverdiener-, Alleinerzieherregelung wollten wir den Nachteil, dass es in Österreich keine Familienbesteuerung gibt und dadurch eine Familie, in der ein Allein­verdiener zum Beispiel 3 000 € verdient, höher besteuert wird als eine, in der beide Elternteile je 1 500 € verdienen, zielorientiert ausgleichen. Ich glaube, das ist ein richti­ger Schritt in diese Richtung. (Beifall bei der ÖVP.)

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Zusatzfrage? – Frau Abgeordnete Dipl.-Ing. Achleitner, bitte.

 


Abgeordnete Dipl.-Ing. Elke Achleitner (Freiheitliche): Herr Bundesminister! Die Op­position wird nicht müde, ständig zu behaupten, dass Frauen die großen Verliererinnen dieser Steuerreform sind. Ich frage Sie daher:

Wie profitieren Frauen von dieser Reform?

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Bitte, Herr Bundesminister.

 


Bundesminister für Finanzen Mag. Karl-Heinz Grasser: Sehr geehrter Herr Präsi­dent! Werte Frau Abgeordnete! Die Faktenlage zeigt das genaue Gegenteil, nämlich: Frauen profitieren stärker von der mit dieser Reform einhergehenden Entlastung – na­tür­lich auch deshalb, das muss man dazusagen, weil Frauen tendenziell ein niedri­ge­res Einkommen als Männer haben. Insofern profitieren sie auch stärker. (Abg. Dr. Gla­wischnig: Wo denn?)

Ich darf Ihnen ein Beispiel geben, was das Medianeinkommen der Frauen am Beispiel einer Arbeiterin in Österreich betrifft: Das Medianeinkommen einer Arbeiterin liegt bei monatlich 1 080 € brutto; diese Frau wird im Jahr netto 679 € weniger an Steuern zahlen. (Abg. Sburny: Wie viel zahlen Sie weniger?) Im Vergleich dazu wird der Mann, der Arbeiter, mit einem Medianeinkommen von 1 755 € – also deutlich höher – um 364 € entlastet. Insofern wird, so denke ich, sehr klar, dass die Entlastung der Frauen ganz grundsätzlich eine wesentlich höhere als die der Männer sein wird. Insbesondere ist auch die zweimalige Anhebung der Steuerfreigrenze beziehungsweise deren Effekt, dass nunmehr 2 550 000 Menschen keine Lohn- und Einkommensteuer mehr be­zah­len, sehr positiv für die Frauen, und auch die gerade diskutierte Thematik des Allein­erzieherabsetzbetrages hilft zielorientiert vor allem armutsgefährdeten Frauen.


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Ich bin daher der Überzeugung, dass wir auch im Sinne des Gender Mainstreaming mit dieser Reform einen wichtigen Impuls dafür geben, dass Frauen über ein höheres Netto­einkommen verfügen können. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Eine weitere Zusatzfrage formuliert Frau Abgeordnete Mandak. – Bitte. (Abg. Dr. Lichtenberger – in Richtung der Abg. Mandak –: Sag ihm, dass der Zynismus auch gegen die Würde des Hauses ist!)

 


Abgeordnete Sabine Mandak (Grüne): Sehr geehrter Herr Minister! Sie haben zwar gerade versucht, das Gegenteil zu beweisen, aber ist Ihnen nicht bewusst, dass Sie mit dieser Steuerreform genau jene Familien benachteiligen, in denen sich Mann und Frau die Kinderbetreuung und auch die Erwerbsarbeit aufteilen? Eine solche Familie mit zum Beispiel einem Gesamteinkommen von 2 000 € fällt durch sämtliche Netze. Sie wird bei dieser Steuerreform bestraft, denn sie hat nichts von Ihrer Steuerreform. (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Bitte, Herr Bundesminister.

 


Bundesminister für Finanzen Mag. Karl-Heinz Grasser: Herr Präsident! Sehr geehr­te Frau Abgeordnete, Gott sei Dank stimmt das, was Sie soeben ausgeführt ha­ben, wirklich nicht mit der Faktenlage überein (Abg. Mag. Kogler: Na sicher! – Abg. Sburny: Das, was Sie sagen, stimmt nicht!), denn selbstverständlich werden Doppel­verdienerhaushalte mit geringem Einkommen sehr, sehr deutlich entlastet. Wir wenden für die allgemeine Tarifentlastung 1 Milliarde 70 Millionen € auf! Das heißt, dass der neue Einkommensteuer- und Lohnsteuertarif selbstverständlich auch die Steuerzahler in dem Einkommensbereich, den Sie erwähnt haben, entlasten wird.

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Eine weitere Zusatzfrage formuliert Frau Abgeordnete Mag. Kuntzl. – Bitte.

 


Abgeordnete Mag. Andrea Kuntzl (SPÖ): Herr Bundesminister! Sie argumentieren, dass Sie mit dieser Steuerreform Alleinverdiener entlasten und damit einer armuts­gefährdeten Gruppe helfen. Ich denke, es ist kein Geheimnis, dass Armutsgefährdung zum einen Teil mit dem Familienstand zu tun hat, aber natürlich viel mehr noch mit dem Einkommen, über das die Familie verfügen kann.

Daher an Sie die Frage, warum eine Familie, in der beide Elternteile arbeiten und über ein kleines Einkommen verfügen, weniger profitiert als eine Familie, in der nur einer arbeitet, aber die Familie letztlich über ein viel größeres Einkommen verfügt: Warum wird hier die eine Familie, in der zwei arbeiten und wenig Geld zur Verfügung steht, benachteiligt? (Abg. Ellmauer: Ist ja bereits eine Tarifentlastung gemacht!)

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Finanzen Mag. Karl-Heinz Grasser: Sehr geehrter Herr Präsi­dent! Werte Frau Abgeordnete! Ich denke, dass ich diese Frage schon beantwortet habe. Ich sage es aber gerne noch einmal: Wir haben auf der einen Seite für die Beid­verdiener eine Tarifentlastung von 1 070 Millionen €, das heißt, zusammen mit der ersten Etappe eine durchschnittliche Entlastung von 500 € netto pro Jahr, die für den jeweiligen Steuerzahler mehr zur Verfügung stehen. Auf der anderen Seite haben wir gesagt, wir setzen zusätzlich 230 Millionen € für Alleinverdiener, Alleinerzieher ein, weil wir wissen, dass dies eine besonders armutsgefährdete Gruppe ist. Das heißt, wir machen nicht Entweder-oder, sondern wir machen Sowohl-als-auch in unserer Entlastung. (Beifall bei der ÖVP.)

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Wir haben damit die 6. Anfrage beantwortet und ge­langen nunmehr zur 7. Anfrage. Es ist dies eine Anfrage des Herrn Abgeordneten Dr. Pilz.


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Ich mache darauf aufmerksam, dass nach meiner Beurteilung diese Frage nicht die Vollziehung des Herrn Bundesministers betrifft. Entsprechend unserer bisherigen Praxis stelle ich es aber dem Herrn Bundesminister anheim, diese Frage zu beant­worten. – Bitte, Herr Abgeordneter Pilz.

 


Abgeordneter Dr. Peter Pilz (Grüne): Meine Frage, die meiner Auffassung nach ein­deutig die Vollziehung betrifft, lautet:

35/M

„Gegen wie viele und welche Mitarbeiter/innen Ihres Kabinetts laufen derzeit gericht­liche Strafverfahren?“

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Finanzen Mag. Karl-Heinz Grasser: Herr Präsident! Werter Herr Abgeordneter! Gegen keinen einzigen! Den Namen kann ich Ihnen daher nicht sagen, weil es keinen gibt.

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Wollen Sie eine Zusatzfrage stellen, Herr Abgeord­ne­ter? – Bitte.

 


Abgeordneter Dr. Peter Pilz (Grüne): Selbstverständlich und gerne. – Herr Mag. Gras­ser! Ein Mitglied Ihres Kabinetts namens Simhandl hat in Ihrem persönlichen Auftrag in der Finanzprokuratur interveniert, um eine gesetzwidrige Einrichtung einer Stiftung zu ermöglichen, die materiell auf dem so genannten Treuhandkonto fußt, das deshalb auf Grund Ihrer Intervention eindeutig ein Gegenstand der Vollziehung ist.

Deshalb frage ich Sie in Bezug auf diesen Gegenstand der Vollziehung: Welche Mittel des „Vereins zur Förderung der New Economy“ sind an dieses Treuhandkonto, das später in den Sozialfonds übergeführt worden ist und zu 100 Prozent in Ihrem per­sönlichen Eigentum steht, geflossen?

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Finanzen Mag. Karl-Heinz Grasser: Sehr geehrter Herr Präsi­dent! Werter Herr Abgeordneter! Erstens ist es unrichtig, dass es eine Intervention gegeben hat. Es hat keine Intervention gegeben.

Zweitens ist dieser Sozialfonds ein gemeinnütziger Fonds, der für arme und kranke Kin­der da ist und daher ein soziales Engagement darstellt. Es steht Ihnen frei, dieses soziale Engagement zu kritisieren.

Dritter Punkt: Ich habe früher gesagt, dass es nicht Gegenstand der Vollziehung ist. Daher werde ich mir jede weitere Ausführung ersparen, Herr Abgeordneter Pilz.

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Zu einer Zusatzfrage hat sich Herr Abgeordneter Kräu­ter zu Wort gemeldet. – Bitte.

 


Abgeordneter Dr. Günther Kräuter (SPÖ): Herr Bundesminister! Sie behaupten in der Öffentlichkeit immer, dass Ihre Homepage privat ist und den Steuerzahler keinen Cent kostet.

Jetzt zur Vollziehung, Herr Bundesminister, zu Ihrer Vollziehung: Ist es richtig, dass ein Mag. Johannes Pasquali, Vertragsbediensteter in der Sektion I im Finanzministerium, auf Steuerzahlerkosten Ihre Homepage betreut?

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Finanzen Mag. Karl-Heinz Grasser: Sehr geehrter Herr Abge­ord­neter! Ich habe früher ausgeführt, dass die Homepage, die Sie nennen, die Home-


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page des „Vereins zur Förderung der New Economy“ ist. Dieser Verein ist ein privater Verein, daher ist es keine Frage der Vollziehung. (Heftige Zwischenrufe bei der SPÖ und den Grünen.)

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Weitere Zusatzfragen werden nicht gestellt.

Wir kommen damit zum 8. Fragenkomplex, den Herr Abgeordneter Mainoni for­mu­liert. – Bitte, Herr Abgeordneter.

 


Abgeordneter Mag. Eduard Mainoni (Freiheitliche): Sehr geehrter Herr Bundes­minis­ter! Meine Frage lautet:

37/M

„Worin liegen die wesentlichen Unterschiede in der Privatisierungspolitik der SPÖ-ge­führten Regierungen bis 1999 und der zwischen ÖVP und FPÖ gebildeten Regie­run­gen ab 2000?“

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Finanzen Mag. Karl-Heinz Grasser: Sehr geehrter Herr Präsi­dent! Werter Herr Abgeordneter Mainoni! Der Unterschied ist leicht erklärt. In den Jahren 1981 bis 1990 musste der Steuerzahler diesen verstaatlichten Unternehmen 4 300 Millionen € an Kapital zuführen. Das heißt, 4 300 Millionen € an Steuergeld sind in diese Unternehmungen geflossen. Gleichzeitig, sehr geehrter Herr Abgeordneter, ist der Personalstand dieser Unternehmen dramatisch zurückgegangen, und zwar in die­ser Größenordnung: 40 000 bis 50 000 Arbeitsplätze sind dort verloren gegangen. Überdies wurde uns ein Schuldenstand in der ÖIAG, die diese Unternehmens­beteili­gun­gen hält, von 6,3 Milliarden € übergeben.

Der Unterschied ist: Diese Unternehmen machen jetzt gute Gewinne, diese Unter­nehmen sind gut auf dem Markt tätig. Wir haben die ÖIAG betriebswirtschaftlich saniert und haben sogar Dividenden in den Staatshaushalt bekommen. Es ist also ein gutes Wirtschaften zugunsten der Steuerzahler und der Beschäftigten in diesen Unter­neh­men.

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Zusatzfrage? – Bitte, Herr Abgeordneter.

 


Abgeordneter Mag. Eduard Mainoni (Freiheitliche): Es zeigt sich hier einmal mehr, dass die von der SPÖ geführten Regierungen bis 1999 offensichtlich nicht sehr in Kenntnis einer Privatisierungspolitik waren, im Gegensatz zur ÖVP/FPÖ-Regierung.

In diesem Zusammenhang stelle ich meine Zusatzfrage: Wie hoch sind die Priva­tisie­rungserlöse und vor allem auch die Dividendenzahlungen in den Jahren 1996 bis 1999 im Vergleich zu den Jahren 2000 bis 2003?

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Bitte, Herr Bundesminister.

 


Bundesminister für Finanzen Mag. Karl-Heinz Grasser: Herr Präsident! Sehr geehr­ter Herr Abgeordneter! Die Privatisierungserlöse der ÖIAG von 1996 bis 1999 haben ungefähr 1,2 Milliarden € ausgemacht. Von 2000 bis 2003 haben wir Privatisierungs­erlöse von 3,9 Milliarden € erzielt, das heißt, mehr als das Dreifache an Privatisie­rungs­erlösen.

Was die Dividendeneinnahmen betrifft: 1996 bis 1999 waren es 301,7 Millionen €, 2000 bis 2003 921,7 Millionen € – ebenfalls mehr als das Dreifache.

Man sieht, wer gut mit dem Geld des Steuerzahlers umgeht und wer gut wirtschaftet. (Beifall bei der ÖVP.)

 



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Präsident Dr. Andreas Khol: Zu einer weiteren Zusatzfrage hat sich Herr Abge­ord­neter Mag. Kogler gemeldet. – Bitte.

 


Abgeordneter Mag. Werner Kogler (Grüne): Herr Bundesminister! Sie haben vorhin auf die Frage des Kollegen Kräuter, die eindeutig auf einen Beamten Ihres Ministe­riums abgezielt hat, die Antwort deshalb verweigert, weil Sie wieder auf irgendwelche Privatsphären verwiesen haben.

Ist die neue Privatisierungsstrategie in Ihrem Haus die, dass nunmehr das ganze Finanzministerium privatisiert und in den Verein „New Economy“ übergeführt wurde? (Heiterkeit und Beifall bei den Grünen und der SPÖ.)

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Finanzen Mag. Karl-Heinz Grasser: Sehr geehrter Herr Prä­sident! Werter Herr Abgeordneter! Mir fehlt die Kreativität zur Beantwortung dieser Frage. Ich würde sagen, das machen wir uns bei einem Kaffee aus. (Abg. Mag. Kog­ler: Fein!)

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Herr Bundesminister, es gibt eine weitere Zusatzfrage: Kollege Hannes Bauer. – Bitte.

 


Abgeordneter Dkfm. Dr. Hannes Bauer (SPÖ): Herr Bundesminister! Ich halte zwar den Ausverkauf Österreichs für strategisch falsch, und ich halte es auch für falsch, dass die Kernaktionärsrolle von dieser Bundesregierung nicht wahrgenommen werden will. Trotzdem möchte ich folgende Frage stellen – fairerweise muss man ja das Jahr 2000 dazurechnen, wenn man einen Vergleich anstellt –: Wie hoch sind die Erlöse aus der Privatisierung einschließlich 2000, und wie hoch sind die Erlöse aus der Priva­tisierung von dieser Bundesregierung an zu beziffern?

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Bitte, Herr Minister.

 


Bundesminister für Finanzen Mag. Karl-Heinz Grasser: Sehr geehrter Herr Präsi­dent! Werter Herr Abgeordneter! Wenn Sie sinnvoll einen Vergleich der Vorgänger­regierung zur jetzigen Regierung ziehen wollen, dann – das muss ich Ihnen ehrlich sagen – kann ich Ihre Rechnung nicht nachvollziehen, warum jetzt der Privatisierungs­erlös 2000 zur Vorgängerregierung gerechnet werden sollte. Die letzte Bundesre­gierung war seit dem 4. Februar 2000 im Amt, und die Privatisierungen, die 2000 statt­gefunden haben, haben auf Grund des Privatisierungsauftrags der alten Bundesre­gie­rung stattgefunden und wurden auch so umgesetzt.

Insofern bleibe ich bei den Zahlen, die ich Ihnen genannt habe: mehr als das Dreifache der Privatisierungserlöse im Vergleich zur Vorgängerregierung. (Abg. Dr. Bauer: Wel­cher Wert in den Jahren zuvor ...!)

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Eine weitere Zusatzfrage stellt Herr Abgeordneter Le­dolter. – Bitte.

 


Abgeordneter Johann Ledolter (ÖVP): Herr Präsident! Herr Bundesminister! Die Erfolgs­geschichte der Privatisierung der ÖIAG hat nicht nur zu einer Flexibilisierung der Betriebe geführt, sondern hat auch ermöglicht, einen Großteil der Schulden zurück­zuzahlen.

Mich interessiert in diesem Zusammenhang: Wie hoch war der Beschäftigungsstand früher im Vergleich zum heutigen Beschäftigungsstand in der ÖIAG?

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Herr Bundesminister, bitte.

 


Bundesminister für Finanzen Mag. Karl-Heinz Grasser: Sehr geehrter Herr Prä­sident! Werter Herr Abgeordneter! Der Beschäftigtenstand betrug beispielsweise im


Nationalrat, XXII.GPStenographisches Protokoll46. Sitzung / Seite 33

Jahr 1986 103 000 Personen, die in diesen Unternehmungen beschäftigt waren. Heute sind im Kernbereich der ÖIAG nur noch 51 000 Personen beschäftigt.

Das ist genau die Politik, die ich erwähnt habe: 4 300 Millionen € musste man den Un­ternehmen an Subventionen geben, gleichzeitig sind mehr als 50 000 Arbeitsplätze ver­loren gegangen. Ein Beweis dafür: Privat ist besser als der Staat! (Beifall bei der ÖVP.)

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Damit sind die 60 Minuten der Fragestunde um 11.10 Uhr, wie enunziert, beendet, und wir gelangen nun zur normalen Tagesordnung.

Absehen von der 24-stündigen Aufliegefrist

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Um den Punkt 14 der Tagesordnung in Verhandlung nehmen zu können, ist es gemäß § 44 Abs. 2 des Geschäftsordnungsgesetzes erfor­derlich, von der 24-stündigen Frist für das Aufliegen des Ausschussberichtes abzu­sehen. Es handelt sich dabei um den Immunitätsfall des Abgeordneten Dr. Lopatka.

Ich bitte jene Damen und Herren, die der Abstandnahme von der Aufliegefrist für diesen Ausschussbericht ihre Zustimmung erteilen, um ein Zeichen. – Das ist ein­stim­mig angenommen.

Herr Kollege Posch, es ist mit der Würde des Hauses nicht vereinbar, stehend zu telefonieren, auch sitzend nicht.

Damit ist die erforderliche Zweidrittelmehrheit gegeben, und das ist angenommen.

Einlauf und Zuweisungen

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Hinsichtlich der eingelangten Verhandlungsgegenstände und deren Zuweisungen verweise ich gemäß § 23 Abs. 4 der Geschäftsordnung auf die im Sitzungssaal verteilte Mitteilung.

Die schriftliche Mitteilung hat folgenden Wortlaut:

A. Eingelangte Verhandlungsgegenstände:

Regierungsvorlage:

Bundesgesetz, mit dem das Karenzurlaubszuschussgesetz und das Karenzgeldgesetz, das Karenzurlaubsgeldgesetz und das Kinderbetreuungsgeldgesetz geändert werden (387 d.B.).

B. Zuweisungen in dieser Sitzung:

zur Vorberatung:

Ausschuss für Arbeit und Soziales:

Antrag 323/A (E) der Abgeordneten Mag. Barbara Prammer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Verbesserungen des Kinderbetreuungsgeldes;

Außenpolitischer Ausschuss:

Europa-Mittelmeer-Assoziationsabkommen zwischen der Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten einerseits und der Libanesischen Republik andererseits samt Anhängen, Protokollen und Schlussakte (388 d.B.),


Nationalrat, XXII.GPStenographisches Protokoll46. Sitzung / Seite 34

Europa-Mittelmeer-Abkommen zur Gründung einer Assoziation zwischen der Euro­päischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten einerseits und der Demokratischen Volksrepublik Algerien andererseits samt Anhängen, Protokollen und Schlussakte (389 d.B.);

Budgetausschuss:

Bundesgesetz, mit dem ein Gesetz über die Errichtung der Buchhaltungsagentur des Bundes (Buchhaltungsagenturgesetz – BHAG-G) erlassen sowie das Bundeshaus­haltsgesetz und das Bundesfinanzgesetz 2004 (BFG 2004) geändert werden (381 d.B.);

Familienausschuss:

Antrag 324/A (E) der Abgeordneten Mag. Andrea Kuntzl, Kolleginnen und Kollegen betreffend Verbesserungen des Kinderbetreuungsgeldes;

Gesundheitsausschuss:

Bundesgesetz, mit dem das Bundesgesetz, mit dem ein Fonds zur Finanzierung der In-vitro-Fertilisation eingerichtet wird, geändert wird (IVF-Fonds-Gesetz-Novelle 2004) (369 d.B.),

Bundesgesetz, mit dem das Arzneimittelgesetz, das Bundesgesetz über Kranken­an­stal­ten und Kuranstalten, das Arzneiwareneinfuhrgesetz 2002 und das Bundesgesetz über die Errichtung eines Fonds „Österreichisches Bundesinstitut für Gesund­heits­wesen“ geändert werden (384 d.B.),

Antrag 325/A (E) der Abgeordneten Mag. Brigid Weinzinger, Kolleginnen und Kollegen betreffend Einsatz der frei werdenden GrenztierärztInnen für die Kontrolle von Tier­transporten;

Justizausschuss:

Bundesgesetz über die justizielle Zusammenarbeit in Strafsachen mit den Mitglied­staaten der Europäischen Union (EU-JZG) (370 d.B.),

Antrag 319/A (E) der Abgeordneten Dr. Gabriela Moser, Kolleginnen und Kollegen be­treffend Sanierung alter Bleiwasserrohre in Wohnhäusern;

Umweltausschuss:

Antrag 321/A (E) der Abgeordneten Dr. Gabriela Moser, Kolleginnen und Kollegen betreffend Pfandsystem für Handys;

Verkehrsausschuss:

Antrag 320/A (E) der Abgeordneten Dr. Gabriela Moser, Kolleginnen und Kollegen betreffend Strahlungskennzeichnung von Mobiltelefonen,

Antrag 322/A (E) der Abgeordneten Dr. Evelin Lichtenberger, Kolleginnen und Kollegen betreffend Abwendung der ab 2005 vorgesehenen Kürzung der Nahverkehrsförderung des Bundes;

Wirtschaftsausschuss:

Antrag 318/A (E) der Abgeordneten Mag. Dietmar Hoscher, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Maßnahmenpaket zur Rettung tausender Tourismusbetriebe in Winter­sportzentren;


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Ausschuss für Wissenschaft und Forschung:

Bundesgesetz über die Universität für Weiterbildung Krems (DUK-Gesetz 2004) (385 d.B.).

*****

Ankündigung von Dringlichen Anfragen

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Ich gebe weiters bekannt, dass vor Eingang in die Tagesordnung die Abgeordneten Dr. Brinek, Dr. Bleckmann, Kolleginnen und Kollegen das Verlangen gestellt haben, die schriftliche Anfrage 1376/J der Abgeordneten Dr. Ger­trude Brinek, Dr. Magda Bleckmann, Kolleginnen und Kollegen an die Bun­desministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur betreffend Eskalation der Gewalt und der Sprache im Zuge von Studentenprotesten der Linken dringlich zu behandeln. (Heiterkeit bei den Grünen. – Abg. Mag. Mainoni: So ist es!)

Gemäß der Geschäftsordnung wird die Dringliche Anfrage um 15 Uhr behandelt werden.

*****

Ich gebe weiters bekannt, dass die Abgeordneten Dr. Cap, Kolleginnen und Kollegen das Verlangen gestellt haben, eine vor Eingang in die Tagesordnung eingebrachte schriftliche Anfrage 1375/J der Abgeordneten Dr. Cap, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Finanzen dringlich zu behandeln.

Im Hinblick auf die Kollisionsnorm des § 57b der Geschäftsordnung, wonach nur eine Dringliche Anfrage oder ein Dringlicher Antrag an einem Tag in einer Sitzung zur Behandlung kommen kann, wird diese Dringliche Anfrage nicht zum Aufruf gelangen.

Verlangen auf Durchführung einer kurzen Debatte über die Anfragebeantwortung 1014/AB

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Vor Eingang in die Tagesordnung teile ich weiters mit, dass das gemäß § 92 der Geschäftsordnung gestellte Verlangen vorliegt, eine kurze Debatte über die Beantwortung 1014/AB der Anfrage 1008/J der Abgeordneten Bayr, Kolleginnen und Kollegen betreffend die österreichische Entwicklungshilfe durch die Bundesministerin für auswärtige Angelegenheiten abzuhalten.

Da für die heutige Sitzung die dringliche Behandlung einer schriftlichen Anfrage ver­langt wurde, wird die kurze Debatte im Anschluss an diese stattfinden.

Behandlung der Tagesordnung

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Es ist vorgeschlagen, die Debatten über die Punkte 1 und 2, 3 und 4, 5 und 6, 7 und 8, 9 bis 11 sowie 12 und 13 der Tagesordnung jeweils zusammenzufassen.

Wird dagegen eine Einwendung erhoben? – Es erfolgt keine Einwendung, daher wer­den wir so vorgehen.

Ich gehe damit in die Tagesordnung ein.


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Redezeitbeschränkung

 


Präsident Dr. Andreas Khol: In der Präsidialkonferenz wurde Konsens über die Dau­er der Debatten der Tagesordnung erzielt. Demgemäß wurde eine Tagesblockzeit von 8 „Wiener Stunden“ vereinbart, sodass sich folgende Redezeiten ergeben: ÖVP und SPÖ je 140 Minuten, Freiheitliche 96 Minuten, Grüne 104 Minuten.

Wir kommen sogleich zur Abstimmung darüber.

Ich bitte jene Damen und Herren, die diesem Vorschlag zustimmen, um ein dies­bezügliches Zeichen. – Das ist einstimmig angenommen. Wir werden so vorgehen.

1. Punkt

Bericht des Umweltausschusses über das Volksbegehren (206 d.B.) „Atomfreies Europa“ (373 d.B.)

2. Punkt

Bericht des Umweltausschusses über den Entschließungsantrag 43/A (E) der Ab­geordneten Mag. Ulrike Sima, Kolleginnen und Kollegen betreffend Nichtzu­stim­mung Österreichs zur Aufstockung des EURATOM-Kreditrahmens (374 d.B.)

 


Präsident Dr. Andreas Khol: Wir gelangen nunmehr zu den Punkten 1 und 2 der Tagesordnung, über welche die Debatte unter einem durchgeführt wird.

Auf eine mündliche Berichterstattung wurde verzichtet.

Zu Wort gemeldet hat sich Frau Abgeordnete Mag. Sima. Sie hat sich 5 Minuten Re­dezeit gewünscht. – Frau Kollegin, Sie sind am Wort. (Abg. Mag. Sima – auf dem Weg zum Rednerpult –: Gewünscht hätte ich mir mehr!)

 


11.15

Abgeordnete Mag. Ulrike Sima (SPÖ): Herr Präsident! Herr Bundesminister! Hohes Haus! Gleich vorweg, Herr Bundesminister: Ich bedauere, dass es keine Einigung ge­geben hat und dass wir es nicht geschafft haben, einen Vier-Parteien-Antrag zum The­ma Atom, das an sich ein Konsensthema ist, zustande zu bringen. Wir haben lange und, wie ich glaube, auch sehr ernsthaft verhandelt, aber der Vorschlag der Regie­rungsparteien, die EURATOM-Kreditmittel von 4 auf 6 Milliarden € aufzustocken ... (Abg. Wittauer: Aber das stimmt nicht! Das ist nicht der Vorschlag der Regierungs­parteien!)

Ihr Vorschlag, Herr Kollege Wittauer, war, dieser Aufstockung zuzustimmen. (Abg. Wit­tauer: Nein, nein, nein! Einstimmigkeitsprinzip!) Ich gebe zu, es ist nicht Ihr Vorschlag gewesen. Sie haben vorgeschlagen, dieser Aufstockung zuzustimmen. Das ist für uns leider inakzeptabel, da können wir nicht mit. Bei einem solchen Vier-Parteien-Antrag können wir auch nicht mitgehen, weil wir der Aufstockung der EURATOM-Kreditmittel und damit der Finanzierung von AKWs einfach ablehnend gegenüberstehen. (Abg. Wittauer: Ist ja ein Mehrheitsbeschluss!)

Ich halte diese Aufstockung auch für ein völlig falsches Signal – wir haben uns schon im Ausschuss darüber unterhalten – in Richtung der EU. Meiner Meinung nach können wir uns auf EU-Ebene nicht glaubwürdig gegen Atomkraftwerke einsetzen, wenn wir gleichzeitig deren Finanzierung mit beschließen. Ich glaube, es ist eine Entweder-oder-Frage, und nachdem Sie sich entschlossen haben, die Finanzierung dieser AKWs auf EU-Ebene zu unterstützen, gibt es eben keine Einigung. Sie kennen unsere Position: Solange es diese finanzielle Sonderstellung der Atomkraft gibt, solange es die


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Sonderfinanzierung der Atomkraft auf EU-Ebene gibt, solange werden auch neue Atomkraftwerke gebaut werden. Dass Österreich da jetzt mittun will, aus welchen strategischen Gründen auch immer, halten wir einfach für eine falsche Entscheidung. (Präsident Dr. Fischer übernimmt den Vorsitz.)

Bei Ihrem Antrag ist auch die Fertigstellung von Atomkraftwerken nicht ausge­schlos­sen. Das war einer der Punkte, an denen eine mögliche Einigung gescheitert ist. Denn wir halten es auch für einen schweren Fehler, die Finanzierung der Fertigstellung von Atomkraftwerken nicht auszuschließen. Wir kennen ja die Projekte, die bereits in der Warteschleife für EURATOM sind, das heißt, bei denen man davon ausgehen kann, dass sie als Nächstes finanziert werden. 300 Millionen € sollen etwa in das russische AKW Kalinin 3 gesteckt werden, 250 Millionen € sind für den bulgarischen Reaktor Cernavoda 2 vorgesehen. Das heißt, wir wissen auch ungefähr, was an Finan­zie­run­gen auf uns zukommt. Es gab auch Pläne der EU-Kommission, sechs weitere rus­sische Reaktoren an vier Standorten zu finanzieren.

Ich glaube also, dass die Entwicklung in eine völlig falsche Richtung geht, und kann mir nicht vorstellen, dass Österreich die Finanzierung dieser Reaktoren wirklich unter­stützen will, auch wenn man sich anschaut, wofür die EURATOM-Gelder in der Ver­gangenheit verwendet wurden. (Abg. Kopf: Das haben wir ja geändert!) 680 Mil­lionen € wurden für die Tschernobyl-Ersatzreaktoren K2/R4 zumindest zugesagt und werden auch noch ausbezahlt werden, 213 Millionen für die Nachrüstung der Blöcke 5 und 6 in Kosloduj. Ich glaube, dass das einfach in die völlig falsche Richtung geht. Wenn man sich das anschaut, sieht man, dass bisher auch kein Euro in die Stilllegung von Atomkraftwerken geflossen ist, und eine Änderung dieser Politik ist nicht absehbar.

Ein Punkt, über den wir auch sehr lange diskutiert haben, war die aus meiner Sicht frag­würdige Finanzierung von Sicherheitsaufrüstungen. Das ist immer ein zwei­schneidiges Schwert. Einerseits bedeutet es natürlich meistens, dass ein Atomkraft­werk sicherer wird, auf der anderen Seite wird allerdings auch die Lebenszeit und die Laufzeit eines Atomkraftwerkes verlängert. Deswegen ist immer die Gefahr gegeben, dass Laufzeitverlängerungen unter dem Deckmantel der Sicherheitsaufrüstung durch­geführt werden.

Herr Bundesminister! Mit der EURATOM-Finanzierung, der Sie zustimmen wollen, finanzieren wir letztendlich die Atomkraftwerke, die wir als Österreicher morgen be­kämp­fen werden. Das ist für uns einfach ein Widerspruch und ein Grund, weshalb wir hier nicht zustimmen werden. Wir sind vielmehr für einen anderen Ansatz, wie wir ihn schon im Umweltausschuss diskutiert haben. Österreich zahlt laut einer Anfrage­beant­wortung des Bundeskanzlers jährlich 40 Millionen € an Beiträgen für EURATOM. Das ist aus unserer Sicht wirklich eine Geldverschwendung, denn: Warum sollten wir den Neubau, die Fertigstellung oder was auch immer an Atomkraftwerken unterstützen?

Anstatt der Aufstockung zuzustimmen, wie Sie es vorhaben, sollten wir uns lieber über den Ausstieg aus dem EURATOM-Vertrag, den Ausstieg aus diesem einseitigen För­dervertrag unterhalten. Ich weiß, Sie sind nicht dieser Meinung, aber ich halte es trotzdem für die bessere Strategie. (Beifall bei der SPÖ.)

11.19

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Kopf. Die Uhr ist auf 8 Minuten gestellt. – Bitte.

 


11.20

Abgeordneter Karlheinz Kopf (ÖVP): Meine Damen und Herren Abgeordneten! Ich glaube, es gibt kaum ein Thema in diesem Land wie die Atompolitik, wo sich die vier Parteien im Grundsatz so einig sind. Österreich vertritt auch – und ich glaube, das


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kann man mit Fug und Recht sagen – eine der konsistentesten und ... (Von Besuchern auf der Publikumsgalerie wird ein Transparent mit der Aufschrift „ÖVP und FPÖ, Hand­langer der Atom-Mafia; Global 2000“ über die Brüstung der Galerie ins Plenum gehalten.)

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Herr Abgeordneter, darf ich Sie eine Sekunde unter­bre­chen und die Kolleginnen und Kollegen vom Haus bitten, das Transparent von der Ga­lerie zu entfernen. (Dem Ersuchen von Präsident Dr. Fischer wird nachgekommen.)

Herr Abgeordneter, bitte setzen Sie fort!

 


Abgeordneter Karlheinz Kopf (fortsetzend): Danke, Herr Präsident. – Ich glaube, dass der Inhalt dieses Transparents, das hier von „Global 2002“ soeben entrollt worden ist, leicht zu widerlegen sein wird. Ich werde das in der Folge auch kurz zu tun ver­suchen. Aber ganz kurz noch einmal ... (Es wird ein weiteres Mal der Versuch un­ternommen, das oberwähnte Transparent über die Brüstung der Galerie ins Plenum zu halten. – Abg. Dr. Stummvoll: Was ist denn das?! – Abg. Wittauer: Herr Präsident! Da muss man schon eingreifen! – Abg. Dr. Fekter: Werft sie aus dem Haus! – Ruf bei der ÖVP: Das ist doch unzumutbar! – Weitere Zwischenrufe bei der ÖVP. – Mitarbeitern der Parlamentsdirektion gelingt es, das Transparent zu entfernen.)

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Kollege Kopf, setzen Sie fort!

 


Abgeordneter Karlheinz Kopf (fortsetzend): Meine Damen und Herren! Ich glaube, wir können uns wieder dem Inhaltlichen zuwenden, auch wenn das offensichtlich den Damen und Herren noch etwas schwerfällt. (Abg. Parnigoni: Vielleicht wollen sie dir nicht zuhören!) Ja, es sind deine auch.

Ich glaube, diese Anti-Atomhaltung hat sich bei Zwentendorf und in der Entscheidung über das Verfassungsgesetz betreffend die Nichtanwendung der Atomenergie und letz­ten Endes auch in unseren Bemühungen auf europäischer Ebene immer wieder nie­dergeschlagen. Wahrscheinlich ist das auch die Erklärung dafür, warum das Volks­be­geh­ren, das wir auch unter diesen zwei Tagesordnungspunkten behandeln, eine so geringe Zahl von Unterstützungen, nämlich nur 131 000 Unterschriften, bekommen hat. Die Menschen in Österreich wissen, dass diese Bundesregierung und auch der Na­tionalrat in dieser Frage in der Vergangenheit sehr konsequent waren, und sind sich sicher, dass sie das auch in Zukunft sein werden. (Beifall bei der ÖVP und den Frei­heitlichen.)

Es kommt noch Folgendes dazu: Dieses Volksbegehren stellt auch eine Forderung auf, und zwar die Forderung nach Änderung der Verfassung in einem Punkt, nämlich nach Bindung unserer Minister auf europäischer Ebene, wo selbst Experten, die von der Opposition benannt worden sind, die Unsinnigkeit oder die Nichtsinnhaftigkeit – sagen wir es vornehmer – dieses Ansinnens bestätigt und attestiert haben, von welchem dann alle vier Parteien Abstand genommen haben.

Eines zeigt sich allerdings schon – und da komme ich auf das Transparent von vorhin zurück –: Apodiktisch eingenommene Positionen machen in vielen Fällen und gerade auf europäischer Ebene keinen Sinn! Es macht selbstverständlich Sinn, konsequent ge­gen die Anwendung der Atomenergie nicht nur in Österreich, sondern auch auf euro­päischer Ebene einzutreten, aber dafür braucht man auch eine sinnvolle und ziel­füh­rende Strategie. Nach Brüssel zu fahren und dort gegen den EURATOM-Vertrag und in diesem Fall gegen die Aufstockung der Mittel im Rahmen des EURATOM-Vertrages apodiktisch aufzutreten – die Aufstockung der Mittel zu verhindern, das haben auch wir vertreten –, kann ein Schuss in das eigene Knie sein, so wie es in diesem Fall die Nicht­zustimmung der Oppositionsparteien zu diesem Entschließungsantrag auch tat-


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sächlich ist. Das, was Sie hier tun, meine Damen und Herren, ist ein Schuss ins eigene Knie, und ich erkläre Ihnen und auch der Öffentlichkeit gerne noch einmal, warum.

Die Aufstockung der EURATOM-Mittel, die zugegebenermaßen, wie die Frau Kollegin Sima gesagt hat, in der Vergangenheit nicht so verwendet worden sind, wie wir es gerne gehabt hätten, ist auf europäischer Ebene mit einfacher Mehrheit zu be­schließen, also es gibt dort auch gegen die Stimmen der Österreicher eine Mehrheit. Das heißt, die Mittel werden dort aufgestockt werden, ob es uns passt oder nicht.

Jetzt ist es uns und unserem Minister gelungen, die Verwendungsmöglichkeiten dieser Gelder, die wir gerne geändert hätten, und zwar natürlich ohne Aufstockung, wofür Ein­stimmigkeit erforderlich ist, zu bestimmen und diese zwei Punkte der Verhandlungen zusammenzuziehen und für beide Punkte Einstimmigkeit zu erreichen.

Jetzt ist das aber nur um den Preis möglich, dass wir der Aufstockung der Mittel zustimmen. Wir können aber dafür erreichen, so wie es im Entschließungsantrag steht und wie es auch von Ihnen nicht bestritten worden ist, dass die Verwen­dungs­möglich­keiten drastisch eingeschränkt werden, dass die Mittel nicht mehr für den Bau von neuen Atomkraftwerken eingesetzt werden, sondern für die Verbesserung der Sicher­heit in bestehenden oder in Bau befindlichen Anlagen. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.) Wenn das nicht ein verfolgenswertes Ziel ist, meine Damen und Her­ren, dann weiß ich nicht mehr, wie Sie Ihre Anti-Atompolitik anlegen wollen! Genau darauf zielt dieser Antrag ab!

Sie hätten diesen Antrag, den wir verhandelt haben, in allen anderen Punkten mitge­tragen. Wir haben damit auch Punkte des Anti-Atom-Volksbegehrens mit erledigt. Aber eine Strategie zu verfolgen, indem man sagt: Ich fahre nach Brüssel, lasse mich bei der Aufstockung der EURATOM-Mittel überstimmen und habe dann keine Chance, die Verwendungsmöglichkeiten der Mittel zu beeinflussen!, das ist ein Schuss in beide eigene Knie, meine Damen und Herren, und ich kann bis heute nicht verstehen, warum Sie diesen strategisch völlig unsinnigen und nicht nachvollziehbaren Weg verfolgen wollen. Wir tun es sicher nicht! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

11.26

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Nächste Rednerin ist Frau Abgeordnete Dr. Glawisch­nig. – Bitte.

 


11.26

Abgeordnete Dr. Eva Glawischnig (Grüne): Herr Präsident! Herr Umweltminister! Ge­schätzte Kolleginnen und Kollegen! Wir sprechen eigentlich hier über den Bericht des Unterausschusses, der das Anti-Atom-Volksbegehren behandelt hat, ein Volks­begehren, das im Juni letzten Jahres stattgefunden hat und das die erforderliche An­zahl der Unterschriften dafür geschafft hat, dass es hier behandelt wird. Es ist be­mer­kenswert, dass es jetzt von Seiten der ÖVP keine einzige Aussage zum Ziel be­ziehungsweise zum Inhalt dieses Volksbegehrens gegeben hat. (Ruf bei der ÖVP: Zuhören!)

Es war im Wesentlichen der Vorschlag, einen sehr strikten ... (Abg. Kopf: Dazu habe ich Stellung genommen!) Ja, aber die Begründung, warum Ihnen das nicht passt, ist sehr dürftig ausgefallen. (Neuerlicher Zwischenruf des Abg. Kopf.)

Es ist im Wesentlichen eine sehr strikte Verfassungsbindung vorgeschlagen worden, wo der Anti-Atomkurs der österreichischen Bundesregierung vorgegeben wird. Es war bedauerlich, dass von Anfang an vor allem von der ÖVP – von der FPÖ weniger – nicht die geringste Bereitschaft dazu bestand, diese Verfassungsdiskussion ernsthaft zu überlegen und das auch ernsthaft anzugehen.


Nationalrat, XXII.GPStenographisches Protokoll46. Sitzung / Seite 40

Es ist im Wesentlichen nichts anderes, als bereits jetzt in der Verfassung vorgesehen ist, nämlich über die Bindungswirkung im Einzelfall eine generelle Bindung für einen strikten Anti-Atomkurs auf europäischer Ebene zu verankern. Ich weiß nicht, was im Grunde dagegen spricht. In der Vergangenheit haben wir einige Male von der öster­reichischen Bundesregierung Kompromisse erlebt – ich erinnere an das EURATOM-Forschungsprogramm –, und es ist sehr schade, dass diese Initiative der Bevölkerung heute hier abgelehnt wird.

Letztendlich haben wir dann versucht, in Vier-Parteien-Verhandlungen zu einem Kom­promiss zu finden. Zum vorliegenden Antrag, den die Regierungsparteien jetzt vor­gelegt haben, sind ein paar Worte zu sagen.

Zum einen: Grundsätzlich wollten Sie am Anfang überhaupt keinen weit reichenden Antrag, und es ist eigentlich nur der Opposition zuzuschreiben, dass wir jetzt überhaupt in die Phase gekommen sind, wo ausführlich über eine neue Basis der Anti-Atompolitik diskutiert wird. Der Antrag ist über weite Strecken brauchbar – das sage ich auch deutlich –, allerdings geht er in einem sehr entscheidenden Punkt, der die Aufstockung der EURATOM-Kreditvolumina betrifft, in eine völlig falsche Richtung. Ich glaube, es ist eine fatale Fehlentscheidung, wenn man die Kriterien so festlegt, dass auch der Fertigbau von Atomkraftwerken aus österreichischer Sicht mit diesen Geldern gewähr­leistet sein soll. (Beifall bei den Grünen.)

Es hätte die Möglichkeit bestanden, diesen Punkt betreffend den Fertigbau von AKWs aus der Liste der Kriterien herauszunehmen, aber das haben Sie nicht gemacht. Damit haben Sie keine Möglichkeit, dem Schwall an Projekten, die in Mittel- und Osteuropa vorgelegt worden sind – es sind über 40 neue Atomkraftwerke –, etwas entge­gen­zusetzen, beziehungsweise keine Möglichkeit, zu verhindern, dass diese Atom­kraft­werke mit EURATOM-Geldern fertiggebaut werden. Es hätte die Möglichkeit gegeben, den Fertigbau auszuklammern.

Wie die Vergangenheit gezeigt hat, haben diese Kredite bisher keinen einzigen zusätz­lichen sicherheitsrelevanten Baustein in den europäischen Kraftwerken gebracht, son­dern haben im Wesentlichen als Förderungsinstrument, als Überlebensinstrument für die Anlagenwirtschaft im Atombereich gedient.

Die 40 Kraftwerke, die jetzt auf der Agenda stehen, sind sehr problematisch. Darunter sind auch russische Kraftwerke, wie etwa das AKW Kursk, das ein Tschernobyl-Typ ist. Es ist sehr bedauerlich, dass Sie genau mit diesem Punkt jetzt das Tor dazu geöffnet haben und dass die österreichische Position nun die ist, dass man mit der neuen Summe, mit diesen 2 Milliarden € auch den Fertigbau von Atomkraftwerken in Mittel- und Osteuropa finanzieren soll.

Dagegen haben wir uns gewandt. Das ist auch für uns der Grund, warum wir bei diesem Versuch, zu einer Vier-Parteien-Einigung zu gelangen, nicht mitgehen können. Ich halte diesen Antrag für eine fatale Fehlentscheidung, ich halte ihn für einen Fehler. (Zwischenruf des Abg. Wittauer.)

Trotzdem zu dem Antrag noch ein paar Worte: Es sind darin auch ein paar Punkte enthalten, die wir Grünen, die wir das sehr konstruktiv angegangen sind, für sehr wich­tig halten. Einer davon ist die Frage der Sicherheit von Atomkraftwerken in Europa ge­gen Terrorangriffe, also die Überprüfung aller europäischen AKWs und auch das Ein­treten für das Abschalten von Kraftwerken, die bei Terroranschlägen am bedrohlichs­ten beziehungsweise am gefährdetsten sind.

Wenn Sie den Antrag, den Sie selbst unterschrieben haben und auch heute be­schließen werden, ernst nehmen würden, dann müssten Sie eigentlich seit gestern schon sehr aktiv sein, dann müssten Sie eigentlich seit gestern in Bayern beim baye-


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rischen Umweltminister Schnappauf vorsprechen und sehr deutlich machen, dass das Kraftwerk Isar 1, das nur 100 Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt ist, eigentlich zu schließen ist. (Beifall bei den Grünen.)

Das AKW Isar 1 ist einem Bericht der deutschen Bundesregierung zufolge in Reaktion auf den 9. September 2001 einer Sicherheitsüberprüfung hinsichtlich terroristischer An­schläge unterzogen worden, die Anfang 2003 abgeschlossen wurde. Laut dem Er­gebnis dieser Überprüfung ist das AKW Isar 1 neben zwei anderen Kraftwerken bei terroristischen Anschlägen das gefährlichste und gefährdetste Kraftwerk.

Das Niveau der Sicherheit ist mittlerweile so niedrig – ich meine, das war immer schon eine atomare Dreckschleuder, wenn man das so leger sagen darf –, dass ein Aufprall eines normales Verkehrsflugzeuges für dieses Kraftwerk sozusagen eine absolute Bedrohung darstellt. Es ist nur gegen kleine Militärmaschinen geschützt. Es liegt direkt neben der Einflugschneise des Flughafens München. Es werden dort nächtliche Übun­gen mit Militärflugzeugen durchgeführt. Es hat auch bereits einen Flugzeugabsturz ge­geben, nämlich im Jahre 1988. Damals entging das Kraftwerk Isar 1 nur sehr knapp einem direkten Zusammenstoß.

Ich frage mich daher, wie ernst Sie eigentlich Ihren eigenen Antrag nehmen und warum es nicht schon in den letzten Wochen und Monaten ernste Bemühungen gegeben hat, in München beim bayerischen Umweltminister vorzusprechen, der die großartige Idee verkündet hat, man möge mit Vernebelungsmaschinen dieses Problem lösen, man möge große Nebelwerfer aufstellen, damit keine Maschine das Kraftwerk finden kann. (Ironische Heiterkeit bei der SPÖ.)

Diese Lösung, glaube ich, führt sich selbst ad absurdum beziehungsweise diskreditiert sich selbst, denn eine so unglaublich dumme Idee kann man nur dann haben, wenn man die Gefahr nicht richtig einschätzt. Jede Satellitenanlage, jedes Satellitenortungs­system ist in der Lage beziehungsweise hat überhaupt kein Problem damit, auch durch die dicksten Nebelschwaden hindurch ein Ziel zu finden. Ich würde mir wünschen, dass Sie da tätig würden. Es ist sehr bedauerlich, dass Sie bis jetzt noch keinen einzigen Versuch unternommen haben, diesbezüglich vorstellig zu werden. (Zwischenruf des Abg. Wittauer.)

Es gibt eigentlich nur zwei Alternativen: entweder schließt man den Flughafen Mün­chen oder das Kraftwerk Isar 1. Das Kraftwerk ist eine enorme Bedrohung nicht nur für Salzburg, sondern auch für Oberösterreich, für Tirol und für den gesamten Einzugs­bereich der Westwinde.

Ich frage mich auch, was die Außenministerin im Moment zu tun hat. Sie ist offenbar im Wahlkampf schon so sehr beschäftigt, dass sie diese wichtigen Anliegen der öster­reichischen Außenpolitik völlig ignoriert oder einfach keine Zeit mehr dafür hat.

Wenn Sie Ihren eigenen Antrag ernst nehmen und Anti-Atompolitik für Sie nicht nur das Einkochen der Opposition in einem Vier-Parteien-Antrag ist, den man dann wieder in eine Schublade steckt und dort die nächsten drei Jahre liegen lässt, so wie das bei dem letzten Antrag im Jahre 2002 der Fall war, wo im Übrigen noch die Kredit­auf­stockung von der ÖVP und von der FPÖ und von den Grünen als Punkt gemeinsam ab­gestimmt und ausdrücklich abgelehnt worden ist, wenn das also nicht so weiter­gehen soll wie bisher, dann erwarte ich mir von Ihnen, Herr Umweltminister, Frau Außenministerin, dass Sie sich unverzüglich nach München begeben und dieses Be­drohungspotential für Österreich in ernsthafter Weise abzuwenden versuchen. – Danke. (Beifall bei den Grünen.)


11.34


Nationalrat, XXII.GPStenographisches Protokoll46. Sitzung / Seite 42

Präsident Dr. Heinz Fischer: Jetzt kann Kollege Wittauer alles sagen, was er schon in der letzten halben Stunde sagen wollte. – Bitte, Herr Abgeordneter.

 


11.34

Abgeordneter Klaus Wittauer (Freiheitliche): Herr Präsident! Herr Minister! Meine Damen und Herren! Natürlich ist das ein sehr wichtiges Thema. Wir Freiheitlichen ha­ben uns immer dem Anti-Atomkurs verschrieben. Mit diesem Entschließungsantrag sind wir wirklich einen Schritt weiter gekommen. Mit dem heutigen Tag ist für mich das Anti-Atom-Volksbegehren positiv abgeschlossen.

Frau Abgeordnete Glawischnig, ich gebe Ihnen Recht, dass das Atomkraftwerk Isar sehr gefährlich ist, keine Frage, aber es wundert mich nicht, dass Sie nur auf diesen Punkt eingegangen sind, denn inhaltlich können Sie an diesem Entschließungsantrag nichts, aber auch gar nichts finden, was gegen eine Anti-Atompolitik spräche.

In den vergangenen Monate war Ihre Verhandlungstaktik ganz eigenartig: Wir haben Termine bekommen, und dann sind Termine von Ihnen wieder abgesagt worden. Wir sind kaum dazu gekommen, den Vier-Parteien-Antrag wirklich gemeinsam zu erar­bei­ten. Ganz am Ende war auf einmal Bewegung da.

Ich habe mich gefragt: Weshalb ist das so, weshalb entschließt sich die Opposition tat­sächlich, diesen konstruktiven Kurs von uns mitzugehen? Wir sind dann ganz weit ge­kommen. Aber ganz am Schluss ist Ihre Haltung auf einmal ganz anders geworden .

Aus Ihren Ausführungen und aus der Rede der Abgeordneten Sima ging hervor, dass es Ihnen vor allem um den Punkt der Fertigstellung des Baues von AKWs geht. Dies­bezüglich steht im Entschließungsantrag:

„Die Entscheidungen sind darauf auszurichten, dass Kredite nur für bestehende, in Betrieb befindliche Anlagen gewährt werden und dass keine Mittel für den Neubau oder für Kapazitätsausweitungen beziehungsweise Effizienzsteigerungen von AKW und die Nachrüstung von AKW mit einer damit verbundenen Laufzeitverlängerung ver­wendet werden.“

Was heißt das? – Das heißt: keine Fertigstellung, kein Neubau, keine Verlängerung! All das steht im Antrag! Dass hier heraußen behauptet wird, dass wir das wollen, mit dem Wissen – denn wir haben das ausführlich diskutiert –, dass das EURATOM- Kredit­volumen mit Mehrheit, weil es kein Einstimmigkeitsprinzip gibt, beschlossen werden kann, dass es also dafür nicht der Zustimmung Österreichs bedarf, weil die Mehrheit in Europa dafür ist, und dass Sie die Gefahr nicht sehen wollen, dass deshalb, weil bei der Richtlinie das Einstimmigkeitsprinzip gegeben ist, die alten Richtlinien aufrecht bleiben, das verstehe ich überhaupt nicht.

Das war eine verantwortungsvolle Entscheidung, und ich gratuliere der Regierung da­für, dass sie diese beiden Punkte miteinander verbunden hat. Jetzt besteht für beide Be­reiche Einstimmigkeit. Ich glaube, dass mit dieser Richtlinie, mit diesem Auftrag an die Regierung alle Voraussetzungen dafür gegeben sind, unseren Anti-Atomkurs wie­ter­hin so zu führen, wie wir ihn im Konsens beschlossen haben. (Beifall bei den Frei­heitlichen und der ÖVP.)

Wenn man weiß, welche Gefahren darin liegen, und wenn man weiß, dass die Sicher­heit der Österreicher und Österreicherinnen auf dem Spiel steht, weil gerade Öster­reich von vielen grenznahen AKWs betroffen ist, wenn man also all das weiß und trotz­dem solch eine Entscheidung trifft, dann ist das meiner Meinung nach nichts Anderes als das Schlagen von poltischem Kleingeld. Ich würde sogar sagen, dass Sie sich dafür schämen müssen, weil Sie nur für einen Bereich diese Konsenspolitik aufgeben, näm­lich um diesem Anti-Atom-Volksbegehren gerecht zu werden. Weil das Transparent von „Global 2000“ hier entrollt wurde und Greenpeace an diesem Tag vor dem Par-


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lament demonstriert hat, haben Sie geglaubt, Sie könnten damit punkten, dass Sie dagegen stimmen. (Abg. Dr. Gabriela Moser: Wir halten die Linie!) Die Öster­reiche­rin­nen und Österreicher werden begreifen, dass Sie etwas getan haben, womit Sie die Inter­essen Österreichs verraten haben. Das ist die Wahrheit! (Beifall bei den Frei­heitlichen. – Abg. Dr. Gabriela Moser: Überhaupt nicht! Sie haben sie verraten!)

Ich frage mich, wie Sie es argumentieren werden, wenn sich die Leute wirklich in­haltlich damit auseinander setzen und feststellen, dass unter Umständen mit Ihrem Weg – und ich glaube, es wäre wichtig gewesen, wenn dieses Parlament gemeinsam unseren Kurs weitergefahren wäre –, mit Ihrer Art und Weise, wie Sie das vertreten, die EURATOM-Kreditmittel, die trotzdem 6 Milliarden ausgemacht hätten, weiterhin für den Ausbau und für die Fertigstellung von AKWs und für die Laufzeitverlängerung ver­wendet worden wären. Mit unserem Entschließungsantrag ist gewährleistet, dass die österreichischen Regierungsmitglieder dem nicht zustimmen werden.

Nun möchte ich noch einmal die Voraussetzungen wiederholen: Zustimmung zur Auf­stockung des EURATOM-Kreditrahmens – und da sage ich persönlich: sechs Milliar­den sind mir lieber, wenn die Sicherheit der Österreicherinnen und Österreicher ge­währ­leistet ist – nur unter genannten Bedingungen: Kredite nur für bestehende, in Betrieb befindliche Anlagen, für Sicherheitsverbesserungen, keine Mittel für den Neu­bau, für Kapazitätsausweitungen, für Effizienzsteigerungen und für Laufzeitver­län­ge­rung bei Nachrüstungen, Einbindung des Europäischen Parlaments in die EURATOM-Entscheidungsverfahren – das ist nämlich auch ein ganz wesentlicher Bereich –, Anpassung des EURATOM-Forschungsprogramms an das Ziel eines EU-weiten Atom­ausstieges.

Unser Ziel muss es sein, dass Österreich Europa davon überzeugt, dass dieser Kurs, den Österreich fährt, der richtige ist. Es ist sicherlich nicht so, wie Sie uns das immer vorwerfen. Sie sagen, wir gehen nicht geschlossen nach Europa und probieren, dort Lobbyismus zu betreiben. Es ist ein ganz klarer Auftrag gegeben, aber Sie verlassen diesen Weg.

Deshalb waren Sie heute auch so kleinlaut. Normalerweise sind Sie immer so laut und schimpfen, aber heute sagen Sie: Ja, da ist einiges in Ordnung, aber wir können halt nicht ...! Sie wissen ganz genau, dass Österreich – und wir sind Gegner einer Auf­stockung! – mit dieser Entscheidung wenig zu tun hat. Sie wissen es ganz genau! Sie probieren da eine Kurve zu kratzen, die Ihnen keiner glaubt. Alle, die da zuhören, wissen das, weil Sie den Inhalt des Entschließungsantrages gern mittragen wollten, sich aber schlussendlich unter Druck setzen ließen. Vielleicht haben Sie sich gedacht: An diesem Thema wollen wir ein bisschen länger dran bleiben. Die Sicherheit Öster­reichs ist offenbar zweitrangig – und das tut einem weh; mir persönlich tut es weh. (Abg. Dr. Glawischnig: Das wollen wir aber nicht, dass Ihnen etwas weh tut, Herr Kollege! Wirklich nicht!)

Ich habe an diesem Tag gehofft, wir kommen zu einer Einigung. Sie gehen her und – das muss man sich ein bisschen auf der Zunge zergehen lassen – schildern uns die Gefahren des Atomkraftwerkes. Davon haben wir ja nicht nur eines, davon haben wir ja viele! Und auf der anderen Seite wollen Sie nicht sicherstellen, dass die Verga­bericht­linien so geändert werden, dass für diese Dinge eben nicht mehr Geld zur Ver­fügung steht. Ich würde mir wünschen, dass Sie es mir erklären. Wenn Sie mir sagen, dass wir verhindern können, dass das EURATOM-Kreditvolumen nicht erhöht wird, wenn Sie mir das garantieren können, dann stimme ich gern zu. Sie wissen aber, dass es nicht so ist. (Abg. Dr. Glawischnig: Sie waren auch dagegen, nur die ÖVP nicht!)

Wir werden diesem Entschließungsantrag gerne zustimmen. Das, was wir hier be­schließen, ist für die Sicherheit der Bevölkerung von Österreich wichtig und bestätigt


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unseren Anti-Atom-Kurs. Die Regierung ist beauftragt, das so umzusetzen, und glau­ben Sie mir eines: Mit dieser Politik fahren wir richtig. Mit dieser Politik tun wir etwas für die Österreicherinnen und Österreicher. Mit dieser Politik machen wir für ganz Europa etwas. – Das ist wichtig, und dafür stehen wir auch! (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

11.42

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Dr. Bauer. – Bitte.

 


11.43

Abgeordneter Dkfm. Dr. Hannes Bauer (SPÖ): Herr Präsident! Herr Bundesminister! Geschätzte Damen und Herren! Vorweg gleich die Feststellung: Wir alle wollen den Ausstieg aus der Atomenergie, und wir haben das iin vielen Demonstrationen auch als gemeinsame Aktion zum Ausdruck gebracht. Ich glaube, wir alle kennen die Gefahren, die für uns von diesen besonders grenznahen AKWs ausgehen, und die Mehrheit der Österreicherinnen und Österreicher lehnt das ab, aus der Erfahrung heraus, dass seit Tschernobyl doch bewiesen ist, dass diese Technologien nicht völlig beherrschbar sind, und eine Technologie, die nicht völlig beherrschbar ist, sollte man nicht anwen­den.

Wir wissen aber auch, geschätzte Damen und Herren, dass man dafür Zeichen setzen muss, nämlich Zeichen in der Form, dass die Ablehnung in Österreich auch nach Eu­ropa hineingetragen wird, dass Positionen eingenommen werden, die klar erkennen lassen, dass Österreich ganz vorne mit dabei ist, wenn es darum geht, für Europa den Ausstieg aus der Atomenergie zu erreichen. Es beschäftigen sich die Landtage damit, ebenso beschäftigt man sich in vielen anderen Bereichen damit, aber man muss auch feststellen, dass 15 Prozent der Energie in Europa aus Atomkraft stammen und dass auch Österreich im Strom-Mix immer mehr Atomstrom hat; den höchsten Anteil haben die Tiroler mit etwa 27 Prozent.

Das ist eine Entwicklung, die man auch sehen muss. Es gibt Länder, die nicht an einen Ausstieg denken, sondern – im Gegenteil! – dafür eintreten, die Atomkraft wieder ver­stärkt zu nützen. Frankreich oder auch Spanien beispielsweise forcieren einen ver­stärkten Einstieg in die nächste Generation von Kernreaktoren und arbeiten gemein­sam mit der Firma Siemens daran, 2015 diesen neuen Typ zu erreichen.

Es sollte also eine Positionierung Österreichs erfolgen, die eine durchgehende Ableh­nung erkennen lässt, und daher soll eine Zustimmung zum EURATOM-Vertrag, was die Aufstockung betrifft, nicht erfolgen. Das ist ein falsches Signal an die Adressaten, und es wurde dies auch von der Frau Abgeordneten Flemming als eine Fehlent­schei­dung eingeschätzt und auch vom Abgeordneten Kronberger von den Freiheitlichen ähn­lich beurteilt. Die Ablehnung einer Aufstockung der Mittel durch die Sozialdemo­kraten ist also kein falsches Signal, sondern wird durchaus auch von anderen mitge­tragen.

Was die Argumentation des Herrn Vorredners – und auch des Herrn Kopf – betrifft, dass wir, wenn wir der Aufstockung nicht zustimmen, bei der Mittelverwendung keine Mitsprache hätten, möchte ich hinzufügen: Ich weiß nicht, wie es zu dieser Beurteilung der Situation gekommen ist. Während die Aufstockung der Mittel für EURATOM eine Mehrheitsentscheidung darstellt und daher durchaus auch gegen die Interessen Österreichs erreicht werden kann, ist die Verwendung der Mittel weiterhin dem Prinzip der Einstimmigkeit unterworfen. Und ich frage mich: Was habe ich mir da eigentlich erkauft?


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Ich stimme einerseits der Aufstockung nicht zu und möchte allerdings – was ohnehin der Einstimmigkeit unterliegt – bei der Mittelverwendung, was die Sicherheit und auch das gesamte Ausstiegsszenario betrifft, die volle Mitsprache haben. Geschätzte Da­men und Herren! Es wurde ja nicht gesagt, dass, wenn wir nicht zustimmen, die Mittel­verwendung automatisch dem Prinzip der Einstimmigkeit entzogen wird. Das wurde wirklich nicht gesagt! Daher ist das Zusammenziehen der Materie für mich nicht nach­vollziehbar:

Selbst wenn Sie von vier auf sechs aufgestockt hätten, wäre die Mittelverwendung weiterhin einem einstimmigen Beschluss unterlegen, und unter Umständen hätten die aufgestockten Mittel sogar keiner Verwendung zugeführt werden können.

Ich weiß, dass viele schon in den Startlöchern scharren, damit viele Aufträge an die Atomlobby gehen, aber ich glaube, man muss das viel weitreichender betrachten. Es gibt da nämlich einen Zusammenhang zwischen der friedlichen Nutzung und der Pro­duktion von Atomwaffen. Es gibt diesen Zusammenhang zwischen der friedlichen Nut­zung und der Atombombe. Wir wissen ja, wie viel Plutonium da entsteht und wie viel dann wieder verwendet werden kann. Auch diese Zusammenhänge werden meiner Meinung nach viel zu wenig beachtet.

Geschätzte Damen und Herren! Es ist wichtig, eine Revision des EURATOM-Vertrages anzustreben. Ich weiß, dass das Primärrecht der EU ist, aber man könnte alle Zeichen so setzen, dass sie in allen internationalen Positionierungen mit unserer Gesinnung übereinstimmen. – Danke. (Beifall bei der SPÖ.)

11.49

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Hornek. 5 Minu­ten freiwillige Redezeitbeschränkung. – Bitte.

 


11.49

Abgeordneter Erwin Hornek (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Bundes­minis­ter! Geschätzte Damen und Herren! Hohes Haus! Als Waldviertler Abgeordneter und Bürgermeister einer kleinen Grenzgemeinde, die zirka 60 km Luftlinie von Temelin ent­fernt ist, war und ist für mich Anti-Atompolitik ein zentrales Thema, ist Anti-Atompolitik für mich – und das nicht erst, seit es verschiedene Volksbegehren in diesem Zusam­men­hang gibt – seit mehr als drei Jahrzehnten ein Herzensanliegen.

Österreich hat aufgrund eines Volksentscheides für sein eigenes Territorium im Zuge des Atomsperrgesetzes ein Verbot von atomarer Stromproduktion festgelegt, ist aber von einer Vielzahl von Atomkraftwerken in den Nachbarländern umgeben. Um die Ris­ken dieser Anlagen zu minimieren, muss es Ziel dieses Hohen Hauses sein, einen euro­paweiten Ausstieg aus der Atomstromproduktion zu unterstützen. Die konse­quen­te Position Österreichs muss daher der Hinweis auf die permanenten Gefahren sein, die mit der Kernenergie verbunden sind, muss die Unterstützung jedes Landes in Be­zug auf ein Ausstiegsszenario sein.

Geschätzte Damen und Herren! Unser zentrales Ziel müssen hohe Sicherheits­stan­dards für die bestehenden Anlagen sein und ein massives Wirken in Richtung einer Stilllegung dieser Anlagen; aber zwischenzeitig müssen hohe Sicherheitsstandards bestehen.

In Bezug auf die Zielsetzung dieses Volksbegehrens bin ich zu 100 Prozent d’accord. In Bezug auf die Ministerbindung sehe ich es so, wie dies im Zuge des Unter­aus­schusses der Experte Universitätsprofessor Dr. Manfred Rotter vom Institut für Völker­recht und internationale Beziehungen der Universität Linz getan hat, der klar zum Aus­druck brachte, dass eine derartige Bindung nicht sinnvoll erscheint. Das ist ein Stand-


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punkt, den ich in hohem Maße deshalb unterstütze, weil Österreich sich als ernst zu nehmender Verhandlungspartner auf europäischer Ebene selbst ausschließen würde.

In Bezug auf die Aufstockung des EURATOM-Kredites stellen wir uns klar gegen die derzeit gegebene Zweckbestimmung. Es muss deshalb in Richtung einer Befristung der Laufzeiten der AKWs gewirkt werden.

Anti-Atompolitik ist in Österreich sehr populär, und viele stehen daher gerne mit stolz geschwellter Brust in der ersten Reihe. Der Maßstab für die Glaubwürdigkeit in der Anti-Atompolitik ist aber der effiziente Umgang mit Alternativenergie. Es geht nicht an, sich gegen Atomenergie auszusprechen, aber diese augenzwinkernd zu kaufen.

Unsere bisherigen Umweltminister Molterer und Pröll haben sich bisher immer massiv für erneuerbare Energien eingesetzt; das kommt in den Förderprogrammen und den damit verbundenen und umgesetzten Projekten klar zum Ausdruck. Ein wichtiges Ele­ment im Zusammenhang damit ist das vor kurzem in diesem Hohen Haus beschlos­sene Ökostrom-Gesetz. Daraus resultieren bereits viele Projekte im Biomassebereich, wie Biogas, feste und flüssige Biomasse und auch Windprojekte. Viele derartige Pro­jekte sind in Vorbereitung. Um den Betreibern dieser Anlagen Chancengleichheit am Markt zu gewähren, ist es notwendig, dass jeder österreichische Haushalt im Gegen­wert eines einziges Krügels Bier belastet wird.

Mit Bedauern mussten wir vor kurzer Zeit zur Kenntnis nehmen, dass es in Österreich Kräfte gibt, denen die Umsetzung dieses Gesetzes nicht sinnhaft erscheint. Dieser Standpunkt ist kontraproduktiv in Bezug auf die Glaubwürdigkeit der Umsetzung des Kyoto-Ziels und der Anti-Atompolitik. All jene, die heute einen Gegenwert von einem Krügel Bier verhindern möchten, könnten morgen im gleißenden Scheinwerferlicht mit einem Katzenjammer erwachen. Daher ist es notwendig, sich rasch am Verhand­lungs­tisch einzufinden und die künstlichen Probleme für die Anlagenbetreiber und solche, die es werden wollen, zu lösen. (Beifall bei der ÖVP, den Freiheitlichen und den Grünen.)

Anti-Atompolitik und Energiepolitik mit dem Ziel der Realisierung des Kyoto-Ziels sind ein politisches Kernthema der Zukunft und bedürfen einer gemeinsamen Vorgangs­weise, Frau Kollegin Glawischnig, aller Parteien in diesem Hohen Haus. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen. – Abg. Dr. Glawischnig: Da brauchen Sie aber nicht mich anzureden!)

11.53

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Nächste Rednerin ist Frau Abgeordnete Rest-Hinter­seer. – Bitte.

 


11.54

Abgeordnete Heidemarie Rest-Hinterseer (Grüne): Herr Präsident! Herr Bundes­minister! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen des Hohen Hauses und anwesende Interessierte! Wir Grüne kämpfen schon seit langem für den europaweiten Ausstieg aus der Atomenergie. Das ist ja nichts Neues. Der europaweite Ausstieg aus der Atom­energie stellt für uns seit Jahren eines der umweltpolitischen Schlüsselprojekte dar. Warum? (Abg. Wittauer: Ich kann mir nicht vorstellen, dass es noch irgendwelche Argu­mente gibt!)

Die Energiegewinnung aus Atomkraft, Herr Wittauer, ist eine der dümmsten Energie­gewinnungsmöglichkeiten, die es gibt. Das ist die Dinosauriermöglichkeit aus dem 20. Jahrhundert. Wir wissen das, das ist nichts Neues.

Den im Volksbegehren vorgeschlagenen Text begrüßen wir deshalb, weil es für die öster­reichische Bundesregierung klare verfassungsrechtliche Handlungsaufträge für ihr Wirken im Rat der Europäischen Gemeinschaft beinhaltet. Das jeweilige öster­reichi-


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sche Regierungsmitglied wird verpflichtet, für den Ausstieg der EU-Mitglied­staa­ten aus der Kernenergie einzutreten, auf Rechtsakte hinzuwirken, die unter Achtung der Grundrechte zu einem Verbot neuer AKWs oder zur Stilllegung beziehungsweise Nichtinbetriebnahme führen, und auf die Auflösung – längerfristig oder langfristig – des EURATOM-Vertrags und Unterstellung der Atomindustrie unter den RG-Vertrag und die Erlassung von Vorschriften zum Schutz vor ionisierenden Strahlen hinarbeiten sowie keinen Maßnahmen der EU zuzustimmen, die dem Atomausstieg zuwider laufen, wie zum Beispiel Kreditvergaben für AKW oder Forschungsprogramme im Bereich der Kernfusion und der Entwicklung neuer Reaktorkonzepte.

Ich schließe mich meinem Vorredner an, dass die angeführten Milliardenbeträge be­sonders für nachhaltige Energieprojekte verwendet werden sollen. Das gibt re­gional­politische Impulse in den ländlichen Gebieten Russlands, aber auch in jenen der Bei­trittsländer.

Wie ist es denn gelaufen mit diesem Entschließungsantrag, Herr Kollege Wittauer? – ÖVP und FPÖ haben sich klar gegen eine Umsetzung des Volksbegehrens „Atom­freies Europa“ ausgesprochen. (Abg. Wittauer: Das stimmt überhaupt nicht!) Wir haben noch im Juli 2002 einen Antrag beschlossen, in dem sich die Grünen, ÖVP und FPÖ bedingungslos gegen die geplante Kreditaufstockung gewandt haben. Was ist in der Zwischenzeit passiert, dass Sie jetzt plötzlich eine neue Pro-Atom-Linie ein­nehmen? Hat das damit zu tun, dass Landeshauptmann Haider mittlerweile zur Atom­lobby gewechselt ist mit seinem Einstieg in die RWE? Die KELAG soll dazu dienen, steht in den Papieren der RWE, den Markt für Süd- und Osteuropa im Atomstrom­bereich aufzumachen. (Beifall bei den Grünen. – Abg Wittauer: Tirol hat 27 Prozent Atomstrom!)

EURATOM-Kredite stellen eine einseitige und wettbewerbsverzerrende Förderung der Atomindustrie dar, die in Osteuropa im Geschäft bleiben will, weil sie in Westeuropa keine guten Geschäfte mehr macht. Die Bundesregierung kann sich nicht glaubwürdig für das Ende des EURATOM-Vertrages einsetzen, wenn sie gleichzeitig der Erhöhung des wichtigsten Atomförderinstruments zustimmt.

Wie schaut denn jetzt konkret die Situation aus? – Das steht ja auch im Anfangstext: Sieben EU-Mitgliedstaaten haben keine Kernenergienutzung beziehungsweise sind schon ausgestiegen. Acht EU-Mitgliedstaaten decken etwa 15 Prozent des Energie­bedarfs. Fünf davon haben angekündigt, dass sie ebenfalls den Ausstieg vorhaben. Nur drei – das sind allerdings große – wollen Atomstaaten bleiben. Und von den zwölf Beitrittskandidaten betreiben sieben Kernkraftwerke. Also sollen zehn Mitgliedstaaten in ihrer Atompolitik gefördert werden und Billigatomstrom in den liberalisierten Markt schicken, während für die enormen Kosten der Entsorgung und des Risiko des Be­treibens wieder alle Menschen in der EU den Kopf hinhalten müssen.

Ich erinnere nur an die enormen Schäden in der Landwirtschaft nach dem Tscher­nobyl-Supergau. Teile der Berggebiete bei uns in Salzburg weisen noch immer erhöhte radioaktive Werte auf. Und, wie Herr Mag. Bauer schon gesagt hat, Energie aus Atomstrom, Energie aus Atomkraftwerken ist immer mit dem Risiko verbunden, dass das für Atomwaffen geeignete Plutonium zur Waffenerzeugung verwendet wird.

Wir können also keinen positiven Effekt aus diesen EURATOM-Krediten erkennen und mussten uns – mussten uns! – dagegen aussprechen, auch wenn wir, wie Frau Kol­legin Glawischnig schon gesagt hat, bei Teilen des Entschließungsantrages mitge­gan­gen wären, wobei dies jene Teile sind, die wir vorbereitet haben. – Danke schön. (Beifall bei den Grünen. – Abg. Wittauer: Lieber die alten Richtlinien und trotzdem die Aufstockung!)

11.59

 



Nationalrat, XXII.GPStenographisches Protokoll46. Sitzung / Seite 48

Präsident Dr. Heinz Fischer: Zu Wort gelangt als Nächster Herr Bundesminister Pröll. – Bitte, Herr Minister.

 


11.59

Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft Dipl.-Ing. Josef Pröll: Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Hohes Haus! Es wurde schon von mehreren Vorrednern angesprochen: Es gibt in Österreich einen breiten Konsens in der Frage des Umgangs mit Kernenergie in diesem Land, aber auch in der Frage der Positionierung Österreichs in der Kern­ener­gienutzung auf europäischer Ebene.

Alle vier Parteien haben über Jahre hinweg dazu eine klare Position eingenommen, und in diesem Lichte muss man aus meiner Sicht auch das Volksbegehren bewerten. Von 131 000 Unterschriften ist natürlich jede für sich ernst zu nehmen, aber es zeigt auch ganz klar und deutlich, dass eine große Mehrheit der österreichischen Bevöl­ke­rung sich mit dem identifiziert, was die Bundesregierung, was dieses Hohe Haus be­züg­lich der Stellung zur Atomkraft in den letzten Jahren geleistet hat.

Ich möchte auf einen Punkt eingehen, der zentrales Thema in der Auseinandersetzung und Diskussion um das Volksbegehren „Atomfreies Europa“ war, und darauf ver­wie­sen, dass aus rechtssystematischer Sicht die Bundesverfassung die rechtliche Grund­ordnung für den Staatsverband bilden sollte – darin sind wir hier, glaube ich, auch alle einer Meinung – und daher nur Regelungen allgemeiner Natur auf Verfassungsebene getroffen werden sollten. Das wurde auch im Unterausschuss von den meisten Exper­ten ganz klar in diese Richtung beantwortet.

Man muss auch bedenken, und jeder, der schon einmal an Verhandlungen auf inter­nationaler oder europäischer Ebene teilgenommen hat, weiß, dass verfassungs­recht­liche Verankerung und klare Bindung den Verhandlungsspielraum so einengen, dass sinnvolle Lösungen, die auch in unserem Interesse, nämlich in der klaren Positionie­rung der Ablehnung der Atomkraft, liegen, jedenfalls nur sehr schwer zu erzielen wären.

Mein persönlicher Zugang zur Frage Positionierung und Verhandlungsausrichtung ist die Ablehnung von extremen Positionen. Nur im Interesse der einen oder anderen Schlag­zeile grundlegende Verhandlungspositionen aufgeben zu müssen sehe ich nicht als Stil der Politik und auch nicht als Mittel dazu, in unserem Sinne zum Erfolg zu kommen, meine sehr geehrten Damen und Herren!

Es lässt sich auch in der Atompolitik Österreichs die ausgewogene Vorgangsweise an mehreren Themen ganz klar ablesen. Es ist gelungen, dass schon vor Jahren, mit der beginnenden Diskussion um die Erweiterung der Europäischen Union, von unserer Seite klargemacht wurde, dass gefährlichste Reaktoren in den neuen Beitrittsländern abgeschaltet werden sollten, dass Sicherheitsverbesserungen vorgenommen werden sollten. – Und das wurde nicht erreicht mit Drohungen, sondern das wurde erreicht mit klarer Positionierung, mit Verhandlungsführung und mit Gesprächen.

Nehmen wir das Beispiel Temelίn, meine sehr geehrten Damen und Herren! Auch in diesem Prozess ist einmal mehr klar geworden, dass nicht das Blockieren von Gren­zen, nicht das Drohen zum Erfolg führen, sondern einzig und allein die Verhandlung und das Gespräch. Wir konnten mit dem „Melker Prozess“ und den Brüsseler Verein­barungen Zug um Zug in eine Sicherheitsdebatte eintreten, um das Kraftwerk Temelίn sicherer zu machen. Mir wäre es auch lieber, wenn es vom Netz gehen würde, aber man muss auch die nationale Souveränität am Punkt X entsprechend respektieren.

Zweites Thema, meine sehr geehrten Damen und Herren: Es gab eine heftige Debatte in der Tschechischen Republik, geführt vom Industrieminister, um den Ausbau der


Nationalrat, XXII.GPStenographisches Protokoll46. Sitzung / Seite 49

Kernkraft in Tschechien. Auch in diesem Bereich haben manche auf die Konfrontation gesetzt – ich, wir haben auf das Gespräch gesetzt. Ich habe Umweltminister und Außenminister der Tschechischen Republik kontaktiert, und, siehe da, Premier Špidla hat vor ein paar Wochen ganz klar Stellung genommen, und zwar dahin gehend, dass an einen Ausbau der Kernkraft in Tschechien nicht gedacht ist.

Meine Damen und Herren! Wie Sie sehen, auch in diesem Bereich: klare Position, Verhandlung und Gespräch – es zahlt sich aus! (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Was den von Ihnen heute angesprochenen Entschließungsantrag und auch die Frage EuratoM-Kreditaufstockung und Neudefinition der Ziele betrifft, so darf ich Ihnen sagen, dass uns auch hier Entscheidendes gelungen ist, nämlich: die Frage der Ziel­definition im EuratoM-Vertrag und die Frage der Aufstockung der Kredite zu ver­knüpfen. Die Ausgangsposition ist klar: Einstimmig konnten nur die Ziele verändert werden, mit Mehrheitsbeschluss in der Europäischen Union die Aufstockung. Nun hat die italienische Präsidentschaft in der vergangenen Periode einen Vorschlag einge­bracht, dass man beide Dinge zusammenführt. Damit hat unsere Stimme an Gewicht ge­wonnen, und es muss klar sein, dass wir auch mit entsprechenden Verhand­lungs­positionen unsere Meinung einmal mehr klarmachen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich glaube, dass wir auch in dieser Hinsicht auf dem richtigen Weg unterwegs sind.

Zur Frage der Frau Abgeordneten Glawischnig in Richtung München und deutsche Atom­kraftwerke Folgendes: Sie oder Herr Abgeordneter Pilz sind gestern draufge­kom­men, dass es hier ein Thema gibt. (Abg. Dr. Glawischnig: Genau! Seit Monaten!) Un­sere Beamten haben bereits vor Jahren in der Frage Sicherheit europäischer und damit auch deutscher Atomkraftwerke sowohl bilateral mit Deutschland als auch auf internationaler Ebene in der IAEO klar darauf hingewiesen, wo die Probleme liegen und wo Verbesserungen herbeigeführt werden sollten. (Beifall bei der ÖVP und bei Ab­geordneten der Freiheitlichen. – Abg. Dr. Glawischnig: Haben Sie Ihren bayrischen Kollegen schon einmal besucht?)

Daher, meine sehr geehrten Damen und Herren, ist zu sagen, Sie sind etwas spät auf die Problematik draufgekommen. Wir haben schon sehr früh darauf reagiert.

Zum Entschließungsantrag ist zu sagen, es tut mir Leid, dass die Opposition jetzt, nach vielen Jahren, die Vier-Parteien-Strategie der konsequenten Anti-Atompolitik verlassen hat. – Schade, kann ich nur sagen. Schade, dass Sie nun nicht mehr unserem Weg der konsequenten Ablehnung der Atomkraft in Europa folgen. Ich werde jedenfalls auch weiterhin für den Ausstieg der Atomkraft in Europa eintreten.

Wir verhandeln in Bezug auf die Frage Revision des EuratoM-Vertrags im Euro­päischen Konvent in den Schlussverhandlungen klar, dass der EuratoM-Vertrag neu ausgerichtet werden soll.

Abschließend, meine sehr geehrten Damen und Herren: Wenn Sie diese Linie nun­mehr auch verlassen haben, bei mir können Sie davon ausgehen, dass ich, was die Atomkraft betrifft, gemeinsam mit meinen Kollegen in der Regierung alles in meiner Macht Stehende unternehmen und für die Sicherheit der österreichischen und der euro­päischen Bevölkerung auch weiterhin konsequent eintreten werde. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

12.06

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Zu Wort gelangt Frau Abgeordnete Dipl.-Ing. Ach­leit­ner. – Bitte.

 



Nationalrat, XXII.GPStenographisches Protokoll46. Sitzung / Seite 50

12.06

Abgeordnete Dipl.-Ing. Elke Achleitner (Freiheitliche): Herr Präsident! Herr Bun­desminister! Hohes Haus! Die Atomenergie und die davon ausgehende Gefahr ist für uns alle ein so großes und bedeutendes Thema, dass es ganz einfach keine Frage von Parteipolitik und insbesondere von Parteitaktik sein darf. Mir ist völlig unverständlich, weshalb SPÖ und Grüne dieses Thema parteipolitisch missbrauchen. (Abg. Dr. Lich­tenberger: Mein Gott, es ist immer das gleiche falsche Argument!) Ich kann mich des Eindrucks einfach nicht erwehren, dass falsche Propaganda auf dem Rücken der Sicherheit unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger ausgerichtet wird. (Beifall bei den Freiheitlichen und bei Abgeordneten der ÖVP.)

Eine Vier-Parteien-Einigung wäre ganz wichtig, um in der Vorgehensweise Österreichs in der Anti-Atompolitik wirklich ein wichtiges Signal nach außen zu setzen.

Sehr geehrte Damen und Herren! Wir Freiheitliche waren und sind unserer Linie treu, gegen die Atomkraftwerke in Europa aufzutreten, und verfolgen nach wie vor konse­quent das Ziel, grenznahe AKWs rasch stillzulegen.

Dass uns Anti-Atompolitik wichtig ist, haben wir schon beim Temelίn-Volksbegehren be­wiesen. Im Gegensatz zur Opposition, die dieses Volksbegehren damals als kontra­produktiv und als Verschleuderung von Steuergeldern bezeichnet hat, ist uns auch das jetzige Volksbegehren „Atomfreies Europa“ ein wirkliches Anliegen.

Nach wochenlangen Verhandlungen hat es auch einen weit reichenden und sehr um­fassenden Entschließungsantrag gegeben, und ich möchte für die Zuhörer hier im Ho­hen Haus noch einmal die darin aufgezeigten Ziele wiederholen, denn es ist für mich, wie gesagt, unverständlich, dass hier insbesondere die Grünen nicht mitstimmen kön­nen. In diesem Antrag wird festgehalten, dass der Atomausstieg ein großes Thema sein soll, dass tief greifende Reformen in der EU-Energiepolitik einzufordern sind und eine rasche Stilllegung aller grenznahen AKWs, insbesondere natürlich von Temelίn, das ja eine tägliche Bedrohung für all unsere Bürger insbesondere in den grenznahen Bereichen darstellt, erreicht werden soll.

Es ist mir wirklich völlig unverständlich, dass die Opposition gerade diesen Antrag ab­lehnt und unseren gemeinsamen Weg in der Anti-Atompolitik verlässt. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Sehr geehrte Damen und Herren! Die Opposition wird nicht müde, die Regierungs­parteien anzuschwärzen, indem sie sagt, dass wir einer Aufstockung der EuratoM-Kredite zustimmen. In Wahrheit verschweigen Sie aber die genauen Zusammenhänge, denn Tatsache – und das wurde heute schon mehrfach erwähnt – ist, dass das ge­mein­same EuratoM-Paket dann in der Gemeinschaft mit dem Einstimmigkeitsprinzip verhandelt werden kann. Und genau da hat Österreich dann konkrete Möglichkeiten, auf die Aufstockung und die Verwendung der Kreditmittel massiven Einfluss zu neh­men. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Gerade die Bedingungen für die Aufstockung und Verwendung der Kreditmittel sind in diesem Entschließungsantrag ganz klar definiert. Es ist eindeutig formuliert, dass keine Kreditmittel für den Neubau, für die Ausweitung von Kapazitäten und für die Effizienz­steigerung von AKWs verwendet werden dürfen und dass EuratoM-Kreditmittel nur für Sicherheitsmaßnahmen mit verbindlichen fixen Schließungsdaten verwendet wer­den sollen. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Das heißt, künftige Gelder im Rahmen von EuratoM-Verträgen werden nur für den Ausstieg aus der Kernkraft und für zusätzliche Sicherheitsinvestitionen eingesetzt. – Eine Erhöhung der Sicherheit für die österreichische Bevölkerung, der Sie, meine sehr geehrten Damen und Herren von der Opposition, nicht zustimmen können?


Nationalrat, XXII.GPStenographisches Protokoll46. Sitzung / Seite 51

Gerade als Oberösterreicherin freut es mich, dass in diesem Antrag auch ganz konkret die weitere Vorgehensweise bezüglich Tschechien formuliert ist. Die Regierung wird aufgefordert, an dem Atomausstieg insbesondere von Temelίn festzuhalten (Beifall und Bravoruf des Abg. Wittauer), wird aufgefordert, dass weitere Stilllegungsverhand­lun­gen mit Tschechien fortgeführt werden und dass der Umstieg auf erneuerbare Energie­träger unterstützt wird.

In diesem Zusammenhang ersuche ich natürlich Herrn Bundesminister Pröll, weiterhin verstärkt in diesem Bereich tätig zu sein.

Sehr geehrte Damen und Herren! Ernsthafte Anti-Atompolitik erfordert Verantwortung – eine Verantwortung über alle Parteigrenzen hinweg, eine Verantwortung, vor der Sie von der SPÖ und den Grünen sich anscheinend drücken wollen, eine Verantwortung, die wir im Hinblick auf die Sicherheit der Österreicherinnen und Österreicher aber sehr gerne und bewusst übernehmen. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

12.11

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Zu Wort gemeldet ist als Nächste Frau Abgeordnete Pfeffer. – Bitte.

 


12.12

Abgeordnete Katharina Pfeffer (SPÖ): Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Bundes­minister! Meine sehr geehrten Damen und Herren! 131 772 Österreicherinnen und Österreicher haben das Volksbegehren „Atomfreies Europa“ unterschrieben. Diese Zahl, Herr Bundesminister, spricht aber trotzdem für sich.

Fast 40 Millionen € pro Jahr zahlt Österreich an Atomgeldern in die EU. – Herr Bun­desminister, Ihr Bemühen, für den Atomausstieg zu kämpfen, in Ehren, trotzdem meine ich, das Ja der Regierungsparteien zu einer Aufstockung der EuratoM-Gelder ist ein Ja zur Finanzierung von Atomkraftwerken. Auch wenn die Regierung eine Aufstockung der Gelder (Abg. Wittauer: Und was ist, wenn die alten Richtlinien bleiben?) – bitte, hör mir zu, jetzt bin ich am Wort – durch angebliche Sicherheitsverbesserungen schön­zureden versucht, die Realität sieht doch anders aus.

Auch die Aufstockung des Kreditrahmens von 4 auf 6 Milliarden € halten wir für inak­zeptabel. Mehr Geld für Euratom bedeutet mehr Geld für AKWs in Europa und nicht mehr Geld für die Sicherheit der Bevölkerung, meine Damen und Herren! Nach wie vor noch ungeklärt – und das sorgt uns sehr – ist die Entsorgung radioaktiver Abfälle. So wächst derzeit der Plutoniumberg um 60 Tonnen pro Jahr und müsste 250 000 Jahre gesichert werden.

Bedenklich zu sein scheint mir aber auch, dass ein internationaler Schwarzmarkt für Nukleartechnik zeigt, wie hilflos wir gegen die Weiterverbreitung radioaktiver Abfälle beziehungsweise in der Folge gegen Kernwaffen sind. Auch Experten melden diesbe­züglich ihre Bedenken an, wenn sie meinen, dass die Gefahr, dass die Nukleartechnik, sprich auch Atomwaffen, in die Hände von skrupellosen Diktatoren und Terroristen fällt, noch nie so groß war wie heute.

Meine Damen und Herren! Ich glaube, jeder von uns erinnert sich an Berichte über den 6. August 1945, als in Hiroshima nach einem Atombombenabwurf 80 000 Menschen sofort starben und an den Folgeschäden noch weitere 60 000 Menschen gestorben sind. Beim zweiten Abwurf über Nagasaki am nächsten Tag mussten weitere 70 000 Men­schen ihr Leben lassen. Obwohl man begriffen hat, dass der Einsatz der Nuk­leartechnik beziehungsweise der Atomtechnik, egal wo auch immer, gefährlich ist, geht man, so scheint mir, sorglos mit diesem Thema um. (Abg. Wittauer: Aber nicht diese Bundesregierung!)


Nationalrat, XXII.GPStenographisches Protokoll46. Sitzung / Seite 52

Die Erinnerungen an Hiroshima und Nagasaki sind leider im Verblassen, die Störfälle Tschernobyl, Temelίn sind uns aber noch gut in Erinnerung und sollten uns zum Nachdenken anregen. (Beifall bei der SPÖ und den Grünen.)

Meine Damen und Herren von den Regierungsparteien! Herr Bundesminister! Wir müs­sen alles Menschenmögliche unternehmen, um den europäischen Atomausstieg voran­zutreiben. (Abg. Wittauer: Dann stimmen Sie zu, Frau Abgeordnete!) Ich ersuche Sie darum. (Beifall bei der SPÖ und den Grünen.)

12.15

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Soll ich Sie (in Richtung des Abg. Wittauer) noch einmal in die Rednerliste eintragen? (Ruf bei der SPÖ: Na wirklich nicht!) – Gut.

Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Ellmauer, und Sie (in Richtung des Abg. Wittauer) denken inzwischen über meinen Vorschlag nach.

 


12.15

Abgeordneter Matthias Ellmauer (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Bun­desminister! Meine geschätzten Kolleginnen und Kollegen! Das Volksbegehren „Atom­freies Europa“ wurde vor knapp einem Jahr von etwa 131 000 Mitbürgerinnen und Mit­bürgern unterschrieben.

Was waren die zentralen Forderungen dieses Volksbegehrens? Erstens: europaweiter Ausstieg aus der Kernenergienutzung, zweitens: kein Neubau von Kernkraftwerken in EU-Mitgliedsstaaten, und drittens: keine weiteren Förderungen für die Kernener­gie­nutzung in der Europäischen Union.

Mit diesen drei Forderungen können wir uns d’accord erklären. Nicht d’accord erklären können wir uns mit der Forderung, dass diese drei Dinge verfassungsmäßig geschützt sein sollen, um die Mitglieder der Bundesregierung daran binden zu können.

Das Bundesministerium für Umwelt hat für die österreichische Nuklearpolitik eine Drei-Stufen-Strategie für den Weg zum europäischen Atomausstieg vorgezeichnet. Erstens: Schließung von nicht nachrüstbaren Kraftwerken wie zum Beispiel der Reaktoren Ignalina, Bohunice und Kosloduj, zweitens: Schaffung einheitlicher und hoher Sicher­heitsstandards für noch in Betrieb befindliche Kernkraftwerke, und drittens: konse­quente Verfolgung eines europaweiten Ausstiegs aus der Nutzung der Kernkraft.

Dieses Ausstiegsszenario war stets Standpunkt aller im Parlament vertretenen Par­teien. Ebenfalls waren sich alle darin einig, dass Österreich nur dann für seine Ziele etwas erreichen kann, wenn es als Verhandlungspartner ernst genommen wird. Wür­den wir auf europäischer Ebene unseren Standpunkt, wie gefordert, verfassungsmäßig einbetonieren, würden wir automatisch die Flexibilität bei den Verhandlungen verlieren. Dadurch würden wir ebenfalls die Möglichkeit, die europäische Atompolitik in unsere Richtung weiterentwickeln zu können, verlieren.

Ich möchte unsere Vorgangsweise bildhaft mit einem kleinen Spruch beschreiben: Wer am Wipfel eines Baumes Früchte sehen will, der nähre dessen Wurzeln. – Früchte unserer Arbeit können wir dann ernten, wenn Österreich in den Entscheidungs­fin­dungs­prozess eingebunden wird und wir uns nicht schon im Vorhinein als Verweigerer von jeglicher Mitbeteiligung selbst ausschließen. Wer also ernsthaft an unserem Ziel, ein atomfreies Europa schaffen zu wollen, mitarbeiten möchte, sollte sich nicht selbst aus dem Dialog ausschließen. Deshalb erteile ich einer verfassungsmäßigen Kne­be­lung, wie von den Initiatoren des Volksbegehrens gefordert wurde, eine klare Absage.

Die Regierungsparteien halten am Atomausstieg in Europa fest und fordern tief grei­fende Reformen in der europäischen Atom- und Energiepolitik. Solange dieser Prozess


Nationalrat, XXII.GPStenographisches Protokoll46. Sitzung / Seite 53

noch nicht abgeschlossen ist, ist es notwendig, im Rahmen unserer Anti-Atompolitik umfangreiche Sicherheitsstandards einzufordern.

Eine Erhöhung des EuratoM-Kreditvolumens von 4 auf 6 Milliarden € einfach abzu­lehnen stellt uns bei der europäischen Anti-Atompolitik ins Abseits – insbesondere jetzt, wo unser Lebens- und Umweltminister Josef Pröll es geschafft hat, die italien­ische Ratspräsidentschaft davon zu überzeugen, das gesamte EuratoM-Paket in einem zu verhandeln; anderenfalls hätten die zwölf der 15 EU-Länder, die AKWs be­treiben, mit einfacher Mehrheit eine Aufstockung der Geldmittel beschließen können. (Beifall bei Abgeordneten der ÖVP.)

Nun aber herrscht beim Gesamtpaket das Einstimmigkeitsprinzip. Dies ermöglicht uns, die Kreditvergabe an konkrete Bedingungen zu binden, nämlich: das Geld aus­schließ­lich für sicherheitsrelevante und ausstiegsorientierte Atomprojekte zu verwenden. Das bedeutet für unser Land, dass wir am Diskurs über eine Atomvertragsrevision aktiv teilnehmen können.

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Atompolitik war in Österreich immer ein Anliegen aller Parteien. Anträge wurden meistens von allen vier Parteien einstimmig angenommen. Umso trauriger ist es, dass die Opposition es nicht geschafft hat, über ihren Schatten zu springen, zumal dieser Antrag – der gegenständliche Ent­schließungsantrag – 95 Prozent der Anliegen der Opposition widerspiegelt. Es ist für mich nicht nachvollziehbar, aus welchen Motiven die Grünen und die SPÖ diesen Ent­schließungsantrag ablehnen.

Die Alternative in Österreich geht im Gegenzug dazu in Richtung einer umwelt­freund­lichen Energieversorgung. Ein gutes Beispiel hiefür bietet das Land Oberösterreich: Letzte Woche wurde dem Land Oberösterreich schon das zweite Mal hintereinander der Europäische Energiepreis verliehen. Die EU-Atomkommissarin Loyola de Palacio fand sogar lobende Worte für das beste Programm im Bereich der erneuerbaren Ener­gien.

In meinem Heimatbundesland wurden seit dem Jahre 2000 4 300 Wohnhäuser Energie sparend umgebaut, 22 000 Heizungen adaptiert, 50 große Solaranlagen errichtet und Son­nenkollektoren auf mehr als 600 000 m2 installiert. Dies ist der richtige Weg im Sinne der Nachhaltigkeit und somit auch der einzig richtige Weg für unser Heimatland Österreich. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

12.21

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Zu Wort gelangt Frau Abgeordnete Scharer. 4 Minuten Redezeit. – Bitte.

 


12.21

Abgeordnete Erika Scharer (SPÖ): Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Minister! Meine Damen und Herren! Bis zum 11. November 2000 hielten es Experten für unmöglich, dass es einen Brand in einer Tunnelbahn geben kann; auch die Ka­tastrophe vom 11. September 2001 schien unmöglich zu sein. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 ist ein Terroranschlag mit einem voll betankten Verkehrs­flug­zeug auf Kernkraftwerke und Atommülllager in den Bereich des Denkmöglichen ge­kommen.

Wie Sie wissen, ist in der Nähe von Salzburg neben Isar 1 und 2 das Atommüll­zwi­schenlager Ohu geplant. Dem Engagement und dem Druck von Landesrat Raus und einer Expertengruppe der Bundesländer Oberösterreich, Tirol, Vorarlberg und dem Bund ist es zu verdanken, dass es in den UVP-Verfahren für die deutschen Atom­mülllager zu einer Erhöhung der Sicherheit der geplanten Lager kommt. Herr Minister, das ist ausschließlich unter großem Druck der Engagierten passiert.


Nationalrat, XXII.GPStenographisches Protokoll46. Sitzung / Seite 54

Für uns ist bei der Aufstockung des EURATOM-Kreditrahmens nicht erkennbar, dass die Mittel ausschließlich sicherheitsorientiert oder ausstiegsorientiert verwendet wer­den.

Bauliche Veränderungen an Kernkraftwerken sollen nun angeblich die Sicherheit Salz­burgs beziehungsweise Österreichs garantieren. Aber, meine Damen und Herren, darf uns das beruhigen? Ich möchte da eine Presseaussendung des Sprechers des Um­weltministeriums Deutschlands beziehungsweise Bayerns zitieren, wo es eben um die Sicherheit beziehungsweise um Gefahren von Angriffen geht:

„Dieses“ Schutz-„Konzept sehe unter anderem vor, dass ein angegriffenes Kern­kraft­werk in wenigen Sekunden durch eine künstliche dichte Nebelwand großflächig verhüllt werden soll. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Flugzeug das Reaktorgebäude hin­reichend zielgenau trifft, solle dadurch wirkungsvoll vermindert werden.“ Die Begut­ach­tung dieses Konzepts wird im ersten Quartal des nächsten Jahres abgeschlossen sein. International sind derartige oder vergleichbare Schutzmaßnahmen ohne Vorbild.

Herr Minister! Meine Damen und Herren! Darf uns das wirklich beruhigen?

Meine Kollegin Bayr wird einen Entschließungsantrag der SPÖ einbringen, und wir er­suchen Sie: Treten Sie und die Vertreter der Bundesregierung auf EU-Ebene unter anderem für eine rasche Überprüfung aller europäischen AKWs hinsichtlich Terror­sicherheit und für die Einrichtung beziehungsweise Ausweitung von Flugverbotszonen um alle europäischen Nuklearanlagen ein!

Für Österreich, meine Damen und Herren, wäre es besser, wenn der EURATOM-Ver­trag nicht Teil der Verfassung würde und Österreich aus dem EURATOM-Vertrag aussteigen könnte. Es ist sinnvoll, eine Revisionskonferenz, wie im Entschließungs­an­trag gefordert wird, einzusetzen. – Danke. (Beifall bei der SPÖ.)

12.25

 


Präsident Dr. Heinz Fischer: Zu Wort gelangt Herr Abgeordneter Preineder. – Bitte.

 


12.25

Abgeordneter Martin Preineder (ÖVP): Geschätzter Herr Präsident! Herr Bundes­minister! Über ein atomfreies Österreich und über den Ausstieg aus der Atomenergie in Europa herrscht bei uns, glaube ich, ein sehr breiter Konsens. Und es ist schade, dass dieser Vier-Parteien-Konsens heute nicht fortgesetzt werden kann, weil ein Vier-Par­teien-Konsens letztlich stärker ist als jedes Gesetz und jede Verfassungsvereinbarung.

Wenn wir, geschätzte Damen und Herren, Atomstrom ablehnen, wissend, dass der Stromverbrauch jährlich um 2 Prozent wächst, dann sollten wir nach Alternativen suchen, um nicht auf importierten Atomstrom umzusteigen. Die Alternative heißt: Strom aus erneuerbarer Energie, aus Kleinwasserkraft, aus Windenergie, aus Biomasse und aus Biogas.

Wenn es den Slogan gab: Atomkraft – nein danke!, dann darf ich Sie einladen zu dem Slogan: Öko-Strom – ja bitte! (Beifall bei der ÖVP.)

Dieses Haus, geschätzte Damen und Herren, hat vor gut einem Jahr ein Öko-Strom­gesetz beschlossen, das den Betreibern fixe Einspeistarife zugesichert hat und für 13 Jahre garantiert. Viele Initiativen in diesem Bereich waren dadurch möglich; Anlagen wurden in Betrieb genommen, sind in Bau oder in Planung. Ein Jahr danach wird dieses Öko-Stromgesetz leider vom Landeshauptmann in Kärnten blockiert.

Geschätzte Damen und Herren! Wir sollten dazu beitragen, dass nicht das, was der Umweltdachverband ausgerechnet hat, Realität wird: Investitionen in Höhe von 500 Millionen sind gefährdet, 8 000 Arbeitsplätze sind in Gefahr. Im Bereich der Land­wirtschaft, aus dem ich komme, sind allein im Biomasse- und im Biogasbereich


Nationalrat, XXII.GPStenographisches Protokoll46. Sitzung / Seite 55

150 Anlagen mit 90 Megawatt Stromleistung und Investitionen in Höhe von 100 Mil­lionen vo