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Stenographisches Protokoll

 

 

 

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6. Sitzung des Nationalrates der Republik Österreich

XXIV. Gesetzgebungsperiode

 

Mittwoch, 3. Dezember 2008

 

 


Stenographisches Protokoll

6. Sitzung des Nationalrates der Republik Österreich

XXIV. Gesetzgebungsperiode         Mittwoch, 3. Dezember 2008

Dauer der Sitzung

Mittwoch, 3. Dezember 2008: 9.04 – 22.18 Uhr

*****

Tagesordnung

1. Punkt: Wahl der Zweiten Präsidentin/des Zweiten Präsidenten

2. Punkt: Erklärung der Bundesregierung

*****

Inhalt

Nationalrat

Mandatsverzicht der Abgeordneten Doris Bures, Mag. Norbert Darabos, Wer­ner Faymann, Mag. Andreas Schieder, Mag. Dr. Maria Theresia Fekter, Dr. Johannes Hahn, Dr. Reinhold Lopatka, Christine Marek, Dr. Reinhold Mitterlehner, Dipl.-Ing. Josef Pröll und Dr. Michael Spindelegger               ............................................................................................................................... 21

Angelobung der Abgeordneten Mag. Gertrude Aubauer, Gabriele Binder-Maier, Wolfgang Großruck, Ing. Norbert Kapeller, Mag. Johann Maier, Mag. Christine Muttonen, Dr. Sabine Oberhauser, Jochen Pack, Dr. Erwin Rasinger, Johannes Schmuckenschlager und Gabriele Tamandl                22

1. Punkt: Wahl der Zweiten Präsidentin/des Zweiten Präsidenten ............................... 25

Beschluss auf Durchführung einer Debatte ................................................................... 25

Redner/Rednerinnen:

Dr. Josef Cap ........................................................................................................... ..... 25

Karlheinz Kopf ........................................................................................................ ..... 26

Heinz-Christian Strache ......................................................................................... ..... 26

Ing. Peter Westenthaler .......................................................................................... ..... 27

Dieter Brosz ............................................................................................................. ..... 28

Wahlergebnis:

Zweiter Präsident: Fritz Neugebauer ............................................................................ 30


Nationalrat, XXIV.GPStenographisches Protokoll6. Sitzung / Seite 2

Personalien

Verhinderungen .............................................................................................................. 21

Ordnungsruf ................................................................................................................... 84

Geschäftsbehandlung

Antrag der Abgeordneten Dieter Brosz, Kolleginnen und Kollegen, dem Finanz­ausschuss zur Berichterstattung über den Antrag 20/A der Abgeordneten Dr. Eva Glawischnig-Piesczek, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Einkommensteuergesetz 1988 geändert wird, gemäß § 43 Abs. 1 der Geschäftsordnung eine Frist bis 10. Dezember 2008 zu setzen – Ablehnung     24, 246

Redezeitbeschränkung nach Beratung in der Präsidialkonferenz gemäß § 57 Abs. 3 Z. 2 der Geschäftsordnung .......................................................................................................... 25

Verlangen auf Durchführung der Wahl in Wahlzellen .................................................. 29

Unterbrechung der Sitzung .....................................................................  29, 30, 74, 243

Verlangen auf Durchführung einer namentlichen Abstimmung .................................. 243

Bundesregierung

Schreiben des Bundeskanzlers Werner Faymann betreffend Amtsenthebung der mit der Fortführung der Verwaltung betrauten Bundesregierung sowie der Staatssekretäre im Bundeskanzleramt, des Staatssekretärs im Bundesministe­rium für europäische und internationale Angelegenheiten, des Staatssekretärs im Bundesministerium für Finanzen, der Staatssekretärin im Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie und der Staatssekretärin im Bundesministe­rium für Wirtschaft und Arbeit durch den Bundespräsidenten ................................................................................................. 22

Schreiben des Bundeskanzlers Werner Faymann betreffend Ernennung seiner Person zum Bundeskanzler, von Dipl.-Ing. Josef Pröll zum Vizekanzler und Bundesminister für Finanzen, von Dr. Michael Spindelegger zum Bundesminis­ter für europäische und internationale Angelegenheiten, von Alois Stöger zum Bundesminister für Gesundheit, Familie und Jugend, von Mag. Dr. Maria There­sia Fekter zur Bundesministerin für Inneres, von Dipl.-Ing. Nikolaus Berlako­vich zum Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirt­schaft, von Mag. Norbert Darabos zum Bundesminister für Landesverteidigung, von Rudolf Hundstorfer zum Bundesminister für Soziales und Konsumenten­schutz, von Dr. Claudia Schmied zur Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur, von Doris Bures zur Bundesministerin für Verkehr, Innovation und Tech­nologie, von Dr. Reinhold Mitterlehner zum Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit, von Dr. Johannes Hahn zum Bundesminister für Wissenschaft und For­schung, von Gabriele Heinisch-Hosek zur Bundesministerin ohne Portefeuille, von Dr. Josef Ostermayer zum Staatssekretär zu seiner Unterstützung in der Geschäftsführung und zur parlamentarischen Vertretung, von Dr. Reinhold Lo­patka und Mag. Andreas Schieder zu Staatssekretären zur Unterstützung in der Geschäftsführung und zur parlamentarischen Vertretung des Bundesministers für Finanzen und von Christine Marek zur Staatssekretärin zur Unterstützung in der Geschäftsführung und zur parlamentarischen Vertretung des Bundesministers für Wirtschaft und Arbeit sowie Betrauung von Bundesminister Dr. Johannes Hahn mit der vorläufigen Leitung des Bundesministeriums für Justiz durch den Bundespräsidenten ................................................................................................. 22


Nationalrat, XXIV.GPStenographisches Protokoll6. Sitzung / Seite 3

Ausschüsse

Zuweisungen .................................................................................................................. 24

Verhandlungen

2. Punkt: Erklärung der Bundesregierung ..................................................................... 31

Bundeskanzler Werner Faymann ......................................................................... ..... 31

Verlangen auf Durchführung einer Debatte gemäß § 81 der Geschäftsordnung              31

Redner/Rednerinnen:

Heinz-Christian Strache ......................................................................................... ..... 44

Dr. Josef Cap ........................................................................................................... ..... 48

Josef Bucher ........................................................................................................... ..... 52

Karlheinz Kopf ........................................................................................................ ..... 55

Dr. Eva Glawischnig-Piesczek .............................................................................. ..... 59

Vizekanzler Dipl.-Ing. Josef Pröll .......................................................................... ..... 63

Lutz Weinzinger ...................................................................................................... ..... 69

Jakob Auer .............................................................................................................. ..... 70

Herbert Scheibner .................................................................................................. ..... 72

Kai Jan Krainer ....................................................................................................... ..... 75

Mag. Werner Kogler ............................................................................................... ..... 77

Bundesminister Rudolf Hundstorfer ................................................................... ..... 79

Renate Csörgits ...................................................................................................... ..... 80

Ridi Steibl ................................................................................................................ ..... 82

Ing. Norbert Hofer ................................................................................................... ..... 83

Ing. Peter Westenthaler ......................................................................................  84, 240

Mag. Birgit Schatz .................................................................................................. ..... 86

Bundesminister Dr. Reinhold Mitterlehner ......................................................... ..... 87

Dr. Christoph Matznetter ....................................................................................... ..... 88

Dkfm. Dr. Günter Stummvoll ................................................................................ ..... 89

Bernhard Themessl ................................................................................................ ..... 90

Stefan Petzner .....................................................................................................  92, 240

Dr. Ruperta Lichtenecker ....................................................................................... ..... 93

Bundesministerin Doris Bures ............................................................................. ..... 93

Anton Heinzl ............................................................................................................ ..... 95

Franz Eßl .................................................................................................................. ..... 95

Harald Vilimsky ....................................................................................................... ..... 96

Mag. Ewald Stadler ................................................................................................. ..... 97

Dr. Gabriela Moser ....................................................................................................... 98

Bundesministerin Mag. Dr. Maria Theresia Fekter .................................................. 99

Otto Pendl ................................................................................................................... 100

Günter Kößl ................................................................................................................ 101

Mag. Dr. Manfred Haimbuchner ............................................................................... 102

Ursula Haubner ....................................................................................................... ... 103

Mag. Alev Korun ..................................................................................................... ... 104

Bundesministerin Dr. Claudia Schmied .............................................................. ... 105

Elmar Mayer ............................................................................................................ ... 107

Silvia Fuhrmann ...................................................................................................... ... 107

Mag. Heidemarie Unterreiner ................................................................................ ... 108

Sigisbert Dolinschek .............................................................................................. ... 109

Dr. Harald Walser .................................................................................................... ... 110

Bundesminister Dr. Michael Spindelegger ......................................................... ... 111

Mag. Elisabeth Grossmann ................................................................................... ... 113

Dr. Ursula Plassnik ................................................................................................. ... 114

Dr. Johannes Hübner ............................................................................................. ... 114


Nationalrat, XXIV.GPStenographisches Protokoll6. Sitzung / Seite 4

Christoph Hagen ..................................................................................................... ... 115

Mag. Ulrike Lunacek ............................................................................................... ... 116

Bundesministerin Gabriele Heinisch-Hosek ....................................................... ... 117

Mag. Gisela Wurm .................................................................................................. ... 119

Dorothea Schittenhelm .......................................................................................... ... 120

Carmen Gartelgruber ............................................................................................. ... 121

Mag. Gernot Darmann ......................................................................................  122, 238

Mag. Judith Schwentner ........................................................................................ ... 123

Bundesminister Dr. Johannes Hahn ..............................................................  124, 147

Mag. Andrea Kuntzl ................................................................................................ ... 125

Mag. Dr. Beatrix Karl .............................................................................................. ... 126

Mag. Dr. Martin Graf ............................................................................................... ... 127

Mag. Rainer Widmann ............................................................................................ ... 128

Dr. Kurt Grünewald ................................................................................................ ... 130

Bundesminister Alois Stöger ................................................................................ ... 130

Dr. Sabine Oberhauser .......................................................................................... ... 131

Karl Donabauer ....................................................................................................... ... 132

Dr. Dagmar Belakowitsch-Jenewein .................................................................... ... 133

Dr. Wolfgang Spadiut ............................................................................................. ... 133

Karl Öllinger ............................................................................................................ ... 134

Bundesminister Dipl.-Ing. Nikolaus Berlakovich ................................................ ... 135

Mag. Kurt Gaßner ................................................................................................... ... 136

Ing. Hermann Schultes ........................................................................................... ... 136

Harald Jannach ....................................................................................................... ... 137

Maximilian Linder ................................................................................................... ... 138

Mag. Christiane Brunner ....................................................................................... ... 138

Bundesminister Mag. Norbert Darabos ............................................................... ... 139

Stefan Prähauser .................................................................................................... ... 141

Peter Haubner ......................................................................................................... ... 142

Dr. Peter Fichtenbauer ........................................................................................... ... 143

Martina Schenk ....................................................................................................... ... 144

Tanja Windbüchler-Souschill ...........................................................................  147, 180

Dr. Johannes Jarolim ............................................................................................. ... 148

Mag. Heribert Donnerbauer ................................................................................... ... 149

Mag. Harald Stefan ................................................................................................. ... 150

Gerald Grosz ......................................................................................................  151, 239

Mag. Albert Steinhauser ........................................................................................ ... 155

Laura Rudas ............................................................................................................ ... 156

August Wöginger .................................................................................................... ... 157

Werner Neubauer .................................................................................................... ... 158

Ernest Windholz ...................................................................................................... ... 161

Dipl.-Ing. Dr. Wolfgang Pirklhuber ........................................................................ ... 163

Dr. Günther Kräuter ............................................................................................... ... 165

Konrad Steindl ........................................................................................................ ... 166

Dr. Andreas Karlsböck ........................................................................................... ... 167

Ing. Robert Lugar .................................................................................................... ... 168

Mag. Daniela Musiol ............................................................................................... ... 171

Dr. Peter Wittmann ................................................................................................. ... 173

Hermann Gahr ........................................................................................................ ... 174

Wolfgang Zanger .................................................................................................... ... 175

Kurt List ................................................................................................................... ... 177

Heidrun Silhavy ....................................................................................................... ... 181

Dr. Peter Sonnberger ............................................................................................. ... 183

Alois Gradauer ........................................................................................................ ... 184

Josef Jury ................................................................................................................ ... 185

Mag. Dr. Wolfgang Zinggl ...................................................................................... ... 187


Nationalrat, XXIV.GPStenographisches Protokoll6. Sitzung / Seite 5

Ing. Kurt Gartlehner ................................................................................................ ... 188

Mag. Karin Hakl ....................................................................................................... ... 189

Dipl.-Ing. Gerhard Deimek ..................................................................................... ... 190

Gerhard Huber ........................................................................................................ ... 192

Dieter Brosz ............................................................................................................. ... 194

Gabriele Binder-Maier ............................................................................................ ... 197

Franz Glaser ............................................................................................................ ... 198

Ing. Christian Höbart .............................................................................................. ... 199

Stefan Markowitz .................................................................................................... ... 201

Mag. Johann Maier ................................................................................................. ... 203

Gabriele Tamandl ................................................................................................... ... 204

Bernhard Vock ........................................................................................................ ... 205

Mag. Christine Muttonen ....................................................................................... ... 209

Gabriel Obernosterer ............................................................................................. ... 210

Mario Kunasek ........................................................................................................ ... 211

Petra Bayr ................................................................................................................ ... 213

Oswald Klikovits ..................................................................................................... ... 214

DDr. Werner Königshofer ...................................................................................... ... 215

Hermann Krist ......................................................................................................... ... 216

Leopold Mayerhofer ................................................................................................... 217

Mag. Ruth Becher ...................................................................................................... 218

Werner Herbert ....................................................................................................... ... 219

Mag. Josef Auer ...................................................................................................... ... 221

Dr. Gerhard Kurzmann .......................................................................................... ... 222

Gerhard Köfer ......................................................................................................... ... 223

Dr. Walter Rosenkranz ........................................................................................... ... 224

Peter Stauber .......................................................................................................... ... 226

Edith Mühlberghuber ............................................................................................. ... 227

Dietmar Keck ........................................................................................................... ... 229

Anneliese Kitzmüller .............................................................................................. ... 230

Ulrike Königsberger-Ludwig ................................................................................. ... 232

Rupert Doppler ....................................................................................................... ... 233

Christian Lausch ..................................................................................................... ... 235

Dr. Susanne Winter ................................................................................................ ... 235

Mag. Roman Haider ................................................................................................ ... 238

Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Rainer Widmann, Kolleginnen und Kollegen betreffend Ausstieg aus dem EURATOM-Vertrag – Ablehnung                                                        129, 242

Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Rainer Widmann, Kolleginnen und Kollegen betreffend umgehendes Einbringen einer Völkerrechtsklage gegen die Tschechische Republik – Ablehnung            145, 242

Entschließungsantrag der Abgeordneten Ursula Haubner, Kollegin und Kolle­gen betreffend Rückzahlung der Zuschüsse zum Kinderbetreuungsgeld – Ableh­nung ...................................  154, 242

Entschließungsantrag der Abgeordneten Heinz-Christian Strache, Kollegin­nen und Kollegen betreffend Volksabstimmung über den Ausstieg Österreichs aus dem Euratom-Vertrag – Ablehnung      159, 242

Entschließungsantrag der Abgeordneten Werner Neubauer, Kolleginnen und Kollegen betreffend das Verhalten Tschechiens beim Ausbau des AKW Teme­lίn – Ablehnung ..............  160, 242

Entschließungsantrag der Abgeordneten Josef Bucher, Kolleginnen und Kolle­gen betreffend unzureichende Verordnung zum Interbankmarktstärkungs- und Fi­nanzmarktstabilitätsgesetz – Ablehnung          170, 242


Nationalrat, XXIV.GPStenographisches Protokoll6. Sitzung / Seite 6

Entschließungsantrag der Abgeordneten Wolfgang Zanger, Kolleginnen und Kollegen betreffend Erweiterung der Prüfkompetenz des Rechnungshofes bei Übernahme von Haftungen durch den Staat – Ablehnung ............................................................................................................  176, 242

Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Gernot Darmann, Kolleginnen und Kollegen betreffend Ankauf von drei zusätzlichen Black-Hawk-Hubschrau­bern durch das BMLV – Ablehnung              180, 242

Entschließungsantrag der Abgeordneten Harald Vilimsky, Kolleginnen und Kollegen betreffend Offenlegung und Deckelung von Gehältern im Bereich der Presseförderung und des ORF – Ablehnung          185, 242

Entschließungsantrag der Abgeordneten Stefan Petzner, Kolleginnen und Kollegen betreffend keine zusätzliche Erstaufnahmestelle Süd – Ablehnung (namentliche Abstimmung) .  186, 243

Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Dr. Martin Graf, Kolleginnen und Kollegen betreffend Wissenschaft und Forschung in der XXIV. GP – Ableh­nung ..............................  191, 245

Entschließungsantrag der Abgeordneten Gerhard Huber, Kolleginnen und Kol­legen betreffend Erhaltung der Arbeitsplätze von Milchbauern und einem fairen Milchpreis – Ablehnung ....  194, 245

Entschließungsantrag der Abgeordneten Ing. Christian Höbart, Kolleginnen und Kollegen betreffend Gehaltsbeschränkungen für Manager staatsnaher Be­triebe und Manager, deren Banken die Unterstützung des Bundes in Anspruch nehmen – Ablehnung .........................................................  200, 245

Entschließungsantrag der Abgeordneten Stefan Petzner, Kolleginnen und Kol­legen betreffend das Kärntner Forderungspaket an die neue Bundesregierung – Ablehnung ............................  202, 245

Entschließungsantrag der Abgeordneten Anneliese Kitzmüller, Kolleginnen und Kollegen betreffend Reform beziehungsweise Abschaffung des Zuschusses zum Kinderbetreuungsgeld – Ablehnung          207, 245

Entschließungsantrag der Abgeordneten Mario Kunasek, Kolleginnen und Kol­legen betreffend Landesverteidigungspolitik in der XXIV. GP – Ablehnung ....................................  212, 245

Entschließungsantrag der Abgeordneten DDr. Werner Königshofer, Kollegin­nen und Kollegen betreffend die Bereitstellung von Krediten, vor allem an private Haushalte und KMUs – Ablehnung  216, 245

Entschließungsantrag der Abgeordneten Werner Herbert, Kolleginnen und Kollegen betreffend Sicherheitspolitik in der XXIV. GP – Ablehnung ...................................................  221, 245

Entschließungsantrag der Abgeordneten Dr. Walter Rosenkranz, Kolleginnen und Kollegen betreffend Kulturpolitik in der XXIV. Gesetzgebungsperiode – Ab­lehnung ...........................  225, 246

Entschließungsantrag der Abgeordneten Mag. Dr. Martin Graf, Kolleginnen und Kollegen betreffend Bildungspolitik in der XXIV. GP – Ablehnung .......................................................  228, 246

Entschließungsantrag der Abgeordneten Anneliese Kitzmüller, Kolleginnen und Kollegen betreffend Familienpolitik der Bundesregierung – Ablehnung ..............................................  231, 246

Entschließungsantrag der Abgeordneten Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Sozialpolitik in der XXIV. GP – Ablehnung ...........................................................  234, 246


Nationalrat, XXIV.GPStenographisches Protokoll6. Sitzung / Seite 7

Entschließungsantrag der Abgeordneten Heinz-Christian Strache, Kollegin-nen und Kollegen betreffend Europapolitik in der XXIV. Gesetzgebungsperiode – Ablehnung .........................  236, 246

Eingebracht wurden

Regierungsvorlagen ................................................................................................... 24

19: Bundesgesetz, mit dem das Privatfernsehgesetz und das Privatradiogesetz geändert werden

20: Bundesgesetz, mit dem das Mediengesetz geändert wird

21: Bundesgesetz über die Gewährung eines Bundeszuschusses an das Land Tirol aus Anlass des Jubiläumsjahres 2009 – 200 Jahre Erhebung Tirols

Berichte ......................................................................................................................... 24

Vorlage 4 BA: Bericht über die Genehmigung von Vorbelastungen für das 2. Quartal 2008; BM f. Finanzen

III-1: Bundesrechnungsabschluss für das Jahr 2007

III-14: Bericht über die Tätigkeit der Arbeitsinspektion im Jahr 2007; BM f. Wirt­schaft und Arbeit

III-15: Förderungsbericht 2007; Bundesregierung

Anträge der Abgeordneten

Josef Bucher, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Bankwesengesetz geändert wird (75/A)

Josef Bucher, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Einkommensgesetz 1988 geändert wird (76/A)

Josef Bucher, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Bankwesengesetz geändert wird (77/A)

Josef Bucher, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Einkommensgesetz 1988 geändert wird (78/A)

Dr. Peter Fichtenbauer, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem die Exekutionsordnung geändert wird (79/A)

Dr. Peter Fichtenbauer, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Strafgesetzbuch (StGB), BGBl. 60/1974 i.d.g.F., geändert wird (80/A)

Dr. Peter Fichtenbauer, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Bundesgesetz vom 15. Feber 1972 über die Tilgung von Verurteilungen und die Beschränkung der Auskunft (Tilgungsgesetz 1972), BGBl. Nr. 68/1972, geändert wird (81/A)

Dr. Peter Fichtenbauer, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Bundesgesetz über die mit gerichtlicher Strafe bedrohten Handlungen (Straf­gesetzbuch – StGB), BGBl. Nr. 60/1974, geändert wird (82/A)

Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Gewährung von Unterhalts­vorschüssen für Volljährige in Schulausbildung und volljährige erwerbsunfähige Behin­derte (83/A)(E)


Nationalrat, XXIV.GPStenographisches Protokoll6. Sitzung / Seite 8

Harald Vilimsky, Kolleginnen und Kollegen betreffend Erfassung ansteckender Krank­heiten von Haftinsassen (84/A)(E)

Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Unterschreitung des Exis­tenzminimums bei Exekutionen wegen Unterhaltsansprüchen (85/A)(E)

Dr. Peter Fichtenbauer, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Bundesgesetz über die Beschwerde an den Obersten Gerichtshof wegen Ver­letzung des Grundrechts auf persönliche Freiheit (Grundrechtsbeschwerde-Gesetz – GRBG), BGBl. Nr. 864/1992, geändert wird (86/A)

Dr. Peter Fichtenbauer, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Bundesgesetz über die mit gerichtlicher Strafe bedrohten Handlungen (Straf­gesetzbuch – StGB), BGBl. Nr. 60/1974, geändert wird (87/A)

Heinz-Christian Strache, Kolleginnen und Kollegen betreffend chemische Kastration von Personen, welche rechtskräftig nach § 206 StGB verurteilt wurden (88/A)(E)

Heinz-Christian Strache, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Bundesgesetz vom 23. Jänner 1974, BGBl. 60, über die mit gerichtlicher Strafe bedrohten Handlungen (Strafgesetzbuch – StGB), BGBl. Nr. 56/2006, geändert wird (89/A)

Harald Vilimsky, Kolleginnen und Kollegen betreffend Verlässlichkeitsüberprüfung muslimischer Seelsorger in Justizanstalten (90/A)(E)

Dr. Peter Fichtenbauer, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Bundesgesetz über das gerichtliche Verfahren in Rechtsangelegenheiten außer Streitsachen (Außerstreitgesetz – AußStrG), BGBl. I Nr. 111/2003, geändert wird (91/A)

Dr. Peter Fichtenbauer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Beschaffung von ATF – Allschutz-Transportfahrzeuge (92/A)(E)

Dr. Peter Fichtenbauer, Kolleginnen und Kollegen betreffend sofortige Beschaffung von neuen Kampfanzügen für jeden österreichischen Soldaten (93/A)(E)

Dr. Peter Fichtenbauer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Erhöhung des Landes­verteidigungsbudgets (94/A)(E)

Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Erstellung eines Plans zum Abbau baulicher Barrieren für die vom BMLV genutzten Gebäude (95/A)(E)

Dr. Peter Fichtenbauer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Adaptierungen, Ersatz- und Ausbauten von Kasernen im Zuge der Reform ÖBH 2010 (96/A)(E)

Herbert Kickl, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Ar­beitsmarktpolitik-Finanzierungsgesetz (AMPFG), BGBl. Nr. 315/1994, geändert wird (97/A)

Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen betreffend die Prüfung der wirksamen Verwendung des Pflegegeldes durch Gesundheitsmanager (98/A)(E)

Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Inflationsanpassung des Pfle­gegeldes (99/A)(E)

Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Sicherstellung der Ausbil­dung von Pflegekräften (100/A)(E)

Herbert Kickl, Kolleginnen und Kollegen betreffend Änderung des Zugangs zum Ar­beitsmarkt für Ausländer aus nicht EWR-Staaten (101/A)(E)


Nationalrat, XXIV.GPStenographisches Protokoll6. Sitzung / Seite 9

Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Bundesgesetz vom 11. Dezember 1969 über die Einstellung und Beschäftigung Behinderter (Behinderteneinstellungsgesetz – BEinstG), BGBl. Nr. 22/1970, geändert wird (102/A)

Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Einrichtung einer Bundesge­nossenschaft für Pflege und Betreuung (103/A)(E)

Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Erstellung eines Plans zum Abbau baulicher Barrieren für die vom BMLV genutzten Gebäude (104/A)(E)

Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Rechtsanspruch auf Persönli­che Assistenz (105/A)(E)

Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Vergütung von 20 Prozent des Kaufpreises bei der Anschaffung von Kraftfahrzeugen durch Behinderte (106/A)(E)

Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Pflegegeldleistungen mit Auslandsbezug (107/A)(E)

Herbert Kickl, Kolleginnen und Kollegen betreffend Abschaffung des Angehörigen-Re­gresses (108/A)(E)

Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen betreffend die Pauschalierung der Ver­waltungsaufwendungen für das Pflegegeld (109/A)(E)

Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen betreffend das Versehen der Etappen­pläne zum Abbau baulicher Barrieren mit Zeitplänen (110/A)(E)

Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Interessenvertretung von Menschen mit besonderen Bedürfnissen (111/A)(E)

Herbert Kickl, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Arbeitslosenversicherungsgesetz 1977, BGBl. Nr. 609/1977, zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 82/2008, geändert wird (112/A)

Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Weiterversicherung in der Pensionsversicherung für pflegende Angehörige (113/A)(E)

Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Renaissance des dualen Ausbildungssystems (114/A)(E)

Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Anerkennung der Taubblind­heit als eigenständige Behinderung (115/A)(E)

Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Stärkung der Rechte atypisch Beschäftigter (116/A)(E)

Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Konkurrenzklauseln in Ar­beitsverträgen (117/A)(E)

Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Maßnahmen zur Sicherung der Pflege (118/A)(E)

Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Maßnahmen zur Betreuung von pflegebedürftigen Personen (119/A)(E)

Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen betreffend die Beschränkung der Dauer des Pflegegeldverfahrens (120/A)(E)


Nationalrat, XXIV.GPStenographisches Protokoll6. Sitzung / Seite 10

Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Gebärdensprachkurse für El­tern gehörloser Kinder (121/A)(E)

Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Betreuungsrechte von Laien (122/A)(E)

Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen betreffend audiopädagogische Förde­rung für hörbehinderte Kinder (123/A)(E)

Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Unterstützung des Projektes „Smart Home“ (124/A)(E)

Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Einführung einer Förderung für behindertengerechte Umbauten an Autobussen (125/A)(E)

Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Arbeitsverhältnis am zweiten Arbeitsmarkt (126/A)(E)

Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen betreffend die Förderung von Generatio­nenwohnhäusern (127/A)(E)

Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Standardisierung des Begut­achtungsverfahrens zur Bewertung des Pflegebedarfs (128/A)(E)

Herbert Kickl, Kolleginnen und Kollegen betreffend Teilzeitlehre (129/A)(E)

Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen betreffend gerechte Berücksichtigung von Kindererziehungszeiten (130/A)(E)

Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen betreffend gesetzliche Verankerung der Werkstättenräte (131/A)(E)

Heinz-Christian Strache, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Arbeitslosenversicherungsgesetz 1977 (AIVG), BGBl. Nr. 609/1977, geändert wird (132/A)

Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Freiwilliges Soziales Jahr – Zuerkennung der Familienbeihilfe (133/A)(E)

Dr. Gabriela Moser, Kolleginnen und Kollegen betreffend Entwertung/Vernichtung des Typenscheins bei Pkw-Totalhavarien (134/A)(E)

Dipl.-Ing. Dr. Wolfgang Pirklhuber, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundes­gesetz, mit dem das Landwirtschaftsgesetz geändert wird (135/A)

Dr. Gabriela Moser, Kolleginnen und Kollegen betreffend Intervallverdichtung und Ausbau der Schnellbahnlinie S 7 (136/A)(E)

Dipl.-Ing. Dr. Wolfgang Pirklhuber, Kolleginnen und Kollegen betreffend Kennzeich­nungspflicht für verarbeitete Eier (137/A)(E)


Nationalrat, XXIV.GPStenographisches Protokoll6. Sitzung / Seite 11

Dipl.-Ing. Dr. Wolfgang Pirklhuber, Kolleginnen und Kollegen betreffend Einführung eines gesetzlichen Grenzwertes für trans-Fettsäuren in Lebensmitteln (138/A)(E)

Dipl.-Ing. Dr. Wolfgang Pirklhuber, Kolleginnen und Kollegen betreffend Kennzeich­nungspflicht für verarbeitete Eier (139/A)(E)

Dipl.-Ing. Dr. Wolfgang Pirklhuber, Kolleginnen und Kollegen betreffend gesetzliche Verankerung des Programms Ländliche Entwicklung 2007–2013 (140/A)(E)

Dipl.-Ing. Dr. Wolfgang Pirklhuber, Kolleginnen und Kollegen betreffend Einführung eines gesetzlichen Grenzwertes für trans-Fettsäuren in Lebensmitteln (141/A)(E)

Mag. Christiane Brunner, Kolleginnen und Kollegen betreffend Rahmenbedingungen für den Erhalt und den Ausbau von Verpackungs-Mehrwegsystemen (142/A)(E)

Mag. Birgit Schatz, Kolleginnen und Kollegen betreffend mangelnde Bedachtnahme auf Gesundheitsschutz und Benachteiligung der ArbeitnehmerInnen im Arbeitszeitge­setz (143/A)(E)

Mag. Birgit Schatz, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesverfassungs­gesetz über die Einrichtung einer Arbeitslosenanwaltschaft (144/A)

Mag. Birgit Schatz, Kolleginnen und Kollegen betreffend Recht auf ein Girokonto (145/A)(E)

Mag. Birgit Schatz, Kolleginnen und Kollegen betreffend Kontoüberziehungsrahmen (146/A)(E)

Mag. Birgit Schatz, Kolleginnen und Kollegen betreffend Teil- und Ratenzahlungsangebote (147/A)(E)

Mag. Christiane Brunner, Kolleginnen und Kollegen betreffend Verbesserung der EU-Tierschutzstandards (148/A)(E)

Mag. Christiane Brunner, Kolleginnen und Kollegen betreffend Einfuhr- und Handels­verbot für Robbenprodukte (149/A)(E)

Mag. Albert Steinhauser, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Staatsbürgerschaftsgesetz 1985 geändert wird (Staatsbürgerschaftsände­rungsgesetz 2008) (150/A)

Mag. Daniela Musiol, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesverfassungs­gesetz, mit dem das Bundes-Verfassungsgesetz geändert wird (151/A)

Dr. Peter Fichtenbauer, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Bundesgesetz über Maßnahmen zur Sicherung der Stabilität des Finanz­marktes (Finanzmarktstabilitätsgesetz – FinStaG) geändert wird (152/A)

Mag. Gernot Darmann, Kolleginnen und Kollegen betreffend Kostenersatz für Alarm­starts durch den jeweiligen Verursacher (153/A)(E)

Mag. Gernot Darmann, Kolleginnen und Kollegen betreffend Neustationierung einer Haflinger-Tragtierstaffel in Kärnten (154/A)(E)

Dr. Josef Cap, Karlheinz Kopf, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundes­gesetz, mit dem das Bundesministeriengesetz 1986 geändert wird (Bundesministerien­gesetz-Novelle 2008) (155/A)

Werner Herbert, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Bundesgesetz über die Bezüge der Bundesbeamten (Gehaltsgesetz 1956 – GehG), BGBl. Nr. 54/1956, geändert wird (156/A)

Heinz-Christian Strache, Kolleginnen und Kollegen betreffend Anerkennung von Reli­gionsgemeinschaften (157/A)(E)

Josef Bucher, Kolleginnen und Kollegen betreffend die Beseitigung der Pensionsprivi­legien in der Oesterreichischen Nationalbank und Kürzung der bald über 2 Mrd € schweren OeNB-Pensionsreserve (158/A)(E)


Nationalrat, XXIV.GPStenographisches Protokoll6. Sitzung / Seite 12

Dr. Sabine Oberhauser, Dr. Erwin Rasinger, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Gesundheitstelematikgesetz geändert wird (159/A)

Dr. Sabine Oberhauser, Dr. Erwin Rasinger, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Allgemeine Sozialversicherungsgesetz, das Bauern-So­zialversicherungsgesetz und das Familienlastenausgleichsgesetz 1967 geändert wer­den (SRÄG 2008) (160/A)

Silvia Fuhrmann, Mag. Johann Maier, Kolleginnen und Kollegen betreffend SPICE und andere biogene Suchtmittel (161/A)(E)

Mag. Gernot Darmann, Kolleginnen und Kollegen betreffend den Neubau eines Reak­tors in Krško (162/A)(E)

Anneliese Kitzmüller, Kolleginnen und Kollegen betreffend Reform beziehungsweise Abschaffung des Zuschusses zum Kinderbetreuungsgeld (163/A)(E)

Sigisbert Dolinschek, Kolleginnen und Kollegen betreffend die Abschaffung von Ar­beiterinnen und Arbeiter benachteiligende Entlassungstatbestände aus dem Jahr 1859 (164/A)(E)

Ursula Haubner, Kollegin und Kollegen betreffend Hebammenberatung und ‑betreu­ung im Rahmen des Mutter-Kind-Passes (165/A)(E)

Anfragen der Abgeordneten

Gerald Grosz, Kolleginnen und Kollegen an den Bundeskanzler betreffend Prämien und Belohnungen für die Mitarbeiter der Ministerbüros (245/J)

Gerald Grosz, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Frauen, Medien und Regionalpolitik betreffend Prämien und Belohnungen für die Mitarbeiter der Minis­terbüros (246/J)

Gerald Grosz, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für europäische und internationale Angelegenheiten betreffend Prämien und Belohnungen für die Mitarbei­ter der Ministerbüros (247/J)

Gerald Grosz, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Finanzen betref­fend Prämien und Belohnungen für die Mitarbeiter der Ministerbüros (248/J)

Gerald Grosz, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Gesundheit, Fa­milie und Jugend betreffend Prämien und Belohnungen für die Mitarbeiter der Minister­büros (249/J)

Gerald Grosz, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inneres betref­fend Prämien und Belohnungen für die Mitarbeiter der Ministerbüros (250/J)

Gerald Grosz, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Justiz betreffend Prämien und Belohnungen für die Mitarbeiter der Ministerbüros (251/J)

Gerald Grosz, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Landesverteidi­gung betreffend Prämien und Belohnungen für die Mitarbeiter der Ministerbüros (252/J)

Gerald Grosz, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Land- und Forst­wirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft betreffend Prämien und Belohnungen für die Mitarbeiter der Ministerbüros (253/J)

Gerald Grosz, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Soziales und Kon­sumentenschutz betreffend Prämien und Belohnungen für die Mitarbeiter der Minister­büros (254/J)


Nationalrat, XXIV.GPStenographisches Protokoll6. Sitzung / Seite 13

Gerald Grosz, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur betreffend Prämien und Belohnungen für die Mitarbeiter der Ministerbüros (255/J)

Gerald Grosz, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Verkehr, Innova­tion und Technologie betreffend Prämien und Belohnungen für die Mitarbeiter der Mi­nisterbüros (256/J)

Gerald Grosz, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Wirtschaft und Ar­beit betreffend Prämien und Belohnungen für die Mitarbeiter der Ministerbüros (257/J)

Gerald Grosz, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Wissenschaft und Forschung betreffend Prämien und Belohnungen für die Mitarbeiter der Ministerbüros (258/J)

Dr. Peter Pilz, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Finanzen betref­fend Ausübung der Aufsicht über Vertriebssysteme für Finanzinstrumente am Beispiel AWD (259/J)

Dr. Peter Pilz, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inneres betref­fend offene Fragen zu § 53 SPG (260/J)

Dr. Peter Pilz, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit betreffend Ausübung der Aufsicht über Vermögensberater am Beispiel AWD (261/J)

Christian Lausch, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inneres be­treffend Grenzraumsicherheit in Niederösterreich (262/J)

Mag. Harald Stefan, Kolleginnen und Kollegen an den Bundeskanzler betreffend fi­nanzielle Einsparungen durch die Staats- und Verwaltungsreform (263/J)

Mario Kunasek, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Landesverteidi­gung betreffend vernünftige Ausbildung von Rekruten (264/J)

Mario Kunasek, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Landesverteidi­gung betreffend Anreize für die Miliz (265/J)

Dr. Johannes Hübner, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für europäi-sche und internationale Angelegenheiten betreffend Kasachstan-Reise von Herrn Bun­despräsidenten Heinz Fischer (266/J)

Dr. Johannes Hübner, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für europäi­sche und internationale Angelegenheiten betreffend Piraten-Überfall auf Tankschiff und die Rolle Chinas in Sachen Piraterie (267/J)

Dr. Johannes Hübner, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für europäi­sche und internationale Angelegenheiten betreffend angeblichen Piraten-Überfall auf ein Schiff mit nuklearer Ladung (268/J)

Mag. Heidemarie Unterreiner, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur betreffend Gebarung und Subvention „Wiener Lustspiel­haus“ (269/J)

Harald Vilimsky, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inneres betref­fend Polizeiinspektion Fiakerplatz (270/J)

Harald Vilimsky, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inneres betref­fend Mindeststandards für Polizeiinspektionen (271/J)


Nationalrat, XXIV.GPStenographisches Protokoll6. Sitzung / Seite 14

Werner Herbert, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inneres betref­fend Leasing von Fahrzeugen (272/J)

Dr. Johannes Hübner, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für europäi­sche und internationale Angelegenheiten betreffend Anti-Piraten-Einsatz der Europäi­schen Union (273/J)

Werner Herbert, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Verkehr, Inno­vation und Technologie betreffend Auslassung von Haltestellen in Hainburg (274/J)

Harald Vilimsky, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inneres betreffend Polizeiinspektion Keplergasse (275/J)

Harald Vilimsky, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inneres betref­fend Sicherheitsbericht 2007-BMI (276/J)

Christian Lausch, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Verkehr, Inno­vation und Technologie betreffend Kostenexplosion einer ÖBB-Nachtverbindung (277/J)

Harald Vilimsky, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Verkehr, Inno­vation und Technologie betreffend vollautomatische Vignettenkontrolle (278/J)

Dr. Peter Fichtenbauer, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Justiz betreffend Sicherheitsbericht 2007 (279/J)

Harald Vilimsky, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inneres betref­fend Vergleich der Gesamtkriminalität in der Steiermark des Jahres 2007 gegenüber dem Jahr 2006 (280/J)


Nationalrat, XXIV.GPStenographisches Protokoll6. Sitzung / Seite 15

Harald Vilimsky, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Justiz betref­fend Untersuchungshäftling Mahmoud (281/J)

Harald Vilimsky, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inneres betref­fend Vergleich der Gesamtkriminalität in Kärnten des Jahres 2007 gegenüber dem Jahr 2006 (282/J)

Harald Vilimsky, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inneres betref­fend Vergleich der Gesamtkriminalität in Vorarlberg des Jahres 2007 gegenüber dem Jahr 2006 (283/J)

Harald Vilimsky, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inneres betref­fend Vergleich der Gesamtkriminalität in Tirol des Jahres 2007 gegenüber dem Jahr 2006 (284/J)

Harald Vilimsky, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inneres be­treffend Vergleich der Gesamtkriminalität in Salzburg des Jahres 2007 gegenüber dem Jahr 2006 (285/J)

Harald Vilimsky, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inneres betref­fend Vergleich der Gesamtkriminalität in Oberösterreich des Jahres 2007 gegenüber dem Jahr 2006 (286/J)

Christian Lausch, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Justiz betref­fend Arbeitspflicht gemäß § 44 StVG (287/J)

Christian Lausch, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Justiz betref­fend Anzahl Haftinsassen (288/J)

Harald Vilimsky, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Verkehr, Inno­vation und Technologie betreffend Postamtsschließungen, massive Personalreduktion und Postliberalisierung (289/J)

Harald Vilimsky, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Justiz betref­fend Kompetenzverschiebung zu den Justizanstalten (290/J)

Dr. Peter Fichtenbauer, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Justiz betreffend Verurteilungen nach dem Suchtmittelgesetz im Jahr 2007 (291/J)

Harald Vilimsky, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inneres betref­fend Schreiben an den Generaldirektor für öffentliche Sicherheit (292/J)

Mario Kunasek, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Landesvertei­digung betreffend Einsatz im Kongo (293/J)

Mag. Dr. Martin Graf, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Unter­richt, Kunst und Kultur betreffend Umsetzung von Empfehlungen des Rechnungshofes durch das BMUKK (294/J)

Harald Vilimsky, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Justiz betref­fend Reorganisation der Strafvollzugsverwaltung – 4 (295/J)

Wolfgang Zanger, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Finanzen be­treffend Pensionskassengesetz (296/J)

Wolfgang Zanger, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Wissenschaft und Forschung betreffend Errichtung von Kompetenzzentren mittels des Programms COMET (297/J)

DDr. Werner Königshofer, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Fi­nanzen betreffend FMA (298/J)

Anneliese Kitzmüller, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Gesund­heit, Familie und Jugend betreffend den Einsatz von gesundheitsgefährdendem Par­kettkleber (299/J)

DDr. Werner Königshofer, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Fi­nanzen betreffend AeW (300/J)

DDr. Werner Königshofer, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Ver­kehr, Innovation und Technologie betreffend Neubau der ASFINAG Zentrale in Inns­bruck (301/J)

DDr. Werner Königshofer, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Ver­kehr, Innovation und Technologie betreffend Errichtung und Wartung von Lärmschutz­wänden entlang des Bundesstraßennetzes (Autobahnen und Schnellstraßen) (302/J)

Harald Vilimsky, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Justiz betref­fend Drogenersatz in Haft (303/J)

Mario Kunasek, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Landesverteidi­gung betreffend Verpflegung der Lehrgangsteilnehmer der Heeresversorgungsschule (HVS) (304/J)

Mario Kunasek, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Landesverteidi­gung betreffend Unterbringung von Lehrgangsteilnehmern der Heeresversorgungs­schule (HVS) in Wien (305/J)

Wolfgang Zanger, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Finanzen be­treffend Unzufriedenheit der Mitarbeiter des Bundesrechenzentrums (306/J)

Wolfgang Zanger, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit betreffend Vergabe an KMUs durch das Bundesvergabeamt (307/J)


Nationalrat, XXIV.GPStenographisches Protokoll6. Sitzung / Seite 16

Wolfgang Zanger, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Gesundheit, Familie und Jugend betreffend Auszahlung von Familienbeihilfe und Kindergeld an El­tern mit Mehrlingen (308/J)

Mario Kunasek, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Landesverteidi­gung betreffend Beschaffung Transportflugzeuge (309/J)

Mario Kunasek, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Landesverteidi­gung betreffend „midlife update“ (310/J)

Dipl.-Ing. Gerhard Deimek, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft betreffend fehlerhafte Geba­rung der Bundesforste AG (311/J)

Rupert Doppler, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft betreffend den Schlachthof Bergheim (312/J)

Dr. Johannes Hübner, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für europäi­sche und internationale Angelegenheiten betreffend österreichische Vertretung in Prag (313/J)

Mag. Dr. Manfred Haimbuchner, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Landesverteidigung betreffend mögliche Auflösung der Eurofighter GmbH (314/J)

Mag. Dr. Manfred Haimbuchner, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur betreffend Beschwerden von Eltern über ein Schulbuch (315/J)

Mag. Dr. Manfred Haimbuchner, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Finanzen betreffend mögliche Auflösung der Eurofighter GmbH (316/J)

Mag. Dr. Manfred Haimbuchner, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Landesverteidigung betreffend möglichen Geldfluss vom Kabinett des Verteidigungsmi­nisters zur Zeitschrift „News“ und die Weitergabe von Verschlussakten an „News“ (317/J)

Dr. Johannes Hübner, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für europäi­sche und internationale Angelegenheiten betreffend österreichische Vertretungsbehör­de in den Vereinigten Staaten von Amerika (318/J)

Dr. Dagmar Belakowitsch-Jenewein, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesminis­terin für Gesundheit, Familie und Jugend betreffend Kostenerstattung für Auslands­patienten (319/J)

Anneliese Kitzmüller, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit betreffend den Einsatz von gesundheitsgefährdendem Parkettkleber (320/J)

Wolfgang Zanger, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inneres be­treffend geplantes Schubhaftzentrum Leoben (321/J)

Leopold Mayerhofer, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inneres betreffend Aufenthalt von Alnur Mussayev in Österreich (322/J)

Heinz-Christian Strache, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inne­res betreffend Beschaffung von Booten für die Wasserpolizei (323/J)

Alois Gradauer, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit betreffend Zugang zum Gewerbe von ausgebildeten Barhufpflegern (324/J)

Werner Neubauer, Kolleginnen und Kollegen an den Bundeskanzler betreffend „Gol­dene Ehrenzeichen“ für den IOC-Chef Jacques Rogge (325/J)


Nationalrat, XXIV.GPStenographisches Protokoll6. Sitzung / Seite 17

Mag. Dr. Manfred Haimbuchner, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie betreffend Kosten externer Berater der AUA (326/J)

Mag. Dr. Manfred Haimbuchner, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Landesverteidigung betreffend Auflösung der Task Force Eurofighter (327/J)

Mag. Dr. Manfred Haimbuchner, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Landesverteidigung betreffend Ersatzteilmangel für Block 5 Eurofighter (328/J)

Mag. Dr. Manfred Haimbuchner, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Landesverteidigung betreffend Beendigung des Eurofighteruntersuchungsausschusses als Bedingung im Vergleich mit der Eurofighter GmbH (329/J)

Mag. Dr. Manfred Haimbuchner, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inneres betreffend ungenaue Beantwortung der Anfrage betreffend die falsche Dar­stellung im Verfassungsschutzbericht hinsichtlich der Spionageaffäre Vozhzhov (330/J)

Dr. Johannes Hübner, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für europäi­sche und internationale Angelegenheiten betreffend österreichische Vertretungsbe­hörde im Königreich Spanien (Madrid) (331/J)

Dieter Brosz, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Wirtschaft und Ar­beit betreffend Nichteinhaltung von Bescheidauflagen durch das Schotterwerk Meidling der Fa. Asamer & Hufnagel GmbH (332/J)

Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Finanzen be­treffend Steuerleistungen an die AUA (333/J)

Harald Vilimsky, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inneres betref­fend Vergleich der Gesamtkriminalität im Burgenland des Jahres 2007 gegenüber dem Jahr 2006 (334/J)

Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inneres be­treffend Zuwanderung nach Österreich (335/J)

Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Justiz be­treffend Krisenpflege (336/J)

Herbert Kickl, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Soziales und Kon­sumentenschutz betreffend Pensionen unterhalb des Ausgleichszulagenrichtsatzes (337/J)

Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie betreffend Verkehrsaufkommen in Jennersdorf (338/J)

Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen an den Bundeskanzler betreffend Erfül­lung der Behinderteneinstellungspflicht 2007 (339/J)

Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Frauen, Me­dien und Regionalpolitik betreffend Erfüllung der Behinderteneinstellungspflicht 2007 (340/J)

Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für europäische und internationale Angelegenheiten betreffend Erfüllung der Behinderteneinstellungs­pflicht 2007 (341/J)

Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Finanzen be­treffend Erfüllung der Behinderteneinstellungspflicht 2007 (342/J)


Nationalrat, XXIV.GPStenographisches Protokoll6. Sitzung / Seite 18

Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Gesundheit, Familie und Jugend betreffend Erfüllung der Behinderteneinstellungspflicht 2007 (343/J)

Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inneres be­treffend Erfüllung der Behinderteneinstellungspflicht 2007 (344/J)

Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Justiz be­treffend Erfüllung der Behinderteneinstellungspflicht 2007 (345/J)

Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Landesver­teidigung betreffend Erfüllung der Behinderteneinstellungspflicht 2007 (346/J)

Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft betreffend Erfüllung der Behindertenein­stellungspflicht 2007 (347/J)

Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Soziales und Konsumentenschutz betreffend Erfüllung der Behinderteneinstellungspflicht 2007 (348/J)

Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur betreffend Erfüllung der Behinderteneinstellungspflicht 2007 (349/J)

Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Verkehr, In­novation und Technologie betreffend Erfüllung der Behinderteneinstellungspflicht 2007 (350/J)

Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit betreffend Erfüllung der Behinderteneinstellungspflicht 2007 (351/J)

Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Wissenschaft und Forschung betreffend Erfüllung der Behinderteneinstellungspflicht 2007 (352/J)

Mag. Judith Schwentner, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Finan­zen betreffend: Welchen Einfluss hat die Steuergesetzgebung auf die Einkommens­unterschiede zwischen Frauen und Männern? (353/J)

Mag. Christiane Brunner, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Ge­sundheit, Familie und Jugend betreffend Transport, Haltung und „Jagd“ von Zuchtfasa­nen (354/J)

Mag. Alev Korun, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inneres be­treffend skandalöse Altersgutachten im Asylverfahren (355/J)

Dr. Harald Walser, Kolleginnen und Kollegen an den Bundeskanzler betreffend die Neugestaltung der österreichischen Gedenkstätte im Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau (356/J)

Harald Vilimsky, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inneres betref­fend fremde Tatverdächtige 2008 (357/J)

Stefan Petzner, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inneres betref­fend Erstaufnahmezentrum Süd (358/J)

Gerald Grosz, Kolleginnen und Kollegen an den Bundeskanzler betreffend die Kosten der Berateraufträge der Ressorts (359/J)

Gerald Grosz, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin ohne Portefeuille be­treffend die Kosten der Berateraufträge der Ressorts (360/J)


Nationalrat, XXIV.GPStenographisches Protokoll6. Sitzung / Seite 19

Gerald Grosz, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für europäische und internationale Angelegenheiten betreffend die Kosten der Berateraufträge der Ressorts (361/J)

Gerald Grosz, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Finanzen betref­fend die Kosten der Berateraufträge der Ressorts (362/J)

Gerald Grosz, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Gesundheit, Fami­lie und Jugend betreffend die Kosten der Berateraufträge der Ressorts (363/J)

Gerald Grosz, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inneres betref­fend die Kosten der Berateraufträge der Ressorts (364/J)

Gerald Grosz, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Justiz betreffend die Kosten der Berateraufträge der Ressorts (365/J)

Gerald Grosz, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Landesverteidi­gung betreffend die Kosten der Berateraufträge der Ressorts (366/J)

Gerald Grosz, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Land- und Forst­wirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft betreffend die Kosten der Berateraufträge der Ressorts (367/J)

Gerald Grosz, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Soziales und Kon­sumentenschutz betreffend die Kosten der Berateraufträge der Ressorts (368/J)

Gerald Grosz, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur betreffend die Kosten der Berateraufträge der Ressorts (369/J)

Gerald Grosz, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Verkehr, Inno­vation und Technologie betreffend die Kosten der Berateraufträge der Ressorts (370/J)

Gerald Grosz, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Wirtschaft und Ar­beit betreffend die Kosten der Berateraufträge der Ressorts (371/J)

Gerald Grosz, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Wissenschaft und Forschung betreffend die Kosten der Berateraufträge der Ressorts (372/J)

Harald Vilimsky, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Justiz betref­fend Firmengeflecht Ernst Strasser – EUROCONTACT (373/J)

Gerhard Köfer, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Wissenschaft und Forschung betreffend Stipendienprogramm mit Pakistan (374/J)

Gerhard Köfer, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Gesundheit, Fa­milie und Jugend betreffend die Höhe der Grenzwerte für gepulste elektromagnetische Mobilfunkwellen (375/J)

Gerhard Köfer, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Wissenschaft und Forschung betreffend Krebsstudien (376/J)

Gerhard Köfer, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Landesvertei­digung betreffend den Gesundheitszustand von jungen Männern (377/J)

Mag. Johann Maier, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inneres be­treffend „Illegaler Arbeitsmarkt und Lohnbetrug – Erpresserische Entführung von zwei Arbeitern“ (378/J)

Mag. Johann Maier, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Verkehr, Innovation und Technologie betreffend „Kfz-Treibstoffverbrauch – Falschangaben“ (379/J)


Nationalrat, XXIV.GPStenographisches Protokoll6. Sitzung / Seite 20

Mag. Johann Maier, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Soziales und Konsumentenschutz betreffend „Kritische Personalsituation im Arbeitsinspektorat Salzburg“ (380/J)

Anfragebeantwortungen

der Bundesministerin für Gesundheit, Familie und Jugend auf die Anfrage der Abge­ordneten Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen (1/AB zu 35/J)

der Bundesministerin für Gesundheit, Familie und Jugend auf die Anfrage der Abge­ordneten Mag. Daniela Musiol, Kolleginnen und Kollegen (2/AB zu 129/J)

des Bundeskanzlers auf die Anfrage der Abgeordneten Dipl.-Ing. Dr. Wolfgang Pirkl­huber, Kolleginnen und Kollegen (3/AB zu 47/J)

der Bundesministerin für Gesundheit, Familie und Jugend auf die Anfrage der Abge­ordneten Gerhard Köfer, Kolleginnen und Kollegen (4/AB zu 3/J)

der Bundesministerin für Gesundheit, Familie und Jugend auf die Anfrage der Abge­ordneten Dipl.-Ing. Dr. Wolfgang Pirklhuber, Kolleginnen und Kollegen (5/AB zu 42/J)

der Bundesministerin für Gesundheit, Familie und Jugend auf die Anfrage der Abge­ordneten Dipl.-Ing. Dr. Wolfgang Pirklhuber, Kolleginnen und Kollegen (6/AB zu 48/J)

der Bundesministerin für Gesundheit, Familie und Jugend auf die Anfrage der Abge­ordneten Gerald Grosz, Kolleginnen und Kollegen (7/AB zu 81/J)

der Bundesministerin für Gesundheit, Familie und Jugend auf die Anfrage der Abge­ordneten Gerald Grosz, Kolleginnen und Kollegen (8/AB zu 109/J)

des Bundesministers für Soziales und Konsumentenschutz auf die Anfrage der Abge­ordneten Sigisbert Dolinschek, Kolleginnen und Kollegen (9/AB zu 167/J)

des Bundesministers für Soziales und Konsumentenschutz auf die Anfrage der Abge­ordneten Gerhard Köfer, Kolleginnen und Kollegen (10/AB zu 5/J)

des Bundesministers für Soziales und Konsumentenschutz auf die Anfrage der Abge­ordneten Herbert Kickl, Kolleginnen und Kollegen (11/AB zu 36/J)

des Bundesministers für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft
auf die Anfrage der Abgeordneten Dr. Gabriela Moser, Kolleginnen und Kollegen (12/AB zu 62/J)

der Bundesministerin für Frauen, Medien und Regionalpolitik auf die Anfrage der Abge­ordneten Gerald Grosz, Kolleginnen und Kollegen (13/AB zu 79/J)

der Bundesministerin für Frauen, Medien und Regionalpolitik auf die Anfrage der Abge­ordneten Gerald Grosz, Kolleginnen und Kollegen (14/AB zu 106/J)

des Bundesministers für Verkehr, Innovation und Technologie auf die Anfrage der Ab­geordneten Heinz-Christian Strache, Kolleginnen und Kollegen (15/AB zu 228/J)

des Bundesministers für Finanzen auf die Anfrage der Abgeordneten Gerald Grosz, Kolleginnen und Kollegen (16/AB zu 108/J)


09.04.05


Nationalrat, XXIV.GPStenographisches Protokoll6. Sitzung / Seite 21

Beginn der Sitzung: 9.04 Uhr

Vorsitzende: Präsidentin Mag. Barbara Prammer, Zweiter Präsident Fritz Neuge­bauer, Dritter Präsident Mag. Dr. Martin Graf.

*****

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Guten Morgen, meine Damen und Herren! Ich darf Sie bitten, Ihre Plätze einzunehmen.

Ich eröffne die 6. Sitzung des Nationalrates. Ganz besonders herzlich begrüße ich un­seren Herrn Bundespräsidenten Dr. Heinz Fischer in unserer Mitte. Herzlich willkom­men! (Allgemeiner Beifall.)

Die nicht verlesenen Teile des Amtlichen Protokolls der 4. Sitzung sowie das Amtliche Protokoll der 5. Sitzung vom 25. November 2008 sind in der Parlamentsdirektion auf­gelegen und unbeanstandet geblieben.

Als verhindert gemeldet sind Frau Abgeordnete Hagenhofer und Herr Abgeordneter Kickl.

09.04.56Mandatsverzicht und Angelobung

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Von der Bundeswahlbehörde sind die Mitteilun­gen eingelangt, dass die Abgeordneten Doris Bures, Mag. Norbert Darabos, Werner Faymann, Mag. Andreas Schieder, Mag. Dr. Maria Theresia Fekter, Dr. Johannes Hahn, Dr. Reinhold Lopatka, Christine Marek, Dr. Reinhold Mitterlehner, Dipl.-Ing. Jo­sef Pröll und Dr. Michael Spindelegger auf ihre Mandate verzichtet haben.

Das durch den Verzicht der Frau Abgeordneten Doris Bures freigewordene Mandat wurde der Frau Abgeordneten Laura Rudas und deren Mandat der Abgeordneten Mag. Christine Muttonen zugewiesen.

Anstelle des Herrn Abgeordneten Mag. Norbert Darabos wurde Herr Abgeordneter Mag. Johann Maier und anstelle des Abgeordneten Werner Faymann die Abgeordne­te Gabriele Binder-Maier in den Nationalrat berufen.

Das Mandat des Abgeordneten Mag. Andreas Schieder wurde dem Abgeordneten Wolfgang Katzian und dessen Mandat der Frau Abgeordneten Dr. Sabine Oberhauser zugewiesen.

Anstelle der Frau Abgeordneten Mag. Dr. Maria Theresia Fekter wurde Herr Abgeordneter Wolfgang Großruck in den Nationalrat berufen.

Das freigewordene Mandat des Herrn Abgeordneten Dr. Johannes Hahn wurde der Frau Abgeordneten Gabriele Tamandl und das Mandat des Abgeordneten Dr. Rein­hold Lopatka dem Herrn Abgeordneten Jochen Pack zugewiesen.

Das durch den Verzicht der Frau Abgeordneten Christine Marek freigewordene Mandat erhielt Frau Abgeordnete Mag. Gertrude Aubauer; das freigewordene Mandat des Herrn Abgeordneten Dr. Reinhold Mitterlehner erhielt Herr Abgeordneter Ing. Norbert Kapeller und jenes des Abgeordneten Dipl.-Ing. Josef Pröll Herr Abgeordneter Dr. Er­win Rasinger.

Weiters wurde das freigewordene Mandat des Abgeordneten Dr. Michael Spindelegger dem Abgeordneten Johannes Schmuckenschlager zugewiesen.

Da die Wahlscheine bereits vorliegen und die Genannten im Hause anwesend sind, werde ich sogleich ihre Angelobung vornehmen.


Nationalrat, XXIV.GPStenographisches Protokoll6. Sitzung / Seite 22

Nach Verlesung der Gelöbnisformel und über Namensaufruf durch die Frau Schriftfüh­rerin werden die neuen Mandatare ihre Angelobung mit den Worten „Ich gelobe“ zu leisten haben.

Ich ersuche nunmehr Frau Schriftführerin Mag. Lohfeyer um die Verlesung der Gelöb­nisformel und um den Namensaufruf.

 


9.07.08

Schriftführerin Mag. Rosa Lohfeyer: „Sie werden geloben unverbrüchliche Treue der Republik Österreich, stete und volle Beobachtung der Verfassungsgesetze und aller anderen Gesetze und gewissenhafte Erfüllung Ihrer Pflichten.“

Über Namensaufruf durch die Schriftführerin Mag. Lohfeyer leisten die nachstehend angeführten Abgeordneten die Angelobung mit den Worten „Ich gelobe“:

von der SPÖ: Mag. Christine Muttonen, Mag. Johann Maier, Gabriele Binder-Maier, Dr. Sabine Oberhauser;

von der ÖVP: Wolfgang Großruck, Gabriele Tamandl, Jochen Pack, Mag. Gertrude Aubauer, Ing. Norbert Kapeller, Dr. Erwin Rasinger, Johannes Schmuckenschlager.

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Ich begrüße die neuen Abgeordneten sehr herz­lich in unserer Mitte und wünsche ihnen alles Gute! (Allgemeiner Beifall.)

09.08.20Einlauf

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Vom Herrn Bundeskanzler ist folgendes Schrei­ben eingelangt:

„Sehr geehrte Frau Präsidentin!

Ich beehre mich mitzuteilen, dass der Herr Bundespräsident mit Entschließung vom 2. Dezember 2008, GZ 300.000/7-BEV/08, die mit der Fortführung der Verwaltung be­traute Bundesregierung sowie die Staatssekretäre im Bundeskanzleramt, den Staats­sekretär im Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten, den Staatssekretär im Bundesministerium für Finanzen, die Staatssekretärin im Bun­desministerium für Verkehr, Innovation und Technologie und die Staatssekretärin im Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit vom Amt enthoben hat.

Mit den besten Grüßen

Werner Faymann.“

*****

Ich nutze diese Gelegenheit, den ausgeschiedenen Mitgliedern der Bundesregierung sowie den Staatssekretärinnen und Staatssekretären ein herzliches Wort des Dankes zu sagen und die Anerkennung für ihre Tätigkeit im Dienste der Republik Österreich zum Ausdruck zu bringen.

*****

Weiters liegt ein Schreiben des Bundeskanzlers betreffend die Ernennung der Mitglie­der der neuen Bundesregierung vor.

„Sehr geehrte Frau Präsidentin!

Ich beehre mich mitzuteilen, dass der Herr Bundespräsident mit Entschließung vom 2. Dezember 2008, GZ 300.100/08-BEV/08, mich gemäß Artikel 70 Absatz 1 Bundes-Verfassungsgesetz zum Bundeskanzler ernannt hat.


Nationalrat, XXIV.GPStenographisches Protokoll6. Sitzung / Seite 23

Weiters hat der Herr Bundespräsident gemäß Artikel 70 Absatz 1 Bundes-Verfas­sungsgesetz auf meinen Vorschlag Herrn Dipl.-Ing. Josef Pröll zum Vizekanzler und Bundesminister für Finanzen, Herrn Dr. Michael Spindelegger zum Bundesminister für europäische und internationale Angelegenheiten, Herrn Alois Stöger zum Bundesmi­nister für Gesundheit, Familie und Jugend, Frau Dr. Maria Fekter zur Bundesministerin für Inneres, Herrn Dipl.-Ing. Nikolaus Berlakovich zum Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt- und Wasserwirtschaft, Herrn Mag. Norbert Darabos zum Bun­desminister für Landesverteidigung, Herrn Rudolf Hundstorfer zum Bundesminister für Soziales und Konsumentenschutz, Frau Dr. Claudia Schmied zur Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur, Frau Doris Bures zur Bundesministerin für Verkehr, Inno­vation und Technologie, Herrn Dr. Reinhold Mitterlehner zum Bundesminister für Wirt­schaft und Arbeit, Herrn Dr. Johannes Hahn zum Bundesminister für Wissenschaft und Forschung und gemäß Artikel 70 Absatz 1 in Verbindung mit Artikel 78 Absatz 1 Bun­des-Verfassungsgesetz Frau Gabriele Heinisch-Hosek zur Bundesministerin ohne Portefeuille ernannt.

Ferner hat Herr Bundespräsident gemäß Artikel 70 Absatz 1 in Verbindung mit Arti­kel 78 Absatz 2 Bundes-Verfassungsgesetz Herrn Dr. Josef Ostermayer zum Staats­sekretär ernannt und mir zur Unterstützung in der Geschäftsführung und zur parlamen­tarischen Vertretung beigegeben, Herrn Dr. Reinhold Lopatka und Herrn Mag. An­dreas Schieder zu Staatssekretären ernannt und sie zur Unterstützung in der Ge­schäftsführung und zur parlamentarischen Vertretung dem Bundesminister für Finan­zen beigegeben, sowie Frau Christine Marek zur Staatssekretärin ernannt und sie zur Unterstützung in der Geschäftsführung und zur parlamentarischen Vertretung dem Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit beigegeben.

Schließlich hat der Herr Bundespräsident gemäß Artikel 70 Absatz 1 in Verbindung mit Artikel 77 Absatz 4 Bundes-Verfassungsgesetz Bundesminister Dr. Johannes Hahn mit der vorläufigen Leitung des Bundesministeriums für Justiz betraut.

Mit besten Grüßen

Werner Faymann.“

*****

Nachdem sich nach den Nationalratswahlen am 28. September 2008 der neugewählte Nationalrat am 28. Oktober 2008 konstituiert hat und nun nach den Regierungsver­handlungen eine neue Bundesregierung angelobt wurde, steht einer konstruktiven Zu­sammenarbeit des Nationalrates mit der Bundesregierung nichts mehr im Wege.

Ich gehe davon aus, dass in den Ausschüssen, ebenso im Plenum des Nationalrates, bei allen inhaltlichen Unterschieden und Debatten darüber, effizient gearbeitet werden wird.

Ich wünsche allen Mitgliedern der Bundesregierung sowie der Frau Staatssekretärin und den Herren Staatssekretären den besten Erfolg für ihre Arbeit im Dienste der Re­publik Österreich.

09.12.16Einlauf und Zuweisungen

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Hinsichtlich der eingelangten Verhandlungs­gegenstände und deren Zuweisungen verweise ich gemäß § 23 Abs. 4 der Geschäfts­ordnung auf die im Sitzungssaal verteilte Mitteilung.


Nationalrat, XXIV.GPStenographisches Protokoll6. Sitzung / Seite 24

Die schriftliche Mitteilung hat folgenden Wortlaut:

A. Eingelangte Verhandlungsgegenstände:

1. Schriftliche Anfragen: 245/J bis 355/J;

2. Anfragebeantwortungen: 1/AB bis 16/AB;

3. Regierungsvorlagen:

Bundesgesetz, mit dem das Privatfernsehgesetz und das Privatradiogesetz geändert werden (19 d.B.),

Bundesgesetz, mit dem das Mediengesetz geändert wird (20 d.B.),

Bundesgesetz über die Gewährung eines Bundeszuschusses an das Land Tirol aus Anlass des Jubiläumsjahres 2009 – 200 Jahre Erhebung Tirols (21 d.B.).

B. Zuweisungen:

1. Zuweisungen seit der letzten Sitzung gemäß §§ 32a Abs. 4, 80 Abs. 1, 100 Abs. 4, 100b Abs. 1 und 100c Abs. 1:

Budgetausschuss:

Bericht des Bundesministers für Finanzen über die Genehmigung von Vorbelastungen für das 2. Quartal 2008 (Vorlage 4 BA);

2. Zuweisungen in dieser Sitzung:

a) zur Vorberatung:

Budgetausschuss:

Bundesrechnungsabschluss für das Jahr 2007 (III-1 d.B.);

b) zur Enderledigung im Sinne des § 28b GOG (vorbehaltlich der endgültigen Entscheidung des Ausschusses):

Ausschuss für Arbeit und Soziales:

Bericht des Bundesministers für Wirtschaft und Arbeit über die Tätigkeit der Arbeits­inspektion im Jahr 2007 (III-14 d.B.);

Budgetausschuss:

Förderungsbericht 2007 der Bundesregierung (III-15 d.B.).

*****

09.12.39Fristsetzungsantrag

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Vor Eingang in die Tagesordnung teile ich mit, dass Herr Abgeordneter Brosz beantragt hat, dem Finanzausschuss zur Berichterstat­tung über den Antrag 20/A der Abgeordneten Dr. Glawischnig-Piesczek, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Einkommensteuergesetz 1988 geändert wird, eine Frist bis 10. Dezember 2008 zu setzen.

Der gegenständliche Antrag wird gemäß der Geschäftsordnung nach Beendigung der Verhandlungen in dieser Sitzung zur Abstimmung gebracht werden.

09.13.09*****

 


Wir gehen in die Tagesordnung ein.

Die heutige Sitzung wird in der Zeit von 9.05 Uhr bis 13 Uhr und von 13.15 Uhr bis 17 Uhr vom ORF live übertragen.


Nationalrat, XXIV.GPStenographisches Protokoll6. Sitzung / Seite 25

Redezeitbeschränkung

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Für die Debatte über die Erklärung der Bundes­regierung wurde eine Tagesblockzeit von 10 „Wiener Stunden“ vereinbart, sodass sich folgende Redezeiten ergeben: SPÖ und ÖVP je 135 Minuten, FPÖ 120 Minuten sowie BZÖ und Grüne je 105 Minuten.

Folgende Redezeitvereinbarungen wurden für die Übertragung der Sitzung durch den ORF in der Zeit von 9.40 Uhr bis 13 Uhr und von 13.15 Uhr bis 17 Uhr getroffen: Bun­deskanzler 50 Minuten; je eine Wortmeldung pro Fraktion mit 13 Minuten, Vizekanzler 25 Minuten; je eine Wortmeldung pro Fraktion mit 6 Minuten; ein Regierungsmitglied 4 Minuten; je eine Wortmeldung pro Fraktion mit 4 Minuten; ein Regierungsmitglied 4 Minuten.

Anschließend 10 Runden mit je einer Wortmeldung pro Fraktion mit 3 Minuten und einem Regierungsmitglied mit 4 Minuten und schließlich eine Wortmeldung pro Frak­tion mit 3 Minuten; somit insgesamt 403 Minuten.

Der vorsitzführende Präsident verteilt vor Beginn der vorletzten Runde – nach Rück­sprache mit den Klubvorsitzenden – die allenfalls verbleibende Redezeit auf die fünf Fraktionen in der Weise, dass noch alle Fraktionen in der Fernsehzeit gleichmäßig zu Wort kommen.

Die RednerInnen-Reihenfolge in der ersten Runde lautet: FPÖ, SPÖ, BZÖ, ÖVP und Grüne; die RednerInnen-Reihenfolge in der zweiten Runde lautet: FPÖ, ÖVP, BZÖ, SPÖ und Grüne.

Ab der dritten Runde wird nach der Fraktionsstärke gesprochen.

Tatsächliche Berichtigungen werden erst nach Ende der Fernsehübertragung aufge­rufen.

Wir kommen sogleich zur Abstimmung, und ich bitte jene Damen und Herren, die die­sem Vorschlag zustimmen, um ein diesbezügliches Zeichen. – Das ist einstimmig an­genommen.

09.15.021. Punkt

Wahl der Zweiten Präsidentin/des Zweiten Präsidenten

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Wir kommen nun zum 1. Punkt der Tagesord­nung.

In Übereinstimmung mit der Präsidialkonferenz schlage ich zu diesem Tagesordnungs­punkt die Durchführung einer Debatte mit einer Redezeit von je 3 Minuten pro Fraktion vor.

Ich ersuche jene Damen und Herren, die sich dafür aussprechen, um ein entsprechen­des Zeichen. – Das ist einstimmig angenommen.

Es liegt ein Wahlvorschlag lautend auf Fritz Neugebauer vor.

Wir gehen nun in die Debatte ein.

Als Erster zu Wort gemeldet ist Herr Klubobmann Dr. Cap. 3 Minuten Redezeit. – Bitte.

 


9.15.42

Abgeordneter Dr. Josef Cap (SPÖ): Frau Präsidentin! Hohes Haus! Meine Damen und Herren! Wir werden diesem Vorschlag der ÖVP zustimmen. (Abg. Ing. Westentha­ler: Sonst gibt es eine Neuwahl!) Kollege Neugebauer ist ja kein unbeschriebenes


Nationalrat, XXIV.GPStenographisches Protokoll6. Sitzung / Seite 26

Blatt. (Neuerlicher Zwischenruf des Abg. Ing. Westenthaler.) Wir erwarten uns, dass sich Fritz Neugebauer mit seinem Gewicht für das Parlament, für die Interessen dieses Hauses sowie für den Ausbau der Demokratie einsetzen wird. Wir glauben, dass das sicherlich ein gutes Team sein wird in der Präsidiale und hoffen auf eine gute Zusam­menarbeit. Unsere Unterstützung haben Sie! (Beifall bei SPÖ und ÖVP. – Abg. Groß­ruck: Mein erster Applaus für Cap! – Abg. Ing. Westenthaler: Das war wieder eine Rede voller Engagement!)

9.16


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Als Nächster zu Wort gelangt Herr Klubobmann Kopf. 3 Minuten Redezeit. – Bitte.

 


9.16.27

Abgeordneter Karlheinz Kopf (ÖVP): Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren auf der Regierungsbank! Hohes Haus! Vor wenigen Wochen haben wir hier an dieser Stel­le Herrn Dr. Michael Spindelegger neuerlich zum Zweiten Präsidenten des Nationalra­tes gewählt. Herr Dr. Spindelegger wurde inzwischen – auf Vorschlag des Bundespar­teiobmannes der Österreichischen Volkspartei Josef Pröll – vorgeschlagen für die Funktion des Außenministers und auch gestern vom Herrn Bundespräsidenten dazu ernannt. Lieber Herr Außenminister, ich gratulierte dir sehr herzlich zu dieser Ernen­nung! (Beifall bei ÖVP und SPÖ.)

Namens der Österreichischen Volkspartei darf ich Ihnen Fritz Neugebauer als Nach­folger Dr. Spindeleggers zur Wahl vorschlagen. Fritz Neugebauer hier vorzustellen, hieße, Eulen nach Athen zu tragen, daher nur kurz zwei, drei Sätze zu seiner Person.

Fritz Neugebauer ist ein erfahrener und engagierter Arbeitnehmervertreter, der in vie­len, vielen Verhandlungsrunden bewiesen hat, dass er sich für die Interessen insbe­sondere der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einsetzt. Fritz Neugebauer hat aber auch bewiesen, dass er ein konsensfähiger und sozialpartnerschaftlich agierender Mensch ist – und dass er vor allem ein Mensch mit Handschlagqualität ist. Und genau diese Tugenden wird er auch in die neue Funktion mitbringen.

Ich darf Sie daher alle bitten, Fritz Neugebauer das Vertrauen auszusprechen. (Beifall bei ÖVP und SPÖ.)

9.18


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Nächster Redner: Herr Klubobmann Strache. 3 Minuten Redezeit. – Bitte.

 


9.18.10

Abgeordneter Heinz-Christian Strache (FPÖ): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Mitglieder der Bundesregierung! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wir Freiheit­lichen anerkennen das Recht der Fraktionen, je nach Stärke und auf Grund des Wahlergebnisses die Wahl des Ersten, des Zweiten beziehungsweise des Dritten Prä­sidenten hier mitbestimmen zu können, dafür also ein Vorschlagsrecht zu haben.

Die Österreichische Volkspartei hat mit dem zweiten Platz, den sie bei der vergange­nen NR-Wahl erreicht hat, selbstverständlich ein Recht auf diesen Platz zwei auch hier; wir anerkennen das und wollen daher keinesfalls irgendwelche politischen „Spielchen“ treiben. (Zwischenruf des Abg. Mag. Stadler.) – Das mag dem Herrn Stadler unbe­nommen sein, der ja immer gerne Spielchen spielt. (Abg. Mag. Stadler: ... Herausfor­derung auf Säbel oder Pistole?) Wir werden das nicht tun!

Wir anerkennen die Leistungen von Fritz Neugebauer, der ja als Abgeordneter hier durchaus bekannt und in vielen Bereichen eine sehr streitbare Persönlichkeit ist, wo wir durchaus unterschiedlichste Meinungen haben und durchaus schon heftige Diskussio­nen und Debatten geführt haben, aber, Kollege Neugebauer, Sie haben durchaus Ihre


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Verdienste – und man weiß bei Ihnen, woran man ist; das ist gut so, auch wenn wir nicht immer übereinstimmen.

Kollege Neugebauer, Sie kommen aus dem Beamtenbereich, und da waren Sie nicht immer gar so erfolgreich – das ist eben eine unterschiedliche Einschätzung –, denn als es beispielsweise um die Flexibilitätsregelungen oder auch um die Hackler-Regelung gegangen ist, konnten Sie sich in Ihrer eigenen Fraktion nicht immer inhaltlich durch­setzen. Da brauchen Sie vielleicht in Zukunft stärkere Unterstützung von uns Freiheitli­chen (ironische Heiterkeit bei Abgeordneten der ÖVP), aber wir schätzen Sie, Kollege Neugebauer, als Person. (Beifall bei der FPÖ.)

Wir hoffen, dass Sie als Zweiter Präsident Ihre Aufgabe – und davon gehen wir aus – verantwortungsvoll und über die Parteigrenzen hinweg korrekt und objektiv ausüben werden, wo wir insgesamt die Hoffnung haben, dass alle drei Präsidenten das tun wer­den und dass durch die Präsidenten auch der Parlamentarismus gestärkt wird und wir eine Aufwertung des Parlaments gemeinsam zustande bringen. Das ist die Erwar­tungshaltung, die wir an die Präsidenten haben. Von unserer Seite werden Sie die Un­terstützung erhalten. (Beifall bei der FPÖ sowie bei Abgeordneten der ÖVP.)

9.20


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Herr Abgeordneter Ing. Westenthaler gelangt nun zu Wort. 3 Minuten Redezeit. – Bitte.

 


9.20.26

Abgeordneter Ing. Peter Westenthaler (BZÖ): Meine sehr geehrten Damen und Her­ren! Wenn man beobachtet hat, mit welcher „Inbrunst“ und welchem „Engagement“ Klubobmann Cap hier einsilbig vorgetragen hat, den Kandidaten der ÖVP zu unterstüt­zen, dann hat man schon den Hauch des „neuen Parlamentarismus“ gemerkt, der hier sozusagen weht, getragen von einem Regierungsübereinkommen, das Ihnen, Herr Dr. Cap, vorschreibt, was Sie zu tun haben.

Herr Klubobmann Cap, Sie können sich in Zukunft nicht aussuchen, wie Sie hier ab­stimmen. Denn: Würden Sie heute den Kandidaten der ÖVP nicht unterstützen – wis­sen Sie, was dann wäre? –, dann würden wir Neuwahlen haben!

Das ist das Regierungsübereinkommen, dass das festschreibt, und deswegen sagen wir vom BZÖ ganz klar: Es ist eine Situation eingetreten, die wirklich einzigartig ist: Eine Regierung sucht sich aus, wie das Parlament zu handeln hat – und schreibt das auch noch in das Regierungsübereinkommen hinein; schreibt hinein, dass die Regie­rung beendet ist, Herr Klubobmann Cap, wenn man in Ausschüssen oder hier im Ho­hen Haus anders abstimmt, als es eine der beiden Koalitionsparteien will.

Sie schaffen Mittel der direkten Demokratie ab, indem Sie festhalten: keine Volksbefra­gungen, keine Volksabstimmungen mehr! – ja, man darf nicht einmal mehr einen An­trag stellen! Es geht gar nicht mehr um die Abstimmung, sondern die Regierung be­schließt, dass Abgeordnete der beiden Regierungsparteien nicht einmal mehr einen Antrag stellen dürfen!

Deswegen sind wir der Meinung: Wir brauchen ein neues Parlament, ein Parlament mit Rückgrat, mit Hartnäckigkeit und mit Verantwortungsbewusstsein! Ein solches Parla­ment brauchen wir, meine sehr geehrten Damen und Herren! (Beifall beim BZÖ.)

Wir glauben – ich denke, da liegen wir nicht falsch –, dass wir im Kollegen Fritz Neuge­bauer doch auch einen Verbündeten haben, wenn es darum geht, diese Eigenschaften eines neuen Parlaments, eines mit Rückgrat und auch mit neuem Selbstbewusstsein, zu erzeugen, denn Kollege Neugebauer war in seiner gesamten Geschichte, in seiner Vertretung als Gewerkschafter – 40 Jahre lang Gewerkschafter, sieben Jahre lang im


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Parlament, 17 Jahre lang GÖD-Vorsitzender – nie einer, der sich hat knebeln lassen. Das muss man hier schon einmal klar sagen.

Herr Präsident Neugebauer, deswegen bekommen Sie auch heute von unserer Frak­tion das Vertrauen im Vorschuss, weil wir der Meinung sind, dass Sie nicht nur ein har­ter Verhandler mit Steherqualitäten sind, sondern auch jemand, der sich mit demselben Engagement, wie er für seine Beamten eingetreten ist, auch für die Eigenständigkeit dieses Parlaments einsetzen wird. Und deswegen unterstützen wir Sie, Herr Präsi­dent! (Beifall beim BZÖ sowie bei Abgeordneten der ÖVP.)

Wir wissen in Ihnen jemanden, der Handschlagqualität besitzt, der zu dem steht, was er vereinbart. Sie sind einer, der auch aus der Arbeitnehmervertretung kommt; es ist gut, wenn ein Arbeitnehmervertreter auch in höchste Staatsfunktionen aufrückt.

Wir wünschen Ihnen, Kollege Neugebauer, für diese Tätigkeit alles Gute, wir unterstüt­zen Ihre Wahl und hoffen, dass Sie unser in Sie gesetzes Vertrauen auch rechtfertigen. (Beifall beim BZÖ sowie bei Abgeordneten der ÖVP.)

9.23


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Nächster Redner: Herr Abgeordneter Brosz. 3 Minuten Redezeit. – Bitte.

 


9.23.11

Abgeordneter Dieter Brosz (Grüne): Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Her­ren auf der Regierungsbank! Das Recht der ÖVP, einen Vorschlag für die Wahl des Zweiten NR-Präsidenten zu machen, ist unbestritten. Sie hätten es uns aber schon deutlich leichter machen können. Wir haben eine Regierung, bei der man zum Frauen­anteil, glaube ich, nicht viel sagen muss. Die Mitglieder der Bundesregierung sitzen hinter mir, die Bilder sprechen für sich; es sind aber noch nicht alle da.

Der Frauenanteil in dieser Regierung ist deutlich gesunken, der Frauenanteil im Parla­ment ist, außer bei den Grünen, bei den meisten Fraktionen deutlich gesunken! Von dem her wäre es schon ein Zeichen gewesen, eine Frau für das Amt der Zweiten Na­tionalratspräsidentin zu nominieren und auch zu wählen. (Beifall bei den Grünen.)

Wir kennen den Herrn Neugebauer natürlich auch seit längerem. Wir wissen, dass Herr Neugebauer in der letzten Legislaturperiode als Bildungssprecher der ÖVP tätig war, aber einen – sagen wir es einmal so – besonderen Reformgeist konnten wir bei ihm nicht wirklich verspüren. Es gab zwar diverse Unterausschüsse, aber das, was in der Bildungspolitik passiert ist, kann man nicht als große Reform bezeichnen, sondern das war eher ein Stillstand. Und das führt mich zu dem Punkt, den Sie auch öffentlich an­gesprochen haben, nämlich zur Frage der Minderheitsrechte im Parlament. Das ist schon ein ganz wesentlicher Punkt!

Die Minderheitsrechte hier in diesem Hause müssen ausgebaut werden. Ich hoffe, dass es diesbezüglich Übereinstimmung geben wird. Aber wenn offenbar schon im Vorfeld Vereinbarungen zwischen ÖVP und SPÖ getroffen worden sind, wie denn das ausschauen soll, nämlich ohne Einbindung der Oppositionsparteien, wenn es offenbar schon einen Konsens darüber gibt, wie das etwa in Sachen Untersuchungsausschuss ausschauen wird, wo wir als Opposition dann eine fertige Lösung auf den Tisch be­kommen, so nach dem Motto „Friss oder stirb!“, dann sage ich Ihnen: So sind die Ver­handlungen über eine Reform der Geschäftsordnung in diesem Haus in den letzten Jahren nicht geführt worden! Die letzte GO-Reform wurde einstimmig beschlossen, und da hat es wirklich Verhandlungen zwischen Regierung und Opposition gegeben. Das erwarten wir uns auch bei dieser Geschäftsordnungsreform! (Beifall bei den Grünen.)


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Als ich mir das Koalitionsübereinkommen angeschaut habe, war ich mir gar nicht mehr sicher, ob diesbezüglich überhaupt etwas kommen soll, denn darin steht ja, dass alles gemeinsam beschlossen werden muss. Ich darf erinnern: In der letzten Gesetzge­bungsperiode hatten wir die Situation, dass die ÖVP noch die Sperrminorität hatte und eine Veränderung der Geschäftsordnung verhindern konnte. – Jetzt ist das nicht mehr der Fall! Insofern gehe ich davon aus, dass das ein Punkt ist, den zu entscheiden die­sem Haus zusteht – und nicht der Regierung!

Da hat Kollege Westenthaler recht, wenn er meint, die Knebelungsregelung im Regie­rungsübereinkommen sei unwürdig. Das Parlament sollte nämlich die Möglichkeit ha­ben, Rechte frei auszuüben. Im Übrigen hatten wir den Fall – das haben Sie nicht an­gesprochen – bereits in der letzten Woche, dass es eine Abstimmung in einem Aus­schuss dieses Hauses, nämlich im Immunitätsausschuss, gegeben hat, wo es um die Auslieferung des Kollegen Westenthaler wegen des Verdachts auf Widerstand gegen die Amtsgewalt und wegen Körperverletzung gegangen ist (Abg. Mag. Stadler: Dieses Delikt gibt es gar nicht! Strafrecht nachsitzen!), bei der die beiden Regierungsfraktio­nen unterschiedlich abgestimmt haben.

Die Absurdität dieses Regierungsübereinkommens zeigt sich ja schon daran. Denn: Wäre Westenthaler schlussendlich nicht ausgeliefert worden, weil unterschiedlich ab­gestimmt worden wäre, dann wäre die Regierung heute schon gescheitert, wenn man das Regierungsübereinkommen ernst nähme.

Angesichts dessen kann man nur sagen: Bitte ein Plädoyer für Minderheitsrechte, für ein offenes Parlament! Das ist das, was wir uns von Ihnen wünschen! (Beifall bei den Grünen.)

9.26


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet.

Die Debatte ist geschlossen.

Gemäß § 87 Abs. 7 der Geschäftsordnung ist die Wahl mit Stimmzetteln durchzufüh­ren. Es liegt das Verlangen vor, die Wahlen in Wahlzellen durchzuführen.

Ich mache darauf aufmerksam, dass gemäß § 87 Abs. 3 der Geschäftsordnung auch Stimmen gültig sind, die auf andere wählbare Kandidatinnen oder Kandidaten entfallen.

Ich unterbreche nunmehr kurz die Sitzung, um die technischen Voraussetzungen für die Wahlen in Wahlzellen zu schaffen.

Die Sitzung ist unterbrochen.

*****

(Die Sitzung wird um 9.27 Uhr unterbrochen und um 9.29 Uhr wieder aufge­nommen.)

*****

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Ich nehme die unterbrochene Sitzung wieder auf. Die Vorbereitungen sind beendet.

Meine Damen und Herren! Der Stimmzettel, der zu benützen ist, wird samt Kuvert bei Namensaufruf durch die Frau Schriftführerin beziehungsweise den Herrn Schriftführer von den hiezu bestimmten Bediensteten der Parlamentsdirektion ausgegeben.

Für die Wahl ist ausschließlich der amtliche Stimmzettel zu verwenden. Auf diesen ist der Name der gewünschten Kandidatin/des gewünschten Kandidaten zu schreiben.


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Nach dem Ausfüllen des Stimmzettels in der Wahlzelle ist dieser im Kuvert verschlos­sen in die bereitgestellte Urne zu werfen.

Ich ersuche nunmehr die Abgeordneten bei Namensaufruf durch die Frau Schriftführe­rin beziehungsweise den Herrn Schriftführer Stimmzettel und Kuvert in Empfang zu nehmen und sich sodann in eine der Wahlzellen zu begeben.

Bitte, Frau Schriftführerin, beginnen Sie mit dem Namensaufruf.

(Über Namensaufruf durch die Schriftführerin Mag. Lohfeyer beziehungsweise durch den Schriftführer Jakob Auer begeben sich die Abgeordneten in die Wahlzellen und werfen sodann die Stimmzettel in die Urne.)

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Meine Damen und Herren, die Stimmabgabe ist beendet.

Die damit beauftragten Bediensteten des Hauses werden nunmehr die Stimmenaus­zählung vornehmen. Ich unterbreche die Sitzung zu diesem Zweck für einige Minuten.

Die Sitzung ist unterbrochen.

*****

(Die zuständigen Beamten nehmen die Stimmenauszählung vor. – Die Sitzung wird um 9.58 Uhr unterbrochen und um 10.11 Uhr wieder aufgenommen.)

*****

10.10.01 Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Ich nehme die unterbrochene Sitzung wieder auf und gebe das Wahlergebnis bekannt:

Abgegebene Stimmen: 180; davon gültig: 162. Die absolute Mehrheit der gültigen Stimmen beträgt somit 82.

Es entfielen auf Herrn Abgeordneten Neugebauer 124 Stimmen, auf andere Abgeord­nete 38. (Allgemeiner anhaltender Beifall. – Die Abgeordneten der ÖVP spenden ste­hend Beifall. – Abgeordnete sowie Mitglieder der Bundesregierung begeben sich zu Abgeordnetem Neugebauer und beglückwünschen diesen.)

*****

(Die restlichen 38 Stimmen entfielen auf die Abgeordneten: Mag. Aubauer: 1; J. Auer: 1; Mag. Cortolezis-Schlager: 1; Dr. Glawischnig-Piesczek: 1; Großruck: 1; Kopf: 1; Mag. Molterer: 1; Dr. Plassnik: 16; Dr. Schüssel: 11; Mag. Stadler: 1; Steibl: 2; Wöginger: 1.)

*****

Damit ist Herr Abgeordneter Fritz Neugebauer zum Zweiten Präsidenten des Natio­nalrates gewählt.

Herr Abgeordneter, ich frage Sie, ob Sie die Wahl annehmen.

 


10.12.03

Abgeordneter Fritz Neugebauer (ÖVP): Ich danke für die Zustimmung und nehme die Wahl gerne an.

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Ich beglückwünsche Sie sehr herzlich und freue mich auf eine gute Zusammenarbeit. (Allgemeiner Beifall.)


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10.12.192. Punkt

Erklärung der Bundesregierung

 


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Wir gelangen nun zum 2. Punkt der Tagesord­nung: Erklärung der Bundesregierung.

Im Anschluss an diese Erklärung wird im Sinne des § 81 der Geschäftsordnung ent­sprechend dem vorliegenden Verlangen von fünf Abgeordneten eine Debatte stattfin­den.

Ich erteile nunmehr dem Herrn Bundeskanzler zur Abgabe der Erklärung das Wort. Es ist eine Redezeit von 50 Minuten vereinbart. – Bitte, Herr Bundeskanzler.

 


10.12.40

Bundeskanzler Werner Faymann: Sehr geehrter Herr Bundespräsident! Frau Präsi­dentin des Nationalrates! Hohes Haus! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Die neue österreichische Bundesregierung steht vor großen politischen Herausforderun­gen, vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht. Die Wirtschaftsforscher sind übereinstim­mend der Ansicht, dass sich das Wirtschaftswachstum verlangsamen wird und die reale Gefahr eines Nullwachstums besteht – beziehungsweise sogar die Gefahr einer Schrumpfung unserer Wirtschaftsleistung.

Dieses Szenario stellt nicht nur Österreich, sondern Europa und die ganze Welt vor große Herausforderungen. Um diese Herausforderungen zu meistern, bedarf es eines entschlossenen, raschen und gemeinsamen Handelns.

Es gilt aber auch festzustellen, dass nach übereinstimmender Prognose internationaler Experten die gesamte Weltwirtschaft auch in den kommenden Jahren um rund 2 Pro­zent zulegen wird. Im Vergleich zum exorbitanten Wachstum der vergangenen Jahre – im Schnitt der letzten fünf Jahre wuchs die Weltwirtschaft pro Jahr um 5 Prozent – wirkt das bescheiden. Dennoch muss man angesichts dieser Vorhersage deutlich sagen: Wir dürfen ruhig ein wenig optimistischer sein, als uns die Kommentatoren weisma­chen wollen!

Gefragt sind in der derzeitigen Situation vor allem drei wesentliche Dinge: eine sachli­che Analyse der Situation, rasche und ausreichende Maßnahmen – vor allem zur Absi­cherung von Arbeit und Einkommen – sowie ein gemeinschaftliches Handeln.

Die aktuelle Weltfinanzkrise erfordert mehr denn je das akkordierte Vorgehen von Staaten und Notenbanken. In der Europäischen Union gehen die Mitgliedsländer der­zeit unterschiedliche Wege und unterschiedliche Geschwindigkeiten. Manche Mit­gliedsländer haben – so wie Österreich – rasch umfangreiche Belebungsmaßnahmen für die Konjunktur beschlossen, andere zögern sowohl bei der Ausweitung staatlicher Investitionen als auch bei der Entlastung der Steuerzahler. Manche Mitgliedsländer setzen auf eine Senkung der Verbrauchssteuern, andere auf eine Entlastung bei der Einkommensbesteuerung.

Renommierte Wirtschaftsforscher schlagen derzeit sehr unterschiedliche Maßnahmen vor, um die Rezession möglichst kurz ausfallen zu lassen. Einigkeit herrscht aber in zentralen Punkten: Die Notenbanken müssen den Banken jetzt deutlich mehr Bargeld­reserven zur Verfügung stellen. Dies ist sowohl in den USA als auch in der Europäi­schen Union rasch und konsequent geschehen. Einigkeit besteht auch darüber, dass sich ein neues Weltfinanzsystem nicht nur auf den amerikanischen Dollar stützen kann, dass eine neue, weltweite Finanzstruktur erarbeitet werden muss, die auch die Finan­zierung der Entwicklungsländer auf stabile Beine stellt, und dass es einheitlicher Re­geln in einer globalen Finanzwelt bedarf, wenn man die Entstehung neuer Finanzbla­sen künftig verringern möchte.


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Die wohl wichtigste Entscheidung betrifft das Ausmaß der Kontrolle und der neuen Re­geln in einer internationalisierten Wirtschaft. Hier schlagen die anerkanntesten Ökono­men – beispielsweise der Wirtschaftsnobelpreisträger Paul A. Samuelson – einen „Weg der Mitte“ vor. Denn: Eine Deregulierung, so Samuelson, wie in den USA ge­handhabt, führte uns geradewegs in die heutige Krise. Andererseits: Eine zu starke dauerhafte Reglementierung von Finanzwirtschaft und Wirtschaft verhindert Innovatio­nen.

Natürlich ist es wichtig, zu benennen, was die internationalen Finanzmärkte in den Bei­nahe-Crash geführt hat. Lassen Sie mich dazu den bekennenden Freund Amerikas und einen Altmeister europäischer Politik, Helmut Schmidt, zitieren, der bereits ganz am Beginn der Krise meinte:

„An der Wall Street herrscht ein Defizit an Durchblick, aber es herrscht auch ein morali­sches Defizit.“ (Abg. Ing. Westenthaler: Aber nicht nur dort! Auch am Ballhausplatz!) – Sie, Herr Westenthaler, hat er, glaube ich, nie kennengelernt! (Beifall bei der SPÖ.)

Weiter meinte Helmut Schmidt: „Die Politiker in Washington haben nicht gemerkt, was los war, sie haben die Entwicklung nicht durchschaut. Insofern trifft sie eine Mitschuld. Aber bei ihnen geht es weniger um ein moralisches Defizit als um ein Defizit an Ein­sicht und Tatkraft.“

Dem moralischen Defizit der Märkte und dem Defizit an Einsicht und Tatkraft muss sich Europa, muss sich Österreich und damit auch diese österreichische Bundesregierung entgegenstellen. Dazu braucht es klare Handlungsanleitungen:

Dem falsch verstandenen Freiheitsbegriff – Vorrang für Profitmaximierung, Wetten auf fallende oder steigende Kurse, undurchschaubare Finanzprodukte – sind deutliche Rie­gel vorzuschieben.

Für die Politik der kommenden Jahre braucht es klare Zielvereinbarungen. Die aller­erste muss lauten: Das Erfolgskriterium der Politik muss der Mensch sein – nicht der Umsatz oder der Gewinn.

Gerade in diesen Tagen müssen wir jene Errungenschaften beim Namen nennen kön­nen, die Grundlage eines breiten Wohlstands und eines wirtschaftlichen Erfolgsweges sind:

Unsere Reaktion auf die Krise der Finanz- und Weltwirtschaft muss einmal mehr lau­ten, unsere solidarischen Systeme abzusichern und sie finanzierbar zu erhalten. Gera­de in Zeiten der Krise gilt: Das Erreichte sichern. Österreich hat ein solidarisch finan­ziertes Gesundheits- und Pensionssystem, und das muss auch in Zukunft so bleiben! (Beifall bei SPÖ und ÖVP.)

Unsere Reaktion auf die Krise muss sein, die Verantwortung für den einzelnen Arbeit­nehmer und die Verantwortung für den Menschen über die Logik des Marktes zu stel­len. Wir geben den Märkten strengere Regeln, damit sie ihre Kernaufgabe – Wohlstand zu schaffen – erfüllen können. Folglich muss die Arbeit, muss der Arbeitsplatz auch in den Wirtschaftsbilanzen wieder einen höheren Stellenwert bekommen.

Eines liegt mir dabei besonders am Herzen: Unsere Reaktion auf die Krise muss auch sein, billige Schuldzuweisungen abzuwehren. Ich warne davor, jenen, die diese Krise am heftigsten trifft, die Schuld daran in die Schuhe zu schieben. Kein Arbeitnehmer dieses Landes – gleichgültig, ob dieser einen österreichischen Pass besitzt oder nicht – hat Schuld an der Krise der Finanzmärkte! Kein Arbeitnehmer hat Schuld an der Rezession! (Beifall bei SPÖ und ÖVP. – Abg. Mag. Stadler: Behauptet ja niemand! – Abg. Ing. Westenthaler: Behauptet ja keiner! Wer hat das behauptet?)


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Der Weg der Mitte heißt, Leistung und Erfolg zu fördern. Er heißt aber auch, Schutz zu gewähren, wo dieser notwendig ist. Leistung und Wettbewerb sind Elemente, ohne die eine Marktwirtschaft nicht funktionieren kann. Wir bekennen uns zu Leistung und Wett­bewerb.

Ob ein Staat, ob eine Volkswirtschaft erfolgreich ist, entscheidet sich aber an der Fä­higkeit, jene zu stützen, die unsere Hilfe brauchen. Der österreichische wirtschaftliche Weg der vergangenen Jahrzehnte beweist: Es gibt keinen Wohlstand ohne Spitzenleis­tung und ohne Wettbewerb. Aber Wettbewerb und Spitzenleistungen für sich allein ma­chen noch kein funktionierendes Gemeinwesen. Das Erfolgsprinzip ist die Festschrei­bung von Solidarität. Wir, die österreichische Bundesregierung, haben diese Solidarität zum Leitmotiv unserer Tätigkeit für die nächsten Jahre gemacht. (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der ÖVP.)

Diese österreichische Bundesregierung zeigt gerade auch durch die ihr angehörenden Persönlichkeiten, worauf es in nächster Zukunft besonders ankommen wird. Es wird darauf ankommen, jenes Prinzip, das Österreich zu einem der zehn wohlhabendsten Länder dieser Welt werden ließ, in Zeiten der Krise nicht über Bord zu werfen.

Es ist dies das Prinzip des Verhandelns, nicht des Streitens, das Prinzip des Augenma­ßes, nicht des Pendelns zwischen Extrempositionen, das Prinzip der gemeinsamen Entscheidungsfindung statt des Diktats einer Gruppe, das Prinzip des Ausgleichs und nicht des Gegensatzes, kurz: das Prinzip der österreichischen Sozialpartnerschaft, das sich als Erfolgsmodell während Jahrzehnten bewährt hat.

Wer den Ausgleich zwischen zwei Positionen sucht, der muss zuvor seinen Standpunkt klar formuliert haben. Beide Partner in dieser Regierungskoalition haben ihren jeweili­gen Standpunkt. Es gibt hier Unterschiede, und das ist auch gut so. Was aber die Poli­tikerinnen und Politiker in dieser Bundesregierung verbindet, sind der Wille zur gemein­samen Arbeit und die Bereitschaft zum politischen Kompromiss.

Einen gemeinsamen Nenner zu finden, das ist das Wesen der Demokratie. Ich bin da­von überzeugt, wenn zwei Parteien sich in allen Fragen diesen gemeinsamen Nenner zum Ziel machen, dann ist ihre Kraft nicht nur mit zwei, sondern mindestens mit vier zu multiplizieren. (Zwischenrufe beim BZÖ.) Das Prinzip der Suche nach dem gemeinsa­men Nenner gilt es auch gegenüber allen anderen Gruppen und Akteuren anzuwen­den.

Die Herausforderungen der nächsten Monate und Jahre, nämlich die Konjunktur zu stützen, den Arbeitsmarkt, das Gesundheits- und Pensionssystem zu sichern, in Bil­dung zu investieren, erfordern Partnerschaften auf allen Ebenen: Partnerschaften mit den Bundesländern, wenn es etwa um Gesundheit oder Bildung geht; mit den Städten und Gemeinden, wenn es um die Kinderbetreuung oder die Infrastruktur geht; mit den Seniorenverbänden und der Wirtschaft, wenn es um die Pensionen geht; mit den Ärz­ten, den Lehrern, den Elternvertretern, mit den im Nationalrat vertretenen Parteien, die nicht der Bundesregierung angehören; mit den Medien, die unsere Arbeit kritisch be­gleiten.

Die Herausforderung der Konjunkturstützung trifft alle Wirtschaftsnationen gleicher­maßen. Sie wird auch zu einer besonderen Herausforderung für die Europäische Union werden. Die Union wird so wie auch Österreich die Ziele eines stabilen Arbeitsmarktes, die Ziele einer sozialen, einer Arbeitnehmerunion voranstellen müssen.

SPÖ und ÖVP haben sich dazu entschlossen, in einer gemeinsamen Bundesregierung diese Herausforderungen anzunehmen. Die beiden Partner haben bereits in den Wo­chen nach der Nationalratswahl gezeigt, dass sie die berechtigten Erwartungen der Österreicherinnen und Österreicher erkannt haben. Es geht aber auch darum, die Pro-


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bleme zu orten und rasch an gemeinsamen Lösungen zu arbeiten. Nun ist die präzise Arbeit das Gebot der Stunde – mit Konzentration auf rasche Erfordernisse und mit dem Blick auf die mittlere Distanz.

Wir müssen in der nächsten Zukunft alles tun, um die österreichische Wirtschaft bei der Bewältigung der Krise zu unterstützen, die Konjunktur zu stabilisieren und die Arbeits­plätze zu erhalten. Es ist aber ebenso unbedingt notwendig, die Kaufkraft der Österrei­cherinnen und Österreicher zu stärken, da neben Investitionen die Aufrechterhaltung der Inlandsnachfrage die bedeutsamste Stütze der Konjunktur darstellt.

Das erste Konjunkturpaket, das wir vor wenigen Wochen beschlossen haben, umfasst wichtige Maßnahmen zur Förderung der mittelständischen Wirtschaft. Bis 2012 ist jähr­lich 1 Milliarde € budgetiert, davon sind 700 Millionen € für zusätzliche Investitionen, zum Beispiel Bahninvestitionen, vorgesehen, ergänzt durch den Mittelstandsfonds und eine höhere Bausparförderung.

Für die nächsten beiden Jahre haben wir darüber hinaus ein Konjunkturpaket im Aus­maß von 1,9 Milliarden € vereinbart. Dieses wird Investitionsanreize für Unternehmen in Form einer vorzeitigen Abschreibung im Ausmaß von 570 Millionen € enthalten.

Und es ist auch von entscheidender Bedeutung, die öffentliche Nachfrage zu steigern, etwa durch Projekte der Bundesimmobiliengesellschaft um 850 Millionen €, die vorge­zogen werden, und so wesentliche Impulse für die österreichische Wirtschaft und damit für deren Ankurbelung zu setzen.

Daneben werden zusätzlich 100 Millionen € für die thermische Sanierung und 75 Millio­nen € für regionale Beschäftigungsprogramme zur Verfügung gestellt.

Allein diese beiden Konjunkturpakete sollen und werden Wachstum und Beschäftigung sichern. Sie flankieren ein europaweites Konjunkturpaket, das Maßnahmen im Ausmaß von 200 Milliarden € umfasst. (Beifall bei SPÖ und ÖVP.)

Diese Anstrengungen werden dann Früchte tragen, wenn auch die einzelnen Bürgerin­nen und Bürger merken, dass uns diese Kaufkraftsteigerung ein besonderes Anliegen ist, wie etwa die Unterstützung der Familien, damit auch den einzelnen Bürgerinnen und Bürgern mehr Einkommen zur Verfügung steht.

Die neue Bundesregierung hat sich daher entschlossen, die Steuerreform vorzuzie­hen. Sie soll am 1. Jänner 2009 in Kraft treten. Über 2,2 Milliarden € sollen der Entlas­tung aller Steuerzahler, insbesondere des Mittelstands dienen.

Wir werden sicherstellen, dass künftig erst ab einem Einkommen von 11 000 € Steuern zu bezahlen sind. Bei den Bestverdienern wird die jährliche maximale Steuerersparnis 1 350 € betragen.

Neben der Steuerreform stellt die Entlastung für Familien und Kinder einen weiteren Schwerpunkt der neuen Bundesregierung dar. Dafür werden 500 Millionen € bereitge­stellt. Dies ermöglicht die Einführung eines Kinderfreibetrages von 220 € pro Kind, die Erhöhung des Kinderabsetzbetrages, die Absetzbarkeit von Kinderbetreuungskosten sowie eine steuerliche Begünstigung der Arbeitgeber, die zur Betreuung von Kindern ihrer ArbeitnehmerInnen einen Beitrag leisten. Die Steuerreform und die Entlastung von Familien werden dazu beitragen, das verfügbare Einkommen spürbar zu erhöhen.

Konkret bedeuten unsere Maßnahmen, dass etwa eine Alleinerzieherin mit zwei Kin­dern um jährlich 1 700 € entlastet wird, eine Familie mit zwei Kindern, wo beide Eltern­teile arbeiten, um jährlich 2 500 €.

Mit den Konjunkturmaßnahmen, der Steuerreform und der Familienentlastung setzt die Bundesregierung einen wesentlichen Impuls, um Österreich sicher und ohne Verwer­fungen durch ökonomisch schwierige Zeiten zu führen.


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Die Bundesregierung ist sich aber auch dessen bewusst, dass die Haushaltsdisziplin nicht außer Acht gelassen werden darf, dass es darum geht, über den Konjunktur­zyklus einen ausgeglichenen Haushalt herzustellen. Es ist daher auch notwendig, Kon­solidierungsmaßnahmen vorzusehen, die einen mittelfristigen Beitrag leisten.

Der Präsident des Rechnungshofes und der Vorsitzende des Staatsschuldenausschus­ses haben in gemeinsamen Tätigkeitsfeldern, die sie definiert haben, Vorschläge ge­macht, die zur Verwaltungsreform und zum Abbau der Bürokratie beitragen sollen. Die­se Vorschläge reichen von der Beseitigung von Doppelgleisigkeiten in der Verwaltung über die Verwaltungssteuerung, den Finanzausgleich, das Gesundheitswesen, das Schulwesen, die Wissenschaft und das Förderwesen bis zur Personalpolitik des Bun­des.

Die Bundesregierung nimmt diese Vorschläge ernst. Eine Arbeitsgruppe bestehend aus dem Finanzminister, zwei Landeshauptleuten, Wirtschaftsforschern und mir selbst soll bereits im ersten Quartal des nächsten Jahres konkrete Vorschläge erarbeiten.

Seien wir uns aber im Klaren, dass die Konsolidierung und die Fortführung einer Ver­waltungsreform nur dann gelingen können, wenn alle gemeinsam dazu beitragen. Dies betrifft den Bund, die Länder, die Städte, die Gemeinden. Nur in einer gemeinsamen Kraftanstrengung wird es uns gelingen, Einsparungen vorzunehmen, Doppelgleisigkei­ten zu beseitigen, die notwendigen Mittel, die dadurch frei werden, an der richtigen Stelle einzusetzen.

Ein zentrales Anliegen der Bundesregierung ist dabei die Sicherung und Reform des für die Österreicherinnen und Österreicher so wichtigen Gesundheitswesens. Die Si­cherung und Finanzierung eines starken öffentlichen Gesundheitssystems hat nämlich für uns höchste Priorität. Es muss die Sanierung des Krankenversicherungssystems angegangen werden. Insgesamt haben sich im Krankenversicherungsbereich die Aus­gaben und Einnahmen der Krankenkassen stark auseinanderentwickelt, was dazu führt, dass einige Träger in eine prekäre finanzielle Situation gekommen sind.

Wir haben bereits erste Maßnahmen gemeinsam in diesem Haus beschlossen, etwa die Halbierung der Mehrwertsteuer auf Medikamente, und eine gewisse Entlastung für die Krankenkassen geschafft. Dieser Weg muss partnerschaftlich mit den Krankenkas­sen, den Bundesländern, den Ärztinnen und Ärzten, den Apotheken und der Pharma­wirtschaft weitergegangen werden.

Ich möchte aber auch gleich dazusagen, dass auf diesem Weg von allen beteiligten Partnern ein entsprechendes Ausmaß an Solidarität gefordert sein wird. Wir wollen das notwendige Geld aus Bundesmitteln in die Hand nehmen und fair und zielgerichtet ein­setzen. Dies muss ohne Belastung der im Mittelpunkt unserer Bemühung stehenden Patientinnen und Patienten erfolgen. Die mit Anfang dieses Jahres eingeführte Begren­zung von den von Patientinnen und Patienten zu bezahlenden Rezeptgebühren mit 2 Prozent des Nettoeinkommens greift und entlastet bereits über 200 000 Menschen.

Wir legen auch hier ein klares Bekenntnis dazu ab, dass es keine neuen Selbstbehalte geben darf. (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der ÖVP.)

Wir wissen, dass alles, was den Bereich der Spitäler betrifft und zu Recht auch in der öffentlichen Diskussion immer eingefordert wird, nach der Frage der Krankenkassen und der Finanzierung der Krankenkassen, dass diese Fragen nur in engster Koopera­tion mit den Ländern lösbar sind. Wir werden uns entsprechend den geltenden Verein­barungen darauf konzentrieren und zuerst ansehen und erheben, ob das im Spitalsbe­reich aufgewendete Geld richtig eingesetzt wird, und in einem zweiten Schritt dann ge­meinsam mit den Ländern Schlussfolgerungen ziehen.


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Es wäre leicht, das eine oder andere hier zu versprechen. Wir müssen aber sicherstel­len, dass der Partner, der dafür notwendig ist, und die Länder in die Diskussion ausrei­chend eingebunden werden. Daher haben wir uns hier auch einen Zeitplan gesetzt, der mit der Finanzierung der Krankenkassen als erstem Schritt beginnt.

Hinsichtlich Gesundheitsförderung und -prävention sollen erstmals nationale Gesund­heitsziele erarbeitet und formuliert, die betriebliche Gesundheitsförderung massiv aus­gebaut werden.

Im Mittelpunkt unseres Gesundheitssystems müssen und werden die PatientInnen ste­hen. So soll es ein transparentes Wartezeitenmanagement, genauso bessere Öff­nungszeiten, Erreichbarkeit in der Nacht im niedergelassenen Bereich und die Möglich­keit der Direktbelieferung von immobilen und chronisch kranken PatientInnen durch die Sozialversicherungsträger geben. Der Spitalsbereich und der Bereich der niedergelas­senen Ärzte müssen besser aufeinander abgestimmt werden. Im Bereich der Kinder- und Jugendgesundheit planen wir eine bessere Versorgung mit fachärztlichen Diens­ten vor allem zu den Tagesrandzeiten und an Sonn- und Feiertagen. Um unseren Kin­dern und unserer Jugend möglichst diese Leistungen auch anbieten zu können und ih­nen die Basis für ein gesundes Leben zu geben, werden wir eine Gesundheitsstrategie für erwerbstätige Jugendliche erarbeiten und das Projekt der gesunden Schule weiter­entwickeln. (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der ÖVP.)

Verstärkte Aufmerksamkeit werden wir auch dem Thema Frauengesundheit widmen. Um bestehende Qualität in der Gesundheitsversorgung zu halten und weiter auszu­bauen, werden aufbauend auf einem Qualitätsbericht messbare Qualitätsziele für alle Versorgungsbereiche formuliert. Es ist nur recht und billig, dass die öffentliche Hand, die ein Gesundheitssystem finanziert, auch die Qualitätsstandards für dieses System entwickelt und gemeinsam mit den schon öfters zitierten Partnern auch umsetzt.

Eine wesentliche Säule im Gesundheitssystem sind natürlich auch die Beschäftigten. Hier werden wir die bestehenden Berufsbilder weiterentwickeln und modernisieren so­wie eine stärkere Durchlässigkeit zwischen den einzelnen Berufsbildern gewährleisten. Auch die gesundheitliche Situation der im Gesundheitswesen beschäftigten Menschen, vor allem derer, die schon älter sind, darf man nicht aus den Augen verlieren.

Wie ich schon eingangs ausgeführt habe, stellt die Sicherung von Arbeitsplätzen ein wesentliches Anliegen der Bundesregierung dar. Wir haben heute vor allem im interna­tionalen Vergleich eine sehr gute Situation auf dem Arbeitsmarkt. Diese drückt sich in einem sehr hohen Beschäftigungsstand und geringer Arbeitslosigkeit aus. Die abseh­bare Wirtschaftsentwicklung wird aber auch auf den österreichischen Arbeitsmarkt er­hebliche Auswirkungen haben.

Arbeitslosigkeit ist vor allem ein soziales Problem, das allerdings enorme wirtschaftli­che Auswirkungen hat. Deshalb ist es ganz besonders wichtig, neue und zusätzliche Beschäftigungspotenziale zu erschließen, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wie auch Unternehmen auf die strukturellen Änderungen vorzubereiten, bei der Bewälti­gung dieser Änderungen zu unterstützen und vor allem – und das ist zu betonen – prä­ventiv, also vorsorglich, alles zu tun, um drohende Arbeitslosigkeit möglichst zu verhin­dern. Jeder zusätzliche Arbeitslose belastet das Solidarsystem. (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der ÖVP.)

Unsere gemeinsame Aufgabe ist es daher auch, zusätzlich jene arbeitsmarktpoliti­schen Maßnahmen zu setzen, um Menschen, die von Arbeitslosigkeit bedroht sind, möglichst in ihren Unternehmen zu halten beziehungsweise unternehmensnah zu be­schäftigen. Ganz besonderes Augenmerk müssen wir dabei auf die Jugendbeschäfti­gung richten. Jugendliche müssen möglichst reibungslos von der Schule in das Be­schäftigungssystem integriert werden. Eine garantierte Berufsausbildung soll nachhalti-


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ge Erwerbskarrieren ermöglichen. Unsere Jugend ist für unsere Gesellschaft und na­türlich auch für unsere Wirtschaft das wichtigste Potenzial für die Zukunft. (Beifall bei Abgeordneten der ÖVP.) Wer bei der Jugendbeschäftigung spart, der verspielt die Zu­kunft unserer Wirtschaft. Mit der Ausbildungsgarantie, diese haben wir gemeinsam vor­geschlagen, haben wir einen Weg eingeschlagen, den wir konsequent weiter verfolgen werden. (Beifall bei SPÖ und ÖVP.)

Die Maßnahmen der Ausbildungsgarantie – allen voran der Ausbau überbetrieblicher Lehrwerkstätten – müssen daher zügig umgesetzt werden. Wir werden für die Zukunft die dafür notwendigen Mittel bereitstellen. Aber unsere Anstrengungen werden sich nicht auf den Jugendbeschäftigungsbereich beschränken, sondern die aktive Arbeits­marktpolitik insgesamt betreffen. Qualifizierung ist für den österreichischen Arbeits­markt der wesentliche Schlüssel zum Erfolg, da sich bereits zu Hochkonjunkturzeiten zeigt, dass gerade die am schlechtesten Ausgebildeten als Erstes und am härtesten von Arbeitslosigkeit betroffen sind.

Für die Gruppe der älteren ArbeitnehmerInnen wird die Bundesregierung spezielle Maßnahmen setzen, auch spezielle Maßnahmen der Gesundheitsförderung zur Erhal­tung und Förderung der Arbeitsfähigkeit.

Die derzeit unbefriedigende Ausgestaltung der Pflegefreistellung wird novelliert wer­den. Wenn ich von Vereinbarkeit von Beruf und Familie spreche, dann meine ich aber nicht nur die Vereinbarkeit von Kindern und Beruf, zu der ich dann noch etwas sagen möchte, sondern auch die Berücksichtigung der Bedürfnisse der Menschen, die sich um pflegebedürftige Angehörige kümmern. Hier werden wir die bestehende Familien­hospizkarenz ausbauen und dafür sorgen, dass pflegende Angehörige durch ihr Enga­gement keine sozialversicherungsrechtlichen Nachteile erleiden. (Beifall bei SPÖ und ÖVP.)

Die Chancengleichheit, die Gleichstellung von Frauen in der Arbeitswelt sowie die Her­stellung der Einkommensgerechtigkeit stellen wesentliche Ziele der österreichischen Bundesregierung dar. In diesem Zusammenhang wird es darum gehen, das Kinderbe­treuungsgeld weiterzuentwickeln sowie die Väterbeteiligung zu schaffen. (Beifall bei Abgeordneten der ÖVP.)

Wir wollen den Ausbau der Kinderbetreuung weiter vorantreiben und die Defizite, die bestehen, beseitigen. Das gilt insbesondere für die Betreuung der unter Dreijährigen. Es geht darum, die Qualität der Kinderbetreuung zu sichern, grundlegende Standards und pädagogische Konzepte zu erarbeiten.

Im Bereich der Chancenpolitik hat sich die Bundesregierung dazu entschlossen, ge­meinsam mit den Sozialpartnern einen nationalen Aktionsplan für die Gleichstellung zu erarbeiten, der die Erwerbsbeteiligung von Frauen erhöhen helfen wird sowie die Ein­kommensschere verringern helfen soll. (Beifall bei SPÖ und ÖVP.)

Die Bundesregierung wird sich generell im Laufe der Legislaturperiode grundlegend mit der Frage der Entlastung des Faktors Arbeit zu beschäftigen haben. Wir müssen da­bei sicherstellen, dass all die Systeme der sozialen Sicherheit auch finanzierbar blei­ben, ohne die gesamte Finanzierungslast auf die Schultern der Beschäftigten und de­ren Arbeitgeber zu legen.

Was die Öffnung des Arbeitsmarktes für Arbeitskräfte aus den neuen Mitgliedstaaten betrifft, so werden wir die Übergangsfristen ausschöpfen und parallel dazu den Arbeits­markt stufenweise für Fachkräfte öffnen.

Ähnliches gilt auch für den Zuzug ausländischer Arbeitskräfte aus Drittstaaten nach Österreich. Hier wollen wir ein kriteriengeleitetes System schaffen, das vor allem auf Qualifikation und Integration abstellt. Begleitend dazu müssen aber die Bemühungen,


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Lohn- und Sozialdumping zu bekämpfen, verstärkt werden. Wir werden uns daher auf europäischer Ebene dafür einsetzen, dass grenzüberschreitende Rechtsdurchsetzung realistisch möglich ist. Europäische Integration muss sich auch auf Behördenzusam­menarbeit und darf sich nicht nur auf die Schaffung des Binnenmarktes beziehen.

Die Bundesregierung legt ein klares Bekenntnis zur nachhaltigen Absicherung und zum Ausbau von sozialen Sicherheiten in unserem Land ab. Dazu gehört auch der Ausbau des gesetzlichen Pensionssystems. Damit der österreichische Nationalrat und die Bundesregierung ein klares Bild über die Situation der ersten Säule der Alterssiche­rung haben, werden wir ein Berichtswesen etablieren, das alle Beitragsleistungen und öffentlichen Mittel, die zur Alterssicherung aufgewendet werden, darstellt.

Aufgrund der politischen Diskussion der jüngeren Zeit erscheint es mir aber wichtig an­zumerken, dass es sich um ein Berichtswesen handelt, das der Gesetzgebung nicht die Verantwortung für etwaige Änderungen im System abnimmt. Fachexpertise ist wichtig und unverzichtbar, aber politische Entscheidungen sind von der Politik zu tref­fen und auch von dieser zu verantworten. (Beifall bei der SPÖ.)

Die Invaliditäts- und Schwerarbeitspension soll unter Einbeziehung der Sozialpart­ner reformiert werden.

Es gibt auch viele Bereiche, in denen es darum geht, ungerechte Härten zu vermeiden. Die Bundesregierung plant daher beispielsweise auch eine Verbesserung der pen­sionsrechtlichen Berücksichtigung von Kindererziehungszeiten.

Insgesamt bekennt sich die Bundesregierung zu einer umfassenden Absicherung, qua­litätsvollen Erweiterung und nachhaltigen Finanzierung der Pflege und Betreuung. Ähnlich wie im Bereich der Gesundheit handelt es sich bei den Fragen rund um die Pflege und Betreuung um Dienstleistungen, die zu einem guten Teil von den Bundes­ländern gestaltet und verantwortet werden.

Hier gilt es eine Reihe von Lücken zu schließen und entsprechende Antworten zu fin­den. Nicht vergessen sollen wir dabei auch auf die Menschen, die die Pflege durchfüh­ren. Auch für diese ist sozialversicherungsrechtlicher Schutz notwendig.

Bei der Bekämpfung von Armut ist uns in den vergangenen Legislaturperioden ge­meinsam mit den Sozialpartnern einiges gelungen, aber neben dem wesentlichen Schritt der Einführung des Mindestlohns ist noch die Einführung der bedarfsorientierten Mindestsicherung offen, die für uns ein wichtiges Anliegen darstellt.

Für die Zukunft unseres Landes ist es von entscheidender Bedeutung, auch neues Wissen zu nutzen und zu fördern. Die Forschung, die Universitäten, die außeruni­versitären Forschungszentren seien in diesem Zusammenhang nur stichwortartig genannt.

Ich habe in meiner Tätigkeit als Minister für Infrastruktur oft Gelegenheit gehabt, auch in diesem Haus über die Forschungsquote und die Bedeutung der Forschungsquote zu reden. Daher möchte ich heute dazu nur kurz anmerken, dass natürlich die Forschung einer der wesentlichen Schlüsselfaktoren für die Zukunft, für die wirtschaftlichen Chan­cen unseres Landes in Zukunft ist.

Das Bildungssystem im Gesamten ist einer jener Schlüsselfaktoren, die auch über den Reichtum der nächsten Generation entscheiden werden. Es gilt daher, die Über­gänge im Bildungssystem vom Kindergarten zur Schule und zu einer tertiären Ausbil­dung beziehungsweise zur Weiterbildung aktiv zu gestalten. Es steht für diese Maß­nahmen im Bildungsbereich – das haben wir vereinbart – zusätzlich ein Budget von 50 Millionen € pro Jahr zur Verfügung.


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Die Bundesregierung bekennt sich dazu, bereits den Kindergarten als Bildungsein­richtung zu sehen. Aus diesem Grund wollen wir ein verpflichtendes Kindergartenjahr für alle Fünfjährigen einführen und werden dafür jährlich 70 Millionen € zur Verfügung stellen. (Beifall bei der SPÖ.)

Was die Tagesbetreuung betrifft, wird diese Bundesregierung ganztägige Schulformen und Ganztagsbetreuungsangebote ausbauen. Es soll eine Ausbildungsgarantie bis zum 18. Lebensjahr geben, damit allen Jugendlichen eine vollwertige Ausbildung er­möglicht wird, und es ist die Weiterentwicklung des dualen Ausbildungssystems ge­plant. Aber auch die erfolgreichen Modellversuche der Neuen Mittelschule der 10- bis 14-Jährigen sollen weiterentwickelt und vergleichbare Modelle in allen Bundesländern eingerichtet werden.

Alle Maßnahmen im Bildungs- und Ausbildungsbereich können nur dann von Erfolg ge­krönt sein, wenn bestens qualifizierte Lehrerinnen und Lehrer eingesetzt werden. Dazu wird es auch notwendig sein, über ein leistungsorientiertes Dienst- und Besol­dungsrecht für alle neu eintretenden Lehrer zu reden und ein solches auch zu verwirk­lichen.

Es wird aber auch notwendig sein, die bestehende Organisation der Schulverwal­tung zu überdenken. Auch diesbezüglich gibt es eine Reihe von Vorschlägen in unse­rem Regierungsprogramm.

Die Bundesregierung bekennt sich auch zu besonderen Schwerpunkten im Hoch­schulbereich, wie etwa der ganzheitlichen Betrachtung von Universitäten, Fachhoch­schulen sowie pädagogischen Hochschulen und Privatuniversitäten.

Die österreichische Bundesregierung will zur Gestaltung einen österreichischen Hoch­schulplan entwickeln, der strategische Leitlinien und Standortoptimierungen enthält so­wie die Durchlässigkeit innerhalb des österreichischen Hochschulwesens sicherstellt.

Besonderes Augenmerk wird daher auf die Weiterentwicklung des Universitätsgeset­zes 2002 zu legen sein, um die österreichischen Universitäten für den internationalen Wettbewerb fit zu machen und gleichzeitig die bestmöglichen Ausbildungsplätze für Studierende zu garantieren.

In den vergangenen Jahren war die Ausbildung an österreichischen Fachhochschulen ein Erfolgsmodell. Dieses wurde zum fixen Bestandteil in der österreichischen Hoch­schullandschaft. Es soll daher die Erhöhung der Studienplatzfinanzierung vorgezogen werden und die Zahl der berufsbegleitenden Studiengänge deutlich ausgebaut werden.

Es soll Kooperationen in der Exzellenzenförderung geben. (Abg. Mag. Stadler: „Exzel­lenzenförderung“?!) Die Bundesregierung hat hier immer uneingeschränkt einen Schwerpunkt gesetzt, sowohl im Bereich der wissenschaftlichen Forschung als auch neben der Exzellenzförderung im Bereich der Anwendung, denn die Grenzen ver­schwimmen hier manchmal und machen gemeinsame Vorgangsweisen und Strategien notwendig. (Abg. Mag. Stadler: „Exzellenzenförderung“?! – Heiterkeit beim BZÖ.)

Die Bundesregierung – und damit sind wir bei einem für uns alle sehr wichtigen The­ma: dem europäischen Einigungswerk – hat sich immer klar zur Europäischen Union bekannt, zur Mitgliedschaft Österreichs in dieser Europäischen Union. Ich kann Ihnen versichern, dass Österreich auch weiterhin eine aktive Rolle bei der Weiterentwicklung des europäischen Integrationsprozesses einnehmen wird. Wir werden uns im Interesse unserer Bürgerinnen und Bürger kreativ und selbstbewusst in diesen Prozess einbrin­gen.

Wir stehen für ein starkes Österreich in diesem geeinten Europa und werden die Chan­cen, die uns die Europäische Union bietet, voll nutzen.


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Die Mitgliedschaft Österreichs in der Europäischen Union war für die erfolgreiche Ent­wicklung unseres Landes ein wesentlicher Faktor. Und gerade im Lichte der derzeiti­gen Krise zeigt sich, wie wichtig sie für wirtschaftliche und soziale Stabilität in unserem Land ist.

Die Zugehörigkeit zum Euro-System hat Österreich vor möglichen noch schwerer wiegenden Folgen der Finanzkrise bewahrt. Nationale Maßnahmen sind in einer derar­tigen Situation natürlich notwendig und sinnvoll, aber erst durch eine koordinierte euro­päische Vorgangsweise, so wie wir sie beim Europäischen Rat nächste Woche bespre­chen und vereinbaren wollen, können diese Maßnahmen ihre volle Wirksamkeit entfal­ten.

Umfragen zeigen immer wieder, dass die Österreicherinnen und Österreicher dem europäischen Integrationsprojekt und der europäischen Politikgestaltung zunehmend skeptisch bis kritisch gegenüberstehen. Diese Sorgen und diese Kritik müssen wir ernst nehmen. Wir müssen uns verstärkt in jenen Politikbereichen auf europäischer Ebene engagieren, die den Menschen spürbare Verbesserungen bringen. (Abg. Ing. Westenthaler: Das Wort „Volksabstimmung“ kommt gar nicht mehr vor!)

Die österreichische Bundesregierung wird sich daher dafür einsetzen, gemeinsam mit den Partnern in der Europäischen Union eine europäische Zukunftsoffensive zu ent­wickeln. Dies bedeutet vor allem ein stärkeres Engagement Österreichs in den Berei­chen Wachstum, Beschäftigung und Soziales. Die Menschen in Europa erwarten ein deutliches Signal für die reale Wirtschaft, die Unternehmen und die Beschäftigten. Die sozialen Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise müssen nachhaltig abgefedert wer­den. Sozialer Zusammenhalt, Verteilungsgerechtigkeit, Vollbeschäftigung und Ge­schlechtergleichstellung müssen mit nachhaltiger Entwicklung und Wettbewerbsfähig­keit Hand in Hand gehen. (Abg. Ing. Westenthaler: Wo ist denn die Volksabstim­mung? – Abg. Strache: Volksabstimmung? – Ein Bauchfleck!)

Aber auch in zahlreichen anderen Bereichen muss die Europäische Union ihre Hand­lungsfähigkeit unter Beweis stellen – Klimawandel, Umweltschutz, Energieversorgung, um nur einige zu nennen. Auch hier ist aktives, zielgerichtetes österreichisches Enga­gement gefragt.

Als Basis für diese Handlungsfähigkeit bleibt der Vertrag von Lissabon für Österreich ein wichtiger und bewahrenswerter Schritt. Ziel ist die rasche Inkraftsetzung und Um­setzung dieses Vertrages.

Neben den konkreten politischen Aktivitäten, die notwendig sind, um das Vertrauen der Österreicherinnen und Österreicher in die Europäische Union zu stärken, verpflichtet sich die österreichische Bundesregierung darüber hinaus zu einer umfassenden und kontinuierlichen Informationsarbeit zur Europäischen Union und zu einem intensiven Dialog mit den Bürgern.

Es geht aber nicht nur um die internen Politikfelder der Europäischen Union, sondern auch um unser Engagement im Bereich der Außenbeziehungen und der künftigen Erweiterung der Europäischen Union. Die Bundesregierung unterstützt das Ziel der EU-Erweiterung durch Kroatien, wo wir für eine zielstrebige Fortsetzung und für einen raschen Abschluss der Verhandlungen eintreten. (Abg. Strache: Mit Volksabstimmung, oder?) Die Bundesregierung wird darauf achten, dass der Erweiterungsprozess unter voller Berücksichtigung der Aufnahmefähigkeit der EU sorgfältig und umsichtig gestal­tet wird. (Abg. Mag. Stadler: Die Türkei haben Sie jetzt ausgelassen! – Abg. Ing. Wes­tenthaler: Im Text steht „Türkei“!) – Schön, dass Sie lesen können, das freut mich.

Kaum ein Wirtschaftsbereich ist so eng mit der Europäischen Union verbunden – wir könnten jetzt die einzelnen Bereiche durchgehen – wie die Land- und Forstwirt­schaft. Es ist daher auch für die österreichische Landwirtschaft von entscheidender


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Bedeutung, dass es der Europäischen Union gelingt ... (Abg. Strache: Sie lesen uns jetzt schon die ganze Zeit völlig emotionslos und ohne Herz was vor! Sie lesen!) – Sie werden mir verzeihen, dass ich mich, wenn ich meinen Text vorlese, freue, dass er im­mer wieder mitliest und schaut, ob es übereinstimmt. Nachdem wir es ja allen Parteien zur Verfügung gestellt haben, bin ich davon ausgegangen, dass auch jeder die Mög­lichkeit hat, das zu lesen. (Beifall bei der SPÖ. – Abg. Ing. Westenthaler: Sie sollten eigentlich nicht lesen! Eigentlich sollten Sie frei sprechen, nicht herunterlesen! Das ist zum Genieren, was Sie da machen! Das ist eine Riesenschande!)

Ich komme zu einem für unser Land wichtigen Bereich: der Land- und Forstwirtschaft in der Europäischen Union. Es ist auch für die österreichische Landwirtschaft von ent­scheidender Bedeutung, dass es der Europäischen Union gelingt, auf dem Weltmarkt ein eigenständiges, selbstbewusstes europäisches Agrarmodell zu entwickeln. In die­sem soll die österreichische Landwirtschaft ein ökonomisches, ökologisches und sozia­les Aushängeschild sein.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass Österreich im Vergleich zu anderen Mitgliedstaaten der Europäischen Union eine kleinstrukturierte Landwirtschaft hat. Bei der Weiterent­wicklung der Gemeinsamen Agrarpolitik nach 2013 müssen daher diese Betriebe und diese Betriebsstruktur besonders berücksichtigt werden. (Abg. Dr. Pirklhuber: ... jetzt bis 2013!) – Ja, richtig. (Heiterkeit.) Und weil Sie das richtig erkannt haben, könnte ich Ihnen zur Landwirtschaft, wo wir, wie ich glaube, ja übereinstimmen, unsere Position, die Sie im Regierungsprogramm ja sehen, auch klar darlegen.

Weil überhaupt im Regierungsprogramm eine Reihe von Maßnahmen sehr konkret ge­fasst sind, andere erst erarbeitet werden, wieder andere innerhalb der Europäischen Union durchzusetzen sind, habe ich versucht, das in der Rede, die ich Ihnen rechtzeitig schriftlich zur Verfügung gestellt habe, damit Sie alles gut sehen, klar darzustellen. (Abg. Strache: Ich habe keine bekommen!) Sie haben keine bekommen? (Abg. Stra­che: Nein, wir haben keine bekommen!) Wir haben sie aber eigentlich an alle Parteien dieses Hauses versandt! (Abg. Strache: Aber wir haben es ja vorgelesen bekommen!)

Der österreichischen Landwirtschaft kommt auch als Lebensmittelproduzenten sowie im Rahmen der Tourismuswirtschaft entscheidende Bedeutung zu. Die Erzeugung hochqualitativer Lebensmittel wird daher im Zentrum der Bemühungen stehen, ebenso der Ausbau der biologischen Landwirtschaft inklusive deren Förderung und Vermark­tung.

Die österreichische Bundesregierung setzt sich daher weiterhin dafür ein, dass dem Wunsch der Bevölkerung nach Ablehnung gentechnisch veränderter Lebensmittel Rechnung getragen wird.

Für die österreichische Landwirtschaft ist auch die energetische Nutzung von Biomas­se von erheblicher Bedeutung.

Insgesamt steht die österreichische Bundesregierung zu einer ambitionierten Klima­politik, die zur Verringerung des Einsatzes von fossilen Energieträgern und somit auch zu geringeren Emissionen von Luftschadstoffen führt. (Abg. Scheibner: Wir wollen den „Gusi“ wieder!) Aus diesem Grund soll in einem Bundesklimaschutzgesetz eine Lasten­verteilung mit den Ländern und den betroffenen Ministerien vorgenommen werden, die gesetzlich bindend ist. Darin sind einerseits die Klimaziele und andererseits die Ver­antwortlichkeiten festzulegen, um das Erreichen des EU-Reduktionszieles für das Jahr 2020 und für eine längere Perspektive zu sichern.

Der österreichische Klima- und Energiefonds hat sich bewährt. Er ist jährlich mit 150 Millionen € dotiert und soll weiterentwickelt werden.


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Was den europäischen Emissionshandel betrifft, so besteht im Interesse des Erhalts von Arbeitsplätzen und der Wertschöpfung ein Bekenntnis zur vollständigen Gratiszu­teilung von CO2-Emissionszertifikaten an international exponierte energieintensive Unternehmen.

Neben diesen Maßnahmen setzt die österreichische Bundesregierung auch auf den Klimaschutz im Gebäudebereich und tritt dafür ein, dass die Vereinbarungen zwischen Bund und Ländern für mehr Klimaschutz im Wohnbau so rasch wie möglich abge­schlossen und ratifiziert werden, sodass diese Vereinbarungen Anfang des nächsten Jahres in Kraft treten können.

Wie auch in anderen Bereichen ist es Ziel der österreichischen Bundesregierung, die öffentliche Hand als Schrittmacher und Vorreiter für eine nachhaltige Entwicklung zu sehen. Die Bundesregierung setzt sich daher zum Ziel, die öffentliche Beschaffung nachhaltig zu gestalten und wird dazu konkrete Zielvorgaben erarbeiten.

Österreich ist eines der sichersten Länder der Welt. Die Bürgerinnen und Bürger unse­res Landes haben einen Anspruch auf Schutz und Sicherung ihrer Integrität. Dies betrifft sowohl die äußere Sicherheit als auch die Sicherheit vor Kriminalität im Inneren. Die österreichische Bundesregierung bekennt sich daher zum österreichischen Bun­desheer und seinen Aufgaben, die im Schutz der Souveränität und Neutralität liegen, wobei es darum geht, der Bevölkerung im Katastrophenfall wirkungsvoll zur Seite zu stehen, die militärische Landesverteidigung zu erfüllen sowie Assistenz im Inneren und einen solidarischen Beitrag im Rahmen europäischer und internationaler Maßnahmen der Friedenssicherung zu leisten. (Abg. Mag. Stadler: Das steht in der Verfassung!)

Dafür benötigt das österreichische Bundesheer ausreichende personelle und techni­sche Ausstattung. Die österreichische Bundesregierung bekennt sich daher zu den Empfehlungen der Bundesheerreformkommission, die mit breitem politischen Konsens die Grundlagen für das österreichische Bundesheer im 21. Jahrhundert gelegt hat.

Die Bundesregierung steht zur allgemeinen Wehrpflicht mit Miliz- und Berufskompo­nenten sowie der Beibehaltung des Wehrdienstes von sechs Monaten.

In den vergangenen Jahrzehnten hat das österreichische Bundesheer großartige Leis­tungen bei internationalen Friedenseinsätzen erbracht, die zugleich Friedenseinsätze für Österreich sind, da sie negative Rückwirkungen von Krisen und Katastrophen auf unser Land verringern und vermeiden helfen.

Die Bundesregierung bekennt sich zur weiteren Teilnahme des Bundesheeres an inter­nationalen Friedenseinsätzen und wird diese auf Basis des österreichischen Verfas­sungsrechts im Einklang mit der Charta der Vereinten Nationen weiter unterstützen.

Auch innerhalb der Grenzen Österreichs hat eine verantwortungsvolle Politik für Si­cherheit zu sorgen. Wir sind der Auffassung, dass soziale Sicherheit eine wesentliche Voraussetzung für die innere Sicherheit bedeutet. (Beifall bei der SPÖ und bei Abge­ordneten der ÖVP.)

Es ist aber auch von entscheidender Bedeutung, dass die österreichischen Polizeibe­hörden über effiziente Mittel verfügen, um die Kriminalität wirksam zu bekämpfen. Die Bundesregierung bekennt sich daher zur entsprechenden Ausrüstung der Sicherheits­behörden, aber auch zum Ausbau der Untersuchungsmittel, etwa durch die Ermögli­chung der Online-Durchsuchung unter Beachtung rechtsstaatlicher Grundsätze.

Für die Aufrechterhaltung und Verbesserung der Sicherheit Österreichs ist es aller­dings unumgänglich, die Ausbildung der Polizistinnen und Polizisten weiter zu verbes­sern und deren Einsatz flexibel zu gestalten. Insbesondere ist es notwendig, Polizisten dort einzusetzen, wo es vermehrt zu Kriminalität kommt.


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Die Bundesregierung wird daher in den nächsten fünf Jahren 1 000 Ausbildungsplätze für Polizistinnen und Polizisten zur Verfügung stellen. (Beifall bei SPÖ und ÖVP.)

Die österreichische Bundesregierung bekennt sich zu einer verantwortungsvollen Zu­wanderungspolitik, die sich an den Interessen Österreichs und insbesondere am ös­terreichischen Arbeitsmarkt zu orientieren hat. Jede Zuwanderung setzt ein klares Be­kenntnis zur österreichischen Verfassungs- und Rechtsordnung voraus.

Die Bundesregierung plant daher, anstelle des Quotensystems eine Rot-Weiß-Rot-Card einzuführen. Dafür sollen Kriterien für die Zuwanderung entwickelt werden, insbe­sondere die notwendige Qualifikation, die Unbescholtenheit, aber auch die Selbsterhal­tungsfähigkeit.

Unbestritten ist, dass im Hinblick auf Außerlandesbringung von illegal in Österreich Aufhältigen – dies betrifft vor allem straffällig Gewordene – die Effizienz zu steigern ist. Dazu sollen die Fremdenpolizeibehörden personell aufgestockt und der Vollzug effi­zienter gestaltet werden.

Im Bereich des Asylrechts haben wir mit der Einrichtung des Asylgerichtshofs einen wesentlichen Beitrag sowohl zum Abbau des Rückstaus an offenen Verfahren als auch zur Beschleunigung der Verfahren geleistet.

Im Zusammenhang mit der Neuregelung des humanitären Aufenthaltsrechts plant die österreichische Bundesregierung eine Kommission einzusetzen, die den Grad der Inte­gration prüft. Dieser Beirat, bestehend aus dem zuständigen Landeshauptmann und den Bürgermeistern der betroffenen Gemeinden, soll sicherstellen, dass gut integrierte Personen, deren Asylverfahren schon mehrere Jahre lang andauert, ein humanitäres Aufenthaltsrecht zugesprochen bekommen.

Darüber hinaus ist es der Bundesregierung ein wichtiges Anliegen, allen hier dauerhaft Aufhältigen die Chance zur Integration und zum Aufstieg in der österreichischen Gesellschaft zu ermöglichen. Die österreichische Bundesregierung ist daher bestrebt, die Fragen der Integration in einem offenen Prozess mit allen Beteiligten zu diskutie­ren, um einen nationalen Integrationsplan zu verabschieden. (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der ÖVP.)

Hinsichtlich der Maßnahmen im Bereich der Justiz möchte ich wegen der gebotenen Kürze nur die Stärkung der Familiengerichtsbarkeit, die Justizakademie sowie das Partnerschaftsgesetz als Stichworte nennen. Die Bundesregierung plant weiters die Einführung von Landesverwaltungsgerichtshöfen. – Auch diesbezüglich ist wieder Zu­sammenarbeit mit den Ländern angesagt.

Mit den im Koalitionspakt vereinbarten Maßnahmen will die österreichische Bundesre­gierung die wirtschaftliche Kraft steigern und wesentliche soziale Werte für die Zukunft unserer sozialen Systeme sichern.

Abschließend möchte ich Ihnen daher sagen: Ich kann mir natürlich vorstellen, dass die Debattenredner jetzt bezüglich vieler Bereiche das wiederholen werden, was sie längst öffentlich gesagt haben. (Abg. Ing. Westenthaler: Das können Sie sich gar nicht vorstellen! Rufe beim BZÖ: Abwarten!) Ich möchte Sie aber bitten, messen Sie diese neue Bundesregierung in einer Zeit großer Herausforderungen an ihren Anstrengun­gen. (Abg. Mag. Stefan: Der Wille zählt fürs Werk! Abg. Mag. Stadler: Das sieht man!) Messen Sie uns an den Bemühungen, Verbesserungen für jene zu erreichen, die dem Wettbewerb in einer globalisierten Wirtschaft am schutzlosesten ausgeliefert sind. (Abg. Mag. Stadler: Man sieht, dass Sie bemüht sind, aber das genügt nicht!)

Messen Sie uns an unserem Engagement für die Jugendlichen Österreichs, denen nahtlos an ihre Berufsausbildung ein Einstieg ins Erwerbsleben ermöglich werden soll.


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Messen Sie uns an dem Bemühen, gemeinsam mit den Sozialpartnern die Auswirkun­gen der Finanz- und Wirtschaftskrise auf den Arbeitsmarkt gering zu halten; an unse­rem Willen, AlleinerzieherInnen die notwendigen Hilfen für die Organisation ihres All­tags bereitzustellen; an unserem Wollen, sämtliche vorhandenen Talente durch ein leistungsfähiges Bildungswesen zu fördern; an unserem Bestreben, die Stärken Öster­reichs dazu zu nützen, unerwünschten wirtschaftlichen Entwicklungen auszuweichen.

Für alle Mitglieder unserer Bundesregierung gilt, dass wir alle Chancen für unser Land im europäischen und internationalen Zusammenhang ergreifen wollen, dass wir in Ös­terreich und in Europa dafür sorgen wollen, dass Regeln für die wirtschaftliche und ge­sellschaftliche Zukunft erstellt werden, die die Menschen und die Arbeitnehmer zum Zentrum haben, und dass der unserer Übereinkunft zugrunde liegende Gedanke das gemeinsame Handeln zum Besten Österreichs ist. (Anhaltender Beifall bei SPÖ und ÖVP. Abg. Ing. Westenthaler: Gott schütze Österreich! Der Klima war ein Intellek­tueller dagegen! Das Schwächste, was ich jemals gehört habe! Durchgefallen, Herr Bundeskanzler!)

11.04


Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Wir gehen nunmehr in die Debatte ein.

Bezüglich der Redeordnung ist vereinbart, dass für die erste Runde je 13 Minuten Re­dezeit zur Verfügung stehen.

Erster Redner ist Herr Klubobmann Strache. – Bitte.

 


11.04.58

Abgeordneter Heinz-Christian Strache (FPÖ): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Herr Bundeskanzler! Herr Vizekanzler! Werte Bundesregierung! Meine sehr geehrten Da­men und Herren! Wir waren gerade Zeugen einer völlig emotionslos vorgetragenen, ja vorgelesenen Rede des Herrn Bundeskanzlers. Herr Bundeskanzler, Sie haben wirk­lich gezeigt, dass Sie in das, was Sie heute zum Ausdruck gebracht haben, überhaupt kein Herz hineingelegt haben. Sie stehen offenbar nicht einmal hinter dem, was Sie heute vorgelesen haben. Das war eine Pflichtübung, Sie haben das heruntergelesen; eine Regierungserklärung, die wirklich bewiesen hat, dass Sie, offen gesagt, nur viel heiße Luft produziert haben, genauso wie in den letzten Jahren. Und deshalb verdie­nen Sie auch keine Schonfrist vonseiten der Opposition. (Beifall bei der FPÖ.)

Sie, Herr Faymann, sind ja nicht neu – diese Bundesregierung ist auch nicht neu –, und Sie haben zwar heute versucht, eine salbungsvolle Rede vorzulesen, sozusagen um eines Heiligenscheines willen, aber in Wirklichkeit haben Sie Scheinheiligkeit ge­lebt.

Herr Faymann, Sie sind jetzt Bundeskanzler, aber Sie sind auch jener Mann, der in den letzten Jahren als Regierungskoordinator Verantwortung hatte, genauso auch Ihr Vize­kanzler Josef Pröll, der ebenfalls für die vergangenen Jahre Verantwortung hatte, in denen Sie gescheitert sind, weshalb Sie ja am 28. September zu Recht abgewählt wor­den sind.

Im Grunde genommen haben Sie aber nichts dazugelernt. Sie haben nicht einmal an­dere Varianten geprüft. Sie sind nach dem Wahltag, nachdem Sie eine historische Wahlniederlage erlebt haben und erleiden mussten, einfach zur Tagesordnung überge­gangen.

Herr Bundeskanzler, das, was Sie den Österreichern da zumuten, ist schon ein starkes Stück! Damit meine ich auch Ihr aktuelles Regierungsprogramm, das mit hohlen Phra­sen und leeren Worthülsen ausgestattet ist, ein großes, gähnendes Nichts. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes ein schwarzes Loch, das in diesem Regierungsprogramm vorzufinden ist. Von diesem großen schwarzen Loch sind all Ihre Wahlversprechen


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nach dem Wahltag wieder geschluckt worden, sie sind verschwunden, und Sie versu­chen jetzt eben, das mit windigen Ausreden ein bisschen zu kompensieren.

Es ist bis hin zur Ministerbesetzung eine Zumutung: Wenn ich mir heute die Persön­lichkeiten hier auf der Regierungsbank ansehe, dann stelle ich fest, dass da fast aus­schließlich Minister und Staatssekretäre sitzen, die aus geschützten Bereichen kom­men, die nie in der Privatwirtschaft tätig waren, die gar keine praktische Erfahrung ha­ben (Zwischenbemerkung von Bundesministerin Dr. Fekter– bis auf eine Ausnahme, entschuldigen Sie, Frau Fekter. Wir reden aber vom Gesamtbild dieser Bundesregie­rung, dieser gesamten Mannschaft (Beifall bei der FPÖ), und die besteht aus lauter Theoretikern, die nie als Unternehmer in der Privatwirtschaft tätig waren, uns aber heu­te – ohne Lebenserfahrung in der Privatwirtschaft gesammelt zu haben – weismachen wollen, wie es besser gehen sollte. Das ist schon ein eigenartiger Umstand, den wir auch beleuchten sollten!

Herr Vizekanzler, auch Sie haben – gemeinsam mit dem Herrn Kanzler – am letzten Wahltag das schlechteste Ergebnis Ihrer Parteigeschichte eingefahren. Das verbindet Sie beide. Es verbindet Sie auch, dass Sie bis dato Verantwortung als Regierungs­koordinatoren hatten. Es verbindet Sie weiters der Umstand, dass Sie für alle bis­herigen unsozialen Maßnahmen in den letzten Jahren Verantwortung getragen haben. (Präsident Neugebauer übernimmt den Vorsitz.)

Es verbindet Sie auch, dass Sie in der Frage der Europäischen Unionspolitik in einem sehr knechthaften Verhalten in diesem Hohen Haus dem EU-Verfassungsvertrag zuge­stimmt haben und eine Volksabstimmung darüber in Österreich verhindert haben. All das verbindet Sie (Beifall bei der FPÖ): eine abgewählte Katastrophenregierung, die Sie mitgestaltet und mit zu verantworten hatten und die Sie jetzt in anderen Positionen fortsetzen.

Wenn man das Regierungsprogramm ein bisschen beleuchtet – wir haben ja leider Gottes nicht viel Zeit, weil die Redezeit in diesem Hohen Haus eine sehr beschränkte ist –, dann fällt ein Punkt besonders auf: Herr Bundeskanzler, ich erinnere Sie daran, Sie haben vor ein paar Monaten einen Brief an eine große Tageszeitung geschrieben, in dem Sie auch festgehalten und versprochen haben, dass Sie – gegen das EU-Ver­fassungsdiktat – in Österreich eine nationale Volksabstimmung über alle Änderungen bei EU-Verträgen sicherstellen werden, sollte es zu einer Veränderung kommen – und das wird der Fall sein.

Aber was ist jetzt, wenn es darum geht, Ihr Versprechen nach dem Wahltag einzuhal­ten? Das war ja das Herzstück Ihrer Wahlversprechen während Ihrer Kampagne! Und jetzt gehen Sie im Regierungsprogramm locker und lässig her, stimmen brav mit der ÖVP überein und halten auch schriftlich fest, dass Sie ganz brav sein werden, dass Sie selbstverständlich niemals gegen die ÖVP stimmen werden und dass Sie einander nicht überstimmen werden. – Sie haben also Ihr Wahlversprechen schon längst auf diesem ÖVP- und EU-Brüssel-Altar geopfert! Es gibt die Vereinbarung, dass Sie sich nicht gegenseitig überstimmen.

Wie gesagt, das Regierungsprogramm besteht überhaupt in vielen Bereichen aus sehr vielen Überschriften, ohne dass man irgendwelche Details oder irgendetwas Konkretes herauslesen könnte.

Es steht nichts Konkretes für den Bereich Infrastruktur drinnen, nichts Konkretes für den Mittelstand – außer das, was wir bereits an Minimalbeschlüssen kennen. Da sind keine wirkliche Erklärung und keine Zukunftsvision festzustellen, dass Sie zum Beispiel bereit wären, jetzt, wo der Hut brennt, zumindest 6 Milliarden € und mehr in die Hand zu nehmen, um den Mittelstand, die kleinen und mittleren Unternehmer zu entlasten und ein notwendiges Konjunkturpaket zu ermöglichen.


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Es ist nichts Konkretes für den Arbeitsmarkt herauszulesen, nicht einmal der Begriff „Armutsbekämpfung“ ist in Ihrem Regierungsprogramm zu finden. Es sind auch keine Maßnahmen gegen die illegale Massenzuwanderung zu finden, die wir seit Jahren er­leben müssen und die eingedämmt werden muss, auch keine Maßnahmen gegen den Asylmissbrauch, der abzustellen ist. (Beifall bei der FPÖ.)

Straffällige gehören endlich abgeschoben. Es darf nicht so sein, wie Sie es in den letz­ten Jahren gehandhabt haben, dass über 6 000 Menschen, die Asylmissbrauch betrie­ben haben, einfach nicht abgeschoben werden. Die turnen sich ein paar Jahre bei uns im Land durch und sollen dann, wenn es nach Ihnen geht, automatisch eine Dauerauf­enthaltsgenehmigung erhalten. Das ist genau das, was die Österreicherinnen und Österreicher am 28. September abgewählt haben.

Mit diesem Regierungsprogramm geht es aber genauso inhaltsleer und belanglos wei­ter, wie auch Ihre bisherige Tätigkeit als Minister ausgesehen hat, Herr Faymann. Sie benehmen sich da zum Teil genau so wie Ihr Vorgänger, Bundeskanzler außer Dienst Gusenbauer, ganz nach dem Motto: Ist mir alles wurscht, Hauptsache, ich bin Kanzler! Dafür lassen Sie sich von der ÖVP durchaus am Nasenring vorführen, unterschreiben auch Knebelverträge und opfern so wie Gusenbauer vormals konkrete Wahlverspre­chen der SPÖ, nur um aus dem Kanzleramt heraus die Macht für Ihre Partei wieder ir­gendwie sichern zu können.

Man hat überhaupt das Gefühl, dass heute das Kabinett Gusenbauer II eine Regie­rungserklärung abgegeben hat. Das ist wie ein Gusenbauer-II-Kabinett, nur ohne Gu­senbauer; inhaltlich ist das aber die Fortsetzung. Darüber hinaus haben Sie ja neben den gebrochenen Wahlversprechen auch gezeigt und bewiesen, dass Sie bei der Mi­nisterienverteilung offenbar überhaupt kein Interesse an wichtigen Bereichen haben.

Das Sicherheitsressort interessiert Sie gar nicht. (Bundesministerin Dr. Fekter: Stimmt ja nicht!) Sicherheitspolitik ist Ihnen von der Sozialdemokratie völlig gleichgültig. Da wirft man dann neben dem Sicherheitsressort auch gleich das Justizressort der ÖVP zu. Das zeigt, dass Sie im Sicherheitsbereich alles komplett über Bord geworfen haben und überhaupt nicht mehr bereit sind, endlich eine Verbesserung im sicherheitspolizei­lichen Bereich herbeizuführen. Das haben Sie ganz aufgegeben, da haben Sie die Be­amten mittlerweile völlig im Stich gelassen. Davon wird sich aber jeder ein Bild machen können.

Deshalb sage ich ja auch, dass diese kosmetisch bearbeitete alte rot-schwarze Bun­desregierung jetzt eben eine Fortsetzung findet. Genau das ist auch das Gefühl, das die Menschen heute haben. Wenn Sie, Herr Kanzler Faymann, sagen, der Arbeitneh­mer hat keine Schuld an der Finanz- und Wirtschaftskrise und auch an der Rezes­sionsentwicklung, die wir erleben, dann sage ich Ihnen: Ja, die vielen Arbeitnehmer ha­ben überhaupt keine Schuld, aber Sie tragen – auch hinsichtlich der letzten Jahre – die Verantwortung dafür, dass die Arbeitnehmer, die Sie heute so sehr bemüht haben, in diesen Fragen im Stich gelassen wurden. (Beifall bei der FPÖ.)

Sie sind die Verantwortlichen, die auch dort, wo Sie die Möglichkeiten haben, nichts bewirken. Nehmen Sie Wien als Beispiel: Da haben Sie ja mit Herrn Bürgermeister Häupl einen perfekten Lehrmeister gehabt. Dass er Ihr Lehrmeister war, haben wir ja heute erlebt. Sie haben ja heute hier wie ein Kommissar vorgetragen, da haben Sie auch die alte Häupl-Schule repräsentiert.

In Wien hat die Sozialdemokratie die absolute Mehrheit, und da gibt es Preiserhöhun­gen, da wird an der Preisschraube gedreht, zum Beispiel beim Gaspreis, der um über 20 Prozent erhöht wurde, oder beim Strompreis, der um über 8 Prozent erhöht wurde. Da geht es um existenzielle Probleme für die Bevölkerung, für die Menschen, die sich die Heizkosten jetzt im Winter nicht mehr leisten können, die nicht mehr wissen, wie


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sie Monat für Monat über die Runden kommen können. – Und das alles ist Ihnen – gelinde gesagt  gleichgültig. Ein Parteifreund von Ihnen selbst, Herr Faymann, hat Sie nicht umsonst einmal als aalglatt bezeichnet; das zeigt auch Ihr aktuelles Verhalten. (Abg. Bucher: Wer hat das gesagt? Der Pröll?)

Eine große Erneuerung findet da überhaupt nicht statt, im Gegenteil, man verkauft uns da etwas, das einfach eine Fortsetzung darstellt. Ich erinnere daran, dass es früher einmal eine durchaus gängige Praxis bei so manchen Supermarktketten war, abgelau­fenes Schnitzelfleisch kiloweise mit Gewürzen zu überdecken und das dann als Pusz­taschnitzel oder Zigeunerschnitzel zu verkaufen. Das Fleisch blieb trotzdem verdorben und nicht genießbar. Daher sage ich: Gewürze hin, Gewürze her – diese Regierung ist genau so zu betrachten. Da hat sich inhaltlich nichts verändert, und es sind auch die gleichen Persönlichkeiten weiter im Amt. Diese Bundesregierung ist ungenießbar.

Herr Faymann, bereits als Minister haben Sie in vielen Bereichen einiges verbockt; es seien da nur kurz der AUA- und der Postbereich erwähnt.

Sie, Herr Faymann, haben als Spitzenkandidat der SPÖ das historisch schlechteste Er­gebnis für Ihre Partei eingefahren! In der vergangenen Sitzung hat ein grüner Manda­tar – nicht zu Unrecht – gesagt, es werden wahrscheinlich noch so manche Sozialde­mokraten dem Gusenbauer ein paar Tränen nachweinen.

Interessant ist, wie Sie es doch geschafft haben, der SPÖ auf dem Medienmarkt eine gewisse „Zentralkomitee-Medienmacht“ zu sichern, die durchaus demokratiegefähr­dend ist und die man schon kritisch beleuchten muss. Ich rufe daher auch alle ehrli­chen und mutigen Journalisten und Medien dieses Landes auf, keinesfalls als peinliche Werbetexter der SPÖ eine SPÖ-Schleimspur zu unterstützen. Ich sage das ganz offen, denn es ist demokratiegefährdend, wenn in der Medienlandschaft nicht mehr die not­wendige Kritik und die notwendige Objektivität sichergestellt ist. Deshalb ist darauf zu achten und das auch besonders zu beobachten. (Beifall bei der FPÖ.)

Herr Vizekanzler Pröll, Sie sind jetzt vom Regierungskoordinator zum Vizekanzler und Parteichef der ÖVP aufgestiegen. Als Neffe des Landeshauptmanns sind Sie doch schon seit langer Zeit als die ewige Zukunftshoffnung der ÖVP beschrieben worden. Ich glaube nicht, dass Sie eine große Zukunft haben werden.

Wir erleben in dieser Regierung einige Persönlichkeiten – bis hin zu Sozialminister Hundstorfer, der ja den ÖGB auch auf Karibikkurs geführt hat beziehungsweise mitver­antwortlich war –, die mentalitätsmäßig durchaus als typische Apparatschiks der alten Schule zu bezeichnen sind, Vertreter der Sozialpartner, die jetzt in der Regierung zu finden sind, was vorher von Rot und Schwarz noch schnell in der Verfassung abge­sichert – nämlich in den Verfassungsrang gesetzt – wurde.

Das zeigt schon, wohin die Reise geht und dass Sie offenbar dieses rot-schwarze Pro­porzsystem mit aller Gewalt noch einmal reanimieren wollen – ein letzter Versuch der Reanimation eines rot-schwarzen Proporz- und Machtsystems, das wir aufbrechen werden. (Präsident Neugebauer gibt das Glockenzeichen. Abg. Mag. Gaßner: Aus ist’s, und gut so!)

Ich kann Ihnen versprechen, Ihren alten Hüten werden wir neue Wege entgegenset­zen, und wir werden Ihnen mit Sicherheit keine Schonfrist geben, denn Sie haben sie nicht verdient. Wir als stärkste Oppositionskraft in diesem Haus werden die Interessen der Österreicher entsprechend vertreten! (Beifall bei der FPÖ.)

11.18


Präsident Fritz Neugebauer: Als Nächster spricht Herr Klubobmann Dr. Cap. – Bitte.

 



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11.18.44

Abgeordneter Dr. Josef Cap (SPÖ): Herr Präsident! Hohes Haus! Ich habe mir im Laufe der Rede des Kollegen Strache – beim Kollegen Bucher und bei den anderen Oppositionsrednern wird es aber sicher nicht anders sein – gedacht, es wäre gut, wenn es einmal eine Reform der Oppositionsreden gäbe. (Abg. Strache auf das rot leuch­tende Lämpchen am Rednerpult deutend : Ihre Rede ist schon zu Ende! Herr Präsi­dent, das Licht brennt noch! Abg. Ing. Westenthaler: Die Zeit ist schon wieder um!)

Wenn ich mir Ihre Rede so anhöre – ich habe das schon in der Schule nicht leiden kön­nen, wenn ich dauernd belehrt worden bin –, dann muss ich sagen, Ihre Rede war eine einzige Belehrung, aber ohne Lehre – wenn, dann eine „Leere“ –, denn wo waren in Wirklichkeit Ihre Zukunftsvisionen? Wo waren Ihre Vorstellungen? Über das Gute ha­ben Sie überhaupt nicht geredet. Ich frage mich: Was finden Sie gut am Regierungs­programm, was finden Sie schlecht, und wie würden Sie das, was Sie schlecht finden, anders machen? Und wenn Sie es anders machten, wie würden Sie es anders ma­chen, wie würden Sie es finanzieren, wie schauen die Maßnahmen aus? (Abg. Stra­che: Aber, Herr Cap, es geht schon um die Regierungserklärung, darum, dass Sie vi­sionslos sind! Es geht schon um Ihre Visionslosigkeit!)

Wie wollen Sie eigentlich Ihre Wählerinnen und Wähler behalten, wenn Sie in der Kon­frontation um die Regierungserklärung nichts anzubieten haben? Wie wollen Sie das eigentlich machen? (Beifall bei der SPÖ. Abg. Ing. Westenthaler: Das sagen gerade Sie! Abg. Strache: Das beleuchten wir ja gerade! Abg. Dr. Haimbuchner: Kein Ap­plaus bei der ÖVP!)

Herr Kollege Bucher, bei Ihnen hat die Abwanderung ohnehin schon angefangen. Mit jeder Rede, die Sie halten, wird das noch mehr verstärkt werden. (Abg. Ing. Wes­tenthaler: Sie haben die ... verloren in der Geschichte!) Aber ich würde vorschlagen, damit wir auch über Ideen von Ihnen diskutieren können, wenn Sie Ideen haben, wollen wir sie mit einfließen lassen. Aber dann dürfen Sie sie nicht verschweigen, sondern stellen Sie sich hier her und haben Sie den Mut zu konkreten Vorstellungen! Dann können wir konkret darüber diskutieren (Zwischenrufe der Abgeordneten Strache und Bucher) – und bringen Sie nicht einen depressiven Vortrag: Das wird alles nichts, ich bin so depressiv und ich will nicht mehr. – Das hat einfach keinen Sinn! (Abg. Strache: Wir haben keine 50 Minuten Zeit wie der Herr Faymann!)

Jetzt möchte ich Ihnen noch etwas sagen: Die Regierungserklärung muss nicht schrift­lich an Sie versandt werden. (Abg. Strache: Sie soll nicht vorgelesen werden! Und: mit mehr Emotion!) Das ist in Wirklichkeit ein Beitrag für ein lebendigeres Parlament. Sie haben gestern um 18.23 Uhr die Regierungserklärung bekommen. „Pudeln“ Sie sich nicht auf, wenn sie hier, sich an den Text haltend, so vorgetragen wird. Das ist nichts anderes als ein Zugehen auf die Oppositionsparteien, aber es muss auch nicht sein. (Abg. Ing. Westenthaler: Im Parlament gibt es die freie Rede!)

Ich kenne den Herrn Bundeskanzler, er redet ohnehin viel lieber frei, aber das war ein Entgegenkommen, damit Sie Zeit haben, sich von gestern 18.23 Uhr bis heute auf das vorzubereiten. Wenn Sie das nicht wollen ... (Ironische Heiterkeit bei FPÖ und BZÖ) – Ja, ist in Ordnung. Das Gelächter werden wir uns merken. (Abg. Strache: Sie sind ein verlorener Kabarettist! Sie sollten das Metier wechseln!) Schauen Sie, das ist natürlich auch im hohen Maße überheblich und arrogant, was Sie da präsentieren, denn das Übersenden der Regierungserklärung ist ein Entgegenkommen von uns an Sie. Wenn Sie das nicht wollen, dann nicht! Das sei einmal in aller Deutlichkeit gesagt. (Beifall bei der SPÖ.)

Ich möchte noch etwas sagen, und das ist fast wie eine Richtigstellung, weil Sie über die Strom- und Gaspreise in Wien gesprochen haben. Sie wissen natürlich selbst, dass der Heizkostenzuschuss in Wien verdoppelt wurde und dass er auch aufrechtbleibt,


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wenn der Heizkostenzuschuss des Bundes kommt. (Abg. Ing. Westenthaler: Der Chef des Knebelparlaments!) Also nicht mit Halbwahrheiten arbeiten, sondern auch dazusa­gen, dass das in Wien beschlossen wurde und dass das auch vom Bund hinzu­kommt! – Nur damit wir uns einmal darüber im Klaren sind.

Jetzt zu den inhaltlichen Punkten, weil Sie gesagt haben, es wird für die Sicherheit nichts getan. Der Herr Bundeskanzler hat vorhin gesagt, es gibt beispielsweise tau­send Polizisten mehr. (Abg. Strache: Bei 3 500 fehlenden Beamten!) Also es gibt na­türlich auch für die Sicherheit mehr.

Sie sagen, es wird für den Arbeitsmarkt nichts getan. Ich sage Ihnen, es geht hier um Einzelschicksale. Ich bin dagegen, dass da so herumgeschoben wird, dass da so he­rumjongliert wird. Es geht um Einzelschicksale! Es geht darum, dass Pensionistinnen und Pensionisten davon ausgehen können, dass ihre Pension sicher ist. Das interes­siert sie. Dafür haben wir alles zu unternehmen.

Das steht auch im Regierungsübereinkommen. Das hat auch der Bundeskanzler vorhin gesagt. Sie sollten das nicht negieren, denn das ist wichtig. Sie sollten nicht versuchen, Angst und Schrecken zu verbreiten (Abg. Strache: Das machen Sie schon besser!), sondern Sie sollten sich herstellen und das anerkennen, was wir wirklich drinnen steht. (Abg. Scheibner: Es steht nichts Konkretes drinnen!)

Jeder vernünftige Ökonom sagt, ein Konjunkturpaket ist notwendig, ein zweites, ein drittes, damit die Wirtschaft in der jetzigen Zeit angekurbelt wird, damit Kaufkraft da ist, damit die Menschen Geld in der Geldbörse haben. (Abg. Strache: Ein Mini-Paket! Da lachen ja die Hühner!) Gerade jetzt vor Weihnachten ist das so wichtig, wo die meisten Umsätze in den Unternehmungen getätigt werden.

Also müssen Sie herauskommen und das einmal anerkennen! Oder Sie nominieren hier einen Anerkennungsredner, der herauskommt und einmal das Positive erklärt (Abg. Strache: Wo denn? Das kann es nicht sein!), das da drinnen steht, sonst werden Sie doch unglaubwürdig. (Zwischenrufe bei FPÖ und BZÖ.) Sind Sie dagegen, dass es ein Konjunkturprogramm gibt? Sind Sie dagegen, dass für den Arbeitsmarkt etwas ge­macht wird? Sind Sie dagegen, dass die Politik hier im Haus immer zu bestimmen hat, wie mit den Pensionen umgegangen wird, dass es eben keine Automatik gibt? Das ist doch positiv!

Warum stellen Sie sich hier her und sagen: Das ist alles schlecht, ich bin so depressiv, eigentlich freut mich das ganze Leben nicht mehr!? – Das ist sinnlos. So können wir hier in Wahrheit nicht diskutieren. (Beifall bei der SPÖ. – Abg. Dr. Haimbuchner: Die ÖVP applaudiert schon wieder nicht!)

Natürlich ist die Bildung ein ganz entscheidender Bereich für die Entwicklung eines Landes. Diesbezüglich stehen sowohl im Regierungsprogramm als auch in der Regie­rungserklärung maßgebliche Punkte, die auch nicht billig sind. Für den Bildungsbereich wird sehr viel Geld ausgegeben, auch für die Weiterentwicklung der Neuen Mittel­schule, den Infrastrukturausbau und alle Infrastrukturprogramme. Das wird also nicht Infrastruktur im engeren Sinne sein, was den Straßenausbau oder die Bahn betrifft, sondern das wird auch den Bildungseinrichtungen zugute kommen.

Kulturbauten, deren Ausbau und die Verbesserungen bei den Museen sind wichtig. Das ist bitte alles die Visitenkarte eines Landes, die darzustellen ist. Das sollte man auch anerkennen. Wenn Sie anderer Auffassung sind, dann machen Sie einen Vor­schlag. Für mich ist das Problem, dass ich bei Ihrer Rede, Herr Strache, auf gar
nichts eingehen kann, weil Sie gar nichts gesagt haben, auf das ich eingehen könnte. (Abg. Strache: „Unter Budgetvorbehalt“ steht drinnen!)


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Kollege Bucher kann ja seine Rede noch schnell umschreiben in der Weise, dass er statt Depression aus Kärnten einmal etwas Gescheites auf den Tisch legt und sagt, ich schlage vor, ich, Bucher, habe mir Gedanken gemacht. – Das wäre einmal eine Ab­wechslung. Und das Gleiche würde ich in Bezug auf die anderen Oppositionsredner auch meinen. (Abg. Strache: Sie sind beratungsresistent! Das ist das Problem!)

Wenn wir über Bildung und die Hochschulen reden, so sei gesagt: Gott sei Dank haben wir drei die Studiengebühren abgeschafft. Das ist auch ein Beitrag dafür, Barrieren ab­zubauen. Es gibt natürlich kein Schulgeld, es soll der Zugang zur Schule in Österreich weiter offen bleiben, es soll die Ausbildungsqualität gesteigert werden.

Das ist übrigens alles mit Ausgaben verbunden, aber wir bekennen uns dazu, gerade auch in diesen schwierigen Zeiten, dass dieser Zukunftsaspekt gewahrt ist. Uns geht es darum, dass unsere Kinder, Schüler und Studenten einen guten Zugang zur Ausbil­dung haben, auch die Lehrlinge mit dem Jugendbeschäftigungsprogramm. Das ist für ein Land wichtig, und es ist wichtig, dass wir darauf achten, dass es Beschäftigung gibt und dass diese auch ausgebaut wird, denn wenn es sie nicht gibt, wenn es wachsende Arbeitslosigkeit gibt, dann gibt es soziale Konflikte, dann höre ich wieder diese Law-and-order-Schreierei. Aber besser wäre es, von Haus aus für diese soziale Sicherheit zu sorgen, und genau das haben wir vor.

Mein Appell ist, dass wir dieses gute Spannungsverhältnis zwischen einer Regierung und den Oppositionsparteien, das in einer Demokratie vorhanden sein muss, qualitativ auf eine höhere Ebene stellen, dass diejenigen, die heute im Fernsehen zusehen (Abg. Ing. Westenthaler: Knebelparlament!), nicht immer die Zwischenrufe des Herrn Kolle­gen Westenthaler ertragen müssen, und vor allem, dass diejenigen, die im Fernsehen zusehen, erkennen, hier sind fünf Parteien im Hohen Haus, die sich bemühen, gemein­sam für Österreich das Beste herauszuholen. Das werden Sie nur dann glaubwürdig transportieren, wenn Sie nicht hier herauskommen, mit uns nur sinnlos formal streiten oder irgendwelche Beleidigungen anbringen, sondern wenn Sie sich inhaltlich der He­rausforderung für die Zukunft Österreichs stellen und konkrete Vorstellungen haben. Das wäre viel besser, als auf dem Klavier von Emotionen, von Vorurteilen, von Miss­verständnissen, von ich weiß nicht was noch alles zu spielen, wo am Ende des Tages nichts herauskommt.

Weil Sie vorhin auch die Europäische Union angesprochen haben, so muss ich sagen, wir gehören auch zu denjenigen, die meinen, man muss diese Skepsis ernst nehmen. Man muss eine kritische Reflexion vornehmen. (Abg. Vilimsky: Volksabstimmung!) Man muss sich anschauen, wo die Kritik liegt, warum es sie gibt und was auch die Europäische Union dazu beitragen kann, die ja die Summe der Mitgliedsländerregie­rungen ist, dass die Skepsis und die Kritik geringer werden. (Abg. Strache: Eine Volks­abstimmung wollen die Menschen!)

Da ist es, glaube ich, ganz entscheidend, zu erkennen, dass auch hier ein gewisses Schutzbedürfnis der Bürgerinnen und Bürger gegeben ist. Sie wollen Nähe zu den Ins­titutionen, Nähe zur Politik, sie wollen keine abgehobene Politik. Und sie wollen diese Nähe nicht nur, indem jetzt der Staat diese Rolle, diese Schutzfunktion in der Wirt­schaftskrise erfüllt, diese Interventionen vornimmt – nein, sie wollen das auch von der Europäischen Union.

Sie wollen haben, dass dieser Globalisierungsdruck von der EU nicht eins zu eins wei­tergegeben wird, sondern dass wir ein eigenes europäisches Lebensmodell, Kultur­modell, Sozialmodell entwickeln und dass wir, Österreich, selbstbewusst in dieser Europäischen Union auftreten – wie der Herr Bundeskanzler gesagt hat, ein starkes Österreich –, selbstbewusst auftreten, und dass wir dafür kämpfen, dass es Regeln und Kontrollen der Finanzmärkte gibt, was man natürlich vor allem auf europäischer


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Ebene zu lösen hat, damit es Wachstum und Investitionen gibt und eine entsprechende Wirtschaftspolitik gemacht wird, die dann auch Beschäftigung fördert und unterstützt. (Abg. Strache: Was ist mit einer Volksabstimmung? Umgefallen!)

Jawohl, dass die Bürger mehr einbezogen werden! Richtig, die Partizipation der Bür­ger – dazu haben wir uns immer bekannt, dazu werden wir uns auch in Zukunft beken­nen (Abg. Ing. Westenthaler: Kein Wort dazu!) –, was bedeutet, dass diese Entfrem­dung abgebaut wird, die da und dort empfunden wird.

Diese Chance hat jetzt der Staat, national gesehen, und genauso kann die europäi­sche Ebene vorgehen, um diese Aufgabe zu erfüllen. Ich habe den Eindruck, sie ist auf dem Weg dorthin, und ich habe den Eindruck, diese Verantwortung wird auch wirklich wahrgenommen. Das sollte man von Ihrer Seite einmal anerkennen. Da sollte man ein­mal herauskommen und sagen: Jawohl, ich finde, das war eine gute Initiative. (Abg. Bucher: „Super“!) – Super, der Herr Kollege Bucher ist schon auf Kurs, der sagt das schon. – Das wäre einmal ein Beitrag, den man, wie ich meine, in diesem Zusam­menhang auch leisten könnte. (Abg. Bucher: Dieselbe Rede wie 2007!)

Aber zu einem Land gehört auch die kulturelle Entwicklung, gehört die Kultur insge­samt. Es sind in diesem Regierungsübereinkommen 20 Millionen € mehr für das Kul­turbudget drinnen. Ein schöner Erfolg – Gratulation, Frau Minister! (Abg. Strache: Ster­mann, Grissemann und Cap! Das wäre eine Kombination!) Ich glaube, dass das wich­tig ist, auch um zu signalisieren, wir sind ein Kulturland, eine Kulturnation. Wir haben dadurch auch sehr viel Tourismus, sehr viele Besucher und tolle Ausstellungen in den Museen. Der Ausbau der Museumslandschaft ist ja einer der Punkte, von denen ich glaube, dass sie sehr positiv sind, und man will in Zukunft auch für die zeitgenössische Kunst sehr viel unternehmen. (Abg. Bucher: Konkret?)

Es wird die Filmförderung deutlich aufgestockt werden. Das ist wichtig. Sie können viel­leicht ohne Kultur leben, Herr Kollege Bucher, aber die Österreicherinnen und Österrei­cher wollen Kultur. Sie haben das Recht dazu. (Abg. Strache: Der kämpft um sein Lei­berl als Klubobmann!) Ich glaube auch, dass für die Integration der jungen Menschen, unserer Kinder und Jugendlichen, damit sie auch eine Identifikation mit diesem Land finden, die Kultur eine wesentliche Rolle spielt, an den Schulen zum Beispiel eine ganz wesentliche Rolle spielt. (Beifall bei der SPÖ.)

Daher finde ich es äußerst positiv, dass in diesem Bereich ebenfalls Elemente enthal­ten sind, die dafür sorgen sollen, dass diese ganzheitliche Antwort, die ein Regierungs­programm auf die Herausforderungen der Zeit zu geben hat, auch gegeben wird. Und sie wird gegeben!

Und wenn Sie haben wollen, dass die Einschaltquote weiter ... – Jetzt hat sie wahr­scheinlich besondere Spitzenwerte erreicht, aber sie soll ja gehalten werden. (Abg. Strache: Jetzt haben alle ausgeschaltet!) Dann gehen Sie bitte darauf ein, diskutieren Sie vernünftig, halten Sie andere Oppositionsreden als jene, die Sie bis jetzt gehalten haben, weil das im Endeffekt ja keinen Sinn hat! (Abg. Strache: Cap war im ORF im­mer schon der Quotenreißer!)

Was ist dann das Ergebnis am Ende des Tages? – Wir wollen doch am Ende des Ta­ges haben, dass es hier einen Informationsaustausch, einen Diskussionsprozess auf Basis des gegenseitigen Respekts gibt (Abg. Mag. Darmann: Cap-Kabarett!), dass wir uns Ideen mitteilen – von der Regierung natürlich das, was sie sich vorgenommen hat, was sie in den nächsten Jahren für Österreich tun will, wo alle offenen Fragen ange­gangen werden – Gesundheitssystem, soziale Sicherheit, Pensionen, Ausbildung, Frauen, Kinder, Jugend und Familie, Kultur, Sport, Landesverteidigung, innere Sicher­heit, alle offenen Fragen eben.


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Alle offenen Fragen werden angesprochen, werden mit Vorschlägen versehen (Abg. Bucher: Konkret?)  mag sein, dass das da und dort noch zu präzisieren ist, und das ist auch gut so. Es gibt Dinge, wo man sich noch zusammensetzen muss und das noch präziser machen muss. In allen Punkten hat die Opposition die Möglichkeit, Vor­stellungen einzubringen, Ideen einzubringen. Und das Versprechen gilt, dass diese Ideen, wenn sie gut sind, auch aufgegriffen werden. (Abg. Bucher: In den Ausschüs­sen vertagt! – Abg. Ing. Westenthaler: Ihr knebelt das Parlament!)

Sie sollten auch das zur Kenntnis nehmen, und Sie sollten die Chance wahrnehmen, sich auch hier im parlamentarischen Prozess einzubringen (Präsident Neugebauer gibt das Glockenzeichen – Rufe beim BZÖ: Schluss! Aus!), bei der Bearbeitung und Umsetzung dieser Vorlagen auch präsent zu sein, statt immer nur nein zu sagen und depressive Reden zu halten. (Beifall bei der SPÖ sowie des Abg. Kopf.)

11.31


Präsident Fritz Neugebauer: Nächster Redner ist Herr Klubobmann Bucher. – Bitte. (Abg. Bucher geht mit einem schwarz-weißen Plüschbären mit roter Schleife zum Rednerpult. – Abg. Strache: Kuschelbärli für die Regierung!)

 


11.32.12

Abgeordneter Josef Bucher (BZÖ): Der ist aber nicht für den Kollegen Cap, um das gleich einmal klarzustellen.

Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Hohes Haus! Wir haben uns gedacht: Was geben wir dieser neuen Regierung mit auf den Weg? – In Zeiten wie die­sen, in denen es vielen schlecht geht, sollte man etwas näher zusammenrücken. Und ich glaube, diese beiden Parteien, SPÖ und ÖVP, haben nach dem katastrophalen Wahlergebnis vom 28. September allen Grund dazu, zu kuscheln und zusammenzu­rücken. Daher wollen wir Ihnen als sichtbares Symbol für den guten Willen einer Op­positionspartei diesen Kuschelbären in Gestalt eines Koalabären überreichen (Beifall beim BZÖ), der Sie daran erinnern soll ... (Zwischenrufe. – Abg. Strache: Das ist ein Pandabär! Der schläft 20 Stunden am Tag!) – Entschuldigung, Pandabär. (Heiterkeit.) Ein Pandabär, der Sie daran erinnern soll, dass Sie, wenn Streitigkeiten aufkommen, wieder den Weg zueinander finden und wieder kuscheln. Bitte sehr. (Der Redner über­reicht Bundeskanzler Faymann den Plüschbären. – Beifall beim BZÖ. – Zwischenrufe bei der SPÖ.)

Meine sehr geehrten Damen und Herren, das ist ja kein Biologieunterricht (ironische Heiterkeit bei der SPÖ) und kein wissenschaftlicher Vortrag, sondern es geht darum, die Regierungserklärung zu kommentieren – eine Regierungserklärung, die wirklich nicht dem entspricht, was Österreich derzeit braucht. Ich glaube, dass wir die derzeiti­ge Situation in Österreich mit mehr Ernsthaftigkeit betrachten müssen, vor allem die Si­tuation der Wirtschaft und der Finanzmärkte müssen wir uns in den nächsten Monaten und Jahren immer vor Augen halten.

Diese Koalition der Verlierer, die hier in dieser Konstellation mit gutem Willen der Onkel gebildet wurde, die darauf eingewirkt haben, war ja absehbar. Es war ja für uns von Anfang an klar, dass es wieder zu einer Fortsetzung der großen Koalition kommen würde, wenngleich sich in Österreich viele hunderttausende Menschen fragen: Warum und wozu haben wir überhaupt gewählt?

Warum haben wir am 28. September diese sechs Millionen Menschen zu den Wahl­urnen gerufen, sie um ihre Stimme gebeten, damit dann wieder das herauskommt, was wir hier auf der Regierungsbank präsentiert bekommen? Warum haben wir 60 Millio­nen € hinausgeschmissen, damit wir jetzt eine abgehalfterte Bundesregierung präsen­tiert bekommen? 60 Millionen € – das ist gleich viel Geld, wie Sie für den Ganztagskin­dergarten zur Verfügung stellen wollen, meine Damen und Herren von SPÖ und ÖVP.


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Das ist reine Steuergeldverschwendung, die Sie hier betrieben haben (Beifall beim BZÖ), mit dem einzigen Ziel, das einzuzementieren, was Sie von der ÖVP schon über viele Jahre beabsichtigt haben, die Sie seit 22 Jahren in der Regierung sind.

Der ÖVP ist es ja nur darum gegangen, Macht zu erhalten, Macht einzufordern und das gemeinsam mit der SPÖ fortzuführen, denn das Regierungsprogramm war eine rein formelle Sache. Das war sofort erledigt – bis auf diese zehn ulkigen Fragen, die Sie über die Öffentlichkeit ausgetauscht haben. Das ist ja eigentlich an Hohn und Spott nicht mehr zu überbieten. Ich habe ja den Verdacht, dass diese Fragen nicht der Josef Pröll geschrieben hat, sondern der Werner Faymann, der dann gleichzeitig auch in der Lage war, sie so schnell zu beantworten, sodass es gar nicht den Anschein erweckt, als gäbe es irgendwelche Unstimmigkeiten. (Beifall beim BZÖ.)

Ich sage Ihnen Folgendes – weil Kollege Cap immer davon spricht, dass wir nur kon­krete Dinge kritisieren sollen –: In nur 13 Minuten sollen wir ganz konkrete Dinge kri­tisieren, wobei der Herr Bundeskanzler nicht einmal in der Lage war, uns innerhalb einer Stunde irgendetwas Konkretes anzubieten, was in den nächsten fünf Jahren zu passieren hat. (Beifall beim BZÖ sowie der Abgeordneten Strache und Dr. Graf. – Abg. Dr. Cap: Binden Sie uns keinen Bären auf!)

Das ist doch ein Hohn und ein Spott! Aber den Herrn Finanzminister möchte ich in An­betracht dieser Budgetzahlen und in Anbetracht der einen oder anderen Maßnahme warnen. Ich hoffe, das war ein Fehler, dass Sie 850 Milliarden € in die Bauten in­vestieren wollen, denn das ist ja mehr, als die USA und China zusammen investieren und zusammenbringen. (Abg. Mag. Stadler: Das ist ihm nicht einmal aufgefallen!)
Aber das allein zeigt ja schon den linkspopulistischen Ansatz des Bundeskanzlers. (Abg. Ing. Westenthaler: Steht da drinnen: „Milliarden“!)

Ich darf Sie davor warnen, Herr Finanzminister, diese Schuldenpolitik, die der unter­drückte, sehnsuchtgetriebene Herr Faymann, um es dem Herrn Kreisky nachzuma­chen, unbedingt umsetzen möchte, zuzulassen, denn die führt Österreich an den Rand des Abgrunds. Und diese Sehnsucht nach Schuldenpolitik in Österreich wird Sie noch ins Schwitzen versetzen, Herr Finanzminister. Da werden Sie gar nicht viel aus eige­nem Antrieb machen müssen, um Ihr Gewicht zu reduzieren, denn das wird alleine vonstatten gehen. Das kann ich Ihnen versprechen.

Aber es gibt ja auch etwas Positives in diesem Regierungsprogramm. Ich gratuliere je­nem Menschen, der auf Seite 267 aufgehört hat, dieses Regierungsprogramm weiter­zuschreiben, denn es ist ein Regierungsprogramm ohne Absichtserklärungen, ohne Verbindlichkeiten, ohne konkret zu werden. Es ist wirklich preisverdächtig, dass man so wenige Absichten und so wenig Konkretes auf 267 Seiten überhaupt ausdehnen kann. (Abg. Krainer: Wir haben es eh gekürzt von 500 Seiten!) Das ist nobelpreisver­dächtig, meine sehr geehrten Damen und Herren. Sie wissen ja: 267 Seiten umfasst diese Regierungsabsichtserklärung. Die letzte von Gusenbauer war ungefähr halb so lang, die erfolgreiche von 2002 bis 2006 war um die hundert Seiten lang, glaube ich, Herr Bundeskanzler a. D. Schüssel. (Oh-Rufe bei SPÖ und Grünen. – Abg. Csörgits: Binden Sie uns keinen Bären auf, Herr Kollege!)

Das lässt den Schluss zu: Je länger die Regierungserklärung, um so kürzer ist die Le­gislaturperiode. Das bleibt zu hoffen, meine sehr geehrten Damen und Herren. (Beifall beim BZÖ.)

Weil Sie immer konkrete Kritikpunkte einfordern: Schauen Sie sich diese Regierungs­erklärung einmal wirklich ernsthaft und konkret an! Ich hoffe, jeder hat sie durchgele­sen. Dann werden Sie darauf stoßen, dass in gezählten 75 Fällen vorkommt: Es wird „evaluiert“, es wird „geprüft“, es wird „konzipiert“, es wird „koordiniert“, es wird „opti­miert“. Und in 75 Fällen werden Arbeitskreise gebildet. (Abg. Strache: Wenn ich nicht mehr weiter weiß, bild’ ich einen Arbeitskreis!)


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Da werden Kommissionen, Sonderkommissionen eingerichtet. Man gewinnt ja förmlich den Eindruck, Sie wollen auf diese Art und Weise die Arbeitslosigkeit in Österreich be­kämpfen, indem Sie Arbeitskreise, Sonderkommissionen und dergleichen einrichten, meine sehr geehrten Damen und Herren. (Beifall beim BZÖ. – Abg. Riepl: Machen Sie einen Vorschlag! Nur einen!)

Ein konkretes Beispiel, Sie haben ja das Regierungsprogramm vor sich. Lesen Sie auf Seite 93! Da steht: Es werden Kommissionen eingesetzt, vorher Sonderkommissionen gebildet, die die Klarstellung für die Kommissionen treffen. – Zitatende.

Da muss man sich wirklich fragen: Hat das in einem Regierungsprogramm zu stehen, meine sehr geehrten Damen und Herren? (Beifall beim BZÖ. – Abg. Ing. Westentha­ler: Das ist peinlich!) – Ja, es ist wirklich peinlich, wie Kollege Peter Westenthaler sagt.

Diese Regierungserklärung ist zur Gänze ein Programm der Ideenlosigkeit, ohne Inhal­te, ohne Maßnahmen – und vor allem ohne gesteckte Ziele! Sie haben sich ja nicht ein­mal irgendwelche Ziele vorgenommen. Man muss sich einmal vorstellen: Da erstellen zwei Parteien ein Regierungsprogramm für die nächsten fünf Jahre und definieren nicht einmal konkrete Ziele! Das ist doch ein Programm für Politmasochisten, meine sehr geehrten Damen und Herren. (Beifall beim BZÖ.)

Das kann man deutlich sehen, und zwar gerade vor dem Hintergrund, dass Sie eine Reihe von Baustellen in diesem Land haben. Sie wurden schon aufgezählt: AUA, Tele­kom, Post, ÖBB. (Abg. Strache: ASFINAG! ORF! – Ruf bei der ÖVP: BZÖ!) Die Öster­reichischen Bundesbahnen verspekulierten 600 Millionen €. Die ASFINAG hat über 12 Milliarden € Schulden. Das sind doch keine Lächerlichkeiten! Das sind doch keine Kleinigkeiten! Der ehrliche Steuerzahler erwartet, dass Sie sich dieser Probleme be­ziehungsweise dieser Aufgabenfelder endlich einmal annehmen und nicht davor kapi­tulieren. Die Österreicher wollen, dass Sie ernsthaft an die Arbeit gehen und sich nicht gegenseitig Fragen stellen und einen „Kuschelkurs“ fahren. Die österreichischen Bür­ger wollen, dass Sie ernsthaft bemüht sind, diese Probleme des Landes anzugehen. (Abg. Riepl: Bitte, machen Sie einen konkreten Vorschlag!)

Dort, wo man endlich einmal einigermaßen konkret wird – es gibt da drei, vier Fälle in Ihrem Regierungsprogramm –, ist plötzlich ein Sternchen. Das ist auch etwas Neues, das haben wir bisher noch nicht gekannt: ein Text mit einem Sternchen versehen! Ich kenne das nur von italienischen Speisekarten. Das Sternchen bedeutet so viel wie Budgetvorbehalt. Das heißt übersetzt: Guter Ansatz, gute Absicht, aber kein Geld! – Das ist die neue Art und Weise, wie man sich ein Programm für die Zukunft vornimmt. (Beifall beim BZÖ sowie bei Abgeordneten der FPÖ.)

Erfreulicherweise konnten wir auch etwas Positives lesen, nämlich, dass diese Bun­desregierung sich vornimmt, den Faktor Arbeit zu entlasten. Kollege Cap kennt das schon seit 25 Jahren: die Absicht, den Faktor Arbeit zu entlasten. Das wird Ihnen, mei­ne Damen und Herren von der SPÖ, nicht neu sein, denn schon nach dem Krieg, als auch die Sozialdemokraten in dieses Haus eingezogen sind, hat man die feste Absicht gehabt, den Faktor Arbeit zu entlasten. Es gibt ja Übereinstimmung dahin gehend, dass der Faktor Arbeit zu stark besteuert ist.

Voller Erwartung dachte ich zuerst: Das ist ein guter Ansatz! Diese Bundesregierung geht es jetzt an, die wird endlich den Faktor Arbeit entlasten! Aber was steht da dabei? Eine Art Entwarnung, nämlich: „Prüfung von Optionen“. (Ironische Heiterkeit beim BZÖ.) Das heißt: Es gibt wieder nichts Konkretes, es gibt wieder keine Lösung, um den Faktor Arbeit zu entlasten! (Abg. Riepl: Was ist Ihr konkreter Vorschlag?)

Meine sehr geehrten Damen und Herren von der SPÖ, Sie müssen endlich einmal aus dem „Liebestaumel“ aufwachen und zur Kenntnis nehmen, dass die konjunkturellen „Flitterwochen“ vorbei sind, dass auf Europa eine enorme Rezession zukommt. Wir


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brauchen eine Regierung, die endlich damit beginnt, dieses Land zu gestalten, umzu­bauen, zukunftsfest zu machen. Es ist endlich einmal im Gesundheitsbereich, im Ver­waltungsbereich und bei der Staatsreform anzusetzen. Sie brauchen ja das Geld, das Sie investieren, dazu, die Wirtschaft fit zu machen. Ich frage mich, wie Sie das ma­chen, Herr Bundesminister für Finanzen – der Sie gerade nicht zuhören. (Vizekanzler Dipl.-Ing. Pröll spricht mit Abg. Mag. Molterer. – Abg. Strache: Der redet mit seinem Amtsvorgänger!)

Wo werden Sie denn das notwendige Geld hernehmen? – Sie werden in der Verwal­tung einsparen müssen. Sie werden auch bei den Staatsorganen endlich einmal den Hebel ansetzen müssen. Sie werden etwa fragen müssen: Wozu brauchen wir 183 Ab­geordnete? Wozu brauchen wir den Bundesrat? Wozu brauchen wir Landesschulräte? Wir haben in Österreich hunderte Landesschulräte, die mit dem Dienstwagen durch die Gegend fahren und nicht arbeiten. Meine Damen und Herren, da ist bares Geld! (Bei­fall beim BZÖ.)

Dasselbe gilt auch bei den Kassen. Sie gehen den völlig falschen Weg, indem Sie jetzt den Kassen hunderte Millionen zuschießen, ohne von ihnen Reformen einzufordern. Der richtige Weg wäre es, zu sagen: Wir wollen eine Zusammenlegung der Kranken­kassen, es sind Einsparungseffekte zu erzielen, dann bekommt ihr die Gelder vom Steuerzahler! Das wäre der richtige Weg, meine sehr verehrten Damen und Herren! (Beifall beim BZÖ.)

Wir brauchen jetzt konjunkturstützende Maßnahmen, die wirklich in der Wirtschaft an­kommen. Sie jedoch haben Konjunkturpakete beschlossen, die bei der Wirtschaft nicht ankommen.

Sie haben ein Bankenrettungspaket beschlossen, das dazu führt, dass die Banken das gesamte Geld horten, aber die Wirtschaft keinen Zugang zu den Krediten bekommt. Da ist der falsche Weg eingeschlagen worden! Daher sagen wir: Wir brauchen eine ver­nünftige Politik, die die Chancen, aus der Finanzkrise zu kommen, jetzt endlich einmal aufgreift, die Veränderungen und Reformen durchführt und die dafür sorgt, dass Öster­reich eine wettbewerbsorientierte Zukunftspolitik gestaltet.

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wir haben jetzt eine „große Koalition“, die noch nie so schwach an Mandaten, noch nie so schwach an Perspektiven war. Wir ha­ben jetzt eine „große Koalition“ beziehungsweise eine Bundesregierung, die im Grunde genommen die Vergangenheit verloren und die Zukunft verspielt hat, denn dieses Re­gierungsprogramm ist nicht konkret, ist unvollständig, ist unbrauchbar, um den wirt­schaftlichen Herausforderungen der Zukunft gerecht zu werden. – Danke schön. (Bei­fall beim BZÖ sowie bei Abgeordneten der FPÖ.)

11.45


Präsident Fritz Neugebauer: Als Nächster spricht Herr Klubobmann Kopf.

 


11.45.32

Abgeordneter Karlheinz Kopf (ÖVP): Herr Präsident! Geschätzte Damen und Herren auf der Regierungsbank! Hohes Haus! Nach so viel unkonkreter Pauschalkritik von Seiten der Opposition sage ich Ihnen als jemand, der aus der Wirtschaft kommt: Ich bin es gewohnt, dass wir über Probleme nicht nur reden, sondern dass wir sie auch lösen! Und das ist genau das, was die Österreicherinnen und Österreicher von dieser Regie­rung erwarten können: konkrete, engagierte Problemlösung! (Beifall bei der ÖVP sowie bei Abgeordneten der SPÖ.)

Wir haben es bewiesen: Bei der Rettung der Banken war Österreich vorbildlich – wie kaum ein anderes Land! Und auch beim ersten Konjunkturpaket war Österreich vorbild­lich – wie kein anderes Land! (Beifall bei der ÖVP sowie bei Abgeordneten der SPÖ. – Abg. Bucher: Die Wirtschaft hat kein Geld!)


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Meine Damen und Herren, diese Koalition ist eine Koalition der praktischen Vernunft. Es gibt in beiden Parteien – zugegeben! – Kritiker, es gibt in beiden Parteien nicht we­nige, die sich eine andere Regierungskonstellation gewünscht hätten, aber eine über­wältigende Mehrheit der Politiker beider Parteien ist sich mit der Mehrheit der Bevölke­rung einig über diese Koalition, und die Bevölkerung vertraut in diesen Tagen der Zu­sammenarbeit von ÖVP und SPÖ. (Abg. Ing. Westenthaler: Wer sagt das?)

Eine Koalition dieser beiden Parteien muss nicht auf alle Zeiten der Weisheit letzter Schluss sein, aber sie ist im Augenblick mit Sicherheit eines für mich: Jetzt, in dieser schwierigen Situation, ist sie genau das Richtige! (Beifall bei ÖVP und SPÖ. – Abg. Mag. Stadler: Hört! Hört! Das Ganze steht auf einer Clausula rebus sic stantibus!)

Zugegeben, meine Damen und Herren, viel Grundsätzliches trennt SPÖ und ÖVP. Es geht ja bei dieser Koalition auch gar nicht darum, dass wir diese beiden Parteien mit­einander verschmelzen, sondern es geht schlicht und einfach darum, dass wir gegen­sätzliche Meinungen durchaus austragen, dass wir gegensätzliche Positionen durch­aus beziehen, dass wir in der Regierung Debatten führen, dass wir ein lebendiges Par­lament erleben, dass wir aber trotz aller Gegensätzlichkeiten letzten Endes aufeinan­der zugehen und das Gemeinsame über das Trennende stellen. (Beifall bei der ÖVP sowie bei Abgeordneten der SPÖ.)

Meine Damen und Herren! Auch ein Wort an die Opposition: Wir wollen auch mit Ihnen zusammenarbeiten, und wir werden diesbezüglich Zeichen setzen!

Ein erster Schritt wird sein, dass wir unverzüglich mit Ihnen die Gespräche über die Minderheitsrechte hier im Hohen Haus – über Ihre Rechte, die Sie hier wahrnehmen sollen und wollen (Abg. Bucher: Sie werden sie selber bald brauchen!) – aufnehmen und offen mit Ihnen darüber reden. Das wird die erste Geste der Zusammenarbeit aller hier in diesem Haus sein. (Beifall bei der ÖVP. – Abg. Ing. Westenthaler: Wer’s glaubt, wird selig!)

Meine Damen und Herren! Die Politik war in diesen Tagen aufgefordert, rasch, aber überlegt, notwendige Maßnahmen gegen die Wirtschafts- und Finanzkrise zu setzen. Wir haben mit dem Bankenpaket und dem Konjunkturpaket einen ersten Beweis dafür geliefert, dass wir dieser Herausforderung entsprechen. Das Bankenpaket hatte aus­schließlich zum Ziel, den Sparern ihre Spareinlagen zu sichern und den Klein- und Mit­telbetrieben, die dringend für ihre Geschäfte eine Finanzierung brauchen, die Finanzie­rung für ihre Betriebe zu sichern. (Beifall bei der ÖVP.)

Das stagnierende Wachstum ist für uns alle in Österreich ein Riesenproblem. Und es muss für uns alle doch um ein und dasselbe gehen: um die Sicherung der Arbeitsplät­ze für die Österreicherinnen und Österreicher! Wir tun das in dieser Bundesregierung! (Beifall bei der ÖVP sowie bei Abgeordneten der SPÖ.)

Meine Damen und Herren, die Maßnahmen zur Bewältigung der Wirtschaftskrise wer­den natürlich eine Menge Geld kosten – sie werden viel Geld kosten! –, und trotzdem müssen sie eingebettet sein in eine ordentliche Finanz- und Budgetpolitik. Das heißt, wir bekennen uns weiterhin zur 3-Prozent-Grenze des gesamtstaatlichen Defizits, und zwar schlicht und einfach deshalb, weil wir auch in späteren Zeiten noch genug Spiel­raum haben müssen, auf allfällige Krisen reagieren zu können. Und Gott sei Dank ist es uns in den letzten Jahren gelungen, mit einem geordneten Staatshaushalt auch tat­sächlich jenen Spielraum zu schaffen, den wir jetzt gerade im Sinne der Österreicherin­nen und Österreicher nützen. (Beifall bei der ÖVP sowie bei Abgeordneten der SPÖ.)

Meine Damen und Herren, eines der Kernstücke im Regierungsprogramm ist die Steu­erreform, die Entlastung der Österreicherinnen und Österreicher von einer –zugege­ben! – zu hohen Steuerbelastung. Wir konzentrieren uns darauf, dass wir all jene ent­lasten, die Steuer zahlen, nämlich die Leistungsträger unserer Gesellschaft und die


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Familien. Wir entlasten die Familien im Ausmaß von etwa 500 Millionen €. Das ist fair! Das stellt für die ÖVP einen ganz besonderen Wert dar, denn wir meinen: Investitionen in die Familien sind Investitionen in die Zukunft, und wenn wir auf die Entlastung der Familien vergessen, dann können wir unsere Zukunft vergessen! (Beifall bei der ÖVP sowie bei Abgeordneten der SPÖ.)

Aber auch die vielen Kleinst-, Klein- und Mittelbetriebe werden mit dieser Steuerreform entlastet. Wir schaffen einen neuen Freibetrag und damit eine Begünstigung für die einkommensteuerpflichtigen Selbständigen. Sie bekommen damit eine Sechstelbe­günstigung, die vergleichbar ist mit der Entlastung durch das 13. und 14. Monatsgehalt.

Wichtig bei all den Entlastungsmaßnahmen ist aber auch eines: Diese Bundesregie­rung kommt bei der steuerlichen Entlastung der Leistungsträger, der Familien, ohne jegliche neue Belastungen aus! (Beifall bei der ÖVP.)

Wie geht das? – Es geht schlicht und einfach dadurch, dass wir uns einen ehrgeizigen Konsolidierungsfahrplan vorgenommen haben. Der Rechnungshof hat eine Fülle von Vorschlägen vorgelegt, und genau diesen Vorschlägen wollen wir folgen! Wir werden den Rechnungshof mit einbinden in diese Reformarbeit für das gesamte Staatssystem in Österreich.

Eines ist sicher, meine Damen und Herren, auch jene auf der Regierungsbank: Die Budgetverhandlungen in den nächsten Wochen werden sicher hart. Auch die Konsoli­dierung des Staatshaushaltes insgesamt wird ein großes Stück Arbeit und eine große Herausforderung sein.

Konsolidieren heißt letzten Endes auch – das muss uns allen klar sein! –, Unangeneh­mes anzusprechen und Unpopuläres zu tun. Das wird Kraft kosten, überhaupt keine Frage, aber die Verantwortung, die wir tragen, und zwar nicht nur für unsere Genera­tion, sondern auch für die nächsten Generationen, verlangt, dass wir auch Unange­nehmes ansprechen und auch Unangenehmes tun. (Beifall bei der ÖVP sowie der Abg. Mag. Wurm.)

Meine Damen und Herren! Hohes Haus! Diese Regierung bekennt sich zur sozialen Marktwirtschaft, denn diese ist die Basis für unser Wirtschafts-, unser Gesellschafts- und unser Sozialsystem. Der Staat soll selbstverständlich eine starke Rolle spielen – aber der Staat soll die Rolle des Steuerns und nicht die des Selbst-Ruderns spielen.

Eine besondere Verantwortung tragen wir alle vor allem in der Gestaltung von Rah­menbedingungen, die wir für eine flächendeckende Versorgung mit Dienstleistungen der Daseinsvorsorge brauchen. Aber auch da ist eines ganz klar: Im Wettbewerb ste­hende Unternehmen erbringen solche Leistungen in der Regel effizienter als Monopo­le, und deswegen sagen wir: Nur wettbewerbsfähige Unternehmen können Beschäfti­gung nachhaltig und langfristig sichern, und sie sind daher die Voraussetzung für den Wohlstand und für ein funktionierendes Sozialsystem! (Beifall bei der ÖVP.)

Meine Damen und Herren! Der Erhalt unseres Sozialsystems, das so gut ausgebaut ist, das uns so wichtig ist, stellt für uns eine enorme Herausforderung dar – für uns al­le, die wir hier in diesem Hohen Haus versammelt sind! Es muss eng geknüpft sein, es soll auch weiterhin eng geknüpft sein, und es soll vor allem für all jene, die gerade in schwierigen Zeiten dieses Sozialsystem brauchen, wie etwa Familien mit Kindern, Be­zieher kleinerer Einkommen, Menschen, die Gefahr laufen, ihre Arbeit zu verlieren, ein entsprechendes Auskommen sichern. (Abg. Dr. Glawischnig-Piesczek: Ja wo denn? Ja wie denn?)

Auch folgender Weg ist weiterhin zu beschreiten: die nachhaltige Sicherung unseres Pensionssystems! Nur eine faire Verteilung der Ansprüche und auch der Lasten zwi­schen den Generationen kann dieses System langfristig absichern. Das heißt: Wir wol-


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len, dass auch unsere Jugend eine Chance hat, weil sie auch ein Anrecht auf eine faire Pension hat. (Beifall bei der ÖVP sowie bei Abgeordneten der SPÖ.)

Im Bereich der Pflege setzt diese Regierung mit einem ganzen Bündel von Maßnah­men einen Schwerpunkt, und sie setzt ihn vor allem dort, wo es notwendig ist anzuset­zen: bei den pflegenden Angehörigen! Die Volkspartei findet es absolut richtig – und wir haben auch dafür gesorgt, dass sich das in diesem Regierungsprogramm findet –, dass genau dieser oft unbedankten Personengruppe endlich mehr Unterstützung zuteil wird. (Beifall bei der ÖVP sowie bei Abgeordneten der SPÖ.)

Österreich hat – und das ist vorhin schon vom Herrn Bundeskanzler angesprochen worden – unbestreitbar eines der besten Gesundheitssysteme der Welt. Ja, der Welt! Ich betone: Wir haben eines der besten Gesundheitssysteme der Welt! Aber wenn wir diesen hohen Standard auch in Zukunft halten wollen, dann brauchen wir vor allem in diesem System eines: mehr Effizienz und mehr Kostenbewusstsein! Diese Bundesre­gierung wird daher genau jene notwendigen Reformen durchführen und jene Maßnah­men setzen, die eben der Effizienzsteigerung dieses Systems dienen.

Aber eines sei an die Adressen der Krankenkassen auch gesagt: Es wird Liquiditäts­hilfe und Unterstützung des Bundes nur dann geben, wenn die Kassen bereit sind, auch in ihrem eigenen Bereich die notwendigen Reformen durchzuführen. (Beifall bei der ÖVP.)

Ein Wort auch zu unserem Bildungssystem: Ich halte es für viel besser, als sein Ruf uns weismachen will. Viel wird da schlechtgeredet – ungerechterweise. Wir haben in diesem Regierungsprogramm meiner Meinung nach genau die richtigen Maßnahmen enthalten: verpflichtendes kostenloses Kindergartenjahr, Erhaltung der Hauptschulen und der Gymnasien, Setzung eines Schwerpunktes bei den Hochschulen, denn insbe­sondere moderne Hochschulen sind ein entscheidender Zukunftsfaktor, meine Damen und Herren. (Beifall bei der ÖVP.)

Auch die Sicherheit ist ein enorm hohes Gut. 1 000 zusätzliche Ausbildungsplätze die­nen dazu, in diesem Land eine ausreichende Anzahl von Exekutivkräften zu haben. Denn eines muss uns klar sein: Unsere Exekutivbeamtinnen und -beamten sind genau diejenigen, die das hohe Sicherheitsniveau, das wir bereits haben, auch in Zukunft si­cherstellen werden. (Beifall bei der ÖVP.)

Meine Damen und Herren! Wir brauchen mehr Parlamentarismus, wir brauchen mehr Zusammenarbeit über alle Parteigrenzen hinweg. Das muss geschehen einerseits von der Regierung aus in Richtung mehr Einbindung des Parlaments, aber andererseits muss es auch mehr Zusammenarbeit mit der Opposition geben, wie ich es schon ge­sagt habe. Als neuer Klubobmann der Österreichischen Volkspartei möchte ich den Oppositionsparteien hier an dieser Stelle die Hand zur Zusammenarbeit reichen.

Ihnen, Herr Bundeskanzler, und dir, Herr Vizekanzler, gratuliere ich zum Ergebnis der sehr konstruktiv geführten Regierungsverhandlungen und auch zum spürbaren neuen Geist der Zusammenarbeit. (Beifall bei Abgeordneten der SPÖ. – Ironische Heiterkeit bei FPÖ und BZÖ. – Abg. Strache: Der weht „förmlich“ durchs Haus!)

Allen Regierungsmitgliedern möchte ich zu ihrer Ernennung recht herzlich gratulieren. Ich wünsche Ihnen, meine Damen und Herren, eine glückliche Hand bei Ihren Ent­scheidungen, und ich wünsche Ihnen vor allem bei den Aktivitäten, die Sie setzen wer­den, viel Erfolg – viel Erfolg im Interesse Österreichs! (Beifall bei ÖVP und SPÖ.)

11.58


Präsident Fritz Neugebauer: Als Nächste spricht Klubobfrau Dr. Glawischnig-Pies­czek. – Bitte.

 



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11.59.08

Abgeordnete Dr. Eva Glawischnig-Piesczek (Grüne): Herr Präsident! Meine ge­schätzten Damen und Herren auf der Regierungsbank! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Eigentlich müsste man, wenn es nicht so ernst wäre, doch ein bisschen schmunzeln. (Abg. Großruck: Tun Sie es doch!) Es drängt sich die Frage auf: Warum hat Österreich eigentlich gewählt? Warum hat das österreichische Wahlvolk gewählt beziehungsweise warum musste es wählen? – Es gab im Wesentlichen zwei Begrün­dungen: die eine war der europapolitische Streit, der Schwenk der SPÖ in der Europa­politik, und die zweite war die Feststellung: Es sind keine Reformen, es sind keine Ent­scheidungen mehr möglich!

Das waren also die beiden Begründungen, und ich glaube, dass die Frage schon be­rechtigt ist: Was ist jetzt tatsächlich anders? Außer vielleicht der Stil: Wir haben jetzt einen Bundeskanzler und einen Vizekanzler, die sehr harmoniebedürftig sind, die sozu­sagen im Paarlauf überall auftreten, Händchen haltend. Das Ganze erinnert ein biss­chen an Hochzeitstortenzuckerguss, picksüß. Aber wo sind die zu fällenden Entschei­dungen, wo sind die notwendigen Reformen? Es bleibt mir nichts anderes übrig, als heute festzustellen, dass Ihre Regierungserklärung – ebenso wie das Regierungspro­gramm! – leider visionslos, mutlos und reformschwach ist. (Beifall bei den Grünen.)

Bezüglich der europapolitischen Frage denke ich: Okay, Sie sind jetzt nach wie vor un­terschiedlicher Meinung. Was ist jetzt aber der europapolitische Kurs dieser Regie­rung? Das ist eine wichtige, entscheidende Frage. Sie bekennen sich zwar zu allem, stellen aber gleichzeitig auch alles wieder in Frage. So wird es sicher nicht funktio­nieren.

Dasselbe gilt für die großen Probleme. Es hilft nichts, große Probleme einfach zu igno­rieren, sie auf die Seite zu schieben oder sie einfach in Arbeitskreise und Masterpläne und Sonderkommissionen zu delegieren. – Sie hätten es im Übrigen auch gleich ins Parlament delegieren können, wir wären auch gerne bereit gewesen, da mitzuarbei­ten. – Das löst also nichts. Das löst keine Probleme. (Beifall bei den Grünen.)

Eines möchte ich noch vorweg sagen: Alle Minister und Ministerinnen, die in ein neues Amt gewechselt sind, werden von uns selbstverständlich Zeit bekommen sich einzuar­beiten, sich die Probleme anzusehen und Lösungen vorzulegen. Das ist, wie ich mei­ne, selbstverständlich.

Herr Bundeskanzler Faymann, bei Ihnen habe ich aber überhaupt keine Einsicht, wa­rum man bei Ihnen noch weiter zusehen muss. Sie haben jetzt mehrere Chancen ge­habt – sowohl das Regierungsprogramm als auch die Regierungserklärung als auch eine Sondersitzung –, aber es kommt einfach nichts.

Auf dem Cover der deutschen Zeitschrift „Der Spiegel“ ist „Angela Mutlos“ zu lesen. Ich kann nur sagen, das passt auch auf Österreich: „Werner Mutlos“, das ist das Pro­gramm, vor dem wir heute stehen. Es ist wesentlich nicht geeignet, die großen Proble­me zu lösen.

Was ist positiv im Regierungsprogramm – das erkenne ich an und möchte ich auch aussprechen –? Es ist sicher ein Fortschritt, Gratiskindergärten anzubieten, obwohl die Frage völlig offen bleibt, warum das nur für den Vormittag gilt. Das entspricht über­haupt nicht der Lebensrealität der modernen Familien, schon gar nicht, wenn Kinder fünf Jahre alt sind. Das ist wirklich daneben gegriffen, allerdings ist es zumindest ein erster Schritt.

Das Forschungskapitel ist ein bisschen konkreter, als es das im Jahr 2007 war. Man kann sicher auch positiv dazu Stellung nehmen, dass es jährlich zusätzlich 1 000 Poli­zisten und vor allem auch Polizistinnen – nämlich auch mehr Frauen und auch mehr PolizistInnen mit Migrationshintergrund – geben soll. Das ist absolut in Ordnung.


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Herr Kollege Faymann, eines möchte ich Sie aber schon fragen: Was haben Sie, was Gusenbauer nicht hatte? (Heiterkeit des Abg. Strache. – Abg. Ing. Westenthaler: Die „Kronen Zeitung“!) Wo ist die Sozialpolitik geblieben? Wo ist das soziale Gewissen?

Sie haben gestern unglaublich stolz verkündet – auch Herr Klubobmann Kopf hat das gerade wieder getan –, es wird keine neuen Steuern geben. Okay. Da muss man aber schon präziser nachfragen. Heißt das, die Stiftungssteuer-Privilegien werden weiterge­führt? Heißt das, die Vermögenszuwachssteuer, auf die die SPÖ in den letzten Mona­ten so bestanden hat, wird einfach vergessen? Heißt das, es wird weiterhin steuerliche Begünstigungen für Manager geben, in Form der Stock Options zum Beispiel? Bleibt das alles bestehen? Ist es das, worauf Sie stolz sind, wenn Sie sagen: keine neuen Steuern, keine zusätzlichen Belastungen?

Es ist tatsächlich so, es gibt in Österreich Gruppen, die sehr wohl eine zusätzliche Be­lastung verdienen und die auch bereit sind, diese zu leisten. Das ist eine sehr große Gruppe von sehr, sehr reichen Menschen in Österreich, die meiner Meinung nach durchaus bereit wären, mehr zum Sozialsystem beizutragen. (Beifall bei den Grünen.)

Liebe SPÖ, was ist Ihnen da eingefallen, die gesamte außerparlamentarische Kontrol­le, den gesamten Bürgerrechtsbereich, Menschenrechtsbereich in die Hände der ÖVP zu geben? Warum haben Sie Justizministerin Berger entsorgt? Das ist mir ein völliges Rätsel. (Abg. Dr. Kräuter: Frau Kollegin, das ist eine partnerschaftliche Regierung!) Maria Berger war aus meiner Sicht – und ich glaube, das bestätigen viele fachkundige Experten und Expertinnen – eine gute Justizministerin. Warum musste sie gehen? Ent­schuldigung, das verstehe ich nicht. (Beifall bei den Grünen.)

Kollege Faymann, eine Frage sei mir auch noch erlaubt: Das große Thema im Wahl­kampf war die Teuerung, das war Ihr zentrales Projekt, die Bekämpfung der sogenann­ten Teuerung. Auf diesen 267 Seiten findet sich das Wort „Teuerung“ ein einziges Mal – in Ihrer Rede im Übrigen gar nicht mehr –, und dort nur als Rechtfertigung für die Erhöhung von Gebühren inklusive der Autobahnvignette. – Das ist alles, was zur Teue­rung drinnen steht. Ich weiß nicht, das kann es nicht gewesen sein.

Das gilt auch für die Wettbewerbsbehörde, die so wichtig war, und diese Preiszuschlä­ge, die es in Österreich gibt, die nicht notwendig sind. Die Wettbewerbsbehörde wird nur dann gestärkt, wenn zufällig ein bisschen Geld überbleibt, nämlich unter Budget- und Finanzierungsvorbehalt.

Das ist übrig geblieben aus dem Wahlkampf, und das ist nicht sehr viel. Da frage ich mich schon: Was haben Sie mehr, als Gusenbauer hatte, als er als Regierungschef an­trat?

Ich nenne Ihnen zwei Bereiche, die besonders bitter sind, weil sie so chancenreich sind, was Sie aber nicht erkennen – da reihen Sie sich in eine Tradition ein, die ich als „Sinowatz-Tradition“ bezeichnen will –: Das ist der ganze Bereich, in dem es darum geht, wie man diese Wirtschaftskrise, die Konjunkturkrise nutzen kann, um eine ökolo­gische Modernisierung zu schaffen. Das machen im Moment alle. Schauen Sie sich bit­te das Obama-Programm ein bisschen an. Klimaschutz ist die zentrale Schlüsselhe­rausforderung, mit der man Arbeitsplätze schaffen kann, mit der man energieunabhän­gig werden kann, mit der man auch soziale Krisen sehr gut bekämpfen kann, also sehr viele Fliegen mit einer Klappe schlagen kann.

Sie ignorieren das völlig. Sie brauchen offensichtlich auch keinen Experten mehr, denn Kollege Wabl ist nicht mehr notwendig. (Abg. Kopf: Der „ausgewiesene“ Experte!) Das machen wir selbst, war die Auskunft.

Allerdings: Dieses Programm ist ein Sinowatz-Programm, das ist vor Hainburg. (Zwi­schenrufe bei der ÖVP.) Sie wollen weitere Öl-Pipelines bauen, weitere Gas-Pipelines


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bauen. Das Einzige, was überlebt, ist der Klimafonds, aber mit diesem werden Sie die Klimaziele sicher nicht erreichen, vor allem aber, was sehr bedauerlich ist, die Tausen­den Arbeitsplätze, die in diesem Bereich schlummern, weiter verschlafen. Das ist die bedauerliche Feststellung. (Beifall bei den Grünen.)

Wo ist die Sozialpolitik? – Das ist die große Frage. Sie haben sich jetzt sehr lange über die Frage der Jugendbeschäftigung und Jugendarbeitslosigkeit ausgebreitet. Das ist wichtig. Die Ausbildungsgarantie bis zum 18. Lebensjahr war schon im alten Regie­rungsprogramm enthalten. Okay, das ist wichtig.

Nur, eines bleibt schon offen: Die soziale Situation von Kindern und Jugendlichen in Österreich. In Ihrem Regierungsprogramm findet sich das Ziel – das muss man sich tatsächlich auf der Zunge zergehen lassen –, die Armutsgefährdung von Kindern und Jugendlichen in den nächsten zehn Jahren um ein Drittel zu reduzieren.

Wie schaut der Hintergrund aus? – Es gibt insgesamt 250 000 Kinder und Jugendliche, die armutsgefährdet sind. 100 000 davon leben in verfestigter Armut. Das heißt, sie ge­hen hungrig in die Schule oder in den Kindergarten, sie sitzen in schlecht geheizten Räumen und können bei den sozialen Veranstaltungen ihrer Generation in der Schule, beim Schikurs, bei den Schullandwochen nicht teilnehmen. Und Sie geben sich damit zufrieden, einem Drittel von diesen Kindern helfen zu wollen und die anderen zwei Drit­tel zu vergessen?! – Ich finde, das ist nicht akzeptabel. Kein einziges Kind, kein einzi­ger Jugendlicher darf vergessen werden! (Beifall bei den Grünen.)

Sie sprechen zwar über die Pensionssicherung – das ist auch wichtig, was junge Men­schen betrifft –, allerdings werden diese nach wie vor in die kapitalunterstützte Privat­vorsorge getrieben. Das staatliche Pensionssystem, krankgeredet vor allem auch von der ÖVP, kann nach wie vor nicht das leisten, was man als junge Generation tatsäch­lich braucht. Da haben Sie auch aus der Finanzkrise nichts gelernt, Herr Kollege Kopf!

Zu allem, was das Arbeitsleben betrifft, zu Situationen, vor denen viele junge Men­schen stehen, nämlich zu prekären Beschäftigungsverhältnissen, zu Praktika, dazu, dass sie teilweise über Monate hinweg einkommenslos beschäftigt werden, findet sich nichts im Regierungsprogramm. Dazu gab es übrigens ein großes Projekt von der Kol­legin Rudas – ich frage mich, wo das hingekommen ist –, um Bedingungen zu schaf­fen, dass keine neuen Ausbeutungsverhältnisse vor allem von jungen Leuten geschaf­fen werden. – Dazu, dass junge Menschen oft monatelang in Praktika arbeiten, ohne einen Euro zu verdienen, findet sich nichts.

Im Arbeitsleben gibt es die ganz klassischen Probleme. Stagnierende Realeinkommen sind für viele Menschen ein echtes Problem. Dazu findet sich kein Wort. Das ist sehr, sehr bedauerlich. Ich denke, viele haben sich schon eine gewisse Hoffnung gemacht, denn es war landauf, landab plakatiert: „Neu regieren“.

Wenn Sie über Notstandshilfe und Arbeitslosenunterstützung kein Wort verlieren, möchte ich es zumindest tun. Die Notstandsunterstützung und die Arbeitslosenunter­stützung sind seit über zehn Jahren nicht valorisiert worden. Das heißt, diese Men­schen haben immer weniger Geld zum Leben. Angesichts der Inflation und der Teue­rung, die wirklich ein Thema ist, werden diese einfach vergessen. Wo sind das soziale Herz und das soziale Gewissen der SPÖ?

Sowohl Klimaschutz, Umweltschutz als auch die Sozialpolitik sind wirklich riesige blin­de Flecken in diesem Programm. Das ist bedauerlich. Das ist vor allem deswegen be­dauerlich, weil Sie auf Ihre Fahnen diese Lippenbekenntnisse heften, die viele Men­schen nicht mehr hören wollen. Sie haben selbst gesagt, Sie wollen Maßnahmen und Entscheidungen. Diese finden sich hier nicht.


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Ich möchte die Rede nicht so ganz negativ ausklingen lassen, weil Sie von der ÖVP so streng herschauen. Von vielen Ideen, die in den letzten Jahren und Monaten auch von uns entwickelt wurden – moderne Familienpolitik zum Beispiel –, findet sich ein biss­chen etwas: einkommensabhängiges Karenzgeld zum Beispiel, damit auch mehr Väter die Möglichkeit haben, eine Zeit lang aus dem Beruf auszusteigen, der Vatermonat, der Ausbau der Kinderbetreuung.

Aber erlauben Sie mir schon die Frage: Warum ist das alles nicht so wichtig, dass es nur dann gemacht wird, wenn Geld übrig ist, nämlich wieder unter Finanzierungs- und Budgetvorbehalt? Das wären ganz wichtige Maßnahmen.

Sie haben von der Entlastung der Familien gesprochen. Sie nehmen zwar 500 Millio­nen € her – im Wesentlichen sind das Steuerabsetzbeträge, Freibeträge, das heißt, es ist gut für diejenigen, die Steuern zahlen; aber viele Familien haben diesen Luxus gar nicht, dass sie Steuern zahlen können. Alleinverdienerabsetzbeträge ... (Zwischenrufe bei der ÖVP.) – Ja, es ist in Ordnung!

Allerdings gibt es eine ganz große Anzahl von Familien, die von diesem Paket über­haupt nichts haben. (Rufe bei der ÖVP: Nein! Das stimmt nicht!) Hätten Sie diese 500 Millionen € hergenommen und zum Beispiel flächendeckend den Gratiskindergar­ten in Österreich angeboten, wäre das eine tatsächliche reale Entlastung für Tausende Familien gewesen. (Beifall bei den Grünen. – Abg. Steibl: Den gibt es in der Steier­mark!)

Und zur Familienpolitik gehört auch eines, nämlich ein Menschenrecht: das Grundrecht auf Familienleben. Da muss ich mich wieder an die SPÖ wenden: Warum ist es nicht möglich gewesen, zumindest international anerkannte Grundrechte wie das Grundrecht auf Familienleben hier in Österreich durchzusetzen? Sie wollen das humanitäre Aufent­haltsrecht streichen. Sie wollen binationale Ehen weiter de facto verunmöglichen, die­sen Menschen das Leben schwer machen.

Zu etwas anderem in diesem Bereich: Sie wollen Kompetenzzentren für aufenthaltsbe­endende Maßnahmen, Effizienzsteigerung bei der Abschiebung. Wo endet bei Ihnen die Familienpolitik? Was bedeutet Familie für Sie? Familie hört nicht beim Reisepass auf und auch nicht an der österreichischen Staatsgrenze.

Ein letztes Kapitel, das besonders bedauerlich ist, betrifft die Frauen. Schauen wir uns in diesen Reihen um! Bei der FPÖ und bei der BZÖ kann man die Frauen mit der Lupe suchen. (Abg. Mag. Darmann: Bei dem BZÖ!) – Wie auch immer! Jedenfalls die gibt es nicht, die Frauen, oder nur ganz wenige. Aus Kärnten gibt es im Übrigen keine ein­zige Frau im Parlament, aus dem Burgenland auch nicht. Wer vertritt eigentlich die Kärntnerinnen und die Burgenländerinnen? Die ÖVP schafft es nicht einmal ... (Zwi­schenrufe bei SPÖ und BZÖ.) – Das werde ich ohnehin machen. (Abg. Steibl: Es geht um die Qualität, nicht um die Quantität!)

Die ÖVP schafft es nicht einmal, ihre eigene Frauensprecherin im Parlament zu veran­kern. In der Regierung sitzen jetzt nur mehr sechs Frauen und zwölf Männer. In diesem Haus sind nur 33 Prozent der Abgeordneten Frauen. Ich finde, das darf man sich nicht gefallen lassen als Frau in Österreich. Wirklich nicht! (Beifall bei den Grünen sowie der Abg. Dr. Plassnik.)

Ich meine, wo ist die Mehrheit der Bevölkerung wirklich vertreten? Die Maßnahmen in der Frauenpolitik sind eher so etwas wie ein Wunschkonzert an die Sozialpartner. Da würde ich mir schon von den Frauen insbesondere in dieser Regierung ein bisschen mehr Mut wünschen und auch ein bisschen mehr Anstrengung, denn ohne das wird es nicht gehen.


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Herr Kollege Faymann, abschließend sei gesagt: Wir werden Ihnen vom ersten Tag an sehr, sehr genau auf die Finger schauen. Sie haben Ihre Chance gehabt und Sie soll­ten zur Kenntnis nehmen, dass Österreich keine Zuckerguss-Harmonie braucht, son­dern – und das war vor der Wahl so und ist nach der Wahl so – wir brauchen Entschei­dungen, wir brauchen krisenfeste Entscheidungen, wir brauchen ein bisschen Mut und ein bisschen Vision. Von dem allen habe ich heute ganz wenig gesehen. (Beifall bei den Grünen.)

12.12


Präsident Fritz Neugebauer: Von der Regierungsbank spricht nun Herr Vizekanzler Dipl.-Ing. Pröll. – Bitte.

 


12.12.15

Bundesminister für Finanzen Vizekanzler Dipl.-Ing. Josef Pröll: Sehr geehrter Herr Präsident! Hohes Haus! Meine sehr geehrten Damen und Herren auf der Zuschauerga­lerie und auch zu Hause!

Wir – SPÖ und ÖVP – haben uns erst vor Kurzem, am 23. November 2008 entschie­den, ein gemeinsames Werk für Österreich anzugehen, nach fünf Wochen harter Ver­handlung nun fünf Jahre an Arbeit gemeinsam aufzunehmen. (Abg. Scheibner: Das war schon früher, die Entscheidung!)

Ich will auch keinen Zweifel daran lassen, dass es sich um zwei Parteien mit unter­schiedlicher Geschichte und unterschiedlicher Ideologie handelt (Abg. Dr. Glawisch­nig-Piesczek: Echt?), aber mit einem gemeinsamen Ziel. Es ist gerade dann, wenn wirtschaftlich schwierige Zeiten auf uns zukommen, wohl ein Gebot der Stunde, dass man, wenn man von der Qualität des Regierungsübereinkommens her zusammenkom­men kann, sich dazu entschließt, das zu tun, was die Menschen von uns zu Recht er­warten, nämlich handlungsfähig zu sein, die richtigen Antworten dort zu geben, wo Hil­fe notwendig und gefordert ist. (Beifall bei der ÖVP. – Abg. Strache: Welche Arbeit in den nächsten Jahren?)

Meine lieben Freunde! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Machen wir uns nichts vor! Wir steuern auf ein großes gemeinsames Projekt zu, das wir uns nicht selbst aus­gesucht haben, das sich, kommend aus der Finanzkrise in Amerika, in Europa ausge­weitet hat. Wir stehen vor der Tatsache, dass wir wirtschaftlich enorm herausfordern­den Zeiten – um es optimistisch zu sagen – entgegensehen.

Ich bin auch der felsenfesten Überzeugung, dass wir auf der Regierungsbank nicht al­leine bewältigen können, was da auf uns zukommt, sondern dass wir in vielen Fragen gemeinsam mit Ihnen, mit der Opposition und auch mit den Ländern, mit den Gebiets­körperschaften in Österreich diese große Herausforderung in den nächsten Monaten und Jahren werden bewältigen müssen.

Trotz der Hiobsbotschaften gibt es aber auch für uns durchaus positive Zeichen. Öster­reich steht so gut da wie wenige andere Länder in der Europäischen Union und welt­weit. Das ist der Arbeit der letzten Jahre zu verdanken, dass wir vorbereitet sind, dass wir eine Basis haben, diese Krise, die auf uns zukommt, gemeinsam zu bewältigen. (Beifall bei der ÖVP.)

Es geht daher darum, kühlen Kopf zu bewahren und uns auf die Stärken zu konzentrie­ren, die wir haben: Qualifizierte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, einen wettbe­werbsfähigen Exportsektor, Wohlstand in der Bevölkerung mit sozialem Ausgleich und solide Staatsbilanzen, auf die wir uns stützen können.

Die Grundlagen sind aus meiner Sicht gelegt, die Arbeit kann beginnen. Wir haben drei große politische Ziele zu verfolgen: zum Ersten die Krise zu meistern, zum Zweiten die Menschen zu entlasten und drittens die Wirtschaft zu stärken. (Beifall bei der ÖVP.)


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Das sind die drei großen Bögen, unter denen wir Politik zu gestalten und Politik zu ma­chen haben, und das vor allem hinsichtlich der Verantwortung für die kommenden Ge­nerationen.

Zur Frage der Wirtschaftsstärkung: Meine sehr geehrten Damen und Herren! Oftmals wird so locker gesagt, auf die Unternehmer, auf die Industrie wird geschaut. – Wenn die Unternehmerinnen und Unternehmer dieses Landes, die Industrie nicht schauen, dass das Werkl am Laufen bleibt, dann können wir unser Ziel, Arbeitsplätze zu halten, in einer schwierigen Zeit nicht gemeinsam umsetzen. (Beifall bei ÖVP und SPÖ.)

Deswegen werden wir mit einem eigenen Entlastungspaket gerade für die kleinen und mittleren Unternehmen im Sinne eines ordentlichen Wirtschaftens die richtigen Antwor­ten geben.

Wir haben uns seitens der Österreichischen Volkspartei entschlossen, in diese Regie­rung zu gehen, diese Verantwortung nicht zu delegieren, sondern diese Verantwortung zu übernehmen. Wenn ich als neu gewählter Parteiobmann in meiner Partei für diese Verantwortung bereit bin, die Partei in diese Verantwortung einer Regierungsbildung führen will, dann bin ich auch persönlich bereit, die maximale Verantwortung in diesen Krisenzeiten zu übernehmen. Das Finanzressort ist sicher der Kopf der Finanzverwal­tung, aber es ist sicherlich auch zukünftig das Herz der Politikgestaltung, wenn es da­rum geht, die notwendigen Maßnahmen gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen hier auf der Regierungsbank zu gestalten und die notwendigen Antworten zu finden.

Wir müssen auch in dieser Phase mit Zuversicht und Optimismus Sicherheit geben. Das ist wichtig als Signal von der Politik für die, die im Unternehmertum selbständig sind, die dafür sorgen, dass es entsprechend weitergeht.

Wir müssen parallel dazu etwas tun, um die Menschen zu entlasten. Es muss sich wie­der lohnen, durch Fleiß und Leistung zu Geld zu kommen. Das werden wir tun: mit der größten Steuerreform, die wir uns vorgenommen haben, mit der Senkung der Lohn- und Einkommensteuer, die schon ab 1. Jänner 2009 wirksam werden wird, um eben auch Kaufkraft zu stärken. Wir gehen mit 100 Prozent Energie an diese Entlastung he­ran. (Beifall bei ÖVP und SPÖ.)

Was wir in der Steuerreform vorgesehen haben, ist auch ein klares Bekenntnis zu den Leistungsträgern dieses Landes. Wenn man weiß, dass 13 Prozent der Steuerzahler derzeit 60 Prozent des Lohnsteueraufkommens bestreiten, dann müssen wir gerade für jene Menschen, die das System am Laufen halten, die den Wohlstand sichern und den Sozialstaat ermöglichen, jetzt auch etwas in die Geldbörse zurückgeben. (Beifall bei ÖVP und SPÖ.)

2,2 Milliarden € an Einkommensteuer- und Lohnsteuertarifentlastung, das ist die größte Lohn- und Einkommensteuersenkung, die es in Österreich gegeben hat.

Wir werden 500 Millionen € zur Stärkung der Familien, zur Entlastung der Familien be­reitstellen. Das ist uns viel wert, und das ist richtig so. Wenn man die 13. Familienbei­hilfe im Ausmaß von 250 Millionen € dazuzählt – Willi Molterer hat sie konzipiert und in den letzten Wochen bereits anweisen lassen –, die in Zukunft auch Bestand haben soll, und wenn man das Gratis-Kindergartenjahr dazuzählt, das wir gemeinsam einfüh­ren wollen und werden, dann reden wir über eine Summe von 900 Millionen € für Ös­terreichs Familien. Das ist ein Paket, das sich sehen lassen kann, meine sehr geehrten Damen und Herren! (Beifall bei der ÖVP sowie bei Abgeordneten der SPÖ.)

Die Stärkung der Familien ist für uns kein Lippenbekenntnis, sondern tiefe Überzeu­gung. Ein Ja zum Kind wird damit und darf damit nicht an finanziellen Hürden und


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Gründen scheitern. Auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird in dieser Bun­desregierung ganz zentraler Bestandteil unserer Politik für die Zukunft sein. Mit Chris­tine Marek wird eine Staatssekretärin dafür die entsprechende Verantwortung tragen. Danke dafür, dass du auch mitmachst im Team! (Beifall bei der ÖVP.)

Wir werden für die Familien einen Mix an Maßnahmen anbieten. Er geht vom Kinder­freibetrag, den wir einführen, mit 220 € pro Kind für alle Kinder über den Kinderabsetz­betrag, den wir von 610 € auf 700 € erhöhen werden, über die 13. Familienbeihilfe bis hin zur Erhöhung des Kinderabsetzbetrages und auch der Absetzbarkeit der Kinderbe­treuung, die als neues Element im Steuersystem für die Familien in Österreich umge­setzt werden soll, meine sehr geehrten Damen und Herren! (Beifall bei der ÖVP.)

Was ist der Effekt? Viele Zuschauer werden sich fragen, wie das in der Praxis aus­sieht, wie sich das bei ihnen im Konkreten auswirken wird. Doppelverdienerhaushalt, drei Kinder, Familieneinkommen von 3 800 € – das ergibt eine Nettoentlastung von jährlich 3 660 €.

Wir können in diesem Ausmaß von so etwas wie einem 15., zusätzlichen Gehalt für eine Familie sprechen. Das, meine sehr geehrten Damen und Herren, ist ein Konzept, das sich auszahlt für Österreichs Familien! (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der SPÖ.)

Alleinverdienerhaushalt, ein Kind – um den Bogen zu spannen in der Vielfalt der Fami­lienmodelle und Familienaufstellungen –: Familieneinkommen 1 400 €, eine jährliche Entlastung von 1 320 €. – Auch das wieder ein Zusatzeinkommen im Ausmaß eines Monatsentgeltes durch die Entlastung im Familienpaket.

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Zum zweiten Punkt: Senkung der Lohn- und Einkommensteuer. – Wir werden all jene Menschen, die in Österreich Steuern zahlen, die mit ihrem Einkommen und mit ihrer Steuerbelastung Österreich zu dem gemacht haben, was es ist, die all das, was wir für notwendig erachten für die Zukunft, auch fi­nanzieren, mit 400 € im untersten Bereich bis 1 350 € pro Jahr im oberen Einkom­mensbereich entlasten. In dieser Bandbreite wird sich die Lohn- und Einkommen­steuerentlastung einpendeln. Wir werden alle Einkommensteuer- und Lohnsteuersätze entsprechend entlasten – auch das wird sich für die Steuerzahler entsprechend aus­zahlen. (Beifall bei der ÖVP.)

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wir stärken auch den kleinen und mittleren Unternehmen in einer schwierigen Zeit den Rücken. Wir haben gegen Ende der Ver­handlungen sehr hart darum gerungen, diese Idee, die in der Wirtschaft geboren wur­de – 13., 14. adäquat für die Klein- und Mittelunternehmen –, umzusetzen, und wir wer­den mit einem Analogmodell auch die Selbständigen, die in Österreich für knapp 60 Prozent der Arbeitsplätze Verantwortung tragen, bei dieser Steuerreform berück­sichtigen. Wir werden für die einkommensteuerpflichtigen Selbständigen den Freibe­trag von derzeit 10 auf 13 Prozent erhöhen und auf alle betrieblichen Einkunfts- und Gewinnermittlungsarten ausdehnen. – Ein wichtiger Schritt für die, die wirtschaften und unternehmerisch in Österreich tätig sind. (Beifall bei der ÖVP.)

Ich brauche jetzt gar nicht mehr so sehr auf das Konjunkturprogramm einzugehen, das Österreich als eines der ersten Länder der Europäischen Union federführend entwickelt und umgesetzt hat. Sie wissen um die Diskussion um 200 Milliarden € in der EU. Wie geht es weiter, wie soll das implementiert werden, haben die Nationalstaaten über das, was sie getan haben, hinaus noch Handlungsbedarf, ja oder nein? – Unser Konjunktur­paket, unsere Konjunkturpakete stehen! Wir werden sie in Kürze umsetzen, und sie werden das bringen, was wir uns vorgenommen haben, nämlich: in einer Konjunkturab­schwungphase Sicherheit und Halt zu geben.


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Ich nenne hier nur ein paar Eckpfeiler, weil es notwendig ist, über die Dinge auch Klar­text zu reden:

Investitionsanreize in Form der vorzeitigen Abschreibung: 570 Millionen €; 700 Millio­nen € für zusätzliche Bahninvestitionen; 100 Millionen € – ich kann mich erinnern an die vielen Debatten in meiner Zeit als Umweltminister über das Investment für den Kli­maschutz – für die thermische Sanierung; 75 Millionen € für regionale Beschäftigungs­programme, 50 Millionen € für Forschung und Entwicklung. Und der Bund wird mit Haf­tungsrahmen auch dafür sorgen, dass die Wirtschaft in Österreich Zugang zu Kapital und Kapitalmärkten hat, um Finanzierungen und Investitionen vorzunehmen, meine sehr geehrten Damen und Herren! (Beifall bei der ÖVP sowie bei Abgeordneten der SPÖ.)

Federführend dafür wird Reinhold Mitterlehner in einem neuen Team seine Verantwor­tung wahrnehmen, damit diese Dinge, die gut sind für die Wirtschaft und damit gut für jeden Arbeitnehmer und jede Arbeitnehmerin, entsprechend kompetent umgesetzt wer­den.

Dritter Punkt: Landwirtschaftspolitik, meine sehr geehrten Damen und Herren; auch ein wichtiger Bestandteil im Regierungsprogramm, und das nicht nur deshalb, weil wir stolz sind auf unsere bäuerliche Landwirtschaft, sondern auch, weil in der Frage der Landwirtschaftspolitik in der Europäischen Union in den nächsten Jahren in Bezug auf die Reformbereitschaft, die Reformnotwendigkeit, die Finanzierungsnotwendigkeit ganz neue Herausforderungen auf uns zukommen. Wir werden auch in Zukunft jeden Euro aus Brüssel abholen, auch zur Finanzierung unserer Programme in der Landwirtschaft und der ländlichen Regionen. Mit Nikolaus Berlakovich ist einer an Bord, der weiß, wie es geht. Er kommt aus dem Burgenland und hat dort diese Verantwortung schon wahr­genommen. Das kann uns sicher machen, dass die bäuerliche Landwirtschaft in Öster­reich Zukunft hat. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der SPÖ.)

Er wird natürlich auch die Frage Klima- und Umweltschutz insgesamt zu betreuen haben und in Entsprechung der Herausforderung, in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nicht auf Umwelt- und Klimaschutz zu vergessen, die notwendigen Antworten zu geben haben. Ich halte nichts davon – wie ich das derzeit mancherorts höre, auch, und ich muss das so ausdrücken, aus dem gewerkschaftlichen Eck –, zu sagen: Jetzt gibt es die Wirtschaftskrise, weg mit Klimaschutz und Klimaschutzbemühungen! Man darf das eine gegen das andere nicht ausspielen. Nur weil die Wirtschaftskrise gekommen ist, ist die Klimaveränderung noch lange nicht gestoppt. (Beifall bei der ÖVP sowie bei Ab­geordneten der SPÖ.)

Wir haben auch in diesem Bereich entsprechend weiterzudenken, fossile Energieträger zu reduzieren, Klimaschutz zum Exportmotor und zum Arbeitsplatzmotor Nummer eins werden zu lassen.

Bildung und Wissenschaft, meine sehr geehrten Damen und Herren, wohl die Voraus­setzungen schlechthin für die Zukunft in Österreich. – Was wir hier investieren, ist In­vestment in die Zukunft. Wie wenig andere Euro werden die Euro im Bereich Bildung und Wissen auch Wurzeln bekommen und zu Bäumen heranwachsen. Wir haben vor, die entsprechenden Schritte dafür zu setzen. Ich habe mit Gio Hahn jemanden an mei­ner Seite – auch er sei willkommen im Team –, der Erfahrung hat in diesen Bereichen.

Ich freue mich sehr, dass wir drei Eckpunkte im Regierungsübereinkommen determi­niert haben.

Zum Ersten: Die undifferenzierte Gesamtschule wird es nicht geben, sondern wir wer­den das, was an Schulversuchen da ist, entwickeln, in Zukunft weniger über Strukturen diskutieren, sondern mehr über Qualität und Bildungsziele für unsere Kinder, und wir werden darauf achten, dass sowohl die Vielfalt an als auch die Wahlfreiheit zwischen


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Gymnasium und Hauptschule und auch neuen Projekten, die auf den Weg gebracht werden sollen und müssen, auch in Zukunft gegeben ist.

Besondere Begabtenförderung und die Ausbildungsgarantie bis zum 18. Lebensjahr sind Dinge, die wir für notwendig erachtet haben und die sich im gemeinsamen Regie­rungsübereinkommen auch wiederfinden.

Der Kindergarten als Bildungseinrichtung, das letzte Kindergartenjahr halbtags gratis sind Investments für die Zukunft unseres Bildungssystems und unserer Kinder. (Beifall bei der ÖVP sowie bei Abgeordneten der SPÖ.)

Meine sehr geehrten Damen und Herren, als weiterer wichtiger Standortfaktor für unser Land und für unsere Zukunft ganz besonders bedeutsam ist ohne Zweifel das Recht der Bevölkerung auf maximale Sicherheit. Ich will, dass sich die Menschen in Öster­reich auch weiterhin wohlfühlen können, deshalb haben wir mit der Sicherheitsoffensi­ve im Regierungsprogramm einen wirklichen Schwerpunkt gesetzt. – Ich danke Maria Theresia Fekter für ihr Engagement in diesem Bereich, und ich sage ihr auch: Lass dich von diesem Weg nicht abbringen! Es ist notwendig, in einem sehr sensiblen The­ma die notwendigen Schritte zu setzen. Mit 1 000 Ausbildungsplätzen mehr für die Po­lizei – das wurde heute schon angesprochen – wird eine Grundlage gelegt. Aber es ist auch klar, dass wir schärfer und klarer trennen müssen zwischen Menschen, die Asyl, Schutz und Hilfe brauchen und auch bekommen sollen, und jenen, die mit Asylmiss­brauch und Kriminalität unter dem Deckmantel von Asyl anderes im Sinne haben. (Bei­fall bei der ÖVP sowie bei Abgeordneten der SPÖ.)

Wir brauchen eine geregelte, bessere Zuwanderungspolitik. Mit der Rot-Weiß-Rot-Card – ähnlich der Green-Card in den USA – wird es uns gelingen, mit Parametern, die wir festschreiben wollen – Kenntnis der deutschen Sprache, Qualifikation und Ausbil­dung als Kriterium, Auswirkung auf den Arbeitsmarkt und Unbescholtenheit –, Zuwan­derung zukünftig stärker zu regeln, zu kontrollieren und die notwendigen, auch für Ös­terreichs Wirtschaft notwendigen Schritte gezielt und gemeinsam auf den Weg zu brin­gen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, Sicherheit zu gewähren, bezieht sich aber nicht nur auf die Frage der inneren Sicherheit. Wir haben auch die Aufgabe – und da spreche ich ein Thema gerade im Hinblick auf die Jugend dieses Landes an –, uns die Frage zu stellen: Was ist notwendig für die Jugend im Sinne des Generationenvertra­ges und der Verlässlichkeit für die Zukunft? Welche Schritte müssen zum Beispiel im Pensionssystem gesetzt werden, damit neben der zweiten und dritten Säule vor allem die erste Säule verlässlich in die Zukunft getragen werden kann? Das wird nicht gehen, indem man die Geschichte und den Status quo in die Zukunft führt, sondern das wird nur dadurch gehen, dass wir uns im Pensionssystem fit halten, die notwendigen Refor­men und Schritte setzen, damit auch unsere Jugend noch Anspruch darauf hat und in den Genuss von Pensionen kommt, die dieses Wort noch verdienen, meine sehr ge­ehrten Damen und Herren! (Beifall bei der ÖVP.)

Wir werden auch im Gesundheitsbereich einen Wunsch nicht erfüllen können, der da heißt: Geld her für die kranken Kassen – und damit hat es sich, sondern wir müssen im Gesundheitssystem zur Sicherung der Qualität für die Krankenkassen im Gegenzug zu Geld, das wir gerne bereitstellen wollen – ab dem Jahr 2010 im Ausmaß von 110 Mil­lionen € pro Jahr –, vor allem eines verlangen: Reform, Reform, Reform! Wir müssen in diesem Bereich, auch in uns selbst, in den Kassen, im System, alles ausloten, was an Kooperation, was an Möglichkeiten für die Zukunft da ist, und erst dann werden wir über Geldmittel in diesem Bereich zu reden haben.

Hilfe dann, wenn Selbsthilfe bereits angelaufen ist, meine sehr geehrten Damen und Herren – ein Grundprinzip, das ich für notwendig erachte. (Beifall bei der ÖVP.)


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Die Finanzkrise hat in diesen Tagen und Wochen auch eines ganz klar und deutlich gezeigt: War die EU-Skepsis in Österreich durchaus sehr weit verbreitet, so hat – viele Auswertungen und Umfragen zeigen das – die Finanzkrise dazu geführt, dass die Zu­stimmung zur Europäischen Union (Abg. Strache: Na geh! Na bitte!) – Kollege Stra­che, lesen Sie Statistiken, beschäftigen Sie sich mit den Auswertungen, dann sehen Sie das auch! –, dass die Zustimmung zur Europäischen Union gewachsen ist, weil er­kannt wurde, dass die große Herausforderung, vor der wir stehen, nicht nur im nationa­len Alleingang und in der Abgrenzung und in der Abschottung zu erledigen sein wird, sondern dass gerade das Friedens- und Wirtschaftsprojekt der Europäischen Union unglaubliche Dienste geleistet hat und noch leisten wird. (Abg. Strache: Bitte nicht aus dem Märchenbuch!)

Es wird unsere Aufgabe als Bundesregierung sein, für Europa auch in Österreich ge­meinsam Stimmung zu machen (Abg. Strache: Rot-weiß-rote Interessen in den Vor­dergrund stellen sollte Ihre Aufgabe sein!), unverzüglich darauf zu achten, dass das, was notwendig ist, gemeinsam umgesetzt wird. Die ÖVP ist der Garant dafür, dass wir in einer offensiven Europapolitik niemals auf der Bremse, sondern im Zweifelsfall im­mer auf dem Gas stehen werden, meine sehr geehrten Damen und Herren. (Beifall bei der ÖVP.)

Mit Michael Spindelegger ist auch einer mit an Bord, der Garant ist für die Bewältigung der Aufgaben, die hier auf uns warten. (Beifall bei der ÖVP sowie bei Abgeordneten der SPÖ.)

Meine sehr geehrten Damen und Herren, es ist tatsächlich so, dass ich schon von Re­gierungsseite und auch von vielen anderen, deren Wünsche im Regierungspaket fest­gemacht worden sind, vernommen habe: Es muss mehr Geld her für Ressorts (Abg. Ing. Westenthaler: Falsch! Weniger Ressorts, das wäre es gewesen!), es muss mehr Geld her für verschiedene politische Ziele, die notwendig und richtig sind! Ich appelliere daher von dieser Stelle aus als neuer Finanzminister – und ich darf an meiner Seite die Herren Reinhold Lopatka und Andreas Schieder ausdrücklich erwähnen –: Wir dürfen trotz Krisen, Herausforderungen, der Notwendigkeit von Investitionen für unsere Wirt­schaft, um den Kreislauf aufrechtzuerhalten, eines niemals aus der Hand geben und ein Prinzip niemals vergessen: Die Schulden von heute sind die Sparpakete von mor­gen! Wir zahlen heute noch an jenen Schulden, die vor Jahren und Jahrzehnten (Abg. Vilimsky: Rot und Schwarz gemacht haben! Sagen Sie es nur!) in Österreich gemacht wurden.

Deshalb müssen wir in Wirtschaft, in Bildung, in Infrastruktur, in Arbeit investieren, das ist überhaupt keine Frage, wir dürfen aber dabei nicht über unsere Verhältnisse leben. Sie können bei mir davon ausgehen, dass ich bereit bin, kraftvoll zu helfen, aber auch maßvoll hauszuhalten. Das Prinzip des ordentlichen Kaufmannes darf vor allem in einer Krise nicht über Bord geworfen werden – im Gegenteil! Wir wissen nicht, wie lan­ge die Krise dauert, wie viel Freiraum wir in den nächsten Jahren noch brauchen, und deshalb werden wir ganz sorgsam mit den Staatsfinanzen, mit den Budgetverhandlun­gen, mit den Notwendigkeiten, die jetzt auf uns zukommen, umgehen, um in Zukunft die richtigen Antworten und Möglichkeiten auch finanzieller Natur noch in der Hand zu haben.

Dazu müssen wir als Republik insgesamt leistungsstärker und dynamischer werden. Auch wenn manche heute die Arbeitsgruppen und die Ideen mit Rechnungshof, mit Wirtschaftsforschungsinstituten, mit dem Wifo, mit dem IHS und anderen, so abtun als eine Gruppe, die eben eingesetzt wird, um irgendetwas zu erledigen und dann unterm Teppich verschwinden zu lassen – das Gegenteil ist der Fall! Ich erwarte mir gerade von denen, die uns außerhalb der Regierung begleiten, im wissenschaftlichen, im wirt­schaftlichen Bereich Inputs, wie wir die Frage Konjunkturzyklus, wie wir die Frage Kon-


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solidierung gemeinsam angehen können. Da haben wir gemeinsam – wir, die Republik, die Bundesländer und die Gebietskörperschaften und die Ressorts – in Österreich gro­ße Aufgaben vor uns, aber es ist allemal besser, im System zu sparen als bei den Menschen. (Beifall bei der ÖVP sowie bei Abgeordneten der SPÖ.)

In diesem Sinne: Gehen wir mit Engagement auf Basis eines Regierungsübereinkom­mens, das eine tragfähige Basis für die nächsten fünf Jahre darstellt, ans Werk! Ich sa­ge auch dazu, ganz im Geiste der Einrichtung der Österreich-Gespräche: Ich werde mich dafür einsetzen, dass der Diskurs, die offene Diskussion und die Einbindung der Opposition auf diesem Weg in den nächsten fünf Jahren funktionieren werden, weil wir wissen, dass wir viele jener Mammutaufgaben, die auf uns zukommen, die im Regie­rungsübereinkommen noch gar nicht implementiert werden konnten, gemeinsam ange­hen müssen, dass wir eine Zweidrittelmehrheit in der einen oder anderen Frage brau­chen und dass wir – ich bin jedenfalls dazu bereit – daher den Kontakt mit der Opposi­tion entsprechend führen müssen.

Ich lade Sie ein zu dieser gemeinsamen Arbeit für Österreich. Die Menschen warten darauf, dass nicht gestritten, sondern gemeinsam gearbeitet wird – in der Regierung, aber auch hier im Hohen Haus. In diesem Sinne freut es mich sehr: Mit neuer Kraft für Österreich! (Beifall bei ÖVP und SPÖ und Bravorufe bei der ÖVP.)

12.36


Präsident Fritz Neugebauer: Ich danke dem Herrn Vizekanzler.

Zu Wort gemeldet ist nun Herr Kollege Weinzinger. – Bitte.

 


12.36.08

Abgeordneter Lutz Weinzinger (FPÖ): Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren auf der Regierungsbank! Hohes Haus! Ist Ihnen aufgefallen, dass der Klub­obmann der SPÖ, also der den Kanzler stellenden Partei, die Regierungserklärung sei­nes Bundeskanzlers in seinen Ausführungen nicht einmal gestreift hat? Cap hat sie nicht erwähnt in seiner Rede; er war sehr froh und glücklich darüber, dass vor ihm Heinz-Christian Strache gesprochen hat (Abg. Riepl: Der keine Vorschläge gemacht hat!), dessen Rede er zerpflücken wollte – was ihm natürlich nicht gelungen ist. (Beifall bei der FPÖ.)

Auf die Rede des Bundeskanzlers, auf die Erklärung einer Regierung, die – wie wir hö­ren, es aber nicht ganz glauben – fünf Jahre lang wirken will, ist er nicht eingegangen, der Klubobmann der Regierungspartei SPÖ, die den Bundeskanzler stellt.

Das ist aber auch kein Wunder, Herr Bundeskanzler. Die SPÖ hat zwar in Wien den Nikolaus abgeschafft – Vorsicht, Herr Landwirtschaftsminister, passen Sie auf Ihren Vornamen auf! –, doch Sie, Herr Bundeskanzler, haben gesprochen, als würden Sie aus dem Goldenen Buch des Nikolaus lesen. Sie haben auch gelesen, aber das ist in Ordnung; es ist ja ganz klar, dass man eine Regierungserklärung herunterliest. Man könnte vielleicht ein paar Höhen und Tiefen einbauen, aber das ist Geschmackssache. Nur, angesichts dessen, was Sie gesagt haben, hätten Sie uns Ihre Regierungserklä­rung nicht einen Tag beziehungsweise einige Stunden vorher schriftlich zukommen las­sen müssen, denn das hätten wir gewusst. Wir hätten nur wissen müssen, welche Res­sorts Sie wie reihen, denn was Sie dazu sagen, war vollkommen klar. Sie haben zu al­lem irgendwelche Absichtserklärungen abgegeben, aber herausgekommen ist im End­effekt nichts. Wir wissen inzwischen nur, dass die Absichtserklärungen auch nicht alle ernst zu nehmen sind, denn deren Umsetzung ist nur dann möglich, wenn man ent­sprechende Budgetbedeckungen zustande bringt, also wenn wir, die Bürger, mehr Steuern zahlen.


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Meine Damen und Herren, der Herr Vizekanzler war da eigentlich schon etwas konkre­ter. Er hat immerhin drei Punkte angeführt: Krise meistern, Menschen entlasten, Wirt­schaft stärken.

Lassen Sie mich zunächst einmal auf das „Menschen entlasten“ eingehen. „Menschen entlasten“ heißt im gegebenen Fall, weil der Herr Vizekanzler zugleich auch der Fi­nanzminister ist, eine Steuerreform. Er sprach tatsächlich von der größten Steuerre­form aller Zeiten. Ich weiß nicht, ob der ehemalige Finanzminister Lacina sich das an­gehört hat, aber wenn ja, wird er vermutlich zu einem Glas Weizenbier gegriffen haben, um den Ärger hinunterzuspülen. Wenn man nämlich von einer Steuerreform sprechen kann, die tatsächlich etwas gebracht hat, dann war das einzig die von Finanzminister Lacina, meine Damen und Herren! (Beifall bei der FPÖ.)

Diese Steuerreform, mit der wir jetzt zu rechnen haben, ist, wenn man es genau nimmt, nichts anderes als eine Tarifanpassung, eine Tarifanpassung, die sehr, sehr spät kommt, weil unsere Mitbürger und vor allem der Mittelstand, der ja immer ausgesaugt wird, seit Jahr und Tag auf Grund der kalten Progression mehr und mehr und mehr an Steuern zahlen. Jeder Finanzminister dieser Republik hat das natürlich immer gewusst und hat immer ein wenig damit gerechnet. Sie haben aber diesmal offensichtlich be­sonders stark damit gerechnet. 2,2 Milliarden €, das ist die Tarifanpassung, die im End­effekt unseren Bürgern etwas bringt.

Aber nicht hinzugefügt haben Sie Ihren drei Punkten jene Punkte, die unseren Mitbür­gern wirklich auf den Fingernägeln brennen. Die eine Frage ist die Zuwanderung, die il­legale Einwanderung, die Sicherheit unseres Landes und das Verhältnis zur EU. Im Verhältnis zur EU müssen wir endlich einmal klarstellen, was diese unsere Republik Österreich in Hinblick auf die EU will und was sie für Absichten hat: Wollen wir ein sou­veräner Staat in einem Staatenbund bleiben? Oder wollen wir eine Art Bundesland in einem Bundesstaat werden?

Das ist die Frage, die wir uns zu stellen haben (Beifall bei der FPÖ) – und nicht dieses ewige Wischiwaschi: Wir werden als starker Staat in dieser Integration des europäi­schen Sicherheits- und Friedenswerkes drinnen bleiben und drinnen sein und als star­ker Staat mitwirken. Als wer werden wir mitwirken?, das ist die Frage! Als souveräner Staat in einem Staatenbund? Oder als ein Bundesland in einem Bundesstaat?

Das müsste dann auch die Grundvoraussetzung für eventuelle Staatsreformen in Ös­terreich sein. Denn dann steht eines fest: Dann müssen wir darum kämpfen, wenn wir wirklich zu einem Bundesland eines Bundesstaates werden (Zwischenbemerkung von Vizekanzler Dipl.-Ing. Pröll – Abg. Strache: Das ist Herrn Prölls Kurs!), dann müssen wir darum kämpfen, dass wir uns dort ein wenig Eigenentscheidung erhalten können, so wie es momentan die Bundesländer gegenüber unserer Republik machen.

Meine Damen und Herren, ich wünsche dieser Regierung zum Wohle unseres Landes, dass ihr möglichst vieles und Gutes gelingt. Ich befürchte aber in Hinblick auf das, was ich bis jetzt gehört, gesehen und gelesen habe, dass das nicht gelingen wird. Und da­zu, meine Damen und Herren, ist ja auch die Opposition da, nämlich darauf aufzupas­sen, dass Sie nicht über die Stränge schlagen. In diesem Sinne wünsche ich der Op­position und der Regierung ein fröhliches Zusammenarbeiten. (Beifall bei der FPÖ. – Heiterkeit des Vizekanzlers Dipl.-Ing. Pröll.)

12.42


Präsident Fritz Neugebauer: Als Nächster zu Wort gemeldet ist Kollege Jakob Auer. – Bitte.

 


12.42.47

Abgeordneter Jakob Auer (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren auf der Regierungsbank! Ja, Herr Kollege Weinzinger, in einem


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pflichte ich dir bei: Auch wir wünschen der Regierung und der Opposition eine positive Zusammenarbeit – in Abwandlung dessen, was du meintest, nämlich einer „fröhlichen Zusammenarbeit“. (Beifall bei der ÖVP sowie bei Abgeordneten der SPÖ.)

Meine Damen und Herren, ich habe einen bemerkenswerten Artikel gelesen, der von einer durchaus populären Oppositionspolitikerin stammt. Es war dies Kollegin Langtha­ler von den Grünen, die einmal meinte: Manchmal gibt es auch von der Opposition „blöde Vorschläge“; wörtliches Zitat. (Abg. Strache: Die ist heute populär?) Diesen Vorwurf kann ich Ihnen heute nicht machen (Abg. Strache: Wer kennt diese Dame?), denn von Ihnen kamen keine, meine Damen und Herren. (Beifall bei der ÖVP sowie bei Abgeordneten der SPÖ.)

Herr Kollege Strache, ein bisschen zur Erinnerung und Gedächtnisauffrischung, weil Sie meinten: Die Einzige hier, die in der Privatwirtschaft tätig war, sei Kollegin Fekter. – Meine Damen und Herren, Herr Kollege Strache! Herr Landwirtschaftsminister Niki Berlakovich hat immerhin seinen Betrieb geführt – Landwirtschaft –, Kollegin Marek war immerhin über zehn Jahre in einem privatwirtschaftlichen Betrieb als Angestellte tätig (Abg. Strache: Wie lange ist das her?), und Kollege Hahn war immerhin auch in einem Betrieb Vorstandsvorsitzender, Herr Kollege Strache. (Abg. Strache: Novoma­tic!) Sie sollten dies alles nicht vergessen! (Abg. Strache: Das sind genau die ge­schützten Bereiche!) Sie sollten dies alles nicht vergessen, meine Damen und Herren. (Abg. Strache: ... mit Spielbetrieb! Das sind genau die geschützten Bereiche! – Weite­re Zwischenrufe bei der FPÖ.)

Herr Kollege Strache, Sie meinten weiters, Sie machen sich um die Zukunft des Vize­kanzlers Pröll an und für sich Sorgen, denn er hätte keine Zukunft. – Sorgen Sie sich nicht um seine Zukunft, Sie sollten sich um Ihre Vergangenheit kümmern, meine Da­men und Herren! (Beifall bei der ÖVP sowie bei Abgeordneten der SPÖ.)

Meine Damen und Herren! Ich habe mir die Regierungserklärung des Herrn Bundes­kanzlers Faymann tatsächlich ein wenig durchgelesen und angesehen. Ja, er hat recht, wenn er meint, man sollte nicht denen die Schuld in die Schuhe schieben, die absolut nichts für diese Finanzkrise können. Er sagte: die Arbeitnehmer; dem ist beizupflichten. Aber er hat vergessen, dass auch die Bauern nichts dafürkönnen und dass die Gewer­betreibenden nichts dafürkönnen. Das sei auch dem Herrn Bundeskanzler mitgegeben! (Beifall bei der ÖVP.)

Meine Damen und Herren, interessant ist, wenn in dieser Regierungserklärung zu le­sen ist, dass einiges wichtig wäre: der Abbau von Doppelgleisigkeiten und so weiter, Verwaltungsreform, um mehr Effizienz zu erzielen. – Ja, dem ist beizupflichten.

Hier wird darauf hingewiesen, dass eine Arbeitsgruppe, bestehend aus dem Finanz­minister, zwei Landeshauptleuten, Wirtschaftsforschern und so weiter, unter dem Vorsitz des Herrn Bundeskanzlers eingesetzt werden soll. (Abg. Strache: Wenn ich nicht mehr weiterweiß, gründ’ ich einen Arbeitskreis! 75 Arbeitskreise!) Daran ist nichts zu bekritteln, außer: Man hat wiederum auf die Gemeinden vergessen! Die Vertreter des Gemeinde- und Städtebundes sollten aber, wenn man schon Reformen angeht, die einschneidend auch in diese Bereiche hinein zielen, als wichtige Repräsentanten dabei nicht vergessen werden, meine Damen und Herren. (Beifall bei ÖVP und SPÖ. – Abg. Strache: Der Rechnungshof sollte auch alle prüfen können!)

Eines ist bemerkenswert, und das freut mich: Es ist zumindest einmal ein Riesenvor­teil, wenn Herr Bundeskanzler Faymann zum Kapitel Landwirtschaft doch einige be­merkenswerte und wichtige Hinweise gibt. Da weist er darauf hin, dass gerade auf Grund der Kleinstrukturierung der österreichischen bäuerlichen Betriebe diesem Wirt­schaftszweig eine besondere Bedeutung zukommt. Das hätte ich mir in den letzten Mo­naten auch von der Arbeiterkammer gewünscht, was diese unselige Preisdiskussion


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betrifft! Denn man kann nicht von einer klein strukturierten Bauernschaft in Österreich die höchste Qualität, die Erfüllung der größten Anforderungen und Preise wie auf dem Weltmarkt verlangen. (Beifall bei der ÖVP.)

Kein Einziger in Österreich würde sich bieten lassen, dass er einen Lohn wie vor 20 Jahren erhält, dass die sozialrechtlichen Bedingungen wie in Europa und ebenso andere Bereiche als Maßstab herangezogen werden – nur, von den österreichischen Bauern verlangt man den Weltmarktpreis unter schwierigeren Bedingungen des Tier­schutzes, der Größe der Betriebe und vieler anderer Bereiche! Wenn man haben will, dass man nicht weiß, wie irgendwo in Europa erzeugt wird, dann kann man alles im­portieren. Aber eines wird man nicht können, nämlich österreichische Landschaft zu importieren! (Beifall bei der ÖVP.) Das hat gerade auch für den österreichischen Tou­rismus eine besondere Bedeutung.

Meine Damen und Herren, ich hätte mir gewünscht, dass seitens der Opposition doch einige Vorschläge gekommen wären. Es wäre ja durchaus möglich, dass man hier den Wettbewerb und die besseren politischen Ideen diskutiert. Aber es ist wiederum einge­treten, was ich seit 1983 hier erlebe: Die Regierung lobt ihr eigenes Projekt – no na –, und die Opposition kritisiert dieses Projekt. Aber dass von der Opposition ein Vor­schlag kommt, wie man, dem gegenübergestellt, etwas besser machen könnte, ver­nünftiger, das ist wiederum nicht passiert, und das ist schade. Man könnte daher Ihre Beiträge abhaken unter dem Titel: konzeptlos, hilflos, erfolglos. (Beifall bei der ÖVP. – Zwischenrufe bei der FPÖ.)

Meine Damen und Herren, zwei Punkte darf ich in diesem Bereich noch ansprechen. Ich bitte die Regierung und vor allem unseren neuen Finanzminister Pröll, auf europäi­scher und internationaler Ebene dringend dafür Sorge zu tragen, dass eine Neuord­nung des internationalen Finanzsystems wirklich zügig angegangen wird. (Präsident Neugebauer gibt das Glockenzeichen.)

Es kann nicht sein, dass gewisse Zocker auf der Welt schwer erspartes Geld verspie­len und Wirtschaftskrisen fabriziert werden, weil man meinte, man könnte aus nichts auch Geld machen, man könnte aus nichts auch etwas erwirtschaften. Es muss so sein (Abg. Dr. Pirklhuber: Da haben aber alle mitgespielt!), dass man diesen Leuten das Handwerk legt. (Präsident Neugebauer gibt neuerlich das Glockenzeichen.) Wir brau­chen dazu eine europäische Rating-Agentur und eine europäische Finanzmarktauf­sicht, um hier besser gewappnet zu sein. (Beifall bei der ÖVP.)

12.49


Präsident Fritz Neugebauer: Als Nächster spricht Kollege Abgeordneter Scheibner. – Bitte.

 


12.49.31

Abgeordneter Herbert Scheibner (BZÖ): Herr Präsident! Meine Damen und Herren von der Bundesregierung! (Vizekanzler Dipl.-Ing. Pröll: Lesen Sie noch einmal alles vor!) – Ich soll das noch einmal vorlesen? Nein, Lesungen haben wir heute schon ge­nug gehört, Herr Vizekanzler. Wir Abgeordnete präferieren die freie Rede. Ich hoffe, das ist auf der Regierungsbank, in Zukunft zumindest, auch der Fall.

Sie aber, Herr Vizekanzler – wenn Sie mich schon aus dem Hintergrund ansprechen –, haben gesagt: „mit neuer Kraft für Österreich“. Jetzt ist die Frage: Wo kommt denn die­se neue Kraft her, oder, besser gesagt, wo soll sie herkommen? (Abg. Donabauer – in Richtung Regierungsbank deutend –: Von da!) Denn: Wir haben jetzt eine Bundesre­gierung, die in Wirklichkeit sehr, sehr alt ist, wenn auch vielleicht nicht an Lebensjah­ren. (Beifall beim BZÖ.) Aber die zwei, die jetzt als Kanzler und als Vizekanzler die Verantwortung haben, die hatten auch die Verantwortung in der alten Regierung, und zwar als Koordinatoren. (Vizekanzler Dipl.-Ing. Pröll: Geh!) – Was heißt „Geh!“? Was


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wart ihr dann für Koordinatoren? – Ich war auch einmal Koordinator einer, wie ich glau­be, besseren Regierung, damals in den Jahren 2000 bis 2006. (Beifall beim BZÖ.) Und es gab keine Maßnahme in der Regierung, die nicht das Okay, das Placet der Koordi­natoren gehabt hat!

Das heißt, Sie sind verantwortlich für das Desaster der zweijährigen Koalition von Rot und Schwarz. Wir haben alle schon einmal gesagt: Man hätte nicht geglaubt, dass man einmal sagt, Gusenbauer und Molterer haben es eigentlich ganz gut gemacht im Ver­hältnis zu dem, was uns heute hier als neue Kraft der Bundesregierung präsentiert worden ist.

Herr Vizekanzler und Herr Bundeskanzler! Es fragen sich die Leute – und das werden auch Sie gefragt werden –: Wozu haben wir denn am 28. September eine Nationalrats­wahl gehabt? Wozu? Was ist jetzt anders geworden? – Ja, Sie haben Ihre Chefs ir­gendwo versorgt oder entsorgt, und jetzt sind die Koordinatoren, die das ganze Desas­ter mit verursacht haben, eben an der ersten Stelle. Wenn man sich erhofft hätte, dass in diesem Regierungsprogramm eine neue Kraft ist (das Regierungsprogramm in die Hand nehmend): Ja, man braucht Kraft, um das öfter in die Luft zu werfen, aber inhalt­lich ist wenig Kraft dabei, Herr Vizekanzler!

Es ist auch gesagt worden, dass man nicht alles kritisieren soll. Das tun wir ohnehin nicht, denn das alles kann man in sechs Minuten Redezeit gar nicht kritisieren. Aber wenn hier 80 Mal ein Budgetvorbehalt gemacht worden ist, 18 Arbeitsgruppen einge­setzt werden, 23 Kommissionen, 30 Expertengruppen, lieber Kollege Auer, was soll man dann dazu sagen? – Man kann nicht über etwas diskutieren, was ihr selbst noch nicht wisst. (Zwischenruf des Abg. Dr. Haimbuchner.) Und so begeistert von dem Re­gierungsprogramm dürftest auch du nicht sein, wenn ich deinen Redebeitrag hier rich­tig aufgefasst habe. (Beifall beim BZÖ.)

Wenn konkrete Vorschläge gefragt sind, zum Beispiel in der Agrarpolitik, dann darf ich Ihnen auch als Nicht-Agrarexperte sagen, dass es eine Aufgabe für diese Bundesre­gierung wäre, einmal darauf zu schauen, dass auf der EU-Ebene nicht die Agrarfabri­ken in den Ländern – etwa in Großbritannien die Queen als größte Subventionsemp­fängerin oder die niederländischen Agrarfabriken – in erster Linie subventioniert wer­den, sondern unsere klein- und mittelständische Agrarstruktur. Das wäre eine Aufgabe einer aktiven Bundesregierung. (Beifall beim BZÖ.) Da werden wir sehr gespannt sein, wie ihr das umsetzt.

Das Bankenpaket ist angesprochen worden. Ja, wir haben auch als Opposition hier diesem Bankenpaket zugestimmt. (Abg. Bucher: Aus gutem Grund!) Es ist schon Wo­chen her, und damals hat man gesagt: Das ist ganz dringlich! – Natürlich, es wäre dringlich gewesen. Aber warum ist es noch nicht umgesetzt?

Ich höre, dass einige, die in dieser Gesellschaft eingesetzt worden sind, als wichtigstes Problem gehabt haben, dass sie ordentliche Büros haben, um dann zu arbeiten zu be­ginnen. Ausführungserlässe sind noch nicht gemacht worden. Die klein- und mittelstän­dische Wirtschaft, die Sie jetzt so unterstützen wollen – und es wäre notwendig! –, war­tet noch immer auf Kredite (Abg. Mag. Stadler: Schon zwei Monate!), weil die Banken noch immer ihre Safes geschlossen halten. Die sitzen auf dem Geld. 100 Milliarden € an Steuergeld haben wir garantiert, und es wird nichts weitergegeben. Da würden wir uns etwas erwarten, Herr Vizekanzler, Herr Bundeskanzler, von einer aktiven Regie­rung, die rasch handelt!

Oder die Steuerentlastung: 2,2 Milliarden €; ja, es ist gut. Auch das Familienpaket ist interessant. Da wollen wir nicht alles kritisieren. Aber in einer Wirtschaftskrise, wie wir sie jetzt haben, hätte man mehr Mut und mehr Initiative erwartet. So wie auch die Wirt-


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schaftsexperten sagen: Mit mindestens 4 bis 6 Milliarden € hätte diese steuerliche Ent­lastung ausfallen sollen. (Beifall beim BZÖ.) Das wären die Initiativen einer Regierung mit Kraft gewesen.

Oder im Bildungsbereich: Meine Damen und Herren, Sie sagen immer, man will kein Zwei-Klassen-Schulsystem. Wir haben es, vor allem im großstädtischen Bereich, wo der Run auf die Privatschulen der Fall ist! Aber Sie haben kein Konzept vorgelegt, dass man wenigstens garantieren kann, dass die Kinder mit deutscher Muttersprache in den Volksschulen oder vielleicht auch in den Kindergärten in Zukunft die Möglichkeit haben, zumindest zu zwei Dritteln anwesend zu sein, dass eine entsprechende Integration und eine entsprechende Ausbildung möglich ist. Das wären die Initiativen, die wir uns in diesem Regierungsprogramm erwartet hätten, aber leider vergeblich. (Beifall beim BZÖ.) Ja, aber über die Valorisierung, die Anhebung der Gebühren und der Abgaben haben Sie sich schon verständigt.

Interessant für uns als Parlamentarier ist außerdem, dass wir immer wieder hören: neuer Parlamentarismus! – Aber es wird hier keine Abstimmung geben, nicht einmal über Geschäftsordnungsfragen, in der Sie unterschiedliche Meinungen zum Ausdruck bringen können, weil es sonst sofort Neuwahlen gibt. Das verstehe ich überhaupt nicht, meine Damen und Herren!

Wie versteht man denn Demokratie? – Deshalb, weil eine Regierung einmal nicht einer Meinung ist, egal, in welcher Sache, muss das Parlament aufgelöst werden, und der Wähler, der sich jetzt schon darüber ärgert, dass er zwar diese Regierung am 28. September abgewählt hat – 26 Mandate minus! –, aber dieselbe Regierung jetzt wieder am Werken ist, der soll dann noch einmal zur Urne gehen?! (Abg. Mag. Gaß­ner: Wie war denn das 2002?) Was glauben Sie denn, was für eine Wahlbeteiligung wir dann haben werden?!

Das ist Uralt-Demokratieverständnis, das ist Uralt-Parlamentarismus! Da werden wir nicht mitspielen, und Sie werden sich mit einer sehr aktiven, konstruktiven Opposition des BZÖ auseinandersetzen müssen. Wir werden dort kritisieren, wo es notwendig ist, wir werden Ihnen aber auch die Alternativen gegenüberstellen, und das kann ich Ihnen sagen (Zwischenrufe bei der SPÖ): Der Vergleich wird den Wähler am nächsten Wahl­tag sicher machen. (Beifall beim BZÖ.)

12.56

12.55.30 Präsident Fritz Neugebauer: Vereinbarungsgemäß unterbreche ich die Sitzung bis 13.15 Uhr.

Die Sitzung ist unterbrochen.

*****

(Die Sitzung wird um 12.56 Uhr unterbrochen und um 13.16 Uhr wieder aufge­nommen.)

*****

 

 


Präsident Mag. Dr. Martin Graf (den Vorsitz übernehmend): Meine sehr geehrten Da­men und Herren, ich nehme die unterbrochene Sitzung wieder auf.

Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Krainer. Gewünschte Redezeit: 6 Minuten. Ich erteile es ihm.

 



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13.16.44

Abgeordneter Kai Jan Krainer (SPÖ): Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Die neue Bundesregierung stellt den Menschen in den Mittelpunkt ihrer Politik. (Abg. Grosz: Die Bundesregierung ist noch gar nicht da!) Die wesentliche Fra­ge ... (Abg. Grosz: Wo bleibt die Bundesregierung?) – Ich weiß nicht, ob Sie ein Pro­blem damit haben. Ich habe damit jetzt im Moment kein Problem. (Abg. Grosz: Es ist immerhin die Debatte über die Regierungserklärung!)

Ich sage Ihnen nur: Das Wesentliche ist nicht, ob wir hier miteinander streiten, sondern das Wesentliche ist, ob die Politik, die wir machen, und die Politik, die die Bundesre­gierung macht, bei den Menschen auch ankommt, ob sie erfolgreich ist und die Situa­tion, die tagtägliche Situation der Menschen verbessert, und nicht die Frage, ob Sie und ich immer einer Meinung sind. (Beifall bei der SPÖ. – Abg. Grosz: Nein! Dass sie aber die Regierungserklärung abgeben und dann bei der Debatte fehlen ist schon be­zeichnend!)

Schauen wir uns doch an, was diese Regierungserklärung für den einzelnen Menschen bedeutet. Was sagt diese Bundesregierung einer Schülerin oder einem Lehrling? Sie sagt ihnen ganz klar: Wir können dir keinen Arbeitsplatz garantieren, aber das, was wir dir garantieren können, ist ein Ausbildungsplatz, und zwar unabhängig davon, ob du länger in die Schule gehen willst, dann können wir dir einen Schulplatz garantieren, oder ob du eine Ausbildung machen willst, etwas lernen willst, dann können wir dir eine Lehrausbildung garantieren.

Das, was wir jungen SchülerInnen, was wir Lehrlingen sagen, was wir jungen Men­schen sagen mit dieser Regierungserklärung, ist, dass wir weiterhin daran arbeiten werden, ihre Ausbildungssituation, ihre Situation in der Schule zu verbessern, indem wir weiterhin die Klassenschülerhöchstzahlen senken, indem wir mehr Geld für Bildung investieren, mehr für Integrationsmaßnahmen investieren, indem wir einfach auch sa­gen, dass wir auf keinen einzigen jungen Menschen verzichten wollen und auch nicht wollen, dass irgendjemand Probleme mit Lesen, Schreiben und Rechnen hat, sondern dass wir in die Ausbildung dieser jungen Menschen investieren und dass wir auch da­bei bleiben, dass es keine Studiengebühren gibt, keine unsozialen Barrieren für ein universitäres Studium.

Auch wenn wir klar sagen, dass wir keinen Arbeitsplatz garantieren können, so können wir schon eines garantieren, nämlich dass wir Jugendarbeitslosigkeit nicht einfach hin­nehmen werden, weder heute noch morgen, sondern dass wir alles tun werden, damit sie erst gar nicht entsteht, und dort, wo sie entstanden ist, dort, wo sie besteht, alles tun werden, damit wir sie beseitigen können. (Beifall bei der SPÖ.)

Junge Menschen sollen glücklich und froh sein, dass sie in Österreich aufwachsen, weil sie dann sagen können: Bei uns ist die Jugendarbeitslosigkeit weit und breit am geringsten. Das ist das Ziel dieser Bundesregierung und das, was die Bundesregierung ganz klar sagen kann.

Was diese Bundesregierung jungen Menschen auch klar sagt, ist, dass wir das gute österreichische Pensionssystem fit halten, auch für heute Junge, damit auch die eine Pension aus der ersten Säule, aus der tragenden Säule bekommen, und dass wir das nicht machen, was heute auch kritisiert wurde, dass das andere machen würden, nämlich dass wir die Pension den Kapitalmärkten aussetzen. Wir sagen auch klar: Dein Lebensabend ist uns zu wichtig, um ihn dem Auf und Ab an irgendwelchen Börsen auszusetzen; wir sorgen dafür, dass die erste Säule tragfähig ist und dass du auf dem Weg über den Generationenvertrag eine ordentliche Pension bekommst!

Was sagen wir jungen Familien in unserem Land? – Denen haben wir sehr viel zu sa­gen! Wir sagen erstens den jungen Vätern, dass wir ein Modell erarbeiten, das es ih-


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nen ermöglicht, sich gleich nach der Geburt, in den ersten Wochen, gemeinsam mit der Frau und mit dem Kind auf die neue Lebenssituation einzustellen.

Wir sagen den jungen Eltern, dass wir daran arbeiten, das Kinderbetreuungsgeld fle­xibler zu gestalten, damit vor allem auch mehr Väter die Möglichkeit haben, sich über einen längeren Zeitraum um die Kinder zu kümmern.

Wir sagen ihnen, dass wir gemeinsam mit den Ländern und den Gemeinden die Quali­tät und auch die Quantität der Kinderbetreuungseinrichtungen verbessern wollen und dass wir dafür auch Geld in die Hand nehmen, und wir sagen ihnen darüber hinaus, dass wir diese steuerlich absetzbar machen – ein weiterer Schritt dazu, Beruf und Fa­milie besser miteinander vereinbar zu machen.

Wir sagen den jungen Eltern, dass wir die beste Ausbildung für ihre Kinder wollen. Und weil wir Kindergärten nicht als Aufbewahrungseinrichtungen sehen, sondern als Bil­dungseinrichtungen, machen wir das letzte Kindergartenjahr erstens verpflichtend und zweitens auch gratis, in einem ersten Schritt zumindest einmal den Halbtagsbesuch. Wir sagen nämlich, dass gerade im Kindergarten ganz wesentliche Kompetenzen ge­lernt werden – soziale Kompetenzen, aber auch sprachliche Kompetenz –, und wir wis­sen, wie wichtig die sprachliche Kompetenz ist und wie wichtig es ist, dass Kinder fit für die Schule sind. Deswegen führen wir dieses verpflichtende Kindergartenjahr ein.

Wir sagen ihnen auch, dass wir die Neue Mittelschule weiterentwickeln – die Zeit des gegenseitigen Blockierens ist vorbei, sie muss vorbei sein! Es geht darum, hier ge­meinsam neue Wege zu gehen und dass wir eine moderne Schule entwickeln, zuerst einmal als Projekt, aber dann, auf Sicht, sicher auch im Regelschulwesen, eine moder­ne Schule, die den Anforderungen des 21. Jahrhunderts auch gerecht wird.

Was wir den Familien weiters sagen, betrifft natürlich auch den monetären Aspekt. Ne­ben der Steuerreform, die natürlich auch für Familien voll wirkt, gibt es das Familienpa­ket, wo es über Kinderabsetzbeträge et cetera, also über eine ganze Reihe von Maß­nahmen, mehr Geld gibt. (Abg. Bucher: Wo werden Sie das hernehmen? Wo kommt das Geld her?)

Die Botschaft ist klar: Ja, Kinder kosten Geld! Sie werden auch in Zukunft Geld kosten, werden auch in Zukunft mehr Geld kosten, als ich mir steuerlich erspare, aber es wird ein größerer Teil der Kosten von der Gesellschaft refundiert. Das ist auch ein Signal beziehungsweise eine Botschaft der Politik, indem wir sagen, wir wollen uns gemein­sam mit den Eltern über die heranwachsenden Kinder freuen.

Was sagen wir der älteren Generation mit unserem Regierungsprogramm? Was sagen wir Pensionistinnen und Pensionisten? – Wir sagen ihnen, dass wir den Wert der Pen­sion erhalten wollen, dass wir die Kaufkraft der Pension erhalten wollen. Es gab ja in den letzten Wochen schon eine Reihe von Beschlüssen, durch die unter anderem die Pensionen um die Inflationsrate erhöht wurden, dass sie zwei Monate früher ausbe­zahlt wurde und dass es je nach Pensionshöhe einen Zuschuss gibt, eine Einmalzah­lung, und einen Heizkostenzuschuss von bis zu 250 € im Jahr. Es gibt also eine Reihe von klaren Signalen auch in diese Richtung. Natürlich wirkt die Steuerreform, die 2,2 Milliarden €, auch für Pensionisten voll, überhaupt keine Frage.

Betreffend die Pflege sagen wir, dass wir die Rahmenbedingungen für die Pflege zu Hause verbessern wollen, einerseits indem, wenn Familienangehörige pflegen, es kei­ne sozialrechtlichen Nachteile für diese geben soll, andererseits indem gemeinsam mit den Ländern die Pflegeförderung verbessert und ausgebaut wird.

Wir sagen den Pensionisten, die natürlich auf das Gesundheitssystem massiv ange­wiesen sind: Wir werden das Gesundheitssystem weiterentwickeln, wir werden es vor allem finanzierbar halten, aber – ich sage das ausdrücklich – ohne neue Selbstbehalte,


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ohne dass die Kranken quasi Strafe zahlen müssen, um das System zu finanzieren. Im Gegenteil, die 2-Prozent-Deckelung der Rezeptgebühren bleibt natürlich! Was diese und auch die vorherige Bundesregierung damit gemacht hat beziehungsweise macht, ist nicht, Selbstbehalte einzuführen, sondern bestehende Selbstbehalte für die Einzel­nen in Wahrheit zu deckeln und zu reduzieren.

Die Liste ließe sich lange fortsetzen, weil wir natürlich auch, Kollege Auer, etwas für die Landwirte tun, das ist überhaupt keine Frage – Sie haben das ohnehin erwähnt. Und wenn der Bundeskanzler hier als Erstes gesagt hat, die Arbeitnehmer sind nicht schuld daran, haben Sie recht: Natürlich, es sind auch die Gewerbetreibenden nicht schuld an der Finanzkrise, es sind auch die Landwirte nicht schuld an der Finanzkrise, aber auch nicht die Pensionisten und Hausfrauen und Schüler und Lehrlinge und so weiter, das ist keine Frage! (Abg. Dr. Haimbuchner: Aber irgendwer ist schuld!) – Aber die ersten von der Finanzkrise Betroffenen sind natürlich die Arbeitnehmer, die jetzt gekündigt werden. (Präsident Dr. Graf gibt das Glockenzeichen.) Und deswegen hat er das
hier auch hervorgestrichen: weil sie natürlich die Ersten sind, die die Zeche zahlen. (Präsident Dr. Graf gibt neuerlich das Glockenzeichen. – Neuerlicher Zwischenruf des Abg. Dr. Haimbuchner.)

In diesem Sinne sage ich aber trotzdem Folgendes: Eines ist sicher neu an dieser Re­gierung, das ist die Art und Weise, wie miteinander umgegangen wird. Es gibt sicher nach wie vor unterschiedliche Meinungen, aber diese werden nicht mehr am Balkon ausgetragen, sondern hier wird gemeinsam nach Lösungen gesucht.

Insofern ein herzliches Glückauf der neuen Bundesregierung, und ich freue mich auf die Zusammenarbeit im Parlament. – Danke schön. (Beifall bei der SPÖ.)

13.25


Präsident Mag. Dr. Martin Graf: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Mag. Kogler. Verfügbare Redezeit: 6 Minuten. Ich erteile ihm das Wort.

 


13.25.18

Abgeordneter Mag. Werner Kogler (Grüne): Herr Präsident! Meine Damen und Her­ren auf der Regierungsbank! Leicht machen Sie es einem ja nicht mit dieser Erklärung. (Abg. Bucher: Zu leicht!)

An sich gibt es tatsächlich eine Reihe von Problemen und eine handfeste Krise, die zu­gegebenermaßen nicht nur auf Österreich zurollt, sondern zumindest einmal auf ganz Europa. Sie bemühen sich hier unbestritten, einen neuen Stil zu präsentieren, gleich­zeitig sind aber die inhaltlichen Festlegungen in Ihrem Regierungsprogramm einerseits und in der Regierungserklärung hier und heute andererseits relativ dürftig. – Ich glau­be, dieses Programm und diese Ihre Erklärung hier heute sind im Vorfeld nicht zu Un­recht als „Drückebergerprogramm“ bewertet worden.

Sie machen es einem auch deshalb nicht leicht, weil man sich schon wirklich fragt, wie­so denn eigentlich zwei gescheiterte, jetzt aber auf dem Giebelkreuz sitzende und mit einer Boulevardzeitung wachelnde Regierungskoordinatoren das alles um so viel bes­ser machen sollten – noch dazu mit 14 Prozent weniger. – Das bleibt die Frage, der man aufgrund des Ernstes der Lage gar nicht ausführlich nachgehen kann.

Kommen wir zur Lehre des Programms. Es sind die Budgetvorbehalte angesprochen worden. Es gibt jetzt zwei Möglichkeiten: Entweder Sie signalisieren, dass Sie tatsäch­lich bereit sind, entsprechende Einsparungen vorzunehmen, dass da einmal etwas wei­tergeht, oder Sie gehen her und bekennen sich gleich einmal zu Anfang dazu, dass Sie mit dem sogenannten Budgetpfad, der in dem Programm enthalten ist, eigentlich schon mit einem Schwindel gestartet sind.


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Das hat sich durch die gesamten Verhandlungen durchgezogen: Sie haben ein Bud­getprogramm vorgelegt, in dem davon ausgegangen wird, dass es aufgrund der soge­nannten Staats- und Verwaltungsreform massive Einsparungen gibt. – Das soll sein, in dem Punkt sind wir ja Partner, nur haben Sie nicht dazugesagt, dass die Budgetver­handlungsgruppe ein volles Programm von über 3 Milliarden € an Einsparungen einkal­kuliert hat, während die zuständige Verhandlungsgruppe Staatsreform dieselbe als Ganzes abgeblasen hat – als Ganzes! Das darf Sie nicht wundern, wenn Sie ausge­rechnet Herrn Niessl und Herrn Sausgruber in diese Gruppe aufnehmen. Da hätten Sie sich etwas anderes überlegen müssen!

Jetzt haben wir das zwar im Budgetprogramm, allein es ist eine Täuschung. – Ich muss Ihnen das von Anfang an sagen. Man fragt sich, was einem lieber ist: eine streitende Regierung wie früher – eine, die wirklich um etwas streitet –, oder eine, die mit einem Schwindel beginnt.

Jetzt haben Sie eine Arbeitsgruppe eingerichtet. Im Regierungsprogramm stand noch – ich habe das jetzt herausgesucht; Seite 255 –:

„Der Arbeitsgruppe“, nämlich betreffend diese gloriose Einsparung, „sollen folgende Personen angehören: 1. der Präsident des RH, 2. Prof. Dr. Bernhard Felderer (IHS), 3. Prof. Dr. Karl Aiginger (WIFO), 4. der Bundeskanzler, 5. der Bundesminister für Finan­zen“.

Heute lesen und hören wir, dass der Erste und Wichtigste wahrscheinlich schon abge­sprungen ist, nämlich der Präsident des Rechnungshofes. – Das hätte ich an seiner Stelle auch gemacht, denn sich wieder mit zwei Landeshauptleuten hinzusetzen, die seit Jahrzehnten alles in dem Bereich blockieren, dabei kann er sich nur die Finger ver­brennen! Und außerdem ist es nicht seine Aufgabe, für derartigen Unfug Assistenz zu leisten. (Beifall bei den Grünen sowie bei Abgeordneten der FPÖ.)

Zu einem anderen Finanzthema: Leider zieht es sich ja wirklich durch dieses Pro­gramm, dass Sie Ihre Versprechen und Ihren Willen zum neuen Stil dann nicht durch­halten können, wenn es um konkrete Maßnahmen geht, etwa in der Steuerpolitik. – Damit zum Ernst der Sache.

Herr Kopf, wenn Sie sagen, es gibt eine Steuerentlastung für alle, die Steuern zahlen, dann ist das ziemlich zynisch. – Sie meinen: all jene, die Lohn- und Einkommenssteuer zahlen; richtig ist aber natürlich, dass alle in diesem Land eine besonders hohe Abga­ben- und Steuerlast zu tragen haben – MehrwertsteuerzahlerInnen zum Beispiel –, und das trifft gerade die, die besonders wenig verdienen. Das österreichische Steuersys­tem ist mitnichten umverteilend – jetzt schon nicht und in Zukunft noch weniger. (Abg. Kopf: Die geringste Spreizung aller Länder!) Das ist nicht so. Wenn man alle Abgaben und Steuern zusammenzählt, dann kommt das heraus, und genau das verstärken Sie jetzt noch. In Ihrer Politik ... (Abg. Dr. Ferdinand Maier schüttelt dem Bundeskanzler und weiteren Regierungsmitgliedern die Hand.) – Jetzt ist der Raiffeisenkonzern beim Bundeskanzler auch schon; ich habe immer geglaubt, er ist nur beim Vizekanzler. (Bei­fall bei den Grünen. – Abg. Jakob Auer: Wenn Sie Stabilität wollen, dann müssen Sie zu Raiffeisen gehen!)

Zurück zum Ernst: Wenn Sie solche Ankündigungen machen, dann wäre es vernünftig, wenn eine Steuerreform so ausschaut, dass auch diejenigen etwas davon haben, die besonders wenig verdienen. Die würden es außerdem – Stichwort Beschäftigungspoli­tik – sofort ausgeben. Das wäre vernünftig!

Langfristig werden wir mit diesem Programm nicht weit hüpfen! Wenn Sie all diese fünf Jahre hindurch fiskalpolitisch nichts anderes machen wollen als das, dann ist diese An­kündigung heute eine Drohung, weil die kalte Progression das in denselben fünf Jah­ren aufgefressen haben wird.


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Das kann nicht nur über die Lohn- und Einkommensteuer gelöst werden, wir werden für den nächsten großen Wurf auch Gegenfinanzierungen brauchen. Und da ist es nicht Ihr Versäumnis, sondern das der Sozialdemokraten, genau dort auszulassen, wo Kanzler Gusenbauer schon weiter war, als er über eine Vermögenszuwachssteuer ver­handelt hat. – All das wird jetzt gekippt.

Es fehlt Ihnen der Mut zu sagen, dass man wirkliche Umverteilung nur dann machen kann, wenn man endlich auch einmal wenigstens einen OECD-Standard oder auch nur einen EU-Standard in der Vermögensbesteuerung erreicht. (Beifall bei den Grünen.) Bei uns zahlen die am Vermögen gemessen reichsten 10 Prozent der Bevölkerung so gut wie keine Steuern von demselben Vermögen! Das ist doch Ihr Versäumnis! (Präsi­dent Dr. Graf gibt das Glockenzeichen.)

Jetzt gehört da endlich einmal hin- und eingegriffen, damit wir uns wirkliche Reformen leisten können, die dringend notwendig sind. Wenn das nicht geschieht, ...

 


Präsident Mag. Dr. Martin Graf: Herr Kollege, bitte den Schlusssatz!

 


Abgeordneter Mag. Werner Kogler (fortsetzend): ... bleibt dieses Programm ein lee­res Programm, aber eine volle Drohung. (Beifall bei den Grünen.)

13.31


Präsident Mag. Dr. Martin Graf: Nächster Redner ist Herr Bundesminister Hunds­torfer. 4 Minuten Redezeit. – Bitte.

 


13.31.50

Bundesminister für Soziales und Konsumentenschutz Rudolf Hundstorfer: Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Sie können sich sicher vorstellen, dass es in 4 Minuten nicht möglich ist, Ihnen einen Überblick über das gesamte Res­sort zu geben. (Abg. Ing. Westenthaler: Wir können uns das gut vorstellen! Das kön­nen wir uns gut vorstellen! So geht es uns auch!)

Meine Damen und Herren, ich glaube, wir sind uns alle darin einig, dass es sich bei den derzeitigen Geschehnissen um eine Weltwirtschaftskrise handelt, die durch beden­kenlose Deregulierung der Finanzmärkte verursacht wurde und die durch die hem­mungslose Gier von einigen, die die gesamte Weltwirtschaft in die Krise gestürzt ha­ben, verursacht wurde.

Die Auswirkungen dieser Krise sind in Österreich teilweise feststellbar und teilweise – das muss man hier in aller Ehrlichkeit und Offenheit sagen – noch nicht abschätzbar. Jeder – vor allem jene von den Oppositionsp