
Stenographisches Protokoll

40. Sitzung des Nationalrates der Republik Österreich
XXIV. Gesetzgebungsperiode
Mittwoch, 21. Oktober 2009
40. Sitzung des Nationalrates der Republik Österreich
XXIV. Gesetzgebungsperiode Mittwoch, 21. Oktober 2009
Dauer der Sitzung
Mittwoch, 21. Oktober 2009: 9.07 – 23.36 Uhr
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Tagesordnung
1. Punkt: Bundesgesetz, mit dem das Schulunterrichtsgesetz geändert wird
2. Punkt: Bundesgesetz, mit dem das BIFIE-Gesetz 2008 geändert wird
3. Punkt: Bundesgesetz, mit dem das Unterrichtspraktikumsgesetz und das Prüfungstaxengesetz – Schulen/Pädagogische Hochschulen geändert werden
4. Punkt: Bundesgesetz, mit dem das Bundesgesetz über die Rückgabe von Kunstgegenständen aus den Österreichischen Bundesmuseen und Sammlungen geändert wird
5. Punkt: Bericht über den Antrag 9/A der Abgeordneten Mag. Dr. Wolfgang Zinggl, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Bundesgesetz über die Rückgabe von Kunstgegenständen aus den Österreichischen Bundesmuseen und Sammlungen und das Gesetz vom 1. August 1895 über das gerichtliche Verfahren in bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten geändert werden
6. Punkt: Bundesgesetz, mit dem das
Asylgesetz 2005, das Fremdenpolizeigesetz 2005, das Gebührengesetz 1957,
das Grundversorgungsgesetz – Bund 2005,
das Niederlassungs- und Aufenthaltsgesetz, das
Staatsbürgerschaftsgesetz 1985 und das Tilgungsgesetz 1972
geändert werden (Fremdenrechtsänderungsgesetz 2009 –
FrÄG 2009)
7. Punkt: Bericht und Antrag über den Entwurf eines Bundesgesetzes, mit dem das Ausländerbeschäftigungsgesetz geändert wird
8. Punkt: Bericht über den Antrag 274/A(E) der Abgeordneten Heinz-Christian Strache, Kolleginnen und Kollegen betreffend DNA-Tests zur Immigrationskontrolle
9. Punkt: Bundesgesetz, mit dem ein Sprengmittelgesetz 2010 erlassen und die Gewerbeordnung 1994 geändert wird
10. Punkt: Bericht über den Antrag 374/A der Abgeordneten Mag. Albert Steinhauser, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem NS-Unrechtsurteile aufgehoben werden (NS-Aufhebungsgesetz)
11. Punkt: Bericht und Antrag betreffend ein Aufhebungs- und Rehabilitationsgesetz
12. Punkt: Bundesgesetz, mit dem das IPR-Gesetz, das Versicherungsaufsichtsgesetz sowie das Verkehrsopferentschädigungsgesetz geändert und das Bundesgesetz über internationales Versicherungsvertragsrecht für den Europäischen Wirtschaftsraum aufgehoben werden
13. Punkt: Übereinkommen des Europarats zur Verhütung des Terrorismus
14. Punkt: Bericht betreffend den Bericht des Rechnungshofes, Reihe Bund 2009/2
15. Punkt: Erste Lesung: Antrag der Abgeordneten Karl Öllinger, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Gesetz, mit dem das Opferfürsorgegesetz geändert wird (663/A)
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Inhalt
Personalien
Verhinderungen .............................................................................................................. 16
Geschäftsbehandlung
Einwendungen der Abgeordneten Ing. Peter Westenthaler, Kolleginnen und Kollegen sowie des Abgeordneten Dr. Walter Rosenkranz gegen die Tagesordnung gemäß § 50 der Geschäftsordnung 16, 16, 17
Durchführung einer gemeinsamen Debatte gemäß § 50 Abs. 1 der Geschäftsordnung 37
Redner:
Dr. Walter Rosenkranz ........................................................................................... ..... 37
Ing. Peter Westenthaler .......................................................................................... ..... 38
Dr. Josef Cap ........................................................................................................... ..... 40
Ing. Norbert Hofer ................................................................................................... ..... 41
Karlheinz Kopf ........................................................................................................ ..... 42
Herbert Scheibner .................................................................................................. ..... 43
Mag. Alev Korun ..................................................................................................... ..... 47
Mag. Ewald Stadler ................................................................................................. ..... 48
Einwendungen finden keine Mehrheit ............................................................................. 50
Unterbrechung der Sitzung ................................................................................. 41, 173
Wortmeldungen zur Geschäftsbehandlung betreffend verbindliche Vereinbarungen über den Ablauf der Plenardebatten:
Dr. Eva Glawischnig-Piesczek .............................................................................. ..... 45
Dr. Josef Cap ........................................................................................................... ..... 45
Herbert Scheibner .................................................................................................. ..... 46
Heinz-Christian Strache ......................................................................................... ..... 46
Karlheinz Kopf ........................................................................................................ ..... 47
Antrag der Abgeordneten Werner Neubauer, Kolleginnen und Kollegen, dem Verfassungsausschuss zur Berichterstattung über den Antrag 346/A(E) der Abgeordneten Heinz-Christian Strache, Kolleginnen und Kollegen betreffend die Verankerung der Schutzmachtfunktion Österreichs für die Südtiroler deutscher und ladinischer Muttersprache gemäß § 43 Abs. 1 der Geschäftsordnung eine Frist bis 22. Oktober 2009 zu setzen ............................................................................................................................. 53
Verlangen gemäß § 43 Abs. 3 der Geschäftsordnung auf Durchführung einer kurzen Debatte im Sinne des § 57a Abs. 1 GOG .......................................................................................................... 53
Redner:
Werner Neubauer .................................................................................................... ... 165
Hermann Krist ......................................................................................................... ... 167
Hermann Gahr ........................................................................................................ ... 168
DDr. Werner Königshofer ...................................................................................... ... 169
Mag. Ewald Stadler ................................................................................................. ... 170
Dr. Alexander Van der Bellen ................................................................................ ... 171
Ablehnung des Fristsetzungsantrages (namentliche Abstimmung) ............................ 173
Redezeitbeschränkung nach Beratung in der Präsidialkonferenz gemäß § 57 Abs. 3 Z. 2 der Geschäftsordnung .......................................................................................................... 53
Verlangen auf Durchführung einer namentlichen Abstimmung .................................. 173
Wortmeldungen zur Geschäftsbehandlung im Zusammenhang mit den Ausführungen der Abgeordneten Adelheid Irina Fürntrath-Moretti in der gemeinsamen Beratung über die Tagesordnungspunkte 6 bis 8:
Werner Neubauer ....................................................................................................... 188
Gerald Grosz ........................................................................................................... ... 188
Werner Amon, MBA ............................................................................................... ... 189
Heidrun Silhavy ....................................................................................................... ... 189
Aktuelle Stunde (9.)
Thema: „Das Chaos fährt Bahn“ ............................................................................... 17
Redner/Rednerinnen:
Josef Bucher ........................................................................................................... ..... 17
Bundesministerin Doris Bures ................................................................................... 20
Anton Heinzl ............................................................................................................ ..... 22
Dr. Ferdinand Maier ................................................................................................ ..... 24
Dr. Peter Fichtenbauer ........................................................................................... ..... 25
Christoph Hagen ..................................................................................................... ..... 27
Dr. Gabriela Moser ................................................................................................. ..... 28
Wilhelm Haberzettl ................................................................................................. ..... 30
Gabriele Tamandl ................................................................................................... ..... 31
Dipl.-Ing. Gerhard Deimek ..................................................................................... ..... 32
Gerald Grosz ........................................................................................................... ..... 34
Karl Öllinger ............................................................................................................ ..... 36
Bundesregierung
Vertretungsschreiben ..................................................................................................... 16
Ausschüsse
Zuweisungen ......................................................................................................... 50, 259
Dringliche Anfrage
der Abgeordneten Mag. Werner Kogler, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Finanzen betreffend „System Grasser“ und der Wille der ÖVP, die Machenschaften lückenlos aufzuklären (3357/J) ............................................................................................................................. 118
Begründung: Mag. Werner Kogler ............................................................................. 123
Vizekanzler Dipl.-Ing. Josef Pröll .............................................................................. 129
Debatte:
Dr. Gabriela Moser ................................................................................................. ... 132
Dr. Günther Kräuter ............................................................................................... ... 135
Dkfm. Dr. Günter Stummvoll ................................................................................ ... 137
DDr. Werner Königshofer ...................................................................................... ... 138
Dr. Martin Strutz ..................................................................................................... ... 140
Mag. Albert Steinhauser ........................................................................................ ... 142
Mag. Christine Lapp ............................................................................................... ... 143
Hermann Gahr ........................................................................................................ ... 145
Dr. Johannes Hübner ............................................................................................. ... 146
Gerald Grosz ........................................................................................................... ... 148
Karl Öllinger ............................................................................................................ ... 150
Dr. Peter Wittmann ................................................................................................. ... 151
Johannes Schmuckenschlager ............................................................................. ... 153
Ing. Christian Höbart .............................................................................................. ... 155
Dr. Christoph Matznetter ....................................................................................... ... 156
Bernhard Vock ........................................................................................................ ... 158
Mag. Ewald Stadler ................................................................................................. ... 160
Dieter Brosz ............................................................................................................. ... 163
Verhandlungen
Gemeinsame Beratung über
1. Punkt: Bericht des Unterrichtsausschusses über die Regierungsvorlage (292 d.B.): Bundesgesetz, mit dem das Schulunterrichtsgesetz geändert wird (345 d.B.) ........................................... 54
2. Punkt: Bericht des Unterrichtsausschusses über die Regierungsvorlage (339 d.B.): Bundesgesetz, mit dem das BIFIE-Gesetz 2008 geändert wird (346 d.B.) .................................................. 54
3. Punkt: Bericht des Unterrichtsausschusses über die Regierungsvorlage (342 d.B.): Bundesgesetz, mit dem das Unterrichtspraktikumsgesetz und das Prüfungstaxengesetz – Schulen/Pädagogische Hochschulen geändert werden (347 d.B.) ............................................................................................ 54
Redner/Rednerinnen:
Heinz-Christian Strache ......................................................................................... ..... 54
Elmar Mayer ............................................................................................................ ..... 57
Ursula Haubner ....................................................................................................... ..... 59
Mag. Silvia Fuhrmann ............................................................................................ ..... 61
Dr. Harald Walser .................................................................................................... ..... 63
Bundesministerin Dr. Claudia Schmied .................................................................... 65
Dr. Walter Rosenkranz ........................................................................................... ..... 66
Mag. Laura Rudas ................................................................................................... ..... 69
Dr. Martin Strutz ..................................................................................................... ..... 71
Mag. Katharina Cortolezis-Schlager .................................................................... ..... 72
Dieter Brosz ............................................................................................................. ..... 74
Staatssekretär Dr. Reinhold Lopatka ......................................................................... 75
Mag. Heidemarie Unterreiner ................................................................................ ..... 77
Sonja Ablinger ........................................................................................................ ..... 78
Herbert Scheibner .................................................................................................. ..... 79
Mag. Josef Lettenbichler ....................................................................................... ..... 80
Mag. Helene Jarmer ............................................................................................... ..... 81
Ewald Sacher .......................................................................................................... ..... 82
Ing. Robert Lugar .................................................................................................... ..... 83
Nikolaus Prinz ......................................................................................................... ..... 84
Maximilian Linder ......................................................................................................... 85
Mag. Rosa Lohfeyer ..................................................................................................... 86
Anna Franz .................................................................................................................... 87
Franz Riepl ............................................................................................................... ..... 87
Entschließungsantrag der Abgeordneten Dr. Walter Rosenkranz, Kolleginnen und Kollegen betreffend Sicherung von Klein- und Kleinstschulen – Ablehnung 68, 104
Annahme der drei Gesetzentwürfe in 345, 346 und 347 d.B. ...................................... 103
Annahme der dem schriftlichen Ausschussbericht 345 d.B. beigedruckten Entschließung betreffend Qualitätssicherung und Berichterstattung zur neuen Reifeprüfung (E 50) .................. 103
Gemeinsame Beratung über
4. Punkt: Bericht des Kulturausschusses über die Regierungsvorlage (238 d.B.): Bundesgesetz, mit dem das Bundesgesetz über die Rückgabe von Kunstgegenständen aus den Österreichischen Bundesmuseen und Sammlungen geändert wird (349 d.B.) .......................................................................... 88
5. Punkt: Bericht des Kulturausschusses über den Antrag 9/A der Abgeordneten Mag. Dr. Wolfgang Zinggl, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Bundesgesetz über die Rückgabe von Kunstgegenständen aus den Österreichischen Bundesmuseen und Sammlungen und das Gesetz vom 1. August 1895 über das gerichtliche Verfahren in bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten geändert werden (350 d.B.) ........................................................................................................................ 89
Redner/Rednerinnen:
Mag. Heidemarie Unterreiner ................................................................................ ..... 89
Sonja Ablinger ........................................................................................................ ..... 90
Josef Jury ...................................................................................................................... 91
Mag. Silvia Fuhrmann .................................................................................................. 92
Mag. Dr. Wolfgang Zinggl ...................................................................................... ..... 93
Mag. Christine Muttonen ....................................................................................... ..... 95
Bundesministerin Dr. Claudia Schmied .................................................................... 95
Jochen Pack ............................................................................................................ ..... 96
Ulrike Königsberger-Ludwig ................................................................................. ..... 97
Mag. Katharina Cortolezis-Schlager .................................................................... ..... 98
Mag. Christine Lapp ............................................................................................... ..... 98
Johann Höfinger ..................................................................................................... ..... 99
Ewald Sacher .......................................................................................................... ... 100
Mag. Ruth Becher ................................................................................................... ... 101
Dr. Johannes Hübner ............................................................................................. ... 101
Annahme des Gesetzentwurfes in 349 d.B. ................................................................ 103
Kenntnisnahme des Ausschussberichtes 350 d.B. ..................................................... 103
Gemeinsame Beratung über
6. Punkt: Bericht des Ausschusses für innere Angelegenheiten über die Regierungsvorlage (330 d.B.): Bundesgesetz, mit dem das Asylgesetz 2005, das Fremdenpolizeigesetz 2005, das Gebührengesetz 1957, das Grundversorgungsgesetz – Bund 2005, das Niederlassungs- und Aufenthaltsgesetz, das Staatsbürgerschaftsgesetz 1985 und das Tilgungsgesetz 1972 geändert werden (Fremdenrechtsänderungsgesetz 2009 – FrÄG 2009) (387 d.B.) ......................................... 104
7. Punkt: Bericht und Antrag des Ausschusses für innere Angelegenheiten über den Entwurf eines Bundesgesetzes, mit dem das Ausländerbeschäftigungsgesetz geändert wird (388 d.B.) 104
8. Punkt: Bericht des Ausschusses für innere Angelegenheiten über den Antrag 274/A(E) der Abgeordneten Heinz-Christian Strache, Kolleginnen und Kollegen betreffend DNA-Tests zur Immigrationskontrolle (390 d.B.) ....................................................................................................................................... 104
Redner/Rednerinnen:
Dr. Walter Rosenkranz ........................................................................................... ... 105
Günter Kößl ............................................................................................................. ... 106
Ing. Peter Westenthaler .......................................................................................... ... 107
Otto Pendl ................................................................................................................... 113
Mag. Alev Korun ......................................................................................................... 115
Gabriele Tamandl ................................................................................................... ... 175
Lutz Weinzinger ...................................................................................................... ... 176
Angela Lueger ......................................................................................................... ... 178
Gerald Grosz ........................................................................................................... ... 180
Bundesministerin Mag. Dr. Maria Theresia Fekter ................................................ 182
Adelheid Irina Fürntrath-Moretti ............................................................................... 187
Mag. Albert Steinhauser ........................................................................................ ... 189
Anton Heinzl ............................................................................................................ ... 191
Werner Herbert ....................................................................................................... ... 192
Ing. Norbert Kapeller .............................................................................................. ... 193
Herbert Scheibner .................................................................................................. ... 194
Ulrike Königsberger-Ludwig ................................................................................. ... 196
Tanja Windbüchler-Souschill ................................................................................ ... 197
Mag. Karin Hakl ....................................................................................................... ... 199
Leopold Mayerhofer ................................................................................................... 200
Rudolf Plessl ............................................................................................................... 202
Mag. Johann Maier ..................................................................................................... 203
Entschließungsantrag der Abgeordneten Ing. Peter Westenthaler, Kolleginnen und Kollegen betreffend Wiedereinführung der Grenzkontrollen – Ablehnung .......................................... 110, 204
Entschließungsantrag der Abgeordneten Ing. Peter Westenthaler, Kolleginnen und Kollegen betreffend Begriff der Straffälligkeit im Asylgesetz 2005 – Ablehnung ................................. 112, 204
Entschließungsantrag der Abgeordneten Ing. Peter Westenthaler, Kolleginnen und Kollegen betreffend Fingerabdrücke in Identitätskarten für Fremde und Karten für Geduldete – Ablehnung 113, 204
Entschließungsantrag der Abgeordneten Ing. Peter Westenthaler, Kolleginnen und Kollegen betreffend Einrichtung einer Grenzschutzeinheit beim Bundesministerium für Inneres – Ablehnung .......... 185, 205
Entschließungsantrag der Abgeordneten Gerald Grosz, Kolleginnen und Kollegen betreffend die geplante Verlegung von 100 Polizisten nach Graz-Straßgang – Ablehnung ..................... 186, 205
Annahme der beiden Gesetzentwürfe in 387 und 388 d.B. ......................................... 204
Kenntnisnahme des Ausschussberichtes 390 d.B. ..................................................... 205
9. Punkt: Bericht des Ausschusses für innere Angelegenheiten über die Regierungsvorlage (331 d.B.): Bundesgesetz, mit dem ein Sprengmittelgesetz 2010 erlassen und die Gewerbeordnung 1994 geändert wird (389 d.B.) ...................................................................................................................... 205
Redner/Rednerinnen:
Mag. Albert Steinhauser ........................................................................................ ... 205
Hermann Gahr ........................................................................................................ ... 206
Hannes Fazekas ...................................................................................................... ... 207
Werner Herbert ....................................................................................................... ... 208
Christoph Hagen ..................................................................................................... ... 208
Bundesministerin Mag. Dr. Maria Theresia Fekter ................................................ 208
Erwin Hornek .......................................................................................................... ... 209
Mag. Dr. Manfred Haimbuchner ........................................................................... ... 210
Annahme des Gesetzentwurfes ................................................................................... 211
Gemeinsame Beratung über
10. Punkt: Bericht des Justizausschusses über den Antrag 374/A der Abgeordneten Mag. Albert Steinhauser, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Bundesgesetz, mit dem NS-Unrechtsurteile aufgehoben werden (NS-Aufhebungsgesetz) (358 d.B.) ..................................................................................... 211
11. Punkt: Bericht und Antrag des Justizausschusses betreffend ein Aufhebungs- und Rehabilitationsgesetz (359 d.B.) ...................................................................................................................... 211
Redner/Rednerinnen:
Dr. Peter Fichtenbauer ..................................................................................... 211, 227
Fritz Neugebauer .................................................................................................... ... 213
Herbert Scheibner .................................................................................................. ... 214
Mag. Johann Maier ................................................................................................. ... 215
Mag. Harald Stefan ................................................................................................. ... 216
Mag. Albert Steinhauser ........................................................................................ ... 218
Bundesministerin Mag. Claudia Bandion-Ortner .................................................. 220
Lutz Weinzinger ...................................................................................................... ... 221
Mag. Heribert Donnerbauer ................................................................................... ... 222
Dr. Peter Wittmann ................................................................................................. ... 223
Dr. Harald Walser .................................................................................................... ... 224
Mag. Karin Hakl ....................................................................................................... ... 225
Karl Öllinger ............................................................................................................ ... 226
Anna Franz .................................................................................................................. 228
Kenntnisnahme des Ausschussberichtes 358 d.B. ..................................................... 229
Annahme des Gesetzentwurfes in 359 d.B. ................................................................ 229
12. Punkt: Bericht des Justizausschusses über die Regierungsvorlage (322 d.B.): Bundesgesetz, mit dem das IPR-Gesetz, das Versicherungsaufsichtsgesetz sowie das Verkehrsopferentschädigungsgesetz geändert und das Bundesgesetz über internationales Versicherungsvertragsrecht für den Europäischen Wirtschaftsraum aufgehoben werden (356 d.B.) ......................................................... 229
Redner/Rednerinnen:
Mag. Karin Hakl ....................................................................................................... ... 230
Mag. Sonja Steßl-Mühlbacher ............................................................................... ... 230
Mag. Peter Michael Ikrath ...................................................................................... ... 230
Annahme des Gesetzentwurfes ................................................................................... 231
13. Punkt: Bericht des Justizausschusses über die Regierungsvorlage (95 d.B.): Übereinkommen des Europarats zur Verhütung des Terrorismus (357 d.B.) ............................................... 231
Redner/Rednerinnen:
Mag. Heribert Donnerbauer ................................................................................... ... 231
Otto Pendl ................................................................................................................ ... 232
Mag. Ewald Stadler ................................................................................................. ... 232
Mag. Albert Steinhauser ........................................................................................ ... 233
Mag. Bernd Schönegger ........................................................................................ ... 234
Mag. Ruth Becher ................................................................................................... ... 235
Bundesministerin Mag. Claudia Bandion-Ortner .................................................. 236
Gerald Grosz (tatsächliche Berichtigung) .................................................................. 236
Franz Glaser ............................................................................................................ ... 236
Hannes Fazekas ...................................................................................................... ... 237
Gerhard Köfer ......................................................................................................... ... 237
Genehmigung des Staatsvertrages in 357 d.B. ........................................................... 238
Beschlussfassung im Sinne des Artikels 50 Abs. 2 Z 3 B-VG ..................................... 238
14. Punkt: Bericht des Rechnungshofausschusses betreffend den Bericht (III-24 d.B.) des Rechnungshofes, Reihe Bund 2009/2 (384 d.B.) ...................................................................................... 238
Redner/Rednerinnen:
Wolfgang Zanger .................................................................................................... ... 238
Mag. Christine Lapp ................................................................................................... 240
Alois Gradauer ........................................................................................................... 240
Hermann Gahr ........................................................................................................ ... 242
Mag. Roman Haider ................................................................................................ ... 243
Dr. Martin Strutz ..................................................................................................... ... 245
Dieter Brosz ............................................................................................................. ... 246
Stefan Prähauser .................................................................................................... ... 248
Dorothea Schittenhelm .......................................................................................... ... 249
Christian Faul .......................................................................................................... ... 250
Konrad Steindl ........................................................................................................ ... 251
Mag. Ruth Becher ................................................................................................... ... 251
Ing. Erwin Kaipel ..................................................................................................... ... 252
Rosemarie Schönpass ........................................................................................... ... 253
Ewald Sacher .......................................................................................................... ... 253
Rechnungshofpräsident Dr. Josef Moser ............................................................... 254
Dr. Martin Strutz (tatsächliche Berichtigung) ............................................................. 256
Kenntnisnahme des Berichtes III-24 d.B. ..................................................................... 256
15. Punkt: Erste Lesung: Antrag der Abgeordneten Karl Öllinger, Kolleginnen und Kollegen betreffend ein Gesetz, mit dem das Opferfürsorgegesetz geändert wird (663/A) ............................. 256
Redner/Rednerinnen:
Karl Öllinger ............................................................................................................ ... 256
Franz Riepl ............................................................................................................... ... 257
Karl Donabauer ....................................................................................................... ... 257
Dr. Johannes Hübner ............................................................................................. ... 258
Sigisbert Dolinschek .............................................................................................. ... 259
Zuweisung des Antrages 663/A an den Ausschuss für Arbeit und Soziales ............... 259
Eingebracht wurden
Regierungsvorlagen ................................................................................................... 51
367: Bundesgesetz, mit dem ein Pyrotechnikgesetz 2010 erlassen und das Sicherheitspolizeigesetz geändert wird
385: Abkommen zwischen der Republik Österreich, der Republik Bulgarien, der Republik Ungarn, Rumänien und der Republik Türkei über das Nabucco-Projekt
386: Bundesgesetz, mit dem das Konsulargebührengesetz 1992 geändert wird
391: Bundesgesetz, mit dem ein Bundesgesetz über die polizeiliche Kooperation mit den Mitgliedstaaten der Europäischen Union und dem Europäischen Polizeiamt (Europol) erlassen wird sowie das Polizeikooperationsgesetz und das Sicherheitspolizeigesetz geändert werden
393: Bundesgesetz, mit dem das Patentgesetz 1970, das Patentverträge-Einführungsgesetz, das Gebrauchsmustergesetz, das Markenschutzgesetz 1970, das Patentanwaltsgesetz und das Patentamtsgebührengesetz geändert werden
394: Bundesgesetz, mit dem das Bundesfinanzgesetz 2009, das Bundesfinanzgesetz 2010 sowie das Bundesgesetz, mit dem das Bundesfinanzrahmengesetz 2009 bis 2012 und das Bundesfinanzrahmengesetz 2010 bis 2013 erlassen werden, geändert werden
Bericht ........................................................................................................................... 51
Vorlage 24 BA: Bericht über die Genehmigung von Vorbelastungen für das 3. Quartal 2009; BM f. Finanzen
Anträge der Abgeordneten
Kurt List, Kolleginnen und Kollegen betreffend Kostenersatz für Alarmstarts durch den jeweiligen Verursacher (822/A)(E)
Martina Schenk, Kolleginnen und Kollegen betreffend Erstellung einer Burnout-Studie (823/A)(E)
Mag. Albert Steinhauser, Kolleginnen und Kollegen betreffend Schutz für „Whistleblower“ in der Privatwirtschaft (824/A)(E)
Mag. Albert Steinhauser, Kolleginnen und Kollegen betreffend Schutzmaßnahmen für „Whistleblower“ im Beamtendienstrecht (825/A)(E)
Mag. Birgit Schatz, Kolleginnen und Kollegen betreffend Bisphenol A in Babyschnullern (826/A)(E)
Mag. Albert Steinhauser, Kolleginnen und Kollegen betreffend Einrichtung einer „Whistleblower“-Hotline bei der Volksanwaltschaft (827/A)(E)
Anfragen der Abgeordneten
Stefan Petzner, Kolleginnen und Kollegen an den Bundeskanzler betreffend Werbekosten der Bundesregierung (3282/J)
Stefan Petzner, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Frauen und öffentlichen Dienst betreffend Werbekosten der Bundesregierung (3283/J)
Stefan Petzner, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für europäische und internationale Angelegenheiten betreffend Werbekosten der Bundesregierung (3284/J)
Stefan Petzner, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz betreffend Werbekosten der Bundesregierung (3285/J)
Stefan Petzner, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Finanzen betreffend Werbekosten der Bundesregierung (3286/J)
Stefan Petzner, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Gesundheit betreffend Werbekosten der Bundesregierung (3287/J)
Stefan Petzner, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inneres betreffend Werbekosten der Bundesregierung (3288/J)
Stefan Petzner, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Justiz betreffend Werbekosten der Bundesregierung (3289/J)
Stefan Petzner, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Landesverteidigung und Sport betreffend Werbekosten der Bundesregierung (3290/J)
Stefan Petzner, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft betreffend Werbekosten der Bundesregierung (3291/J)
Stefan Petzner, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur betreffend Werbekosten der Bundesregierung (3292/J)
Stefan Petzner, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Verkehr, Innovation und Technologie betreffend Werbekosten der Bundesregierung (3293/J)
Stefan Petzner, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Wirtschaft, Familie und Jugend betreffend Werbekosten der Bundesregierung (3294/J)
Stefan Petzner, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Wissenschaft und Forschung betreffend Werbekosten der Bundesregierung (3295/J)
Mag. Johann Maier, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Justiz betreffend „Verletzte PolizistInnen: Erledigung von Strafanzeigen“ (3296/J)
Dipl.-Ing. Gerhard Deimek, Kolleginnen und Kollegen an den Bundeskanzler betreffend Förderungen für den Film „Little Alien“ (3297/J)
Dr. Peter Fichtenbauer, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Justiz betreffend die Ausarbeitung von Gesetzentwürfen (3298/J)
Dr. Peter Fichtenbauer, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Landesverteidigung und Sport betreffend die Ausarbeitung von Gesetzentwürfen (3299/J)
Mag. Roman Haider, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Wirtschaft, Familie und Jugend betreffend Reisebürosicherungsverordnung (3300/J)
Carmen Gartelgruber, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft betreffend Memoranda of Understandig zur Abwicklung von JI/CDM-Programmen (3301/J)
Dipl.-Ing. Gerhard Deimek, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Finanzen betreffend Währungs- und Goldreserven der Republik Österreich (3302/J)
DDr. Werner Königshofer, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Finanzen betreffend Datenaustausch zwischen Banken (3303/J)
Mag. Roman Haider, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft betreffend die Verkaufspolitik der Österreichischen Bundesforste AG (3304/J)
Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Verkehr, Innovation und Technologie betreffend Nebenbeschäftigung von Mitarbeitern der Austro Control GesmbH (3305/J)
Dr. Susanne Winter, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Verkehr, Innovation und Technologie betreffend seltsame Vorgehensweise der ÖBB beim Online-Ticketing (3306/J)
Dr. Susanne Winter, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur betreffend ausländische Schulanfänger in der Steiermark (3307/J)
Dr. Susanne Winter, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur betreffend Informationsaktivitäten in steirischen Schulen (3308/J)
Ing. Christian Höbart, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für europäische und internationale Angelegenheiten betreffend Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (3309/J)
Ing. Christian Höbart, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur betreffend Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (3310/J)
Ing. Christian Höbart, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Wissenschaft und Forschung betreffend Förderung von Seminaren (3311/J)
Dr. Susanne Winter, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inneres betreffend Straftaten im Bezirk Feldbach im 3. Quartal (3312/J)
Dr. Susanne Winter, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inneres betreffend Straftaten im Bezirk Bruck an der Mur im 3. Quartal (3313/J)
Dr. Susanne Winter, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inneres betreffend Straftaten im Bezirk Leibnitz im 3. Quartal (3314/J)
Dr. Susanne Winter, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inneres betreffend Straftaten im Bezirk Knittelfeld im 3. Quartal (3315/J)
Dr. Susanne Winter, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inneres betreffend Straftaten im Bezirk Graz-Umgebung im 3. Quartal (3316/J)
Dr. Susanne Winter, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inneres betreffend Straftaten im Bezirk Weiz im 3. Quartal (3317/J)
Dr. Susanne Winter, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inneres betreffend Straftaten im Bezirk Voitsberg im 3. Quartal (3318/J)
Dr. Susanne Winter, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inneres betreffend Straftaten im Bezirk Radkersburg im 3. Quartal (3319/J)
Dr. Susanne Winter, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inneres betreffend Straftaten im Bezirk Mürzzuschlag im 3. Quartal (3320/J)
Dr. Susanne Winter, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inneres betreffend Straftaten im Bezirk Murau im 3. Quartal (3321/J)
Dr. Susanne Winter, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inneres betreffend Straftaten im Bezirk Liezen im 3. Quartal (3322/J)
Dr. Susanne Winter, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inneres betreffend Straftaten im Bezirk Leoben im 3. Quartal (3323/J)
Dr. Susanne Winter, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inneres betreffend Straftaten im Bezirk Deutschlandsberg im 3. Quartal (3324/J)
Dr. Susanne Winter, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inneres betreffend Kriminalitätsvergleich im Bezirk Weiz für das 2. Quartal (3325/J)
Dr. Susanne Winter, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inneres betreffend Kriminalitätsvergleich im Bezirk Voitsberg für das 2. Quartal (3326/J)
Dr. Susanne Winter, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inneres betreffend Kriminalitätsvergleich im Bezirk Radkersburg für das 2. Quartal (3327/J)
Dr. Susanne Winter, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inneres betreffend Kriminalitätsvergleich im Bezirk Mürzzuschlag für das 2. Quartal (3328/J)
Dr. Susanne Winter, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inneres betreffend Kriminalitätsvergleich im Bezirk Murau für das 2. Quartal (3329/J)
Dr. Susanne Winter, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inneres betreffend Kriminalitätsvergleich im Bezirk Leoben für das 2. Quartal (3330/J)
Dr. Susanne Winter, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inneres betreffend Kriminalitätsvergleich im Bezirk Liezen für das 2. Quartal (3331/J)
Dr. Susanne Winter, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inneres betreffend Kriminalitätsvergleich im Bezirk Leibnitz für das 2. Quartal (3332/J)
Dr. Susanne Winter, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inneres betreffend Kriminalitätsvergleich im Bezirk Knittelfeld für das 2. Quartal (3333/J)
Dr. Susanne Winter, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inneres betreffend Kriminalitätsvergleich im Bezirk Judenburg für das 2. Quartal (3334/J)
Dr. Susanne Winter, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inneres betreffend Kriminalitätsvergleich im Bezirk Hartberg für das 2. Quartal (3335/J)
Dr. Susanne Winter, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inneres betreffend Kriminalitätsvergleich im Bezirk Graz-Umgebung für das 2. Quartal (3336/J)
Dr. Susanne Winter, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inneres betreffend Kriminalitätsvergleich im Bezirk Bruck an der Mur für das 2. Quartal (3337/J)
Dr. Susanne Winter, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inneres betreffend Kriminalitätsvergleich im Bezirk Deutschlandsberg für das 2. Quartal (3338/J)
Dr. Susanne Winter, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inneres betreffend Kriminalitätsvergleich im Bezirk Feldbach für das 2. Quartal (3339/J)
Dr. Susanne Winter, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inneres betreffend Kriminalitätsvergleich im Bezirk Fürstenfeld für das 2. Quartal (3340/J)
Mario Kunasek, Kolleginnen und Kollegen an den Bundeskanzler betreffend Abonnements in den Bundesministerien (3341/J)
Mario Kunasek, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Frauen und öffentlichen Dienst betreffend Abonnements in den Bundesministerien (3342/J)
Mario Kunasek, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für europäische und internationale Angelegenheiten betreffend Abonnements in den Bundesministerien (3343/J)
Mario Kunasek, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz betreffend Abonnements in den Bundesministerien (3344/J)
Mario Kunasek, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Finanzen betreffend Abonnements in den Bundesministerien (3345/J)
Mario Kunasek, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Gesundheit betreffend Abonnements in den Bundesministerien (3346/J)
Mario Kunasek, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inneres betreffend Abonnements in den Bundesministerien (3347/J)
Mario Kunasek, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Justiz betreffend Abonnements in den Bundesministerien (3348/J)
Mario Kunasek, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Landesverteidigung und Sport betreffend Abonnements in den Bundesministerien (3349/J)
Mario Kunasek, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft betreffend Abonnements in den Bundesministerien (3350/J)
Mario Kunasek, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur betreffend Abonnements in den Bundesministerien (3351/J)
Mario Kunasek, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Verkehr, Innovation und Technologie betreffend Abonnements in den Bundesministerien (3352/J)
Mario Kunasek, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Wirtschaft, Familie und Jugend betreffend Abonnements in den Bundesministerien (3353/J)
Mario Kunasek, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Wissenschaft und Forschung betreffend Abonnements in den Bundesministerien (3354/J)
Mag. Albert Steinhauser, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inneres betreffend Vorgehen der SOKO Tierschutz gegen eine UVS-Richterin (3355/J)
Mag. Albert Steinhauser, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Justiz betreffend Ermittlungen der SOKO Tierschutz gegen eine UVS-Richterin (3356/J)
Mag. Werner Kogler, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Finanzen betreffend „System Grasser“ und der Wille der ÖVP, die Machenschaften lückenlos aufzuklären (3357/J)
Dr. Walter Rosenkranz, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur betreffend die Kosten für die Teilnahme Österreichs an der internationalen Bildungsstudie PIRLS (3358/J)
Dr. Susanne Winter, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inneres betreffend Straftaten im Bezirk Judenburg im 3. Quartal (3359/J)
Andrea Gessl-Ranftl, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur betreffend SchülerInnenhöchstzahl in Bundesgymnasien und Bundesrealgymnasien (3360/J)
Mag. Johann Maier, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft betreffend „Vollziehung des Pflanzenschutzgesetzes im Jahr 2008“ (3361/J)
Dr. Ferdinand Maier, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Verkehr, Innovation und Technologie betreffend ausstehender Bericht an den Nationalrat über die zur Vollstreckung österreichischer Entscheidungen in anderen Mitgliedstaaten im Bereich des Verkehrswesens notwendigen Auskunftserteilungen zur Ermittlung der Lenker (3362/J)
Gerhard Steier, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur betreffend Lernbehelfe in rosarot und himmelblau (3363/J)
Mag. Ewald Stadler, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Landesverteidigung und Sport betreffend „Intrigantenstadl Abwehramt“ (3364/J)
Stefan Markowitz, Kolleginnen und Kollegen an den Bundeskanzler betreffend Bekämpfung von funktionalem Analphabetismus in Österreich (3365/J)
Stefan Markowitz, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Frauen und öffentlichen Dienst betreffend Bekämpfung von funktionalem Analphabetismus in Österreich (3366/J)
Stefan Markowitz, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für europäische und internationale Angelegenheiten betreffend Bekämpfung von funktionalem Analphabetismus in Österreich (3367/J)
Stefan Markowitz, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz betreffend Bekämpfung von funktionalem Analphabetismus in Österreich (3368/J)
Stefan Markowitz, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Finanzen betreffend Bekämpfung von funktionalem Analphabetismus in Österreich (3369/J)
Stefan Markowitz, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Gesundheit betreffend Bekämpfung von funktionalem Analphabetismus in Österreich (3370/J)
Stefan Markowitz, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Inneres betreffend Bekämpfung von funktionalem Analphabetismus in Österreich (3371/J)
Stefan Markowitz, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Justiz betreffend Bekämpfung von funktionalem Analphabetismus in Österreich (3372/J)
Stefan Markowitz, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Landesverteidigung und Sport betreffend Bekämpfung von funktionalem Analphabetismus in Österreich (3373/J)
Stefan Markowitz, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft betreffend Bekämpfung von funktionalem Analphabetismus in Österreich (3374/J)
Stefan Markowitz, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur betreffend Bekämpfung von funktionalem Analphabetismus in Österreich (3375/J)
Stefan Markowitz, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Verkehr, Innovation und Technologie betreffend Bekämpfung von funktionalem Analphabetismus in Österreich (3376/J)
Stefan Markowitz, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Wirtschaft, Familie und Jugend betreffend Bekämpfung von funktionalem Analphabetismus in Österreich (3377/J)
Stefan Markowitz, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Wissenschaft und Forschung betreffend Bekämpfung von funktionalem Analphabetismus in Österreich (3378/J)
Erich Tadler, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Wirtschaft, Familie und Jugend betreffend „geplante Privatisierung der Bundesimmobiliengesellschaft BIG und den Verkauf von BIG Liegenschaften“ (3379/J)
Erich Tadler, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Verkehr, Innovation und Technologie betreffend „Neben- und Regionalbahnen der ÖBB im Bundesgebiet“ (3380/J)
Martina Schenk, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz betreffend „Gift in Produkten aus der Volksrepublik China“ (3381/J)
Mag. Josef Auer, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz betreffend Internetkäufe verbotener Gegenstände durch Minderjährige (3382/J)
Mag. Josef Auer, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Wirtschaft, Familie und Jugend betreffend Internetkäufe verbotener Gegenstände durch Minderjährige (3383/J)
Mag. Johann Maier, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Finanzen betreffend „Gold-Sparpläne von KB Edelmetall“ (3384/J)
Mag. Johann Maier, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Gesundheit betreffend „Aktuelle Situation der KrankenpflegeschülerInnen in Österreich“ (3385/J)
Jakob Auer, Kolleginnen und Kollegen an die Bundesministerin für Verkehr, Innovation und Technologie betreffend restriktive Bedienung der Bahnhaltestelle Neukirchen-Gampern (3386/J)
Anfragebeantwortungen
des Bundesministers für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft auf die Anfrage der Abgeordneten Ing. Christian Höbart, Kolleginnen und Kollegen (2891/AB zu 3032/J)
des Bundeskanzlers auf die Anfrage der Abgeordneten Mag. Ewald Stadler, Kolleginnen und Kollegen (2892/AB zu 2925/J)
des Bundeskanzlers auf die Anfrage der Abgeordneten Mag. Ewald Stadler, Kolleginnen und Kollegen (2893/AB zu 2927/J)
des Bundeskanzlers auf die Anfrage der Abgeordneten Dr. Walter Rosenkranz, Kolleginnen und Kollegen (2894/AB zu 2952/J)
Beginn der Sitzung: 9.07 Uhr
Vorsitzende: Präsidentin Mag. Barbara Prammer, Zweiter Präsident Fritz Neugebauer, Dritter Präsident Mag. Dr. Martin Graf.
*****
Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Guten Morgen, meine Damen und Herren! Ich eröffne die Sitzung.
Das Amtliche Protokoll der 39. Sitzung vom 15. Oktober 2009 ist in der Parlamentsdirektion aufgelegen und unbeanstandet geblieben.
Am heutigen Sitzungstag sind folgende Abgeordnete als verhindert gemeldet: Großruck, Praßl, Dr. Schüssel, Themessl, Vilimsky, Dr. Lichtenecker und Keck.
Vertretung von Mitgliedern der Bundesregierung
Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Für diese Sitzung hat das Bundeskanzleramt über die Vertretung von Mitgliedern der Bundesregierung folgende Mitteilung gemacht:
Der Bundesminister für Wissenschaft und Forschung Dr. Johannes Hahn wird durch den Bundesminister für Wirtschaft, Familie und Jugend Dr. Reinhold Mitterlehner vertreten.
Ferner gebe ich die Vertretung von Mitgliedern der Bundesregierung, welche sich in einem anderen Mitgliedstaat der Europäischen Union aufhalten, wie folgt bekannt:
Der Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft Dipl.-Ing. Nikolaus Berlakovich wird durch den Bundesminister für europäische und internationale Angelegenheiten Dr. Michael Spindelegger vertreten.
Einwendungen gegen die Tagesordnung gemäß § 50 GOG
Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Ich gebe bekannt, dass die Abgeordneten Ing. Westenthaler, Bucher, Kolleginnen und Kollegen im Sinne des § 50 der Geschäftsordnung schriftlich Einwendungen gegen die Tagesordnung der heutigen und morgigen Sitzung erhoben haben. Danach sollen die Tagesordnungspunkte 6 bis 9 der Tagesordnung der 40. Sitzung – das sind die Berichte des Ausschusses für innere Angelegenheiten – von der heutigen Tagesordnung abgesetzt und als Tagesordnungspunkte 1 bis 4 am Beginn der 41. Sitzung vor der für den morgigen Tag schon geplanten Tagesordnung behandelt werden.
Zur Geschäftsbehandlung hat sich Herr Abgeordneter Dr. Rosenkranz zu Wort gemeldet. – Bitte.
9.09
Abgeordneter Dr. Walter Rosenkranz (FPÖ) (zur Geschäftsbehandlung): Frau Präsidentin! Frau Bundesministerin! Auch die freiheitliche Fraktion erhebt Einwendungen gegen die Tagesordnung der 40. und 41. Sitzung.
Wir stellen das Verlangen, dass die Tagesordnungspunkte 6 bis 9 der heutigen Tagesordnung – Vorlagen des Innenausschusses – zu Beginn der 41. Sitzung als Tagesordnungspunkte 1 bis 4 zum Aufruf gelangen. Wir verlangen auch eine entsprechende Debatte über die Einwendungen. – Danke.
9.09
Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Ich trete diesen Einwendungen nicht bei.
Zur Geschäftsordnung ist Herr Abgeordneter Ing. Westenthaler zu Wort gemeldet. – Bitte.
9.10
Abgeordneter Ing. Peter Westenthaler (BZÖ) (zur Geschäftsbehandlung): Frau Präsidentin! Bevor Sie diesen Einwendungen nicht beitreten, erlauben Sie mir, unseren schriftlichen Antrag geschäftsordnungsmäßig zu erläutern.
Wir wollen, dass nach § 50 Abs. 1 der Geschäftsordnung die heutigen Tagesordnungspunkte 6 bis 9 – das sind die Fremdenrechts- und Asylrechtsangelegenheiten – morgen als erste Tagesordnungspunkte, also 1 bis 4, behandelt werden, weil wir der Ansicht sind, dass diese Materie eine der wichtigsten Materien auch für die Menschen in diesem Land ist, weil die Zuwanderungs- und Asylmaterie eine Materie ist, die die Menschen brennend bewegt. Daher wollen wir sie nicht irgendwo am Abend verräumt wissen, sondern zu einer Zeit diskutieren, zu der die Menschen der Debatte auch folgen können, meine sehr geehrte Damen und Herren! (Beifall bei BZÖ und FPÖ.)
9.10
Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Ich trete diesen Einwendungen nicht bei, weshalb der Nationalrat zu entscheiden hat. Debatte und Abstimmung über die Einwendungen werden nach der Aktuellen Stunde stattfinden.
Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Wir gelangen nun zur Aktuellen Stunde – die Sitzung wird vom ORF bis 13 Uhr live übertragen – mit dem Thema:
„Das Chaos fährt Bahn“
Als Erster zu Wort gemeldet hat sich Herr Klubobmann Bucher. Die Redezeit beträgt 10 Minuten. – Bitte. (Rufe bei der SPÖ: Wo ist der Gorbach?)
9.11
Abgeordneter Josef Bucher (BZÖ): Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! „Das Chaos fährt Bahn“ ist der treffende Titel der heutigen Aktuellen Stunde. Die ÖBB sind ja sozusagen Dauerpatient am politischen Operationstisch unseres Landes. Da wird ja ständig und überall eingegriffen. Nicht erst seit dem Krankendatenskandal, sondern seit vielen Monaten, ja Jahren wird in regelmäßigen Abständen von der Regierung, aber auch von den Gewerkschaftern an den ÖBB herumgebastelt und herumgeschnipselt.
Man weiß nie so recht, was dabei herauskommen soll. Auf alle Fälle ist ein Weg absehbar, nämlich dass die Bundesregierung aus den ÖBB in Richtung AUA geht. Was mit der AUA geschehen ist, haben wir noch sehr gut in Erinnerung! Die Gewerkschaft will offensichtlich aus den ÖBB einen zweiten BAWAG-Skandal machen. Das ist absehbar, meine sehr geehrten Damen und Herren! Das ist der Schluss, der sich aus der Grobbeobachtung ziehen lässt. (Beifall beim BZÖ. – Abg. Faul: Das BZÖ ...!)
Zu den Verfehlungen der Bundesregierung: Sie sind umfassend! Ich darf nur in Erinnerung bringen – die Erinnerungslücken gerade bei den Eisenbahnergewerkschaftern dürften sehr groß sein! –, was allein der zuständige Bundesminister Faymann in den letzten Jahren mit den ÖBB gemacht hat! Ich darf an die Abfertigungen der Vorstände bei den ÖBB erinnern. Man vergisst das alles so schnell, Herr Kollege Haberzettl!
Ich rufe in Erinnerung, dass man dem Herrn Huber einen Beratervertrag in Höhe von 300 000 € genehmigt hat, ohne die Frage zu beantworten, welche Gegenleistung Herr Huber erbringt. Das ist ja bis heute noch nicht geklärt, dass man dem Herrn Huber 300 000 € gibt und dafür keinen Beratungsauftrag einfordert. (Abg. Faul: Der Huber ... BZÖ-Mann!)
600 Millionen € werden verspekuliert. Gut, wenn man sieht, wie viele Milliarden in diesem Land verspekuliert werden, dann nehmen sich 600 Millionen € relativ bescheiden aus. Für ein Unternehmen wie die Österreichischen Bundesbahnen ist das aber sehr, sehr viel.
Die Hauptgeschädigten, meine sehr geehrten Damen und Herren, sind die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler unseres Landes. 4 Milliarden € werden jährlich aus dem ordentlichen Haushalt in die ÖBB gesteckt, damit die ÖBB 2 Milliarden € Umsatz machen können. Diese betriebswirtschaftliche Rechnung müssen Sie sich einmal auf der Zunge zergehen lassen! Daran scheitert jeder Ökonom in diesem Land. (Beifall beim BZÖ.)
4 Milliarden € Subvention vom Land, vom Bund und 2 Milliarden € Umsatz. Wer dieses Kunststück zustande bringt, ist nobelpreisverdächtig, meine sehr geehrten Damen und Herren!
Gleichzeitig werden die Schulden von Jahr zu Jahr mehr. Es besteht heute ein Schuldenstand bei den ÖBB in der Größenordnung von 12 Milliarden €, im Jahr 2023 wird dieser 26 Milliarden € ausmachen – nur um dies in Erinnerung zu bringen! Das sind außerbudgetäre Schulden. Das sind keine Schulden, die wir im Zuge der Budgetverhandlungen hier verhandeln. Diese sind außerordentlich zu behandeln und zu begleichen.
Wer sind die großen Draufzahler? – Einerseits die Steuerzahler, aber natürlich auch die Kunden, die mit der Bahn reisen, die auf die Bahn nicht verzichten können. Das sind die Pendlerinnen und Pendler unseres Landes, die tagtäglich zur Arbeit fahren. Diese müssen auf den Komfort verzichten. Diese müssen höhere Ticketpreise bezahlen. Diese müssen mit den Verspätungen zurechtkommen. Und diese müssen vor allem eines zur Kenntnis nehmen, Frau Bundesministerin, nämlich dass Sie nicht Wort halten, dass Sie nicht in der Lage sind, das, was die Bundesminister in der letzten Zeit versprochen haben, nämlich die rechtzeitige Fertigstellung der Koralmbahn, auch tatsächlich zu realisieren. (Beifall beim BZÖ.)
Man muss sich doch ernsthaft fragen, meine sehr geehrten Damen und Herren: Worauf darf man sich in dieser Republik überhaupt noch verlassen? Was zählt das Wort einer Bundesministerin in diesem Land? Was ist das Wort eines Ministers überhaupt noch wert, wenn Sie hergehen und die Mittel abziehen, was die Koralm-Investitionen anlangt, nur damit Sie das Desaster am Wiener Hauptbahnhof beseitigen können, wo Ihr Bürgermeister in der Bredouille steckt, weil dort 900 Millionen € verplant sind und Sie nicht wissen, wie Sie aus diesem Schlamassel herauskommen? Da zeichnet sich ein zweiter Skylink-Skandal am Standort Wien ab, meine sehr geehrten Damen und Herren! Das wollen Sie vermeiden, weil Sie in Wien vor den Landtagswahlen stehen. (Beifall beim BZÖ.)
Das ist die Wahrheit. Versuchen Sie nicht, uns zu erklären, dass Sie plötzlich beim Durchbohren der Koralm auf Gestein gestoßen sind! (Abg. Silhavy: No na!) Das kann ja nicht der Grund dafür sein, dass jetzt die Bauverzögerungen eintreten. Damit muss man eigentlich rechnen, dass man, wenn man einen Tunnel durch einen Berg baut, irgendwann einmal auf Gestein stößt. Das ist ja wohl nichts Neues, meine sehr geehrten Damen und Herren!
Fehlentscheidungen, Missmanagement und Missstände lösen einander ab. Das ist auch der Grund, warum die Österreichischen Bundesbahnen heute so dastehen, wie sie dastehen.
Die Krankendatenaffäre ist ja nur eine vorgeschobene Affäre der Gewerkschafter. In Wahrheit steckt ja ein Ziel dahinter, nämlich die Dienstverträge, die bilateral von den ÖBB mit den einzelnen Bediensteten der Bundesbahn abgeschlossen wurden, zu unterlaufen und rückgängig zu machen. Diese Dienstverträge waren privatwirtschaftlich orientiert. Sie haben letztendlich dazu geführt, dass die Krankenstandstage von 27 auf 17 gesunken sind. (Abg. Haberzettl: Sie sind völlig ahnungslos!) Das muss man sich vorstellen. Das ist doch ein Riesenerfolg für die Bahn! Herr Haberzettl, Sie sollten stolz drauf sein, dass das gelungen ist! (Beifall beim BZÖ. – Zwischenruf der Abg. Silhavy.)
Die durchschnittliche Zahl der Krankenstandstage liegt im Jahr immer noch bei elf, meine sehr geehrten Damen und Herren!
Das hat den ÖBB mehr Flexibilität gebracht, das hat den Mitarbeitern letztendlich mehr Lohn gebracht. Die Gewerkschaft will das jetzt untergraben und diesen Leistungsgedanken wieder aus den ÖBB hinausbekommen. Man will bei den Österreichischen Bundesbahnen keinen Leistungsgedanken haben. Man will zurück in die alten Zeiten der neunziger Jahre, meine sehr geehrten Damen und Herren Haberzettls dieser Republik! (Ironische Heiterkeit des Abg. Faul.)
Herr Kollege Haberzettl, warum übernehmen Sie nicht gleich den Job des Generaldirektors der ÖBB? Das wäre doch viel ehrlicher und anständiger. (Beifall und Rufe beim BZÖ: Jawohl!) Übernehmen Sie diesen Job! Sie dirigieren ja ohnehin dieses Unternehmen und sagen, wo es langgeht. (Abg. Mag. Stadler: Man verdient auch weniger!)
Es ist bezeichnend, was man erfährt, wenn man ein Flugblatt des Herrn Kollegen Haberzettl vom 25. September dieses Jahres liest. Da spricht er von Verunglimpfung der Eisenbahnerinnen und Eisenbahner. (Zwischenrufe der Abg. Silhavy.) Da spricht er davon, dass das kollektive Arbeitsrecht unterlaufen wird – nämlich durch diese neuen Dienstverträge.
Wenn man sich dann anschaut, wer denn aller diese Dienstverträge in Anspruch genommen hat, Herr Kollege Haberzettl, dann kommt einem wirklich etwas hoch! Betriebsräte nehmen dieses moderne Dienstrecht gerne in Kauf, beispielsweise der stellvertretende Konzernbetriebsratsvorsitzende der ÖBB – Ihr Stellvertreter, Herr Kollege Haberzettl! –, Herr Gottfried Winkler. Dieser hat das gerne in Kauf genommen. Warum? – Weil er 1 000 € im Monat mehr erhält. (Oh-Rufe beim BZÖ. – Abg. Ing. Westenthaler: Da sind die Abkassierer unterwegs!)
Herr Werner Harrer, Zentralbetriebsratsvorsitzender der Rail Cargo Austria AG – auch kein Unbekannter! –, bekommt 500 € mehr im Monat. (Oh-Rufe beim BZÖ. – Abg. Ing. Westenthaler: Ein bisschen Körberlgeld!) Er hat bei diesem Angebot gerne zugegriffen.
Oder Betriebsräte der ÖBB-Personenverkehr AG: Radlingmayr Helmut, 400 € pro Monat mehr. Das lässt sich fortsetzen. Betriebsrat der ÖBB-Infrastruktur: Fleckinger Herbert, monatlich 900 € mehr. Alle lassen sich diese „Verunglimpfung“, von der Sie sprechen, gerne zukommen, ganz zu schweigen von den Vergünstigungen wie Dienstwägen und Chauffeuren, die diese Betriebsräte erhalten. (Beifall beim BZÖ.)
Herr Kollege Haberzettl, Sie brauchen das natürlich nicht! Sie brauchen diese Begünstigung nicht, denn Sie sind ja ohnehin Nationalrat, Sie sind Vorsitzender und Konzernbetriebsrat der ÖBB, Bundesvorsitzender der Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafter in der Sektion Verkehr, in der VIDA, wo Sie den Dienstwagen und den Chauffeur erhalten. (Abg. Riepl: Stimmt doch gar nicht!) In Summe verdienen Sie 17 000 € im Monat. Ich bin Ihnen nicht neidig, aber dann können Sie gleich den Generaldirektor von den ÖBB machen – das wäre viel ehrlicher – und gleich die Verantwortung für die ÖBB mit übernehmen, meine Damen und Herren! (Beifall beim BZÖ. – Abg. Riepl: Das stimmt alles nicht! Falsche Rede vom Vorjahr!)
Das ist eine unehrliche Art und Weise, wie Sie mit den Interessen der Belegschaft umgehen. Ich kritisiere nicht die Belegschaft, ich kritisiere nicht die Bediensteten der ÖBB, sondern ausschließlich die Gewerkschaft, die in einer selbstherrlichen Art und Weise dieses Unternehmen beeinflusst – in einer selbstherrlichen Art und Weise! Viele Recherchen und Artikel aus der letzten Zeit, wie beispielsweise jene im „FORMAT“, sind ein Zeugnis dafür, wie Sie über Ihre Verhältnisse hinaus dieses Unternehmen dirigieren und beeinflussen, wo Sie in selbstherrlicher Art und Weise agieren und Vereinbarungen abschließen, ohne sie rechtmäßig zustande kommen zu lassen, meine Damen und Herren! Das ist ein Punkt, der in dieser Republik an den Pranger zu stellen ist.
Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wir brauchen wieder eine leistungsfähige und eine moderne Bahn – und keine geschützte Werkstätte für die Gewerkschaften der ÖBB! – Danke. (Beifall beim BZÖ.)
9.20
Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Zu einer einleitenden Stellungnahme hat sich Frau Bundesministerin Bures zu Wort gemeldet. Die Redezeit soll 10 Minuten nicht überschreiten. – Bitte, Frau Bundesministerin.
9.21
Bundesministerin für Verkehr, Innovation und Technologie Doris Bures: Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich glaube, die Absicht, die hinter der heutigen Debatte steht, ist leicht durchschaubar – und sie hat auch System. Seit gestern hat das berühmte Grasser-System eine neue Facette bekommen, wo es um das Verscherbeln von 10 000 bundeseigenen Wohnungen gegangen ist. Und es ist immer wieder das gleiche Muster, das angewendet wird: Ein österreichisches Unternehmen, die Menschen, die dort arbeiten, werden desavouiert, es wird dieses Unternehmen permanent in Kritik gezogen, es wird eine österreichische Marke, auf die wir stolz sein sollten, nachhaltig ruiniert, um dieses Unternehmen dann unter dem Preis zu verscherbeln – und Ihnen wäre es natürlich am liebsten, an Ihre Freunde. Das ist das System! (Beifall bei der SPÖ.)
Aber, meine sehr geehrten Damen und Herren, es gibt eine positive Nachricht: Dieses System beschäftigt heute die Gerichte und gehört zum Glück der Vergangenheit an. Und ich kann Ihnen sagen: Mit der Sozialdemokratie in der Bundesregierung wird es so etwas an Freunderlwirtschaft, wie es in der Vergangenheit geherrscht hat, nicht mehr geben! (Oh-Rufe bei FPÖ und BZÖ und ironische Heiterkeit bei der ÖVP.)
Ich möchte hier aber klar und deutlich sagen: Ja, es gibt Probleme. Es gibt Probleme bei den ÖBB, die dieses Unternehmen zu meistern hat. Ja, ich bin dafür, dass das Unternehmen wesentlich kundenfreundlicher wird, als das in der Vergangenheit der Fall war. (Abg. Mag. Stadler: Was sagt der Haberzettl dazu?) Ich bin dafür, dass sich die Menschen auf das Unternehmen verlassen können (Abg. Mag. Stadler: ... zumindest den Haberzettl fragen!) und es mehr Pünktlichkeit bei den Zugverbindungen gibt. Und Sie können sich darauf verlassen: Daran wird das Management der ÖBB in Zukunft auch gemessen werden! (Beifall bei der SPÖ. – Abg. Mag. Stadler: Das Management kann gar nichts machen ohne Haberzettl! Es kommt nur auf den Haberzettl an!)
Und: Ich stehe dazu, dass dieses Unternehmen vor ganz großen Herausforderungen steht, die, wie gesagt, auch gemeistert werden müssen.
Aber wissen Sie, was unredlich ist? – Unredlich ist bei dieser Debatte, wenn gerade das BZÖ – und traurigerweise offensichtlich ein bisschen begleitet von unserem Regierungspartner (Oh-Rufe beim BZÖ) – etwas, das sie selbst verursacht haben, heute zu skandalisieren versucht. Ich möchte es nur in Erinnerung rufen: Es waren Ihre Verkehrsminister, die Minister Schmid, Reichhold, die berühmten Minister Forstinger, Gor-
bach (Abg. Riepl: ... gar nicht berühmt!) – den Staatssekretär Kukacka will ich lieber gar nicht erwähnen, meine sehr geehrten Damen und Herren –, diese Herrschaften waren die Verursacher vieler Probleme, die die ÖBB heute zu bewältigen und zu meistern haben. (Beifall bei der SPÖ.)
Ich möchte aufgrund der kurzen Zeit, die ich habe, nur ein paar Beispiele anführen: Im Jahr 2003 haben Sie bei den ÖBB Pensionsregelungen eingeführt, um vorzeitig – oft gegen ihren Willen – 8 000 Menschen in diesem Unternehmen in die Pension zu locken. (Abg. Bucher: Gegen die Gewerkschaft? Gegen die Gewerkschaft? Hat der Haberzettl ...?) Heute schreien Sie: Abschaffen! – Das ist das Unredliche an Ihrer Diskussion! (Beifall bei der SPÖ.)
Es ist auch unredlich, dass gerade Sie sieben Jahre lang dieses Unternehmen totgespart haben, das Schienennetz nicht regelmäßig instandgehalten haben – und heute prangern Sie Baustellen an! Das ist auch ein unredliches politisches Verhalten Ihrerseits. (Beifall bei der SPÖ.)
Von den Geschäftsstrukturen bei den ÖBB, die untauglich waren, die wir glücklicherweise sofort repariert haben, möchte ich gar nicht sprechen.
Aber ein Punkt vielleicht noch, was den Schuldenstand der ÖBB betrifft: Es war ein BZÖ-Bundesminister in der schwarz-blauen Regierung, der Manager bestellt hat, die Finanzspekulationen betrieben haben. 600 Millionen € verspekuliert! Das ist ein Skandal – aber es ist Ihr Skandal, Herr Bucher! (Beifall und Bravorufe bei der SPÖ.)
Aber zum Glück sind diese Zeiten vorbei. Ich stehe zu diesem wichtigen österreichischen Infrastrukturunternehmen. Und diese ÖBB, die haben ein Gesicht: Dort sind 40 000 Menschen beschäftigt, die, so wie viele Menschen in unserem Land, hart arbeiten (Abg. Bucher: Das haben wir eh gesehen, was die Gewerkschaft verdient!), die tagtäglich versuchen, wirklich ihr Bestes zu geben!
Diese 40 000 Menschen befördern 1,2 Millionen Fahrgäste täglich – das sind Schülerinnen, Schüler, Pendlerinnen, Pendler –, sie verhindern, dass wir jedes Monat 9 Millionen Tonnen Güterverkehr auf der Straße haben. Wir sind die Besten in der Europäischen Union – die Besten! (Abg. Ursula Haubner: Na, na!) –, was den Güterverkehr auf der Schiene statt auf der Straße betrifft. (Ruf beim BZÖ: Die besten Abkassierer!) 3,4 Millionen Tonnen CO2-Ausstoß werden durch dieses Unternehmen jährlich verhindert. Das ist das größte Klimaschutzprojekt der Gegenwart und unserer Meinung nach auch der Zukunft! (Beifall bei der SPÖ.)
Und weil das Unternehmen Österreichische Bundesbahnen für die Umwelt, für den Klimaschutz, für eine moderne Infrastruktur, für eine Stärkung unseres Wirtschaftsstandorts und der Klein- und Mittelbetriebe in unserem Land so wichtig ist und so eine Bedeutung hat – eigentlich existenziell notwendig ist, wenn wir uns als Wirtschaftsstandort im europäischen Wettbewerb auch durchsetzen wollen –, deshalb haben wir das größte Investitionspaket der Zweiten Republik geschnürt, deshalb bauen wir die zentralen Netze aus, deshalb werden wir die Südbahn ausbauen, vom Semmering-Basistunnel über den Koralmtunnel. Beim Koralmtunnel werden Mineure, Bautechniker, Bauarbeiter ab sofort – und erstmals finanziert, im Unterschied zur Vergangenheit – Tag für Tag dort arbeiten, 24 Stunden am Tag, in drei Schichten sieben Tage die Woche werden sie daran arbeiten, dass wir in Zukunft ein modernes Schienennetz für die Bevölkerung und für den Güterverkehr in Österreich zur Verfügung stellen können. (Beifall bei der SPÖ.)
Wir werden mit diesen Investitionen die Bahn beschleunigen. Wir werden Nadelöhre beseitigen. Wir werden hundert Bahnhöfe in Österreich erneuern. Wir werden gefährliche Eisenbahnkreuzungen, wo viel zu viele Unfälle passieren, auch sicherer machen durch diese Investitionen. (Abg. Mag. Stefan: Was ist bisher geschehen?)
Meine sehr geehrten Damen und Herren! Bei all diesen Spatenstichen, die wir da vornehmen (Abg. Bucher: Was ist jetzt mit der Koralmbahn, Frau Bundesminister?), bei den Eröffnungsfeiern, bei den Dachgleichenfeiern bei Bahnhöfen stehen neben mir – und ich freue mich darüber, ich freue mich wirklich, es ist schön – in der ersten Reihe (Abg. Mag. Stadler: Wir sind gerührt! Wir sind alle gerührt!) Politikerinnen und Politiker dieses Hauses, und zwar von allen Parteien. Sie stehen neben mir in der ersten Reihe. (Abg. Ing. Westenthaler: Hauptsache, in der ersten Reihe!) Aber wissen Sie, was nicht geht? – Was nicht geht, ist, dass dann, wenn es dann darum geht, auch zu diesen Investitionen, zu den Investitionen in ein modernes Schienennetz zu stehen, niemand mehr neben mir in der ersten Reihe steht, dass dann – ganz im Gegenteil – wie von Heckenschützen aus vollen Rohren gegen das Unternehmen gefeuert wird. Das ist unredlich, meine sehr geehrten Damen und Herren! (Beifall bei der SPÖ. – Abg. Bucher: Was ist jetzt mit der Koralmbahn? – Abg. Mag. Stadler: Sagen Sie doch glatt, wenn Sie die ÖVP meinen!)
Sie können nicht auf der einen Seite die Modernisierung, den Koralmtunnel, Baumaßnahmen bejubeln (Abg. Grosz: Da haben Sie ... € gekürzt, Frau Minister, am Höhepunkt der Wirtschaftskrise! – Das ist Realitätsverweigerung!), die Beschäftigungseffekte, die wir dadurch haben, mit dem geringsten Anstieg an Arbeitslosigkeit in der Europäischen Union, bejubeln und auch den volkswirtschaftlichen Nutzen immer betonen, wenn Sie nicht auch gleichzeitig – sonst sind Sie nämlich unglaubwürdig! – zu diesen Investitionen stehen (Abg. Grosz: Warum kürzen Sie die Investitionen? Warum kürzen Sie sie?), dazu stehen, dass es damit für die ÖBB auch erforderlich ist, diese Modernisierungen durch Kredite zu finanzieren. Und so habe ich das auch mit dem Finanzminister schriftlich vereinbart. (Beifall bei der SPÖ. – Abg. Grosz: Warum kürzen Sie sie?)
Meine sehr geehrten Damen und Herren! Als Verkehrsministerin und aus tiefer Überzeugung, dass wir eine ökologische, moderne Infrastruktur in Österreich brauchen und es höchst an der Zeit ist, dass wir diese Modernisierungsschritte setze, stehe ich voll und ganz hinter diesem neuen, eingeschlagenen Weg. Ich stehe für ein umweltfreundliches, ein kundenorientiertes Dienstleistungsunternehmen ÖBB, das dem 21. Jahrhundert auch gerecht wird.
Ich stehe zu diesem Unternehmen und möchte, dass alle Österreicherinnen und Österreicher, vor allem die, die die Bahn auch benützen (Abg. Öllinger: Das ist das Problem! Da gibt’s leider wirklich Probleme!), zu Recht stolz sein können auf dieses Unternehmen. Dafür stehe ich, und dafür werde ich auch sorgen! (Beifall bei der SPÖ.)
9.30
Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Ich mache darauf aufmerksam, dass die Redezeit aller weiteren Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Aktuellen Stunde laut § 97a Abs. 6 der Geschäftsordnung 5 Minuten nicht übersteigen darf.
Zu Wort gelangt nun Herr Abgeordneter Heinzl. (Abg. Mag. Stadler: Jetzt kommt die „schärfste Waffe“: der Erstredner der SPÖ! – Abg. Ing. Westenthaler: Die „Wunderwaffe“ der SPÖ!)
9.30
Abgeordneter Anton Heinzl (SPÖ): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Frau Bundesministerin! Sehr geehrte Damen und Herren! Hohes Haus! Sehr geehrte Damen und Herren vom BZÖ, ich gratuliere Ihnen zu Ihrem Mut, dass Sie heute diese Aktuelle Stunde mit dem Thema „Das Chaos fährt Bahn“ eingebracht haben, wo doch jeder in dieser Republik weiß, dass das personifizierte Chaos eigentlich die Verkehrsminister aus den Reihen Ihrer Parteifreunde waren. Ich gratuliere Ihnen daher zu diesem Mut. (Beifall bei der SPÖ.)
Es ist unbestritten, sehr geehrte Damen und Herren, dass es derzeit bei den ÖBB gewisse Qualitätsprobleme gibt, vor allem bei der Pünktlichkeit. Das hat aber, wenn man sich die Sache genau anschaut, vielfältige Gründe, die bereits abgearbeitet werden, und die Situation verbessert sich, ich möchte sagen, fast tagtäglich. (Abg. Mag. Stadler: Im Stundentakt, wir wissen es!)
Das Unternehmen ÖBB hat verlautbart, dass bis spätestens Ende 2009 90 Prozent an Pünktlichkeit erreicht werden. Und es ist wirklich meine tiefste Überzeugung, sehr geehrte Damen und Herren, dass nur ein gut ausgebautes, modernes Schienennetz der Grundstein für den öffentlichen Verkehr sein kann und hohe Qualität für den Kunden gewährleistet.
Österreich hat auf diesem Gebiet viel aufzuholen – die Frau Bundesminister hat es uns soeben auch mitgeteilt –: Der Großteil unseres Schienennetzes stammt noch aus der Zeit der Monarchie. Das Wagenmaterial einiger Nebenbahnen ist nicht viel jünger. Und Sie werden mir sicher alle zustimmen, dass dies für Tausende Pendler eine Zumutung ist. Aber unsere Bundesministerin Doris Bures setzt mit den massiven Investitionen in den Ausbau des Schienennetzes genau die richtigen Maßnahmen.
Noch einmal zur Wiederholung für alle, die es nicht registrieren wollen oder auch nicht verstehen wollen – oder vielleicht auch nicht verstehen –: Von 2009 bis 2014 wird insgesamt die unglaubliche Summe von 13,9 Milliarden € in den Ausbau der Schiene investiert. (Abg. Weinzinger: Wo habt ihr das Geld her? Woher kommt das Geld?) Ohne diese Maßnahmen, sehr geehrte Damen und Herren vom BZÖ, hätten wir in diesem Zeitraum um 40 000 Arbeitsplätze weniger in Österreich. Zusätzlich werden noch rund 100 Bahnhöfe renoviert oder neu gebaut. Das betrifft nicht nur die Gebäude, sondern auch die Gleisanlagen in ganz Österreich. Aber auch in die Sicherheit wird investiert: In ganz Österreich werden 100 Eisenbahnkreuzungen entschärft, um die Zahl der schweren Verkehrsunfälle zu reduzieren.
Folgendes möchte ich Ihnen mitteilen, sehr geehrte Damen und Herren vom BZÖ: Im Rahmen dieses Ausbaus wird in meiner Heimatstadt, der niederösterreichischen Landeshauptstadt St. Pölten, endlich die Güterzugumfahrung weitergebaut. (Abg. Mag. Stadler: Wer hat das veranlasst?) Und ich bin mir sicher, sehr geehrte Damen und Herren vom BZÖ, Sie können sich noch genau daran erinnern, dass Ihr eigener Kurzzeitminister Schmid damals den bereits laufenden Bau der Güterzugumfahrung St. Pölten eingestellt und so rund 100 Millionen € sprichwörtlich in den Traisenschotter gesetzt hat. (Beifall bei der SPÖ.)
Seit zehn Jahren verfallen die bereits errichteten Rohbauten, Brücken und so weiter der Güterzugumfahrung St. Pölten zu Ruinen. Jetzt feiern wir am 24. November, dank Ministerin Bures, wieder den Spatenstich zum Weiterbau. Allein in dieses Bauvorhaben werden 450 Millionen € investiert werden.
Und da wir schon beim Thema Geld sind: Die Finanzierung des öffentlichen Verkehrs, sehr geehrte Damen und Herren, ist – dies festzustellen ist mir auch wichtig – die gemeinsame Aufgabe von Bund und Ländern. Das möchte ich auch manchen unserer Bundesländer vielleicht einmal in Erinnerung rufen.
Sehr geehrte Damen und Herren! Hohes Haus! Jeder von Ihnen, der selbst schon einmal ein Haus renoviert oder eine Wohnung modernisiert hat, weiß, ein Umbau oder Ausbau ist niemals angenehm, es staubt. Trotzdem nehmen wir alle mit Freude diese Unannehmlichkeiten in Kauf und diese Arbeiten in Angriff. Der Grund dafür ist einfach: Wir wissen, dass die Situation nach dem Umbau wesentlich besser sein wird als früher.
Und so ähnlich ist es auch mit den ÖBB: Der Ausbau und die Modernisierung des Schienennetzes bringen große und kleine Unannehmlichkeiten mit sich, das ist nicht zu
bestreiten. Niemand kann erwarten, dass sich Pendler freuen, wenn sie früher aufstehen müssen, wenn die Schnellbahn in die Arbeit sich jeden Tag verspätet. Trotz all dieser Probleme müssen wir jedoch das gemeinsame Ziel im Auge behalten, nämlich ein flächendeckendes, qualitätsvolles und leistbares Angebot für den öffentlichen Verkehr. (Beifall und Bravoruf bei der SPÖ.)
Sehr geehrte Damen und Herren, es gäbe hier noch viele Punkte anzuführen, aber um es auf den Punkt zu bringen: Erstens, mit dem ÖBB-Rahmenplan und mit dem Konjunkturpaket wird so viel investiert, attraktiviert, beschleunigt und erneuert (Präsidentin Mag. Prammer gibt das Glockenzeichen) wie noch nie in der Zweiten Republik. (Abg. Grosz: Deswegen streicht ihr auch den Koralmtunnel!)
Der Schlusssatz, sehr geehrte Frau Präsidentin: Ich würde meinen, sehr geehrte Damen und Herren vom BZÖ, hören Sie endlich auf, stur und untergriffig die Arbeit der Regierung und unserer Ministerin zu kritisieren! Leisten Sie lieber produktive Arbeit für die Menschen in unserem Land! – Danke. (Beifall bei der SPÖ.)
9.36
Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Als Nächster gelangt Herr Abgeordneter Dr. Maier zu Wort. – Bitte.
9.36
Abgeordneter Dr. Ferdinand Maier (ÖVP): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Frau Bundesminister! Meine Damen und Herren! Diese Aktuelle Stunde gibt Gelegenheit, ein wenig Transparenz in die Österreichischen Bundesbahnen zu bringen. Ich habe schon einmal gesagt: „ÖBB“ steht für mich für „Österreichs bedeutendste Baustelle“ oder auch für „Österreichs bedeutendstes Budgetproblem“.
Ich bin der Jungen ÖVP und ihrem Obmann Sebastian Kurz sehr dankbar, die mit einer Aktion heute Morgen den Versuch unternommen haben, Antworten auf einige Fragen zu bekommen, Fragen wie: Wer ist eigentlich die Eigentümervertretung bei den Österreichischen Bundesbahnen? (Abg. Mag. Stadler: Der Haberzettl!) Wer hat die politische Verantwortung (Abg. Mag. Stadler: Der Haberzettl!) bei den Österreichischen Bundesbahnen? Oder auch: Was kann der Steuerzahler von jener Verantwortungsträgerin erwarten?
Die Antwort ist ganz klar, Frau Bundesminister: Sie sind die Verantwortliche dafür. Und es gilt natürlich hier jetzt auch ein wenig die Situation zu analysieren.
Was die öffentlichen Zuschüsse betrifft, Herr Kollege Bucher, so heben wir uns da noch ein wenig ab: Sie haben von 4 Milliarden € gesprochen, wir rechnen immer die Haftungen auch noch dazu, nämlich in einer Größenordnung von zirka 2,1 Milliarden €. Die müssen nämlich auch irgendwann zurückgezahlt werden. (Abg. Mag. Stadler: Das macht das Ganze nur dramatischer!) Insofern reden wir über ein Volumen von etwa 6,5 Milliarden €, und bis zum Jahr 2013 werden es 7,4 Milliarden sein.
Das heißt – und die Junge ÖVP hat hier eine „Nachteilscard“ entwickelt, ausgestellt auf Herrn Haberzettl (der Redner platziert vor sich auf dem Rednerpult eine Tafel in der Optik der ÖBB-Vorteilscard, mit der Aufschrift: „Nachteilscard – Haberzettl – kostet jeden Österreicher 2 500 € pro Jahr“) –, dass jeder Steuerzahler in Österreich 2 500 € an die ÖBB zahlen muss, ohne dass er noch mitgefahren ist. (Beifall bei der ÖVP.)
Ich glaube, dass die Verschuldung bis zum Jahr 2013 20 Milliarden € betragen wird. Also in drei Jahren haben wir zirka 20 Milliarden € Verschuldung. Und was ist der Effekt? – Der Effekt ist, meine Damen und Herren: volle Züge, kalte Züge, dreckige Züge und enorme Verspätungen.
Frau Bundesminister, da muss ich Sie aufmerksam machen, damit Sie nicht auf die Propaganda der Löwelstraße oder auch der Arbeiterkammer hereinfallen. Die Arbeiterkammerexpertin hat vor zwölf Tagen, an einem Samstag, gemeint, dass es zu diesen Verspätungen kommt und es keine Informationen gibt, sei zurückzuführen auf die Reform der schwarz-blauen Regierung und diese Aufgliederung in verschiedene Gesellschaften.
Aus dem gleichen Haus, meine Damen und Herren, gibt es eine Arbeiterkammer-Befragung aus dem Jahre 1999. In dieser haben 74 Prozent der Befragten das Informationsmanko beklagt. Und wir wissen ja, wer bis zum Jahr 1999 Verantwortung für die Österreichischen Bundesbahnen getragen hat. (Abg. Riepl: Da waren aber Sie auch in der Regierung!)
Das ist ein Riesenproblem, das im Personenverkehr gegeben ist. Es sei nur der guten Ordnung halber angesprochen, dass im Güterverkehr eine schwierige Situation aufgrund der Wirtschaftkrise besteht, aber eine sehr professionelle Ausrichtung des Managements gegeben ist. – Meiner Überzeugung nach ist das eine Frage des Führungsstils und eine Frage der Managementqualität.
Das, was wir meiner Meinung nach bei den Österreichischen Bundesbahnen brauchen, sind eine kompetente Eigentümervertretung, ein starkes Management (Rufe bei der SPÖ: Huber!), ein erfahrener Aufsichtsrat und eine Belegschaftsvertretung, die die Interessen der Mitarbeiter im Auge hat, aber auch an das Unternehmen und die Kunden denkt, meine Damen und Herren. (Beifall bei ÖVP und BZÖ sowie bei Abgeordneten der FPÖ.)
Herr Haberzettl muss aufpassen, dass er nicht in die Rolle gedrängt wird, Anwalt der Tachinierer und Largierer zu werden. Herr Haberzettl, das sage ich Ihnen von dieser Stelle aus! (Beifall bei ÖVP und BZÖ.)
Wenn laut einer Umfrage, die vor Kurzem erschienen ist, auf die Frage, inwieweit man glaubt, dass die Frau Bundesminister bei Missständen bei den Österreichischen Bundesbahnen eingreift, 67 Prozent der Befragten der Meinung sind, dass sie nicht eingreifen kann, dann gibt es Handlungsbedarf, meine sehr geschätzte Frau Bundesminister. (Abg. Heinzl: Huber! – Weitere Zwischenrufe bei der SPÖ.)
Dieses Rezept wegschauen und durchtauchen, das hat schon bei Faymann nicht funktioniert. (Abg. Dr. Jarolim: Wer soll das glauben?)
Ich gebe Ihnen heute ein Rezept für alle Verantwortlichen bei den Österreichischen Bundesbahnen mit – das ist ein sehr typisches österreichisches Sprichwort, Herr Kollege Heinzl –: Handeln statt sandeln ist angesagt. – Danke vielmals. (Beifall und Bravorufe bei ÖVP und BZÖ.)
9.41
Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Nun ist Herr Abgeordneter Dr. Fichtenbauer am Wort. 5 Minuten. (Abg. Ing. Westenthaler: Raus aus der Regierung mit den Sandlern! – Weitere Zwischenrufe.)
Meine Damen und Herren, etwas mehr Ruhe im Saal, bitte!
Herr Abgeordneter Dr. Fichtenbauer gelangt zu Wort.
9.41
Abgeordneter Dr. Peter Fichtenbauer (FPÖ): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Bundesministerin! Herr Staatssekretär! Es ist ja nicht so, dass die böse Opposition das unerträglich gewordene Thema Bahn und Bahnchaos erfunden hat, sondern das ist ja Mittelpunkt krassester öffentlicher Aufmerksamkeit. Die Medien beschäftigen sich mit diesem Thema massivst und zu Recht.
Wenn wir einzelne Punkte dieser thematischen Befassung herausgreifen, dann zum Beispiel ein Zitat der Frau Bundesministerin. Bei den ÖBB müssen in Zukunft wieder die Kunden im Mittelpunkt stehen, fordert selbst Verkehrsministerin Doris Bures.
Wenn ich die Ernsthaftigkeit dieses Ausspruches in Verbindung mit der heutigen Ansprache der Frau Bundesministerin betrachte, dann muss ich sagen, diese hat eher an eine Motivationsansprache eines sozialistischen Zentralsekretärs oder einer ‑sekretärin erinnert. Die Forderung, wieder die Kunden in den Mittelpunkt zu stellen, erinnert mich an etwas, was in der Wiener Kabarettszene der sechziger Jahre über den weiland sozialistischen Bürgermeister Marek die Runde gemacht hat, der da gesagt haben soll: Der Mensch muss dem Menschen dienen und nicht umgekehrt. (Beifall bei der FPÖ.)
Wenn wir dieses Gedankenmodell auf die Befassung der Frau Bundesministerin mit dem Chaos bei den ÖBB übertragen, dann erhellt sich das Bild. Es ist eine Bespiegelung zwischen der nicht wahrgenommenen Realität und der Selbstauffassung, dass diese Realität mit einem selber gar nichts zu tun hätte. Denn von insgesamt 65 Jahren Republik, davon ungefähr 55 Jahre sozialistische Herrschaft über das Infrastrukturministerium, das immer anders geheißen hat, aber jedenfalls über die Bahn, will man sechs Jahre schwarz-blaue Regierung herausgreifen und behaupten, dass da all das geschehen ist, was heute an der Malaise der Bahn Schuld trägt.
Abgesehen davon, dass die Vergangenheitsbewältigung niemals das Modell der Zukunftsbewältigung darstellt, erlaube ich mir doch, auf die Realitäten hinzuweisen, und zwar nicht so, wie die Regierungsbank oder die Politik die Sache betrachtet, sondern wie die Menschen, die auf die Bahn angewiesen sind, die Situation empfinden. Wieder ein Blick auf Pressemitteilungen, nämlich:
„Wer derzeit in Wien mit der Schnellbahn fahren will“ – Stichwort Praterstern, täglich 20 000 Leute, die nicht wissen, ob und wann sie einen Anschlusszug haben –, „sollte besser nicht farbenblind sein. Rote, grüne, gelbe und blaue Streifen finden sich auf dem Fahrplan, der im Infokasten am Wiener Praterstern hängt. Sie sollen dem Reisenden verraten, wann er mit welchem Zug wohin kommt. Manche Züge sind nur an bestimmten Tagen betroffen, manche die ganze Zeit, verrät die Legende.
Wer auf dem zugigen Bahnsteig auf den Zug wartet, kann sich in dem Schaukasten noch über weitere wichtige Dinge informieren. Vier Zettel mit Schienenersatzverkehren, drei mit ,Verkehrseinschränkungen, der Hinweis über die ,Umleitung des Zuges Rex 7381’ hängen dort dicht gedrängt. Wer es wissen will, erfährt auch, dass wegen andauernder Bauarbeiten an der Tullner Donaubrücke weiter der Sommerfahrplan gilt – wie dieser ausschaut, wird nicht verraten.“
Also eine Reihe von charakteristischen Führungsdefekten, die Kollege Maier schon aufgezählt hat, sind aufsummierbar ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Die Unzufriedenheit der Passagiere mit den Fahrplänen steigt täglich zu Recht. Züge werden gestrichen, Anschlüsse sind nicht mehr erreichbar, Schüler und Pendler kommen täglich zu spät in die Schule und auf den Arbeitsplatz. Ungeachtet dessen werden die Fahrpreise natürlich ständig angehoben. Die Zahl der Züge, die nicht pünktlich sind, nimmt ebenso zu. Gleichzeitig müssen natürlich die ÖBB für Verspätungen Strafzahlungen leisten. Aber das ist nur ein kleiner Aspekt bei den vielen Milliarden.
Im April 2009 waren nur 66,3 Prozent der Fernzüge überhaupt pünktlich. Die Schließung von Nebenbahnen geht mit diesem Chaos einher. Dadurch wird natürlich die ländliche Region wieder einmal mit Füßen getreten. Streckenstreichungen, Tausende Pendler sind gezwungen, auf das Auto umzusteigen. Viele Eltern müssen die Kinder mit dem Auto zum Zug bringen, wo sie dann einen Anschlusspunkt haben. Regionen des Landes also krass benachteiligt. Das Schließen von Regionalbahnen erfolgt oft
klammheimlich, ohne dass überhaupt die Möglichkeit besteht, dass ein privater Anbieter sich diese Regionalbahn zu eigen machen könnte. Prestigeprojekte werden vorgezogen, und die gesamte Infrastruktur wird benachteiligt.
Schlusswort: Das Chaos kann vielleicht besser werden. Die Hoffnung darauf ist mäßig, aber die Verantwortung liegt bei dieser Bundesregierung. – Danke. (Beifall bei der FPÖ.)
9.47
Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Nächster Redner: Herr Abgeordneter Hagen. 5 Minuten. – Bitte.
9.47
Abgeordneter Christoph Hagen (BZÖ): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Ministerin! Herr Staatssekretär! Sie haben vorhin von „Freunderlwirtschaft“ bei den ÖBB gesprochen. Ich kann Ihnen sagen, was Freunderlwirtschaft bei den ÖBB ist. Kommerzialrat Kurt Eder, ehemaliger SPÖ-Verkehrssprecher, sitzt im Aufsichtsrat der Kapitalgesellschaft. Das ist Freunderlwirtschaft, Frau Minister!
Sie haben auch den Kollegen Gorbach angesprochen. Herr Gorbach hat etwas gemacht, und zwar hat er die Politik aus den ÖBB genommen, das hat Ihnen aber nicht gepasst. Genauso ist es gewesen. Das war der richtige Weg. (Beifall beim BZÖ. – Ironische Heiterkeit bei der SPÖ.)
Frau Ministerin Bures, ich habe mich schon gewundert, dass Sie die einzige Frage, die Klubobmann Bucher gestellt hat, nämlich jene nach der Koralmbahn, nicht beantwortet haben. Mit keiner Silbe haben Sie das erwähnt.
Ich stelle Ihnen jetzt auch eine Frage zum Güterbahnhof Wolfurt in Vorarlberg. Der platzt aus allen Nähten. Frau Ministerin! Wann geschieht dort endlich etwas? Dort könnten Sie handeln, dort ist Handlungsbedarf gegeben.
Meine Damen und Herren, eigentlich sollte die Überschrift heißen: Das rote Chaos bei den ÖBB fährt Bahn. – Das rote Chaos, nämlich Pleiten, Pech und Pannen, ist an der Tagesordnung, wie es das „Format“ zitiert. Privilegien für die ÖBBler noch und nöcher. Kollege Bucher hat darauf hingewiesen. Ich möchte Ihnen auch ein Beispiel nennen: Sonderverträge für alle ÖBB-Bediensteten, die vor 1996 eingestellt wurden. Da hat es eine Hacklerregelung noch gar nicht gegeben, aber die ÖBBler sind trotzdem mittlerweile mit 52 Jahren in Pension gegangen. Meine Damen und Herren! Wo ist da die Gerechtigkeit? Im Vergleich dazu ein Polizeibeamter, der regulär mit 65 in Pension gehen muss, aber bei zwölf Nachtdiensten pro Monat. Meine Damen und Herren von der SPÖ! Ist das Gerechtigkeit? (Beifall beim BZÖ.)
Weiteres Zitat: Kollege Maier, dessen Rede mir heute sehr gut gefallen hat, weil sie wirklich ehrlich war (ironische Heiterkeit bei der SPÖ), hat auch aus einer Zeitschrift zitiert, wonach Herr Haberzettl und seine Genossen der Sargnagel der ÖBB sind. – Meine Damen und Herren, so ist es!
In „Heute“ von diesem Tag, in der U-Bahn gelesen, findet sich Folgendes: ÖBB-Problem, Haberzettl und die Gewerkschaft. 67 Prozent der SPÖ-Wähler sehen das so. – Meine Damen und Herren, Sie müssen einmal darüber nachdenken, was Sie falsch machen! (Beifall beim BZÖ.)
Herr Haberzettl blockiert alles, das wissen wir. Er zieht im Hintergrund die Fäden, das weiß jeder, das ist ein offenes Geheimnis. Kollege Bucher hat es Ihnen auch schon gesagt, ich kann es Ihnen noch einmal vorschlagen: Wären Sie mit Ihrem fürstlichen Gehalt von 17 000 € ÖBB-Generaldirektor, könnten Sie dort ein bisschen einsparen. Das wäre vernünftiger.
Weiters: 27 Krankenstandstage, jetzt sind es 17 dank der Reform von Kollegen Gorbach. Ich muss ihn noch einmal lobend erwähnen. (Ironische Heiterkeit bei der SPÖ.) In der Privatwirtschaft sind es elf Tage. Denken Sie einmal nach, ob dort wirklich so hart gearbeitet wird, dass die Leute so krank werden. – Ich glaube es nicht.
Ich lese weiter: Auch bei der Krankendatenaffäre hat die Gewerkschaft versagt. Sie richten es sich im Hintergrund, Sie leiten das Unternehmen, die Frau Bundesminister sitzt in der Lok drinnen, aber führerlos, weil sie keinen Hebel in der Hand hat. Das machen alles Sie von hinten.
Ich möchte noch auf die Zusammenlegung der Gesellschaften eingehen: Jetzt wieder auf drei zusammengelegt. Und wissen Sie, was die Krux an der Sache ist? – Die Folge sind mehr dienstfreigestellte Gewerkschafter. So ist es, meine Damen und Herren! Da wissen wir wieder, wer da gearbeitet hat. (Beifall beim BZÖ.)
Die Gewerkschaft ist sowieso der Totengräber. Die BAWAG haben Sie in den Sand gesetzt. Sie haben den „Konsum’’ in den Sand gesetzt – und jetzt kommen noch die ÖBB dazu. So schaut es aus, meine Damen und Herren!
Ich möchte hier auch noch ein Problem ansprechen, das immer offen diskutiert wird. Die Politik hat in den ÖBB zu viel Einfluss, meine Damen und Herren. So schaut es aus. Dort kann keine vernünftige Arbeit geleistet werden, weil die Politik immer dazwischenfunkt.
Auch Fachleute sagen ganz klar: Aufgrund der ständigen Auswechslung des Managements aus politischen Gründen kann man nichts zustande bringen, diese Leute können sich nicht einmal einarbeiten. Herr Haberzettl, das könnten Sie sich hinter die Ohren schreiben, ich sage es Ihnen. Die kostspielige Absetzung der Manager – nur aus politischen Gründen geschehen. Was Herr Huber kassiert hätte! Was hier gemacht worden ist, nur um diesen Menschen, weil er die falsche politische Farbe hatte, wegzubringen! Meine Damen und Herren, das ist der falsche Weg. (Abg. Heinzl: Was ist los?)
Wenn ich mir die Leistungen der Bahn mit den Langsamfahrstrecken anschaue, dann muss ich sagen: Wenn Sie von Vorarlberg nach Wien fahren, dann ist das eine Katastrophe. Sie schaffen es zu keiner Sitzung, Sie haben keine Chance.
Schlusssatz: Frau Minister, räumen Sie diese Baustelle ÖBB auf, die Ihnen Ihr Vorgänger, der jetzige Bundeskanzler, hinterlassen hat! Da ist Not am Mann, Frau Minister. (Beifall beim BZÖ.)
9.52
Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Nun gelangt Frau Abgeordnete Dr. Moser zu Wort; ebenfalls 5 Minuten. – Bitte.
9.53
Abgeordnete Dr. Gabriela Moser (Grüne): Frau Präsidentin! Frau Ministerin! Meine Damen und Herren! Die Kunden, Frau Ministerin, da haben Sie völlig recht, die Passagiere, die Menschen, die wirklich täglich auf gute Fahrpläne, auf attraktive Fahrzeuge angewiesen sind, die Pendlerinnen und Pendler, haben das Recht Nummer eins, eine ordentliche öffentliche Bahnverbindung in Österreich zu haben. Dieses Kundeninteresse, Frau Ministerin, höre ich heute wirklich zum ersten Mal aus Ihrem Mund. Das wäre meines Erachtens auch der Angelpunkt für die gesamte ÖBB-Politik. (Beifall bei den Grünen.)
In diesem Haus wird über die ÖBB diskutiert erstens wegen der Gewerkschaft – das interessiert mich wirklich nicht, das ist Sache der Sozialpartner et cetera –, zweitens aufgrund von Investitionsfragen, Kollege Heinzl hat es ja heute genannt, über 13 Milliar-
den. Frau Ministerin, Sie haben Ehrlichkeit eingemahnt, denken Sie daran. Der Rechnungshof hat schon vor Jahren festgehalten, wir haben über 235 Langsamfahrstellen, die die Kunden und Kundinnen der ÖBB täglich – täglich! –Lebenszeit kosten. Und diese Langsamfahrstellen sind ein Relikt, und zwar nicht nur aus der Zeit von Schwarz-Blau. Man muss ehrlich sein, auch Herr Generaldirektor Draxler hat eine einzige große Vision gehabt, und die war Ausbau des Güterverkehrs. Und was in den Güterverkehr geflossen ist, ist aus seiner Sicht offensiv gewesen, alles andere war sekundär. Bitte das war die Ära von Schwarz-Rot.
Da hat sehr wohl die ÖVP auch mitgetan, wenn es darum ging, Milliardeninvestitionen in den Ausbau von neuen Projekten zu stecken, die der Bauindustrie dienen. Unser großes Problem, Frau Ministerin, ist, dass eben nicht die Kunden im Zentrum der ÖBB-Politik stehen, sondern die Baulobby, auch nicht diejenigen, die systematisch die Defizite bei den Langsamfahrstellen beseitigen, sondern diejenigen, die die Milliardenprojekte vorantreiben.
Frau Ministerin, machen wir es ganz einfach, schauen wir in das Nachbarland Schweiz. Auch dem BZÖ würde ich das sehr empfehlen, besonders meinem Kollegen, der aus Vorarlberg kommt. Auch dort, das ist interessant, gibt es eine Diskussion über die Milliardenkosten der SBB. Die SBB brauchen 4,5 Milliarden Schweizer Franken pro Jahr, obwohl sehr, sehr subtil ausgebaut und nicht nur aus dem Budget in Megaprojekte investiert wird. Wenn Transversalen durch die Alpen als Tunnel errichtet werden, dann gibt es eine Querfinanzierung von der Straße. In der Schweiz gibt es eine flächendeckende Lkw-Maut. Das Geld wird verwendet, um die Schweizer Bahn fit zu machen.
Was haben wir, Frau Ministerin – da fordere ich Sie als Verkehrspolitikerin, genauso wie Ihre Vorgänger –: Wir haben ungerechte Verhältnisse. Jeder Güterzug zahlt für jeden Kilometer auf der Bahn Benützungsentgelt. Der Lkw zahlt auf der Autobahn, sonst nirgends, eben außer den normalen Steuern. Das sind Ungleichgewichte. Wir brauchen auch eine flächendeckende Lkw-Maut in Österreich, damit wir Geld bekommen, um die öffentliche Infrastruktur zu verbessern und nicht um Riesentunnels zu bauen. (Beifall bei den Grünen.)
Herr Kollege Maier, ich bewundere ja fast – ironisch muss ich das sagen – Ihre Argumentation mit den Milliardeninvestitionen. Es waren Ihre Kollegen, es sind Ihre Kollegen, es waren Kollege Kukacka et cetera, die uns ein Bauprogramm über das Budget sozusagen auf die Nase gedrückt haben, wo Sie jetzt irgendwie den schwarzen Peter an die rote Ministerin weiterreichen. Ich finde das echt unfair.
Und wer steckt denn noch hinter dem Bauprogramm? – Es sind nicht nur Kukacka und Konsorten, nein, es ist nicht nur die Strabag, die Porr et cetera, nein, es sind die eigenen Landeshauptleute. Gehen Sie es durch! Haider damals in Kärnten, in der Steiermark vorher Klasnic und jetzt Voves. In Tirol haben wir eine Reihe von Landeshauptleuten, die goldene Schiene im Unterinntal. Die verlangen ständig Milliardeninvestitionen zum Bänderdurchschneiden. Es geht ja schlicht um die Spatenstiche, Frau Minister, und es war wirklich sehr erhellend, wie Sie das in den Mittelpunkt gestellt haben. Es geht ja wirklich um die Spatenstiche, es geht um die Bänder. Es geht jedenfalls nicht um die Pendler! Jene Menschen, die wirklich täglich die ÖBB brauchen, benötigen ordentliche Fahrpläne, gescheite Kundeninformation, attraktive Wartesituationen, attraktive Fahrzeuge.
Wir brauchen regionale Strecken. Wir brauchen also die Zubringerdienste zu den Hochleistungsstrecken. Wir brauchen keine Vorstände, die Immobilien der ÖBB versilbern, wie zum Beispiel Huber, der persönlich womöglich noch einen Vorteil hatte. Wir brauchen auch keine Vorstände wie Pöchhacker, der diesem ÖBB-Chef den Abgang noch doppelt vergoldet hat. Nicht nur die Gehaltsfortzahlungen, nicht nur die Boni,
nein, es wird auch noch etwas draufgelegt, nämlich ein Anrecht auf Spekulationsgewinne. Frau Ministerin, das ist auch Ihre politische Baustelle. Da müssen Sie einmal eingreifen. (Beifall bei den Grünen.)
9.58
Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Nächster Redner: Herr Abgeordneter Haberzettl. 5 Minuten. – Bitte.
9.58
Abgeordneter Wilhelm Haberzettl (SPÖ): Geschätzte Frau Präsidentin! Frau Bundesminister! Herr Staatssekretär! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! Ich darf vorweg einmal mit einer Frage beginnen: Herr Bucher, sind Sie regelmäßiger Bahnfahrer? – Wahrscheinlich nicht. Dann würde ich sagen, dass eigentlich die Aktuelle Stunde den falschen Namen trägt, denn Sie fahren ja nicht mit der Bahn.
Herr Maier, ganz kurz zu Ihren Ausführungen. (Abg. Petzner: Zu intellektuell!) – Ich glaube auch, ja. (Beifall bei der SPÖ.) Es mutet die Doppelmoral bei diesem Thema in diesem Haus schon enorm an. Ich darf darauf hinweisen, dass es zur Finanzierung der Infrastruktur einen regelmäßigen Sechsjahresplan gibt, der auch Rahmenplan genannt wird, der immer Genehmigungen von zwei Ministerien braucht, dem BMVIT und dem Finanzministerium. Und beide Minister unterschreiben diesen Rahmenplan, auch Ihr Minister! Wenn Sie selbst in der eigenen Partei nicht kommunizieren, dann ist das Ihr Problem, aber nicht das Problem der Frau Bundesminister. (Beifall bei der SPÖ.)
Geschätzte Damen und Herren! 42 200 Eisenbahner versehen täglich Dienst. 24 Stunden wird der Betrieb aufrechterhalten. Ich wehre mich mit aller Entschiedenheit gegen eine Verunglimpfung dieser 42 200 Kolleginnen und Kollegen! (Beifall bei der SPÖ.)
Herr Bucher, Ihr System des Madigmachens ist einfach zum Schwammerl-Werden!
Ich werde Ihnen einige aktuelle Daten sagen, damit Sie sehen, wie Sie dieses Unternehmen verunglimpfen.
Im ersten Halbjahr: operatives Ergebnis 256 Millionen €, plus 11 Prozent zum Vorjahr! Das ist kein schlechtes Unternehmen! Nehmen Sie das einmal zur Kenntnis! Voraussichtliches Jahresergebnis – jetzt werden Sie Augen machen, Herr Bucher –: operatives Ergebnis 406 Millionen €, das sind plus 600 Prozent zum Vorjahr! Und ich werde es Ihnen auch erklären, warum das um so viel mehr ist: weil im Vorjahr die enormen Abschreibungen fällig waren, die durch Ihren Generaldirektor Huber (Abg. Bucher: Unseren?) – den haben Sie bestellt, alles Gorbach-Bestellungen! –, durch Ihren Finanzchef Söllinger zum Schaden des Konzerns verzockt wurden! 600 Millionen! Das werden Sie doch nicht abstreiten können, Herr Kollege. (Beifall und Bravorufe bei der SPÖ. – Abg. Bucher: Sie führen ja den Konzern! Sie sind ja der Generaldirektor!)
Nebenbei sei bemerkt, in Ihrer Regierungsbeteiligungsperiode, in sieben Jahren haben wir sieben Bundesminister und -ministerinnen plus zwei Staatssekretäre verbraucht. Liebe Kolleginnen und Kollegen, es war ja schon soweit, dass die ÖVP einen Aufpasser zum Gorbach schicken hat müssen, weil der ja in Wirklichkeit schon unkontrollierbar war. Das ist auch das Produkt bei den ÖBB.
Nehmen Sie zur Kenntnis, Herr Bucher: Die Strukturreform 2003 ist für das Unternehmen eine einzige Katastrophe gewesen! (Beifall und Bravorufe bei der SPÖ. – Abg. Bucher: Was ist mit den Dienstverträgen?) Sie haben es mitgestaltet! Sie haben es mitgestaltet, Herr Bucher! Dieses System explodiert jetzt, und bei dieser Explosion kommen nun alle Schandtaten der Vergangenheit heraus!
Jetzt komme ich zu Ihrer Verunglimpfung, Herr Bucher, auch darauf wollen wir eingehen. Sie haben eine Strategie, die ja in Wirklichkeit durchschaubar ist. Sie haben solche Probleme im eigenen Haus, daheim in der Partei, dass Sie logischerweise einen
Außenfeind suchen müssen. Das verstehe ich ja noch, bis zu einem gewissen Grad will ich Ihnen ja auch folgen, Herr Bucher. (Abg. Dr. Cap: BZÖ – Bündnis Zocker Österreichs!) Aber wenn Sie damit beginnen, Kolleginnen und Kollegen zu verunglimpfen ... (Abg. Bucher: Sie haben gesagt, die Dienstverträge sind nicht in Ordnung!) – Horchen Sie einmal zu, seien Sie einfach ruhig!
Ich sage Ihnen, Sie haben Gewerkschaft und Belegschaftsvertretung verwechselt. Die Belegschaftsvertretung ist ein demokratisch gewähltes Organ. Und jetzt horchen Sie genau zu: 92,2 Prozent der Kolleginnen und Kollegen haben vor einigen Monaten sozialdemokratisch gewählt. Die wissen, wo die Feinde sitzen. Die sitzen da! (Beifall und Bravorufe bei der SPÖ. – Zwischenrufe beim BZÖ.) Das ist ein Wahlergebnis, das Sie sich wünschen würden, Herr Bucher. (Abg. Ing. Westenthaler: In Moskau haben sie auch die KPdSU gewählt!)
Zu Ihren Einsparwünschen bei der Infrastruktur. Es ist übrigens im Regierungsprogramm vereinbart, dass wir eine Infrastrukturoffensive, eine Investitionsoffensive machen. Herr Bucher, Folgendes zur Doppelzüngigkeit, wenn Sie sparen wollen bei der Infrastruktur: Da stellen Sie sich her und sagen: zu viel Verschuldung, aber 5,1 Milliarden € kostet der Koralmtunnel. Es ist relativ einfach: Bauen wir ihn nicht, und wir haben 5,1 Milliarden € eingespart. Das wollen Sie aber nicht. Gleichzeitig kritisieren Sie die Frau Bundesminister, weil die Zeitschiene bei der Investition verschoben wird. (Abg. Grosz: Weil sie die Mittel kürzt!)
Herr Bucher, Sie haben eine „Meisterleistung“ hier auf das Parkett gelegt und damit gezeigt, wie man es nicht machen soll. (Abg. Bucher: Reden Sie nicht so einen Unsinn!)
Um eines ersuche ich Sie noch: Erwähnen Sie das Wort BAWAG nicht mehr, bitte! Sie haben in Wirklichkeit ein Problem in Kärnten, das heißt Hypo Alpe Adria. Seit gestern steht fest, 18 Milliarden € fehlen, wie ich im „Report“ gesehen habe. Reden Sie nicht mehr über die BAWAG! (Beifall und Bravorufe bei der SPÖ.)
10.04
Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Tamandl, und zwar für 5 Minuten. – Bitte. (Rufe und Gegenrufe zwischen Abgeordneten von SPÖ und BZÖ.)
10.04
Abgeordnete Gabriele Tamandl (ÖVP): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Bundesministerin! Sehr geehrter Herr Staatssekretär! – Wie wäre es, wenn sich die Herren das dann später ausmachen würden, damit wir noch zu den wichtigen Themen kommen?!
Wir haben gehört, die Bahnreform 2003 wird kritisiert. Dazu muss man vielleicht einmal in Erinnerung rufen, dass wir im Jahr 2003 in der Regierung Schüssel diese Bahnreform durchgeführt haben, aber die Schweizer und die Deutsche Bahn schon Mitte der achtziger Jahre damit begonnen haben. (Rufe bei der SPÖ: Wo ist denn der Schüssel?) Da hätten Sie, als Sie in der Verantwortung waren, schon viel früher damit beginnen können, dann würden wir heute besser dastehen. (Beifall bei ÖVP und BZÖ.)
Frau Bundesministerin Bures und auch Herr Kollege Haberzettl haben gemeint, wir würden die 40 000 Bediensteten der ÖBB desavouieren. Ja, bitte, sind die 40 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bahn dafür verantwortlich, dass es Verspätungen gibt, dass es verschmutzte Züge gibt, dass es Züge gibt, die sogar ausfallen? Sind sie daran schuld, dass es in manchen Regionen wie beispielsweise in Schärding in der Früh einen Schnellzug und drei Regionalzüge gibt, die übervoll sind, weil die Bahn nicht flexibel genug ist, diese Leute, Pendlerinnen und Pendler, die nach Linz einpendeln, entsprechend abzuholen – oder dass es am Abend nur einen Zug gibt, der
alle Leute wieder nach Hause befördern soll, und dass die Menschen, die vielleicht länger arbeiten wollen, gar keinen Zug mehr in Anspruch nehmen können? Sind die Mitarbeiter an all dem schuld? – Nein! Daran ist das Management schuld, und die politische Verantwortung ist hier zu hinterfragen. (Beifall bei ÖVP und BZÖ.)
Frau Bundesministerin Bures, zu Ihrer Aussage, dass es mit der SPÖ in der Bundesregierung keine Freunderlwirtschaft gibt, kann ich nur sagen, das ist in vielen Bereichen wie beispielsweise auch bei den ÖBB nicht richtig; es ist bei der BAWAG so gewesen, wir haben es gesehen.
Herr Kollege Haberzettl, wenn Sie immer sagen, wir sollen die BAWAG nicht ansprechen: Was wollen Sie vertuschen, bitte? (Ironische Heiterkeit bei der SPÖ. – Beifall bei der ÖVP.) Seien Sie mir nicht bös, die BAWAG war das klassische Beispiel für SPÖ-Freunderlwirtschaft!
Schauen wir nach Wien: der Hauptbahnhof. Die ÖBB macht auf Wiener Boden, was sie will – der Wiener Bürgermeister Häupl schaut zu. Es gibt kein Verkehrskonzept, es gibt keine U-Bahn-Anbindung, und es ist ganz einfach für die Bezirke, die rund um den Hauptbahnhof liegen, ein einziges Desaster. Heute haben wir noch gehört, es wird das Geld umgeschichtet von einem Projekt zum anderen, nur damit da drübergefahren und ein völlig unpassendes Konzept umgesetzt werden kann, was niemandem etwas bringt, sondern nur Geld kostet. (Beifall bei ÖVP und BZÖ.)
Wenn Sie das heute auch immer wieder behaupten, auch Sie, Herr Kollege Haberzettl: Wir wollen überhaupt niemanden desavouieren. Aber, bitte, wem wollen Sie erklären, dass ein Bahnbediensteter mit 52 Jahren in Pension gehen kann? (Abg. Haberzettl: Ihr Gesetz aus 2003! Sie haben das Gesetz gemacht!) Wem wollen Sie das erklären, wenn wir immer darüber diskutieren, dass so viele Leute mit 60 oder mit 61 in Pension gehen? Wollen Sie das denen erklären, die vorher jahrzehntelang gependelt sind und bei den ÖBB keine Kundenfreundlichkeit vorgefunden haben? Denen wollen Sie das erklären? (Beifall bei ÖVP und BZÖ.)
Das ist wirklich doppelbödig, und das zeigt mir, dass Sie sich von der Personalvertretung schon völlig verabschiedet haben.
Zum Abschluss nur, damit wir das auch noch einmal in Erinnerung rufen: Sie fordern ja immer einen betrieblichen Datenschutzbeauftragten, den wir in Österreich umsetzen sollten, wo wir sagen, wir wollen den auf europäischer Ebene. In der Privatwirtschaft gibt es viele Konzerne, die in vielen europäischen Ländern tätig sind. Ich kann Ihnen sagen, Sie hätten hier Ihrer Verantwortung sehr wohl schon nachkommen können, wir brauchen da nicht noch zusätzliche Datenschutzbeauftragte einzuführen. (Zwischenruf der Abg. Silhavy.)
Nein, Frau Kollegin Silhavy, ich brauche überhaupt nichts zuzustimmen, ich bin überhaupt nicht dafür verantwortlich, dass bei den ÖBB Krankenstandsdaten von Mitarbeitern gesammelt werden und dass die Mitarbeiter bespitzelt werden, welche Krankheit, welche Diagnose sie haben, wie oft und wie lange sie auf Krankenstand sind. Und da können Sie sich nicht der Verantwortung entziehen, da können der Herr Haberzettl und die Personalvertreter nicht sagen, sie sind nicht daran schuld. (Beifall bei ÖVP und BZÖ. – Abg. Mag. Wurm: Huber, der Zocker!)
10.08
Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Nun gelangt Herr Abgeordneter Dipl.-Ing. Deimek zu Wort. – Bitte.
10.08
Abgeordneter Dipl.-Ing. Gerhard Deimek (FPÖ): Frau Präsidentin! Frau Bundesminister! Hohes Haus! Ja, nach den Szenen einer Ehe, hätte man schon fast sagen kön-
nen, könnte man den Eindruck gewinnen, bei den ÖBB und bei der SPÖ ist alles auf Schiene. De facto schaut es aber in der Realität so aus, dass wir es eher mit einem Fahrgastabwehrdienst zu tun haben. Es sind nämlich nicht alle zufrieden, es ist nicht alles in bester Ordnung, wie man nach den Wortmeldungen teilweise den Eindruck gewinnen könnte. Es gibt zumindest drei Gruppen, die täglich sagen, da ist irgendetwas nicht in Ordnung, wir sind unzufrieden.
Fangen wir bei den für einen Betrieb Wichtigsten an, bei den Kunden. Immer höhere Preise, weniger Züge, teilweise verschmutztes oder veraltetes Zugsmaterial, und wenn Sie zu Zeiten fahren, zu denen die Schüler oder die Pendler fahren, dann müssen Sie froh sein, wenn Sie einen Sitzplatz bekommen – üblicherweise wird gestanden. (Beifall bei der FPÖ.)
Sogar die Arbeiterkammer – und die steht wirklich nicht im Verdacht, eine freiheitliche Vorfeldorganisation zu sein – meint, dass Streichpläne ein falsches Signal sind, und fordert Verbesserungen für die Pendler. – Also sind wir weit weg von Jubelmärschen, sondern wir sind eher ganz nah bei den Protestmärschen.
Die zweite Gruppe, die nicht zufrieden ist, sind die Mitarbeiter. Denen muss ich einmal von dieser Stelle aus wirklich meinen allerherzlichsten Dank für ihren unermüdlichen Einsatz aussprechen. (Beifall bei der FPÖ.) Sie sind freundlich, sie sind serviceorientiert und sehr, sehr zuvorkommend. Aber – seien wir ehrlich! – wem macht es Spaß, in einer Firma zu arbeiten, die monatlich, wenn nicht wöchentlich in negativen Schlagzeilen in den Medien zu finden ist? (Abg. Heinzl: Und wer macht das?)
Das macht aber bitte nicht die Freiheitliche Partei, sondern das macht das Management! Und die ÖBB-Mitarbeiter müssen das, was vom Management gemacht wird, ausbaden!
Zu den ÖBB-Personalvertretern beziehungsweise zum Kollegen Haberzettl: Wenn die ÖBB-Mitarbeiter all diese Fehler sehen, die täglich seitens des Managements gemacht werden, ebenso natürlich all das, was gar nicht öffentlich wird, und wenn sie sehen, dass da überhaupt nichts abgestellt wird, dann braucht man sich wirklich nicht zu wundern, wenn dann die Mitarbeiter sozusagen mit einem Krankenstand darauf reagieren!
Aber von dieser Sache mit dem Krankenstand hat niemand etwas gewusst: nicht der Herr Haberzettl als Personalvertreter beziehungsweise als Gewerkschafter, auch nicht als Aufsichtsrat – und das, obwohl darüber im „profil“, in „NEWS“, im „FORMAT“ und so weiter berichtet wurde! Da muss man sich schon fragen – wenn Herr Haberzettl nicht einmal das weiß –: Was tut Haberzettl dann in all diesen Funktionen?! (Beifall bei der FPÖ. – Zwischenrufe bei der SPÖ.)
Herr Haberzettl, Sie haben es nicht geschafft, dass die einfachen und kleinen ÖBB-Mitarbeiter einen ordentlichen und vor allem auch motivierenden Lohn erhalten und dass es ein schlankes und ordentliches ÖBB-Management gibt!
Extra peinlich in diesem Zusammenhang ist ja auch, dass von den ÖBB diese Sperrliste – wie das ja heuer im Frühjahr aufgedeckt wurde – öffentlich zugänglich gemacht wurde.
Und jetzt zur dritten Gruppe, nämlich zum Steuerzahler, der ganz genau merkt, dass da etwas unrund läuft, ja dass da manchmal sogar Dinge entgleisen. Und in diesem Zusammenhang sozusagen ein extra „Gustostückerl“: die Strecke Villach–Venedig, in die neu investiert wurde. Und was ist der „Erfolg“? – Diese Verbindung wird auf einen Zug, auf eine Direktverbindung reduziert!
Weiters: Der Bau der Koralmbahn kostet, wie heute schon zu hören war, 5,1 Milliarden € – aber die Schnellzugverbindung Linz–Graz wird wegen ein paar tausend Euro gestrichen! Und wenn wir schon bei der Verbindung Linz–Graz sind, wo es auch eine
ganz „tolle“ Planung gibt: Wegen des Schnellzugs Linz–Graz ist es nicht möglich, dass die Pendler mit einer ordentlichen Regionalexpressverbindung von Linz bis Kirchdorf oder noch weiter südlich beziehungsweise in die umgekehrte Richtung kommen! Die ÖBB haben eine Planung, die noch schlechter als die der AUA ist. Und das war schon schlimm genug. (Beifall bei der FPÖ.)
Nun zum Bau des Brenner-Basistunnels. Derzeit gibt es da absolut keine Planungssicherheit. Die Kosten explodieren fast wöchentlich, aber es soll das Image- und Herzeigeprojekt der ÖBB werden. – Frau Bundesminister Bures, solange es da Planungsunsicherheit gibt, darf das doch nicht zu einem Prioritätsprojekt gemacht werden, denn so droht dort echtes Chaos.
Es ist also keinesfalls alles in Ordnung, denn teilweise sind da Verdrängungskünstler, aber leider nicht Lösungskünstler am Werk. Was aber notwendig wäre, wäre ein Management mit Lösungskompetenz und nicht mit Verdrängungskompetenz oder mit – wie wir es auch schon gehabt haben – Nehmerkompetenz!
Frau Bundesminister Bures, aber auch Herr Haberzettl! Nehmen Sie sich einmal die Zeit und fahren Sie an einem Montag früh mit einem Pendlerzug! Genießen Sie im Zug die „angenehme“ Atmosphäre, statt eben mit Ihrem Dienstwagen zu fahren! Tun Sie das – und dann werden Sie sehen, was da alles im Argen ist!
Fahren Sie auch einmal mit einem Zug von Wien nach Bregenz, dann werden Sie sehen, wie viele Probleme es da gibt!
Frau Bundesminister Bures, abschließend eine Empfehlung von mir: Nehmen Sie Mistgabel und Besen und räumen Sie auf, greifen Sie durch – sonst räumt nämlich der Wähler auf! Und der macht es etwas radikaler, wie ja die Wahlen in Vorarlberg und Oberösterreich gezeigt haben. Da kann es nämlich dann schon so sein, dass einer Ihrer Genossen den Zug versäumt und hinten bleibt. – Danke. (Beifall bei der FPÖ.)
10.14
Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Nächster Redner: Herr Abgeordneter Grosz, und zwar für 5 Minuten. – Bitte.
10.14
Abgeordneter Gerald Grosz (BZÖ): Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Hohes Haus! Ich bin Herrn Abgeordnetem Ferry Maier für seine Äußerung sehr dankbar, denn damit ist sozusagen aktenkundig geworden, dass dieser Aktuellen Stunde mit unserem BZÖ-Themenvorschlag ganz besondere Bedeutung zukommt, weil wir nunmehr wissen – und ich zitiere, Frau Präsidentin –, dass Teile der Sozialdemokratie und damit auch Teile der österreichischen Bundesregierung aus „Sandlern“ und „Tachinierern“ – Zitat Ferry Maier – bestehen. – Das ist aber ohnedies das, was eine Mehrheit der Österreicherinnen und Österreicher seit mehr als drei Jahren empfindet, wenn sie sich die Bundesregierung anschauen. (Beifall beim BZÖ.)
Herr Abgeordneter Haberzettl, Sie schreiten hier heraus zum Rednerpult und reden – und ich muss sagen, ich glaube, Sie leiden an pathologischer Realitätsverweigerung, denn das, was Sie über dieses ... (Abg. Mag. Wurm: Was? „Pathologische Realitätsverweigerung“?) – Pathologisch heißt nachhaltig und krankhaft. Dafür gibt es keinen Ordnungsruf, Frau Kollegin, da können Sie noch so hereinschreien! Das ist schon so in Ordnung.
Das, was sich bei den Österreichischen Bundesbahnen offenbart – so beispielsweise auch diese illegale Anlegung von Krankenstandsdaten –, ist doch ein ähnlicher Skandal, wie es ihn in der Bundesrepublik Deutschland in anderen Unternehmen gab, wo das aber zu Rücktritten und Strafprozessen gegen Manager geführt hat. Dieser Skandal bei den ÖBB ist einzigartig in Österreich, sehr geehrte Frau Bundesminister Bures.
Und das haben Sie zu verantworten und nicht Herr Kukacka, nicht Herr Gorbach und auch nicht Frau Forstinger und wie sie alle heißen mögen, sondern Sie einzig und allein! (Beifall beim BZÖ.)
Sie allein, Frau Bundesministerin Bures, haben auch zu verantworten den Revisionsbericht über die Vergabe von Containerstaplern – ein Skandal, den wir vor zwei Wochen aufdecken konnten. Dieser Revisionsbericht ist Ihnen bekannt, Frau Minister. Die eigene Konzernrevision hat ein Vergabeverfahren gestoppt, weil Sie und Ihre roten Freunde der Freunderlwirtschaft überführt worden sind! (Zwischenrufe bei der SPÖ.)
Der Leiter des Konzerneinkaufes, Walter Eschbacher, den Sie, Frau Bundesminister Bures, zum Leiter des gesamten ÖBB-Konzerneinkaufes bestellen wollten, ist der Tatsache überführt worden, dass er seinem Freund einen Vertrag über Containerstapler zuschanzen wollte, womit er sämtliche Ausschreibungsgesetze dieser Republik gebrochen hat. – So schaut Ihr Sodom und Gomorrha bei den ÖBB aus, sehr geehrte Frau Bundesminister Bures! (Beifall beim BZÖ. – Zwischenrufe bei der SPÖ.)
Der dritte Punkt, etwas, was auch uns Steirer so ärgert, ist, dass Sie, Frau Minister, ausgerechnet in einer Zeit, in der sich die Politik, in der sich Experten Gedanken über eine Ökologisierung machen, Gedanken darüber machen, wie man mehr Menschen mit öffentlichen Verkehrsmitteln transportieren kann, sozusagen mit einem Federstrich die Bahnverbindungen Graz–Linz, Graz–Innsbruck und Graz–Marburg ersatzlos streichen! Sie schädigen damit nachhaltig den Wirtschaftsstandort im Süden Österreichs, indem Sie wichtige Bahnverbindungen streichen! (Abg. Ing. Westenthaler: Graz wird von der Umwelt abgeschnitten!)
In Sonntagsreden aber loben Sie immer deren Wichtigkeit und reden von der Wichtigkeit der Ökologisierung als ganz besonderer Aufgabe der ÖBB! Diese Bahnverbindungen streichen Sie zugunsten solcher Revisionsberichte, wo man sieht, dass Millionen von Euro dafür hinausgeschmissen werden, damit Sie und Ihre Freunderl sich auf Partei- und Regimentskosten ein schöneres Leben machen können! Da spielen wir vom BZÖ nicht mit!
Sehr geehrte Frau Bundesminister Bures, noch etwas, und zu dem haben Sie sich überhaupt nicht geäußert, nämlich zum Bau des Koralmtunnels. Im Juni dieses Jahres sprachen der Landeshauptmann von Kärnten Gerhard Dörfler und ich in der Steiermark davon, dass Sie, Frau Bures, planen, paktierte 594 Millionen € aus der Koralm-Finanzierung ersatzlos zu streichen beziehungsweise das auf das Jahr 2018 zu verschieben.
Gerhard Dörfler und ich warnten den ganzen Sommer über und zeigten auf, dass diese Verschiebung bedeutet, dass der gesamte Rahmenplan und auch die Projektierung des Koralmtunnels nicht mehr halten werden und dass deshalb – noch dazu in dieser wirtschaftlich schwierigen Zeit – Arbeitsplätze gefährdet sind. Natürlich haben sich Betriebe in der Südsteiermark, in Kärnten, in Wolfsberg, in Deutschlandsberg, in Leibnitz, in Graz-Umgebung gezielt angesiedelt, weil sie damit rechnen konnten, dass der Koralmtunnel 2018 fertig sein wird und sich damit Betriebe an diese wichtige Eisenbahnachse anschließen können.
Was tun aber Sie, Frau Minister Bures? – Sie verschieben ganz einfach die Zahlung von 594 Millionen €, die ja paktiert wurden und wozu es einen Vertrag gibt zwischen Landeshauptmann Jörg Haider und Landeshauptfrau Waltraud Klasnic, auf das Jahr 2020! Heute oder gestern kamen Sie drauf: Ja, ja, die Geologie des Berges; da braucht man einige Jahre mehr!
Auf dem Höhepunkt einer Wirtschaftskrise, auf dem Höhepunkt einer Konjunkturflaute betreiben Sie, Frau Minister Bures, gezielte Arbeitsplatzvernichtung – und das in einer Zeit, in der wir jeden Arbeitsplatz brauchen! Da machen wir vom BZÖ nicht mit. (Beifall beim BZÖ.)
Daher sage ich Ihnen, Frau Minister, und auch dem Herrn Gewerkschafter Haberzettl: Befreien Sie die ÖBB aus Ihrer Geiselhaft und gehen Sie stattdessen in Zukunft zur Geisterbahn, denn da sind Sie besser aufgehoben! (Heiterkeit und Beifall beim BZÖ.)
10.19
Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Nächster Redner: Herr Abgeordneter Öllinger. 5 Minuten Redezeit. – Bitte.
10.19
Abgeordneter Karl Öllinger (Grüne): Meine sehr geehrten Damen und Herren! Eines muss ich schon sagen: Mich erschüttert diese Debatte, und zwar deshalb, weil es doch der Politik – da mache ich den Vorwurf vor allem den Regierungsparteien beziehungsweise speziell einer Regierungspartei – im Wesentlichen darum gehen sollte, dass eine öffentliche Einrichtung wie die Bundesbahn funktioniert. (Abg. Rädler: Ja, genau darum geht es!) Ja, funktionieren sollte sie, und die ÖBB sollten einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, dass die Herausforderungen des Klimawandels auch in Österreich bewältigt werden können. Und die Bundesbahn sollte auch einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, dass wir in Österreich nicht über den Abbau und die Schließung von öffentlichen Verkehrsmitteln, sondern über den Ausbau von öffentlichen Verkehrsmitteln reden. (Abg. Rädler: Ja, tun wir es!) Das wollen wir, meine sehr geehrten Damen und Herren!
Aber zu dem, was Sie gemacht haben, was der Abgeordnete Maier gemacht hat – wir kritisieren auch die ÖBB, und zwar dort, wo sie es verdienen, aber Sie, Herr Abgeordneter Maier, tragen gemeinsam mit der Frau Bures die Verantwortung dafür, dass dieses Unternehmen funktioniert –, indem er hier herauskam mit einer Nachteilskarte der ÖBB, muss ich sagen: Das ist ein Beitrag, wie dieses Unternehmen in Zukunft sicher nicht funktionieren kann, wenn Sie nur eines für die ÖBB parat haben: dass sie am besten zusperren und nicht funktionieren sollen. (Beifall bei Grünen und SPÖ.)
Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich habe vom Journalismus gelernt, dass man fragen soll: was, wann, wer, wo, warum. Gehen wir ein paar Fragen durch!
Was ist das für eine Politik und wer ist verantwortlich dafür, dass von den ÖBB seit Jahren jedes Jahr Tausende von ÖBBlern in Frühpension geschickt werden, dass das durchschnittliche Pensionsalter bei den ÖBB seit zehn Jahren bei 52 Jahren – ich betone: bei 52 Jahren! – liegt?
Ich sage Ihnen: Ich kann mich noch genau erinnern – Sie können sich vielleicht nicht mehr erinnern; Stichwort: Amnesie, Gedächtnisschwund –, wie die Frau Vizekanzlerin Riess-Passer hier heraußen im Jahr 2002 oder 2003 gesagt hat: Der größte Kriminalfall der Zweiten Republik, der Skandal bei den ÖBB, das sind die Frühpensionierungen, und wir, die schwarz-blaue Bundesregierung, machen etwas dagegen!
Was war die Konsequenz daraus? – Die Zahl der Frühpensionierungen bei den ÖBB ist in den Folgejahren 2003/2004/2005 weiter gestiegen, und zwar dramatisch. Aber da war Schwarz-Blau ruhig.
Warum ist das Ganze passiert? Aber diese Geschichte erzählen Sie nicht! Der Grund dafür war: Sie wollten ja die Leute rauswerfen! Sie haben überhaupt kein Interesse daran, dass die Frage gestellt wird: Was braucht es, damit 40 000 Leute sinnvoll beschäftigt werden?
Warum brauchen wir 40 000 Leute? – Weil wir einen öffentlichen Verkehr haben wollen! Weil wir öffentliche Verkehrsmittel ausbauen und nicht einschränken wollen!
Ihnen jedoch ist es nur darum gegangen: Wenn die ÖBB börsereif gemacht werden sollen, dann müssen diese Bediensteten raus, dann können wir das nicht brauchen, denn für den Börsezettel braucht es möglichst wenig und vor allem verbeamtete Bedienstete!
Nichts haben Sie gemacht, um tatsächlich das Unternehmen fit zu machen für die Aufgaben, für die es eigentlich da sein sollte! Nichts haben Sie gemacht, sondern im Gegenteil: Die Immobilien haben Sie aus den ÖBB hinausgetragen, alles haben Sie verscherbelt! (Beifall bei Grünen und SPÖ.)
Die Manager der ÖBB haben sich über die Jahre an diesem Unternehmen nur bereichert. – So schaut es aus, meine sehr geehrten Damen und Herren: Die haben sich nur bereichert, waren ein, zwei Jahre dort und sind dann mit Abfertigungen aus dem Unternehmen wieder hinausgegangen! (Neuerlicher Beifall bei Grünen und SPÖ.)
Davon hatten wir in den letzten Jahre mehr als genug, und den Leuten in Österreich, auch den Bediensteten bei den ÖBB steht es schon bis zum Hals, was hier getrieben wurde. Und jede Woche platzt eine Eiterbeule auf, und zwar nicht nur was die ÖBB betrifft, sondern auch was Ihr „verdienstvolles“ Wirken in den letzten Jahren betrifft, wo Sie einen öffentlichen Betrieb nach dem anderen ruiniert und eigentlich dem Ruin preisgegeben haben. (Anhaltende Zwischenrufe bei der ÖVP.)
Sie, meine sehr geehrten Damen und Herren von der ÖVP, sitzen seit 1986 in jeder Regierung, und immer wenn es darum geht, Verantwortung zu übernehmen, dann haben Sie von nichts gewusst. (Neuerliche Zwischenrufe bei der ÖVP.) Von nichts wissen Sie etwas – aber regieren tun Sie! Und das ist der Unterschied, meine sehr geehrten Damen und Herren: dass wir von einer Regierung auch Verantwortung einfordern, und zwar von jeder Regierungspartei! (Beifall bei den Grünen sowie Beifall und Bravorufe bei der SPÖ.)
10.24
Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Zu Wort ist hiezu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen.
Debatte über Einwendungen gegen die Tagesordnung
Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Wir gelangen nunmehr zur angekündigten Debatte über die Einwendungen gegen die Tagesordnung der Abgeordneten Dr. Rosenkranz sowie die Einwendungen gegen die Tagesordnung der Abgeordneten Ing. Westenthaler, Kolleginnen und Kollegen.
In der gemäß § 50 der Geschäftsordnung stattfindenden gemeinsamen Debatte beschränke ich zunächst grundsätzlich die Redezeit auf 5 Minuten und die Zahl der Rednerinnen und Redner pro Klub auf 3 – dies unabhängig von einer Klubvereinbarung, die in der Zwischenzeit auch vorliegt.
Zu Wort gemeldet ist als Erster Herr Abgeordneter Dr. Rosenkranz. Ich stelle die Uhr auf 3 Minuten. Abläuten kann ich erst nach 5 Minuten; ich mache nur darauf aufmerksam. – Bitte.
10.25
Abgeordneter Dr. Walter Rosenkranz (FPÖ): Frau Präsidentin! Frau Bundesministerin! Hohes Haus! Die heutige Tagesordnung enthält unter den Punkten 6 bis 8 eine Novellierung des Fremdenrechts, insbesondere des Asylgesetzes, des Fremdenpolizeigesetzes und des Niederlassungs- und Aufenthaltsgesetzes – wieder ein Fleckerl mehr in einem unübersichtlichen Flickwerk der Baustelle Fremdengesetzgebung.
Linke Kundgebungen vor dem Parlament am heutigen Tag und zahlreiche Zuschriften in den letzten Tagen zeigen ja, wie interessiert die Bevölkerung an diesem Thema ist. Wir Freiheitlichen halten die parlamentarische Auseinandersetzung über diesen Kernbereich der Verhinderung der illegalen Zuwanderung und des Asylmissbrauchs für derart wichtig, dass wir diese Diskussion vor den interessierten Bürgern an den Fernsehschirmen führen wollen. (Beifall bei der FPÖ.)
Dies umso mehr, als man aus den Medien erfährt, dass es zu einer Verschärfung kommen soll. Nun ja, Verschärfung, das ist relativ: Estragon-Senf wird auch als scharf bezeichnet, obwohl es dann noch exorbitante Steigerungen gäbe. Und so einen Estragon-Senf will uns letztlich die Innenministerin heute vorsetzen.
Im Bereich des Asylbetrugs und der illegalen Zuwanderung liegen die freiheitlichen Forderungen aber im Bereich von Cayenne-Pfeffer, Chili, Tabasco und Kirschpfefferoni. Das wäre die Schärfe, mit der diesen Missständen entgegengetreten werden müsste! (Beifall bei der FPÖ.)
Wir hätten die Bürgerinnen und Bürger gerne ausführlich in der Fernsehzeit darüber informiert, wie eine Verschärfung à la ÖVP aussieht: Kriminelle Scheinasylwerber, denen wegen der in Österreich begangenen Straftaten, zum Beispiel als Drogenhändler, in deren Heimatstaaten zusätzlich eine strenge Strafe droht, dürfen nicht abgeschoben werden, sie werden, wie es so schön heißt, jetzt geduldet, bekommen einen Duldungsausweis und dann noch als Belohnung die Arbeitsbewilligung und dann vielleicht auch noch den Anspruch, nach dem Niederlassungsgesetz bei uns bleiben zu können. (Abg. Amon: Das ist keine inhaltliche Debatte! Das ist ein Missbrauch der Geschäftsordnung!)
Das ist also jetzt so: Man kommt illegal und nicht nachweisbar, ohne Dokumente, aus Nigeria, dem Iran oder dem Irak nach Österreich, das Asylverfahren scheitert, weil keine Asylgründe vorliegen, und das Ende des Verfahrens droht, man begeht eine Straftat, und schon darf man dableiben. – Das ist die „Schärfe“ der ÖVP in Asylfragen!
Die entscheidenden Themen: Wie mache ich Österreichs Grenzen im Schengen-Raum vor Scheinasylwerbern dicht?, Wie mache ich Österreich als Traumdestination für Asylwerber uninteressant?, diese entscheidenden Fragen bleiben unberührt, zum Beispiel durch Ende der Geldzuwendungen hin zu Sachzuwendungen.
Ebenso unbeantwortet bleibt die Frage: Wie wird sich die eingetragene Lebenspartnerschaft, die ab 1. Jänner kommen soll, auf die Niederlassungsgesetze auswirken? Werden die Asylwerber in Zukunft verstärkt homosexuell sein, um sich so einen Aufenthaltstitel zu erschleichen? Nach der Scheinehe und der Scheinadoption kommt jetzt die scheineingetragene Lebenspartnerschaft. (Zwischenruf der Abg. Mag. Korun.)
Diese Themen muss man in der breiten Öffentlichkeit verhandeln, man darf sie nicht deswegen, weil die Frau Bundesminister für Unterricht und Kunst einen Termin um 12 Uhr auswärts hat, zu einem Zeitpunkt verhandeln, wo diese breite Öffentlichkeit nicht mehr gegeben ist, denn das wären die interessanten Dinge! (Beifall bei der FPÖ.)
10.28
Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Als Nächster gelangt Herr Abgeordneter Ing. Westenthaler zu Wort. – Bitte.
10.28
Abgeordneter Ing. Peter Westenthaler (BZÖ): Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Zuerst ganz generell, wie die Regierung und die Minister mit diesem Haus umgehen oder was sich dieses Haus gefallen lässt, und deswegen auch die Debatte zur Geschäftsordnung.
Es kann doch wirklich nicht sein – und da, Frau Präsidentin, spreche ich Sie jetzt an, denn Sie müssen dieses Haus auch vertreten –, dass sich Minister im Vorfeld von Parlamentssitzungen aussuchen, an welchen Tagen und zu welcher Uhrzeit ihr Gesetz drankommt. Ich meine, wo sind wir denn! Wir sind ein selbständiges, ein selbstbewusstes Parlament. Wir legen die Tagesordnung fest – und nicht die Minister! Und das haben Sie, Frau Präsidentin, dementsprechend den Ministern auch klarzumachen.
Wenn sich eine Ministerin wünscht, was heute zum Beispiel stattfindet, dass wir zu Beginn der Sitzung die Schulgeschichten diskutieren, weil sie – und das war die Begründung – am Abend einen Vortrag bei der Industriellenvereinigung hat, dann ist das kein Argument für eine Entschuldigung. Die Ministerin hat dann da zu sein, wenn das Parlament sie ruft – und nicht, wenn sie es sich aussucht! (Beifall beim BZÖ.)
Wir sind der Meinung, dass wir die Fremdenrechts- und die Asylrechtsdebatte selbstverständlich zu prominenter Zeit führen sollten, und zwar morgen am Beginn der Debatten, und deswegen haben wir beantragt, diese Gesetzesmaterie von der heutigen Tagesordnung abzusetzen und sie an den Anfang der morgigen Tagesordnung zu setzen, weil sie – und der Herr Klubobmann Cap wird mir da sicher recht geben – einen der zentralsten Problembereiche der Bevölkerung betrifft.
Sie selbst sagen jetzt pausenlos: Wir haben das Problem erkannt! Das sagt die Frau Rudas, das sagt der Herr Cap. Jetzt, nach vielen Jahren, haben Sie das Problem erkannt, sagen Sie. Warum machen Sie dann dabei mit, dass diese Gesetzesthematik, diese wichtige Diskussion in den Nachmittag beziehungsweise in den Abend verlegt und verräumt wird? Warum machen Sie nicht mit uns mit: dass wir das zu prominenter Zeit diskutieren, damit die Menschen dieser Diskussion auch folgen können, um die Standpunkte der einzelnen Parteien entsprechend nachvollziehen zu können? Das wäre eigentlich auch Ihre Aufgabe, Herr Klubobmann Cap! Aber ich verstehe schon. (Beifall beim BZÖ.)
Sie, meine Damen und Herren von der SPÖ, sagen ja mittlerweile zu allem Ja und Amen – im wahrsten Sinne des Wortes –, was die ÖVP Ihnen vorgibt. Sie haben sich mit der Rolle der ÖVP-Begleitpartei mittlerweile abgefunden. Das ist Ihre Daseinsberechtigung.
Merken Sie nicht, dass die Menschen Probleme haben? „An der Ostgrenze regiert die Angst“ hat vor Kurzem die „Kronen Zeitung“ getitelt. (Abg. Mag. Kogler: An der Ostgrenze regiert die „Kronen Zeitung“! Das ist noch viel schlimmer!) Die Menschen haben pure Angst, weil sich mittlerweile schon sozusagen geschäftsmäßig ein Industriezweig entwickelt hat, wo Kriminelle mit Lastwagen, mit Transportern über die offene Grenze gebracht werden, damit sie bei uns einbrechen, stehlen gehen, Häuser knacken, Autos stehlen und unsere Bevölkerung behelligen, und dann wieder mitgenommen werden.
Dazu sagen wir: Nein! Die einzige Antwort darauf ist – und da hat unser Parteiobmann völlig recht, und deswegen werden wir das heute auch beantragen, für die Bevölkerung in den Grenzregionen, aber auch für die Bevölkerung in Wien –, endlich zumindest temporär die Grenzen wieder dichtzumachen und den Schengen-Vertrag für das nächste halbe Jahr auszusetzen. Das werden wir fordern, meine sehr geehrten Damen und Herren! (Beifall beim BZÖ.)
Nur eine kontrollierte Grenze, nur eine geschlossene Grenze kann zumindest die Chance eröffnen, dass wir die Verbrecher, die Diebesbanden und alle, die zu uns kommen und hier kriminelle Taten begehen, an den Grenzen dingfest machen.
Aber das, was Sie machen, ist ein völlig anderer Weg – auch mit der neuen Gesetzgebung; Sie wissen anscheinend nicht, was da drinnen steht –: Sie pardonieren Ausländerkriminalität, indem Sie den Begriff der Straffälligkeit für Asylwerber und Asylanten, nämlich ab dem Zeitpunkt, wo aufgrund der Straffälligkeit ein Asylant das Land zu verlassen hat, er abzuschieben ist, mit der Schwere des Delikts definieren, und teilen das auf Landesgerichtsbarkeit und Bezirksgerichtsbarkeit auf.
Wissen Sie, was das heißt? – Dass künftig Diebstahl, Körperverletzung, Nötigung erst im Wiederholungsfall für Asylanten als Straftat gelten und erst im Wiederholungsfall überhaupt ein Abschiebeverfahren eingeleitet werden kann. – Das ist eine Einladung
zur Kriminalität in diesem Land für die Ausländer! Und das lehnen wir ganz entschieden ab, meine sehr geehrten Damen und Herren. (Beifall beim BZÖ.)
Sie schaffen den Begriff „geduldete Straftäter“. Was ist denn das? – Plötzlich dürfen Straftäter, die hier kriminell werden, bei uns arbeiten, werden ganz normal behandelt, sind geduldet. Sie haben nämlich ein Haftentlassungspaket beschlossen, wonach sie Hunderte, ja Tausende Ausländer vorzeitig freilassen und einfach wegschicken, die prompt wieder nach Österreich kommen und hier wieder in die Kriminalität gehen.
Sie pardonieren hier Kriminalität – und auch den Asylmissbrauch! (Zwischenruf der Abg. Mag. Korun.) Denn: Folgeanträge sind nach wie vor möglich. Professor Raschauer hat es im Hearing gesagt: Beim Folgeantrag ist grundsätzlich einmal zu verdächtigen, dass er ausschließlich der Verzögerung gilt, weil ein Verfahren bereits abgeschlossen wird.
Ich sage Ihnen: Schluss mit den Folgeanträgen! Wenn es einen aufrechten Abschiebebescheid gibt, dann ist dieser zu vollziehen (neuerlicher Zwischenruf der Abg. Mag. Korun) und dann kann man nicht immer wieder Folgeanträge stellen. Diesen Unfug muss man endlich beenden! (Beifall beim BZÖ.)
Was Sie betreiben, ist systematische Aufenthaltsverfestigung für kriminelle Ausländer. Dabei haben wir Sie ertappt, und deswegen wollen Sie die Debatte in den Abend verschieben, damit keiner mitkriegt, dass dieses Gesetz eine Schlamperei ist, ein Husch-Pfusch-Gesetz, das in Wahrheit die wirklichen Probleme nicht löst.
Deswegen sagen wir: Zurück mit diesem Gesetz – entweder gleich in den Ausschuss, um es neu zu verhandeln, oder in die morgige Sitzung, um eine Debatte darüber gleich am Beginn der Tagesordnung auch unter Beobachtung durch die Bevölkerung durchzuführen. – Das ist unser Anliegen, und das werden wir auch durchzusetzen versuchen! (Beifall beim BZÖ.)
10.33
Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Als Nächster gelangt Herr Klubobmann Dr. Cap zu Wort.
Ich mache noch einmal darauf aufmerksam: Ich stelle die Uhr so, wie Sie es vereinbart haben, nämlich auf 3 Minuten. Abläuten muss ich nach 5 Minuten. Das ist eine Vereinbarung zwischen den Fraktionen, die abgezeichnet wurde.
10.34
Abgeordneter Dr. Josef Cap (SPÖ): Frau Präsidentin! Hohes Haus! Aufgrund des Aufregungsgrades meines Vorredners Westenthaler beantrage ich, dass man ihm den „Iffland-Ring“ verleiht für besondere schauspielerische Leistungen, denn das ist ja absurd: Sie tun ja förmlich so, wie wenn wir die Frage Fremdenrecht und Asyl überhaupt nicht behandeln würden. Das ist ja nicht wahr! Es geht ausschließlich um die Frage, ob wir zulassen, dass Sie das Thema „Kindergeld“ und das Thema „Beendigung des Missbrauchs im Asylrecht“ gegeneinander ausspielen. Das ist alles, worum es hier geht.
Wenn Sie hier herauskommen und unterstellen, es gäbe da – ich zitiere – eine „Einladung zur Kriminalität“ in Österreich, dann muss ich sagen: So eine Absurdität!
Was hier versucht wird, ist, auf Basis der Menschen- und Grundrechte – und dazu bekennen wir uns, davon werden wir keinen Millimeter abrücken – in diesem Bereich Regelungen zu finden, wo es keine Hintertüren gibt, wo es keinen Missbrauch gibt, gar nichts Derartiges. (Ironische Heiterkeit bei der FPÖ.) Genau darum geht es! Und gegenüber Kriminellen, ganz egal, ob Inländer oder Ausländer, wird das gleiche Recht anzuwenden sein. (Beifall bei der SPÖ.)
Da sage ich Ihnen: Sie werden, auch in Übereinstimmung mit dem Verfassungsrecht, zur Kenntnis nehmen müssen: Keine Gnade mit Kriminellen! (Abg. Ing. Westenthaler: Warum pardonieren Sie es?) Aber ich sage auch: Wenn bei jemandem eingebrochen worden ist, ob das im Auto, in der Wohnung oder im Einfamilienhaus ist – und ich sage gleich: Jeder Einbruch ist zu viel, und es muss darum gekämpft werden, dass es mehr Sicherheit und mehr Polizei gibt; in Wien läuft eine Unterschriftenkampagne, auf der schon 70 000 Unterschriften sind, wo es heißt: 1 000 Polizisten mehr für Wien –, dann ist es nicht so, dass derjenige, bei dem eingebrochen worden ist, dann sagt: Bei mir ist eingebrochen worden!, sondern dann ist die Frage die: War es ein Inländer oder ein Ausländer? Bei einem Inländer heißt es dann: Schwamm drüber, da gehen wir nicht zur Polizei!, aber bei einem Ausländer heißt es: Da gehe ich zur Polizei! – Das ist doch absurd!
Es hat die Polizei, es hat die Republik mit unseren Steuergeldern dafür zu sorgen, dass es Sicherheit gibt. Das ist das Entscheidende! Sicherheit bedeutet: Kampf gegen jeden Einbruch, Kampf gegen jeden Kriminellen, dass vor dem Gesetz alle gleich sind, und wenn einer straffällig ist und verurteilt wird, dann ist er verurteilt, und der eine wird ins Gefängnis kommen und der andere wird abgeschoben. – So einfach ist das! Tun Sie da nicht etwas hineingeheimnissen!
Daher finde ich: Heute Tagesordnungspunkt 1: Unterricht, Matura, wo es um die Zukunft unserer Kinder geht. Mit Recht ist das der erste Punkt auf der Tagesordnung! (Abg. Ing. Westenthaler: Morgen wollen wir es haben!) Und morgen Tagesordnungspunkt 1: Kindergeld. Mit Recht ist das der erste Punkt! – Spielen Sie bitte die Themen nicht gegeneinander aus! (Beifall bei SPÖ und ÖVP.)
10.36
Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Bevor ich dem nächsten Redner das Wort erteile, ersuche ich die Klubobleute, zu mir zu kommen, und unterbreche zu diesem Zweck die Sitzung für kurze Zeit.
*****
(Die Sitzung wird um 10.36 Uhr unterbrochen und um 10.41 Uhr wieder aufgenommen.)
*****
Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Ich nehme die unterbrochene Sitzung wieder auf.
Als Nächster gelangt Herr Abgeordneter Ing. Hofer zu Wort. Ich stelle, wie schon vorhin angekündigt, die Uhr auf 3 Minuten. – Bitte.
10.41
Abgeordneter Ing. Norbert Hofer (FPÖ): Frau Präsident! Geschätzte Mitglieder der Bundesregierung! Meine Damen und Herren! Ich meine, dass wir uns schon Gedanken über die Bedeutung dieses Parlaments machen müssen und dass wir gefordert sind, alles zu tun, damit dieses Parlament dem auch gerecht wird, was wir alle uns wünschen. Es kann nicht sein – und das ist ein Beispiel dafür, wie man, auch vonseiten der Regierungsparteien, mit dem Parlament umgeht –, dass in Ausschüssen immer wieder Anträge vertagt werden. Anträge der Opposition, die auch wirklich gute Anträge sind (Ruf bei der SPÖ: Wer sagt das?), werden nicht abgelehnt, sie werden vertagt. Zum Beispiel in der letzten Sitzung des Sozialausschusses: viele Anträge einfach vertagt.
Oder bei Untersuchungsausschüssen: Minister dürfen nicht geladen werden, denn das könnte Majestätsbeleidigung sein. – Ist das unser Selbstvertrauen im Parlament? Oder
die Anwesenheit der Minister bei Parlamentssitzungen: Nicht nur heute, bei vielen Sitzungen ist es so, dass die Regierungsbank doch ziemlich leer ist!
Jetzt zum konkreten Anlassfall: Frau Bundesminister! Das Parlament hat jedes Verständnis dafür, dass ein Minister auch einmal einen Termin haben kann, der unaufschiebbar ist, der dringend ist und der für das Wohl und Weh unserer Heimat Österreich ganz, ganz wesentlich ist. Wenn es aber darum geht, dass eine Tagesordnung sich nach einem Termin bei der Industriellenvereinigung – die ich sehr schätze – richtet, dann ist das der falsche Weg! (Beifall bei der FPÖ.) – Die Frau Präsidentin hat bereits mehrfach die Mitglieder der Bundesregierung ersucht, darauf Rücksicht zu nehmen, und sie hat es aus diesem konkreten Anlassfall heraus wieder getan.
Frau Bundesminister, das Vertrauen in Sie ist bereits angekratzt. Sie erinnern sich an den Streit mit der Lehrergewerkschaft, Sie erinnern sich an die Vorwürfe, dass Sie für den Niedergang der Kommunalkredit verantwortlich wären und dort trotzdem eine hohe Abfertigung kassiert hätten. Ich bitte Sie ganz, ganz dringend, darauf zu achten, dass Sie bei Ihrer politischen Arbeit nicht nur die Sacharbeit in den Vordergrund stellen, sondern auch darauf achten, dass Termine im Parlament unbedingt einzuhalten sind, dass sich die Tagesordnung des Parlaments nicht nach Terminen bei der Industriellenvereinigung richten kann. Und ich ersuche Sie, Frau Präsidentin, noch einmal die Mitglieder der Bundesregierung darauf aufmerksam zu machen, dass das, was hier geschieht, höchste Priorität hat. (Beifall bei der FPÖ.)
10.44
Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Herr Abgeordneter! Alles, was in der Präsidialsitzung vereinbart wird, ist für mich verbindlich, und daher werden natürlich die Mitglieder der Bundesregierung ein weiteres Mal von mir davon in Kenntnis gesetzt. (Abg. Ing. Westenthaler: Aber sie halten sich nicht daran! Sie gehen eher zur Industriellenvereinigung als ins Parlament!)
Als Nächster gelangt Herr Klubobmann Kopf zu Wort. – Bitte.
10.44
Abgeordneter Karlheinz Kopf (ÖVP): Frau Präsidentin! Frau Bundesministerin! Herr Staatssekretär! Meine Damen und Herren! Natürlich sind Fremdenrecht und Asylrecht enorm wichtige Materien, aber auch die Familienförderung ist enorm wichtig, Bildungsfragen sind enorm wichtig – und ich könnte mit der Aufzählung noch fortfahren.
Es macht keinen Sinn, die Bedeutung von Tagesordnungspunkten gegeneinander auszuspielen! Wir müssen eine Tagesordnung haben, und da ist es naturgemäß nun einmal so, dass ein Punkt nach dem anderen abgehandelt wird. (Zwischenruf des Abg. Mayerhofer.) Da soll man dann nicht ständig hineininterpretieren: Das ist jetzt als bedeutsamer gewertet worden, weil es an erster Stelle ist, und das Zweite ist vielleicht nicht so bedeutsam. Das ist doch Unsinn, das bringt uns doch nicht weiter! (Abg. Ing. Westenthaler: Das ist doch immer so! Das ist immer so!)
Wir haben aber gute Instrumente in diesem Haus, um zu unterscheiden – einerseits zwischen Sachdebatten, in denen wir oft sehr unterschiedlicher Meinung sind, und auf der anderen Seite den geschäftsordnungsmäßigen Notwendigkeiten, und zu denen gehört auch das Finden einer Tagesordnung. Das machen unsere Klubdirektoren, alle fünf, im Vorfeld: In sehr guter, konsensualer Art und Weise setzen sich diese sehr oft zusammen und finden Lösungen als Vorbereitung jener Entscheidungen, die wir Klubobleute mit den drei Präsidenten später in der Präsidiale zu treffen haben – oder allenfalls dann auch hier im Hohen Haus.
Aber was passiert jetzt? – Wir hatten eine Lösung gefunden, auch für die Tagesordnung. Okay, es hat zwei Parteien gegeben oder insbesondere eine, die diese Reihenfolge nicht so wollte; letzten Endes konnten wir diesmal keinen Konsens über alle fünf
Parteien, aber doch über eine große Mehrheit hinweg, finden, die Tagesordnung heute und morgen so zu machen, wie sie ist. (Abg. Ing. Westenthaler: ... „verramts“ das an das ...!)
Jetzt ist es auch so, da es immer davon abhängt, wann das Fernsehen dabei ist, dass wir so fair sind und während der Fernsehzeit sogar alle fünf Parteien dieselbe Redezeit bekommen. Das ist abweichend von der Geschäftsordnung ein Entgegenkommen der größeren Parteien gegenüber den kleineren. (Abg. Ing. Westenthaler: So etwas von Überheblichkeit! – Zwischenruf des Abg. Scheibner.) Das muss man schon einmal festhalten! (Abg. Dr. Graf: Das ist ein Gesetz! – Abg. Ing. Westenthaler: Das ist eine Überheblichkeit ...!)
Meine Damen und Herren, was aber jetzt passiert, ist Folgendes: Wir haben hier eine unterschriebene Vereinbarung – von allen fünf Klubdirektoren unterschrieben – über die Verteilung der Redezeit während der Fernsehübertragung. Und jetzt geht das BZÖ, Herr Klubobmann-Stellvertreter Westenthaler, vorhin in der kurzen Präsidialbesprechung her (Abg. Ing. Westenthaler: Weil wir das diskutieren wollen!) und sagt: Dieses Papier ist nichts wert! (Abg. Ing. Westenthaler: Das wollen wir diskutieren! Ihr wollt das nicht diskutieren!) Die Unterschrift der Klubdirektorin des BZÖ ist nichts wert, die interessiert uns nicht. Wir halten uns nicht an getroffene – sogar mit Unterschrift festgehaltene – Vereinbarungen. (Abg. Ing. Westenthaler: Wir halten uns an die Geschäftsordnung!)
Herr Westenthaler! Wenn wir in diese Form der formalen Zusammenarbeit einbiegen, dann – wir brauchen nicht inhaltlich einer Meinung zu sein, aber über die Spielregeln dieses Hauses sollte wenigstens Einigkeit herrschen (Abg. Ing. Westenthaler: Wir halten uns an die Geschäftsordnung!) – gefährden Sie die parlamentarische Debatte in diesem Haus, und das ist verwerflich. (Abg. Ing. Westenthaler – die Titelseite der „Kronen Zeitung“ mit der Schlagzeile „An der Ostgrenze regiert die Angst“ in die Höhe haltend –: Die Menschen haben Angst! Dann sagen Sie einmal etwas dazu! Das ist Fremdenrecht! Sagen Sie einmal etwas dazu!) Halten Sie sich an die Vereinbarungen und zeigen Sie Charakter! (Beifall bei ÖVP und SPÖ. – Abg. Ing. Westenthaler: Das ist unglaublich! So etwas Arrogantes gegenüber ...!)
10.47
Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Als Nächster gelangt Herr Abgeordneter Scheibner zu Wort. – Bitte.
10.48
Abgeordneter Herbert Scheibner (BZÖ): Meine Damen und Herren! Frau Präsidentin! Herr Kollege Kopf, so kann es natürlich nicht gehen, dass Sie jetzt herauskommen und sagen, es sei verwerflich, wenn die Opposition, wenn das BZÖ von einem geschäftsordnungsgemäßen Recht Gebrauch macht – Herr Kollege Kopf, Geschäftsordnung! (Abg. Kopf – ein Schriftstück in die Höhe haltend –: Unterschrift! Unterschrift!) – Was heißt „Unterschrift!“? In der Geschäftsordnung ist klar festgeschrieben, Herr Kollege Kopf, ... (Abg. Kopf: Wissen Sie, was Vereinbarung heißt?) – Für uns gilt die Geschäftsordnung, Herr Kollege Kopf, und das ist kein Zugeständnis von Ihnen, das sind keine Almosen von Mehrheitsfraktionen, sondern das ist geschriebenes Recht, und auch Sie werden sich daran zu halten haben. (Beifall beim BZÖ.)
Aber es ist mir schon klar, Herr Kollege Kopf, was man will, denn es ist ja nicht so, dass man sagt: Na ja, warum soll man die Familie oder den Unterricht nicht jetzt besprechen? Das Asylgesetz, das ist schon wichtig, aber das kann man auch später diskutieren. – Ja, natürlich kann man das alles irgendwann diskutieren, nur ist es schon ein bisschen durchsichtig, wenn man jetzt vonseiten der Regierungsparteien versucht, dem Druck aus der Bevölkerung mit einem Placebo den Wind aus den Segeln zu neh-
men, mit einem Asylgesetz, mit dem man so tut, als ob man die Probleme lösen würde, wie es die Bevölkerung von Ihnen verlangt. Dann ist natürlich klar, dass man die Debatte besser auf Mitternacht verlegt und der Bevölkerung nicht die Möglichkeit gibt, via TV-Gerät die Entlarvung dieses Placebos entsprechend mitverfolgen zu können. (Zwischenruf der Abg. Schönpass.) Das ist doch in Wahrheit der Hintergrund, warum man diese Tagesordnung so festgelegt hat! (Beifall beim BZÖ.)
Herr Kollege Cap, Sie haben es ja gesagt: Es ist der Versuch, etwas zu machen. – Wir brauchen aber keine Versuche, sondern wir brauchen wirkliche Handlungen, und Sie haben mit dieser Novelle zum Asylgesetz die gravierenden Probleme noch immer nicht gelöst!
Der Grundsatz, dass, wenn jemand das Asylrecht hier missbraucht, etwa dadurch, dass er straffällig wird, das Asylverfahren zu beenden und er abzuschieben ist, ist immer noch nicht klargelegt. Hier muss es einen klaren Grundsatz geben, aber dieser wird wieder nicht durchgesetzt! (Beifall beim BZÖ.) Zweimal kann jemand stehlen – zwei Mal!, das ist ein Freibrief für Körperverletzung, für Nötigung, für gefährliche Drohung –, und er kann noch immer sein Dasein in Österreich entsprechend fristen, sehr wohlbestallt mit der entsprechenden Unterstützung von uns allen.
Wir haben es jetzt wieder gesehen: Da kommt ein Lkw nach Österreich mit einigen Dutzend Kurden – geschleppt; diese haben wahrscheinlich viele tausend Euro an die Schlepper bezahlt –, und diese werden nach Traiskirchen verfrachtet: Traiskirchen, ohne jede Überwachung. Und man höre und staune: Wo sind diese Kurden nach wenigen Stunden? – Sie sind verschwunden! Da war die Verwunderung groß: Ja, die haben sich beim Morgenappell nicht gemeldet! (Zwischenruf des Abg. Pendl.) Na wo sollen sie sich denn melden? – Die sind doch von den Schlepperorganisationen genau gebrieft, genauso wie jene, die das Asylrecht missbrauchen wollen, von Anwälten und angeblichen Hilfsorganisationen gebrieft sind, wie sie diese Gesetze missbrauchen können! Dem wollen wir einen Riegel vorschieben, meine Damen und Herren! (Beifall beim BZÖ.)
Straffällige sind abzuschieben, entsprechende Überwachung ist dort nötig, wo es einen entsprechenden Verdacht auf Missbrauch gibt.
Die Drittstaatsklausel, meine Damen und Herren, ist ein klares Gesetz: Es ist gültiges Recht, dass, wenn jemand aus einem unserer Nachbarländer nach Österreich kommt, das Verfahren in diesem Land durchzuführen ist. Da brauchen wir nichts mehr zu überprüfen, sondern dieser Asylwerber ist in dieses Land zu bringen!
Betreffend Kettenanträge: Wenn jemand verfolgt wird, wenn jemand bedroht ist, dann wird er selbstverständlich all seine Argumente sofort vorbringen. Und wenn er das neue Argument erst dann einbringt, wenn sein erster Antrag abgelehnt wird, dann ist doch wohl evident, dass hier etwas nicht stimmt! – Auch diesbezüglich gibt es bei diesem Gesetz keine entsprechenden Änderungen.
Dieser Asylmissbrauch ist nicht nur deshalb so verwerflich, weil dadurch die Sicherheit in unserem Land gefährdet wird, sondern auch, weil das Recht derer missbraucht wird, die es wirklich benötigen, weil diese Verfahren sich verschleppen, weil der Verwaltungsapparat entsprechend überfordert ist. Dieser Missbrauch ist auch ein Missbrauch gegenüber den wirklich politisch, religiös oder rassisch Verfolgten, auch das sollten Sie endgültig zur Kenntnis nehmen und wirklich konkrete Maßnahmen setzen, so wie wir das immer wieder verlangt haben. (Beifall beim BZÖ.)
Frau Bundesminister, es ist ja schön, dass Sie nun hier sind – ich weiß nicht, ob Sie vielleicht ein Frühstück mit der Arbeiterkammer gehabt haben, und jetzt kommt möglicherweise noch ein Mittagessen mit der Gewerkschaft (Zwischenrufe der Abgeordneten Mag. Stadler und Grosz) –, aber ich sage Ihnen eines ganz klar und deutlich: Wir
hier sind die Volksvertretung, wir hier sind der Gesetzgeber, und diesem Gesetzgeber, dieser Volksvertretung haben sich die Terminkalender der Minister unterzuordnen! (Beifall beim BZÖ.)
Sie wissen ein halbes Jahr im Voraus, wann diese Sitzungen sind, und da kann man solche vielleicht wichtigen Termine wie ein Abendessen mit der Industriellenvereinigung verschieben, sodass wir auch eine Tagesordnung machen können, wie sie die Bevölkerung verlangt (Präsidentin Mag. Prammer gibt das Glockenzeichen), damit wir vor den Augen der Menschen über die Sicherheit in diesem Land und gegen den Asylmissbrauch diskutieren können. (Beifall beim BZÖ.)
10.53
*****
Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Als Nächste gelangt zu Wort: Frau Abgeordnete ... (Abg. Dr. Glawischnig-Piesczek begibt sich zum Rednerpult. – Abg. Ing. Westenthaler: Was ist jetzt? Und ihr sagt, wir sind Chaoten?!) – Zur Geschäftsordnung: Frau Abgeordnete Dr. Glawischnig-Piesczek. – Bitte.
10.53
Abgeordnete Dr. Eva Glawischnig-Piesczek (Grüne) (zur Geschäftsbehandlung): Frau Präsidentin! Frau Ministerin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Na selbstverständlich muss man darüber diskutieren, wie Tagesordnungen zustande kommen, aber über etwas anderes muss man auch diskutieren, nämlich darüber, welche Handschlagqualität es überhaupt noch in diesem Haus gibt, wenn ein Teil des BZÖ sagt: Okay, wir sind einverstanden (Abg. Ing. Westenthaler: Niemand hat das gesagt!), wir regeln gemeinsam die Zeit, die wir im Fernsehen diskutieren können, damit diese auch für die Zuseher möglichst attraktiv ist!, dieser Teil des BZÖ das sogar unterschreibt, und dann ein anderer Teil des BZÖ sich unglaublich darüber aufregt, dass es diese Vereinbarung gibt.
Heute in der Früh war der Titel der Aktuellen Stunde „Das Chaos fährt Bahn“. Ich kann nur sagen: Das Chaos fährt BZÖ, und ich würde mir wünschen, dass wir das in der Präsidiale auch nachbesprechen, und zwar in dem Sinne, dass wir uns zumindest an das halten, wozu wir uns gemeinsam in irgendeiner Form schriftlich verpflichtet haben. (Abg. Ing. Westenthaler: Sie müssen aber einen Antrag stellen, wegen der Geschäftsordnung!)
Ich stelle den Antrag, das in der Präsidiale jedenfalls nachzubesprechen, um auch für die Bevölkerung und für die Zuseher irgendetwas sinnvoll Gestaltbares an Fernsehübertragungstagen zu haben. – Danke. (Beifall bei den Grünen.)
10.54
Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Zur Geschäftsbehandlung: Herr Klubobmann Dr. Cap. – Bitte.
10.54
Abgeordneter Dr. Josef Cap (SPÖ) (zur Geschäftsbehandlung): Ich möchte nur eines feststellen: Wenn sich der Zuseher und die Zuseherin ihren Teil denken (Zwischenruf des Abg. Dr. Stummvoll), dann den, dass wir uns auf die Tagesordnungen gefälligst dort einigen sollten, wo das vorgesehen ist, nämlich in der Präsidiale (Abg. Ing. Westenthaler: Weil Sie Angst haben vor ...!), und dass die Klubdirektoren das ausgemacht haben – alle fünf haben das unterzeichnet. (Zwischenrufe beim BZÖ.)
Und das, was das BZÖ jetzt zu verantworten hat, ist eine Chaotisierung hier im Parlament. Das schadet dem Image des Parlaments, denn die Zuseherinnen und Zuseher
wollen inhaltliche Debatten und nicht die Wehwehchen einer sich langsam von diesem Haus verabschiedenden Fraktion, nämlich des BZÖ. (Beifall bei SPÖ, ÖVP und Grünen.)
Das ist schädlich für das Parlament, was sich hier abspielt! Hier soll diskutiert und nicht obstruiert und nicht das Parlament auf diese Art und Weise schlechtgemacht werden!
Halten Sie sich an die Vereinbarungen, so wie das jeder andere Bürger und jede andere Bürgerin auch tut! (Beifall bei SPÖ und ÖVP. – Abg. Ing. Westenthaler: Setz dich!)
10.55
Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Zur Geschäftsbehandlung: Herr Abgeordneter Scheibner. – Bitte.
10.55
Abgeordneter
Herbert Scheibner (BZÖ) (zur Geschäftsbehandlung): Herr Kollege Cap, Ihre
gespielte Erregung können Sie sich sparen, denn wir haben hier Gesetze
zu diskutieren, wir haben hier die Bevölkerung zu vertreten und nicht hier über Ihre Geschäftsordnungsgeschichten
zu streiten. (Beifall beim BZÖ. – Zwischenrufe bei der
SPÖ.)
Klar ist – und ich ersuche Sie, Frau Präsidentin, wenn das schon Thema in der Präsidiale ist, das auch festzulegen –, dass verbindliche Vereinbarungen über den Ablauf der Sitzungen nur das Parlament und Parlamentarier machen können; Mitarbeiter des Parlaments, so wie die Klubdirektoren oder andere, können Vorschläge machen, aber Entscheidungen treffen die gewählten Abgeordneten.
Da soll man sich nicht aufregen, sondern man soll ganz genau nach diesen Regeln vorgehen, dann gibt es keine Probleme. (Beifall beim BZÖ.)
10.56
Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Zur Geschäftsbehandlung: Herr Klubobmann Strache. – Bitte.
10.56
Abgeordneter Heinz-Christian Strache (FPÖ) (zur Geschäftsbehandlung): Prinzipiell ist festzuhalten, dass die Bevölkerung sicherlich Interesse daran gehabt hätte, dass die Diskussion über das wirklich brennende Thema des Asylrechts (Abg. Ing. Westenthaler: ... das alles „verramt“ ...!) zur Fernsehzeit stattfindet und man hätte zuhören und zusehen können, deshalb haben wir auch diese Einwendungsdebatte heute einberufen, um darüber zu debattieren, aber natürlich gibt es Vereinbarungen, die getroffen worden sind, und daran sollte man sich halten.
Dass Vereinbarungen nicht eingehalten werden, ist leider Gottes in diesem Haus immer wieder der Fall, beispielsweise wenn es darum geht, dass Vereinbarungen getroffen worden sind, dass Minister im Untersuchungsausschuss selbstverständlich vorzuladen sind (Abg. Ing. Westenthaler: Die sind auch wurscht!), und man diese Vereinbarungen vonseiten der Regierungsparteien nicht einzuhalten bereit ist, aber auch, wenn es um Vereinbarungen geht, die getroffen werden, in denen Klubdirektoren Zusagen gegeben haben, dass wir bei der Einwendungsdebatte die Zeit so einteilen, dass wir zwei Redner festlegen, und deshalb auch die Zeitordnung, die wir festgelegt haben, dann eingehalten werden kann – das ist leider Gottes vonseiten des BZÖ heute nicht eingehalten worden.
Ich meine, dass es gerade im Parlamentarismus notwendig ist, dass, wenn man sich zusammensetzt und Vereinbarungen trifft, diese auch einzuhalten sind, und zwar auf allen Ebenen und in allen Bereichen. (Beifall bei der FPÖ.)
10.57
Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Zur Geschäftsbehandlung: Herr Klubobmann Kopf. – Bitte.
10.57
Abgeordneter Karlheinz Kopf (ÖVP) (zur Geschäftsbehandlung): Frau Präsidentin! Hohes Haus! Zwei, drei Bemerkungen.
Zum Ersten: Was müssen sich die Zuseherinnen und Zuseher zu Hause an den Fernsehschirmen von uns denken, wenn wir statt über die Sache zu debattieren solche Debatten in die Wohnzimmer liefern? – Wir sollten uns wirklich schämen! (Beifall bei der ÖVP. – Abg. Ing. Westenthaler: Ja, bitte!)
Zum Zweiten: Wir haben ein Gesetz namens Geschäftsordnung. Das regelt, wie wir hier die Debatten miteinander organisatorisch abwickeln. (Abg. Mag. Stadler: Richtig! § 50 Abs. 1! § 50 Abs. 1!) Darüber hinaus gibt es in diesem Hohen Haus eine lange Tradition, dass man – wenn alle fünf Parteien zustimmen – durchaus auf Basis dieser Geschäftsordnung, aber abweichend davon, auch andere Regelungen treffen kann. Und eine solche Vereinbarung gibt es zur Abwicklung der heutigen Sitzung, und darauf sind die Unterschriften aller fünf Klubdirektoren! (Abg. Mag. Stadler: Es gibt keine Vereinbarung mehr! Solange die Regierungsmitglieder ... gibt es keine Vereinbarung mehr!)
Liebe Freunde vom BZÖ! Meine Damen und Herren vom BZÖ! Die Nichteinhaltung dieser Vereinbarung zeigt mir zwei Dinge: zum Ersten, wie Sie mit Ihren Mitarbeitern im Klub umgehen (Beifall bei ÖVP und SPÖ) – das ist wirklich unglaublich! –, und zum Zweiten generell, dass man mit Ihnen keine Vereinbarungen schließen kann, weil Sie nicht bereit sind, sie einzuhalten. (Zwischenrufe beim BZÖ.) – Schämen Sie sich! (Beifall bei der ÖVP. – Abg. Ing. Westenthaler: ... dass Sie sich schämen sollen! Für den Auftritt sollten Sie sich wirklich schämen!)
10.59
*****
Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Bevor ich nun der nächsten Rednerin, Frau Abgeordneter Mag. Korun, das Wort erteile, halte ich Folgendes fest ... (Anhaltende Rufe des Abg. Ing. Westenthaler.) – Vielleicht kann auch der Herr Abgeordnete Westenthaler einmal kurz zuhören! (Abg. Dr. Glawischnig-Piesczek: Nein, das kann er nicht!) Ich halte fest, dass ich noch für heute eine Sonderpräsidiale einberufe, da es ja auch morgen Sitzungen gibt und ich als Präsidentin des Nationalrates gerne wissen möchte, woran ich und woran Sie alle morgen sein werden.
Als Nächste gelangt Frau Abgeordnete Mag. Korun zu Wort. – Bitte. (Oje-Rufe bei der ÖVP. – Anhaltende Rufe beim BZÖ sowie Gegenrufe bei der ÖVP.)
11.00
Abgeordnete Mag. Alev Korun (Grüne): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Sehr geehrte Gäste auf der Galerie und vor den Bildschirmen! Was das BZÖ und die FPÖ mit dieser Einwendungsdebatte vorhaben, ist mehr als durchsichtig: Sie wollen – entgegen den Vereinbarungen, die auch von Ihren Fraktionen unterschrieben wurden – Ihr Gift in der Fernsehsendezeit aussprühen, damit die Gesellschaft mehr gespaltet wird, damit sie noch mehr, als Sie das jetzt schon tun, auf der Menschenwürde von einer Gruppe von Menschen herumtrampeln können. Das ist Ihr einziges Ziel! (Beifall bei den Grünen. – Abg. Scheibner: Setzen Sie sich nieder! – Abg. Dr. Graf: Das ist unerhört! Da geht es darum, wann etwas besprochen wird! Das stimmt überhaupt nicht, was Sie da sagen!)
Sie sind unfähig (Abg. Scheibner: Das haben Sie schon wieder falsch verstanden! Sie sollten einmal zuhören!), sich an die Vereinbarungen in diesem Hohen Haus zu halten.
Die Papiere, die Sie als Fraktionen unterschrieben haben, gelten für Sie offensichtlich nichts. (Abg. Scheibner: Sie sollten zuhören!) Und über den Anlassfall haben wir genug gehört.
Natürlich sind wir Grünen der Meinung, dass Minister und Ministerinnen dieser Republik, denen die Termine des Nationalrats Monate im Voraus bekannt gegeben wurden, sich an die Termine des Hauses auch zu halten haben. Es kann nicht sein, dass der Nationalrat sich nach dem Kalender von Ministern und Ministerinnen richtet. Derzeit ist es noch immer umgekehrt der Fall, aber das wird sich ändern – spätestens nach der nächsten Sitzung.
Sehr geehrte Damen und Herren, es wurden hier so viele Unwahrheiten von FPÖ-lern und BZÖ-lern zur vorliegenden Gesetzesnovelle verbreitet, dass man gar nicht mehr weiß, wo man eigentlich zu berichtigen anfangen soll. (Abg. Dr. Hübner: Ist das ein grünes Gesetz?) Aber ich werde auch gar nicht versuchen, in 3 Minuten zu berichtigen, denn das hat System bei Ihnen. Das wissen alle.
Sie behaupten irgendwelche Unwahrheiten (Rufe bei der FPÖ: Welche?), Sie behaupten irgendwelche Dinge, die nicht im Gesetz stehen, und dann sollen die anderen sich ständig damit aufhalten, das zu korrigieren und zu sagen: Das stimmt nicht, das stimmt nicht, das stimmt nicht. Stattdessen werde ich ein paar sogenannte Highlights, negative Highlights, aus der vorliegenden Regierungsvorlage zitieren.
Es war hier von Missbrauch die Rede. – Ja, es gibt Missbrauch: Es gibt den Missbrauch des Parlamentarismus, es gibt den Missbrauch von gewählten Mandataren und Mandatarinnen, um auf der Menschenwürde von einer Personengruppe herumzutrampeln und Asylwerber und Asylwerberinnen pauschal zu Lügnern und zu Kriminellen zu erklären. (Beifall bei den Grünen. – Abg. Dr. Graf: Das ist ja unerhört! Meinen Sie die Grünen? Meinen Sie die grünen Parlamentarier?)
Ich sage Ihnen, was die Gesetzesnovelle
bringt. Sie bringt eine Gebietsbeschränkung, die lautet: Wenn ich als
Asylwerber in Traiskirchen untergebracht bin und es mir erlaube, nach Wien
zu fahren, um einen Rechtsanwalt oder eine unabhängige Rechtsberatung
aufzusuchen (Abg. Pendl: Wir sind in einer Einwendungsdebatte!), werde
ich
in Schubhaft genommen und bekomme eine Geldstrafe von mindestens
1 000 € aufgebrummt!
Und Sie reden dann von „Missbrauch“? Missbrauch ist das, was Sie hier betreiben, unter dem Deckmantel der Immunität als gewählte Abgeordnete. Mehr dazu und Inhalte in der Debatte. – Danke. (Beifall bei den Grünen.)
11.03
Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Nächster Redner: Herr Abgeordneter Mag. Stadler. – Bitte.
11.04
Abgeordneter Mag. Ewald Stadler (BZÖ): Frau Präsidentin! Hohes Haus! Zunächst ein paar Anmerkungen zum Parlamentarismus. Frau Kollegin Korun, diese Rede können Sie hier in Österreich halten – in Ankara könnten Sie sie nicht halten! Das ist der Wert des Parlamentarismus in Österreich. (Beifall beim BZÖ sowie bei Abgeordneten der FPÖ. – Abg. Mag. Korun: Ich bin österreichische Abgeordnete!)
Ad zwei: Parlamentarismus bedeutet für mich nicht, Herr Kollege Kopf, dass ich mir von einer Ministerin die Tagesordnung bestimmen lasse, nur weil sie Bastelrunde mit irgendeiner SPÖ-Sektion hat, und auch nicht, dass ich mir von einem Klubdirektor oder von einer Klubdirektorin sagen lasse, ob ich noch reden darf oder nicht. Das ist nicht Parlamentarismus, nehmen Sie das zur Kenntnis! Ich bin frei gewählter Abgeordneter und entscheide das immer noch selber, und ich nutze die Möglichkeiten, die mir das
Gesetz einräumt, und nicht das, was mir die ÖVP gerade noch zugesteht. – Das ist meine dritte Anmerkung zum Parlamentarismus.
Und nun sage ich den Damen und Herren vor den Fernsehschirmen, warum die Koalition nicht über dieses Thema Fremdenrechtsnovelle reden will: Weil sie nicht darüber reden will, was ihre eigenen Landespolitiker gestern gesagt haben, Niessl im Burgenland, Pröll in Niederösterreich: Ihr sollt endlich wieder Grenzkontrollen einführen! – Als ich das vor einem halben Jahr hier gefordert habe, gab es einen Sturm der Entrüstung links und rechts im Haus, bei Rot und Schwarz – jetzt fordert es der schwarze niederösterreichische Landeshauptmann und sagt, er wird bei der Frau Innenministerin Fekter Druck machen. Das wollen Sie nicht diskutieren, wenn der Zuseher mitschauen kann, das wollen Sie zur Geisterstunde diskutieren!
Sie wollen nicht darüber diskutieren, dass Ihr eigener Landeshauptmann Niessl sagt, man soll an der burgenländisch-ungarischen Grenze und an der slowakischen Grenze wieder Grenzkontrollen einführen. Das wollen Sie nicht diskutieren, wenn der Zuschauer mitschauen kann, das wollen Sie zur Geisterstunde diskutieren! Das ist der Grund. Am liebsten würden Sie es gar nicht diskutieren. Nur weil Sie die Geschäftsordnung zwingt, dass Sie da mit der Opposition ein bisschen was diskutieren müssen, müssen Sie es überhaupt machen – aber das zur Geisterstunde, ja nicht, wenn der Zuschauer mitschauen kann. Meine Damen und Herren, das ist der Hintergrund dieser ganzen Debatte. (Beifall beim BZÖ.)
Es ist so, meine Damen und Herren, und es hat sich auch gestern im EU-Unterausschuss des Hauptausschusses herausgestellt: Sie haben eine Liberalisierung des Aufenthaltsrechtes im Auge, weil das die Europäische Union will!
Wissen Sie, wie dort die Begriffe heißen? – Die Begriffe heißen dort: dynamische Einwanderungspolitik. Man verlangt dort eine Einschränkung der Kompetenzen der Mitgliedsländer, auch was den Arbeitsmarkt anlangt. Man verlangt dort einen Einwanderungskodex, der die Einwanderer den Gemeinschaftsbürgern gleichstellen soll. Das ist der Hintergrund Ihrer Bemühungen: Sogar Kriminelle in diesem Land integrieren zu wollen, anstatt abzuschieben, meine Damen und Herren! (Beifall beim BZÖ.) Und das hat nichts mit Phantasie zu tun, sondern das ist das, was der Bürger tagtäglich draußen erlebt.
Oder glauben Sie wirklich, dass der Erwin Pröll jetzt auf einmal auf die Idee kommt, Grenzkontrollen zu verlangen, dass der Erwin Pröll es geträumt hat, was sich in Traiskirchen abspielt, meine Damen und Herren? – Massenschlägereien – nicht zwischen Skinheads und Ausländern, sondern Ausländern untereinander, meine Damen und Herren, die sich gar nicht vertragen, weil sie in unser Land kommen und nicht im Traum daran denken, sich an unsere Gesetze zu halten, meine Damen und Herren, weil hier ein überproportional hoher Anteil an Kriminellen unter den Asylanten ist.
Gehen Sie hinaus in die Strafanstalten Österreichs, dann werden Sie feststellen, wie viele Tschetschenen und Georgier da drinnen sitzen, meine Damen und Herren, im Verhältnis zu den Österreichern. Da stimmt was nicht mit den Proportionen. Frau Kollegin Korun, haben Sie das auch einmal kontrolliert? Das ist einfach statistisches Material, das eine andere Sprache spricht, das zeigt, dass wir überproportional viele Asylanten, überproportional viele Ausländer unter den Kriminellen haben. Und das ist ein Faktum, meine Damen und Herren, das können Sie nicht wegleugnen! (Beifall beim BZÖ.)
Haben Sie, meine Damen und Herren Genossen von der SPÖ, mit Ihrem Genossen Fritz Knotzer schon einmal darüber gesprochen, was sich in Traiskirchen abspielt? Ich kenne den Fritz Knotzer. Der hat mich schon vor Jahren in der Landesregierung in Niederösterreich angejammert und hat gesagt: Die Ausländerpolitik meiner eigenen Partei
ist so falsch, ich kann nur leider nichts machen – sie ist immer noch in ihren sozialromantischen, multikulturellen Träumen verhaftet.
Diese sozialromantischen, multikulturellen Träume führen dazu, dass Sie weiterhin Stimmen an die FPÖ verlieren. Das geschieht Ihnen recht! (Demonstrativer Beifall bei der FPÖ.) Und solange Sie weiter träumen, meine Damen und Herren, sollen Sie auch weiter verlieren. Der Wähler wird Ihnen mit jeder einzelnen Stimme, die Ihnen verloren geht, in Zukunft die Quittung für Ihre Sozialromantik geben.
Aber man soll nicht meinen, dass es nur die SPÖ ist. Mittlerweile träumt diese Träume auch die ÖVP mit. Die sogenannte Fremdenrechtsnovelle ist nichts anderes als eine Integrationsnovelle zur Integration krimineller Ausländer, meine Damen und Herren, und das alles unter Maria Fekter! (Beifall beim BZÖ.)
Daher weiß Erwin Pröll, was er sagt, wenn er verlangt, dass nach dem Dublin-Abkommen die Asylanten, die in Österreich gar nichts mehr verloren hätten und schon lange weg sein müssten, auch endlich abgeschoben werden. – Nicht Ewald Stadler, sondern Erwin Pröll – nachlesbar in gestrigen Tageszeitungen!
Ich sage Ihnen zum Abschluss noch etwas, meine Damen und Herren, was für Sie vielleicht auch eine zitierbare Stimme ist. Der Herausgeber Wolfgang Fellner schreibt wörtlich zu Ihrer Ministerin – ich zitiere (Präsidentin Mag. Prammer gibt das Glockenzeichen); ich bringe nur noch dieses Zitat –:
„Gegen die Einbruchs-Touristen hilft – wie das Ansteigen der Einbrüche zeigt – keine ,Schleierfahndung‘, kein ,Planquadrat‘, keine ,Grenzraum-Sicherung‘ und keine 200 Polizisten mehr. Das ist Fekter-Papperlapapp, das die Wähler nur noch zorniger macht.“ (Beifall beim BZÖ.)
11.09
Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Herr Abgeordneter, Sie haben Ihre 5 Minuten bereits deutlich überzogen!
Zu Wort ist niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen.
Wir gelangen zur Abstimmung.
Die Einwendungen der Abgeordneten Ing. Westenthaler, Kolleginnen und Kollegen sind gleichlautend mit den Einwendungen des Herrn Abgeordneten Dr. Rosenkranz, weshalb ich darüber unter einem abstimmen lasse.
Ich ersuche jene Abgeordneten, die den
Einwendungen Rechnung tragen wollen, das heißt, Absetzung der
Tagesordnungspunkte 6 bis 9 von der Tagesordnung der 40., also der
heutigen Sitzung, damit diese in der 41. Sitzung als
Tagesordnungspunkte 1
bis 4 verhandelt werden können, um ein Zeichen der
Zustimmung. – Das ist die Minderheit.
Somit bleibt es bei der schriftlich mitgeteilten Tagesordnung für die heutige Sitzung.
Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Hinsichtlich der eingelangten Verhandlungsgegenstände und deren Zuweisungen verweise ich gemäß § 23 Abs. 4 der Geschäftsordnung auf die im Sitzungssaal verteilte Mitteilung.
Die schriftliche Mitteilung hat folgenden Wortlaut:
A. Eingelangte Verhandlungsgegenstände:
1. Schriftliche Anfragen: 3282/J bis 3356/J;
2. Anfragebeantwortungen: 2891/AB bis 2894/AB;
3. Regierungsvorlagen:
Bundesgesetz, mit dem ein Pyrotechnikgesetz 2010 erlassen und das Sicherheitspolizeigesetz geändert wird (367 d.B.),
Bundesgesetz, mit dem das Konsulargebührengesetz 1992 geändert wird (386 d.B.),
Bundesgesetz, mit dem ein Bundesgesetz über die polizeiliche Kooperation mit den Mitgliedstaaten der Europäischen Union und dem Europäischen Polizeiamt (Europol) erlassen wird sowie das Polizeikooperationsgesetz und das Sicherheitspolizeigesetz geändert werden (391 d.B.),
Bundesgesetz, mit dem das Patentgesetz 1970, das Patentverträge-Einführungsgesetz, das Gebrauchsmustergesetz, das Markenschutzgesetz 1970, das Patentanwaltsgesetz und das Patentamtsgebührengesetz geändert werden (393 d.B.),
Bundesgesetz, mit dem das Bundesfinanzgesetz 2009, das Bundesfinanzgesetz 2010 sowie das Bundesgesetz, mit dem das Bundesfinanzrahmengesetz 2009 bis 2012 und das Bundesfinanzrahmengesetz 2010 bis 2013 erlassen werden, geändert werden (394 d.B.).
B. Zuweisungen:
1. Zuweisungen seit der letzten Sitzung gemäß §§ 32a Abs. 4, 80 Abs. 1, 100 Abs. 4, 100b Abs. 1 und 100c Abs. 1:
Budgetausschuss:
Bericht des Bundesministers für Finanzen über die Genehmigung von Vorbelastungen für das 3. Quartal 2009 (Vorlage 24 BA);
Zuweisungen auf Ersuchen des Ausschusses für Petitionen und Bürgerinitiativen an andere Ausschüsse:
Ausschuss für Arbeit und Soziales:
Bürgerinitiative Nr. 7 betreffend „Soziale Arbeit ist mehr wert!“;
Unterrichtsausschuss:
Bürgerinitiative Nr. 8 betreffend „Finanzielle Gleichstellung der Schulen in freier Trägerschaft mit den konfessionellen Privatschulen. GLEICHHEIT FÜR ALLE SCHULKINDER!“;
Verkehrsausschuss:
Petition Nr. 29 betreffend „Lärmschutz ÖBB im Wipptal“, überreicht vom Abgeordneten Hermann Gahr;
2. Zuweisungen in dieser Sitzung:
zur Vorberatung:
Ausschuss für Arbeit und Soziales:
Antrag 812/A(E) der Abgeordneten Karl Öllinger, Kolleginnen und Kollegen betreffend Erhöhung der Nettoersatzrate in der Arbeitslosenversicherung,
Antrag 814/A(E) der Abgeordneten Karl Öllinger, Kolleginnen und Kollegen betreffend Aufhebung des willkürlichen Deckels bei der Pensionserhöhung im Bereich der ASVG-Pensionen,
Antrag 815/A(E) der Abgeordneten Mag. Birgit Schatz, Kolleginnen und Kollegen betreffend Schaffung eines gesetzlichen Mindestlohns,
Antrag 816/A(E) der Abgeordneten Karl Öllinger, Kolleginnen und Kollegen betreffend Einführung einer existenzsichernden, bedarfsorientierten Mindestsicherung;
Finanzausschuss:
Antrag 807/A(E) der Abgeordneten Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Rückvergütung der Mehrwertsteuer beim Kauf von ein- und mehrspurigen Elektrofahrzeugen;
Gesundheitsausschuss:
Antrag 804/A(E) der Abgeordneten Dr. Dagmar Belakowitsch-Jenewein, Kolleginnen und Kollegen betreffend Studie zur Erhebung der Inzidenz bei Speicheldrüsentumoren,
Antrag 806/A(E) der Abgeordneten Dr. Dagmar Belakowitsch-Jenewein, Kolleginnen und Kollegen betreffend gesundheitsgefährdende Babyfläschchen,
Antrag 809/A(E) der Abgeordneten Dr. Dagmar Belakowitsch-Jenewein, Kolleginnen und Kollegen betreffend Zweckwidmung von Teilen der Tabaksteuer für Tabakprävention und Rauchertherapie,
Antrag 813/A(E) der Abgeordneten Mag. Christiane Brunner, Kolleginnen und Kollegen betreffend Umsetzung der Empfehlungen des Tierschutzrates hinsichtlich einschlägiger Ausbildung von Hunden,
Antrag 818/A(E) der Abgeordneten Mag. Christiane Brunner, Kolleginnen und Kollegen betreffend Umsetzung der Empfehlung des Tierschutzrates hinsichtlich der Enthornung von Kälbern,
Antrag 819/A(E) der Abgeordneten Mag. Christiane Brunner, Kolleginnen und Kollegen betreffend tierschutzkonforme Tötung von Krustentieren;
Ausschuss für Land- und Forstwirtschaft:
Antrag 820/A(E) der Abgeordneten Dipl.-Ing. Dr. Wolfgang Pirklhuber, Kolleginnen und Kollegen betreffend Gestaltung der EU-Agrarpolitik nach 2013;
Ausschuss für Menschenrechte:
Antrag 805/A(E) der Abgeordneten Gerald Grosz, Kolleginnen und Kollegen betreffend Maßnahmen gegen Kindersklaverei;
Umweltausschuss:
Antrag 802/A(E) der Abgeordneten Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Internationales Abkommen zum Schutz der Arktis,
Antrag 808/A(E) der Abgeordneten Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Qualitätszielverordnung Ökologie,
Antrag 810/A(E) der Abgeordneten Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Förderung Kleinwasserkraft,
Antrag 811/A(E) der Abgeordneten Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen betreffend Resolution AKW Mochovce,
Antrag 817/A(E) der Abgeordneten Mag. Christiane Brunner, Kolleginnen und Kollegen betreffend Verhandlungsposition der Bundesregierung bei der Klimaschutzkonferenz in Kopenhagen;
Verfassungsausschuss:
Antrag 803/A(E) der Abgeordneten Ing. Norbert Hofer, Kolleginnen und Kollegen betreffend spezielle Kennzeichnung von Stellenausschreibungen im Bereich der Bundesministerien;
Verkehrsausschuss:
Volksbegehren „Stopp dem Postraub“ (343 d.B.);
Ausschuss für Wirtschaft und Industrie:
Abkommen zwischen der Republik Österreich, der Republik Bulgarien, der Republik Ungarn, Rumänien und der Republik Türkei über das Nabucco-Projekt (385 d.B.).
*****
Ankündigung einer Dringliche Anfrage
Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Der Klub der Grünen hat gemäß § 93 Abs. 2 der Geschäftsordnung das Verlangen gestellt, die vor Eingang in die Tagesordnung eingebrachte schriftliche Anfrage 3357/J der Abgeordneten Mag. Kogler, Kolleginnen und Kollegen an den Bundesminister für Finanzen betreffend „System Grasser“ und der Wille der ÖVP, die Machenschaften lückenlos aufzuklären, dringlich zu behandeln.
Gemäß der Geschäftsordnung wird die Dringliche Anfrage um 15 Uhr behandelt werden.
Fristsetzungsantrag
Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Vor Eingang in die Tagesordnung teile ich weiters mit, dass Herr Abgeordneter Werner Neubauer beantragt hat, dem Verfassungsausschuss zur Berichterstattung über den Antrag 346/A(E) betreffend die Verankerung der Schutzmachtfunktion Österreichs für die Südtiroler deutscher und ladinischer Muttersprache eine Frist bis zum 22. Oktober 2009 zu setzen.
Ferner liegt das von fünf Abgeordneten gemäß § 43 Abs. 3 der Geschäftsordnung gestellte Verlangen vor, eine kurze Debatte über diesen Fristsetzungsantrag durchzuführen. Da für die heutige Sitzung die dringliche Behandlung einer schriftlichen Anfrage verlangt wurde, wird die kurze Debatte im Anschluss an diese stattfinden.
Die Abstimmung über den Fristsetzungsantrag wird nach Schluss dieser Debatte durchgeführt werden.
Behandlung der Tagesordnung
Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Es ist vorgeschlagen, die Debatte über die Punkte 1 bis 3, 4 und 5, 6 bis 8 sowie 10 und 11 der Tagesordnung jeweils zusammenzufassen.
Wird dagegen eine Einwendung erhoben? – Das ist nicht der Fall.
Wir gehen in die Tagesordnung ein.
Redezeitbeschränkung
Präsidentin Mag. Barbara Prammer: In der Präsidialkonferenz wurde Konsens über Gestaltung und Dauer der Debatten erzielt. Es wurde eine Tagesblockzeit von 9 „Wiener Stunden“ vorgeschlagen, sodass sich folgende Redezeiten ergeben: SPÖ und ÖVP je 122 Minuten, FPÖ 108 Minuten sowie BZÖ und Grüne je 95 Minuten.
Für die Dauer der Fernsehübertragung durch den ORF – ab jetzt, sage ich dazu – wurde folgende Redeordnung vereinbart: eine Runde mit je 8 Minuten, ein Regierungsmitglied 10 Minuten, eine Runde mit je 5 Minuten, ein weiteres Regierungsmitglied mit 10 Minuten, dann eine Runde mit 4 Minuten, eine Runde mit je 3 Minuten für SPÖ und
ÖVP und mit 5 Minuten für FPÖ, BZÖ und Grüne und eine Rednerrunde mit 2 Minuten für SPÖ und ÖVP. Das sind insgesamt 130 Minuten. Von diesen 130 Minuten fehlen uns bereits 25 Minuten. Das heißt, es wird darüber zu diskutieren sein, ob die letzte Runde zur Gänze wegfällt oder ob die Redezeit noch einmal gekürzt wird.
Trotzdem möchte ich diesen Rahmenbeschluss gerne jetzt fassen lassen und ergänze den Vorschlag auch noch dahin gehend, dass der vorsitzführende Präsident vor Beginn der letzten Runde nach Rücksprache die Redezeit für die Fraktionen in der Weise verteilt, dass alle Fraktionen in der Fernsehzeit gleichmäßig zu Wort kommen.
Es besteht auch Einvernehmen darüber, dass tatsächliche Berichtigungen erst nach der Fernsehübertragung aufgerufen werden.
Wir kommen sogleich zur Abstimmung.
Ich bitte jene Damen und Herren, die diesem Vorschlag zustimmen, um ein diesbezügliches Zeichen. – Das ist einstimmig angenommen.
Bericht des Unterrichtsausschusses über die Regierungsvorlage (292 d.B.): Bundesgesetz, mit dem das Schulunterrichtsgesetz geändert wird (345 d.B.)
2. Punkt
Bericht des Unterrichtsausschusses über die Regierungsvorlage (339 d.B.): Bundesgesetz, mit dem das BIFIE-Gesetz 2008 geändert wird (346 d.B.)
3. Punkt
Bericht des Unterrichtsausschusses über die Regierungsvorlage (342 d.B.): Bundesgesetz, mit dem das Unterrichtspraktikumsgesetz und das Prüfungstaxengesetz – Schulen/Pädagogische Hochschulen geändert werden (347 d.B.)
Präsidentin Mag. Barbara Prammer: Wir gelangen nun zu den Punkten 1 bis 3 der Tagesordnung, über welche die Debatte unter einem durchgeführt wird.
Auf eine mündliche Berichterstattung wurde verzichtet.
Als Erster gelangt Herr Klubobmann Strache zu Wort. Ich stelle die Uhr, wie vereinbart, auf 8 Minuten. – Bitte.
11.14
Abgeordneter Heinz-Christian Strache (FPÖ): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Minister! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Die Wirtschaftskrise hat auch das Thema Bildung verstärkt in den Vordergrund gerückt, und das ist gut so, denn Investitionen in die Bildungspolitik sind besonders wichtig, geht es hier doch um unsere jungen Menschen, um die Zukunft unseres Heimatlandes. Und da sollten wir alle erforderlichen Investitionen tätigen, damit nach der Ausbildung in der Schule auch gut ausgebildete Menschen in den Berufsprozess übergehen können.
Natürlich muss auch im Bildungsbereich das Geld richtig eingesetzt werden. Und hier gibt es massive Bedenken von unserer Seite, denn zu einer großen und umfassenden Bildungsreform ist diese Bundesregierung nicht bereit. Dazu fehlen ihr der Mut und wahrscheinlich auch die Phantasie. Hier gibt es eine Alt-68er-Entwicklung, die wir verfolgen können, von der SPÖ vorangetrieben, aber die ÖVP übernimmt sie gerne, wenn es um die Gesamtschule geht, wo man versucht, diese verschämt als Neue Mittelschule zu bezeichnen.
Aber was bedeutet die Gesamtschule, die Ihr Ziel ist? – Sie bedeutet, junge Menschen alle auf eine Stufe, auf eine Ebene zu stellen und nicht mehr besondere Begabungen der jungen Menschen herauszustreichen und sich auch um deren Schwächen anzunehmen. Ich glaube, dass es notwendig ist, hier sehr wohl differenziert vorzugehen und nicht die Gesamtschule für die 6- bis 14-Jährigen zu forcieren. Das wäre meines Erachtens ein Fehler, aber diese Bundesregierung geht genau in diese Richtung.
Sie wundern sich über PISA-Ergebnisse, kommen aber nicht auf den Gedanken, dass das etwas damit zu tun haben kann, dass wir einen exorbitant hohen Anteil von Kindern nicht-deutscher Muttersprache an den Schulen haben und es in den Ballungszentren teilweise Klassen gibt, in denen von 30 Schülern in einer Klasse nur mehr ein, zwei, drei Kinder Österreicher sind. Wundern Sie sich nicht über eine PISA-Studie und deren negative Ergebnisse, wenn Kinder zum Regelschulunterricht zugelassen werden, obwohl sie der deutschen Sprache nicht mächtig sind!
Sie handeln in diesem Bereich nicht und machen wieder dieselben Fehler wie schon bisher. Wir meinen, dass es notwendig ist, dass junge Menschen, bevor sie am Regelschulunterricht teilnehmen können, auch die deutsche Sprache verstehen können. (Beifall bei der FPÖ.)
Das ist notwendig für alle Kinder, damit sie später einmal eine Chance haben, aber diese Chance verwehren Sie ihnen. Wir haben immer den kostenlosen Kindergarten für österreichische Staatsbürger gefordert, und zwar ohne Verpflichtung, wie Sie das gesetzlich festgelegt haben. Wir wollen das auf freiwilliger Basis: den kostenlosen Kindergarten für österreichische Staatsbürger. Aber für jene Kinder mit nicht-deutscher Muttersprache, die im fünften Lebensjahr kaum ein Wort Deutsch verstehen, ist es doch nicht sinnvoll, in den Kindergarten zu gehen, damit sie dort eine Betreuung erhalten, aber wieder nicht die deutsche Sprache erlernen. Da wäre es doch sinnvoll, eine deutsche Vorschule sicherzustellen, damit sie Deutsch lernen, wie das in Finnland gelebt wird, wo man die Landessprache erlernt und erst dann zum Regelschulunterricht zugelassen wird.
Genau das brauchen wir, und dafür wollen wir Sorge tragen. Vom Schüler zum Sozialhilfeempfänger – das ist die „Karriere“, die Sie heute manchen jungen Menschen ermöglichen. (Beifall bei der FPÖ.)
Vom Schüler zum Sozialhilfeempfänger: Das ist leider oftmals Realität in unserer Gesellschaft, eine „Karriere“, die auch immer öfter österreichische Kinder machen. Wenn sich der Lehrer beziehungsweise die Lehrerin hauptsächlich um die Sprachmängel von Kindern mit Migrationshintergrund kümmern muss, dann bleibt natürlich das Bildungsniveau auf der Strecke, und zwar für alle betroffenen Kinder. Deshalb müssen wir da etwas verändern, und es darf nicht nur eine Kann-Bestimmung geben, wenn es darum geht, die Klassenschülerhöchstzahl mit 25 zu beschränken. Wir haben heute in Österreich noch immer Schulklassen mit 30 Kindern pro Klasse. Da brauche ich eine Muss-Bestimmung, und dann darf es eben keine Klasse mit mehr als 25 Kindern pro Klasse geben! Dann brauchen wir mehr Schulklassen, dann müssen wir mehr Lehrer anstellen, die auch besser auf die Kinder eingehen können. Dann brauchen wir eine verpflichtende deutsche Vorschule, und es darf erst dann die Zulassung von Kindern mit Migrationshintergrund zum Regelschulunterricht erfolgen, wenn sie die deutsche Sprache verstehen. Und dann brauchen wir auch Quoten von Kindern mit Migrationshintergrund von 20 bis 30 Prozent pro Klasse, damit Integration auch funktionieren kann. – Genau dazu sind Sie leider Gottes nicht bereit! (Beifall bei der FPÖ.)
Wenn Sie jetzt sagen, dass Sie deshalb ja auch das verpflichtende Gratiskindergartenjahr eingeführt haben, muss ich Ihnen sagen: Das wird das Problem nicht lösen, ganz
im Gegenteil, denn nur mit einer Betreuung wird man nicht Deutsch lernen. (Präsident Neugebauer übernimmt den Vorsitz.)
Das ist auch der Vorwurf, den wir Ihnen machen. Wir haben immer klare Positionen in dieser Frage eingenommen. Wir wollen, dass es nicht nur ein Flickwerk gibt, wie das auch heute wieder der Fall ist im Bereich der Bildungspolitik.
Prinzipiell begrüßen wir die Einführung der teilzentralen Matura, das ist immer eine freiheitliche Forderung gewesen, die wir auch immer in unseren freiheitlichen Programmen erhoben haben. In Ihrer Gesetzesvorlage wird aber bei dieser neuen Reifeprüfung mehr Gewichtung auf den schriftlichen Teil und weniger auf den mündlichen Teil gelegt. Das befinden wir für sehr negativ, denn derzeit werden pro Fach drei Fragen gestellt; bei diesem neuen System, wie Sie es vorsehen, wird pro Fach lediglich eine Frage gestellt. Das ist eine falsche Entwicklung, da sich die Schüler vor allem mündlich, im Bereich der Kommunikation, verbessern müssen.
Oder nehmen wir die Basiszuwendung für das Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung: Von 2010 bis 2012 nehmen Sie eine Erhöhung von 6,5 Millionen € auf 13 Millionen € vor, aber diese 13 Millionen € wären in anderen Bereichen notwendig. Sie wären notwendig und sinnvoller, wenn es darum geht, Umschichtungen in den Bereichen, die ich vorher beschrieben habe, vorzunehmen, nämlich um die Schülerzahlen zu reduzieren und mehr Lehrer anzustellen. In diese Bereiche sollten wir investieren, und nicht in ein Flickwerk, wie das heute der Fall ist. Wir erleben in Einzelbereichen Kosmetik, man stellt quasi vor ein zerbrochenes Fenster einen Blumentopf, damit man das zerbrochene Fenster nicht sieht.
Es braucht prinzipielle Änderungen unseres Bildungssystems – keine Frage. Es braucht eine Situation, durch die wir an öffentlichen Schulen das Autoritätsprinzip wieder sicherstellen, damit Bildungseinrichtungen eben nicht Toleranz gegenüber Drogen, Alkohol oder Gewalt leben. Wir müssen heute leider Gottes erleben, dass in vielen Bereichen weggesehen wird.
Es kann auch nicht sein, dass es Sonderwünsche bezüglich des Schulunterrichts gibt, wie sie von diversen Glaubensrichtungen – in dem Fall von der muslimischen Glaubensgemeinschaft – wiederholt geäußert werden. Das hat im öffentlichen Schulbereich nichts zu suchen, sondern wenn, dann im privaten Schulbereich, wie das andere Glaubensgemeinschaften auch leben.
Das differenzierte Schulsystem ab der fünften Schulstufe ist von unserer Seite aus beizubehalten. Die FPÖ lehnt das Modell der Gesamtschule grundsätzlich ab. Damit sind wir zwar allein in diesem Haus, aber da weiß die österreichische Bevölkerung wenigstens, an wem sie sich orientieren und auf wen sie sich verlassen kann. (Beifall bei der FPÖ.)
Wir wollen bei den polytechnischen Schulen ein echtes Berufsfindungsjahr sicherstellen, genau das wäre notwendig. Das heißt, dieses Jahr soll genutzt werden, damit man aufgeklärt wird, welche Berufe es gibt, wo man Chancen und Möglichkeiten hat, damit eben nicht jeder in die alten Berufsschemata hineingeht und wieder nur Mechaniker oder Friseur lernt und am Ende in Wirklichkeit kein Arbeitsplatz vorhanden ist.
Ich sage, unsere Kinder sind unsere Zukunft, da wollen wir investieren, da müssen wir investieren, und da müssen wir auch die Fehlentwicklungen im Schulbereich sehr ernst nehmen. Ich denke aber – leider Gottes zeigen Sie das heute wieder –, dass Ihnen das nicht wichtig genug ist. Sie wollen alles nach unten nivellieren, Sie wollen alles gleichstellen, und das kann sicherlich in einer zukunftsfähigen Gesellschaft nicht funktionieren. (Beifall bei der FPÖ.)
11.22
Präsident Fritz Neugebauer: Nächster Redner: Herr Abgeordneter Mayer. – Bitte.
11.23
Abgeordneter Elmar Mayer (SPÖ): Geschätzte Frau Minister! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Es ist bedauerlich, dass sich nicht die Bildungsexperten von der freiheitlichen Fraktion zuerst zu Wort gemeldet haben, sondern der Klubobmann. (Abg. Strache: Das zeigt das wichtige Thema!) Es ist schade, dieses Thema zu missbrauchen, um billige Ausländerpolemik zu machen. Die Deutschkenntnisse sind etwas, was alle fordern (Zwischenrufe bei der FPÖ), was alle wollen und wofür sich alle einsetzen, damit die Kinder besser Deutsch können und dadurch auch besser ausgerüstet in die Schule kommen. Was Sie aber inhaltlich in anderen Bereichen gesagt haben, das ist einer FPÖ einfach nicht würdig. Aber wenn Sie das selbst so vertreten und sich die Bildungspolitiker das gefallen lassen, soll es so sein.
In Wirklichkeit ist der heutige Tag ein Freudentag in der Bildungspolitik. (Abg. Dr. Königshofer: Für die Lehrer wahrscheinlich!) Sie wissen das ganz genau, Sie wollen es nur nicht wahrhaben. (Beifall bei der SPÖ. – Abg. Strache: Die Leute tanzen auf der Straße!) Es ist nämlich tatsächlich so, dass Claudia Schmied einen mühsamen Kampf führt, und seit ich diesem Hohen Haus angehöre – die letzten drei Jahre –, hat sie Schritt für Schritt sehr vieles getan. Ich darf Ihnen das in Erinnerung rufen.
Ich erinnere an den Start mit der Senkung der Klassenschüler-Höchstzahlen. Das ist eine wichtige Errungenschaft (Abg. Strache: Aber keine Mussbestimmung!), und wer an der Schule tätig ist, weiß, wie wichtig es ist, denn je geringer die Schülerzahl ist, desto besser können sich die Lehrer mit unseren Kindern auseinandersetzen. (Abg. Strache: Aber in Wien haben wir Klassen mit 30 Kindern und mehr! Wo sind denn die Schulklassen mit 25 Kindern?! Sagen Sie die Wahrheit!)
Der zweite wichtige Schritt wurde wiederum von Ihnen lächerlich gemacht. Es ist noch nicht die endgültige Lösung für die Frühpädagogik gefunden, aber es ist ganz wichtig, dass man einen ersten Schritt setzt. Und der wurde mit dem verpflichtenden Kindergartenjahr gesetzt, das garantiert, dass möglichst alle Kinder möglichst gut vorbereitet in die Schule kommen. Es braucht hier weitere Schritte, aber Claudia Schmied ist es gelungen, hier den ersten entscheidenden Schritt gemeinsam mit dem Koalitionspartner zu setzen. Das ist ein ganz wichtiger und entscheidender Schritt! (Beifall bei der SPÖ sowie des Abg. Mag. Molterer.)
Wenn Sie die Sache objektiv angehen würden, müssten Sie anerkennen, dass auch die Verkleinerung der Gruppen im Sprachunterricht eine entscheidende Verbesserung ist und dass es im Rahmen des Förderunterrichts und der Schaffung von Bildungsstandards Verbesserungen gibt. Damit weiß man in Zukunft, wo die Kinder nach der vierten Klasse Volksschule oder der vierten Klasse Hauptschule stehen sollen, was sie können, wo sie quasi abgeholt und wie sie weitergegeben werden.
Daher ist das, was wir heute tun – nämlich
auch die Matura neu zu organisieren –, eine logische Fortsetzung des
Programms der Regierung und des Programms von Claudia Schmied. Und Sie
hätten sagen sollen, wie wichtig es ist, dass wir diese drei neuen
Säulen haben, die uns nicht nur Verlässlichkeit für die Zukunft,
sondern auch internationale Vergleichsfähigkeit geben. Man kann sich
darauf verlassen, dass Jugendliche, die bei uns die Matura machen, dann
auch mit einem bestimmten Niveau,
egal, welchen Zweig sie besucht haben, abschließen. Das ist eine wichtige
Voraussetzung für die Weiterbildung unserer jungen Generation. (Beifall
bei der SPÖ sowie des Abg. Donabauer.)
Ich weiß schon, dass die neue Matura eine zusätzliche Herausforderung für die Lehrpersonen ist. Ich bin aber auch überzeugt davon, dass sie das mit Bravour meistern werden, weil auch die Vorbereitungen dementsprechend gut und auf Schiene gebracht sind.
Das Entscheidende für mich ist – das sage ich immer wieder und das fällt oft bei Qualitätsfragen unter den Tisch – die zusätzliche Objektivierung, die wir mit dieser neuen Matura herstellen. Ich erlebe es immer wieder, Sie kennen es vielleicht; es gibt nationale, aber auch internationale Untersuchungen bei Lehrergruppen, die gleich ausgebildet sind und denen man ein und denselben Aufsatz zur Beurteilung gegeben hat. Es hat bei der Bewertung alle Noten in der Notenskala von Eins bis Fünf für ein und denselben Aufsatz gegeben. Das gibt es auch international, das ist kein österreichisches Spezifikum. Daher ist gerade diese Objektivierung ein ganz, ganz wichtiger Schritt, damit die Kinder nicht so sehr davon abhängig sind, wo und von wem sie wie unterrichtet wurden, sondern dass man weiß, dass es ganz klare Voraussetzungen gibt. Daran haben sich die Schulen, aber auch die Schüler zu halten, und wir haben die Gewissheit, dass diese Prüfungen auch objektiv abgewickelt werden.
Ein weiterer Punkt: Auch der Kollege Strache, nicht nur der politische Mitbewerber, hat es erwähnt. Es wird immer die Frage gestellt, ob die Ministerin und die Sozialdemokraten überhaupt ein Gesamtkonzept für die neue Schule haben. Wie schaut die neue Schule 2020 aus? Wer, wenn nicht wir, liebe Kolleginnen und Kollegen, soll das wissen? (Abg. Grosz: Wer, wenn nicht er?!) Warum hat man 2006 nach dieser unseligen Ära Gehrer der Sozialdemokratie das Unterrichtsressort gegeben? – Weil man gewusst hat, dass hier der größte Reformbedarf gegeben ist, hier sind große, entscheidende Schritte zu setzen. Daher ist es ganz, ganz wichtig, diese Dinge auch noch einmal in den Mittelpunkt zu stellen. (Beifall bei der SPÖ.)
Ich darf einige Eckpunkte in den Mittelpunkt rücken: Ich habe schon erwähnt, dass für uns eine kind- und chancengerechte Frühförderung wichtig ist. Vom Kleinstkind an sollen mit den neuen Möglichkeiten des spielerischen Förderns und Forderns die Chancen verbessert werden, und das verpflichtende Kindergartenjahr war ein erster Schritt in diese Richtung.
Es geht um neue, kreative Unterrichtsformen, individuelles Eingehen auf Bedürfnisse der Kinder und darum, Stärken zu stärken und Schwächen abzubauen. Und das können wir nur, wenn wir konkrete Maßnahmen setzen, und die wurden bereits gesetzt, in Form von kleineren Gruppen, kleineren Klassen, Ausbau der Sprachförderung und Verbesserung des Förderunterrichts.
Mir ist es passiert, dass die Mutter eines Migrantenkindes gekommen ist und gesagt hat, sie möchte, dass dem Kind geholfen wird, und gefragt hat, ob ich die Möglichkeit hätte, das Kind zu fördern. Ich habe gesagt, ich habe keine Ressourcen, ich könne es nicht machen. Sie hat gesagt, sie gehe gerne zwei Stunden länger putzen, sie mache das sehr gerne, wenn ihr Kind Förderunterricht bekommt. – So etwas kommt jetzt nicht mehr vor. Dass das heute im Volks- und Pflichtschulbereich nicht mehr der Fall ist, ist ein Ergebnis der besseren Förderungsmöglichkeiten, die wir geschaffen haben.
Diese Dinge soll man sehen, und man muss sie auch in einem Gesamtkonzept sehen. Man kann nicht alles auf einmal machen, das ist nicht möglich, aber diese Schritte sind alle nach einer klaren Konzeption ausgerichtet.
Der nächste Schritt ist – und da sind wir völlig konträrer Meinung, da haben Sie recht – die zentralste Herausforderung, und bis auf wenige, in diesem Fall die freiheitliche Fraktion – ich nehme an, die gesamte – und einzelne ÖVP-Kolleginnen und -Kollegen, haben alle erkannt, auf welchem falschen Weg wir uns befinden, wenn wir die Zehn- bis Vierzehnjährigen in vier verschiedene Gruppen einteilen.
Da gibt es ein teures System mit vier verschiedenen Inspektoren, die Sonderschule, jetzt die Neue Mittelschule, die Hauptschule, die AHS-Unterstufe. Dass man mit diesen Ressourcen, die da frei werden, optimale Bedingungen für die jungen Menschen, optimale Voraussetzungen für die berufliche Weiterentwicklung, aber auch für die schuli-
sche Weiterentwicklung bieten kann, ist klar! Und diese müssten wir nützen. Da gibt es ein klares Modell: Das ist die gemeinsame Schule. Um die müssen wir kämpfen. Und da lohnt es sich auch, hart zu kämpfen, hart zu streiten, aber schlussendlich auch zur besten Lösung zu kommen. (Beifall bei der SPÖ.)
Ich meine, wir haben gestern auch sehr erfolgreich im Unterausschuss des Verfassungsausschusses mit den Länderexperten zum Thema Schulautonomie diskutiert. Das wird die Herausforderung der Zukunft sein. Ich glaube, dass wir da Möglichkeiten haben, verstärkt in schulautonome Modelle zu investieren, den Weg finden, sehr viele der bürokratischen Hürden, die sich derzeit auftun, zu überwinden. Dort wird es vermutlich auch über alle ideologischen Grenzen hinweg Möglichkeiten geben, Schule tatsächlich so zu gestalten, wie wir sie für unsere Kinder wollen. Aber die Zeit, die jetzt gekommen ist, meine Damen und Herren, ist, dass man endlich den Worten Taten folgen lassen muss!
Ich fordere Sie auf: Unterstützen Sie unsere Bildungsministerin – so, wie es die ÖVP jetzt angefangen hat, endlich zu tun – bei ihrem Kampf für eine neue, faire und chancengerechtere Schule! Packen wir es gemeinsam an! Unsere Kinder, unsere Eltern, unsere Zukunft haben es verdient. – Danke schön. (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der ÖVP.)
11.31
Präsident Fritz Neugebauer: Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Haubner. – Bitte.
11.31
Abgeordnete Ursula Haubner (BZÖ): Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Bundesministerin! Hohes Haus! Herr Kollege Mayer hat gesagt: „Packen wir es gemeinsam an!“ – Die Worte hör’ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube; denn wenn ich daran denke, dass diese Regierung angetreten ist, die großen Probleme im Land zu lösen, dann muss ich sagen: Die Probleme sind nach wie vor groß – im Bildungsbereich, im Gesundheitsbereich, in der Pflege, in der Schuldenbelastung, im Fremdenrecht, bei den ÖBB. Und die Baustellen sind nicht kleiner geworden, sondern sie ruhen und werden nur mit einigem Flickwerk wieder zum Leben erweckt. (Abg. Elmar Mayer: In der Bildung werden sie konkret angegangen! Das wissen Sie!)
Ich glaube, Sie haben nicht den Mut und auch nicht die Kraft, wirklich gemeinsam rasch und nachhaltig zu handeln. Ich spreche Ihnen nicht eine gute Absicht ab, aber die Handlungen im Gesamtkonzept sind schleppend und ziehen sich hin.
Der heutige Beschluss für eine standardisierte Reifeprüfung kann daher nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir bildungspolitisch eine Baustelle haben, die nach wie vor da ist. (Beifall beim BZÖ.)
Wir haben nach wie vor ein teures und ineffizientes Bildungssystem, wir haben nach wie vor zirka 90 Prozent Personalkosten, die das Unterrichtsbudget belasten. Wir haben nach wie vor ein Nachhilfeunwesen im privaten Bereich. Die Kosten steigen jährlich auf bis zu 160 Millionen €, und die Kostenbeiträge der Eltern, die sie laufend für den Schulunterricht zu leisten haben, steigen ebenfalls ständig. (Neuerlicher Beifall beim BZÖ.)
Und wir haben zersplitterte Kompetenzen, was die Schulerhalter anbelangt. Wir haben parteipolitische Mehrgleisigkeiten mit einer aufgeblähten Verwaltung, und wir haben unterschiedliche Personalhoheiten und Dienstrechte.
Mit einem Wort, meine sehr geehrten Damen und Herren: Das Geld ist in einem System geparkt und wird jenen vorenthalten, die es wirklich brauchen. Das sind die Kinder, das sind die Jugendlichen, die ein Recht auf bestmögliche Bildung und Ausbildung haben. (Beifall beim BZÖ.)
Aber dieses Geld wird auch jenen Pädagoginnen und Pädagogen vorenthalten, die mit Engagement arbeiten wollen und die auch heute noch ihren Beruf als Berufung sehen.
Den heutigen Beschluss zur sogenannten Zentralmatura oder neuen Matura werden wir vom BZÖ mittragen, weil er ein richtiger Schritt ist und weil das neben der Senkung der Klassenschülerzahl, die wir schon 2006 hier in diesem Haus unter einer anderen Regierung beschlossen haben, neben dem verpflichtenden Bildungsjahr im letzten Kindergartenjahr und einem Nationalen Bildungsplan eine weitere BZÖ-Forderung ist, die jetzt umgesetzt wird.
Die Einführung der Zentralmatura, meine sehr geehrten Damen und Herren, ist ein Systemwechsel hin zur Überprüfung von Kernkompetenzen durch zentrale Aufgabenstellungen. Diese Zentralmatura bedeutet daher unserer Meinung nach mehr messbare Qualitätskriterien, aber auch mehr Chancengleichheit für die Kinder und für die jungen Menschen. Für uns vom BZÖ ist es sehr, sehr wichtig, dass die dritte Säule, die mündliche Teilprüfung weiter individuell behandelt werden kann, damit individuelle und standortspezifische Schwerpunkte gesetzt werden können.
Ein Zweites ist – und darüber stimmen wir heute auch ab –, dass Neuerungen evaluiert und wissenschaftlich begleitet werden müssen. Das ist richtig, das ist gut so. Und ich denke, dass das BIFIE, unser nationales Bildungsinstitut, da auch die geeigneten Rahmenbedingungen hat, um diese Überprüfung und diese Evaluierung durchzuführen.
Für uns vom BZÖ ist es aber sehr schwierig nachvollziehbar, dass sich dadurch die Basiszuwendung von derzeit 6,5 Millionen € jährlich plötzlich auf 13 Millionen € verdoppelt und der Gesamtbetrag für das BIFIE bis zum Jahr 2013 auf 20 Millionen € ansteigen wird.
Wenn wir, meine sehr geehrten Damen und Herren, einen Blick über die Grenzen nach Bayern werfen – und Bayern ist vergleichbar mit Österreich in der Größe, aber auch von der Schüleranzahl her –, dann müssen wir feststellen, dass es dort auch ein ähnliches Institut gibt, das eine Basisförderung von 7 Millionen € zur Verfügung hat. Ich denke, auch da werden die Bildungspolitik beziehungsweise die Schülerinnen und Schüler und auch die Pädagoginnen und Pädagogen entsprechend gut begleitet. In Bayern kostet dieses Bildungsinstitut einen Schüler 5 €, in Österreich 14 €.
Die Frage, warum das so ist, haben wir auch im Ausschuss berechtigterweise gestellt, aber leider konnte die Frau Bundesministerin das nicht ausreichend aufklären. Und daher wird es heute unsere Zustimmung zu diesem Punkt nicht geben.
Eine weitere klare Ablehnung kommt von uns auch zum sogenannten Abänderungsantrag, der vorsieht, dass zusätzlich zum BIFIE, das evaluiert, eine Bundes-Reifeprüfungskommission eingerichtet wird, die wiederum die Evaluierungsergebnisse des BIFIE evaluiert und den zuständigen Minister bezüglich der Abwicklung der Prüfung strategisch berät.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, das ist eine typisch österreichische Lösung, eine typische großkoalitionäre Proporzlösung, schnell noch ein Gremium zu schaffen, damit die Sozialpartner eingebunden sind und vor allem auch die parteipolitische Balance und Ausgewogenheit dadurch erhalten wird, indem es zum Beispiel heißt: je zwei Vertreter der Landesschulräte – na klar: von Rot und Schwarz –, je zwei Vertreter des Ministeriums – Wissenschaftsministerium schwarz, Bildungsministerium rot –, weiters: Vertreter der Zentralausschüsse der Bundeslehrer für allgemeinbildende Schulen, für berufsbildende Schulen und so weiter.
Es gibt hier wiederum eine Proporzaufteilung – man kann jetzt sagen: im Kleinen; aber das System wächst und geht weiter so, wie wir vom BZÖ es nicht haben wollen. Und daher werden wir dem auch nicht zustimmen. (Beifall beim BZÖ.)
Meine sehr geehrten Damen und Herren, es ist auch sehr interessant, dass sich die ÖVP jetzt bildungspolitisch ein bisschen bewegt, zumindest verbal, ihre Liebe zur Ganztagsschule entdeckt und auch ihre Liebe zu einem einheitlichen neuen Dienstrecht entdeckt hat. Ich bin gespannt darauf, wie lange diese Harmonie hält. Die Gewerkschaft hat schon einmal vorab ihr übliches Njet deponiert; dann wird man sehen, wer sich an wem wieder die Zähne ausbeißen wird.
Das BZÖ hat eine klare Haltung zur Ganztagsschule, zur Tagesbetreuung: Wir sagen ja zu mehr Angeboten, ja zum Ausbau der Tagesbetreuung, weil dies auch notwendig ist – aber auf freiwilliger Basis und vor allem mit Förderstunden am Nachmittag, aber auch mit Angeboten wie Sportangeboten, Bewegungsangeboten, um die Kinder bestmöglich zu fordern und zu fördern.
Wir sagen auch ja zu einem einheitlichen neuen Dienst- und Besoldungsrecht, aber mit höheren Einstiegsgehältern für die Lehrer, aber auch – und das sage ich ganz vehement dazu – mit einer Arbeitszeit, die den Lehrern mehr Zeit zum Unterrichten ermöglicht, damit in Zukunft diese unsäglichen Diskussionen über zwei Stunden mehr Lehrverpflichtung der Vergangenheit angehören und die wahren Probleme damit nicht überdeckt werden.
Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich denke, es ist viel zu tun. Es sind nicht nur der notwendige Weitblick und die verbale Ankündigung gefragt, sondern es ist Handeln gefragt. Wenn richtig mit einer Gesamtreform des Schulsystems gehandelt wird, dann wird sich auch das BZÖ nicht dagegen verwahren. – Danke. (Beifall beim BZÖ.)
11.39
Präsident Fritz Neugebauer: Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Mag. Fuhrmann. – Bitte.
11.40
Abgeordnete Mag. Silvia Fuhrmann (ÖVP): Herr Präsident! Frau Bundesminister! Frau Kollegin Haubner, Sie haben vollkommen recht: In Bildung muss investiert werden, nicht nur, wenn es um finanzielle Ressourcen geht, sondern auch, wenn es um das sogenannte Hirnschmalz und den notwendigen Weitblick geht. Und genau das ist die Herausforderung, der sich die Regierungsparteien stellen und der wir heute mit dem Vorschlag der standardisierten Reifeprüfung auch Rechnung tragen wollen.
Die Weiterentwicklung des Schulsystems ist substanziell, das ist überhaupt keine Frage. Wir haben seitens der ÖVP immer eine Prämisse in den Vordergrund gestellt, nämlich mit Betroffenen für Betroffene zu arbeiten, und deshalb ist uns die Schulpartnerschaft – die Einbindung von Eltern, Lehrern und Schülern – immer sehr wichtig gewesen. Das Konzept der standardisierten Reifeprüfung, so wie wir es heute diskutieren und vorgelegt haben, trägt dadurch letztendlich die Handschrift der ÖVP.
In der heutigen Zeit ist es – und das wurde schon vielfach angesprochen – unerlässlich, dass man sich bundesweite und vor allem auch angemessene Standards zurechtlegt und entsprechend diesen agiert.
Zwei Kriterien waren uns in diesem Zusammenhang immer wichtig, nämlich zum einen die Vergleichbarkeit, wenn es darum geht, internationalen Standards gerecht zu werden, zum anderen aber auch der Fairness Rechnung zu tragen, weil es letztendlich darum gehen soll, unseren Schülerinnen und Schülern Sicherheit für ihre Leistungen zu geben.
Um Sicherheit zu geben, braucht es zwei Dinge: zum einen die Bildungsstandards, die sehr wohl schon aus der Zeit von Ministerin Gehrer rühren – so schlecht soll sie also gar nicht gewesen sein –, und zum anderen die standardisierte Reifeprüfung, wie sie heute vorliegt.
Uns von der ÖVP ist es immer wichtig gewesen, zwei Dinge zu berücksichtigen: auf der einen Seite die autonomen Schwerpunkte zu gewährleisten und auf der anderen Seite auch alle Schularten zu berücksichtigen. So geht es bei der neuen Matura darum, dass im Endeffekt der schriftliche Teil standardisiert werden soll und der mündliche Teil weiterhin vom Schulstandort festgelegt und entwickelt werden kann. Ich denke, das ist eine gute Möglichkeit, um schulautonome Schwerpunkte zu berücksichtigen.
Die Standardisierung erfolgt weiters in Bereichen, die vor allem relevant sind, um Aussagen über die Studierfähigkeit treffen zu können. Das heißt, die Standardisierung erfolgt in den Kernbereichen Deutsch, Mathematik und Fremdsprachen.
Wenn von Standardisierung die Rede ist, dann muss man sich vor Augen halten, worum es im Detail geht. Es geht darum, dass zum einen im Rahmen des schriftlichen Teils die Fragen für Schülerinnen und Schüler standardisiert sind und es zum anderen auch ein vorgegebenes Bewertungsschema für die Korrektur durch die Lehrerinnen und Lehrer gibt. Wichtig dabei ist, festzuhalten, dass diese an den Schulen stattfindet. Für Schülerinnen und Schüler ist es wahrscheinlich auch wesentlich zu wissen, dass man sich eine negative Bewertung in einem schriftlichen Teil sehr wohl – wie bisher – mündlich ausbessern kann.
Meine sehr geehrten Damen und Herren! Die neue Reifeprüfung wird ab dem Schuljahr 2013/2014 umgesetzt werden und gelten. Es war bereits im vergangenen Schuljahr der Fall, dass 16 000 Schülerinnen und Schüler einheitliche Prüfungsfragen erhalten haben. Das heißt, es gab bereits einen Vorlauf und einen Versuch, um sich dieser standardisierten Reifeprüfung anzunähern, und die Erfahrungen sind in dieses Konzept eingeflossen.
Bisher war es so – und der Kollege von der SPÖ hat darauf schon hingewiesen –, dass Lehrer autonom entschieden haben, wie und was bei der Matura geprüft wird. Das hatte zur Folge, dass Jugendliche bei Bewerbungsgesprächen nicht mehr nur nach Noten gefragt wurden, sondern vor allem relevant war, welche Schule sie besucht haben, weil es leider Realität ist, dass die Matura in den unterschiedlichen Schulen teilweise nicht vergleichbar ist beziehungsweise sehr wohl Unterschiede im Niveau gegeben sind.
In der heutigen Zeit, meine sehr geehrten Damen und Herren, ist Qualitätssicherung essenziell, um international wettbewerbsfähig zu sein. Wenn es Befürchtungen gegeben hat, dass das eine Nivellierung nach unten mit sich bringen könnte, dann kann ich nur sagen, dass es hier nicht um eine Nivellierung nach unten oder eine Überforderung geht, sondern vielmehr darum, überhaupt ein Niveau festzusetzen – das ist unser Ziel.
Wir von der ÖVP haben dabei sichergestellt, dass schulautonome Schwerpunkte im Rahmen der Reifeprüfung abgebildet werden können und es dort, wo es planmäßig erforderlich ist, eine Ausdifferenzierung gibt, wie das zum Beispiel im Bereich der Mathematik der Fall ist.
Wir haben auch sichergestellt, dass dieses Konzept mit der AHS beginnt und dann für die BHS bis zum Jahr 2015 weiterentwickelt wird. Und uns war es auch wichtig, dass die Berufs- und Externisten-Reifeprüfung berücksichtigt werden.
Für uns wesentlich – und das habe ich eingangs schon gesagt – war die Miteinbeziehung der Betroffenen. Deshalb sind wir auch übereingekommen, eine Bundes-Reifeprüfungskommission gesetzlich zu normieren. Es geht dabei nicht darum, Frau Kollegin Haubner, dass wir für verschiedenste Persönlichkeiten neue Positionen gesucht haben – das ist völliger Unsinn. Vielmehr ist es eine vertrauensbildende Maßnahme, die gewährleisten soll, dass die Schulpartner – die Gott sei Dank auch Mitglieder dieser Kommission sein sollen – diese neue Form der Reifeprüfung mittragen.
Meiner Meinung nach ist es wichtig, dass hier begleitet und evaluiert wird, dass dieser Bericht, diese laufende Evaluierung letztendlich auch dem Nationalrat vorgelegt wird und wir die Möglichkeit haben, das zu diskutieren.
In diesem Zusammenhang war es auch notwendig, das BIFIE-Gesetz zu ändern – auf der einen Seite, um auf datenschutzrechtliche Fragen entsprechende Antworten zu geben, aber auch, um Antworten auf jüngste Irritationen in Bezug auf Zusatzfragebögen zu geben, die ausgeteilt worden sind. Das BIFIE-Änderungsgesetz stellt klar, dass künftig ausschließlich die Überprüfung der Bildungsstandards verpflichtend sein darf und soll, sowie auch die Teilnahme von Schülerinnen und Schülern an nationalen beziehungsweise internationalen Assessments, nicht aber an Zusatzfragebögen.
Insofern wäre es notwendig – auch im Sinne des Wohls und der Leistungsfähigkeit unserer Schülerinnen und Schüler –, dass alle Parteien den Vorschlag, die standardisierte Reifeprüfung auf Schiene zu bringen, unterstützen. Ich denke, dass es ein wichtiger Schritt ist in einem Gesamtkonzept, dem wir uns alle, meine sehr geehrten Damen und Herren, stellen sollten. (Beifall bei der ÖVP.)
11.47
Präsident Fritz Neugebauer: Nächster Redner: Herr Abgeordneter Dr. Walser. – Bitte.
11.47
Abgeordneter Dr. Harald Walser (Grüne): Herr Vorsitzender! Frau Ministerin! Hohes Haus! Lassen Sie mich zu Beginn noch eine kurze Bemerkung machen, zu dem, was sich heute Vormittag hier abgespielt hat: Es war ein Trauerspiel für den Parlamentarismus, im Gegensatz dazu, was die Vertreter und Vertreterinnen – in diesem Fall waren es nur Vertreter – der Rechtsparteien gesagt haben.
Die älteren Zuschauer an den Fernsehschirmen werden sich vielleicht noch daran erinnern, wie die Demokratie in den zwanziger und dreißiger Jahren systematisch geschwächt wurde. Daran hat das heute leider erinnert. Es wäre vielleicht eine Überlegung, Frau Ministerin, solche Übertragungen Schülerinnen und Schülern zugänglich zu machen, damit sie sehen, wie es hier zugeht und was die Vertreter des sogenannten kleinen Mannes – die kleine Frau lassen sie meistens aus – wirklich im Sinn haben. (Beifall bei den Grünen. – Ruf: Jetzt hast du aber tief hineingegriffen!)
Die drei Gesetze, die wir heute beschließen, sind zwar – um Kollegen Mayer ein bisschen zu korrigieren – nicht unbedingt Anlass für einen großen Freudentag, aber ich gebe ihm recht, es ist ein Fortschritt. Wir werden allen diesen drei Gesetzen zustimmen, sie gehen in die richtige Richtung.
Bei dieser Gelegenheit, Frau Ministerin, möchte ich mich ausdrücklich dafür bedanken, dass wir im Ausschuss sehr konstruktiv diskutieren konnten, dass es möglich war, hier auch notwendige Veränderungsvorschläge vorzubringen. Dass die von der ÖVP gekommen sind, Frau Kollegin Fuhrmann, entlockt einem alten Lehrer wie mir, der seit 31 Jahren das Tun in der österreichischen Bildungspolitik mitverfolgt, ein Lächeln – und vielen meiner Kolleginnen und Kollegen wohl auch.
Es sind natürlich drei Bereiche, die uns in jene Richtung weiterbringen, die wir wollen, die wir in Richtung eines einheitlichen Schulwesens dringend benötigen. Das ist etwas ganz, ganz Wichtiges.
Das wird etwa durch die neue Reifeprüfung erreicht. Ich war mit meiner Schule von Anfang an bei der Entwicklung dieser neuen Reifeprüfung dabei. Das ist auch ein sehr gutes Beispiel für politische Kommunikation, darf ich sagen, denn zu Beginn gab es große Skepsis gegenüber dieser neuen Reifeprüfung – ich habe das selbst bemerkt, die Kolleginnen und Kollegen waren verunsichert –, als man dann aber gesehen hat,
wie das durchgeführt wird, welche Erleichterung das auch für viele Kolleginnen und Kollegen an den Schulen bringt, hat sich die Stimmung deutlich geändert. Ich bin sicher, dass wir, wenn wir auf diesem konstruktiven Weg weitermachen, das Bewusstsein für die Notwendigkeit einer Standardisierung des gesamten Schulwesens werden bilden können.
Damit bin ich auch schon bei einem Kritikpunkt. Wir müssen hier weitermachen, wir dürfen nicht stehen bleiben. Wir haben die Standards in der achten Schulstufe, wir haben sie in der vierten Schulstufe, und wir haben jetzt die standardisierte Reifeprüfung. Das brauchen wir dringend. Wir müssen wegkommen von jenen Noten – Elmar Mayer hat schon darauf hingewiesen –, die kaum Aussagekraft haben, wir müssen hinkommen zu solchen Standards, dass wir genau sagen können, was Schülerinnen und Schüler wirklich können und nicht können.
Auch das Unterrichtspraktikumsgesetz scheint mir ein wichtiger Schritt nach vorne zu sein, weil es auch älteren Menschen – über 40, über 45 – ermöglicht, in den Schuldienst einzusteigen. Das war bislang nicht möglich. Das ist ein erster, sehr, sehr zarter Schritt in Richtung Öffnung der Schule, ein Schritt, den wir aber auch, wie gesagt, dringend weitergehen müssen, denn der Mangel an Lehrerinnen und Lehrern steht bevor. Wir erinnern uns noch an den unseligen Brief von Ministerin Gehrer, den wir damals in den Schulen verteilen mussten – ich glaube, es ist jetzt sieben oder acht Jahre her –, in dem sie eindringlich gewarnt hat vor dem Lehramtsstudium. – Fatal, denn jetzt ernten wir das, was damals schon absehbar war.
Dass es eine gewaltige Pensionierungswelle gibt, das war damals mit einem Blick in Richtung Lehrkörper schon erkennbar. Also hier müssen wir dringend gegenarbeiten, und damit müssen wir unmittelbar, müssen wir jetzt beginnen, damit die Situation in vier, fünf Jahren nicht wirklich dramatisch schlechter wird. (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)
Was uns aber fehlt, meine Damen und Herren, ist nach wie vor der große Wurf. Wenn ich an die Diskussionen denke, die wir im Unterausschuss des Verfassungsausschusses geführt haben, wenn ich an die Diskussionen im Unterrichtsausschuss denke, dann kann man sagen, es gibt größtenteils Übereinstimmung in den zentralen Fragen. Warum nichts davon umgesetzt wird, warum beispielsweise keine entscheidenden Schritte in Richtung gemeinsame Schule der 10- bis 14-Jährigen gemacht werden, das liegt derzeit an einer kleinen Minderheit in der Gewerkschaft. Es ist vor allem die Betonfraktion im ÖAAB, die in diesem Bereich einen Fortschritt verhindert. – Bitte, versuchen wir eine Koalition der Vernünftigen!
Sie haben in der ÖVP ganz wesentliche zentrale Kräfte – in der Industriellenvereinigung, im Wirtschaftsbund, im Umfeld der ÖVP, wenn ich an diverse kirchliche Organisationen denke –, die ganz klar mit uns diesen Weg in Richtung gemeinsame Schule beschreiten wollen. Was die Ganztagsschule anlangt, so scheinen erste zarte Bewegungen feststellbar zu sein, aber, bitte, wir wollen die Ganztagsschule nicht als Betreuungsmodell, sondern wir wollen sie als pädagogisches Modell. Wir wollen nicht, dass man Kindern am Vormittag Wissen hineinpfropft und das dann irgendwann einmal abprüft, sondern wir wollen Kindern Zeit geben, Zeit auch zur Erholung, zum Verdauen dessen, was sie gehört haben. Deshalb brauchen wir die verschränkte Schule. (Beifall bei den Grünen sowie bei Abgeordneten der SPÖ.)
Wir brauchen auch eine gerechte Schule, meine Damen und Herren, und deshalb die gemeinsame Schule. Es gibt neben Deutschland kein sozial selektiveres Schulsystem als unseres. Wenn die Eltern Matura beziehungsweise Hochschulabschluss haben, dann liegt die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind auch in die AHS kommt beziehungsweise studiert, bei 79 Prozent. Wenn die Eltern nur Pflichtschulabschluss haben,
dann liegt diese Wahrscheinlichkeit nur bei 10 Prozent. – Da müssen wir den Hebel ansetzen, wir müssen allen Kindern in diesem Staat eine Chance geben, ansonsten züchten wir uns verstärkt Probleme, die in den nächsten Jahren wahrscheinlich so oder so auf uns zukommen, nämlich soziale Probleme.
Wir haben in diesem Schulsystem eine Generation heranwachsen gesehen, die mit 15 Jahren fast chancenlos ist. 21,5 Prozent der 15-Jährigen können nicht sinnerfassend lesen. – Da müssen wir gegenarbeiten! Kollegin Musiol hat mit einer Kindergarten-Initiative einen ersten wichtigen Schritt gesetzt. Der Kindergarten ist ein zentraler Ansatzpunkt zur Verbesserung des österreichischen Schulwesens. Sie haben uns an Ihrer Seite, wenn wir Reformen in diese Richtung machen. – Vielen Dank. (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)
11.55
Präsident Fritz Neugebauer: Ich erteile nun Frau Bundesministerin Dr. Schmied das Wort. – Bitte, Frau Bundesministerin.
11.56
Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur Dr. Claudia Schmied: Herr Präsident! Hohes Haus! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Herr Klubobmann Strache, wenn Sie sagen, Bildung muss ein zentrales öffentliches Anliegen sein, wenn Sie sagen, es geht im Bereich der Bildung vor allem bei den öffentlichen Ausgaben darum, dass wir das Geld richtig einsetzen, wenn Sie sagen, es geht darum, dass wir alle Begabungen und Talente unserer Kinder bestmöglich fördern, dann unterstreiche ich jede dieser Zielformulierungen. Genau darum geht es. Wir führen gerade im Unterrichtsausschuss auch unter der Leitung Ihres Bildungssprechers sehr, sehr konstruktive Debatten, unterscheiden uns aber in einzelnen, doch wesentlichen Wegen; ich formuliere das einmal so.
Auch ich bin für eine klare Differenzierung des Schulwesens, sage aber, dass die Differenzierung ab dem Alter von zehn Jahren zu früh ist, weil die Bildungs- und Berufswegentscheidung mit zehn Jahren noch nicht so gut getroffen werden kann wie mit 14, 15 Jahren. (Beifall bei der SPÖ.)
Ich gebe Ihnen vollkommen recht, dass wir in den Bereich der Bildungs-, Berufswegberatung investieren müssen, dass wir hier Veränderungen herbeiführen müssen, denn es kann nicht einfach hingenommen werden, dass beispielsweise von 100 Schülern, die an der Handelsakademie beginnen, nur 60 die Matura erreichen. Ich spreche jetzt nicht von dem quasi gefährdeten neunten Schuljahr, von der neunten Schulstufe, sondern das zieht sich durch. Wir verlieren die Schülerinnen und Schüler im Verlauf der Oberstufe, weil sich, sage ich jetzt, möglicherweise ganz viele Kinder in der falschen Schulart befinden, weil sie mit Soll und Haben eben keine nähere Affinität aufbauen können, sich damit nicht identifizieren können. Das heißt, wir müssen die Bildungswegentscheidung unserer Kinder besser vorbereiten.
Ich bin absolut bei Ihnen und habe das hier im Hohen Haus immer wieder betont: Jedes Kind, das in Österreich in die Schule geht, muss die deutsche Sprache beherrschen. – Diesbezüglich müssen wir im Kindergarten ansetzen, müssen wir mit Förderungen ansetzen, Quoten werden uns hier nicht weiterbringen. (Beifall bei der SPÖ sowie bei Abgeordneten der ÖVP.)
Frau Abgeordnete Haubner hat voll und ganz recht, wenn sie sagt, im Bildungsbereich ist noch unglaublich viel zu tun. Ich bin aber ein bisserl anderer Meinung als Herr Abgeordneter Walser, der auf den großen Wurf wartet. Ich glaube, diesen einen großen Wurf gibt es in der Bildungsreform nicht. Es gibt einfach eine lange Liste von Projekten, die konsequent, manchmal mit einer gewissen Hartnäckigkeit abzuarbeiten ist, Schritt für Schritt, Projekt für Projekt. (Beifall bei der SPÖ sowie bei Abgeordneten der ÖVP.)
Genau da stehen wir jetzt, meine sehr geehrten Damen und Herren, und ich hoffe auf eine breite Unterstützung. Heute entscheiden Sie über vier wichtige Gesetzesvorhaben, nämlich
die neue Reifeprüfung – für mich die konsequente Fortsetzung unseres schon mit breiter parlamentarischer Mehrheit beschlossenen Projektes Bildungsstandards –,
damit verbunden die notwendige Novellierung des BifiE-Gesetzes,
Unterrichtspraktikumsgesetz und
Prüfungstaxengesetz,
um die weitere Abwicklung sicherzustellen.
Alle vier gemeinsam tragen dazu bei, dass wir wieder ein Stück weiterkommen bei unserer Bildungsreform.
Ich möchte mich für die konstruktive Zusammenarbeit beim Regierungspartner und bei all den vielen Schulen ausdrücklich bedanken. Herr Abgeordneter Walser hat das erwähnt: 280 AHS-Standorte haben bei der Prototyp-Entwicklung „neue Matura“ mitgearbeitet. Das war fantastisch. Die Lehrerinnen und Lehrer haben sich unglaublich eingebracht, und dafür gilt ihnen auch einmal ein Dank! (Beifall bei der SPÖ sowie bei Abgeordneten der ÖVP.)
Große Vorhaben liegen vor uns, meine sehr geehrten Damen und Herren, die sicher wieder ein Stück kontroversieller sein werden. Ich sage nur: neue, gemeinsame Ausbildung für alle im Lehrberuf Tätigen, neues, leistungsgerechteres, faireres Dienst- und Besoldungsrecht für die neuen Lehrerinnen und Lehrer und die derzeit im Unterausschuss diskutierte Verwaltungsreform, wo mein großes Anliegen vor allem ist, dass wir die Verantwortung am Schulstandort stärken, dass wir ein Stück von diesem „Obrigkeitsmief“ wegkommen, von der Hierarchie, die so stark wirksam ist, von der Verordnungs- und Erlasskultur hin zu einem Stück mehr Selbstverantwortung und Zuversicht an den Standorten selbst. Das wird sich dann auch auf die jungen Menschen übertragen. – Vielen Dank an alle, die mich unterstützen. (Beifall bei der SPÖ, bei Abgeordneten der ÖVP sowie der Abgeordneten Dr. Walser und Linder.)
12.01
Präsident Fritz Neugebauer: Nächster Redner: Herr Abgeordneter Dr. Rosenkranz. – Bitte.
12.01
Abgeordneter Dr. Walter Rosenkranz (FPÖ): Herr Präsident! Frau Bundesministerin! Herr Staatssekretär! Hohes Haus! Dass die Bildung für uns wichtig ist, wird gerade dadurch dokumentiert, dass unser Bundesparteiobmann und Klubobmann in dieser Debatte als Erster das Wort ergriffen hat. Das ist der Stellenwert, den wir der Bildungsdebatte hier beimessen wollen, und daher erfolgt es so. (Beifall bei der FPÖ.– Zwischenruf des Abg. Dr. Walser. – Abg. Silhavy: ... genau so!)
Wenn ich in Ihre leeren Sitzreihen schaue, sehe ich auch, wie die Bildungspolitik bei Ihnen aufgestellt ist. (Neuerlicher Zwischenruf der Abg. Silhavy. – Abg. Schönpass: Vor der eigenen Türe kehren!)
Wenn Sie sagen, das war eigentlich nichts anderes als die – unter Anführungszeichen – „übliche Abschiebung“ auf Ausländer oder Ähnliches, was der Herr Klubobmann Strache hier gemacht hat, dann muss ich bemerken: Sie haben gehört, was Ihre eigene Ministerin soeben unterstreichend zu den Worten des Herrn Klubobmann Strache gesagt hat.
Aber es ist genau diese symptomatische Blindheit, die Sie in Bezug auf manche Probleme in dieser Republik haben, die Ihnen einfach den Weg verstellt, um wirklich an
Lösungen heranzugehen und diese umzusetzen, und das wissen die Menschen! (Abg. Silhavy: Sie haben Scheuklappen!)
Wenn die Zentralmatura heute hier zur Diskussion und zur Abstimmung steht, muss man dazu Folgendes sagen: Es gibt da drei Säulen. Aus unserer Sicht ist die schriftliche Teilmatura eine wichtige Säule. Eine entbehrliche Säule ist hingegen diese vorwissenschaftliche Arbeit, denn unserer Meinung nach gehört die Wissenschaft an die Universität, und man muss Maturanten nicht dazu zwingen, Zitierregeln zu lernen, die dann an der Uni ohnehin überholt sind. Da wird viel Verwaltung betrieben und viel Geld ausgegeben. (Abg. Dr. Walser: ... große Fortschritte bei der ...! ... den Schülern geholfen, auf die Uni zu gehen! – Abg. Elmar Mayer: Genau das ist das Gute! Vorwissenschaftlich arbeiten, das ist die gute Sache ...!)
Dann gibt es eine kleine Säule, nämlich die der mündlichen Reifeprüfung, wo man dann nur mehr aus einem Gegenstand eine einzige Frage bekommt, die zwischen „Sein oder Nichtsein“ entscheidet. – Das halten wir im Detail für den falschen Weg. (Beifall bei der FPÖ.)
Wir glauben, dass eine Zentralmatura beziehungsweise Teilzentralmatura zur Hebung des Niveaus unserer Abiturienten, unserer Maturanten gut und richtig ist, wir unterstreichen das Ganze, aber wir haben gewisse Befürchtungen und wünschen uns nicht, dass dann am Ende dieser Zentralmatura eine Niveausenkung stattfindet, was manche nicht ganz unberechtigterweise befürchten.
Kommen wir auch zum BIFIE – die Erhöhungen wurden ja bereits erwähnt. Ich möchte aber auf die Tatsache hinweisen, dass 4,1 Millionen € allein für die Zyklen der unterschiedlichsten Studien – PISA, TIMSS, PIRLS und TALIS – aufgewendet werden. Ich glaube, man sollte überlegen, ob man diese Mittel weiterhin in derartiger Höhe einsetzt, wenn man weiß, dass das Bildungssystem momentan reformiert wird.
Das kommt mir so vor, wie wenn man als Häuselbauer sein Haus renovieren und sanieren will, feststellt, dass die Fenster undicht sind, aber bevor man dann tatsächlich die Wärmedämmfenster einbaut, schießt man jeden Tag mit einer Wärmebildkamera darauf und schaut, ob sie jetzt schon dichter geworden sind. – Wenn wir wissen, dass unser Schulsystem nicht perfekt funktioniert, dann brauchen wir jetzt auch keine Studien, wo Äpfel mit Birnen verglichen werden – ohne die Bedeutung internationaler Vergleiche jetzt in irgendeiner Form schmälern zu wollen. (Beifall bei der FPÖ.)
Zur Ganztagesschule: Uns geht es nicht darum, wie Herr Kollege Walser in seinen ersten Ergüssen gesagt hat – dabei sind uns ja fast die Tränen gekommen (Abg. Dr. Walser: Zum Weinen wollte ich Sie nicht bringen, so weit ...!) –, dass die Demokratie wieder wie in den zwanziger oder dreißiger Jahren in irgendeiner Form zur Disposition steht, wo er meint, dass da jetzt wieder schreckliche Zeiten auf uns zukommen werden.
Mir ist eine lebendige Demokratie wie in den zwanziger Jahren in der Ersten Republik lieber (Abg. Dr. Walser: Lebendige Demokratie schon!) als das, was Ihnen vorschwebt, nämlich mit Stasi- und anderen Methoden Gesinnungsschnüffelei bei politischen Gegnern zu betreiben. Das ist mir wesentlich lieber als das, was Ihnen hier gesellschaftlich vorschwebt! (Beifall bei der FPÖ. – Abg. Dr. Walser: Hören Sie auf mit Ihren Unterstellungen!)
Und da braucht man auch nicht mit tränenerstickter Stimme in den Unterrichtszeiten Übertragungen zu machen. (Beifall bei der FPÖ. – Abg. Dr. Walser: ... so einen Quatsch erzählen, aber nicht hier!) Die Kinder sollen etwas lernen – Lesen, Schreiben, Rechnen –, damit sie auch als Lehrlinge die Chance haben, in Österreich Facharbeiter werden zu können, sodass wir die nicht importieren müssen. (Abg. Dr. Walser: ... 47 Fehler!)
Wir wollen keine Ganztagsschule mit pädagogischer Einrichtung am Nachmittag, sondern wir wollen Betreuung auf freiwilliger Basis, denn es ist Realität, dass sehr viele Familien und auch alleinerziehende Frauen diese Möglichkeit brauchen. Auf jeden Fall muss auch die Möglichkeit bestehen, dass etwas anderes angeboten wird, nämlich die Erholung, von der Sie sprechen, in der Familie.
Ich meine, dass die Frau Bundesministerin in letzter Zeit zu einer Überschriften- und Schlagwortministerin geworden ist. Wenn ich alleine die 636 000 € hernehme, die die Inseratenkampagnen zu Schulschluss und Schulanfang immer wert sind – allein 310 000 € für die Zeitschrift „Österreich“! –, dann meine ich, das müsste beendet werden.
Ich glaube, dass es auch notwendig ist – und das ist gestern auch ganz klar herausgekommen –, dass die Kleinstschulen in den ländlichen Regionen erhalten bleiben.
Daher möchte ich folgenden Antrag einbringen:
Entschließungsantrag
der Abgeordneten Rosenkranz, Kolleginnen und Kollegen
Der Nationalrat wolle beschließen:
„Die Bundesregierung und insbesondere die Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur werden aufgefordert, dem Nationalrat eine Regierungsvorlage zur Erweiterung der gesetzlichen Rahmenbedingungen für einen Schulverbund von mehr als zwei Schulen zuzuleiten.“
*****
Das war die einheitliche Meinung sämtlicher politischer Fraktionen aus den Ländern. Es geht darum, die Kleinstregionen tatsächlich zu erhalten – Beispiel Südtirol –, unter dem Stichwort: kleine Füße, kleine Beine, kleine Wege. (Beifall bei der FPÖ.)
12.06
Präsident Fritz Neugebauer: Der Antrag ist ordnungsgemäß eingebracht, aber ich bitte darum, wenn man noch beabsichtigt, einen Antrag einzubringen, auch die Redezeit zu beachten, sodass das noch innerhalb der vorgesehenen Zeit Platz hat. (Abg. Dr. Rosenkranz: Danke, Herr Präsident!) Wir liegen sehr knapp in der Zeit – Fairness für alle.
Der Antrag hat folgenden Gesamtwortlaut:
Entschließungsantrag
des Abgeordneten Dr. Rosenkranz und weiterer Abgeordneter betreffend Sicherung von Klein- und Kleinstschulen
eingebracht in der 40. Sitzung des Nationalrates am 21. Oktober 2009, XXIV. GP, im Zuge der Debatte zu Top 1 Bericht des Unterrichtsausschusses über die Regierungsvorlage (292 d.B.) betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Schulunterrichtsgesetz geändert wird (345 d.B.).
Im ländlichen Raum leiden aufgrund der demographischen Entwicklung kleine Schulen oft an drastischem Rückgang der Schülerzahlen. Es wäre sinnvoll, künftig mehrere kleine Schulen von einer einzigen Direktion/Verwaltung leiten zu lassen. Das bringt den Vorteil, dass für die einzelne Kleinstschule kein eigener Direktor benötigt wird und so durch diese Maßnahme der Verwaltungapparat effizienter und sparsamer gestaltet
werden kann. Dadurch können auch die Standorte kleiner und kleinster Landschulen für die Zukunft gesichert werden. Ein Beispiel dafür, dass das System einer Direktion sogar für alle Schulen eines Schulsprengels funktioniert, ist Südtirol. So kann "die Schule im Dorf gelassen" und ein positiver Beitrag zur Schulverwaltungsreform geleistet werden. Die bisherige Regelung ist zu unflexibel, was die Vertreter der Bundesländer in der Sitzung des Unterausschusses des Verfassungsausschusses zur Schulreform am 19.9.2009 bestätigten.
Daher stellen die unterzeichnenden Abgeordneten folgenden
Entschließungsantrag
Der Nationalrat wolle beschließen:
„Die Bundesregierung und insbesondere die Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur werden aufgefordert, dem Nationalrat eine Regierungsvorlage zur Erweiterung der gesetzlichen Rahmenbedingungen für einen Schulverbund von mehr als zwei Schulen zuzuleiten.“
*****
Präsident Fritz Neugebauer: Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Mag. Rudas. – Bitte.
12.07
Abgeordnete Mag. Laura Rudas (SPÖ): Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Ministerin! (Die Rednerin wendet sich der soeben eingetroffenen Bundesministerin Mag. Bandion-Ortner zu.) Sehr geehrte zweite Frau Ministerin! (Abg. Weinzinger – auf den ebenfalls auf der Regierungsbank sitzenden Staatssekretär Dr. Lopatka deutend –: Das ist ein Mann, darum grüßt man ihn nicht!)
Sehr geehrte Damen und Herren auf der Galerie! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseher und Zuseherinnen zuhause! Ich habe mir selbst, aber auch vielen anderen einmal das Versprechen gegeben, dass ich jedes Mal, wenn jemand von der FPÖ hier ans Rednerpult tritt und die Unwahrheit sagt, selbst ans Rednerpult trete und sage, dass Sie die Unwahrheit sagen. (Zwischenruf der Abg. Dr. Belakowitsch-Jenewein.)
Sie haben heute mehrmals die Unwahrheit gesagt. Es war Ihre Regierung: Unter Ihnen gab es die meiste unkontrollierte Zuwanderung jemals. Unter Ihrer Regierungszeit wurde die Saisonnierquote bis ins Unendliche erhöht. (Rufe beim BZÖ: Unsinn! – Abg. Bucher: Das glaubt Ihnen keiner! Die Statistiken lesen!)
In Ihrer Regierungszeit wurden die Förderlehrer für den Deutschunterricht in den Schulen eingespart und Stunden eingespart. Wir beschließen heute klare Regeln gegen Asylmissbrauch, aber gleichzeitig auch faire Chancen für jene, die rechtmäßig hier sind. (Beifall bei der SPÖ.)
Und wir beschließen heute neue wichtige Maßnahmen im Bildungsbereich. (Abg. Dr. Rosenkranz: Und sonst: Lernen Sie Geschichte! – Ruf bei der FPÖ: ... Deutschunterricht!) Wir alle hier müssen uns bezüglich unserer Ziele im Bildungsbereich einig sein.
Erstens müssen wir Bildungsland Nummer eins werden. Das heißt, wir müssen unsere jungen Menschen für die Anforderungen heute, aber auch für die Anforderungen der Zukunft fit machen. Wir müssen das gesamte Potential junger Menschen in Österreich ausschöpfen. Und wir brauchen ein Bildungssystem, das gerecht ist.
Wenn wir heute merken, dass Kinder Angst haben, wenn sie in die Schule gehen – Angst vor dem Leistungsdruck, Angst vor der Beurteilung, Angst, ob sie mitkommen (Abg. Weinzinger: Schutzgelderpressung, davor haben sie Angst!) –, wenn wir heute mit Eltern reden, die das letzte Gesparte aufwenden, um ihre Kinder in Privatschulen zu stecken, dann müssen doch bei uns allen die Alarmglocken läuten! (Abg. Dr. Belakowitsch-Jenewein: Bei Ihnen! – Abg. Strache: In Wien zum Beispiel, wo Sie Verantwortung tragen!)
Hören Sie mir doch einmal kurz zu! Da darf es kein Beharren auf alten Mustern geben, sondern da muss eine Bildungsministerin, die als erste die richtigen Schritte setzt, die als erste Strukturen aufbricht und sagt, sie möchte dieses Bildungssystem ändern, bis unsere Kinder das lernen, was sie lernen müssen, bis unsere Kinder mit Freude in die Schule gehen und bis unseren Kindern der Wissenshunger nicht ausgetrieben wird, sondern dieser gefördert wird, hier im Haus von jedem mit voller Kraft unterstützt werden! (Beifall bei der SPÖ. – Abg. Weinzinger: Warum habt ihr nichts in Wien unternommen die letzten Jahrzehnte?!)
Das heißt, liebe Kolleginnen und Kollegen, die wesentliche Frage ist: Arbeiten wir im Interesse der jungen Menschen, oder arbeiten wir für Standesinteressen oder für parteipolitische Propagandainteressen? Die Antwort muss, glaube ich, klar sein: Wir müssen im Interesse der jungen Menschen arbeiten. Daher ist die Neue Mittelschule auch so wesentlich.
Nicht umsonst wird in ganz Europa, in der ganzen Welt, die Neue Mittelschule praktiziert, und auch in Österreich sind alle Privatschulen Mittelschulen und nach dem Konzept der Neuen Mittelschule aufgebaut. (Zwischenruf der Abg. Dr. Belakowitsch-Jenewein.)
Es ist auch selbstverständlich, dass die Neue Mittelschule eine Schule sein muss, wo die Kinder individuell gefördert werden, wo Gruppenunterricht stattfindet und wo gerade auch darauf geschaut wird, dass Kinder in der Schule perfekt Deutsch können und lernen. Aber all das kann nur in einer Neuen Mittelschule geschehen und nicht in der Schule, die seit 30 Jahren existiert. (Abg. Dr. Rosenkranz: Na, na! – Neuerlicher Zwischenruf der Abg. Dr. Belakowitsch-Jenewein.)
Sie haben gesehen, dass das Schulsystem der letzten 30 Jahre nicht funktioniert. Das neue Schulsystem der Sozialdemokratie, an dessen Spitze Unterrichtsministerin Schmied steht, das funktioniert! Nicht umsonst ist der Andrang zu den Neuen Mittelschulen auch so enorm groß. (Beifall bei der SPÖ. – Abg. Dr. Rosenkranz: Die gescheitert ist mittlerweile, aufgrund der mangelnden ...!)
Wenn wir uns die Zahlen anschauen, dann
müssen wir alle erschrecken: wenn noch immer 160 Millionen €
für Nachhilfe ausgegeben werden, wenn 87 Prozent der Kinder von
Eltern mit einem Hochschulabschluss im Alter von 17 Jahren eine
AHS-Oberstu-
fe besuchen, aber nur 16 Prozent der Kinder, deren Eltern einen
Pflichtschulabschluss haben.
Haben Sie das Gefühl, dass Bildungsabschlüsse genetisch vererbbar sind? Nein! Es ist abhängig vom Geldbörserl, in welche Schule ein Kind geht – und das ist ungerecht, und das darf es nicht geben! (Abg. Weinzinger: Das ist abhängig von der Erziehung zu Hause! Das ist doch falsch, was Sie erzählen! – Zwischenrufe des Abg. Dr. Rosenkranz.)
Es ist unser aller Aufgabe – über Parteigrenzen hinweg –, das Beste für unsere Kinder und das beste Schulsystem für unsere Kinder zu verwirklichen. Dabei darf keine Parteipropaganda und auch keine Parteipolemik im Raum stehen.
Ich denke, das sind wichtige Schritte, aber es dürfen nicht die einzigen Schritte sein. Ich gratuliere aber einer Ministerin, die den Mut hat, sich auch durchaus mit Standesinteressen anzulegen, die den Mut hat, neue Schritte in der Bildungspolitik zu gehen
und die nicht davor zurückschreckt, einfach einmal aufseiten der Schülerinnen und Schüler zu stehen – die ja nicht alle wahlberechtigt sind, weswegen es oft so ist, dass das nicht passiert.
Wir haben jetzt eine Bildungsministerin, die klar Stellung bezieht, nämlich das Beste für die Kinder, das Beste für die Schülerinnen und Schüler zu wollen – und jeder, der sie da nicht unterstützt, agiert fahrlässig. – Danke vielmals. (Beifall bei der SPÖ.)
12.12
Präsident Fritz Neugebauer: Nächster Redner: Herr Abgeordneter Dr. Strutz. – Bitte.
12.12
Abgeordneter Dr. Martin Strutz (BZÖ): Herr Präsident! Frau Minister! Hohes Haus! Das war jetzt ein flammender Appell der Kollegin Rudas, die Frau Unterrichtsministerin zu unterstützen. (Abg. Strache: „Flammend“! – Abg. Grosz: Sehr leidenschaftslos von Frau Rudas! – Abg. Bucher: Sie wäre fast abgebrannt! Abgebrannte Generalsekretärin!)
Ich sage: Ja, wir unterstützen sie gerne, wenn sie das Dienstrechtsgesetz novelliert. Wir unterstützen sie gerne, wenn sie die Verwaltungsreform endlich in Angriff nimmt. Wir haben mit ihr auch echte Hoffnungen verbunden. Nur: Was ist das Problem dieser Koalition? Es ist ein symbolisches Bild, das sich den Zuschauern und dem Hohen Haus hier bietet. (Der Redner deutet auf die Regierungsbank und auf das Präsidium.) Dort die zarte Frau Minister, die bemüht ist, Reformen umzusetzen. Hinter ihr thront der Präsident Fritz Neugebauer, der ja jegliche Reform durch die Gewerkschaft im Keim erstickt. (Beifall beim BZÖ.)
Wir haben ja gesehen – allein als das Budget für Sie verhandelt worden ist und Sie dringend mehr finanzielle Mittel gebraucht hätten –, was geschehen ist: Zuerst hat Sie Ihr Koalitionspartner anrennen lassen, dann hat Sie die eigene Partei im Regen stehen lassen, und zum Schluss sind sowohl das Dienstrecht als auch die Verwaltungsreform begraben worden – und das, Frau Kollegin Rudas, ist in Wirklichkeit das Problem, das Sie haben! Es gibt eine bemühte Ministerin, wir haben die Probleme alle erkannt, wir wissen, dass wir im Bildungsbereich akuten Handlungsbedarf haben, und wir wissen auch, wo er ist – nur Ihr, in dieser rot-schwarzen Koalition, seid unfähig, die Probleme tatsächlich zu lösen! Das ist es nämlich. (Beifall beim BZÖ. )
Die SPÖ kommt heute hier heraus und sagt: Heute ist ein Freudentag für die Bildungspolitik, und das ist jetzt ein großer Schritt in der Bildungsreform! – Na wumm: Wir beschließen heute eine standardisierte Reifeprüfung, die in anderen europäischen Ländern längst schon zum Niveau gehört, und eine Aufhebung der Altersgrenzen für das Unterrichtspraktikum – das ist nicht die große Bildungsreform, das ist nicht der große Wurf! (Abg. Elmar Mayer: Eben darum! – Abg. Silhavy: ... nicht einmal das kann man brauchen!)
Frau Minister Schmied hat es richtig erkannt und gesagt: Den großen Wurf wird es nicht geben! – Dank ihres Koalitionspartner, füge ich hinzu! Aber gerade das werden wir dringend brauchen, denn die Realität ist eine andere.
Der SPÖ-Sprecher hat gesagt, dass heute ein Freudentag für die Bildungspolitik sei. Die Realität schaut jedoch so aus, dass wir nach wie vor überfüllte Klassen (neuerliche Zwischenrufe der Abg. Silhavy), frustrierte Lehrer, überforderte Kinder und Eltern haben, die mit den finanziellen Belastungen nicht mehr zu Rande kommen. Dies betrifft Nachhilfestunden oder Unterrichtsmaterialien wie Computer, die ebenfalls in anderen europäischen Staaten schon kostenlos zur Verfügung gestellt werden – und darüber hinaus haben wir eine Lehrergewerkschaft, die ihre ganze Kraft dafür aufwendet, den Status quo zu erhalten.
Wir haben wirklich große Hoffnungen in Sie gesetzt, Frau Bundesminister, und ich sage es hier noch einmal: Wir unterstützen Sie. Nehmen Sie einen Anlauf und ändern Sie das Dienstrechtsgesetz, denn das ist der Grund aller Blockaden in der Bildungspolitik! Eine Verwaltungsreform und ein Dienstrechtsgesetz! (Beifall beim BZÖ. – Zwischenruf der Abg. Silhavy.)
Zur Neuen Mittelschule, der gemeinsamen Schule: Wir haben Sie unterstützt, insbesondere auch in unserem Bundesland Kärnten, wie Sie wissen. Wir sind jetzt bereits in der zweiten Generation, aber wie sieht das aus? Das Projekt ist gestartet worden, ohne die Rahmenbedingungen zu schaffen und zu verändern. In diesen Schulen, die gut anlaufen, unterrichten zwei Arten von Lehrern – AHS- und Hauptschullehrer – gemeinsam, aber sie werden unterschiedlich honoriert, haben ein unterschiedliches Dienstrecht und eine unterschiedliche Ausbildung. (Ruf bei der ÖVP: Dass das möglich ist!) Da wurden einfach die Rahmenbedingungen nicht zustande gebracht.
Ich möchte Ihnen nur noch, nachdem die Zeit vorgeschritten ist, etwas mit auf den Weg geben: Orientieren wir uns ein bisschen an Finnland! Das finnische Modell besteht nicht nur aus einer autonomen Gesamtschule, sondern vor allem gibt es ein Schulmanagement, das sich stark an dem Bereich des New Public Management orientiert: Chef der Schule ist der Direktor, er verwaltet das Budget und ist nur der Kommune gegenüber verantwortlich. Der Direktor allein entscheidet über die Aufnahme der Lehrer und wirkt in einem Gremium – gemeinsam mit der Kommune und den Schulpartnern –, wo er eine gewisse Autonomie hat. (Präsident Neugebauer gibt das Glockenzeichen.)
Wenn ich mir die Doppelgleisigkeiten der Zuständigkeiten in Österreich ansehe, die nach wie vor bestehen – wo wir die unterschiedlichsten Verwaltungsebenen haben –, dann sage ich, dass es einfach einer Kraftanstrengung bedarf, dass wir diese Verwaltungsreform jetzt tatsächlich in Angriff nehmen – denn sonst können wir das Bildungssystem für weitere Jahre vergessen. Das ist ein Faktum! (Präsident Neugebauer gibt neuerlich das Glockenzeichen.)
Dabei, Frau Bundesminister, haben Sie unsere volle Unterstützung. Ich kann nur sagen: Werden Sie endlich in der Koalition eins, damit diese Reformmaßnahmen endlich auch tatsächlich umgesetzt werden können, und damit ...
12.18
Präsident Fritz Neugebauer: Herr Kollege, Sie überziehen bereits 30 Sekunden! Sie sind 30 Sekunden über der Zeit!
(Beifall beim BZÖ für den das Rednerpult verlassenden Abg. Dr. Strutz.)
Als Nächste gelangt Frau Abgeordnete Mag. Cortolezis-Schlager zu Wort. – Bitte.
12.18
Abgeordnete Mag. Katharina Cortolezis-Schlager (ÖVP): Herr Präsident! Werte Mitglieder der Regierung! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Seit heute weiß ich: BZÖ steht für „Ohne Bildung keine Zukunft Österreichs“.
Das, was wir heute bei der Geschäftsordnungsdebatte erlebt haben, nämlich dass Asyl gegen Bildung ausgespielt wird, hat Sie für jede Bildungsfrage disqualifiziert, denn die Bildung hat genauso ein Recht, hier in der Fernsehübertragungszeit gemeinsam diskutiert zu werden! (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten von SPÖ und Grünen. – Abg. Bucher: Das wäre am morgigen Tag dann ...! )
Meine Damen und Herren, Kollegin Rudas hat uns gesagt, sie hätte gerne, dass Österreich das Bildungsland Nummer eins ist. Ich habe die Kollegin Rudas vermisst (Ruf bei der ÖVP: Wir haben sie nicht vermisst!), als es darum ging, unsere Lehrlinge – die vor wenigen Wochen als Preisträger und erfolgreichste Teilnehmer vom weltweiten Lehrlingswettbewerb nach Österreich zurückgekommen sind – hier in Österreich gemeinsam am Flughafen zu empfangen.
Diese Lehrlinge hätten sich den Applaus dieses Hauses und der Bundesregierung verdient. Ich darf die Bundesregierung bitten, die Preisträger eines weltweiten, internationalen Lehrlingswettbewerbs noch auszuzeichnen, denn dies zeigt: Österreichs Bildungssystem hat viel, kann viel und wird auch in Zukunft viel bieten! (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der SPÖ.)
Meine Damen und Herren, wenn wir daher heute von der kompetenzorientierten Reifeprüfung reden, dürfen wir nicht vergessen, dass es um ein Gesamtkonzept geht und dass der Abschluss im Rahmen einer Reifeprüfung nicht ausgespielt werden darf gegen den Abschluss einer Lehre oder Lehre und Matura, sondern dass in allen Bereichen die Qualität entsprechend zu sichern ist.
Drei Stichwörter geben uns für die kompetenzorientierte Reifeprüfung einen politischen Anhalt. Kompetenzorientiert heißt für die ÖVP, dass die Schülerinnen und Schüler der Sir-Karl-Popper-Schule bei der Reifeprüfung genauso herausgefordert sein sollen wie die Schülerinnen und Schüler eines Oberstufenrealgymnasiums mit einem musisch-kreativen Schwerpunkt.
Teilzentral heißt für uns, dass die Schülerinnen und Schüler in ihrer Gesamtheit zeigen sollen, was sie können, dass aber bei Leistungen sichergestellt sein soll, dass auch alle sie erreichen. Daher ist uns der Ausbau der Schulautonomie wichtig und ist der Ausbau der Schulautonomie mit dem gesetzlichen Vorschlag in Einklang zu bringen. Es darf die Schulautonomie nicht behindert werden, sondern sie soll durch diese Reifeprüfung ermöglicht werden.
Der dritte Punkt aber, der uns wichtig ist, ist die Überprüfung der Hochschulreife. Wir beschließen heute nur den Rahmen, aber bei der Auswahl der Aufgabenstellungen ist sicherzustellen, dass die Hochschulen aktiv an den Aufgabenstellungen mitwirken und sagen: Ja, das sind die Aufgabenstellungen, die die Reifeprüfung und die Hochschulreife auch tatsächlich überprüfen!
Frau Bundesministerin, um dort hinzukommen, ist noch viel zu tun. Das BIFIE bekommt sehr viel Geld. Wir hätten uns gewünscht, dass es mehr Wettbewerb gibt, denn Österreich hat mehr Forschungseinrichtungen als nur das BIFIE! Aber sei’s drum, wir werden dem heute zustimmen. Wir werden jedoch sehr genau schauen, dass die Qualität des BIFIE in der Ausarbeitung auch tatsächlich eingehalten wird, denn unsere Schülerinnen und Schüler haben ein Recht darauf, in vier Jahren eine faire Reifeprüfung vorzufinden, die nach dem neuen Gesetz abläuft.
Frau Bundesministerin, Sie nehmen sehr gerne jene Teile des Koalitionsübereinkommens her, die Ihnen wichtig sind. Ich darf Sie aber daran erinnern, dass in einer Koalition für eine gute Zusammenarbeit auch unsere Themen aufzugreifen sind. (Zwischenrufe bei der SPÖ.) Dazu gehören die Evaluierung und die Neugestaltung der Schuleingangsphase. Bis heute ist diese Evaluierung nicht erfüllt. (Zwischenruf der Abg. Rudas.)
Dazu gehört, Frau Kollegin Rudas, die Evaluierung aller Schulversuche! Wir könnten von der Grundschule bis zur Sekundarstufe II schon viel, viel mehr Schulautonomie haben, wenn hier die Evaluierung entsprechend eingeleitet worden wäre. (Abg. Rudas: Wer hat denn ...?) Sie verweigern das! Sie verweigern diese Evaluierung, Sie geben sie nicht in Auftrag. (Beifall bei Abgeordneten der ÖVP.)
Wir wünschen uns mehr Autonomie, mehr Evaluierung der Schulversuche und eine rasche Umsetzung jener Schulversuche, die sich bewähren. Das verhindern Sie! Die Frau Bundesministerin wird vielleicht dazu noch Stellung nehmen (Präsident Neugebauer gibt das Glockenzeichen), aber ich hoffe, dass sie auch unsere Wünsche rasch erfüllt. – Wir befinden uns nicht im Bezirksparteilokal der SPÖ Ottakring! (Beifall bei der ÖVP.)
12.23
Präsident Fritz Neugebauer: Nächster Redner: Herr Abgeordneter Brosz. – Bitte.
12.24
Abgeordneter Dieter Brosz (Grüne): Herr Präsident! Das ist ein gutes Stichwort, Frau Kollegin Cortolezis: Wir befinden uns hier im Parlament und auch nicht in der Regierung, wo es letztlich um die Bildungspolitik in Österreich und nicht um die Streitigkeiten der Regierung geht. Aber wenn ich Sie daran erinnern darf, welche Teile der Regierungsübereinkommen umgesetzt worden sind, dann fällt mir zum Beispiel ein, dass, glaube ich, die letzten vier Regierungsübereinkommen immer den Passus enthalten haben, dass es ein neues Gehaltsschema für LehrerInnen geben soll, mit höheren Einstiegsgehältern, dass der Beruf der Lehrerinnen und Lehrer interessanter wird.
Wenn man es einmal rückblickend zusammenfasst: Die letzten Finanzminister waren entweder von der ÖVP, von der ÖVP oder von der ÖVP, und dieses Gehaltsschema gibt es noch immer nicht! Warum haben Sie also nicht die Dinge, die Sie selbst vereinbart haben und für die dann eigentlich Sie federführend waren, umgesetzt? – Nämlich genau deshalb, weil das auch eine sinnvolle Maßnahme gewesen wäre, um dem drohenden Lehrermangel zu begegnen. Die Geschichte, die Sie da vorhalten, können Sie also in der Koalition zum Thema machen, aber belästigen Sie nicht den Nationalrat mit Ihren Streitigkeiten! (Beifall bei den Grünen.)
Aber kommen wir zum Positiven des heutigen Tages: Eine teilzentrale Matura – eine teilstandardisierte Matura müsste man, glaube ich, präziser sagen – ist etwas, was die Grünen unterstützen. Ich glaube, dass wir zumindest, seit die PISA-Studien bekannt geworden sind, deutlich sehen mussten, dass es einen Handlungsbedarf gibt. Wenn nämlich herauskommt, dass die zweitbeste und die zweitschlechteste AHS in Österreich, gemessen an PISA, de facto den gleichen Notendurchschnitt in gewissen Gegenständen haben, obwohl sie einen Unterschied – wieder laut PISA gemessen – von bis zu eineinhalb oder zwei Lernjahren haben, dann muss man sehen, dass im System etwas nicht stimmt.
Es kann also nicht sein, dass ein Maturazeugnis nach völlig unterschiedlichen Kriterien vergeben wird. Insofern ist das ein sinnvoller Schritt, grundsätzlich ein sinnvoller Schritt. Ich glaube auch, dass es sinnvoll ist, wenn im mündlichen Bereich eine gewisse Objektivierung zustande kommt, indem Fragen gezogen werden. Ich glaube, dass alle auch die Dinge von Maturabeispielen kennen, wo anders Maturafragen vergeben worden sind und die Frage, welche SchülerInnen oder welche LehrerInnen dort mit unterschiedlichen Methoden gearbeitet haben, durchaus eine Veränderung erfordert hat. Daher ist die teilstandardisierte Matura unterstützenswert, vor allem auch deshalb, weil der mündliche Bereich doch insofern ausgenommen ist, als in den Schulen stärker Schwerpunkte gesetzt werden können. Deshalb werden wir diesem Bereich zustimmen. (Beifall bei den Grünen.)
Kommen wir zu einer zweiten Debatte, die wir in den letzten Tagen intensiv geführt haben, zur Frage der Ganztagsschulen. Es ist ja eine Situation, die bemerkenswert ist – und das soll man auch positiv erwähnen –, wenn eine Partei die Position ändert und sagt: Okay, wir erkennen an, dass es hier einen Veränderungsbedarf gibt! – Das betrifft jetzt die ÖVP.
Was ich nicht ganz verstehe, ist, warum man dann diese strikte Trennung zwischen Nachmittagsbetreuung und Ganztagsschulen eigentlich wieder als ideologisches Kriterium mit sich zieht. Jetzt wissen wir doch alle – und diese Diskussionen sind ja, glaube ich, auch übereinstimmend geführt worden –, dass diese Form von Unterricht in Österreich – um 7.40 Uhr läutet es das erste Mal, um 8.30 Uhr ist die Stunde aus, 5 Minuten ist Pause, dann beginnt die nächste Stunde, wir machen das bis zur Mittagspause und unterrichten in 50-Minuten-Blöcken durchgehend ohne vernünftige Pausen – nach jeder Form der pädagogischen Wissenschaft und der Hirnforschung extrem viel an Po-
tenzial und Ressourcen vernichtet und dass man mit einem sinnvollen Tagesablauf – übrigens wäre es auch fürs Parlament eine sinnvolle Idee, zu fragen, ob man wirklich bis ein Uhr in der Früh durchsitzen kann und vernünftige Debatten führt –, mit der gleichen Lernzeit und Lehrzeit, wahrscheinlich wesentlich bessere Ergebnisse bekommen kann.
Gerade nach der Definition der ÖVP müssten wir jetzt also fragen, ob das effizient ist und ob die Ressourcen sinnvoll eingesetzt werden, wenn man weiß, dass es in der sechsten Stunde sowohl für den Lehrer als auch für die Lehrerin eher ein uninteressantes oder nicht besonders motivierendes Verhältnis ist, und für die SchülerInnen schon gar nicht. Warum sollen die Tagesabläufe nicht auch anders gestaltet werden können?
Jetzt sage ich von mir aus: Dann machen wir einen ersten Schritt und sagen wir zumindest, diejenigen, die wollen, bekommen einen Rechtsanspruch auf eine Ganztagsschule in verschränkter Form! Das wäre zumindest ein erster Schritt. Wenn Sie dann sehen, dass es einen hohen Bedarf gibt, wird es ohnehin nicht anders gehen. Aber warum sollen da die ideologischen Kriterien weiter aufrechterhalten werden? – Machen wir eine Schule, die den Wünschen und den Bedürfnissen der SchülerInnen und auch der PädagogInnen entgegenkommt!
Da hier das Licht zu blinken beginnt, abschließend noch Folgendes: Was in der Bildungspolitik momentan passiert, hat gute Ansätze, ist aber leider oft ziemlich unausgegoren. Ein Kritikpunkt an dieser zentralen Matura ist, dass LehrerInnen jetzt kommen und sagen: Wir unterrichten in der Oberstufe, wir wissen, die Kinder, die jetzt schon in der Oberstufe sind, maturieren in vier Jahren, und wir wissen noch nicht, wie die Matura ausschaut. Warum muss es immer so sein, dass etwas nicht sinnvoll geplant und durchgeführt werden kann?
Das beste Beispiel sind im Moment die Kindergärten. Wunderbare Idee: Verpflichtender Kindergarten hatte ja etwas mit Bildung zu tun, soweit ich das in Erinnerung habe, nämlich mit der Idee, möglichst gleiche Chancen oder „gleichere“ Chancen für alle zu gewährleisten. Aber wie ist jetzt die Situation? – Wir haben die Situation, dass wir zu wenig KindergärtnerInnen haben, dass die Gruppen überfüllt sind und dass es einfach sehr rasch umgesetzt worden ist, ohne genügend vorbereitet worden zu sein.
Von dem her, Frau Bundesministerin: Achten Sie bei allen guten Ideen trotzdem auf die Vorbereitung und schauen Sie, dass die Dinge auch funktionieren, wenn sie in Kraft treten! (Beifall bei den Grünen.)
12.29
Präsident Fritz Neugebauer: Nun erteile ich Herrn Staatssekretär Dr. Lopatka das Wort. – Bitte.
12.29
Staatssekretär im Bundesministerium für Finanzen Dr. Reinhold Lopatka: Herr Präsident! Sehr geehrte Frauen Bundesministerinnen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Diese heute auf der Tagesordnung stehenden drei Tagesordnungspunkte bringen im Bildungsbereich Fortschritte mit sich, und natürlich haben diese drei Punkte auch unsere Unterstützung. Ich möchte aber diese Gelegenheit heute auch wahrnehmen, um einige grundsätzliche Anmerkungen zu machen.
Vergangene Woche hat Finanzminister Pröll eine grundsätzliche Rede gehalten und darin auch zur Bildungspolitik sehr klar Stellung genommen. Er hat gesagt: „In unseren Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen liegt eine unglaubliche Kraft für die Zukunft. Richtig gefördert und vor allem gefordert, sind sie der Garant für zukünftige Innovation, Wachstum und Wohlstand in unserem Land. Dafür brauchen wir eine substanzielle Weiterentwicklung unseres gesamten Bildungssystems, aber keine Serie von Einzelmaßnahmen. Wir müssen klar definieren und umreißen, wohin wir wollen. Dann
werden auch alle an einem Strang ziehen: Schüler, Eltern – und Lehrer. Dieses Ziel kann, wenn alle an einem Tisch sitzen, in wenigen Monaten formuliert werden.“ – Soweit der Vizekanzler und Finanzminister.
Was er hier beschrieben hat, ist das, was auch unsere Position ist. Uns geht es generell um eine substanzielle Weiterentwicklung unseres gesamten Bildungssystems und nicht um eine Serie von Einzelmaßnahmen. Wir sagen, wir müssen zuerst klar definieren und umreißen, wohin wir wollen, und die Betroffenen in die Diskussion mit einbeziehen, denn Bildung ist der maßgebliche Faktor für die Gesamtentwicklung Österreichs und unserer Gesellschaft. Wir sehen in der Schule einen Bereich, der zunehmend an Bedeutung gewinnt, aber Schule ist für uns immer nur familienergänzend und soll nie familienersetzend sein. Das ist unser Ansatz. (Beifall bei der ÖVP.)
Wir wissen, dass jetzt die Schule stärker gefordert ist als vor zehn oder zwanzig Jahren, was diese Unterstützung betrifft. Wir wissen natürlich, dass sich Arbeitsabläufe geändert haben und dass mittlerweile fast zwei Drittel der Frauen erwerbstätig sind, dass vermehrt auch die Großelterngeneration noch selbst berufstätig ist und daher natürlich diese Frage eine ganz virulente ist: Was schaffen wir an ganztägigen Angeboten dort, wo sie gebraucht werden, aber mit der Betonung der Wahlfreiheit? – Wir sind für diese flächendeckende, bedarfsorientierte und auch pädagogisch hochwertige Nachmittagsbetreuung, selbstverständlich! Nur so ist eine Vereinbarkeit von Beruf und Familie tatsächlich möglich. (Beifall bei der ÖVP.)
Ein ganz entscheidender Punkt wird sein, dass die Abläufe so gestaltet werden, dass es den Kindern tatsächlich möglich ist, neben dem, was das schulische Angebot ist, am Nachmittag auch ihren Interessen entsprechend im musischen Bereich oder im sportlichen Bereich das in Anspruch zu nehmen, was sie wollen. Was uns vorschwebt, ist, möglichst rasch zu gemeinsamen Modellen zu kommen, um dann auch die Mittel, die dafür notwendig sind, einzusetzen. Wollen wir das umsetzen, was wir im Regierungsprogramm festgeschrieben haben? – Wobei es ohnehin keinen großen Auffassungsunterschied zwischen uns gibt.
Natürlich ist auch die Infrastruktur, die dafür notwendig ist, zur Verfügung zu stellen, gar keine Frage! Das ist es auch, was wir in der Bundesregierung gemeinsam erreichen wollen. Aber „gemeinsam“ ist auch ein Schlüsselwort: Es muss uns gelingen – und das ist sicherlich kein einfaches Unterfangen –, auch die Standesvertreter mit ins Boot zu nehmen und als Partner zu gewinnen, denn sie werden es sein (Abg. Weinzinger – in Richtung Präsidium –: Da sitzt er!), die dann mit ihren Kolleginnen und Kollegen das umzusetzen haben, was wir seitens der Politik vorgeben. Je stärker sie sich damit identifizieren können, desto besser wird uns die Umsetzung gelingen!
Was wir uns wünschen, ist ein Veränderungswille von allen Seiten her. Ein neues, gemeinsames Lehrerdienstrecht nimmt zweifelsohne eine Schlüsselfunktion in diesem Gesamtkonzept ein. Diesem neuen, gemeinsamen Lehrerdienstrecht kommt auch deswegen eine solche Bedeutung zu, weil wir in den nächsten Jahren, in absehbarer Zeit, Tausende Neuanstellungen haben werden, und für diese Tausenden Neuanstellungen brauchen wir dieses neue Dienstrecht, das auf die gesellschaftlichen Entwicklungen, die wir haben, und auch auf die zusätzlichen und notwendigen nachmittäglichen Betreuungsformen Rücksicht nimmt.
Wir wollen niemanden verunsichern. Wir wollen die 120 000 Lehrerinnen und Lehrer, deren Arbeit in den letzten Jahren sicherlich nicht leichter geworden ist, entsprechend unterstützen. Daher sagen wir ganz klar: Ja zu Reformen, unter Einbindung der Schulpartner! Das ist es, was wir schaffen müssen, diese Einbindung der Schulpartner, um zu einer Gesamtreform zu kommen. Dafür stehen wir zur Verfügung, so sehen wir unsere Unterstützung für die zuständige Ministerin. (Beifall bei der ÖVP.)
12.35
Präsident Fritz Neugebauer: Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Mag. Unterreiner. – Bitte.
12.35
Abgeordnete Mag. Heidemarie Unterreiner (FPÖ): Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Frau Ministerinnen! Sehr geehrter Herr Staatssekretär! Sehr geehrte Damen und Herren hier im Haus und zu Hause vor den Fernsehapparaten! Ich würde meinen, dass Wissen und die Bildung das wichtigste Gut ist, durch das sich unser Land in Zukunft wird behaupten können. Ich glaube, das können wir alle unterstreichen, da sind wir uns alle einig. Darauf hin müssen wir alle Reformgedanken im Bildungsbereich konzentrieren.
Es gibt heute bei den drei Novellen eine Sache, der wir uneingeschränkt zustimmen können. Das ist diese Reform, die es beenden wird – nein, lassen Sie mich noch einmal von vorne anfangen: Es gibt ein Gesetz, das ein Höchstalter von 45 Jahren für die Zulassung zum Unterrichtspraktikum vorsieht, und das soll heute geändert werden. Das finden wir eine gute, eine ausgezeichnete Sache.
Es gibt mehrere Gründe dafür. Erstens wurde aufgrund der Pensionsreform das Pensionsantrittsalter auf 65 Jahre angehoben, und dadurch stehen jetzt Lehrer dem Schuldienst noch länger und ausreichend zur Verfügung. Zweitens haben nun auch ältere, bi