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Stichworte: Parlament/Podiumsdiskussion/Gesundheit/Krise
Parlament allgemein/Gesundheit/Wirtschaft
Parlamentskorrespondenz/06/12.11.2009/Nr. 971

Gesundheit in Zeiten der Wirtschaftskrise

Podiumsdiskussion im Parlament über "Krankmacher" Krise


Wien (PK) – Macht die Krise krank?, fragten sich heute Expertinnen und Experten aus dem Gesundheitsbereich im Rahmen eines Podiumsgesprächs im Parlament. Die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise habe einerseits Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung und betreffe andererseits aber auch die Finanzierung der Gesundheits- und Sozialsysteme, lauteten die grundsätzlichen Feststellungen, von denen die Diskussion ihren Ausgang nahm. Darüber hinaus setzte sich die Veranstaltung mit der Frage auseinander, inwieweit die Krise als Chance für Reformen im Gesundheitswesen gesehen werden kann.


Nationalratspräsidentin Barbara Prammer zeigte sich überzeugt, dass die Krise krank macht, und meinte, manches würde man aber nicht sofort mit der Krise assoziieren. So seien die psychischen Auswirkungen nicht zu unterschätzen. Die sinkenden Krankenstandszahlen wiederum legten für Prammer den Schluss nahe, dass in wirtschaftlich unsicheren Zeiten immer mehr Beschäftigte Angst vor Repressionen haben. In Summe sah die Präsidentin in der Krise auch den Auftrag, alle Anstrengungen zu unternehmen, die öffentliche Gesundheitsversorgung in ihrer bewährten Weise aufrecht zu halten.


Wirtschaftsforscherin Maria Hofmarcher von der Gesundheit Österreich Gmbh erklärte, dass der Anteil des Gesundheitssektors an den internationalen Konjunkturprogrammen eher gering sei. Österreich liege hier mit einem Anteil von rund elf Prozent allerdings etwas über dem Durchschnitt. Hofmarcher forderte, dass jetzt die Anstrengungen zu Strukturveränderungen intensiviert werden. In Österreich sei etwa der Umstand bedenklich, dass zwar der Anteil der im Gesundheitswesen beschäftigten Menschen deutlich unter dem internationalen Durchschnitt liege, der Anteil der Gesundheitsausgaben am BIP aber deutlich darüber.


Bundesminister Stöger sieht an der „Schnittstelle zwischen Gesundheits- und Sozialsystemen“ bedeutende Schwachpunkte. „Dem Patienten ist es herzlich egal, ob eine Therapie oder eine sonstige Leistung nun aus dem Gesundheitsbudget oder einem Sozialtopf finanziert wird. Hier an effizienteren Lösungen zu arbeiten und Lücken zu schließen, ist in Krisenzeiten mit steigenden sozialen Problemen natürlich noch wichtiger“, sagte Stöger.


Innerhalb des Gesundheitssystems sieht Stöger weiterhin große Verbesserungspotenziale, etwa indem die Qualität der verschiedenen Leistungserbringer, also etwa Spitäler, für den Patienten transparenter gemacht werde. Er hoffe auch, dass in den künftigen Verhandlungen zwischen Bund und Ländern generell die Patientenorientierung vor Gruppen- oder Regionalinteressen stehen werde.


In die gleiche Kerbe schlug auch der Präsident des European Health Forum Gastein, Günther Leiner: „Sparen muss nicht auf Kosten der Patienten gehen: Jeder einzelne im Gesundheitswesen Tätige kennt unzählige Beispiele von Unsinnigkeiten und Ineffizienzen, die problemlos zu beseitigen wären, wenn man sich am Patientenwohl und nicht an Macht- oder Wirtschaftsinteressen orientierte. Es gibt etwa genügend wissenschaftliche Untersuchungen, die klar belegen, dass kleine Spitäler mit geringen Fallzahlen für bestimmte Therapien oder Operationen weitaus schlechtere Ergebnisse bringen als spezialisierte Abteilungen mit größeren Fallzahlen. Wenn wir in Österreich diese Erkenntnisse endlich berücksichtigen und nicht jede kleine Station in jedem Spital aufrechterhalten, können wir gleichzeitig enorme Einsparungen erzielen und die Qualität des Angebots für die Patienten verbessern“, konstatierte Leiner.


HINWEIS: Fotos von dieser Veranstaltung finden Sie – etwas zeitverzögert – auf der Website des Parlaments im Fotoalbum: www.parlament.gv.at (Schluss)