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Epstein-Vorlesungen
Diese Veranstaltungsreihe hat das Ziel, diverse Aspekte aus der Geschichte des Palais Epstein und des österreichischen Judentums in einer ausgewogenen Mischung von wissenschaftlichen Vorträgen, Podiumsdiskussionen und ZeitzeugInnenberichten zu beleuchten. Die nächste Veranstaltung in der Reihe Epstein-Vorlesung findet zum Thema "Jüdische Friedhöfe - Formen des Gedenkens" am Mittwoch, dem 21. März 2012, um 17.00 Uhr im Palais Epstein statt.
Epstein-Vorlesung am 21. März 2012
Podiumsdiskussion:
"Jüdische Friedhöfe in Österreich"
"Haus der Ewigkeit" – Beth Olam – ist einer der im Hebräischen gebräuchlichen Begriffe für einen jüdischen Friedhof. Der jüdische Friedhof ist ein Gedächtnisort, an dem die Erinnerung an die Toten bewahrt bleibt. Die Wahrung der Integrität der Grabstätten ist dem jüdischen Glauben immanent, und umso mehr treffen ihn Friedhofsschändungen, wie sie der Nationalsozialismus betrieben hat. Dennoch bestehen auch heute noch viele jüdische Friedhöfe in Österreich als steinerne Zeugen jüdischer Vergangenheit, oft als die letzten Zeugen einstigen jüdischen Gemeindelebens. Im Dezember 2010 wurde der Fonds zur Instandsetzung der jüdischen Friedhöfe in Österreich eingerichtet, um die völkerrechtliche Verpflichtung Österreichs zur Restaurierung und Erhaltung jüdischer Friedhöfe in Österreich, die im „Washingtoner Abkommen“ vereinbart worden war, umzusetzen. Die Erhaltung und Pflege der jüdischen Friedhöfe ist Österreich ein besonderes Anliegen – es aus den Perspektiven der jüdischen Gemeinden, der öffentlichen Hand, privater Initiativen und der Wissenschaft zu erörtern, hat sich die Podiumsdiskussion im Rahmen der „Epstein-Vorlesungen“ zum Ziel gesetzt.
Am Podium waren anwesend:
- Prof. Dr. Paul Chaim Eisenberg: Oberrabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde Wien
- Ida Olga Höfler: Präsidentin des Vereins "Helikon"
- Dr. Ariel Muzicant: Ehrenpräsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien
- Dr.in Barbara Neubauer: Präsidentin des Bundesdenkmalamtes
- Mag.a Tina Walzer: Historikerin
Die Diskussion wurde moderiert von:
- Dr. Günther Schefbeck: Leiter der Abteilung Parlamentarische Dokumentation, Archiv und Statistik der Parlamentsdirektion
Weiterführende Informationen:
Epstein-Vorlesung am 21. Juni 2011
Vortrag (in englischer Sprache) von Frau Prof.in Alison Rose:
"Jewish Women of Fin de Siècle Vienna: Modernity, Philanthropie, Gender"
The lecture explored the roles of Jewish women in Fin de Siècle Vienna. Jewish women actively participated in Viennese culture and society by hosting salons, supporting the arts, engaging in philanthropy, and pursuing a host of other activities. Diverse and innovative in their approaches, they contributed to the development of cultural modernity and to the combating of gender stereotypes and limitations.
Alison Rose received her Ph.D. in Jewish History from the Hebrew University of Jerusalem in 1998. She has an M.A. in History from the University of Washington in Seattle and a B.A. in History from Reed College in Portland, Oregon. Her research focuses on the images and participation of Viennese Jewish women in turn of the century Viennese culture. She has published several articles in this area and a book on Jewish women in Fin de Siècle Vienna. She enjoys teaching modern European history courses at University of Rhode Island, including Western Civilization since 1789, the History of the Holocaust, as well as the capstone in European history.
Weiterführende Informationen:
Epstein-Vorlesung am 12. Oktober 2010
Podiumsdiskussion:
"Museum und lebendiges Denkmal. Aufgaben und Möglichkeiten jüdischer Museen."
Das "Museum" – ein traditionell den Musen sowie der Sammlung und Ausstellung künstlerisch oder wissenschaftlich bedeutsamer Objekte gewidmeter Ort. Das "Jüdische Museum" – eine Sammlung jüdischer Artefakte, oder mehr? Wertvoll genug erscheint es als ein Ort, an dem Zeugnisse der jüdischen Geschichte bewahrt werden, Gegenstände des Kultus, Kunstwerke, Werkzeuge des Alltagslebens ebenso wie Symbole der großen Lebenswendepunkte, Dokumente jahrhundertealter Tradition jüdischen Lebens und Überlebens in der Diaspora und Zeugnisse der Schoa. Unverzichtbar erscheint es als ein Ort, an welchem in der Konfrontation mit diesen Zeugnissen gleichermaßen Wissen vermittelt wie Dialog initiiert werden kann. Aber ist nicht darüber hinaus das Jüdische Museum an sich ein Denkmal? Ein, um Leon Zelmans Wort über das Palais Epstein auf das Konzept des Jüdischen Museums zu übertragen, "lebendiges Denkmal"?
Am Podium waren anwesend:
- Mag.a Daniela F. Eisenstein: Direktorin des Jüdischen Museums Franken, Vorstandsmitglied Association of European Jewish Museums (AEJM)
- Dr. Hanno Loewy: Direktor des Jüdischen Museums Hohenems
- Mag. Johannes Reiss: Direktor des Jüdischen Museums Eisenstadt
- Dr.in Danielle Spera: Direktorin des Jüdischen Museums Wien
Die Diskussion wurde moderiert von:
- Dr. Günther Schefbeck: Leiter der Abteilung Parlamentarische Dokumentation, Archiv und Statistik der Parlamentsdirektion
Weiterführende Informationen:
Epstein-Vorlesung am 8. Juni 2010
Vortrag von Prof. Peter Pulzer zum Thema:
"Die Entwicklungen des Antisemitismus im Europa des 19. Jahrhunderts"
Vorurteile und Abneigungen gegen Juden und Jüdinnen gab es schon in der antiken Welt, im Mittelalter, zur Zeit der Reformation und in der frühen Neuzeit. Von jenen Formen ist der Antisemitismus des 19. und 20. Jahrhunderts jedoch zu unterscheiden. Sein Ursprung lag in der rechtlichen Gleichstellung der Juden und Jüdinnen, die sich ab 1791, dem französischen Beispiel folgend, in Europa vollzog. Man begegnete dem Judenhass nicht mehr als Emotion, die episodisch zu Gewaltausbrüchen führte, sondern als Rechtfertigung für politische Aktionen, deren Ziel es war, die Gleichstellung abzuwehren oder rückgängig zu machen.
In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg gab es aber nicht nur diesen antimodernen Antisemitismus, sondern zunehmend einen, der sich auf die modernen Ideen von "Nation" und "Rasse" stützte und Juden und Jüdinnen als eine vermeintlich minderwertige und nicht anpassungsfähige Volksgruppe abwies. Die Kombination dieser beiden Arten sollte sich im 20. Jahrhundert als fatal erweisen.
Prof. Dr. Peter Pulzer, 1929 in Wien geboren, studierte Geschichte und promovierte 1960 an der Universität Cambridge. Von 1957 bis 1996 lehrte er an der Universität Oxford, ab 1985 war er Gladstone Professor of Government and Public Administration am All Souls College. Von 1992 bis 1997 war er Mitglied des Kuratoriums Stiftung Historisches Kolleg, München und von 1996 bis 1999 wirkte er als Professorial Fellow am Institute for German Studies der Universität Birmingham. Heute ist er Emeritus Fellow am All Souls College in Oxford. Seit seinem frühen Hauptwerk "The Rise of Political Anti-Semitism in Germany and Austria" (1964) hat er sich in seinen Forschungen vornehmlich mit deutscher und österreichischer Geschichte befasst, insbesondere mit der politischen Situation der jüdischen Minderheit.
Weiterführende Informationen:
Epstein-Vorlesung am 10. November 2009
Projektpräsentation und Podiumsdiskussion zum Thema:
"Parlamentarismus, Judentum, Antisemitismus: Jüdische Abgeordnete im österreichischen Parlament 1861 – 1938"
Die Entwicklung des österreichischen Parlamentarismus und die politische Geschichte des österreichischen Judentums weisen zahlreiche Überschneidungen und Verknüpfungen auf. Das Abgeordnetenhaus des Reichsrats und später der Nationalrat waren nicht nur Wirkungsstätten zahlreicher jüdischer PolitikerInnen, sie stellten auch zentrale Räume für Artikulation und Verbreitung verschiedener Formen von Antisemitismus dar.
Diese Zusammenhänge wurden im Rahmen des Forschungsprojekts "Jüdische Abgeordnete im österreichischen Parlament 1861 bis 1938" anhand von Biographien jüdischer ParlamentarierInnen bearbeitet.
Die Ergebnisse des Projekts, das in Kooperation mit dem Parlament am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien durchgeführt wurde, konnten nun im Rahmen der Epstein-Vorlesungen vorgestellt werden. Sie dienten als Ausgangspunkt für eine Diskussion mit ExpertInnen aus Geschichts- und Sozialwissenschaften zu Forschungsperspektiven sowie Konsequenzen für aktuelle Entwicklungen.
Am Podium waren anwesend:
- Ao. Univ.-Prof. Dr. Albert Lichtblau: stv. Leiter des Zentrums für jüdische Kulturgeschichte der Universität Salzburg
- Mag. Gerhard Milchram: Kurator des Jüdischen Museum Wien
- Dr. Günther Schefbeck: Leiter des Parlamentsarchivs
- Mag.a Saskia Stachowitsch: Projektmitarbeiterin, Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien
Die Diskussion wurde moderiert von:
- Univ.-Prof.in Dr.in Eva Kreisky: Projektleiterin, Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien
Weiterführende Informationen:
Epstein-Vorlesung am 3. Dezember 2008
Vortrag (in englischer Sprache) von Prof. Dr. Robert Wistrich zum Thema:
"Stefan Zweig, Viennese Jewry and the Golden Age of Security – a reassessment"
Stefan Zweig beschreibt in der "Welt von Gestern" die kulturelle Wirkmächtigkeit des Wiener Judentums in der Zeit, in der die Wiener Ringstraße und das Palais Epstein entstanden sind. Er beschreibt darin diese Zeit als ein "Goldenes Zeitalter der Sicherheit", einer Sicherheit, die auch der jüdischen Bevölkerung Wiens zu Gute gekommen sei und ihr jene Handlungsfreiheit gegeben habe, durch welche ihr dieses kulturelle Engagement möglich geworden sei. Wenige Bücher haben unsere Vorstellung von Wien und der Habsburgermonarchie vor dem Ersten Weltkrieg so sehr beeinflusst wie Zweigs "Welt von Gestern".
Prof. Dr. Robert Wistrich, Leiter des Vidal Sassoon International Center for the Study of Antisemitism an der Hebräischen Universität Jerusalem, untersuchte kritisch in seinem Vortrag die Fallstricke der Nostalgie in diesem berühmten Portrait einer Zeit und widmete dabei der Position der Juden in der österreichischen Gesellschaft besonderes Augenmerk.
Weiterführende Informationen:
Epstein-Vorlesung am 12. Juni 2008
Vortrag von Dr.in Brigitte Hamann zum Thema:
"Erinnerungen an Leon Zelman"
Aus Anlass des 80. Geburtstages des am 11. Juli 2007 verstorbenen Gründers und langjährigen Leiters des Jewish Welcome Service Vienna, Prof. Dr. Leon Zelman, der auch die "Epstein-Vorlesungen" angeregt und selbst die erste Vorlesung gehalten hatte, wurde die Vorlesungsreihe im Jahre 2008 mit einem Vortrag neu aufgenommen, der der Erinnerung an Leon Zelman gewidmet war. Die Historikerin Dr.in Brigitte Hamann, Mitstreiterin Leon Zelmans in seinem Kampf um die Erhaltung des Palais Epstein als ein "lebendiges Denkmal", wie er es genannt hatte, erinnerte im Rahmen dieser Veranstaltung an ihn und sein Engagement für Wahrhaftigkeit und Versöhnung.
Weiterführende Informationen:
Epstein-Vorlesung am 18. Oktober 2006
Vortrag von Prof. Dr. Emil von Schultheisz zum Thema:
"Die Familie Epstein und ihr Fortleben"
Der Urenkel Gustav Ritter von Epsteins, des Stifters des Palais, lebt in Budapest, wohin der Weg der Familie Epstein geführt hat: Prof. Dr. Emil von Schultheisz, Arzt, Medizinhistoriker und ehemaliger ungarischer Gesundheitsminister, hält die Erinnerung an seinen Urgroßvater lebendig. In seinem Vortrag erzählte er von der wechselvollen Geschichte seiner Familie.
Epstein-Vorlesung am 3. Oktober 2006
Vortrag von Prof. Leon Zelman zum Thema:
"Das Palais Epstein – ein lebendiges Denkmal"
Als Wohn- und Geschäftshaus der Familie Epstein nach Plänen des Architekten Theophil Hansen in den Jahren 1868 bis 1872 errichtet, steht das Palais Epstein zeichenhaft für die wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung des jüdischen Großbürgertums im 19. Jahrhundert. Mit der Renovierung des Palais ist daher auch ein Zeichen dafür gesetzt worden, dass sich die Republik Österreich der Bedeutung ihres jüdischen Erbes bewusst ist. Mit dem Besuch der damals im Palais gezeigten Ausstellung sowie im Rahmen von regelmäßig stattfindenden Führungen kann die Öffentlichkeit einen lebendigen Zugang zu diesem Erbe gewinnen.
Den Eröffnungsvortrag hielt Prof. Leon Zelman, ehem. Direktor des Jewish Welcome Service Vienna, der in besonderem Maße dafür verantwortlich zeichnete, dass die historische Bedeutung des Palais ins öffentliche Bewusstsein gerückt wurde. Intention seines Vortrags war, den Rahmen für die Vorlesungsreihe abzustecken und sie zu verorten.
