LETZTES UPDATE: 17.07.2017; 14:09

Das Denkmal der Republik steht zwischen Ring, Parlament und Palais Epstein. Es wurde am 12. November 1928, dem zehnten Jahrestag der Ausrufung der Republik, enthüllt.

Drei schiefergraue Büsten erinnern an drei sozialdemokratische Politiker, die sich um die Erste Republik verdient gemacht haben: Victor Adler, Gründervater der Sozialdemokratie, Ferdinand Hanusch, Begründer des modernen Sozialstaats, und Jakob Reumann, Wiens erster "roter" Bürgermeister.

Die Büsten stammen von Anton Hanak (Adler), Mario Petrucci (Hanusch) und Franz Seifert (Reumann).

Victor Adler, Gründervater der Sozialdemokratie

In der Mitte sieht man den Gründervater der österreichischen Sozialdemokratie: Victor Adler. Er einte die Sozialdemokraten Östereichs und leistete wesentliche Vorarbeiten für die Gründung der Ersten Republik.

Ferdinand Hanusch, Begründer des modernen Sozialstaats

Die rechte Büste zeigt den Sozialpolitiker Ferdinand Hanusch. Als Staatssekretär für Soziales war er 1918 bis 1920 maßgeblich an der Ausarbeitung jener Gesetze beteiligt, die noch heute die Grundlagen des modernen Sozialstaates bilden. Diese Reformen (u. a. Achtstundentag, Urlaubsregelung, Sonn- und Feiertagsruhe, Arbeitslosenversicherungsgesetz, Einrichtung von Betriebsräten, Kollektivvertragsgesetz) waren das bedeutendste soziale Maßnahmenbündel in der Geschichte Österreichs.

Jakob Reumann, Wiens erster "roter" Bürgermeister

Links ist Jakob Reumann zu sehen. Er war Wiens erster sozialdemokratischer Bürgermeister (1919 - 1923) und erwirkte während seiner Amtszeit die Aufwertung Wiens zum eigenen Bundesland. Der ehemalige Reichsratsabgeordnete wurde im Dezember 1920 Mitglied des Bundesrates und auch dessen erster Vorsitzender.

Adler stirbt einen Tag vor Ausrufung der Republik

In den Jahren nach 1928 wurde das Denkmal zu einem wichtigen Ort für die Sozialdemokratie: Alljährlich traf man sich hier zu einer eigenen Feierstunde im Gedenken an die Ausrufung der Ersten Republik am 12. November 1918 und an Victor Adler, der dieses Ereignis nicht mehr erleben durfte: Er war genau einen Tag davor, am 11. November, gestorben.

Verhaftungen, Ab- und Wiederaufbau

1932 kam es erstmals bei Feierlichkeiten am Denkmal zu Auseinandersetzungen zwischen Sozialdemokraten und der Staatsgewalt. Im Jahr darauf verhaftete die Polizei etliche Jungsozialdemokraten, die sich trotz Verbots dort versammelt hatten, um der Ausrufung der Republik zu gedenken.

Nur Monate später wurde das Denkmal im Zuge der Errichtung der Dollfuß-Diktatur verdeckt und wenig später abgetragen. Die Einzelteile kamen ins Depot.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Denkmal wieder aufgestellt. Die SP-Parlamentsfraktion ehrt das Denkmal und die Dargestellten alljährlich im November mit einer Kranzniederlegung.