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Gedenktafel: Zwölf Parlamentarier wurden Opfer des NS-Terrors

Am oberen Ende der Parlamentsrampe, rechts vom Eingang in das Parlamentsgebäude, befindet sich eine Gedenktafel für jene österreichischen Parlamentarier, die zwischen 1938 und 1945 vom nationalsozialistischen Terrorregime ermordet wurden.

Es waren dies zwölf Mandatare, die vier verschiedenen Parteien zuzurechnen waren:

die Sozialdemokraten Robert Danneberg, Anton Falle, Oskar Janicki, Felix Kanitz, Karl Klimberger, Karl Knapp, Paul Schlesinger und Viktor Stein,

die Christlichsozialen Richard Steidle und Hans Sylvester,

der Großdeutsche Hans Prodinger

sowie der Jüdisch-Nationale Robert Stricker.

Robert Danneberg

Der Sozialdemokrat Robert Danneberg, wohl prominentestes NS-Opfer unter den österreichischen Parlamentariern, war Mitglied der Konstituierenden Nationalversammlung und von 1920 bis 1934 Abgeordneter zum Nationalrat. Er spielte eine herausragende Rolle im Verfassungsausschuss und zählte zu den führenden Repräsentanten seiner Fraktion.

Im Februar 1934 wurde er erstmals verhaftet und musste bis 1935 im Gefängnis bleiben. Im März 1938 wurde er neuerlich verhaftet – diesmal von den Nationalsozialisten. Mit dem sogenannten "Prominenten-Transport" wurde er in das Konzentrationslager (KZ) Dachau gebracht. Später war er im KZ Buchenwald und ab 1942 im KZ Auschwitz inhaftiert, wo er mutmaßlich noch im selben Jahr starb.

Anton Falle

Anton Falle war von 1921 bis 1934 Nationalratsabgeordneter. 1934 wurde er wie viele führende Sozialdemokraten verhaftet und ein Jahr später wegen seiner politischen Gesinnung zu einem Jahr schweren Kerkers verurteilt. 1944 wurde er von den Nationalsozialisten verhaftet und ins KZ Dachau verschleppt, wo er am 15. Jänner 1945 starb.

Oskar Janicki

Oskar Janicki war von 1927 bis 1933 sozialdemokratischer Nationalratsabgeordneter. 1934 wurde er verhaftet und blieb längere Zeit im Gefängnis. 1944 fiel er in die Hände der Nationalsozialisten, die im Gefolge des fehlgeschlagenen Stauffenberg-Attentats alle potenziellen Oppositionellen verhafteten. Janicki starb am 8. Februar 1945 im KZ Dachau.

Felix Kanitz

Felix Kanitz war von 1932 bis 1934 Bundesrat. Er zählte zu den Spitzenfunktionären der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ) und war ein wichtiger Ratgeber für junge Sozialisten: allen voran Bruno Kreisky, der Kanitz in seinen Memoiren ein ehrendes Andenken bewahrte. Auch Kanitz wurde 1934 verhaftet. Im März 1938 nahmen ihn die Nationalsozialisten gefangen und brachten ihn ins KZ Buchenwald, wo er am 29. März 1940 mit 46 Jahren starb.

Karl Klimberger

Karl Klimberger war von 1927 bis 1932 sozialdemokratischer Abgeordneter zum Nationalrat. Die Nationalsozialisten stuften ihn als Jude ein, am 25. Juni 1943 verhaftete ihn die Geheime Staatspolizei (Gestapo). Im Oktober wurde Klimberger ins KZ Auschwitz gebracht, wo sich seine Spur verliert. 1962 wurde er für tot erklärt.

Karl Knapp

Der Sozialdemokrat Karl Knapp gehörte von 1933 bis 1934 dem Bundesrat an. 1934 verbrachte er mehrere Monate in Haft, 1944 wurde er von den Nationalsozialisten inhaftiert. Er starb am 4. Dezember 1944 im KZ Dachau.

Hans Prodinger

Hans Prodinger war großdeutscher Abgeordneter und von 1928 bis 1934 im Nationalrat. Im Gegensatz zu anderen Parteikollegen schloss er sich nicht den Nationalsozialisten an, sondern stellte sich dem Ständestaat zur Verfügung: 1936 wurde er Präsident der Versicherungsanstalt der Angestellten. Im März 1938 wurde er von den Nationalsozialisten verhaftet und ins KZ Dachau gebracht, wo er am 5. September 1938 starb.

Paul Schlesinger

Paul Schlesinger war von 1926 bis 1934 für die Sozialdemokratie im Nationalrat. 1934 wurde er verhaftet und verbrachte mehrere Monate im Anhaltelager Wöllersdorf. Im März 1938 nahmen ihn die Nationalsozialisten in Gestapo-Haft, aus der er 1939 wieder entlassen wurde. 1944 wurde er neuerlich festgenommen und ins KZ Groß-Rosen gebracht, wo er am 10. Februar 1945 starb. 

Richard Steidle

Richard Steidle war christlichsozialer Mandatar: Von 1922 bis 1931 vertrat er im Bundesrat das Bundesland Tirol. Nach 1930 geriet Steidle immer mehr in Gegensatz zur Christlichsozialen Partei und wurde im Dezember 1930 von der Partei ausgeschlossen. Im März 1938 verhafteten ihn die Nationalsozialisten, am 30. August 1940 verstarb er im KZ Buchenwald.

Viktor Stein

Viktor Stein war von 1926 bis 1934 sozialdemokratischer Abgeordneter im Nationalrat. 1934 wurde er erstmals verhaftet. 1938 nahmen ihn die Nationalsozialisten fest und verschleppten ihn ins KZ Sachsenhausen, wo er am 28. April 1940 starb.

Robert Stricker

Robert Stricker vertrat 1919/1920 die Jüdisch-Nationale Partei in der Konstituierenden Nationalversammlung. Dies war eine der drei Kleinparteien, die es in der Ersten Republik schafften, im Parlament vertreten zu sein. Robert Stricker wurde von den Nationalsozialisten aus Wien verschleppt und starb vermutlich 1944 im KZ Auschwitz.

Hans Sylvester

Hans Sylvester, Christlichsozialer Landespolitiker aus dem Burgenland, war von 1930 bis 1931 Abgeordneter zum Nationalrat und von 1934 bis 1938 burgenländischer Landeshauptmann. Er zählte zu den ersten Opfern des Nationalsozialismus: Sylvester wurde ins KZ Dachau verschleppt, wo er am 19. Jänner 1939 mit erst 41 Jahren starb.