LETZTES UPDATE: 17.07.2017; 14:09
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Auf der Rampe: Geschichtsschreiber als Mahner der Politik

Die Auffahrtsrampe des Parlamentsgebäudes zieren acht aus Laaser Marmor gemeißelte Sitzstatuen antiker Geschichtsschreiber.

Symbolik der Geschichtsschreiber

Diese Geschichtsschreiber sollen symbolhaft die Abgeordneten vor dem Eintritt in das Parlamentsgebäude daran erinnern, dass ihre Tätigkeit im Parlament vor dem Urteil der Geschichte und der kommenden Generationen Bestand haben muss.

Entsprechend seinem Gesamtkonzept ordnete Architekt Hansen der Seite des Herrenhauses die griechischen Geschichtsschreiber Xenophon, Thukydides, Herodot und Polybios, der Seite des Abgeordnetenhauses die römischen Historiker Sallust, Julius Caesar, Titus Livius und Tacitus zu. Diese Auswahl der Geschichtsschreiber sollte das gebildete Bürgertum ansprechen.

Vorbild München

Die antiken Gelehrten vor der Hof- und Staatsbibliothek in München dürften dem Architekten als Anregung für dieses Gestaltungselement gedient haben, das er bereits beim Bau der Akademie der Wissenschaften in Athen verwendete.

Die griechischen Geschichtsschreiber

Xenophons (430 bis 355 v. Chr.) Werk ist gekennzeichnet durch eine nüchtern-klare autobiographische Sprache. Als Augenzeuge der berichteten Ereignisse – z.B. als Teilnehmer an Feldzügen – ist er eine wichtige Quelle für die griechische Geschichte. Von Bedeutung sind weiters seine Schriften über Sokrates sowie über die Reitkunst.

Thukydides (ca. 460 bis ca. 404 v. Chr.) wollte mit seiner "Geschichte des Peloponnesischen Krieges" wissenschaftlich-rationalen Ansprüchen gerecht werden. Klarheit und Gegenwartsbezug zeichnen sein Werk aus. Sein Ziel war es, aus dem historischen Geschehen Schlussfolgerungen und Lehren für die Zukunft zu gewinnen.

Herodot (ca. 480 bis ca. 435 v.Chr.) ist wohl der bekannteste der hier abgebildeten griechischen Historiker. Bereits der römische Politiker und Philosoph Cicero (106 bis 43 v. Chr.) bezeichnete ihn als "Vater der Geschichtsschreibung". Herodot sammelte auf ausgedehnten Reisen durch die ganze damals bekannte Welt Informationen für sein Werk. Er tat dies, ohne sich ein Urteil über Glaubwürdigkeit oder Unglaubwürdigkeit seiner Quellen zu erlauben.

Polybios (200 - 120 v.Chr.) verfasste unter anderem eine Universalgeschichte in 40 Büchern. Beherrschendes Thema ist der Aufstieg Roms zur Weltmacht. Weiters entwickelte er seine Theorie vom Kreislauf der Verfassungen, die später unter anderem von Niccolò Machiavelli aufgegriffen wurde.

Die römischen Geschichtsschreiber

Julius Caesar (100 bis 44 v.Chr.)  hinterließ ein umfangreiches Werk als Geschichtsschreiber. Gleichwohl ist seine größte Leistung eine politisch-militärische, denn nicht umsonst leitet sich das Wort "Kaiser" von seinem Namen ab. Als Historiker beschrieb Caesar in "Der gallische Krieg" lebhaft Schlachten und Intrigen. Neben den historischen lassen sich dem Buch auch viele geographische Fakten entnehmen.

Sallust (86 bis ca. 35 v.Chr.) scheiterte als Militär und Politiker. Er zog sich aus dem öffentlichen Leben zurück und widmete sich mit Erfolg der Geschichtsschreibung, die er – an griechische Traditionen anknüpfend – als Kunst betrachtete. Gemäß seinem Vorbild Thukydides wollte er die Ereignisse genauestens protokollieren, damit spätere Politiker daraus lernen könnten.

Titus Livius (59 v.Chr. bis 17 n.Chr.) hinterließ der Nachwelt mit "Ab urbe condita" (Von der Gründung der Stadt an) ein wahrhaft monumentales Geschichtswerk. In 142 Bänden beschrieb er die Geschichte Roms bis in die Zeit des Augustus.

Tacitus (55 bis 120 n.Chr.) schrieb seine Geschichtswerke aus dem Blickwinkel des Politikers – allerdings "sine ira et studio", also möglichst objektiv. Sein psychologischer Blick erlaubte ihm brillante Schilderungen der Charaktere. Er war zudem ein glühender Verfechter der Ideale der römischen Republik und kritisierte den politischen und moralischen Verfall in der Kaiserzeit.