LETZTES UPDATE: 17.07.2017; 14:09

Eines der Grundprinzipien einer demokratischen Verfassung ist die Gewaltenteilung.

Vor dem Eingang zum Parlament ist dieses Prinzip in Form zweier weiblicher Figuren auf dem Athene-Brunnen dargestellt. Auf der linken Seite sitzend präsentiert die "Ausübende Gewalt" (Exekutive und Judikative) mit entschlossener Geste ein Richtschwert und eine Waagschale. Sie symbolisieren die Gerichtsbarkeit und Gerechtigkeit im Rechtswesen.

Auf der anderen Seite der Pallas Athene sitzt die "Gesetzgebende Gewalt" (Legislative). In ihren Händen hält sie eine Gesetzestafel.

Beide Frauengestalten sind nur mit einem eng anliegenden chiton und einem über Schoß und Beine geworfenen himation bekleidet.

Musen als Vorbilder

Die Darstellungen gehen auf Vorbilder der Justitia, aber auch der Sapientia und der antiken Musen zurück. Ein weiteres Mal findet sich das Motiv der Gewaltenteilung über dem Haupteingang des Parlamentsgebäudes. Ein Glasmosaikfries von Eduard Lebiedzki zeigt das demokratische Prinzip ebenfalls durch weibliche Figuren dargestellt. Abgebildet sind Justitia am rechten Ende des Frieses und eine Frau, in der Hand eine Gesetzestafel, am linken Ende.

Justitia wird in dieser Darstellung aber von zwei Begleitern flankiert, die mit Richtschwert und Gerichtskreuz die männliche Tugend in den Blick rücken.

Idealisierte Weiblichkeit

Warum hat man im 19. Jahrhundert, in dem Männer die gesetzgebende und die ausübende Gewalt dominierten, Frauen für die Darstellung der politischen Gewalten gewählt? Man schrieb damals dem weiblichen Körper die Bedeutung eines "imaginären Allgemeinen" zu. Das weibliche Figurenpaar hier personifiziert das abstrakte Prinzip der Gewaltenteilung und soll die "Natur" der gesetzgebenden und der ausübenden Gewalt zum Ausdruck bringen.