LETZTES UPDATE: 17.07.2017; 14:10

Die vier Standbilder an den unteren Enden der Auffahrtsrampe zum Parlamentsgebäude werden als die "Rossebändiger" beschrieben.

Symbolik der Rossebändiger

Das Motiv der Rossebändiger symbolisierte ursprünglich die Macht der Menschen über die Natur und findet sich bereits in der griechischen Mythologie.

Die Rossebändiger des Parlamentsgebäudes werden als Symbol für die Bezähmung der Leidenschaften bzw. Zügelung der Emotionen gedeutet. Sie stellen somit einen unübersehbaren Appell an die Abgeordneten dar, im Hohen Haus ihre politischen Leidenschaften zu mäßigen.

Diese Symbolik zeigt sehr deutlich die Intention des Architekten Theophil Hansen, von den Abgeordneten, die damals das Parlamentsgebäude über die Rampe betraten, den Grundsatz demokratischer Auseinandersetzungen einzumahnen: Sie sollten ihre unterschiedlichen Auffassungen mit Argumenten und nicht durch Hass oder Mittel der Gewalt überwinden.

Die Rossebändiger aus kunsthistorischer Sicht

Vorbilder für die Rossebändiger sowie die Gestaltung der Pferde finden sich beispielsweise in Rom (Quirinal - Dioskurenpaar Castor und Pollux), Venedig (Kirche von San Marco - vier vergoldete Bronzepferde aus der Antike), Paris (Place de la Concorde - Pferdedarstellungen des Künstlers Guillaume Coustou) oder auch in Salzburg (Hofmarstallschwemme).

Wie auch andere Elemente des plastischen Schmucks sind die Rossebändiger erst nach dem Tod Hansens, aber seinem Konzept und seinen gestalterischen Vorgaben entsprechend, ausgeführt worden.

Die vier Bronzeplastiken der Rossebändiger, gegossen 1899, aufgestellt 1901, ruhen auf mächtigen Sockeln aus hellem Neuhauser Granit. Die Plastiken wurden von Josef Lax geschaffen, einem Bildhauer des Wiener Späthistorismus, der auch an der plastischen Ausschmückung anderer Ringstraßenbauten mitwirkte.

Kann die Bezähmung gelingen?

Pferdekenner merkten kritisch an, dass in der dargestellten Art die Bändigung eines sich aufbäumenden Pferdes nie und nimmer gelingen könne – und dies nicht nur, weil es ohne Zügel sei.

Die rechte Faust des Bändigers scheint eher nach vorn unten statt in Richtung der breiten Brust des Rosses zu ziehen und wie die Linke die imaginären Zügel straffe, sei als Methode der Zähmung völlig ungeeignet. Der forsche, furchtlose Blick des jungen Mannes sei wohl eher seiner Ahnungslosigkeit geschuldet, als seinen Pferdekenntnissen.

Als die Rossebändiger in der Kunstgießerei Josef Lax gegossen wurden, waren Pferde und Pferdefuhrwerke im Straßenbild Wiens selbstverständlich. Man könnte also davon ausgehen, dass der Schöpfer der Figuren mit Pferden und ihrer "Bezähmung" vertraut war.

Wollte er am Ende andeuten, dass die zur Verfügung stehenden Mittel für die Zähmung der politischen Leidenschaften unzureichend waren? Oder ist das Werk einfach nur Ausdruck und Ergebnis einer künstlerisch-kompositorischen Überlegung?