LETZTES UPDATE: 17.07.2017; 14:10

Hat der Besucher das Obere Vestibül und das Atrium durchschritten, gelangt er in das Herzstück des Parlaments, in die Säulenhalle.

Höchste Ansprüche bei der Gestaltung

Die Säulenhalle zählt zu den repräsentativsten Räumlichkeiten Österreichs.

Die Wirkung der 40 Meter langen und 23 Meter breiten Säulenhalle auf den Besucher beruht, außer auf architektonischen Elementen wie den imposanten Säulen und einer gekonnten Lichtführung, auf der Verwendung edelster Materialien.

So wählte der Architekt Theophil Hansen zum Beispiel Adneter Marmor für die Säulen – sie sind jeweils aus einem Stück gearbeitet (Monolithe) - Karstmarmor für die Bodenplatten und Belgischen Marmor sowie Pavonazzo-Marmor für die Verkleidung der Wände.

Um den Glanz des Marmors zu steigern wurden aufwändige Polierverfahren eingesetzt. Für den reichen Goldschmuck, vor allem an den Kapitellen der korinthischen Säulen, griff man zu 23-karätigem Blattgold.

Der Fries fiel dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer

Ein mehr als 120 Meter langes und 2,30 m breites Friesgemälde, geschaffen von Eduard Lebiedzki, komplettierte die prunkvolle Ausstattung. Der monumentale Gemäldezyklus wurde von Eduard Lebiedzki nach jahrzehntelangen Vorbereitungen in den Jahren 1907 bis 1911 geschaffen.

Die allegorischen Figuren auf Goldgrund stellen "die vorzüglichsten Ideale und volkswirtschaftlichen Aufgaben des Parlaments", das Zusammenspiel der gesellschaftlichen und staatlichen Kräfte dar.

Bedauerlicherweise ist das Werk heute nur noch in Fragmenten zu sehen, da es im Zweiten Weltkrieg irreparable Schäden davontrug.

Ideale und Aufgaben

Eine erhalten gebliebene Allegorie der Gesetzgebung bestimmt heute die Seite gegenüber dem Eingang; die weibliche Figur vor einem Thron ist von Personifikationen technischer und naturwissenschaftlicher Disziplinen sowie des Rechtsschutzes und der Mathematik umgeben. Ursprünglich nahm diesen zentralen Platz in Lebiedzkis Bildkomposition ein Bildnis Kaiser Franz Josephs I. ein. Dieses war von Figuren zu den Themen Medizin, Jurisprudenz, Gesetz, Militär, Theologie und Philosophie umgeben. Den Fries der östlichen Schmalseite der Säulenhalle - bei Lebiedzki dem Thema Gesetzgebung gewidmet - zieren heute Gemäldefragmente mit Darstellungen zu den Themen Familie/Wohlstand, Viehzucht, Fischerei, Ackerbau und Jagd.

Eine Restaurierung war undenkbar

An eine Restaurierung der durch Bombentreffer schwer beschädigten Gemälde war beim Wiederaufbau des Parlamentsgebäudes nach dem Krieg nicht zu denken. Die Reste der Gemälde wurden abgenommen und unter Anderem auch auf dem Dachboden des Parlaments gelagert.

Die Marmortäfelung der Wände in der Säulenhalle wurde bis über den Fries hochgezogen.

Begabt, aber altmodisch?

Eduard Lebiedzki war Zeitgenosse Pablo Picassos und Georges Braques, Oskar Kokoschkas und Egon Schieles, die alle einen künstlerischen Neubeginn in der Malerei setzten. Dennoch ist Lebiedzkis Werk im Historismus verhaftet.

KunsthistorikerInnen schätzen das Werk Eduard Lebiedzkis als Teil einer der hervorragendsten Raumschöpfungen des Wiener Historismus und als "späte Frucht einer hochstehenden Interieurkunst".