LETZTES UPDATE: 17.07.2017; 14:13

Der wichtigste Raum und zugleich auch das gesellschaftliche Zentrum der Beletage, greift in seiner künstlerischen Ausgestaltung Pläne von Theophil Hansen auf. Er hatte sie ursprünglich gemeinsam mit dem Historienmaler Carl Rahl für den Festsaal im Schloss des Großherzogs Nikolaus Friedrich Peter von Oldenburg konzipiert. Der Großherzog sah sich aber aus Kostengründen außer Stande, das Konzept Hansens zu verwirklichen. Da Gustav Ritter von Epstein den Großherzog von gemeinsamen Italien-Reisen kannte, wusste er, dass die Entwürfe nicht realisiert werden konnten. Er ermöglichte es dem Architekten, die Pläne wiederaufzunehmen, und sie in den kleineren räumlichen Dimensionen seines Palais zu verwirklichen. Dies verdeutlicht auch die Verschiebung der Finanzkraft weg vom Adel hin zu finanziell starken bürgerlichen Familien.

Wandschmuck

Die Ausstattung des Raums mit hellem, sandfarbenem Stuckmarmor steht in bewusstem Kontrast zur düsteren Ausführung des Empfangssaals. Der Architekt Theophil Hansen verwendete hier detailgenaue Zitate von Gestaltungselementen der Renaissancekirche Santa Maria dei Miracoli in Venedig, die er eingehend studiert und deren Innenansichten er in zahlreichen Skizzen verarbeitet hatte.

So sind zum Beispiel die Frontflächen der Pilaster mit Stuck verziert, die dieselben Motive wie in der genannten Kirche aufweisen. Bei den Darstellungen handelt es sich um fantastisch geformte Tier- und Pflanzenverzierungen im Stil der Renaissance (= Groteskendarstellungen).

 

Deckenschmuck

Die bemalte Stuckdecke ist als Marmorimitation mit vergoldeten Ornamenten gestaltet. Vier Darstellungen an den Seiten zeigen folgende Szenen: "Hochzeit von Amor und Psyche", "Tanz der Musen", "Bacchus, Quellwasser in Wein verwandelnd" und "Apoll unter den Hirten".

In den Ecken befinden sich Abbildungen von Attributen antiker Gottheiten; dabei stehen die Lyra für Apoll, der Thyrosstab für Bacchus, die Getreideähren für Ceres und der Pfau für Juno. Im ovalen Mittelfeld ereignet sich die "Geburt der Venus", seitlich flankiert von Grazien, drei römischen Göttinnen für Anmut und Schönheit, und Horen, griechischen Göttinnen der Jahreszeiten und der (sittlichen) Ordnung. In den Zwickeln der Rundbögen posieren aus Stuck geformte Bacchantinnen.

Sie unterstreichen das Programm von Theophil Hansen und Carl Rahl, den Festsaal zu einem "Tempel der wahren Geselligkeit" zu machen, und den Kunstsinn mit den Freuden des Lebens zu verbinden. Auch in diesem Saal zeichnet sich Christian Griepenkerl für die Ausführung der Deckenmalereien verantwortlich. Der gebürtige Oldenburger lehrte in den Jahren 1874 bis 1910 an der Wiener Akademie, an der er ab 1877 eine Spezialschule für Historienmalerei leitete.

Für eine ganze Generation österreichischer Maler war er bevorzugter Lehrer. Sein berühmtester Schüler war Egon Schiele, zu dem der konservative Historienmaler aber ein sehr gespanntes Verhältnis hatte. "Sagen Sie um Gottes Willen niemandem, dass Sie bei mir gelernt haben", soll er Schiele gegenüber geäußert haben.

Griepenkerl war es auch, der Adolf Hitler 1907 bei der Aufnahmeprüfung an der Akademie wegen "ungenügender Probezeichnungen" durchfallen ließ. Hätten die Nationalsozialisten, denen das Epstein zwischen 1938 und 1945 als "Reichsbauamt" diente, dies gewusst, könnten die Deckengemälde wahrscheinlich heute nicht mehr bestaunt werden.