LETZTES UPDATE: 07.09.2017; 13:44
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60. Geburtstag der EU - Die Verhandlungen

Am 25. März 1957 wurden die sogenannten "Römischen Verträge" unterzeichnet. Damit war der Grundstein für die Entwicklung der europäischen Einigung hin zur heutigen Europäischen Union gelegt. Was steht dahinter? Wie kam es schließlich dazu? Warum werden die Römischen Verträge als das Fundament der europäischen Integration bezeichnet?

Teil 2: Die Verhandlungen: "Europa wäre verkümmert"

Nach dem Versuch der Schaffung der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft (EVG) und der geplanten Europäischen Politischen Gemeinschaft, die gleich in Fortsetzung der Gründung der EGKS eine vertiefte Integration wagen wollte und schließlich am Nein der französischen Nationalversammlung gescheitert ist, ist es dem Einsatz einiger überzeugter und engagierter europäischer Vordenker zu verdanken, dass es schließlich nach einigen Jahren zu diesem großem und weitreichenden Integrationsschritt kam

Hier kommen (wieder) Jean Monnet - diesmal in seiner Funktion als Leiter der "Hohen Behörde" der Montanunion-, der belgische Außenminister Paul Henri Spaak, der niederländische Außenminister Wilhlem Beyen und der Luxemburgische Ministerpräsident und Außenminister Joseph Bech ins Spiel. Sie konzipierten nun einen weniger ambitionierten Plan, der weniger auf die politische und militärische Integration hinauslief, sondern sich mehr auf die wirtschaftliche Zusammenarbeit und Integration konzentrierte. Allerdings war dabei noch fraglich und zwischen den Mitgliedern der EGKS zunächst völlig unklar, ob dies auf einige Sektoren wie Energie, Verkehr etc. beschränkt sein sollte oder eine gesamtwirtschaftliche Zusammenarbeit angestrebt werden sollte.

Viele Debatten sowohl innerhalb der Mitgliedsländer als auch zwischen den Gründungsmitgliedern zwischen Skepsis und forcierter Unterstützung der wirtschaftlichen Integration waren dem Vertragswerk von Rom vorangegangen. Schließlich sollte das Konzept eines gemeinsamen Marktes verfolgt werden, wofür der sogenannte Spaak-Bericht als Grundlage diente, nachdem zuvor schon auf der Außenministerkonferenz von Messina allgemein „die Schaffung eines vereinigten Europa durch die Weiterentwicklung gemeinsamer Institutionen durch die schrittweise Fusion der nationalen Wirtschaften, durch die Schaffung eines gemeinsame Marktes…“ als notwendig erachtet wurde. Der zukünftige gemeinsame Markt sollte vier strukturelle Säulen umfassen: Ein gemeinschaftliches Entscheidungsorgan (Mehrheitsentscheidung) zur Kontrolle der Einhaltung des Vertrags, ein Entscheidungsgremium der Mitgliedsländer für wirtschaftspolitische Fragen auf Ministerebene und eine Koordinierung der weiterhin nationalstaatlichen Regelungen und schließlich die Einrichtung eines Gerichtshofs für Fragen des gemeinsamem Marktes. Nach zweijährigen konkreten und harten Verhandlungen konnten nur 12 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs am 25. März 1957 die Verträge unterzeichnet und damit die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und die Europäische Atomgemeinschaft (damals EAG, heute EUROATOM), gegründet werden. Die sechs Länder der Montanunion, auch diesmal die Gründungsmitglieder, waren für Europa "die Schrittmacher" geworden, wie es Konrad Adenauer formulierte. „Wenn wir das nicht getan hätten wäre Europa buchstäblich verkümmert".

Vor dem damaligen historischen und politischen Kontext war das Zustandekommen der Römischen Verträge eine bemerkenswerte Errungenschaft. Das Fundament für die weitere Integration Europas war gelegt. Nicht zuletzt hatten auch außenpolitische Faktoren wie die Suezkrise und die Ungarnkrise zu einer Beschleunigung der damaligen Einigung und insbesondere Verständigung zwischen Frankreich und Deutschland beigetragen.

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