LETZTES UPDATE: 14.11.2016; 14:51
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Prammer lädt zum 100. Internationalen Frauentag ins Parlament

Im März jährt sich der Internationale Frauentag zum 100. Mal. Aus diesem Grund luden Nationalratspräsidentin Barbara Prammer, die Initiativen "Frau in der Wirtschaft", das "Frauennetzwerk Medien" und der "Österreichische Frauenring" am Freitag, dem 4. März, gemeinsam zu einer Veranstaltung in das Parlament. Insgesamt nahmen mehr 34 Frauenorganisationen daran teil.

Prammer begrüßte die TeilnehmerInnen im Reichsratssitzungssaal und betonte in ihren einleitenden Worten, dass der Internationale Frauentag auch heute keineswegs überholt sei. Schließlich gebe es nach wie vor vielfältige Herausforderungen zu bewältigen und für Chancengleichheit zu kämpfen. Das betonte auch Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek, die konkret Mängel bei der Gleichstellung von Frauen im Arbeitsleben und bei Familienarbeit ortete und ihre frauenpolitischen Pläne für die nächste Zukunft vorstellte.

Die Journalistin und Autorin Elfriede Hammerl erinnerte in ihrer Festrede daran, dass es heute nach wie vor systematische Diskriminierung von Frauen gebe. Sie betonte an dieser Stelle, dass Frauenrechte jedoch Menschenrechte und deshalb durch nichts zu relativieren seien. Auf die bereits zu Beginn ihrer Ausführungen gestellte Frage "Was wollen die Frauen?" gab Hammerl eine einfache Antwort: Frauen wollten Menschen mit normalen Stärken und Schwächen sein, dabei aber nicht benachteiligt werden.

Bevor die VeranstaltungsteilnehmerInnen den Nachmittag mit Diskussionen zu unterschiedlichen Themenfeldern wie etwa Frauen und Sport oder Frauen und Wirtschaft verbrachten, durften die Anwesenden noch mehreren Texten der Slam-Poetin Mieze Medusa lauschen.

Einen detaillierten Bericht zur Veranstaltung entnehmen Sie bitte der Meldung des Pressedienstes des Parlaments. Diese und weiterführende Informationen finden Sie in der Nachlese zur Veranstaltung.

Frauen im Hohen Haus

Auch wenn bis heute nicht alle Forderungen der Frauenrechtlerinnen aus dem Jahr 1911 umgesetzt sind (z.B. "gleicher Lohn für gleiche Arbeit"), so zeigt das Event am Freitag doch den Wandel des Stellenwerts der Frauen im österreichischen politischen System. Heute sind etwas über ein Viertel der österreichischen Abgeordneten zum Nationalrat weiblich (50 von 183). Im Bundesrat ist der Frauenanteil etwas höher und liegt bei knapp einem Drittel der MandatarInnen (20 von 62).

1911: Über eine Million für Frauenwahlrecht auf der Straße

Die Teilnahme der Frauen am politischen Leben war aber nicht immer so selbstverständlich, wie sie heute erscheinen mag – trotz des nach wie vor vorhandenen Ungleichgewichts. Das brachte auch am 19. März 1911 mehr als eine Million Frauen in Dänemark, Deutschland, Österreich-Ungarn, der Schweiz und den USA auf die Straße, um unter anderem für das passive und aktive Wahlrecht der Frauen zu demonstrieren. Der Internationale Frauentag war geboren. Erst 1921 wurde er auf den 8. März verlegt und wird seither an diesem Tag begangen.

Zwar durften auch Österreichs Männer erst seit der Wahlrechtsreform von 1907 das allgemeine und gleiche Wahlrecht ausüben. Nicht zuletzt beflügelte jedoch diese Gesetzesänderung die Frauenbewegung in Österreich. Durch die Reform verloren nämlich auch noch jene wenigen Frauen ihr Recht zu wählen, die es bisher dank ihrer hohen Steuerleistung oder ihres großen Besitzes ausüben konnten.

1919: Die ersten Mandatarinnen kommen ins Parlament

Diese Ungleichbehandlung sollte erst mit dem Totalzusammenbruch der Monarchie am Ende des Ersten Weltkrieges enden: Die Provisorische Nationalversammlung beschloss am 12. November 1918 das allgemeine und gleiche Wahlrecht ohne Unterschied des Geschlechts. Bei der Wahl zur Konstituierenden Nationalversammlung am 16. Februar 1919 durften die österreichischen Frauen erstmals ihre Stimme abgeben und auch gewählt werden. Am 4. März 1919 zogen dann die ersten acht Frauen in das Parlament in Wien ein – sieben Sozialdemokratinnen und eine Christlich-Soziale.

Interessant ist, dass in der Folge der Anteil der Frauen an den Nationalratsabgeordneten bis 1975 konstant niedrig blieb – er lag nie über 6,7 Prozent. Erst seit damals stieg der Anteil der Mandatarinnen bis auf über ein Drittel am Beginn der XXII. Gesetzgebungsperiode (2002), seither nimmt er wieder ab. Im Bundesrat lag der Anteil der weiblichen Abgeordneten stets deutlich höher und erreichte bereits 1975 20 Prozent. In der Länderkammer fand sich mit Olga Rudel-Zeynek auch die weltweit erste Vorsitzende eines nationalen parlamentarischen Organs: Sie führte den Vorsitz in den Jahren 1927/28 und 1932 für das Land Steiermark.

Weiterführende Informationen

Wer waren die ersten Frauen im österreichischen Parlament, welche Gesetze im Interesse der Frauen sind seither umgesetzt worden und wie genau hat sich der Frauenanteil im Parlament entwickelt? Antworten auf diese Fragen finden Sie hier.

Wie sich das österreichische Wahlrecht entwickelt hat, erfahren sie auf dieser Seite.

Themenführung: Frauen im Parlament

Gratis-Sonderführungen finden zu folgenden Terminen statt:

Dienstag, 8. März 17.00 Uhr
Freitag, 11. März 17.00 Uhr 
Mittwoch, 16. März 17.00 Uhr
Samstag, 19. März 11.15 Uhr

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, die Führung dauert circa eine Stunde. Treffpunkt ist im BesucherInnenzentrum des Parlaments (Ringseite, hinter dem Pallas-Athene-Brunnen).

Für Gruppen ab fünf Personen sind auch zu anderen Terminen Führungen zum Thema "Frauen im Palament" möglich. Details dazu finden Sie hier.