LETZTES UPDATE: 14.11.2016; 14:51
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Tag der Demokratie: Wolf Biermann im Parlament

Am Donnerstag ist weltweit der Internationale Tag der Demokratie begangen worden. 2008 von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen, soll an jedem 15. September der Wert und die Bedeutung der "Volksherrschaft" in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerückt werden. Aus diesem Anlass besuchte der deutsche Liedermacher Wolf Biermann das österreichische Parlament: Bereits am Nachmittag sprach er im Rahmen der Demokratiewerkstatt mit den SchülerInnen einer Hauptschulklasse über die Vorteile der Demokratie gegenüber der Diktatur, am Abend hielt Biermann im Budgetsaal einen Vortrag mit dem Titel "Glanz und Elend der Demokratie".

Biermann war 1953 als 17-jähriger glühender Kommunist von Hamburg in die DDR übersiedelt. Der DDR-Führung war er aufgrund seiner Lieder und Gedichte suspekt, was zu jahrelangem Auftrittsverbot und schließlich 1976 zu seiner unfreiwilligen Ausbürgerung führte.

Durch seine Erfahrungen in der ostdeutschen Diktatur und den neuen Eindrücken im Westen hat er dem Kommunismus den Rücken gekehrt und den Wert der Demokratie schätzen gelernt, wie Biermann den jungen ÖsterreicherInnen am Nachmittag erzählte. Trotzdem sei seine Übersiedlung in den realen Sozialismus einer der wichtigsten und besten Schritte seines Lebens gewesen, berichtete der Sänger den SchülerInnen aus Amstetten im Rahmen der Zeitreisewerkstatt. Ohne diese Erfahrung hätte er nämlich nicht begriffen, was die Diktatur für Menschen tatsächlich bedeute und auch er hätte seine Lektion nicht gelernt.

Von Glanz und Elend der Demokratie

Dies sollte der Liedermacher am Abend im Budgetsaal noch bekräftigen und Zeugnis für die Demokratie ablegen, auch wenn er betonte, dass die Demokratie nicht perfekt sei und auch viele Gefahren in sich berge. Biermann betrachtete die Volksherrschaft deshalb anhand eines Zitats des britischen Staatsmannes Winston Churchill, wonach – verkürzt gesagt – diese zwar miserabel, aber dennoch die beste bisher gefundene Staatsform sei. Dem konnte sich der Ex-Kommunist nur anschließen.

Wahlen seien dabei sowohl der Glanz als auch das Elend der Volksherrschaft: Einerseits böten die Volksentscheide die Möglichkeit, Mächtige loszuwerden, ohne diese "erschlagen" zu müssen. Andererseits müssten Politiker dafür sorgen "auch vom dümmsten Pack" gewählt zu werden, sofern sie eine Mehrheit erringen und etwas von ihren Visionen umsetzen möchten, führte Biermann aus.

Detaillierte Berichte zum Besuch Biermanns in der Demokratiewerkstatt und zu seinem Vortrag entnehmen Sie bitte der Parlamentskorrespondenz.

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