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Finanzschulden und Währungstauschverträge 2017

Analyse vom 19. Februar 2018

Die bereinigte Finanzschuld des Bundes (Finanzschuld unter Berücksichtigung von Forderungen und Verbindlichkeiten aus Währungstauschverträgen abzüglich Eigenbesitz des Bundes) stieg 2017 im Vorjahresvergleich um 3,5 Mrd. EUR auf 211,2 Mrd. EUR an. Die deutliche Differenz zwischen dem aus dem Budgetvollzug des Jahres 2017 resultierenden Nettofinanzierungsbedarf (6,9 Mrd. EUR) und der Veränderung der Finanzschulden ist insbesondere auf die Ende 2016 von der OeBFA im Zusammenhang mit dem Rückkaufangebot der HETA Schuldtitel aufgenommene Liquidität iHv 3,6 Mrd. EUR zurückzuführen, durch die es 2016 zu einem ungewöhnlich starken Anstieg der Finanzschulden kam und die im Jahr 2017 abgebaut wurde.

Vor dem Hintergrund der weiterhin expansiv ausgerichteten Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) entwickelte sich das Zinsumfeld im Jahr 2017 weiter günstig, wobei jedoch die Zinsen auf 10‑jährige österreichische Bundesanleihen im Jahresdurchschnitt gegenüber 2016 von 0,38 % auf 0,58 % anstiegen.

Der Bund nahm im Vorjahr Finanzschulden iHv 29,9 Mrd. EUR neu auf, gegenüber dem Jahr 2016 bedeutete dies einen Anstieg um 1,8 Mrd. EUR. Ursächlich für diese verhältnismäßig hohen Neuaufnahmen waren insbesondere die Tilgungen, die um 6,9 Mrd. EUR höher waren als 2016 sowie der um 1,9 Mrd. EUR höhere Nettofinanzierungsbedarf. Einen gegenläufigen Effekt hatte die Auflösung der Ende 2016 im Zusammenhang mit dem Rückkauf von HETA Schuldtiteln aufgenommenen Liquiditätsreserven.

Die durchschnittliche Laufzeit der neu aufgenommenen Finanzschulden des Bundes betrug 19,6 Jahre und stieg damit gegenüber dem bereits hohen Wert des Vorjahres (14,4 Jahre) noch einmal deutlich um 5,2 Jahre an. Der Anstieg war in erster Linie auf die erstmalige Ausgabe einer Anleihe mit 100‑jähriger Laufzeit zurückzuführen, nachdem 2016 bereits eine 70 Jahre laufende Anleihe begeben worden war. Aufgrund der deutlich höheren Laufzeiten und des leichten Anstiegs der langfristigen Zinsen kam es bei der durchschnittlichen Verzinsung der neu aufgenommenen Finanzschulden gegenüber 2016 zwar nominal zu einem Rückgang (um ‑9 Basispunkte auf 0,76 %), effektiv stieg die durchschnittliche Verzinsung jedoch um 13 Basispunkte auf 0,43 % an.

Die Nettozinsbelastung im Finanzierungshaushalt der UG 58‑Finanzierungen, Währungstauschverträge betrug im Jahr 2017 rd. 5,3 Mrd. EUR und lag damit um 12,6 % über dem budgetierten Wert (aufgrund der nicht budgetierten antizipativen Zinszahlung für eine Nullkuponanleihe und geringeren Einzahlungen aus Agien). Im periodengerecht abgegrenzten und damit aussagekräftigeren Ergebnishaushalt betrug der Nettozinsaufwand rd. 5,4 Mrd. EUR. Gegenüber 2016 bedeutete dies einen deutlichen Rückgang um 8,7 %, der im BVA 2017 veranschlagte Wert wurde hingegen nur knapp um 1,3 % unterschritten.

Im Jahr 2017 wurden durch die Österreichische Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA) mit rd. 12,4 Mrd. EUR deutlich höhere Kreditoperationen für Länder, sonstige Rechtsträger und Sonderkonten des Bundes vorgenommen als in den Vorjahren. In diesem Wert schlagen sich insbesondere Kreditoperationen iHv 7,7 Mrd. EUR für die Abbaubeteiligungsgesellschaft des Bundes ABBAG (Rückkauf der HETA Schuldtitel, Zahlungen an die KA Finanz AG) nieder, wobei jedoch der am Ende des Jahres 2017 noch offene Betrag aufgrund unterjähriger Teiltilgungen nur 4,3 Mrd. EUR betrug.

BD - Finanzschulden und Währungstauschverträge 2017 / PDF, 548 KB

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