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Parlamentskorrespondenz Nr. 133 vom 18.02.2016

Themenfelder:
Parlament allgemein
Format:
Veranstaltungen
Stichworte:
Parlament/Ausstellung/Podiumsdiskussion/Parlamentssanierung

Das Parlamentsgebäude von Theophil Hansen bis zur Generalsanierung

"Die drei Jahresringe des Parlaments": Ausstellungseröffnung und Podiumsdiskussion

Wien (PK) –  Dass die Architekturgeschichte des Parlamentsgebäudes durch "Jahresringe" markiert wird, macht derzeit eine Ausstellung in der Säulenhalle deutlich, die zudem Gelegenheit gibt, den Blick auch auf die bevorstehende Generalsanierung des Hohen Hauses am Ring zu richten. Für Parlamentsvizedirektor Alexis Wintoniak, der die Schau eröffnete, erschließt sich dabei die Notwendigkeit der Sanierung nicht nur durch die festgestellten Schäden und Mängel, sondern auch durch den Bedarf an zusätzlichen Raumkapazitäten. "Über zwei Jahresringe – die Errichtung durch Theophil Hansen und den Wiederaufbau nach dem Krieg - haben wir Gewissheit, den dritten Jahresring prägen wir als Parlament nun selbst", brachte er die Herausforderung der Sanierung auf den Punkt.  

Generalsanierung will neuen Raum für modernen Parlamentarismus schaffen

Die Vorgaben sind hoch, betonte Wintoniak, der das Projekt Generalsanierung leitet. Nachdem der Hansen-Bau trotz seiner historischen Symbolik durch die funktionale Grundstruktur und die Integration der damals neuesten technischen Errungenschaften einen Aufbruch in die Moderne signalisierte und das Wiederaufbauprojekt von Fellerer & Wörle mit seiner reduzierten Formensprache das neue Zeit- und Demokratieverständnis zum Ausdruck brachte, geht es nun bei der Generalsanierung – dem dritten Jahresring – darum, die bestehenden Strukturen weiterzuentwickeln und neuen Raum für modernen Parlamentarismus zu schaffen. 

Nicht nur die Architektur des Hauses, sondern auch die Bauherrnschaft ist durch Jahresringe gekennzeichnet. Wintoniak erinnerte, dass schon 1883 alle politischen Kräfte in die Baukommission einbezogen wurden, die letzte Entscheidungsinstanz allerdings beim Innenministerium lag. 1945 bildete dann die Präsidialkonferenz des Nationalrats ein informelles Baukomitee, wobei die Letztverantwortung dem Ministerium für Handel und Wiederaufbau zukam. Die bevorstehende Generalsanierung wiederum baut nun auf einer komplexen Struktur aus Nutzerbeirat und Bauherrnausschuss auf und wird gemeinsam von der Parlamentsdirektion und der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) durchgeführt. Im Unterschied zu den beiden früheren Bauphasen trägt heute aber das Parlament selbst, und damit die Präsidentin des Nationalrats unterstützt von den Fraktionen, die Letztverantwortung für das Projekt, gab Wintoniak zu bedenken. Aus der zeitlichen Distanz lassen sich das Gelingen und die herausragende Bedeutung der beiden ersten Jahresringe klar erkennen. Der Parlamentsvizedirektor drückte seine Hoffnung aus, "dass auch der dritte Jahresring von unseren Nachfahren einmal als großer Erfolg gesehen wird".

Generalsanierung im Geiste Theophil Hansens

Das Parlament wird im Geiste Hansens saniert werden, stimmten in einer von der Architekturpublizistin Franziska Leeb moderierten  Podiumsdiskussion die maßgeblich mit dem Projekt befassten ArchitektInnen überein.

Friedrich Dahm (Landeskonservator Bundesdenkmalamt Wien), der den Begriff der Jahresringe prägte, argumentierte, bauliche Veränderungen seien notwendig, um die Abläufe des Parlaments zu gewährleisten. Gleichzeitig gelte es, die wesentlichen Charakteristika des Hansen-Baus zu erhalten, sodass ein funktionierendes Haus im neuen, alten Glanz erstrahlt. Die Baumaßnahmen werden auf die Funktionalität des Hauses abgestimmt,  pflichtete Andras Palffy (Projektleiter Generalplanung Sanierung Parlament) bei, der die Sanierung auch unter dem Aspekt der Öffnung des Parlaments betrachtete.

Ernst Beneder (Kommissionsvorsitzender Generalplanersuche Sanierung Parlament) begrüßte das nach anfänglichem "Erklärungsbedarf" nun positive Echo in den Medien und sah die Herausforderung vor allem darin gelegen, das Parlamentsgebäude an neue Aufgaben anzupassen. Genau dies – und nicht die Form der Baumaßnahmen – sei Gegenstand des parteienübergreifenden Konsenses. Man habe bei der Generalsanierung eine Organisation gewählt, die rasche und effiziente Entscheidungen ermöglicht, stellte Heide Fritz (Verfahrensbegleitung, Generalplanersuche Sanierung Parlament) anerkennend fest und zeigte sich zuversichtlich, dass die gründliche Planung des Projekts die Einhaltung des Kostenrahmens gewährleisten werde.

Die Schau in der Säulenhalle führt anhand von Plänen, Modellen und Originalmöbeln aus den Beständen des Parlaments durch die Baugeschichte des Hauses. Viele Objekte werden dabei erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. (Schluss) hof

HINWEIS: Fotos von dieser Veranstaltung finden Sie im Fotoalbum auf www.parlament.gv.at