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Parlamentskorrespondenz Nr. 489 vom 11.05.2016

Themenfelder:
Bildung/Bundesrat
Format:
Bundesrat
Stichworte:
Bundesrat/Digitalisierung/Saller

Saller: Überwindung der digitalen Kluft birgt wirtschaftliche Chancen

Diskussionsveranstaltung des Bundesrats zu den Herausforderungen des Lernens im Alter im Zeitalter der Digitalisierung

Wien (PK) – Der Bundesrat setzt seine Diskussionen über den digitalen Wandel und seine Herausforderungen fort. Im Mittelpunkt der Diskussionsveranstaltung "Lebenslanges Lernen – Lernen im Alter" standen heute die Chancen, welche die Digitalisierung im Bereich der Fort- und Weiterbildung bietet. Gefragt ist ein ganzheitlicher Begriff des lebenslangen Lernens, ist Bundesratspräsident Josef Saller überzeugt. Die Vermittlung von Kompetenzen im Alter sei auch ein wichtiger ökonomischer Faktor. Zur Diskussion mit den Bundesrätinnen und Bundesräten hatte Saller ExpertInnen der Erwachsenenfortbildung ins Parlament eingeladen. Die Vorträge und Diskussionsbeiträge befassten sich neben Konzeptionen und Angeboten für das Lernen im Alter auch mit den politischen Rahmenbedingungen, die für die Umsetzung einer Strategie des lebenslangen Lernens notwendig sind.

Saller: Keine digitale Kluft zulassen

Die Bildung habe mit der Digitalisierung eine neue Infrastruktur erhalten, stellte Bundesratspräsident Josef Saller in seiner Eröffnungsrede fest. Die Aufgabe der Politik bestehe nun darin, neben der Förderung der entsprechenden digitalen Infrastruktur auch medienpädagogische Angebote für den Umgang mit modernen Medien zu schaffen. Ziel der Politik müsse es sein, dafür zu sorgen, dass alle Menschen uneingeschränkt auf die Infrastruktur zugreifen und diese Ressourcen nutzen können.

Die erste Herausforderung besteht daher für Saller darin, den "Digital Divide", eine "digitale Kluft" aufgrund von Alter, den Geschlecht oder sozialer Zugehörigkeit, zu vermeiden und einen ganzheitlichen Bildungsbegriff zu entwickeln. Das umfasst für Saller auch die berufliche Weiterbildung und das lebensbegleitende Lernen.

Ein System ganzheitlichen und lebenslangen Lernens brauche neben einem entsprechenden Angebot an Bildungsinhalten auch Durchlässigkeit zwischen Institutionen und Organisationen. Ein wichtiges Thema ist für Saller in diesem Zusammenhang daher die Möglichkeit zur Wiederaufnahme von abgebrochenen Ausbildungen in jedem Alter. Umschulungen und Weiterbildung seien sowohl für den Verbleib im Arbeitsmarkt als auch in Hinblick auf die späten Erwerbsjahre und die Pension fundamental, unterstrich er. Für den nachberuflichen Lebensweg sei lebenslanges Lernen besonders wichtig, um den Menschen eine sinnerfüllte Pensionszeit zu ermöglichen. Die Lösungen zur Erhaltung einer selbständigen Lebensführung auch im hohen Alter eröffneten nicht nur einen großen Arbeitsmarkt. Hier entstehe ein neuer Wirtschaftszweig mit vielen tausenden Arbeitsplätzen, betonte der Bundesratspräsident. "Diese Chance dürfen wir nicht liegen lassen", lautete seine Schlussfolgerung.

Zecha: "Strategie zum lebensbegleitenden Lernen" muss neu belebt werden

Der Leiter der Volkshochschule Tirol Roland Zecha wies auf aktuellen Zahlen zur Weiterbildungsaktivität nach Altersgruppen in Österreich hin. Diese nimmt mit zunehmendem Alter nämlich ab und lag im Jahr 2014 bei den 50- bis 59-Jährigen bei 9,7%, bei den über 60-Jährigen nur mehr bei 3,3%. Zecha erklärt sich diese Kluft mit dem Wegfall der beruflichen Weiterbildung. Mit Blick auf diese Zahlen ist für Zecha wichtig, die für 2020 formulierten Ziele der "Strategie zum lebensbegleitenden Lernen in Österreich" der Bundesregierung konsequent weiter zu verfolgen.

Politische Handlungsfelder sieht Zecha in der Fortsetzung und Intensivierung der "Strategie zum lebensbegleitenden Lernen in Österreich". Der Prozess müsse neu belebt werden, vielleicht auch mit einem/einer Koordinator/in für Erwachsenenbildung als Flaggschiff der Strategie, meinte er. Im Sinne der Qualitätssicherung und Sicherheit für bereits bestehende Institutionen, die in der Erwachsenenbildung tätig sind, wünscht sich Zecha die Implementierung eines Erwachsenenbildungsgesetzes. Auch der Zugang zur Erwachsenenbildung für sozial schwache Personen ist für ihn ein Thema auf Bundes-, Länder- und Gemeindeebene. Zecha denkt etwa an vergünstigte Teilnahmegebühren oder die flächendeckende Sicherung eines wohnortnahen Bildungsangebots besonders in den ländlichen Regionen.

Hawlicek: Budgeterhöhung für das Lernen im Alter

Lernen, Bildung und Forschung sind zentrale Fragen der Gesellschaft und Grundlage für Wirtschaftsentwicklung und Wohlstand, stellte die ehemalige Unterrichtsministerin Hilde Hawlicek am Beginn ihrer Rede fest. In Österreich gebe es für die Erwachsenenbildung gute Rahmenbedingungen, wie Hawlicek meinte. Ähnlich wie Zecha setze sie auf die Umsetzung der "Strategie zum lebensbegleitenden Lernen in Österreich". Positiv bewertete Hawlicek dabei den 2012 veröffentlichten "Bundesplan für Seniorinnen und Senioren", die darin festgemachten Ziele dürften auch hier nicht aus den Augen verloren werden.

Insgesamt sei es wichtig, Erfahrungen über Bildungsthemen wie das Lernen im Alter auszutauschen, beispielsweise über Good Practice-Projekte, und vor allem auch die positiven Wirkungen des lebenslangen Lernens und dessen Zusammenhänge mit Effekten wie bessere Gesundheit, höhere Lebenserwartung und Zufriedenheit entsprechend hervorzuheben. Hawlicek machte ebenfalls darauf aufmerksam, dass lebenslanges Lernen bzw. Erwachsenenbildung für viele SeniorInnen ein Kostenproblem darstellt. Die ehemalige Unterrichtsministerin sprach sich daher für entsprechende Budgetmittel für Bildung im Alter aus.

Wagner: Es ist nie zu spät, Neues zu beginnen

Der Geschäftsführer des CURRIT Instituts für Fortbildung, Bernhard Erich Wagner, befasste sich mit der Frage, wie es neben dem Erhalt der körperlichen Fitness auch gelingen könne, die geistige Leistungsfähigkeit zu erhalten. Sein Grundsatz dafür laute: "Es ist nie zu spät, Neues zu beginnen". Der Schlüssel dazu ist seiner Ansicht nach soziale Aktivität und der Mut, sich mit Neuem zu konfrontieren. Dazu brauche es weniger neue Initiativen oder Kurse, sondern den Austausch zwischen den Generationen neu zu denken. Dabei sei auch die Wirtschaft gefordert, um Modelle zu entwickeln, wie etwa Mentoring-Programme, in denen Erfahrungen weitergegeben werden können.

Meinhard-Schiebel: Lebensbegleitendes Lernen als Antwort auf geänderte Lebensrealitäten

Die Wiener Gemeinderätin Birgit Meinhard-Schiebel meinte, sie bevorzuge den Begriff "lebensbegleitendes Lernen". Heute müsse die gesamte Gesellschaft lernen, mit veränderten Realitäten und permanenten Veränderungen zurechtzukommen. Als eine dieser neuen Realitäten, mit denen wir umgehen müssen, sieht Meinhard-Schiebel die um vieles verlängerte Lebenserwartung. Daraus ergeben Herausforderungen, für deren Bewältigung klassische Bildungsvorstellungen oft nicht mehr ausreichen. Vielmehr müssten neue Begriffe von Kompetenzen entwickelt werden, etwa Gesundheitskompetenz. Die Frage müsse lauten, was realistische Vorstellungen seien, um Lebensqualität im Alter zu erhalten. Anlass zu Optimismus geben bereits viele Initiativen, in denen neuartige Zugänge zum Lernen entwickelt werden. Für diese Projekte brauche es aber auch politischen Rückhalt. (Schluss) keg/sox

HINWEIS: Fotos von dieser Veranstaltung finden Sie im Fotoalbum auf www.parlament.gv.at.