LETZTES UPDATE: 23.05.2016; 09:21
Diese Seite als Lesezeichen hinzufügen

Parlamentskorrespondenz Nr. 515 vom 17.05.2016

Themenfelder:
Bildung
Format:
Parlamentarische Materialien
Stichworte:
Nationalrat/Berichte/PädagogInnenbildung NEU

PädagogInnenbildung NEU darf nicht am Personalmangel scheitern

Qualitätssicherungsrat setzt auf langfristige Kompetenzsicherung an Universitäten und Pädagogischen Hochschulen

Wien (PK) - Personalengpässe dürfen die neue PädagogInnenbildung nicht scheitern lassen, mahnt der Qualitätssicherungsrat (QSR) in seinem Bericht ( III-264 d.B.) zur Umsetzung der tertiären Ausbildung sämtlicher Lehrerinnen und Lehrer. Den Start von Studienprogrammen auch dann wie geplant zu ermöglichen, wenn noch nicht alle Ressourcen bereitstehen, sei vertretbar. Für die nächsten Jahre müsse allerdings ein Entwicklungsplan zu Qualitätshebung vorliegen, um dem Mangel an Professionsorientierung an Universitäten beizukommen und an den Pädagogischen Hochschulen den Forschungsauftrag zu erfüllen. Generell ortet das Gremium, das seit 2013 das neue Ausbildungsformat wissenschaftlich begleitet, allerdings Verbesserungen im Bereich der Personal- und Organisationsstruktur. Sowohl Bildungsministerium als auch Wissenschaftsministerium würden für heuer zusätzliche Aufwendungen planen, damit die Reform gelingt.

Im Bereich der Primarstufe, für die derzeit die Pädagogischen Hochschulen die alleinige Verantwortung tragen, haben die neuen Ausbildungsangebote mit diesem Studienjahr gestartet. Für die Sekundarstufe ist der Beginn mit dem Studienjahr 2016/17 geplant. Kooperationen zwischen Universitäten und Pädagogischen Hochschulen sind hier verpflichtend vorgesehen, um eine praxisnahe und gleichzeitig fundierte PädagogInnenbildung zu gewährleisten.

Volksschul-Studium: Mangelhafte Wissenschaftlichkeit

Bei der schon begonnenen neuen Ausbildung von VolksschullehrerInnen erkennen die ExpertInnen viel Entwicklungsbedarf hinsichtlich Forschung und deren Einfluss auf die Lehre. Konkret genannt sind hier die Fachdidaktiken zur Primarstufe und die Inklusive Pädagogik. Hauptproblem sei, dass ein großer Teil der wenigen wissenschaftlich ausgewiesenen Personen im Bereich der Sekundarstufe forscht. Nur die Hälfte des vorgeschlagenen Lehrpersonals erfülle im Moment die nötigen Anforderungen, urgiert der QSR eine Qualifikationssteigerung. 30 Prozent wird das Potential zugestanden, sich in den kommenden Jahren entsprechend zu qualifizieren. In Bezug auf die geplante Aufstockung der Professorenstellen durch das Bildungsressort bietet der Rat an, Entwicklungspläne zu begleiten, um über die nächsten sieben Jahre die Erfüllung der Qualifikationsvoraussetzungen sicherzustellen. Neben engerer Verbindung von Primar- und Sekundarstufenpädagogik regt er auch entsprechende Doktoratsprogramme an.

In Bezug auf die Curricula bemängelt der Qualitätssicherungsrat, Primarstufenpädagogik und-didaktik seien darin zu eng bemessen. Den Gesamtrahmen von 120 bis 130 ECTS-Punkten müsse man langfristig überdenken, wenn man echte GeneralistInnen für den Volksschulunterricht will. Abgesehen davon wird vorgeschlagen, mehr Gewicht auf die Fächer Deutsch, Mathematik und Sachunterricht zu legen und dafür bei Schwerpunktfächern wie Werken oder Musik eigene FachlehrerInnen einzusetzen. Grundsätzlich warnt der QSR davor, in die Curricula zu hohe Ansprüche an die von den Lernenden zu erwerbenden Kompetenzen zu verpacken. Eingefordert wird ein "nationaler Diskurs darüber, was die Pädagoginnen- und Pädagogenbildung zu leisten vermag und was nicht".

Sekundarstufe: Unterschiede in der Schulpraxis

Bei der Ausbildung für die Sekundarstufe Allgemeinbildung sieht der Qualitätssicherungsrat das Zusammenwirken von Wissenschaft und Profession ebenfalls noch nicht vollständig erreicht. Welche theoretischen Konzepte hinter den Studienangeboten stehen, sei nicht immer erkennbar. Andererseits wird eine präzisere gesetzliche Ausarbeitung der pädagogisch-praktischen Studien verlangt, da das Ausmaß der Schulpraxis je nach Anbieter noch beträchtlich schwanke. Besonderes Augenmerk wird überdies auf die Angebote für QuereinsteigerInnen gelegt, die bedarfs- und professionsbezogen ausgestaltet sein müssten, sowie auf die Studienangebote zur Inklusiven Pädagogik. Hier greife es zu kurz, nur auf Sonder- und Heilpädagogik zu fokussieren. In Bezug auf das Lehramt an berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (Sekundarstufe Berufsbildung) erwartet der QSR eine Erklärung, weswegen trotz knapper Personalressourcen kostentreibende Vollstudien in den Feldern "Ernährung" sowie "Information und Kommunikation" in ganz Österreich angeboten werden.

Verbundregionen sollen Kooperationen fördern

Von den Zuschüssen aus den Hochschulraum-Strukturmitteln, die das Wissenschaftsministerium zur PädagogInnenbildung NEU angekündigt hat, erhofft der Qualitätssicherungsrat "eine qualitätsorientierte Entwicklung von Kooperationen". Die nächsten Jahre würden zeigen, inwieweit die beigesteuerten Ressourcen ausreichen, um die Weiterentwicklung von Expertise in den Verbundregionen zu unterstützen.

Zur Realisierung der Kooperation zwischen Universitäten und Pädagogischen Hochschulen wurden die jeweiligen Bildungsinstitutionen in vier Verbundregionen zusammengefasst: West (Tirol, Vorarlberg), Mitte (Oberösterreich, Salzburg), Nordost (Niederösterreich, Wien), Südost (Burgenland, Kärnten, Steiermark). Aus Sicht des Qualitätssicherungsrats ist eine zunehmende Übereinstimmung in Qualitätsfragen bezüglich der Studienpläne für die Sekundarstufe zu beobachten, wenn auch die einzelnen Verbundregionen unterschiedliche Herangehensweisen haben. Während in der Region Südost bereits an der Erweiterung der kooperativ erstellten Studienpläne für die Sekundarstufe Allgemeinbildung gearbeitet wird, und zwar um den Bereich künstlerische Fächer, seien in der Region Nordost noch keine Kooperationsvereinbarungen zwischen Universitäten und Pädagogischen Hochschulen abgeschlossen worden. Ausgehend vom bestehenden neuen Curriculum für die Sekundarstufe Allgemeinbildung an der Universität Wien wollen aber alle Institutionen ein einheitliches Lehrprogramm für kommendes Studienjahr ausarbeiten. Unterstrichen wird im Bericht, Dialog auf Augenhöhe und gegenseitiges Vertrauen bildeten die Grundlage für die notwendigen Kooperationen. (Schluss) rei