LETZTES UPDATE: 18.10.2016; 16:48
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Parlamentskorrespondenz Nr. 1100 vom 18.10.2016

Themenfelder:
Sport
Format:
Ausschusssitzungen des Nationalrats
Stichworte:
Nationalrat/Sportausschuss

Sportausschuss: Antidopingagentur setzt Präventionsmaßnahmen in Schulen

Anti-Doping-Bericht 2015 weist mehr Kontrollen aus

Wien (PK) – Die heimischen SportlerInnen wurden im vergangenen Jahr von der Nationalen Anti-Doping Agentur (NADA) 2.734 mal auf Doping getestet. In einem öffentlichen Teil der Sitzung behandelte der Sportausschuss heute den Jahresbericht 2015, aus dem hervorgeht, dass 24 SportlerInnen und damit um die Hälfte mehr als im vergangenen Jahr gesperrt wurden ( III-258 d.B.). Den Abgeordneten stand NADA-Chef Michael Cepic als Auskunftsperson zur Verfügung, der sich für mehr Unabhängigkeit der Kontrollen und ein länderübergreifendes Mentoringprogramm aussprach. Cepic betonte die Wichtigkeit der Informations- und Präventionsarbeit, vor allem bei jungen SportlerInnen. Der Bericht wurde von den Abgeordneten einstimmig zur Kenntnis genommen.

Die jüngsten Entwicklungen auf internationaler Ebene wirken sich auch auf Österreich aus, so Cepic in seiner Replik über das Jahr 2015. Während die Doping-Kontrollen im Vergleich zu 2014 um 3,6% angestiegen sind, war ein Rückgang der Anträge auf medizinische Ausnahmegenehmigungen für Medikamenten-Einnahmen zu verzeichnen. Die meisten Sperren gab es im Kraftdreikampf mit 13, gefolgt vom Radsport mit sieben Fällen. Auf der Grundlage der Novelle zum Anti-Doping-Bundesgesetz 2014 wurde die Anzahl der EinzelsportlerInnen im Nationalen Testpool von zirka 1.100 im Jahr 2014 auf zirka 750 eingeschränkt. Die Vernetzung von Exekutive, Gerichten und Staatsanwaltschaft wurde erfolgreich verbessert, unterstrich Cepic.

NADA setzt auf Kooperation mit strafrechtlichen Behörden

Der Rückgang der Anträge auf medizinische Ausnahmegenehmigungen für Medikamenten-Einnahmen ist laut NADA auf gesetzliche Änderungen und eine verstärkte Bewusstseinsbildung zurückzuführen, erfuhr Eva Mückstein von den Grünen. Ein solcher Antrag muss von erkrankten SportlerInnen gestellt werden, wenn eine medikamentöse Behandlung, die verbotene Substanzen enthält, alternativlos ist. 2014 waren es 63 Anträge, im vorigen Jahr 43. Nun sind alle betroffenen Medikamente online gelistet und können mittels Suchfunktion abgerufen werden. Dadurch können die SportlerInnen einfach auf alle notwendigen Informationen zugreifen, die Notwendigkeit Anträge zu stellen habe sich somit reduziert, informierte Geschäftsführer Michael Cepic die Abgeordneten. Aber nicht nur die SportlerInnen werden zur Verantwortung gezogen, auch deren Umfeld muss sich entsprechend verhalten, führte Cepic gegenüber Ulrike Weigerstorfer (T) aus. Unter Strafe steht sowohl die Komplizenschaft als auch der Umgang mit bestraften Personen beispielsweise als Trainer.

Um internationalen aber auch nationalen Trends Rechnung zu tragen, strebt die NADA die Schaffung einer Intelligence & Investigations"-Abteilung an. Damit könnte die nicht-analytische Beweisführung, also Ermittlungsarbeit und die Kooperation mit strafrechtlichen Behörden, weiter ausgebaut werden. Dopingrelevante Informationen könnten gesammelt, bewertet und bei ausreichendem Verdacht ein Anti-Doping Verfahren eingeleitet werden. Durch reine Stichproben-Kontrollen seien nicht ausreichend Ergebnisse zu erzielen, weshalb zusätzliche Untersuchungen und Nachforschungen notwendig seien, erwiderte Cepic auf die Frage von Norbert Sieber(V). Von Michael Bernhard (N) angesprochen, machte Cepic die Abgeordneten auf eine Kronzeugenregelung aufmerksam. Grundlage dafür ist der Welt-Anti-Doping-Code, ein weltweit gültiges Regelwerk von Anti-Doping-Bestimmungen. Wenn wesentliche Beweise für Verstöße hervorgebracht werden, werden die Strafen der Hinweisgeber erheblich gesenkt.

Ausschussobmann Dieter Brosz (G) thematisierte die von der NADA durchgeführten Überprüfungen, die ergaben, dass 38 Sportfachverbände die Gesetzesvorgaben vollinhaltlich erfüllten, 20 Verbände lediglich eine vorläufige Ausarbeitung ihres Verbandsreglements übermittelten und die Beschlussfassung 2016 zusicherten. Von zwei Verbänden erfolgte trotz mehrmaliger Kontaktaufnahmen keine Rückmeldung hinsichtlich des Verbandsreglements, übte Brosz Kritik und wies auf den Nachholbedarf der Verbände hin.

Präventionsmaßnahmen an Sportschulen

Ein wichtiger Kernbereich der NADA ist Prävention durch Information. Die NADA setzt bereits bei Jugendlichen zwischen 14 und 19 Jahren an und führt Schulprogramme durch, um den Nachwuchs frühzeitig über die Konsequenzen und Gefahren von Doping aufzuklären. Ab der 5. Schulstufe werden so die SchlülerInnen von Leistungssportschulen sowie künftig auch Fußballakademien über Doping informiert. Durch die Schulungen soll das Selbstbewusstein gesteigert werden, um die SchülerInnen dazu zu bewegen, den "richtigen Weg" zu gehen und in der Situation über alle relevanten Informationen zu verfügen, stellte Cepic gegenüber Jessi Lintl (F) fest. Aber auch die Öffentlichkeit soll auf "sauberen Sport" sensibilisiert werden.

Der Übergang von Einnahme von Vitaminen zum Doping sei ein fließender, meinte Julian Schmid (G) und verwies auf eine doping-ähnliche Problematik zur Konzentrationssteigerung im Schulbereich. Es handle sich um ein gesellschaftliches Problem, stimmte Cepic dem Abgeordneten zu, dieses zu bekämpfen überschreite jedoch den Aufgabenbereich der NADA.

Breitensport – Masse nicht von Doping betroffen

Beim Breitensport führe die NADA zielgerichtete Kontrollen durch, grundsätzlich sei die Exekutive dafür zuständig, bemerkte Cepic auf Rückfrage des Abgeordneten Hermann Krist (S). Der Großteil der breiten Masse betreibe jedoch kein Doping, sagte Cepic, der auch über die Problematik von Fitnesscentern als Handelsplattform im Bilde war.

Problematisch sah der NADA-Geschäftsführer Ungleichheiten bei den Standards der Kontrollen. Während sich österreichische SportlerInnen konsequenten Überprüfungen unterziehen müssen, haben andere Länder weniger Erfahrung damit. Die SportlerInnen unterliegen ungleichen Kontrollen, kritisierte Cepic und brachte den Vorschlag auf, ein Mentoringprogramm einzuführen, das gleiche Bedingungen bei Kontrollen sicherstellt.

NADA

Die Nationale Anti-Doping Agentur GmbH (NADA Austria) gibt es in Österreich seit 2008. Per Gesetz hat sie als unabhängige Dopingkontrolleinrichtung die Aufgabe der umfassenden Anti-Doping Arbeit im Sport. Grundlage für ihre Arbeit ist der Welt-Anti-Doping-Code, ein weltweit gültiges Regelwerk von Anti-Doping-Bestimmungen, der von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) herausgegeben wird. Der Sitz der NADA ist in Wien, im Jahr 2015 hat die Organisation neun MitarbeiterInnen beschäftigt. 103 MitarbeiterInnen waren extern für Doping-Kontrollen unterwegs. (Schluss) gro