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Parlamentskorrespondenz Nr. 1116 vom 20.10.2016

Themenfelder:
Parlament allgemein/Wirtschaft
Format:
Vermischtes
Stichworte:
Parlament/Parlamentssanierung

Technologie aus Oberösterreich für das Ausweichquartier des Parlaments

Ökologie, Nachhaltigkeit und Wertschöpfung haben hohen Stellenwert

Wien/Straß im Attergau/OÖ (PK) - Im Sommer 2017 wird mit der Generalsanierung des Parlamentsgebäudes begonnen, davor wird der parlamentarische Betrieb für drei Jahre in die Hofburg übersiedeln. Nationalrat und Bundesrat werden im großen Redoutensaal tagen. Zudem werden auf dem Heldenplatz bzw. im Bibliothekshof der Hofburg insgesamt drei temporäre Büro-Pavillons errichtet. Wertschöpfung im Inland wird allerdings bereits jetzt geschaffen. Drei Betriebe aus dem Bezirk Vöcklabruck sind maßgeblich an der Errichtung des Ausweichquartiers für die Jahre 2017 bis 2020 beteiligt.

Ökologie – Nachhaltigkeit – Wertschöpfung

Ökologie und Nachhaltigkeit haben bei der Errichtung der Ausweichquartiere hohen Stellenwert. Der Auftrag zur Errichtung der temporären Pavillons auf dem Heldenplatz bzw. im Bibliothekshof wurde nach einem europaweit ausgeschriebenen Verhandlungsverfahren an die Strabag AG vergeben, die als Totalunternehmerin fungiert. Die Generalplanung erfolgt durch die Werkstatt Grinzing WGA ZT GmbH.

"Wir sind froh, dass der Zuschlag an ein österreichisches Unternehmen mit einer Reihe von Zulieferbetrieben erteilt werden konnte", erklärte Parlamentsvizedirektor und Projektleiter Alexis Wintoniak heute bei einer Pressekonferenz auf dem Gelände der Firma E-P-C Ebetsberger in Straß im Attergau. Damit sei gewährleistet, dass die auf Nachhaltigkeit ausgerichtete heimische Holzindustrie an einem zentralen Platz in Wien einen viel beachteten Schwerpunkt setzen kann. Außerdem werde Wertschöpfung im Inland generiert, betonte Wintoniak.

"Wir sind stolz darauf, aus der Ausschreibung zu diesem prestigeträchtigen Bauvorhaben als Bestbieterin hervorgegangen zu sein", sagte STRABAG-Vorstand Manfred Rosenauer: "Wir führen dieses Projekt als Totalunternehmerin aus, Planung und Ausschreibung werden ebenso von uns durchgeführt wie der Bau und die abschließende Verwertung der Pavillons nach Rückübersiedelung des Parlaments in das sanierte Haus."

Mit den Bauarbeiten wurde laut Rosenauer Anfang September begonnen, die Fertigstellung der drei Pavillons ist für Ende April 2017 geplant.

Drei Bürohäuser aus dem Baukasten

Die drei Pavillons haben jeweils eine Grundfläche von 30 x 40 Meter und drei (Heldenplatz) bzw. vier Geschoße (Bibliothekshof). Das ergibt eine Nutzfläche von insgesamt rund 10.000 Quadratmetern. Die Häuser werden, rund um einen Erschließungskern in Massivbauweise, in einem innovativen Baukastensystem errichtet, das von der Lukas Lang Building Technologies GmbH entwickelt wurde und geliefert wird.

Das System Lukas Lang entspricht im Prinzip einem überdimensionalen Bausatz, der individuell zusammengestellt werden kann. Vorgefertigte, standardisierte Holzbauteile werden mittels Schraub- und Steckverbindungen an Ort und Stelle zusammengefügt. Das ermöglicht kurze Bauzeiten ohne Schmutz- und Lärmbelästigung. Aufbauend auf einem Basisraster (1,40 mal 1,40 Meter) lassen sich die Elemente auf unterschiedlichste Weise kombinieren.

Lukas Lang: Prestigeträchtiger Auftrag

"Wir freuen uns, dass wir diesen prestigeträchtigen Auftrag gemeinsam mit unserem langjährigen Partner Strabag AG umsetzen dürfen", sagte Christian Leitner, Geschäftsführer von Lukas Lang Building Technologies GmbH. Das Unternehmen sehe sich als Vorreiter für eine neue Art und Weise des Bauens. Der Zuschlag für dieses Projekt sei für Lukas Lang ein eindeutiger Beweis, dass man mit dem Fokus auf Werterhaltung durch Wiederverwendung auf dem richtigen Weg sei, so Leitner: "Wir können uns keinen schöneren Ort als den Heldenplatz vorstellen, wo unsere Gebäude errichtet werden und freuen uns mit unserem 35-köpfigen Montageteam auf den Start am kommenden Montag." Ab dann rollen täglich mehrere der insgesamt 130 LKWs durch das historische Heldentor.

Zulieferbetriebe im Bezirk Vöcklabruck

Lukas Lang produziert nicht selbst, sondern arbeitet mit Herstellern aus unterschiedlichsten Branchen. Wesentlichste Voraussetzung ist bei allen jedenfalls, dass sowohl Erfahrung als auch Kapazitäten für Großserienfertigungen vorhanden sind. "In Oberösterreich haben wir in den letzten Jahren für die industrielle Serienfertigung auch selbst mehr als 2,5 Mio. € in Produktionsanlagen investiert", berichtete Geschäftsführer Christian Leitner: "Ich freue mich jedenfalls, hier drei unserer Zulieferbetriebe aus der Region Oberösterreich, die uns mit ihrem Produktions-Know-How, ihrer industriellen Qualität und Zuverlässigkeit seit vielen Jahren begleiten, vorstellen zu dürfen."

E-P-C: 6.000 Holzträger in Rekordzeit

"Dieser Auftrag hat uns vor eine gewaltige Herausforderung gestellt", berichtete Franz Ebetsberger, Geschäftsführer von E-P-C Ebetsberger Partner CNC GmbH, anlässlich der Pressekonferenz auf dem Betriebsareal. Das Unternehmen fertigt für Lukas Lang die Holzträger. Innerhalb relativ kurzer Zeit mussten etwa 1.000 m3 Leimbinder zu rund 6.000 Holzträgern verarbeitet werden.

Auf der von der Firma Maitra Maschinenbau GmbH konzipierten Produktionsanlage können Leimbinder im Querschnitt 30x20 cm im Durchlaufverfahren an allen vier Seiten vollautomatisch bearbeitet werden. Dabei werden auch Bohrungen gesetzt und Stahlteile eingearbeitet, sodass die Montage der Holzträger auf der Baustelle rasch und komplikationslos erfolgen kann.

ABW: 150.000 Stück Stahlbauteile

Die Stahlteile kommen von der Firma ABW Automatendreherei Brüder Wieser GmbH im benachbarten Oberwang. Wie E-P-C ist auch dieses Unternehmen seit Jahren als Zulieferer für Lukas Lang tätig.

Die Werkstücke werden bei ABW auf speziellen Drehautomaten durch Zerspanung des Materials hergestellt. Im konkreten Fall waren das rund 130.000 Stahldübel und rund 20.000 Wechselträgerbeschläge. "Für das Parlament zu fertigen, ist für uns zweifellos eine Prestigesache", erklärte Geschäftsführer Josef Paarhammer.

Prenneis: 5,5 Kilometer Innenwände

Sämtliche Innenwände für die Parlaments-Ersatzquartiere kommen aus dem Möbelwerk R. Prenneis in Ampflwang. Auf einer computergesteuerten Fertigungsanlage im Zweitwerk Frankenburg werden in rund 2.000 Arbeitsstunden etwa 10.000 Elemente produziert – aneinandergereiht würde das eine Strecke von 5,5 Kilometer lange und 3 Meter hohe Wand ergeben.

"Dieser Auftrag stellt eine gute Ergänzung zu unserer Möbelproduktion dar und ist für uns ein wichtiger Beitrag zur Kapazitätsauslastung", erklärt Eigentümer und Geschäftsführer Thomas Prenneis.

Zentrales strategisches Ziel Nachhaltigkeit

Alle sechs im Nationalrat vertretenen Fraktionen haben sich im Juli 2014 per einstimmig beschlossenem Gesetz dazu bekannt, das Haus zu sanieren und auf einen zeitgemäßen Standard zu bringen. Das betrifft die Funktion als Arbeitsparlament gleichermaßen wie einen effizienten Energieeinsatz. Nachhaltigkeit ist – neben Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit – bei diesem Projekt zentrales strategisches Ziel.

Dieses Vorhaben wurde vor kurzem gewürdigt: Dem Sanierungsprojekt wurde die Planungsauszeichnung klimaaktiv Gold des Umweltministeriums verliehen und zugleich bescheinigt, den Qualitätskriterien der ÖGNB (Österreichische Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen) zu entsprechen. Zum ersten Mal wurden diese Auszeichnungen an ein Gebäude mit besonders hohen Anforderungen an den Denkmalschutz vergeben.

Aus Büro-Pavillons könnten Kindergärten oder Einfamilienhäuser werden

Die für die drei temporären Pavillons benötigte Menge an Fichtenholz wächst in Österreich in gut 30 Minuten nach – und wird zum Großteil wiederverwendet. Die Pavillons werden nach der Rückübersiedelung des Parlaments in das sanierte Gebäude abgebaut, die Bauteile werden vom Hersteller zurückgenommen und andernorts in anderer Konfiguration neu zusammengebaut. So könnten aus den drei Pavillons beispielsweise 9 Kindergärten oder 100 Einfamilienhäuser entstehen. (Schluss) red

HINWEISE: Fotos von dieser Verleihung finden Sie auf der Website des Parlaments unter www.parlament.gv.at/SERV/FOTO.

Aktuelle Informationen zur Sanierung des Parlamentsgebäudes finden Sie auf www.sanierung.parlament.at.

Rückfragehinweis:

Parlamentsgebäudesanierungsgesellschaft m.b.H.
Gerhard Marschall
Tel: (+43 1) 40110 – 2277
Mobil: 0676 8900-2277
E-Mail: office@pgsg.at