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Parlamentskorrespondenz Nr. 1141 vom 26.10.2016

Themenfelder:
Parlament allgemein
Format:
Veranstaltungen
Stichworte:
Parlament/Nationalfeiertag/Kunstprojekt/Kopf/Hofer/Lindner

Nationalfeiertag: Bures lädt zu besonderem Tag der offenen Tür

Kunstprojekt "Im Herzen der Demokratie" beim "Offenen Parlament" am 26. und 27. Oktober

Wien (PK) – "Offenes Parlament" heißt es auch heuer wieder anlässlich des Nationalfeiertags. Das Hohe Haus öffnet zum letzten Mal vor der Generalsanierung seine Pforten für einen Tag der offenen Tür. Nationalratspräsidentin Doris Bures begrüßte gemeinsam mit ihren beiden Kollegen im Präsidium, Karlheinz Kopf und Norbert Hofer, sowie mit Bundesratspräsident Mario Lindner um 10.00 Uhr die ersten BesucherInnen am Tor des Parlamentsgebäudes.

"Im Herzen der Demokratie": Kunstprojekt im Hohen Haus

Unter den ersten BesucherInnen ist Martina aus Niederösterreich, die schon seit neun Uhr auf den Einlass in Hohe Haus gewartet hat. Sie ist vor kurzem nach Wien gezogen und das erste Mal im Parlament. Sie will sich vor allem das Gebäude ansehen, während es für den nächsten Besucher, Andreas, der aus dem südlichen Niederösterreich angereist ist, besonders wichtig ist, dass er an diesem Tag mit PolitikerInnen direkt ins Gespräch kommen kann. Er ist schon zum dritten Mal den Tag bei einem Tag der offenen Tür. "Ich weiß nicht, ob es was bringt, aber es ist gut, dass man seine Meinung äußern kann", meint er.

Seit 2015 ist Muhammad aus Syrien mit seiner Familie in Österreich, der seinen kleinen Sohn Usama ins Hohe Haus mitgebracht hat. Im Sitzungssaal des Bundesrates lauscht eine Ärztin aus Wien hingerissen dem Stück "Ein fröhliches Lied" von Paulus Hochgatterer, das der junge Vishan Magomadov vorträgt. Sie ist extra wegen des Kunstprojekts gekommen.

Das Parlamentsgebäude wird von 2017 bis 2020 generalsaniert. Der heutige 11. Tag der offenen Tür ist somit die letzte Veranstaltung dieser Art für längere Zeit im historischen Bau am Ring. Aus diesem Anlass bietet das Parlament seinen BesucherInnen am 26. und 27. Oktober ein ganz besonderes Projekt, die künstlerische Inszenierung von Texten zum Thema Demokratie unter dem Titel "Im Herzen der Demokratie".

Für Nationalratspräsidentin Doris Bures ist das Parlamentsgebäude nicht nur Arbeitsplatz und Tagungsort von National- und Bundesrat, sondern auch ein wichtiger Repräsentationsort der Republik. Die Nationalratspräsidentin betonte in diesem Zusammenhang: "Das Parlament symbolisiert wie kein anderes Gebäude die Demokratie. Und es wird in der öffentlichen Wahrnehmung von Parlamentarismus und Demokratie während der Sanierungsphase fehlen. Daher ist es mein Ziel, den letzten Tag der offenen Tür in besonderer und einprägsamer Weise zu begehen. Wir wollen unsere Gäste mit dem Projekt 'Im Herzen der Demokratie' anregen, sich mit Demokratie intensiver auseinander zu setzen. Kunst ist ein geeignetes Mittel, um mehr Bewusstsein für demokratische Prozesse zu schaffen."

Acht renommierte AutorInnen haben für das Parlament geschrieben

Die Künstlergruppe "wenn es soweit ist" um Jacqueline Kornmüller und Peter Wolf setzt das Haus am Ring in besonderer Weise in Szene. Mit dem Projekt "Im Herzen der Demokratie" im österreichischen Parlament nähern sie sich dem Thema Demokratie mit den Mitteln der Kunst an. Acht deutschsprachige AutorInnen wurden zur Auseinandersetzung mit dem Begriff der Demokratie eingeladen und haben sich über Österreichs Vergangenheit, seine Gegenwart und seine Zukunft Gedanken gemacht. Die AutorInnen sind Juli Zeh, Clemens J. Setz, Christine Nöstlinger, Paulus Hochgatterer, Milena Michiko Flasar, Franz Schuh, Angelika Reitzer und Martin Pollack. Sie haben für je einen Ort im Parlament einen Text entwickelt. Diese Texte werden mit einem prominent besetzten Schauspielensemble - darunter Ulli Meier, Sona MacDonald und Katharina Stemberger - szenisch erarbeitet und inszeniert.

Die inhaltlichen Auseinandersetzungen sind in ihrer Herangehensweise sehr unterschiedlich. Franz Schuh verwandelt den Historischen Sitzungsaal in "Die strenge Kammer der Phrasen". Juli Zeh hat eigens für das Ministerrats-Zimmer den Text konzipiert, der diverse "Missverständnisse" unseres Demokratieverständnisses aufgreift, wie etwa die Klage, wonach die "Politik einfach zu langweilig" geworden sei und es an "echten Persönlichkeiten mit Ecken und Kanten" fehle. "Genauso mangelt es an echten Auseinandersetzungen. Die Parteien sind sich zu ähnlich, man weiß gar nicht mehr, wen man wählen soll", schreibt Juli Zeh.

Für den Empfangssalon hat der Grazer Schriftsteller Clemens J. Setz einen Text geschrieben, der die Bundespräsidentenwahl zum Inhalt hat. "Karl Kraus wäre in Ekstase: die Zukunft Österreichs, der Bundespräsident, eine historische Wahl und hier: das! Ich saß da und starrte: das ist so großartig!" heißt es in "Meister Eder und sein Publikum".

Für das Projekts hat außerdem Christine Nöstlinger ihre berührende Rede zum 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Mauthausen beigesteuert. Sie wird im Sitzungssaal des Bundesrates zu hören sein, interpretiert von der Puppenspielerin Ulrike Langenbein, die eigens dafür eine Puppe angefertigt hat: eine 8-jährige Christine Nöstlinger.

Die Szenen von 7 bis 10 Minuten werden in den Aufführungsräumen wiederholt, sodass alle BesucherInnen die Möglichkeit haben, alle Szenen zu sehen. Im Wechsel mit den Schauspielszenen werden außerdem Musiktheaterszenen geboten, etwa von den Gruppen Federspiel, Alma, den Strottern, Blech und Marino Formenti. Der Leadsänger der Sofasurfers Emmanuel Obeya und die Tänzerin Esther Balfe bieten eine Tanzaktion. Die Präsentation ist übrigens nicht nur am Nationalfeiertag bis 17.00 Uhr, sondern auch am Tag darauf, am 27. Oktober 2016, von 16.00 Uhr bis 22.00 Uhr zu sehen. Einlass ist bis eine Stunde vor Schluss.

Austausch mit ParlamentarierInnen am Nationalfeiertag

Parallel zum Projekt "Im Herzen der Demokratie" haben auch heuer die  Gäste am 26. Oktober wie in den Jahren davor Gelegenheit, sich direkt mit MandatarInnen auszutauschen. Sie können die PräsidentInnen des Hohen Hauses in ihren Amtsräumen treffen und Abgeordnete im Sprechzimmer kennenlernen. Auch den beliebten Fotopoint im Sitzungsaal des Nationalrats gibt es wieder, von dem die BesucherInnen Fotos beim Verlassen des Gebäudes mitnehmen können.

Demokratiewerkstatt im Palais Epstein

Auch das Palais Epstein ist Teil des Tages der offenen Tür. Hier wird das umfangreiche Angebot an politischer Bildung im Parlament, das sich vor allem an Kinder und Jugendliche richtet, vorgestellt.

Das österreichische Parlament ist ein offenes Haus. Pro Jahr besuchen rund 100.000 Menschen das Hohe Haus. Höhepunkt ist jedes Jahr der Tag der Offenen Tür, der seit 2005 stattfindet.

(Schluss)

HINWEIS: Fotos vom Tag der offenen Tür finden Sie auf der Website des Parlaments unter www.parlament.gv.at/SERV/FOTO/ARCHIV. Mehr Informationen zum Projekt "Im Herzen der Demokratie" finden Sie unter http://wennessoweitist.com/.