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Parlamentskorrespondenz Nr. 1379 vom 06.12.2016

Themenfelder:
Bildung
Format:
Ausschusssitzungen des Nationalrats
Stichworte:
Nationalrat/Unterrichtsausschuss/Hammerschmid

Unterrichtsausschuss: Digitalisierungsinitiative soll Computerkompetenzen an Schulen stärken

Etliche Vorschläge der NEOS für Verbesserung des Schulwesens

Wien (PK) – SPÖ, ÖVP und NEOS beschließen eine Digitalisierungsinitiative zur Förderung der Digitalen Bildung an Österreichs Schulen. Bildungsministerin Sonja Hammerschmid wird darin ersucht, die Festigung Digitaler Kompetenzen voranzutreiben und den Ausbau der technischen Infrastruktur von Schulen zu intensivieren. Der heutige Unterrichtsausschuss behandelte zudem zahlreiche Bürgerinitiativen und Oppositionsanträge, wovon der Großteil dem Unterausschuss zur Schulreform zugewiesen wurde.

Die NEOS brachten zahlreiche Ideen zur Verbesserung des Schulwesens vor. So sollten Integrationsmittel am Standortkonzept orientiert, digitale Kompetenzen erhöht und der Fächerumfang bei der Zentralmatura eingeschränkt werden. Außerdem sollen sich die Schulen durch Best-Practice-Austäusche der Schulpartner und flächendeckendes LehrerInnen-Feedback weiterentwickeln, schlug NEOS-Bildungssprecher Matthias Strolz vor. Wenn es nach den Grünen geht soll ein Chancenindex soziale Nachteile durch gerechte Mittelverteilung ausgleichen. Ebenfalls für Chancengleichheit trat die Bürgerinitiative zum Thema gleiche Rechte für chronisch kranke Kinder ein. Weitere Bürgerinitiativen betrafen die Erhöhung der Vorbereitungsstunden für die mündliche Zentralmatura und die Einführung des Unterrichtsfachs Ernährung. Zudem behandelte der Ausschuss die Umsetzung der freien Schulwahl durch entsprechende Förderung der Lehranstalten.

Digitalisierungsmaßnahmen für Schulen

Die Forderung der NEOS, Computerkompetenzen im Bildungsbereich einen höheren Stellenwert einzuräumen ( 1914/A(E)), war Anlass für einen Entschließungsantrag, der im Ausschuss eingebracht wurde. Darin rufen Brigitte Jank (V), Elisabeth Grossmann (S), Eva-Maria Himmelbauer (V), Katharina Kucharowits (S) und Matthias Strolz (N) zu Digitalisierungsmaßnahmen für Schulen auf.

Konkret soll eine Digitalisierungsinitiative den Erwerb und die Festigung Digitaler Kompetenzen fördern und den Ausbau der technischen Infrastruktur intensivieren. Digitale Bildung soll in allen Lehrplänen verankert und ein Unterrichtsfach "Digitale Kompetenzen" eingeführt werden. Aber nicht nur die SchülerInnen, auch in der LehrerInnen- und Erwachsenenbildung soll die Integration der Digitalisierung vorangetrieben werden. Kernelement ist dabei die Bereitstellung der technischen und digitalen Infrastruktur, beispielsweise eine leistungsstarke Internetanbindung und die erforderliche Hardware.

Digitalisierung ist der Schlüssel zur Individualisierung, sagte Hammerschmid und sprach sich insbesondere für die Fortbildung der PädagogInnen und die Bereitstellung der Infrastruktur aus. Während die Grünen dem Antrag ihre Zustimmung gaben, verwehrte die FPÖ diese mit der Begründung, dass der Erwerb von Grundkenntnissen in Lesen, Schreiben und Rechnen vorangetrieben werden müsse.

Hammerschmid arbeitet an Chancengleichheit

Grünen-Bildungssprecher Harald Walser fordert einen Chancenindex für eine gerechte Mittelverteilung im Schulwesen, der auch den familiären Hintergrund der SchülerInnen berücksichtigt ( 1903/A(E)). Schulen mit größeren sozialen Herausforderungen müssten mehr Mittel zur Förderung der Kinder erhalten. Dieser Chancenindex soll für alle SchülerInnen einen Vorteil bringen, selbstverständlich auch für die Hochbegabten unter ihnen, strich Walser hervor. Für eine flächendeckende Implementierung des Chancenindex seien weitere Analysen notwendig, erklärte Daniela Holzinger-Vogtenhuber (S) die Zuweisung des Antrags an den Unterausschuss.

Ebenfalls dem Unterausschuss zugewiesen wurde eine Bürgerinitiative für Unterstützungsleistungen an Schulen, Kindergärten und Betreuungseinrichtungen ( 60/BI). In Österreich leben über 190.000 Kinder und Jugendliche mit chronischen Erkrankungen (Diabetes, Asthma, Epilepsie, Allergien usw.), alle haben das gleiche Recht auf bestmögliche Entwicklung und Entfaltung, deshalb sollten Hilfestellungen von den Kindergärten und Schulen ohne Extrakosten für die Betroffenen zur Verfügung gestellt werden. In das Konzept müssten auch die SchulärztInnen eingebunden werden, fügte Franz-Joseph Huainigg (V) hinzu und wollte den Kindern auch ermöglichen an Schulskikursen teilzunehmen. Demgegenüber sah Gerald Hauser (F) die PädadogInnen mit den Erwartungen überfordert. Wichtig sei, Rechtssicherheit für jene Personen, die Kindern in Ausübung ihres Berufes Unterstützungsleistungen gewähren, zu schaffen, meinte Angelika Winzig (V). Eine Lösung ist dringend notwendig, daher arbeiten Unterrichtsministerium und Gesundheitsministerium an einem gemeinsamen Ansatz, erklärte Bildungsministerin Sonja Hammerschmid.

Wie kann die Zentralmatura weiterentwickelt werden?

Die Zentralmatura müsste in den Augen von NEOS-Bildungssprecher Matthias Strolz weiterentwickelt und die Vergleichbarkeit zwischen den Schulen erhöht werden. Als erste Maßnahmen regt er an, die standardisierte Matura nur noch für jene Fächer, die für die allgemeine Hochschulreife erforderlich sind, vorzusehen, und die Beurteilung externen Kräften zu überlassen. Die Ergebnisse der Zentralmatura seien an jedem Schulstandort zu veröffentlichen ( 1790/A(E)); zumindest den Schulgemeinschaftsausschüssen müssten die Ergebnisse detailliert zur Verfügung gestellt werden ( 1791/A(E)). Dies bilde die Basis für Peer-Projekte von Schulen, in denen sie unter Begleitung der Behörde und gemeinsam mit den SchulpartnerInnen Verbesserungen bei schulautonomen Maßnahmen erarbeiten können, erklärte Strolz. Harald Walser (G) wollte die Ergebnisse zum Schutz der Schulen und SchülerInnen nicht sofort an die Schulstandorte weitergeben.

Seit Einführung der standardisierten Reife- und Diplomprüfung stehen den SchülerInnen nur noch vier Vorbereitungsstunden pro Fach bei der mündlichen Matura zur Verfügung. Angesichts der Neueinführung und damit verbundener Unsicherheiten, stelle dies eine unzureichende Vorbereitung dar, argumentieren die Einbringer der Bürgerinitiative ( 64/BI). Daher soll die Anzahl der Vorbereitungsstunden wieder auf das ursprüngliche Ausmaß aufgestockt werden.

Die Zentralmatura muss weiterentwickelt werden, zeigte sich auch Elisabeth Grossmann (S) überzeugt. Die Vorbereitungszeit ist für die Vorbereitung für die Prüfungssituation vorgesehen, nicht für die Erlernung des Stoffs, deshalb ist die Verkürzung angemessen, argumentierte Grossmann. Es werden vielfältige Maßnahmen zur Verbesserung der zentralisierten Matura gesetzt, informierte Hammerschmied und verwies dabei auf internationale Studien, die sie am 17. Jänner präsentieren werde. Die Verhandlungen wurden daher vertagt.

Feedback und Austausch erwünscht

Eine regelmäßige Evaluation der Fähigkeiten und Leistungen von LehrerInnen will Klubobmann Strolz an allen Schulen Österreichs etabliert sehen ( 1773/A(E)). Er fordert daher ein 360°-Feedbacksystem an Schulen, zusammengesetzt aus Selbst- und Fremdbeobachtung der Lehrkräfte, erarbeitet auf Grundlage einer internationalen Vergleichsstudie.

Durch Erfahrungsaustausch könnten sich Schulen am ehesten weiterentwickeln, finden die NEOS und regen an, eine online-Plattform als "Creative Pool" einzurichten. Dort können sich Schulen, Eltern, LehrerInnen, SchülerInnen und ExpertInnen über erfolgreiche Bildungsmethoden austauschen ( 1771/A(E)). Dadurch könnten zahlreiche bestehende Schulversuche ersetzt werden.

Gerade im Hinblick auf die hohe Burnout-Rate der LehrerInnen sei mehr Supervision und Unterstützung erforderlich, der Austausch untereinander würde daher zum Vorteil aller ausfallen, meinte Strolz. Beide Anliegen wurden von den Grünen unterstützt, Harald Walser warnte jedoch vor einem zu hohen Verwaltungsaufwand für die Berichterstattung an andere Schulen. Marianne Gusenbauer-Jäger (S) begrüßte Plattformen zum Erfahrungsaustausch, begründete die Vertagung der Anliegen aber mit der Behandlung im Rahmen des Autonomiepakets der Schulen.

Lebenskompetenzen als Unterrichtsfach

Die Bereiche Ernährung, Kochen, Gesundheit und VerbraucherInnenbildung gelten für die EinbringerInnen einer Bürgerinitiative als Lebenskompetenzen und sollten daher im Schulsystem verstärkt berücksichtigt werden ( 74/BI). Das Unterrichtsangebot zu diesen Themen sollte insbesondere an allen Schulen sowie den Universitäten sukzessive ausgebaut und auf ein eigenes Unterrichtsfach ausgeweitet werden, fordern die EinbringerInnen. Petra Steger (F) und Harald Walser (G) hoben beide die hohe Bedeutung der Ernährung für die Entwicklung der Kinder hervor, eine spezielle Bildungseinrichtung dafür einzurichten, ging Walser jedoch zu weit. Für Marianne Gusenbauer-Jäger (S) ist es ausreichend, dass das Thema Ernährung in anderen Fächern integriert ist. Auch diese Initiative wurde mehrheitlich vertagt.

Freien Schulwahl durch Förderung aller Lehranstalten

Die extrem niedrige Förderung von Schulen in freier Trägerschaft in Österreich erschwere die gesetzlich garantierte freie Schulwahl bzw. verunmögliche diese für Eltern mit niedrigem Einkommen ( 90/BI). Dadurch werde die Umsetzung des Rechts auf Bildung gemäß der Europäischen Grundrechtecharta verhindert. Eltern wird es dadurch nicht ermöglicht, die Erziehung und den Unterricht ihrer Kinder entsprechend ihren eigenen religiösen, weltanschaulichen und erzieherischen Überzeugungen sicherzustellen. Durch eine Novellierung des Privatschulgesetzes soll daher sichergestellt werden, dass Schulen in freier Trägerschaft mit Öffentlichkeitsrecht einen Rechtsanspruch auf Abdeckung ihrer Kosten in Höhe der durchschnittlichen Kosten anderer Schulen haben sowie volle Autonomie bei der Umsetzung ihrer jeweiligen pädagogischen Inhalte im Rahmen ihrer genehmigten Lehrpläne und Statuten genießen können.

Privatschulen sind die Impulsgeber für staatliche Schulen, führte Bildungssprecher Harald Walser (G) aus. Obwohl das Hauptaugenmerk auf den öffentlichen Schulen liege, sollten den Privatschulen die Kosten für Lehrpersonal im selben Umfang wie den staatlichen Schulen abgegolten werden. Dies würde jährliche Kosten von 20 bis 30 Mio. € verursachen. Der Verfassungsgerichtshof sei mit diesem Thema betraut, begründete Brigitte Jank (V) die Vertagung des Bürgeranliegens.

Integrationsmittel am Standortkonzept orientieren

Für erfolgreiche Integrationsarbeit an Schulen braucht es nach Meinung der NEOS an die Bedürfnisse der Schulen angepasste Maßnahmen. Dementsprechend sollte der jeweilige Standort einen Projektplan mit adäquaten Maßnahmen erstellen, für die eine eigene Anreizfinanzierung beantragt werden kann, skizziert Bildungssprecher Matthias Strolz sein Konzept ( 1915/A(E)). Der Fokus auf Integration sei den Grünen ein großes Anliegen, führte auch Harald Walser aus (G). Der Antrag wurde dem Unterausschuss zur weiteren Behandlung zugewiesen. (Schluss Unterrichtsausschuss) gro