LETZTES UPDATE: 24.03.2017; 05:46
Diese Seite als Lesezeichen hinzufügen

Parlamentskorrespondenz Nr. 332 vom 23.03.2017

Themenfelder:
Bildung
Format:
Ausschusssitzungen des Nationalrats
Stichworte:
Nationalrat/Unterrichtsausschuss/Hammerschmid

Unterrichtsausschuss: Lob für duale Schulausbildung in Österreich

EU-Bildungsvorhaben 2017 stellen Modernisierung von Schul- und Hochschulbildung in den Mittelpunkt

Wien (PK) – In einem öffentlichen Teil der Sitzung diskutierte der Unterrichtsausschuss die EU-Jahresvorschau 2017 des Bildungsministeriums, wonach im laufenden Jahr die Umsetzung der neuen Europäischen Agenda für Kompetenzen (New Skills Agenda for Europe) eine zentrale Rolle im Bildungsbereich spielen soll. Der Fokus liege dabei auf der Modernisierung der Schul- und Hochschulbildung, so Andrea Gessl-Ranftl (S). Aber auch die Senkung der Schulabbruchsquote sowie die Erhöhung des Anteils der 30- bis 34-Jährigen HochschulabsolventInnen sind Ziele der gemeinsamen EU-Bildungspolitik 2017 ( III-342 d.B.).

Vor der erstmaligen Durchführung der teilzentralen Berufsreifeprüfung zum Haupttermin 2017 beschloss der Unterrichtsausschuss heute einstimmig eine Gesetzesinitiative zu Anpassungen im Schul- und Externistenprüfungswesen sowie im Prüfungstaxengesetz. Weiters genehmigte der Ausschuss das internationale Abkommen, wonach die gegenseitigen Anerkennung von Schulzeugnissen zwischen Österreich und dem Fürstentum Liechtenstein erneuert wird.

Hammerschmid: Mehr Lehrlinge nutzen Erasmus+

Das europäische Bildungsprogramm "Erasmus+" sei wichtig, um jungen Menschen zu ermöglichen, Erfahrungsschatz zu sammeln, so Bildungsministerin Sonja Hammerschmid. 2014 bis 2016 wurden rund 40.000 Mobilitäten ermöglicht und über 1.200 Projekte umgesetzt, führte sie aus. Wendelin Mölzer (F) wollte die Mittel dafür weiter ausbauen. Besonders wichtig war Hammerschmid, dass die Mobilität von Lehrlingen gestiegen ist. Diese profitierten sehr von den erworbenen Sprachkenntnissen.

Für 2017 stehen Österreich 32,2 Mio. € an EU-Fördermitteln zur Verfügung. Das Bildungsministerium sichere die maximale Ausschöpfung der Fördermittel durch Kofinanzierung österreichischer Projekte. Bei der Bildung habe die Europäische Union keine Regelungskompetenz, die Rechtsetzung liege in nationaler Hand, sagte die Bildungsministerin. Die Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten erfolge daher ausschließlich kooperativ.

Die duale Ausbildung in Österreich sei ein bildungspolitischer Exportschlager, betonte Harald Walser (G). Geht es nach Sigrid Maurer, so gehöre aber die Berechnungsmethode der Akademikerquoten für den Nationalen Qualitätsrahmen hinterfragt. Mit der Einrechnung von HTL-AbsolventInnen würde Quotenschönerung betrieben, so die Abgeordnete. Bildungsministerin Hammerschmid wies dies mit der Begründung zurück, das Ingenieurgesetz lege den Grundstein dafür.

Ratspräsidentschaften 2017 bringen neuen Schwung für Österreich

Unter maltesischer Ratspräsidentschaft sollen Wege gefunden werden, qualitativ hochwertige Bildung für alle zu erreichen, unterstrich Brigitte Jank (V). Denn gerade in Wien bestehe durch die Flüchtlinge der Bedarf nach mehr Sprachunterricht. Für Robert Lugar (T) ist es notwendig, die SchülerInnen vor Eingliederung in den Regelunterricht mit der Unterrichtssprache vertraut zu machen. Laut Hammerschmid sei die Integration von Flüchtlingskindern auch ohne diese Maßnahme erfolgreich, eine entsprechende Unterstützung der Schulstandorte sowie die Qualifikation der PädagogInnen sei aber erforderlich.

Unterschiede in den sozioökonomischen Hintergründen führen zu massiven Benachteiligungen, knüpfte Matthias Strolz (N) an und forderte ein, Ressourcen nach einem Chancenindex zu verteilen. Der Integrationstopf werde 2018 erneut mit 80 Mio. € dotiert, informierte Hammerschmid die Abgeordneten.

Im zweiten Halbjahr 2017 widme sich die estnische Ratspräsidentschaft der digitalen Dimension als Querschnittsthema aller Politikbereiche, sagte Bildungsministerin Hammerschmid in Richtung Eva-Maria Himmelbauer (V). Jank wollte den estnischen Schwung für Österreich mitnehmen. Seitens der Grünen wollte Walser das Recht auf Schulausbildung im 11. und 12. Schuljahr sichern.

Letzte Änderungen vor Start der zentralen Berufsreifeprüfung

Vor der erstmaligen Durchführung der teilzentralen Berufsreifeprüfung zum Haupttermin 2017, wurden Klarstellungen vorgenommen und redaktionelle Versehen bereinigt, erläuterte Eva-Maria Himmerlbauer (V) ( 2017/A). Änderungen gebe es auch im Prüfungstaxengesetz. Brigitte Jank (V) und Elisabeth Grossmann (S) bekannten sich zur österreichischen Berufsreifeprüfung, die keinesfalls als Matura zweiter Klasse angesehen werden dürfe. Bildungsministerin Sonja Hammerschmid hob hervor, dass die Zahl der AbsolventInnen der Lehre mit Matura steigen.

Positiv sah Daniela Holzinger-Vogtenhuber (S) auch die Verkürzung der Wartezeit bei nicht bestandenen Abschlussprüfungen. Die KandidatInnen dürfen künftig nach zwei – statt bislang nach drei - Monaten erneut antreten. Obwohl er die Novelle befürworte, betonte Harald Walser (G), dass es sich dabei um die Korrektur von Pannen bei der ursprünglichen Beschlussfassung handle. Das berufsbildende Schulwesen sei teuer und sinnvoll, es sei aber keine akademische Ausbildung, daher müsse differenziert werden, sagte Walser zu dem Nationalen Qualifikationsrahmen. Jank erklärte dazu, dass österreichische Unternehmen bei internationalen Ausschreibungen derzeit ohne eine entsprechende Anrechnung von Berufsausbildungen schlechter abschneiden, obwohl das Wissen vorhanden sei.

Abkommen mit Liechtenstein über Anerkennung von Reifezeugnissen und Hochschulabschlüssen

Zwischen Österreich und Liechtenstein wird künftig ein vereinfachtes Verfahren zur gegenseitigen Anerkennung von Reifezeugnissen und Hochschulqualifikationen angewandt ( 1512 d.B.). Das Abkommen ersetze das derzeit gültige, dessen Wortlaut wegen Änderungen im Hochschulsektor anpassungsbedürftig sei, so Elmar Mayer (S). Studien- und Prüfungsleistungen in einschlägigen Fächern werden pauschal - unter Berücksichtigung des European Credit Transfer and Accumulation System (ECTS) – anerkannt. Auch die Hochschulqualifikationen in einschlägigen Studien werden angerechnet.

Das Abkommen beziehe sich ausschließlich auf den akademischen Bereich und nicht auf berufsrechtliche Regelungen. Die Mobilität von österreichischen Studierenden werde so erleichtert, unterstrich Maria Theresia Fekter (V). Großes Manko sei jedoch, dass die Regelung nicht auch für Berufsreifeprüfungen gelte. Fekter sprach sich dezidiert dafür aus, künftig Berufsqualifikationen gleich zu behandeln. (Fortsetzung Unterrichtsausschuss) gro