LETZTES UPDATE: 08.03.2018; 09:05
Diese Seite als Lesezeichen hinzufügen

Parlamentskorrespondenz Nr. 214 vom 07.03.2018

Themenfelder:
Bildung
Format:
Parlamentarische Materialien
Stichworte:
Nationalrat/Anträge/Unterricht

Neu im Unterrichtsausschuss

Indexierte Mittelverteilung an Schulen, Schulautonomie, Privatschulen Schulsozialarbeit, Integrationsklassen

Wien (PK) – Die Hebung der Bildungschancen aller SchülerInnen in Österreich durch eine sozialindexierte Mittelverteilung an Schulen fordern SPÖ und NEOS in ihren jeweiligen Anträgen. Weitere Forderungen der pinken Fraktion an Bildungsminister Heinz Faßmann betreffen die Ausweitung der Autonomie von Schulstandorten und Lehrkräften, die Aufwertung des Lehrberufs, öffentliche Finanzierung von Privatschulen, schulische Sozialarbeit sowie Inklusion.

Finanzierung nach sozialen Kriterien

Die Finanzierung der Schulen sei sozialer zu gestalten, fordert SPÖ-Bildungssprecherin Sonja Hammerschmid ( 106/A(E)) und verweist auf die in der Bildungsreform 2017 vorgesehene "chancenindexierte Mittelverteilung". Nach einem Chancen-Index-Modell, das auf Kriterien wie Bildungsgrad der Eltern, Alltagssprache der SchülerInnen und deren sozio-ökonomisches Umfeld abstellt, soll demnach das Geld den Standorte zugewiesen werden. Die Schulen könnten dadurch besser mit ihren jeweiligen Herausforderungen abhängig von Schultyp, regionaler Lage und sozialer Durchmischung umgehen, so die frühere Bildungsministerin.

Ähnlich argumentiert NEOS-Bildungssprecher Matthias Strolz in seinem Antrag ( 161/A(E)), auf Grundlage eines Sozialindex Mittel für die Schulstandorte freizumachen. Ohne finanzielle Initiative seitens des Staats werde die soziale Durchmischung an Schulen nicht erreicht. Strolz will das Geld aber als Zusatzbudget, abhängig von der Zahl an SchülerInnen mit niedrigem Bildungshintergrund, an die Schulen verteilt sehen. Die Standorte könnten über den Mitteleinsatz dann autonom entscheiden und beispielsweise zusätzliches Fachpersonal anstellen. 500 Mio.€ wären dafür zu budgetieren, der Bund soll die Begleitung der Schulen mittels Qualitätsrahmen übernehmen.

Freiraum durch Schulautonomie

Für umfassende pädagogische Freiheit an allen Schulen Österreichs plädiert NEOS-Klubobmann Strolz ( 158/A(E)) und meint damit die Möglichkeit, pädagogische Modelle und didaktische Konzepte selbstständig festzulegen. Die Politik habe die Aufgabe, einen klaren Handlungsrahmen – etwa durch eine "Mittlere Reife" am Ende der Schulpflicht - einzuführen, Ziele festzulegen und deren Umsetzung zu begleiten. Gleichzeitig müsse das Berufsbild der LehrerInnen als ExpertInnen mehr gefördert werden, so Strolz.

Den Weg hin zu einer Vollautonomie der Schulen als Bestandteil eines erneuerten Bildungssystems skizziert der NEOS-Bildungssprecher in seinem Antrag ( 156/A(E)), entsprechende Pilotprojekte zu ermöglichen. Noch bevor eine nationale Umsetzungsstrategie zur Schulautonomie Gesetzesform annimmt, sollten öffentliche Pionierschulen Erfahrungen bei pädagogisch, finanziell und personell eigenständigen Entscheidungen sammeln können. Angestoßen wird die Pionierarbeit nach Strolz' Konzept von den Schulen selbst, indem der Schulgemeinschaftsausschusses sich freiwillig dafür entscheidet.

Berufsbild LehrerIn in neuem Rahmen

Zur Schaffung tatsächlicher personeller Autonomie an Schulen braucht es nach Auffassung der NEOS einen Rahmenkollektivvertrag, der Grundeinkommen, Arbeitszeit und Kündigungsmodalitäten für SchulmitarbeiterInnen regelt. Das bestehende Lehrerdienstrecht sei nicht mehr zeitgemäß und gehöre im Sinne eines innovativen Berufsverständnisses der LehrerInnen abgeschafft, findet Matthias Strolz ( 155/A(E)).

Grundsätzlich würde der heimische Schulunterricht von einer ausgeweiteten Feedbackkultur profitieren, schlägt Strolz die flächendeckende Einführung eines sogenannten 360°-Feedbacksystems für LehrerInnen vor. Dabei handelt es sich um eine Bewertung der Leistungen von Lehrkräften durch Eigen- und Fremdevaluierung. Laut Strolz ist diese Methodik international erprobt, weswegen er anhand von Erfahrungen aus anderen Ländern eine Studie anregt, die als Basis für ein Feedbacksystem an sämtlichen heimischen Schulen dienen soll ( 159/A(E)).

Gleichwertige öffentliche Finanzierung aller Privatschulen

Eine Benachteiligung nicht-konfessioneller Privatschulen mit Öffentlichkeitsrecht ortet Strolz bei der Finanzierung durch die öffentliche Hand. Während konfessionelle Privatschulen rund 80% ihrer Kosten vom Staat abgedeckt erhielten, müssten Schulen ohne Bindung an eine Religionsgemeinschaft mit nur 10% Kostendeckung auskommen. Im Sinne der Chancengerechtigkeit plädieren die NEOS daher für eine Gleichstellung aller Privatschulen bei der öffentlichen Finanzierung ( 157/A(E)).

Sozialarbeit statt Strafen

Sozialarbeit müsse an Österreichs Schulen ausgebaut werden, betont Bildungssprecher Strolz, das Land hinke hier im internationalen Vergleich immer noch hinterher. Um Problemen wie dem Schulschwänzen beizukommen, brauche es neben einer Ausweitung schulärztlicher bzw. schulpsychologischer Dienste an Schulen professionelle Kräfte für Sozial- und Elternarbeit. Die Regierung habe sicherzustellen, dass unter Berücksichtigung regionaler Erfordernisse dazu ausreichend organisatorische, finanzielle und personelle Ressourcen vorhanden sind ( 149/A(E)), appelliert Strolz an Minister Faßmann. Außerdem schlägt er vor, bei Kooperationsverweigerung von Eltern bzw. SchülerInnen vermehrt daheim aufsuchende Sozialarbeit zu ermöglichen, ehe Strafen angedacht werden.

Schulische Inklusion stärken

Eine Stärkung der "umgekehrten Inklusion" als Zeichen pädagogischer Autonomie verlangen NEOS-Bildungssprecher Matthias Stolz und Stephanie Cox von der Liste Pilz durch die Überführung von Integrationsklassen an Sonderschulen in das Regelschulwesen ( 154/A(E)). Gute Beispiele für den gemeinsamen Unterricht von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf und nicht behinderten Kindern böten schon jahrelang mehrere Schulversuche an Sonderschulen in Oberösterreich. Wie die Grünen BundesrätInnen in einer eigenen Initiative (siehe Parlamentskorrespondenz Nr. 125) warnen die AntragstellerInnen aus dem Nationalrat nun vor dem Aus dieser innovativen Schulversuche, denen mit der Bildungsreform 2017 die rechtliche Grundlage entzogen worden sei. (Schluss) rei