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Parlamentskorrespondenz Nr. 1538 vom 18.12.2018

Themenfelder:
Frauen/Generationen/Gleichbehandlung
Format:
Veranstaltungen
Stichworte:
Parlament/Sobotka/Frauenwahlrecht

Sobotka setzt Impuls für Gleichberechtigung

Auftakt der Veranstaltungsreihe zum Thema 100 Jahre Frauenwahlrecht

Wien (PK) – "In diesem Gedenkjahr haben wir uns auch mit den dunkelsten Zeiten der österreichischen Geschichte befasst, aber heute ist ein Tag der Freude", sagte Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka heute im Rahmen der Auftaktveranstaltung anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums des Frauenwahlrechts in Österreich. Am 18. Dezember 1918 wurde in der Provisorischen Nationalversammlung jene Wahlordnung verabschiedet, in der das allgemeine Wahlrecht – und somit auch das Frauenwahlrecht – in Österreich festgehalten ist. Bei der Wahl zur Konstituierenden Nationalversammlung am 16. Februar 1919 gaben sodann 82,10 % aller wahlberechtigten Frauen und 86,98 % der Männer ihre Stimme ab. Im März 1919 trat die Konstituierende Nationalversammlung zu ihrer ersten Sitzung zusammen.

Sobotka bezeichnete den Kampf um die Frauenrechte als eine "Geschichte des Auf und Ab", um die es auch nach Einführung des Frauenwahlrechts noch lange schlecht bestellt war. Erst mit der Familienrechtsreform der 1970er Jahre wurde ein wesentlicher Schritt für die Gleichstellung von Mann und Frau gesetzt – "Bis heute haben wir sie nicht zur Gänze erreicht", sagte er. Mit Hinblick auf den bemerkenswerten Anteil von 37% weiblichen Abgeordneten im Nationalrat sei seitdem zwar einiges geschehen, aber "wir haben noch viel Arbeit vor uns". Den weiblichen Parlamentarierinnen dankte der Nationalratspräsident in diesem Zusammenhang für ihre brückenbauende und sachliche Arbeit, die "einen ungeheuren Anteil an der gesamten politischen Diskussion" ausmache.

Mit der Veranstaltungsreihe will das Parlament einen Impuls zur Gleichberechtigung setzen, um das Thema "mit Mut und Zuversicht anzugehen, aber auch pragmatisch für Frauenrechte zu kämpfen", so Sobotka. Er betonte etwa die Bedeutsamkeit der "#metoo"-Kampagne, die er als notwendig erachtete, um klarzustellen, dass ein wertschätzender Umgang mit Frauen gelingen muss. Er rief dazu auf, Zivilcourage vermehrt in den Alltag einzubringen und eindeutig aufzeigen, wenn Grenzen überschritten wurden.

Auch die Ehrenpräsidentin des österreichischen UN-Women Nationalkomitees Lilly Sucharipa appellierte an die Zivilgesellschaft – insbesondere an die Männer – bei der Erreichung und Wahrung der Frauenrechte aktiv unterstützend mitzuwirken, etwa im Rahmen der UN-Women-Kampagne "#heforshe". Das allgemeine Wahlrecht habe man zu keinem Zeitpunkt in Frage gestellt, daher wünschte sie sich, dass man künftig auch einen gleichberechtigten Anteil von 50% Frauen im Nationalrat als Selbstverständlichkeit ansehen kann.

Die Veranstaltung stand im Zeichen eines Zitats der Frauenrechte-Aktivistin und zentralen Figur der österreichischen Frauenbewegung Rosa Mayreder "Es ist immer die leidige Frauenfrage, die mich bewegt". Als Pionierinnen des Frauenwahlrechts gaben Rosa Mayreder und unter anderem Marianne Hainisch zu Beginn des 20. Jahrhunderts den Frauen eine politische Stimme in Österreich. Mit dem "Bundestag Österreichischer Frauenvereine" setzten sie ein wichtiges demokratisches Zeichen. Adelheid Popp, eine weitere wichtige Persönlichkeit der Frauenbewegung in Österreich, war Mitglied der konstituierenden Nationalversammlung und zog 1920 als eine von acht Frauen in den Nationalrat ein. Sie war die erste Frau, die eine Rede im Hohen Haus hielt.

Heute las dazu die Schauspielerin und UN-Botschafterin für die "Orange the World"-Kampagne, Ursula Strauss, aus Texten von Vorkämpferinnen für die Frauenrechte dieser Zeit. Neben Rosa Mayreder, Marianne Hainisch und Adelheid Popp wurden auf diese Weise auch die Arbeiten von Else Feldmann, Gretel Meisel-Hess, Berta Pauli und Elise Richter gewürdigt.

Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung in den Wiener Börsensälen von der Flötistin und Musikwissenschaftlerin Ulrike Anton und der japanischen Pianistin Miyuki Schüssler, mit Kompositionen von Gabriele Proy, Vally Weigl und Ruth Schönthal. Nationalratspräsident Sobotka zeigte sich über den durch die musikalische Darstellung erreichten "Mehrwert der Intensität" sichtlich erfreut. Bis zum internationalen Tag der Frauenrechte am 8. März 2019 sind seitens des Parlaments weitere Veranstaltungen geplant. (Schluss) fan

HINWEIS : Fotos von dieser Veranstaltung finden Sie auf der Website des Parlaments unter www.parlament.gv.at/SERV/FOTO/ARCHIV .