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Parlamentskorrespondenz Nr. 287 vom 21.03.2019

Themenfelder:
Generationen/​Gleichbehandlung/​Medien
Format:
Veranstaltungen
Stichworte:
Parlament/​Senioren-Rose/​Senioren-Nessel/​Kitzmüller

Senioren-Rose und Senioren-Nessel 2018 im Parlament überreicht

Kitzmüller: Vereine oder Initiativen würden ohne die ehrenamtliche Arbeit von Senioren nicht mehr existieren

Wien (PK) – Das Bild, das Medien und Werbung von Seniorinnen und Senioren in der Öffentlichkeit prägen, stand gestern im Mittelpunkt der alljährlich im Parlament stattfindenden Veranstaltung des Österreichischen Seniorenrats und des Österreichischen Journalisten-Clubs (ÖJC). Seit zehn Jahren prämiert eine Jury aus Senioren- und JournalistenvertreterInnen Beiträge in Journalismus und Werbung sowie zutreffende Bilder über ältere Menschen. Die "Senioren-Rose" erhalten wirklichkeitsgetreue Darstellungen aus dem Leben von Seniorinnen und Senioren, die "Senioren-Nessel" aber jene, die immer noch lebensfremde Klischees über ältere Menschen verbreiten.

Zur Verleihung der "Senioren-Rose" und der "Senioren-Nessel" für das Jahr 2018 begrüßte Dritte Nationalratspräsidentin Anneliese Kitzmüller in Vertretung von NR-Präsident Wolfgang Sobotka nahezu 200 Gäste im Redoutensaal der Hofburg, unter ihnen die PräsidentInnen des Österreichischen Seniorenrats, Peter Kostelka und Ingrid Korosec, und mit dem Präsidenten des Österreichischen Journalisten-Clubs, Fred Turnheim, auch den Vorsitzenden der zehnköpfigen ExpertInnen-Jury, die die PreisträgerInnen auswählt.

Kitzmüller: Wissensschatz der älteren Generation darf nicht verloren gehen

"Diese Preise, die nun schon zum wiederholten Male vergeben werden, zeigen, dass Seniorinnen und Senioren ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft sind", so die Dritte NR-Präsidentin Kitzmüller in ihrer Begrüßung. "Die Erhöhung der allgemeinen Lebenserwartung ist eine wichtige Errungenschaft unseres Sozial- und Gesundheitssystem. Wer allerdings dabei von einer immer älter werdenden Gesellschaft spricht, beweist auch wieder, dass er das Alter oder Älterwerden völlig verkennt. Aber die immer wiederkehrende Diskussion von Alter und Pension blendet die Tatsache völlig aus, dass der Ruhestand nicht unbedingt ein Ruhestand sein muss. Viele Vereine oder Initiativen würden ohne die ehrenamtliche Arbeit von Seniorinnen und Senioren nicht mehr existieren", ist Kitzmüller überzeugt. "Auch in vielen anderen Bereichen unserer Gesellschaft sind die Erfahrung und der Wissensschatz der älteren Generation für die Allgemeinheit ein nicht wegzudenkendes Kapital, das nicht verloren gehen darf."

Kostelka: Das ist ein Abbild der Gesellschaft, in der wir leben

Seniorenrats- und Pensionistenverbands-Präsident Peter Kostelka sprach von einem "Prüfstein der Gesellschaft", wie diese mit der älteren Generation umgeht. "Respekt ist ein berechtigter Anspruch. Altersdiskriminierung bedeutet, jemandem aufgrund seines Alters sein selbstverständliches Recht auf Anerkennung vorzuenthalten. Mein Traum ist es, dass es einmal nur mehr Rosen und keine Nesseln mehr gibt. Das, was hier angesprochen wird, ist ein Abbild der Gesellschaft, in der wir leben."

Korosec: Wir müssen noch viel Überzeugungsarbeit leisten

Die Präsidentin des Österreichischen Seniorenrates und Seniorenbundes, Ingrid Korosec, sprach von den immer noch existenten Klischees und Stereotypen bei der Darstellung von älteren Menschen. "Die Bilder beeinflussen unser Denken. Und wie kommt ein großer Teil der Bevölkerung dazu, dass sie als Zerrbild der Gesellschaft dargestellt wird? Leider mussten heuer erneut in allen Kategorien Nesseln vergeben werden. Trotzdem bin ich überzeugt davon, dass diese Medienpreise dazu beitragen, dass die Berichterstattung über die ältere Generation noch wirklichkeitsnaher und stärker faktenbasiert wird als bisher. Daher kämpfen wir weiter für diesen notwendigen Bewusstseinswandel, damit Seniorinnen und Senioren in der Berichterstattung auch als so aktiv und selbstbestimmt wahrgenommen werden, wie sie wirklich sind. Wir sind auf einem guten Weg, doch es ist noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten."

Turnheim: Solidarität zwischen den Generationen ist notwendig

Der Präsident des Österreichischen Journalisten Clubs (ÖJC), Fred Turnheim, ging in seinem Eröffnungsstatement auf die Wichtigkeit der Solidarität zwischen den Generationen ein und stellte fest, dass zu einer solidarischen Gesellschaft auch die Einhaltung der Grund- und Freiheitsrechte der Bürgerinnen und Bürger gehören. Aufgabe des Journalismus ist es dabei anzuklagen, wenn die gesellschaftlichen Grundsätze des gemeinsamen Miteinanders verletzt werden.

Zu den Preisen:

Senioren-Rosen für "Nachgefragt: Auf dem Abstellgleis – Arbeitslos mit 50 plus"…

Die Senioren-Rose der Kategorie Journalismus wurde von der Jury an Julia Kovarik für die ORF Sendung "Am Schauplatz" vom 01. Februar 2018 unter dem Titel "Nachgefragt: Auf dem Abstellgleis - Arbeitslos mit 50 plus" vergeben. Das Team rund um Kovarik ging der Problematik der Arbeitslosigkeit Älterer nach. Trotz guter Qualifikation hat man keine Chance auf einen neuen Job. Julia Kovarik begleitet mit der Sendung Menschen, die beschlossen haben, zu kämpfen und zeigt auf, welche Erfolge sie erzielt haben.

…für die Wiener Linien-Kampagne #zusammenhalten….

Die Senioren-Rose der Kategorie Werbung wurde von der Jury an die Wiener Linien für #zusammenhalten vergeben. Die Wiener Linien haben unter dem Titel #zusammenhalten zwei Inseratenschaltungen herausgebracht. "Gemeinsam unterwegs sein braucht Respekt und Rücksichtnahme. Denn wir sitzen alle im selben Zug". In hervorragender Art und Weise wird damit das Zusammenleben von Jung und Alt in der lebenswertesten Stadt der Welt, in Wien, dargestellt. Der Preis wurde von der Leiterin der Unternehmenskommunikation Anna Maria Reich sowie von Nina Wach, der Stellvertretenden Leiterin der Unternehmenskommunikation entgegen genommen.

…für das Bild "Rikscha statt Rollator".

Die Senioren-Rose in der Kategorie Bild ging an Franz Neumayr für seine Bildserie zum Rikscha-fahren, die für die Jury wahre Lebensfreude zeigte. Die Bilder aus den Salzburger Nachrichten am 18. August 2018 zum Artikel "Salzburg: Rikscha statt Rollator für Senioren" zeigen, dass zwei junge Studenten ein Rikscha-Unternehmen gegründet haben und gratis mit Bewohnern von Seniorenheimen radeln.

Senioren-Nesseln gab es für das Titelbild der Zeitschrift NÖ-Gemeinde…

Das Titelbild der Zeitschrift "NÖ-Gemeinde" des Niederösterreichischen Gemeindebundes vom März 2018 erhielt den Negativpreis in der Kategorie Bild. Die Kritik der Jury richtet sich dabei nicht gegen den Titel oder Inhalt des Artikels zum Thema Finanzierung des Pflegeregresses, sondern gegen die vollkommen unpassende Auswahl und Verwendung eines Bildes von einem älteren, offensichtlich pflegebedürftigen Paares in Form von Kunststoffminiaturen, umringt von Geldmünzen. Als Vertreter des Österreichischen Kommunal-Verlages nahm Helmut Reindl für die Redaktion des Magazins die Nessel entgegen.

…für den ORF-Beitrag "Rollator schieben"...

In der Kategorie Journalismus empfand die Jury nur eine journalistische Fehlleistung als so massiv, sodass es lediglich zu einer Nominierung kam und diese auch die Nessel erhielt. In der ORF-Sendung "Daheim in Österreich" vom 20. Dezember 2018 bezeichnete der Moderator Lukas Schweighofer "Rollator schieben" als ein dem Alter angepasstes Workout für Arnold Schwarzenegger. Für diese Aussage gab es den Negativpreis.

… für die UNIQA-Werbung "Finanzieller Pensionsschock".

Allein nominiert und damit Negativ-Preisträger in der Kategorie Werbung wurde die UNIQA Insurance Group AG für die APA-OTS-Aussendung vom 05. Juli 2018 mit dem Titel "Finanzieller Pensionsschock garantiert". Seitens der Jury wurde bei dieser Aussendung, die die eigenen Pensionsprodukte bewarb, insbesondere die unrichtige Darstellung von Fakten und Daten hinsichtlich der langfristigen Finanzierbarkeit der gesetzlichen Pensionen kritisiert. Die wenig begehrte Senioren-Nessel in dieser Kategorie wurde von einem Vertreter der UNIQA entgegen genommen.

Moderatorin Heilwig Pfanzelter führte durch den Abend. Den schwungvollen musikalischen Rahmen bildete die "Little Big Family" unter der Leitung von Christof Moser. (Schluss) mar

HINWEIS: Fotos von dieser Veranstaltung finden Sie auf der Website des Parlaments unter www.parlament.gv.at/SERV/FOTO/ARCHIV .