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Parlamentskorrespondenz Nr. 996 vom 11.10.2019

Themenfelder:
Landwirtschaft/​Forstwirtschaft
Format:
Parlamentarische Materialien
Stichworte:
Nationalrat/​Bericht/​Grüner Bericht

Wieder deutlicher Einkommensrückgang in der Land- und Forstwirtschaft

Grüner Bericht 2019 weist Minus von 10% aus

Wien (PK) – In Österreichs Land- und Forstwirtschaft kommt es nach wie vor zu keiner nachhaltigen Erholung. Im Durchschnitt aller Betriebe lagen die Einkünfte 2018 bei 28.035 €. Nach einem Einkommensplus von 14% im Jahr 2017 kam es damit im vergangenen Jahr wieder zu einem Rückgang um 10%. Der aktuelle Grüne Bericht (III-330 d.B.) macht dafür vor allem höhere Aufwendungen in der Tierhaltung, aber auch die vorherrschende Hitze und Trockenheit verantwortlich. Betroffen von den Einbußen waren sämtliche Betriebsformen, von den Veredelungsbetrieben bis hin zum Biolandbau.

Hitze, Trockenheit und Schädlinge machen der Land- und Forstwirtschaft zu schaffen

Im Einzelnen führt der Bericht den Einkommensrückgang in der Landwirtschaft auf gestiegene Produktionskosten, preisbedingte Einbußen auf dem Schweinemarkt sowie hitze- und trockenheitsbedingte Mindererträge im Acker- und Futterbau zurück, die durch gute Ernten im Obst- und Weinbau nur teilweise kompensiert werden konnten. Nach den Trockenschäden des Jahres 2017 war der Getreidebau auch 2018 von Einkommenseinbußen aufgrund von Hitze und Wassermangel betroffen, heißt es. Zu den großen Verlierern des Jahres 2018 zählte überdies die Zuckerrübe, zumal als Folge des Rüsselkäferbefalls ein hoher Flächenanteil umgebrochen werden musste. Dies führte dazu, dass sich die Anbaufläche für Zuckerrüben gegenüber 2017 um ein Viertel verringerte. Rekordernten wurden hingegen im Obstbau eingebracht, auch die Weinbaubetriebe konnten sich über eine mengenmäßig und qualitativ sehr gute Ernte freuen.

Von einer schwierigen Situation spricht der Bericht vor allem mit Blick auf den Schweinesektor, wo die Preise deutlich unter dem Vorjahrsniveau lagen. Die Rinderhaltung wiederum litt unter den Auswirkungen der Hitze und Trockenheit. So kam es in der zweiten Jahreshälfte durch Futterknappheit in Teilen Europas zu Bestandsabstockungen und einem erhöhten Schlachtaufkommen von Kühen und Kälbern, was sinkende Erzeugerpreise nach sich zog. Die Milchproduktion nahm nach einem kräftigen Anstieg im Jahr 2017 weiter zu, dies allerdings bei rückläufigen Milchpreisen.

Die Entwicklung in der Forstwirtschaft war von extremen Wetterereignissen in Form von Hitze, Stürmen, Trockenheit, gepaart mit einer massiven Ausbreitung des Borkenkäfers vor allem im Nordosten Österreichs geprägt. Stark gestiegene Schadholzmengen führten somit zu einem gesteigerten Holzeinschlag, wodurch die Preise unter Druck gerieten. Zudem wurde mehr Holz entnommen als im wirtschaftlich genutzten Ertragswald nachwuchs, was sich wiederum negativ auf die Bruttowertschöpfung auswirkte.

Sinkende Einkünfte quer durch alle Betriebsformen

Die sinkenden Einkünfte aus der Land- und Forstwirtschaft betrafen 2018 alle Betriebsformen. Den höchsten Rückgang (-26%) verzeichneten die Veredelungsbetriebe, wo vor allem niedrigere Erzeugerpreise für Ferkel, Zuchtsauen und Mastschweine das Bild prägten. Bei den Dauerkulturbetrieben sanken die Einkommen um 13%, da im Vergleich zu 2017 gestiegene Aufwendungen für Personal und Bodennutzung erforderlich waren und keine Entschädigungszahlungen mehr für Frost geleistet wurden. Bei den Futterbaubetrieben und den landwirtschaftlichen Gemischtbetrieben führten höhere Aufwendungen in der Tierhaltung zu einem Einkommensrückgang in der Höhe von 10% bzw. 5%. Hitze und Trockenheit wiederum bewirkten bei den Marktfruchtbetrieben ein Minus von 1%, die Forstbetriebe schließlich mussten 2% Einkommensrückgang hinnehmen.   

Bei den Bergbauernbetrieben betrugen die Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft im Durchschnitt 23.795 € pro Betrieb. Dies bedeutet zwar gegenüber 2017 ein Minus von 8%, der Rückgang war aber geringer als im Durchschnitt aller Betriebe (-10%). Damit hat sich der Einkommensabstand der Bergbauernbetriebe zu den Nichtbergbauernbetrieben weiter verkleinert und beträgt nunmehr 8.645 €. Die Biobetriebe verzeichneten 2018 Einkommensrückgänge um 2%. Mit 30.110 € je Betrieb lagen die Einkünfte aber um 7% über dem Durchschnitt aller Betriebe. Von den öffentlichen Geldern, die an Biobetriebe gingen, entfielen 40% auf das Agrarumweltprogramm ÖPUL, 33% auf Zahlungen der 1. Säule der GAP und 20% auf Ausgleichszahlungen für benachteiligte Gebiete.

Agrarexporte stiegen um 3,5%

Österreichs Agraraußenhandel stieg 2018 schwächer als der Gesamtaußenhandel. Die Exporte erhöhten sich um 3,5% auf 11,5 Mrd. €, die Importe um 6% auf 12,2 Mrd. €. Das agrarische Handelsbilanzdefizit lag damit um 190 Mio. € unter jenem von 2017. Wichtigste EU-Handelspartner waren Deutschland, Italien, Ungarn und Slowenien.  

5,5% mehr Mittel für Land- und Forstwirtschaft

An Zahlungen sind 2018 insgesamt 2,093 Mrd. € an EU-, Bundes- und Landesmitteln für die Land- und Forstwirtschaft aufgewendet worden. Das sind um rund 5,5% mehr als im Jahr 2017. Für die 1. Säule der GAP wurden 719 Mio. € bzw. 34% des Agrarbudgets für 106.530 landwirtschaftliche Betriebe und Agrargemeinschaften sowie 45 Firmen ausbezahlt. Aus der 2. Säule, dem Programm für die ländliche Entwicklung 2014-2020, flossen 1,064 Mrd. € (51% des Agrarbudgets) an 106.250 Betriebe und 1.785 Firmen und Institute. Für rein national finanzierte Maßnahmen standen 2018 309 Mio. € - überwiegend aus Mitteln der Bundesländer – zur Verfügung. (Schluss) hof