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Parlamentskorrespondenz Nr. 829 vom 23.07.2020

Themenfelder:
Wirtschaft/​Bildung
Format:
Parlamentarische Materialien
Stichworte:
Nationalrat/​Bericht/​Jugendbeschäftigung/​Lehrlingsausbildung

Corona-Krise hat Jugendbeschäftigung und Lehrstellenmarkt bisher überproportional getroffen

Bundesministerin Schramböck legt Bericht 2018-2019 samt Entwicklungen durch die Corona-Krise Anfang 2020 vor

Wien (PK) - Der Bericht zur Situation der Jugendbeschäftigung und Lehrlingsausbildung in Österreich 2018-2019 liegt nunmehr dem Nationalrat vor (III-155 d.B.). Er widmet neben dem Fokus auf die Berichtsjahre auch der aktuellen Corona-bedingten Entwicklung – vorerst für die ersten Monate im Jahr 2020 – ein Spezialkapitel. Demnach wurde die grundsätzlich positive Entwicklung im Bereich der Jugendarbeitslosigkeit und am Lehrstellenmarkt durch die Auswirkungen der Corona-Krise jäh unterbrochen. So ist etwa von Jänner auf April 2020 die Zahl der arbeitslosen Unter-25-Jährigen um beträchtliche 73 Prozent und damit im Vergleich zu anderen Altersgruppen besonders stark gestiegen.

Jugendbeschäftigung und Lehrstellenmarkt in der Krise

Das Spezialkapitel zu den bisher absehbaren Auswirkungen der Corona-Pandemie, vorerst mit Daten bis April 2020, zeigt unter anderem, dass Jüngere in der Krisenzeit besonders von steigender Arbeitslosigkeit betroffen waren bzw. sind. Mit dem starken Zuwachs bei der Zahl der arbeitslosen Unter-25-Jährigen von 73% zwischen Jänner (35.332) und April 2020 (61.216) ist auch die Arbeitslosenquote in dieser Altersgruppe von 6,9% im Februar 2020 auf 13,4% im April 2020 gestiegen. Im Vergleich der drei Altersgruppen Unter-25-Jährige, 25 bis 50 Jahre und über 50 Jahre stiegen damit Unter-25-Jährige von der niedrigsten Position im Februar auf die höchste im April. Besonders betroffen ist demnach die Berufsgruppe Fremdenverkehr. Die Zahl der unter-25-jährigen Arbeitslosen wuchs hier von Februar bis April 2020 um fast 11.000 Personen. Auch der Anteil der Gruppe an der Gesamtbeschäftigung ist dem Bericht zufolge in diesem Zeitraum gesunken, und zwar von 11,5% auf 11%. Die höchsten Zuwachsraten bei der Arbeitslosigkeit bis 25 Jahre liegen mit plus 100% bzw. 124% bei Personen mit höherer oder akademischer Ausbildung. Personen mit einer Lehrausbildung weisen dagegen mit 45% einen im Vergleich zur gesamten Altersgruppe unterdurchschnittlichen Zuwachs von Arbeitslosen auf.

Der vorläufige Höhepunkt der negativen Arbeitslosigkeitsentwicklung dürfte mit Ende April 2020 erreicht worden sein, heißt es im Bericht. Erste Daten weisen demnach darauf hin, dass die Arbeitslosigkeit im Mai 2020 bereits wieder leicht rückgängig verläuft. Es bleibe allerdings abzuwarten, wie sehr die durch die Krise ausgelösten Umsatz- und Gewinneinbrüche bis zum Jahresende kompensiert werden können und wie viele Betriebe aufgrund der vorübergehenden Schließungen in ihrem Fortbestand bedroht sind, was zu einem neuerlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit zum Jahresende führen könnte. Der Bericht hält außerdem fest, dass das Ausmaß der Arbeitslosigkeit, insbesondere auch bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen jedenfalls ohne das speziell für die Corona-Krise entwickelte Kurzarbeitsmodell deutlich höher wäre.

Erheblich getroffen wurde dem Bericht zufolge durch die Corona-Krise auch der Lehrstellenmarkt. So erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahresmonat die Zahl der Lehrstellensuchenden im April 2020 um 55%. Im März 2020 seien außerdem von den österreichischen Ausbildungsbetrieben über das AMS um 9% weniger Lehrstellen angeboten worden als im Vorjahresmonat, im April 2020 betrug der Rückgang gegenüber dem Vorjahr 24%. Auch wenn das tatsächliche Ausmaß der Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf den Lehrstellenmarkt nicht seriös zu prognostizieren sei, müsse erwartet werden, dass in den ersten Monaten nach der Krise der überbetrieblichen Berufsausbildung eine erhöhte Bedeutung als kompensatorische Maßnahme zur Erfüllung der Ausbildungspflicht und zur Abdeckung der betrieblichen "Lehrstellenlücke" zukommen wird, heißt es im Bericht.

Berichtszeitraum 2018 und 2019

Die Jahre 2018 und 2019 vor der Krise wiesen sowohl im Bereich der Jugendarbeitslosigkeit als auch in der Teilnahme an der dualen Berufsausbildung eine überwiegend positive Tendenz auf, so der Bericht. Gemäß EUROSTAT habe die rückläufige Arbeitslosenquote der 15- bis 24-Jährigen in Österreich im Jahr 2019 8,5% (2018: 9,4%), in den EU-28-Ländern zusammen aber 14,3% (2018: 15,1%) betragen. Österreich lag damit innerhalb der EU hinsichtlich Jugendarbeitslosigkeit im Jahr 2019 an fünfter Stelle. Als ein wesentlicher Grund für diese vergleichsweise gute Integration der Jugendlichen in das österreichische Beschäftigungssystem wird neben der allgemein relativ niedrigen Arbeitslosigkeit in diesem Zeitraum das hoch entwickelte System der beruflichen Erstausbildung (Lehrlingsausbildung, berufsbildende mittlere und höhere Schulen) in Österreich betrachtet. Sowohl die Ausbildungsbeteiligung als auch der Anteil der beruflichen Bildung ist dem Bericht zufolge in Österreich relativ hoch.

Auch im Bereich der dualen Berufsausbildung bzw. Lehrlingsausbildung sei 2018 und 2019 eine überwiegend positive Entwicklung zu beobachten gewesen. In beiden Jahren sei die Gesamtzahl der Lehrlinge gestiegen (2019: 109.111), im Vergleich zu 2016 auch der relative Anteil der Jugendlichen eines Altersjahrgangs, welche eine Lehre beginnen (2019: 39,5%). 2018 und 2019 habe nach massiven Rückgängen in den Vorjahren sogar die Zahl der Lehrbetriebe wieder leicht zugenommen.

Andererseits zeichnen sich dem Bericht zufolge neben diesen tendenziell erfreulichen Entwicklungen nicht zuletzt aufgrund demographischer Faktoren auch zukünftige Herausforderungen über die Corona-Krise hinaus ab. Mit dem Rückgang an Jugendlichen und Lehrlingen in den letzten Jahrzehnten sei lange Zeit auch die Zahl der Lehrbetriebe sowie der Anteil der Lehrlinge an den Beschäftigten kontinuierlich gesunken. In Zusammenhang mit der bevorstehenden, massiv steigenden Zahl an Pensionierungen der sogenannten "Babyboom-Generation" sei daher davon auszugehen, dass die Zahl der ausgebildeten Fachkräfte nicht ausreicht, um den drohenden Fachkräftemangel, der bereits 2019 in vielen Branchen und Regionen massiv spürbar gewesen sei, hintanzuhalten.

Als besondere Herausforderung der österreichischen Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik betrachtet der Bericht für 2018 und 2019 die Problematik des regionalen "Mismatch" von Angebot und Nachfrage: Einer noch relativ hohen Arbeitslosigkeit in Wien stand ein bereits akuter Fachkräftemangel in manchen, vor allem den westlichen, Bundesländern gegenüber. Gleichzeitig verfügen laut Bericht rund 13% der 20- bis 24-Jährigen in Österreich über keinen über die Pflichtschule hinausgehenden Bildungsabschluss. Von besonderem bildungs- und arbeitsmarktpolitischem Interesse seien daher die mittel- und langfristigen Auswirkungen der ab dem Ausbildungsjahr 2017/18 begonnenen Umsetzung der Ausbildungspflicht bis zum Alter von 18 Jahren.

Dargestellt werden in der umfassenden Vorlage darüber hinaus ausführliche Daten zu den Entwicklungen im Berichtszeitraum sowie entsprechende Maßnahmen, unter anderem für die duale Berufsausbildung, zur allgemeinen Arbeitsmarkt- und Bildungspolitik für Jugendliche oder zur Entwicklung der betrieblichen Lehrstellenförderung. Abschließend wird eine Reihe von Bereichen zur Optimierung beschrieben – von beispielsweise flexibleren Ausbildungskonzepten über bedarfsorientierte Vorqualifikation und Lehrberufsentwicklung bis hin zu Ansätzen zur Steigerung der Ausbildungsbeteiligung der österreichischen Betriebe. Im Hinblick auf die Corona-Krise werde es auch notwendig sein, spezifische, etwaig befristete Maßnahmen zur Verringerung der Jugendarbeitslosigkeit und zur Sicherung eines ausreichenden Lehrstellenangebots in die Wege zu leiten. (Schluss) mbu