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Parlamentskorrespondenz Nr. 1383 vom 01.12.2021

Themenfelder:
Technologie/​Forschung/​Bildung
Format:
Ausschusssitzungen des Nationalrats
Stichworte:
Nationalrat/​Rechnungshofausschuss/​Kraker/​Faßmann

Faßmann: Digitale Zentralmatura ab 2025 realisierbar

Rechnungshofausschuss behandelt Zentralmatura und Wissenschaftskommunikation

Wien (PK) – Der Rechnungshofausschuss befasste sich heute mit Bildungsthemen. Einerseits ging es um die Zentralmatura noch vor Beginn der Corona-Pandemie, andererseits diskutierten die Abgeordneten einen Prüfbericht zur Forschungs- und Wissenschaftskommunikation der Jahre 2013 bis 2017. Beide Berichte wurden einstimmig zur Kenntnis genommen.

Kompensationsprüfungen sollen mündlich bleiben

Der RH überprüfte von November 2018 bis Februar 2019 die Zentralmatura in den Ländern Kärnten und Oberösterreich. Der überprüfte Zeitraum umfasste die Schuljahre 2014/15 bis 2017/18 (III-149 d.B.). Dazu gab der Rechnungshof zahlreiche Empfehlungen ab. Zur Erreichung höchstmöglicher Objektivität sollten etwa die Klausuren nicht mehr von der Klassenlehrerin bzw. vom Klassenlehrer korrigiert und Kompensationsprüfungen künftig schriftlich durchgeführt werden. Von schriftlichen Kompensationsprüfungen erhofft sich der Rechnungshof wiederum "ein höheres Maß an Standardisierung, Vergleichbarkeit und Objektivität" und weniger organisatorischen Aufwand. Während in Oberösterreich die Durchfallquote 2018 nach den mündlichen Kompensationsprüfungen von 16 auf fünf Prozent zurückging, sank sie in Kärnten von 24 auf sechs deutlich stärker. Laut Rechnungshof könnten "unterschiedliche Hilfestellungen" der PrüferInnen der Grund dafür sein.

Grüne und FPÖ hielten den Empfehlungen entgegen, dass es unterschiedliche Lerntypen gebe. Daher sprachen sie sich gegen schriftliche Kompensationsprüfungen aus. Dieses System wurde auch von Bildungsminister Faßmann bevorzugt, der derzeit keine dahingehende Änderungen anstrebt. Kompensationsprüfungen ermöglichen die Interaktion zwischen Prüfling und PrüferIn, sagte er, "eine kurze Hilfestellung durch eine Kommission ist vertretbar".

Zentralmatura: Keine Änderungen bei Fächern geplant

Angesichts der hohen Kosten für die Aufgabenerstellung in Fächern mit wenigen Matura-KandidatInnen stellen die RechnungshofprüferInnen infrage, welche Klausuren tatsächlich zentral erstellt werden müssen. Während beim Haupttermin 2017 im Fach Deutsch mit seinen rund 37.000 KandidatInnen Pro-Kopf-Kosten von zehn Euro angefallen sind, waren es bei Altgriechisch (20 Maturanten) 1.598 Euro pro Kopf, stellte Rechnungshofpräsidentin Margit Kraker fest. Für Faßmann steht jedoch das Ziel, vergleichbare Maturaergebnisse zu erzielen, über den Kosten und rechtfertigt daher die vergleichsweisen hohen Kosten in manchen Fächern. Eine Änderung der Fächer ist jedenfalls nicht angedacht, so Faßmann.

Verbesserungsmöglichkeiten sah Kraker auch bei der Erstellung der Prüfungsaufgaben: Der aufwendige Prozess der Erstellung soll demnach auf "das unbedingt erforderliche Ausmaß" beschränkt werden. Dem Bildungsministerium empfahl sie, sich einen Überblick über die Zahl der entwickelten Aufgaben seit Einführung der Zentralmatura zu verschaffen, denn anstelle der pro Schuljahr benötigten 715 Aufgaben wurden mehr als 1.000 beauftragt. Kraker trat daher dafür ein, zu prüfen, ob Aufgaben neu aufbereitet werden können. Angesichts dessen pochte Kraker darauf, den Kostenaspekt nicht zu vernachlässigen. Gesamtkosten der Zentralmatura seien pro Jahr doppelt so hoch wie ursprünglich veranschlagt, betonte sie.

In Richtung Hermann Gahr (ÖVP) stellte Faßmann fest, dass ungefähr Dreiviertel der Empfehlungen des Rechnungshofs umgesetzt wurden. Beim Rest wurde gegen eine Umsetzung entschieden, was durch unterschiedliche Meinungen begründet sei.

Kritik an zu strengen Beurteilungskriterien

Als Schwachpunkt der Zentralmatura sah der Rechnungshof auch "zu strenge Beurteilungskriterien". 51 Prozent sollten laut Rechnungshof für ein "Genügend" ausreichen. Dem schloss sich die SPÖ an. Greiner kritisierte auch, dass die Leistungsbeurteilungsverordnung (LBV) nicht für die Zentralmatura ausgelegt sei. Laut Ministerium wurde dies mit letztem Haupttermin saniert, es gibt nun eine eigene LBV für abschließende Prüfungen. Betreffend die Schwellwerte zur positiven Beurteilung einer Prüfung habe es in der Vergangenheit nur einen Fall vor Gericht gegeben, informierte Faßmann Abgeordneten Hermann Brückl (FPÖ).

Seitens der FPÖ kritisierte Brückl auch Schwankungen bei Durchfallquoten beim Haupttermin. Er regte an, die Form der standardisierten Matura dahingehen zu überdenken, dass von den zwei Teilen der Zentralmatura nur noch jener Teil zentral erstellt werde, der die Grundkompetenzen betrifft. Darüber hinaus warnte er vor zufälligen Bevorzugungen und Benachteiligungen und hinterfragte, ob geplant sei, die Zentralmatura abzuschaffen bzw. auszusetzen. Laut Faßmann seien keine großen Reformen vorgesehen, es gebe auch keine Bestrebungen, die Zentralmatura abzuschaffen. Zufällige Bevorzugungen seien durch den Lehrplan ausgeschlossen.

Faßmann strebt einheitliche Mathematik für AHS und BHS an

Das Testergebnis des Rechnungshofes schließt unterschiedliche Schwierigkeitsniveaus bei den Prüfungen nicht aus. Vor allem in Mathematik habe es starke Schwankungen bei den Durchfallquoten gegeben. So schwankten an den Gymnasien (AHS) die Durchfallquoten vor den Kompensationsprüfungen von 2015 bis 2018 zwischen 10,5 und 23,2%. Ein ähnliches Bild ergab sich bei der Angewandten Mathematik an den berufsbildenden Schulen (BHS) mit Schwankungen zwischen 9,1 und 19,7% im Zeitraum 2016 bis 2018. Der Rechnungshof führte selbst einen statistischen Test durch und kam zu dem Ergebnis, dass unterschiedliche Schwierigkeitsniveaus die Ursache sein könnten.

Faßmann erkannte zwei Problembereiche bei Mathematik. Einerseits den Gender-Gap, andererseits unterschiedliche Zielsetzungen der Mathematik an AHS und BHS. Die Unterschiede hätten ihren Ursprung in der Konstruktionsgeschichte, die unterschiedliche Wege vorsieht. Die Beispiele der BHS seien arbeitsmarktorientiert, praxisorientiert und zielorientiert. Demgegenüber wollen die AHS in Mathematik eine allgemeine Kommunikationsfähigkeit herstellen. Daraus resultiere, dass die Mathematikbeispiele der BHS textlastiger seien, um die Mathematik in Lebenssituationen einzubinden. Der hohe Grad an Linguistik bringe jedoch weitere Probleme mit sich, betonte Faßmann. Die beiden Maturaprüfungen werden sich künftig angleichen, so der Bildungsminister der eine "Mathematik für beide Bereiche" anstrebt. Er will wieder "zur Mathematik" zurückkehren.

Digitale Zentralmatura ab 2025 möglich

Die Wortmeldungen mehrerer Abgeordneter zielten auf die Umsetzung der digitalen Matura ab. Die digitale Matura sei ein wichtiges Vorhaben, hielt Faßmann fest. Vorarbeiten werden laut dem Minister getroffen. In manchen Schulen sei eine sichere Prüfungsumgebung bereits gewährleistet. Bis 2025 will Faßmann flächendeckend darauf vorbereitet sein. Erst dann könne über ein anderes Korrekturschema nachgedacht werden, so Faßmann, zur Empfehlung des Rechnungshofs langfristig die Möglichkeit einer zentralen Korrektur der Klausuren im Auge zu behalten. Faßmann warnte in dem Zusammenhang vor transportbehafteten Risiken bei einer Überführung der Prüfungsunterlagen zu anderen Standorten. Laut Martina Künsberg Sarre (NEOS) ist das Ziel der 100 prozentigen Objektivität bis dahin nicht gegeben, wenn weiterhin am Schulstandort bewertet wird.

Hohe Durchfallquote bei "Lehre mit Matura"

Von 2008 bis 2017 nahmen 43.500 Lehrlinge an der "Lehre mit Matura" teil, davon bestanden nur 6.700 Lehrlinge die Berufsreifeprüfung, 15.000 waren negativ. Bei rund der Hälfte war die Ausbildung noch im Laufen. Aufgrund der hohen Drop–out–Quote führte das Ministerium 2015 ein mehrstufiges Aufnahmeverfahren ein, informierte Faßmann Abgeordnete Karin Greiner (SPÖ). Auch die NEOS machten sich dafür stark, die Treffsicherheit der Berufsreifeprüfung zu erhöhen.

Rechnungshofprüfung zur Forschungs– und Wissenschaftskommunikation

Der Rechnungshof überprüfte in einem weiteren Bericht die Forschungs– und Wissenschaftskommunikation im Bildungsministerium, im Wissenschaftsministerium und im Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie im Bereich angewandter Forschung und Technologieentwicklung in den Jahren 2013 bis 2017 (III-56 d.B.). Die drei Ministerien gaben im überprüften Zeitraum. 61,84 Mio. € für die Forschungs– und Wissenschaftskommunikation aus. Das entsprach 1-2% der jeweiligen Forschungsausgaben, sagte Kraker. Durchgeführt wurden diverse Projekte und Programme, um in der Bevölkerung ein breiteres Bewusstsein für Wissenschaft und Forschung zu schaffen. Es gab aber keine expliziten oder gemeinsamen Strategien für die Forschungs– und Wissenschaftskommunikation, so die Analyse des Rechnungshofs. Das erschwerte die Nutzung von Synergien, etwa die koordinierte Abwicklung von Kampagnen, kritisierte Kraker.

Kritik an 13,45 Mio. € Ausgaben für Inserate – geschaltet auf Initiative von Medienunternehmen

Kritisch sah die Rechnungshofpräsidentin überdies Ausgaben von 19,03 Mio. € für Medienkooperationen und Inserate im Bereich der Forschungs– und Wissenschaftskommunikation. Davon entfielen 71% (13,45 Mio. €) auf direkte Beauftragungen in überregionalen Tageszeitungen und Magazinen, stellte David Stögmüller: (Grüne) kritisch fest. Die Ministerien hätten dazu keine Zielvorgaben oder Reichweitenanalysen und führten – auch nach mehreren Jahren – keine Evaluierungen durch, so Stögmüller. Problematisch sah er ebenso, dass zahlreiche Medienkooperationen und Inserate aufgrund von Initiativen oder Angeboten von Medienunternehmen zustande kamen.

Reichweite sei "nicht alles", sagte ein Vertreter aus dem Bildungsministerium zu den Grünen. Es könne sinnvoll sein, zielgruppenadäquat zu agieren. Auch die Medien versuchten das Interesse der Menschen für Forschung und Wissenschaft zu wecken. Daher sei es "nicht verwerflich", sich an Wissenschaftsbeilagen von Zeitungen zu beteiligen. In diesen Fällen würden die Medien an das Ministerium herantreten, in manchen Fällen beteilige man sich, in anderen nicht. Vergaberichtlinien seien einzuhalten, hielt er fest.

"Wissenschaftsignoranz" entgegentreten

Niederschwellige Kommunikation sei sehr wichtig, betonte Ruth Becher (SPÖ) und kritisierte fehlende klare Aufgabenteilungen und Zuständigkeiten. Umfragen hätten ein "desaströses Bild" gezeigt. Daher sprach sich Becher dafür aus, zu erheben, warum Forschung und Wissenschaft nicht auf mehr Interesse in der Bevölkerung stoßen. Wissenschaftssprecherin Eva Blimlinger (Grüne) setzte sich für mehr Fokus auf Wissenschaft ein. Sie sprach sich überdies für eine "Studie zur Wissenschaftsignoranz" aus. Blimlinger hielt es jedoch nicht für eine Aufgabe der Ministerien, wissenschaftliche Ergebnisse in die breite Öffentlichkeit zu tragen. Ihrer Meinung nach ist es zielführender, die "Transformation der Information den Universitäten und Institutionen zu überlassen".

Demgegenüber wollte sich Andreas Hanger (ÖVP) für eine intensivere Wissensvermittlung einsetzen. Um die Masse zu interessieren, müsste über Medienschaltungen hinausgehend gehandelt werden, so das Wissenschaftsministerium. Programme müssten bei Kindern und Jugendlichen ansetzen, die als wichtige Multiplikatoren ihr Interesse nach Hause tragen. Die Kinderuni sei diesbezüglich ein wichtiges Projekt, so Faßmann, der berichtete, dass er das Lehrpersonal an Universitäten erst davon überzeugen habe müssen.

Rechnungshof empfiehlt Zielsetzungen und Evaluierungen

Kraker empfahl ausdrücklich, künftig Kommunikationsziele für die jeweiligen Zielgruppen und Tätigkeitsbereiche auszuarbeiten, abzustimmen und mit entsprechenden Meilensteinen zu unterlegen. Bezüglich direkt vergebener Medienkooperationen und Inserate wären Ziele, Zielgruppen und Werbemittel im Vorfeld zu definieren, sagte sie. Überdies sprach sie sich für die vermehrte Nutzung digitaler Medien wie Websites und soziale Medien aus. Besonders wichtig war ihr die Evaluierung der Wirksamkeit der Maßnahmen.

Auch Alois Kainz (FPÖ) vermisste Evaluierungen durch das Ministerium. Darüber hinaus interessierte er sich für die Kosten der geschalteten Inserate. Die Kritik der NEOS ging in eine ähnliche Richtung. Laut Künsberg Sarre fehlt eine gemeinsame Strategie zwischen Ministerien ebenso wie Evaluierungen und klare Zielsetzungen. Auch sie stellte die "desaströse Zusammenarbeit der Ministerien" in den Raum und sah Steuergelder nicht gut eingesetzt. (Fortsetzung Rechnungshofausschuss) gla