1131/AB-BR/96

Die Bundesräte DDr. Königshofer, Dr. Tremmel haben am 25. Juli 1996 unter der Nr. 1214/J-BR/96 an mich eine schriftliche parlamentarische Anfrage betreffend Aspergillose bei Krebspatienten gerichtet, die folgenden Wortlaut hat:

l. Wie viele Fälle von Aspergillose in den einzelnen österreichischen Krankenanstalten sind seit 1990 aufgetreten?

2. Wie viele Fälle betrafen Krebspatienten?

3. Wie viele Fälle sind nach Umrüstungs- und Neubaumaßnahmen aufgetreten?

4. Gab es auch Erkrankungsfälle durch Aspergillus flavus? Wenn ja: wieviele?

5. In wievielen Krankenanstalten wurden aufgrund von Aspergillose-Erkrankungen Umrüstungen bzw. Neubauten vorgenommen?

6. Welche Ausgaben wurden dafür in den einzelnen Krankenanstalten getätigt?

7. Wieviel von diesen Ausgaben wurde durch den KRAZAF abgedeckt?

8. Was wird seitens Ihres Ressorts unternommen, um die Krankenhaushygiene zu verbessern?

9. Hat Ihr Ressort schon Kosten-Nutzen-Analysen hinsichtlich der Chemotherapie bei Krebspatienten angestellt, deren Zerstörung des Immunsystems mittels Therapie einen exorbitant höheren Aufwand an sterilen Räumen, Einrichtungen und Instrumenten sowie Hygiene verursacht?

10. Welche Auswirkungen auf Chemotherapie-Patienten erwarten Sie durch die geplanten kürzeren Verweilzeiten in der Klinik, wenn sie ohne regeneriertes Immunsystem in die nichtsterile Normalwelt entlassen werden, insbesondere im Hinblick auf Aspergillose?"

Diese Anfrage beantworte ich wie folgt:

Zu den Fragen 1 bis 7:

Laut den meinem Ressort zur Verfügung stehenden Diagnosenberichten der Krankenanstalten wurde Aspergillose im Jahre 1991 als Hauptdiagnose 49 mal und als Nebendiagnose 43 mal, im Jahre 1992 als Hauptdiagnose 70 mal und als Nebendiagnose 48 mal, im Jahre 1993 als Hauptdiagnose 63 mal und als Nebendiagnose 80 mal und im Jahre 1994 als Hauptdiagnose 70 mal und als Nebendiagnose 85 mal gemeldet.

In den 85 Nebendiagnosen für das Jahr 1994 sind 21

Aspergillose-Diagnosen, die jeweils der Hauptdiagnose Neoplasie zugeordnet wurden, enthalten. Eine Zuordnung der Nebendiagnosen zur Hauptdiagnose Neoplasie ist für die Vorjahre nicht möglich.

Weiters ist anzumerken, daß in der Universitätsklinik Innsbruck für Umbaumaßnahmen zur Vermeidung von Aspergilluserkrankungen bisher S 4,7 Mio (Einbau von Filteranlagen, Zimmersanierung, etc.) aufgewendet wurden. An der Errichtung einer eigenen Isolierstation für hochimmunsupprimierte Patienten wird bereits gearbeitet. Die geplanten Errichtungskosten hiefür betragen S 32,7 Mio.

Auskünfte über die konkreten Ausgaben können nur bei den für die Betriebsführung der Krankenanstalten zuständigen Trägern eingeholt werden.

Da der KRAZAF im Rahmen von Länderquoten pauschalierte Zuschüsse für die einzelnen Krankenanstalten leistet, kann dazu keine Angabe gemacht werden.

Zu Frage 8:

Durch die KAG-Novelle BGB1.Nr. 801/1993 wurden die Regelungen über Krankenhaushygiene wesentlich ausgeweitet. Ich darf in diesem Zusammenhang auf § 8a KAG idF der genannten Novelle hinweisen. Mein Ressort hat die Ämter der Landesregierungen und die ärztlichen Direktoren aller österreichischen Krankenanstalten mehrfach zur Erfassung und Überwachung nosokomialer Infektionen und zur Einhaltung krankenhaushygienischer Maßnahmen zu deren Vermeidung aufgefordert.

Darüber hinaus besteht in meinem Ressort seit 1992 ein

Expertengremium (Hygieniker, Infektiologen, Mikrobiologen und

Virologen), welches sich u.a. mit Belangen der

Krankenhaushygiene, insbesondere mit Fragen der Ausbildung von Hygienebeauftragten Ärzten und Hygienefachkräften befaßt und zu aktuellen Problembereichen in der Krankenhaushygiene bundeseinheitliche Merkblätter und Richtlinien erstellt.

Zu Frage 9:

Die Behandlung von Pfleglingen in Krankenanstalten hat nach dem Stand der medizinischen Wissenschaft zu erfolgen. Entspricht daher die Anwendung einer Chemotherapie dem Stand der medizinischen Wissenschaft, so stellt sich die Frage, ob damit ein höherer finanzieller Aufwand durch entsprechende Raumausstattung etc. verbunden ist, nicht.

Zu Frage 10:

Die Verkürzung der Verweildauer in Anstaltspflege bei immunsupprimierten Patienten, die durch zu frühe Entlassung in ihrem Gesundheitszustand gefährdet werden könnten, muß aus medizinisch-ethischer und rechtlicher Sicht als grobe Fahrlässigkeit angesehen werden und verstößt gegen die Regeln ärztlichen Handelns. Es kann daher in diesem Zusammenhang nicht unkritisch von einer "geplanten kürzeren Verweildauer" gesprochen werden.