1250/AB-BR BR
 
Die Bundesräte Konecny und Genossen haben am 18. Dezember 1997 unter der
Nr. 1350/J - BR197 an mich eine schriftliche parlamentarische Anfrage betreffend
Oberstleutnant Robert Bernardis gerichtet. Diese aus Gründen der besseren
Übersichtlichkeit in Kopie beigeschlossene Anfrage beantworte ich wie folgt:
Zur einleitenden Anmerkung der Anfragesteller, es bedürfe "wissenschaftlicher Auf -
arbeitungen" des Wirkens von Oberstleutnant i.G. Robert Bernardis, um eine abgesicherte
Basis für dessen Würdigung zu erhalten, ist festzustellen, daß die Bedeutung des genannten
Offiziers als Widerstandskämpfer in der Gruppe um Stauffenberg unumstritten und
ausreichend belegt erscheint (vgl. Dr. Karl Glaubauf: "Robert Bernardis - Österreichs
Stauffenberg"). Aber auch jede weitere wissenschaftliche Behandlung dieses Themas wird
nicht übersehen können, daß Bernardis Verdienste als Offizier der Deutschen Wehrmacht
im Widerstand gegen das NS - Regime bestehen und nicht auf eine Wiederherstellung der
Republik Österreich gerichtet war. Dieser Umstand und die Tatsache, daß zwischen der
Deutschen Wehrmacht und dem österreichischen Bundesheer keine Kontinuität besteht,
haben die betreffenden Stellen nach einer eingehenden Beurteilung seines Lebenslaufes
dazu veranlaßt, in der Person Bernardis - bei aller Anerkennung seines Wirkens im
Widerstand der Deutschen Wehrmacht - keinen Ansatz für die Überlieferungspflege des
Bundesheeres zu erkennen.
Im einzelnen beantworte ich die vorliegende Anfrage wie folgt:
Zu 1:
Aus der Sicht des Bundesministeriums für Landesverteidigung wurde das Wirken von
Oberstleutnant i.G. Robert Bernardis im Lichte seiner Bedeutung für die Überlieferungs -
pflege des österreichischen Bundesheeres bereits durch die Militärhistorische Denkmal -
kommission objektiv beurteilt. Im übrigen verweise ich auf meine einleitenden
Ausführungen.
 
Zu 2:
Eine Beurteilung des Wirkens von Oberstleutnant i.G. Bernardis erfolgt im Rahmen der
militärhistorischen Forschungstätigkeit des Heeresgeschichtlichen Museums.
Zu 3:
Entscheidendes Kriterium für die Beurteilung war die Bedeutung des Wirkens von Oberst -
leutnant i.G. Bernardis für die Überlieferungspflege des österreichischen Bundesheeres.
Zu 4:
Das Wirken von Österreichern als Angehörige der Deutschen Wehrmacht wurde in der drei -
teiligen Sonderausstellung des Heeresgeschichtlichen Museums: Teil 1: "Zeitenwende 1943:
Der totale Krieg", Teil 2: "Walküre und der Totenwald. Das Kriegsjahr 1944" und Teil 3:
"Der Krieg in Österreich 45" berücksichtigt. Noch in diesem Jahr ist die Eröffnung einer
ständigen Ausstellung im Heeresgeschichtlichen Museum über die Zwischenkriegszeit und
den Zweiten Weltkrieg geplant, wobei u. a. auch das Thema "Österreicher in der Deutschen
Wehrmacht" behandelt werden soll.
Zur Verwendung im Rahmen der staats - und wehrpolitischen Ausbildung wurde weiters die
Biographie von Dr. Karl Glaubauf über Robert Bernardis in großer Zahl durch das
Bundesministerium für Landesverteidigung angekauft und ressortintern verteilt.