1269/AB-BR BR
 
In Beantwortung der schriftlichen parlamentarischen Anfrage Nr. 1375/J-BR betreffend Fehler
bei der Elefantenhaltung im Tiergarten Schönbrunn und der Haltung exotischer Tiere im
allgemeinen, welche die Bundesräte Böhm, Mühlwerth und Mag. Gudenus am 27. März 1998
an mich richteten, stelle ich fest:
Anläßlich früherer Anfragen der vorgenannten Bundesräte habe ich die Rechtsgrundlagen für
die Schönbrunner Tiergartenges.m.b.H. und deren Zielsetzungen bereits ausführlich dargelegt
und darauf hingewiesen, daß auf Grund dieser Rechtsgrundlagen derartige mit der
Betriebsführung des Tiergartens verbundenen Fragen keine Angelegenheit der Vollziehung
darstellen und daher nicht dem parlamentarischen Interpellationsrecht unterliegen.
1. Ich habe aber, wie bei den früheren Anfragen, erneut die Tiergartenleitung befaßt und darf
Ihnen aufgrund deren Stellungnahme folgendes mitteilen:
Antwort zu den Punkten 1, 5, 7 und 8 der Anfrage:
Ich darf auf die von der Tiergartengesellschaft übermittelten Beilagen verweisen
(zusammengefaßt in Beilage 1).
 
Antwort zu den Punkten 2, 3 und 4 der Anfrage:
Nein.
Antwort zu Punkt 6 der Anfrage :
Dieses Ameisenbären - Weibchen ist ebenso wie der Ameisenbär Martin Eigentum des
Tierparks Dortmund, beide Tiere sind auf Initiative des dortigen Direktors Dr. Wolf Bartmann,
dem internationalen Zuchtbuchführer für die Großen Ameisenbären, im Tiergarten
Schönbrunn eingestellt. Aufgrund des damaligen Ameisenbären - Bestandes in Europa war dies
die vom Zuchtbuchführer ausgewählte bestmögliche Verpaarung! Der Schönbrunner
Tiergarten hat für dieses Zuchtprojekt die Gehegeadaptierungen und die Pflege übernommen.
Antwort zu den Punkten 9a bis 9c der Anfrage:
Die Wissenschaft (siehe Beilage 2) vertritt die Auffassung, bis zu drei Tage zu warten, bevor
die künstliche Aufzucht eingeleitet wird. Bei neugeborenen Tieren vermeidet man in der Regel
eine Beunruhigung des Muttertieres, da ansonsten die Gefahr steigt, daß sich die Mutter völlig
von den Jungen abwendet. Die Tigerbabys sind nicht verhungert.
Antwort zu Punkt 12 der Anfrage:
Der Geschäftsführer ist der Meinung, daß bei dem gegebenen Personalstand eine intensivere
Betreuung möglich und sinnvoll gewesen wäre.
Antwort zu Punkt 13 der Anfrage:
Mangelhafte Beschäftigung und Beaufsichtigung der Tiere, Nichtbefolgung der Anweisung,
jeden Elefanten zweimal täglich für eine halbe Stunde routinemäßig anzuketten, damit die
täglich erforderliche Körperpflege und die tierärztliche Betreuung langfristig gefahrlos
 
durchgeführt werden kann; die neue Crew hat festgestellt, daß die Huf - und Sohlenpflege nicht
bei allen Tieren optimal durchgeführt wurde.
Antwort zu Punkt 14 der Anfrage:
Die Elefanten.
Antwort zu Punkt 15 der Anfrage:
4 hauptamtliche Pfleger und ein Springer.
Antwort zu Punkt 16 der Anfrage:
3 Tierpfleger:
Ein Tierpfleger im Revier "Hietzing", ein Tierpfleger im Revier "Pferde", ein Tierpfleger, der
Springer ist, hauptamtlich bei den Elefanten.
Antwort zu den Punkten 17a bis 17d der Anfrage:
Aus Sicherheitsgründen sind Elefantenpfleger (auch Mahouts) weltweit verpflichtet, ihre
Arbeit mit einem Ankus mit Holzstiel vorzunehmen. In der sechsjährigen Beobachtung der
Elefantenhaltung in Schönbrunn ist bei seinem Einsatz ein einziges mal eine blutende
Verletzung aufgetreten. Der Einsatz erfolgte im Rahmen der Hilfestellung für einen bedrohten
Tierpflegerkollegen.
Der Elefanten - Jungbulle wurde seit seinem ersten Lebensjahr in seinem Geburtszoo Basel jede
Nacht (zumindest vier Jahre lang) angekettet und hätte von den Tierpflegern in Schönbrunn
zweimal täglich für eine halbe Stunde angekettet werden sollen. Da dies vernachlässigt wurde,
war für seine Basiserziehung für den protected contact (geschützten Kontakt) eine
mehrwöchige Anbindehaltung unverzichtbar, die Ausbildung ist seit Ende März abgeschlossen,
der Elefantenbulle bewegt sich völlig frei in seinem Lebensraum.
 
Weiters siehe beiliegendes Gutachten des Amtsveterinärs Oberveterinärrat Mag. Hermann
Gsandtner (Beilage 4).
Antwort zu Punkt 18 der Anfrage:
Das Elefantenteam bestand immer zumindest aus vier Tierpflegern, das heißt, es mußten
immer zusätzliche Pfleger eingeschult sein, um währen Krankheit oder Urlaub von Kollegen
deren Tätigkeit im Elefantenrevier zumindest aushilfsweise ausüben zu können. So wurden
von 1992 bis Ende 1997 10 Tierpfleger bei den Elefanten eingeschult. In dieser Zeit ging ein
Mitarbeiter in Pension, zwei ließen sich krankheitsbedingt in andere Dienststellen des Bundes
versetzen, zwei haben selbst gekündigt. Im Februar 1998 mußten drei Mitarbeiter wegen ihrer
Nichtbereitschaft zur ordentlichen Ausführung ihrer Tätigkeit, insbesondere der Ausbildung
des Elefantenbullen, zu deren eigener Sicherheit und zum Wohle der Tiere von der
Geschäftsführung durch erfahrene Elefantenpfleger ersetzt werden.
Antwort zu Punkt 19 der Anfrage:
Zwei; einen kompletten Wärterwechsel von Basel nach Wien, allerdings mit mehrwöchiger
Übergangsfrist durch entgegenreisende bzw. mitreisende Pfleger, sowie ein zweites Mal im
Tiergarten Schönbrunn zwischen Jänner und März 1998, wobei hier ein kontinuierlicher
Wechsel Schritt für Schritt stattgefunden hat und der Springer noch von der alten Mannschaft
mit dabei ist.
Antwort zu Punkt 20 der Anfrage:
1992 in Basel.
Antwort zu Punkt 21 der Anfrage:
Im Tiergarten Schönbrunn war Pambo vom 2. März 1998 bis 22. März 1998 an zwei Beinen
mit einer Kette fixiert, anschließend 8 Tage mit einer Kette.
 
Antwort zu Punkt 22 der Anfrage:
Pambo verweigerte zu Beginn des Trainingsprogrammes - das ausschließlich mit Belohnung
und nicht mit Strafe funktioniert - die Befolgung eines Kommandos, bei Wiederholen des
Kommandos reagierte er mit einem Rüsselschlag gegen den Pfleger.
Antwort zu Punkt 23 der Anfrage:
Getroffen wurde ein Pfleger aus der alten Crew, anwesend war auch ein Pfleger aus der neuen
Crew.
Antwort zu Punkt 24 der Anfrage:
Die neue Tierpflegecrew ist weder überfordert, noch setzt sie tierquälerische Mittel ein. Im
Gegensatz zu den indischen Mahouts wird hier ein sanftes Erziehungsprogramm von
international anerkannten Experten erfolgreich durchgezogen, wobei der gegenwärtige Leiter
der Crew, Dan Koehl, u.a. lange Zeit mit indischen Mahouts zusammengearbeitet hatte. Der
junge Elefantenbulle Pambo hat die Fehlentwicklung, die er bei der alten Crew zu nehmen
drohte, nun abgelegt und befindet sich in einem erfreulich gesunden, positiven und
zukunftsweisenden Zustand als Zuchtbulle des Tiergartens Schönbrunn.
II. Hinsichtlich der an mich unmittelbar als Eigentümervertreter gerichteten Fragen 10, 11 und
25 halte ich fest:
Antwort zu Punkt 10 der Anfrage:
Da die von der Tiergartenleitung im Zusammenhang mit den Tigerbabys getroffenen
Maßnahmen im Sinne des Tier - und Artenschutzes waren, stellt sich die Frage eines
Eingreifens durch den Eigentümervertreter nicht.
 
Antwort zu Punkt 11 der Anfrage:
Das "Anordnungsrecht" des Vertreters des Gesellschafters ergibt sich aus dem GesmbH - Gesetz
und dem Gesellschaftsvertrag. Neben dem Aufsichtsrat als kontrollierender Instanz ist gemäß
4 Schönbrunner Tiergartengesetz auch ein Beirat für Tiergartenbiologie, Zoologie und
Ökologie eingerichtet. Die Mitglieder dieses Beirates sind anerkannte Fachleute einschlägiger
Fachdisziplinen und werden von mir jeweils auf die Dauer von 3 Jahren bestellt. Dem Beirat
kommt eine beratende und damit zugleich auch eine kontrollierende Funktion in Bezug auf die
einschlägigen Fachgebiete zu. Der Beirat hat sich auch mit den jüngst erhobenen Vorwürfen
befaßt und dazu die beiliegende Stellungnahme (Beilage 3) abgegeben, aus der hervorgeht, daß
die Vorwürfe haltlos sind.
Die Erfolge der Schönbrunner Tiergartenges.m.b.H. - unter Leitung von Herrn Dir. Dr.
Pechlaner - bei der Umsetzung der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse für die
Tierhaltung, unter Berücksichtigung des Tier - und Artenschutzes, werden nicht nur vom
Beirat, sondern auch international anerkannt und sind unter Fachleuten unbestritten. Die
massiven Verbesserungen bei der Tierhaltung waren auch Voraussetzung für die
wirtschaftlichen Erfolge. Die Ausgliederung in der jetzigen Form war somit in jeder Hinsicht
ein voller Erfolg.
Der aussagekräftigste "Gradmesser" für den Erfolg ist die Nachfrage durch die Besucher und
diese konnte - trotz wesentlich höherer Eintrittspreise - seit der Gründung in etwa verdoppelt
werden.
Antwort zu Punkt 25 der Anfrage:
Durch die Einrichtung entsprechender Gesellschaftsorgane, wie insbesondere dein Aufsichtsrat
und den Beirat für Tiergartenbiologie, Zoologie und Ökologie, ist ein Maximum an Beratung
und Kontrolle gegeben. Im übrigen verweise ich auf meine Beantwortung zur Frage 11.
 
 
 
 
Anlage konnte nicht gescannt werden!!!