1553/AB-BR BR
Die Abgeordneten zum Bundesrat HAGEN und Kollegen haben am 22. Dezember
1999 unter NR. 1677/J - BR/99 an mich eine schriftliche parlamentarische Anfrage
betreffend "Möglichkeiten der psychologischen und therapeutischen Betreuung
der Gendarmerie - und Polizeibeamten/innen nach traumatischen Erlebnissen
im Rahmen ihrer Dienstverrichtung"
gerichtet, die folgenden Wortlaut hat:
 
1. In welchen Bereichen bzw. Fällen gibt es derzeit tatsächlich eine psychologische
bzw. therapeutische Betreuung für Beamtinnen und Beamte der Bundesgendar -
merie und der Bundespolizei?
2. Wie sieht diese Betreuung im konkreten aus und durch wen wird diese durch -
geführt?
3. Ist das Personal, welches die Betreuung durchführt eigens geschult?
4. Wird die Betreuung kostenlos zur Verfügung gestellt?
5. Gibt es Überlegungen die Betreuung auch auf andere Fälle auszuweiten? Wenn
ja, auf welche?
6. Wie viele Beamtinnen und Beamten haben aufgrund einer fehlenden psychologi -
schen oder therapeutischen Hilfestellung Selbstmord begangen?

Diese Anfrage beantworte ich wie folgt:

1. a) Im Rahmen der im Jahr 1994 vom Psychologisch - pädagogischen Dienst ins
Leben gerufenen "Betreuung nach Schusswaffengebrauch" ist das Angebot psy -
chologischer Unterstützung und Betreuung nach traumatischen Ereignissen in
folgenden Fällen verpflichtend vorgesehen:
1. wenn Bedienstete einen Waffengebrauch hatten, bei dem eine Person getötet
oder erheblich verletzt wurde
2. wenn Bedienstete Zeugen eines Vorfalls wurden, bei dem andere Beamte
getötet oder erheblich verletzt wurden, oder der Bedienstete selbst erheblich
verletzt wurde.
3. Betreuer können auch von sich aus in Fällen, bei denen ein traumatisches Er -
eignis vorliegt und die nicht zum oa Personenkreis gehören, tätig werden.
b) Im Rahmen der im Jahre 1997 installierten "Betreuung nach kritischen Fluger -
eignissen" wird der gesamten beteiligten Besatzung eines Luftfahrzeuges des BM
für Inneres sowie allen betroffenen Bediensteten der Abteilung Flugpolizei und
Flugrettung (Abt. IV/21) verpflichtend Betreuung angeboten.
Diese Betreuung wurde 1999 um ein "Care - Team" erweitert, das im Anlassfalle
Hinterbliebene erstbetreut.
c) Im Falle, dass Bedienstete der Sicherheitsexekutive oder Sicherheitsverwaltung
an den psychologischen Dienst um psychologische Beratung oder Betreuung he -
rantreten, wird diesem Ersuchen entsprochen. Im Falle von Ersuchen um thera -
peutische Hilfestellung werden die Bediensteten an therapeutische Einrichtungen
weiterverwiesen.
2. Für "Betreuung nach Schusswaffengebrauch" sind mindestens drei persönliche
Betreuungsgespräche mit demselben speziell ausgebildeten Betreuer (einem lei -
tenden Beamten) vorgesehen.
1. Gespräch grundsätzlich innerhalb 24 Stunden
2. Gespräch ca. 48 Stunden nach dem ersten Gespräch
3. Gespräch und weitere Gespräche 1 bis 6 Wochen nach dem Vorfall.
Das erste und zweite Gespräch sind vom Betreuer verpflichtend anzubieten,
weitere Gespräche sind über Wunsch des Betroffenen zu führen.
Die "Betreuung nach kritischen Flugereignissen" erfolgt bei Einzelbetreuung
durch Psychologen der Abt. II/1 und bei Gruppenbetreuung durch Psychologen
der Abt. II/1 gemeinsam mit als "Peers" ausgebildeten Beamte der Abt. IV/21.
3. Die "Betreuer" wurden in einer zweiwöchigen Ausbildung geschult und werden
jährlich in einer einwöchigen Veranstaltung fortgebildet und supervidiert.
Die "Peers" der Abt. IV/21 haben eine einwöchige Schulung durchlaufen.
4. Die Betreuung ist für die betroffenen Bediensteten kostenlos; die Zeit der Betreu -
ung ist Dienstzeit.
5. Die Betreuer können gemäß Anfragebeantwortungen Pkt. 1a.3. von sich aus tätig
werden; beispielsweise

> wurden bei der BPD Wien Sicherheitswachebeamte betreut, die bei einem
Einsatz waren, bei dem eine Mutter zwei Kinder durch Hinauswerfen aus dem
Fenster tötete.
> wurde beim LGK für Tirol den in Galtür beim Lawinenunglück eingesetzten
Ermittlungsbeamten Betreuung angeboten (diese wurde auch in Anspruch ge -
nommen).
> wurde bei der BPD Innsbruck den am 4. Dezember 1999 im Berg Isel - Stadion
eingesetzten Bediensteten drei Gruppenbetreuungen (davon eine unter Mit -
wirkung eines Psychologen der Abt. II/1) angeboten. Diese Gruppenbetreuung
wurde von insgesamt 18 Personen in Anspruch genommen.
> wurde den österreichischen Tatortspezialisten, die im Juli 1999 im KOSOVO
zum Einsatz gelangten, bei ihrer Rückkehr im September Betreuung durch die
Abt. II/1 angeboten (diese wurde nicht in Anspruch genommen).
Weiters wurde die Bereitschaft bekundet, mit den 50 Gendarmerie - und Polizei -
beamten, die als UN - Polizisten im KOSOVO zum Einsatz gelangten, nach ihrer
Rückkehr (vermutlich Sommer 2000) eine psychologische Einsatznachbespre -
chung durchzuführen oder sie nach allfälligen traumatischen Vorfällen zu betreu -
en.
Eine Ausweitung der Betreuungen auf andere belastende Ereignisse wäre wün -
schenswert, würde aber zusätzlich qualifiziertes Personal erfordern.
6. Gemäß Anfragebeantwortung Pkt. 1.c. werden Betroffene, die an den psychologi -
schen Dienst herantreten, beraten bzw. betreut.
Grundsätzlich kann gesagt werden, dass eine solche Hilfestellung geeignet ist,
den Betroffenen wieder einen Sinn des Lebens zu vermitteln.

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