Wie bei vielen anderen Themenstellungen gilt auch dabei der Grundsatz: Was früh verabsäumt wird, kann später nur ganz schwer aufgeholt werden – beziehungsweise wird es in späteren Jahren immer kostspieliger.
Ich bin daher sehr froh darüber, dass ein erster Schritt gelungen ist, den Kindergarten in Richtung „Bildungsgarten“ weiterzuentwickeln. Das ist für mich eine zentrale Maßnahme. Mit September dieses Jahres gilt ab dem fünften Lebensjahr der verpflichtende Kindergartenbesuch halbtags, der kostenfrei für die Eltern ist und einen deutlichen Schwerpunkt in der sprachlichen Förderung setzt. Ich muss leider auch erwähnen, dass nicht nur Kinder und junge Menschen mit Migrationshintergrund Sprachdefizite haben, sondern auch Kinder mit Deutsch als Erstsprache haben zunehmend Schwierigkeiten, sich gut auszudrücken. Das liegt wohl auch daran, dass möglicherweise im Elternhaus viel zu wenig miteinander geredet wird, dass zu wenig familiär geleistet wird.
Als Gesellschaft müssen wir dem gegensteuern. Ich glaube, wir können es nicht zulassen, das einfach als Problem im Raum stehen zu lassen. Es ist daher ein ganzes Maßnahmenbündel notwendig – ich habe es bereits erwähnt –, etwa eine frühe Förderung im Kindergarten mit deutlichen sprachlichen Akzenten. Wir müssen die KindergartenpädagogInnen natürlich auch entsprechend stärken und weiter ausbilden. Auch für die Volksschullehrer haben wir im Fortbildungsprogramm – bei den Pflichtschullehrern ist ja die Fortbildung verpflichtend – entsprechende Weiterbildungsmaßnahmen bezüglich früher sprachlicher Förderung eingerichtet.
Klar ist – das sagen uns auch viele Experten –, dass man beim Erlernen einer neuen Sprache dann besonders große Schwierigkeiten hat, wenn man die Muttersprache nicht wirklich gut beherrscht. Das heißt, wir müssen und werden auch im muttersprachlichen Unterricht Akzente setzen. Dann sind natürlich – was ich immer wieder betone – Deutschförderkurse ein großes Thema, vor allem im Bereich der Pflichtschulen, nämlich der Volksschulen und Hauptschulen.
Auch das Thema Quereinsteiger ist zu beachten, also derjenigen, die später nach Österreich kommen. Für diese müssen wir entsprechende Förderungen vorsehen. Wir haben das ja im Regierungsprogramm und auch im Budget verankert: Deutschförderkurse für außerordentliche Schüler in Volksschule, Hauptschule und Polytechnischer Schule, eine Ausweitung der Dienstposten im Bereich der berufsbildenden mittleren Schulen und eine Erhöhung des Kontingents um 4 Prozent bei den Berufsschulen, weil wir auch dort Handlungsbedarf sehen.
Insgesamt sehe ich das Maßnahmenbündel als sehr positiv. Es geht um mehr Aufmerksamkeit für die Schülerinnen und Schüler, das heißt: kleinere Klassen. Immerhin haben wir in den letzten zweieinhalb Jahren über 6 000 Lehrerposten neu geschaffen – ich betone das immer wieder –, und zwar durch die Einführung von Kleingruppenunterricht, von kleineren Klassen, also durch mehr Betreuung für die Kinder. Ich meine, das muss man gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten auch sagen: Das bedeutet wichtige Beschäftigungseffekte. Nennen Sie mir eine Branche, in der in sehr kurzer Zeit 6 000 Arbeitsplätze neu geschaffen wurden! Es ist ganz, ganz wichtig, auch das zu betonen.
Ein großes Anliegen ist mir im Zusammenhang mit dem Thema Migration auch die Frage: Wie erreichen wir die Eltern? Ich glaube, dass das ein ganz zentraler Punkt ist. Ich möchte mich in den nächsten Monaten gezielt auch an die Schulen, vor allem an die Oberstufen wenden und möchte dafür werben, dass wir mehr Menschen mit Migrationshintergrund für den Lehrberuf gewinnen. Ich glaube, dass das ganz wichtig für die Akzeptanz, für die soziale Beziehung ist.
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