schaftlicher, sozialer und ökologischer Weise (Bundesrat Mag. Klug: Den beeinflusst vieles!), und das Thema Ernährung äußert sich wirklich in sehr vielen spannenden anderen gesellschaftlichen Bereichen. Wir haben auf der einen Seite die Gesundheitspolitik, die auf langzeitliche Folgeschäden von Überernährung reagieren muss, und diese Überernährung in Europa und anderen Industriestaaten hat viele verschiedene Ursachen. Eine davon ist eine nicht ausreichende Lebensmittelkennzeichnung, die wir schon jahrelang fordern. Aber auch die konventionelle Agrarpolitik, die eine Industrialisierung der Landwirtschaft favorisiert, spielt hier eine wesentliche und entscheidende Rolle.
Die österreichische Agrarpolitik agiert nicht im Sinne unserer Bauern und Bäuerinnen, sondern im Sinne der überregionalen industrialisierten Nahrungsmittelunternehmen und -konzerne. Ich behaupte das deswegen, weil ich mir angeschaut habe, was ein Lebensmittelkonzern an Förderungen absahnt und mit wie viel Gewinn er rechnen kann und was im Gegensatz dazu ein kleiner Milchbauer im Alpenvorland verdient.
Der kleine Milchbauer hat die Arbeit und kann eigentlich ohne Förderungen gar nicht mehr überleben. Würde die konservative Standesvertretung der Bauern ihre Klientel wirklich vertreten und unterstützen, müsste sie vor allem bei der Lebensmittelkennzeichnung ansetzen. Ich habe mir heute in der Früh wie des Öfteren ein Produkt gekauft, Schärdinger Milch mit einem AMA-Gütesiegel, und da steht drauf: Buttermilch aus pasteurisierter Milch. – Dass da kein Biodiesel drinnen ist, ist uns, glaube ich, allen klar, aber mich würde schon interessieren, woher die Milch stammt. Wir wissen bei dem Gütesiegel, dass da die Bauern zuliefern, die in der Region sind. Das ist ein guter Schritt, und deswegen kostet dieses Produkt auch um einiges mehr als das Produkt, das daneben steht und vielleicht um die Hälfte billiger ist, wo man aber nicht nachvollziehen kann, woher die Milch stammt, ob die aus Österreich stammt oder aus Bulgarien oder von sonst wo importiert worden ist. (Zwischenruf des Bundesrates Schennach.)
Na ja, bei der Lebensmittelkennzeichnung haben wir es immer noch nicht geschafft, endlich draufzuschreiben, was wirklich drinnen ist, und als Konsument interessiert es jetzt nicht nur mich, sondern auch Sie, glaube ich, und jene, die im Geschäft einkaufen, woher die Produkte stammen. Es gibt Tomaten, die in der Sahelzone angebaut, dann von internationalen Lebensmittelkonzernen nach Europa exportiert und dort in Fertig- und Halbprodukten versteckt werden, aber niemand soll es wissen, weil wahrscheinlich niemand diese Tomaten haben möchte, weil man das Gefühl haben würde, man würde den Menschen dort etwas wegessen. Die Liste dieser versteckten Lebensmittel aus Hungergebieten ist ziemlich lang. Und wir sind gefordert, nicht nur den Käse aus Hartberg zu hinterfragen und richtig zu kennzeichnen, sondern wir sollten auch wissen, wenn wir Brot kaufen, woher der Weizen dafür kommt. Das interessiert die Mehrheit der Konsumenten und Konsumentinnen.
Ganz kurz zurück zum Thema Ernährung: Die Überernährung und Überproduktion in Europa hängen ja auch damit zusammen, dass die Bauern und Bäuerinnen von ihrer Standesvertretung jahrelang empfohlen bekommen haben, einfach mehr zu produzieren. Wie kann man mehr produzieren, wenn der Boden nicht ertragreicher ist? Man muss mehr düngen, man muss mehr Pestizide einsetzen, man muss mehr Futtermittel hinzukaufen.
Der Bauernbund und seine Vertreter hören das nicht so gerne, und ich weiß das, aber die Losung „Wachse oder weiche!“, die der Österreichischer Bauernbund jahrelang gepredigt hat, erweist sich als vollkommen falsche Strategie (Beifall bei den Grünen), und ich kann nur hoffen, dass der Bauernbund eine neue, bessere Losung ausgibt, denn die Landwirtschaft in Österreich steht wirklich vor neuen Herausforderungen. Die konventionelle Intensivlandwirtschaft ist ein Schuss ins Knie, denn im Wesentlichen erkauft sie sich kurzfristige Ertragsmaximierungen mit einem hohen Aufwand an Dünger- und Pestizideinsatz.
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