unpassend, würde ich eigentlich meinen. Die Frage ist ja, wie man mit schwierigen Situationen umgeht. (Bundesrat Ertl: Indem man sie verbessert!) Es geht darum, ob man sie als Herausforderung betrachtet oder ob man mit einer Art Weltverdruss an diese Herausforderungen herangeht. Wir sollten einfach beraten, was insgesamt zu tun und notwendig ist, statt einen Sektor in die Krise zu reden.
Ich möchte mich heute eigentlich nicht so sehr auf die Details des Grünen Berichtes einlassen. Der Grüne Bericht ist wie immer ein sehr kompetentes Nachschlagewerk. Ich möchte allen sehr, sehr herzlich danken, Herr Bundesminister, die am Entstehen dieses Werkes mitgewirkt haben. Es enthält für jedermann nachlesbar diesen Mix der agrarpolitischen Strategien, die man für diesen Sektor entwickelt hat. Sie bestehen in einem Bündel von Ausgleichszahlungen, Investitionsförderungen, Maßnahmen für Bildung und Beratung. Vor allem zeigt sich aber auch ein starker Offensivgeist. Ich verweise in dem Zusammenhang auf das Maßnahmenpaket „Unternehmen Landwirtschaft 2020“, auf diese Strategiearbeit, die unter der Federführung des Herrn Bundesministers stattfindet und die Professionalisierung des Sektors weiter vorantreiben soll.
Insgesamt sollten wir schon immer auch sehen, dass die Politik, die betrieben wird, am Ende doch sehr erfolgreich und in der Lage ist, den ländlichen Raum als Ganzes zu erhalten. Wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben, dass es diese Art von ländlichem Raum nur mehr in Mitteleuropa gibt. Es gibt ihn in Österreich, in Deutschland, in Südtirol und vielleicht auch noch in der Schweiz. Außerhalb davon ist ein solcher Zugang zur Politik eigentlich eher nicht mehr gegeben.
Wir haben starke ländliche Räume. Wir waren im ökosozialen Sinne in der Lage, kleinststrukturierte Betriebe zu erhalten. Ich habe in diesem Haus schon einmal erwähnt, dass wir laut Statistik unter den Milchlieferanten in Europa sogar noch hinter Portugal die kleinsten Betriebe haben. Wir haben aber gleichzeitig auch die jüngste Landwirtschaft in Europa, und das ist ein Hinweis auf den Optimismus in der Branche, im Sektor. Wir haben einen sehr niedrigen Altersdurchschnitt – diese Tabellen sind im Internet, also nicht alle in dem Buch da (der Redner hält das Schriftstück in die Höhe) nachlesbar –, also die jüngste und damit auch eine der vitalsten Landwirtschaften, die es gibt. Das muss man einfach dazusagen.
Auch ein weiterer Parameter hat sich günstig entwickelt: Seit 2005 hat die Anzahl der Betriebe in Österreich nur um 1,3 Prozent abgenommen. Auch das muss man einfach im Sinne einer gesunden Bilanz dazusagen.
Ich möchte heute aber eher in eine andere Richtung argumentieren und vom Interesse der Konsumenten ausgehen. Ich denke, dass wir insgesamt in einem größeren Zusammenhang einen Paradigmenwechsel erleben und auf einen noch deutlicheren zugehen. Die Agrarpolitik als Frage nach der Sicherheit der Lebensmittelversorgung wird im globalen Maßstab zu einem ganz dramatischen Thema. Wir haben das in den letzten Tagen erlebt – Sie haben sicher selbst die Zeitungen gelesen –, ich zitiere nach der „Tiroler Tageszeitung“ vom Mittwoch, 2. Februar: „Weizenpreis im Höhenflug: Nudeln bis zu 15 Cent teurer“. – Wir haben gerade wahrgenommen, was sich in Tunesien abgespielt hat. Wir erleben im Moment, was sich an Dramatik in der 20-Millionen-Metropole Kairo abspielt.
Wir sind jahrzehntelang davon ausgegangen, dass der Zufluss von Lebensmitteln in die großen Metropolen wie selbstverständlich gegeben ist. Jetzt sehen wir, dass in den letzten 15 Monaten nach Daten der Vereinten Nationen die Weizenpreise um 136 Prozent gestiegen sind, die Reispreise um 217 Prozent und die Maispreise um 241 Prozent. Wir haben auch lesen können, dass ein einziger Händler von Agrarrohstoffen 11 Prozent der Weltkakaoernte aufgekauft hat.
Aus Sicht der Konsumenten ergibt das enorme Preisschwankungen, enorme Preissteigerungen. Es kommt auch zu Rohstoffverknappungen. Dazu kommt noch das schwie-
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