BundesratStenographisches Protokoll795. Sitzung / Seite 26

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Forschung existiert, wenn sie exzellent oder auf internationalem Niveau betrieben wird. Internationales Niveau bedingt in diesem Fall schon Kooperation. Ich weiß nicht, wie Wissenschaft oder Forschung ohne Kooperation bestehen sollte, denn wissenschaft­liche Arbeit basiert immer auf Vorarbeiten von Kolleginnen und Kollegen, und auch die eigenen Arbeiten werden weiterverwendet. Kooperation ist ein Schlagwort, ist aber gerade in Wissenschaft und Forschung selbstverständlich. Allein daran kann man – wie soll ich sagen – den Wert der Forschung und unserer Hochschulpolitik nicht mes­sen.

Wenn Kollegin Kemperle jede Menge Handlungsbedarf attestiert hat, dann kann ich ihr nur zustimmen. Und ja, es ist kein Sonntagsspaziergang. Nichtsdestotrotz ist in den von Ihnen skizzierten notwendigen Rahmenbedingungen für die Steigerung der Effi­zienz schon einiges an Drohpotenzial vorhanden – je nachdem, wie viel Information man darüber hat, wie diese notwendigen Rahmenbedingungen aussehen werden.

Bis Ende dieses Jahres wird ein Standortkonzept erarbeitet. Es klingt ausgesprochen logisch, dass die Lehr- und Forschungsangebote der einzelnen Standorte aufeinander folgen sollten, also abgestimmt werden sollten.

Gleichzeitig werden aus der Sicht der Institutionen an allen Ecken und Enden aber auch Streichungen und Kürzungen hingenommen werden müssen. Wir wissen, dass die Subventionen für die Förderung von wissenschaftlichen Zeitschriften und Publi­kationen ab 2012 eingestellt werden. Wir wissen, dass gerade jetzt die Basisförderung außeruniversitärer Forschungseinrichtungen gestrichen wird – übrigens auch für solche, die Exzellenz vorweisen. Das sind sozusagen diese kleinen Handlungsbedarfs­ebenen. Die Unis klagen über Raumnot und viel Sanierungsbedarf. Wer an die Hauptuni gegangen ist oder vor zwanzig Jahren dort studiert hat, kennt die Situation der bröckelnden Decken – nicht nur das Parlament, sondern auch so manche Uni bricht zusammen.

Und selbst wenn mit der neuen Regulierung der Studieneingangsphase die ersten Ansätze dazu da sind, junge Menschen, die studieren wollen, die eine gute Ausbildung haben und auch in die Forschung gehen wollen, gut auf das Studium vorzubereiten, scheint – trotzdem – noch einiges zu fehlen. Allein die kleinen Stellschrauben zu drehen, reicht nicht aus. Wir brauchen eine gute Verbindung mit der Schule als Aus­bildungszentrum.

Zum Abschluss möchte ich noch erwähnen, dass es meiner Meinung nach zu wenig ist, alle großen Probleme, die wir auch immer wieder zitieren – das heißt, die fehlende soziale Durchmischung, kaum einkommensschwache Personen an den Universitäten, 62 Prozent der Studierenden erwerbstätig und Ähnliches mehr –, nur auf den offenen Hochschulzugang zu schieben. Ja, möglicherweise würde die Studienplatzfinanzierung einen Ansatz bieten. Trotzdem ist der offene Hochschulzugang per se nicht schuld an all den von Ihnen aufgezählten Problemen und Versäumnissen – der letzten 20 Jahre, da gebe ich Ihnen recht. Sie müssen mit viel mehr kämpfen, seitdem Sie angetreten sind. Trotzdem ist es zu wenig.

Einerseits reicht es nicht – und das sage ich jetzt als Grüne –, nur auf dem offenen Hochschulzugang zu bestehen, aber ebenso wenig reicht es zu sagen, der offene Hochschulzugang sei schuld an allen Problemen, die wir haben. In diesem Sinne wünsche ich mir einen wirklich gut erarbeiteten österreichischen Hochschulplan für die nächsten 20 Jahre. – Danke. (Beifall bei Grünen und SPÖ sowie des Bundesrates Keuschnigg.)

10.05


Vizepräsidentin Mag. Susanne Neuwirth: Als nächste Rednerin ist Frau Bundesrätin Mag. Rausch zu Wort gemeldet. – Bitte.

 


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