In Österreich beträgt die Zahl der Personen mit Hochschulabschluss gemessen am Anteil der gleichaltrigen Bevölkerung 10 Prozent. Das ist die geringste Rate aller OECD-Länder. Der OECD-Schnitt beträgt 20 Prozent, ist also doppelt so hoch wie die Quote in Österreich. (Bundesrat Perhab: Der Vergleich hinkt! – Zwischenruf der Bundesrätin Mühlwerth.) Trotz alledem kann man nicht immer alles nur mit Studiengebühren und Studienzugangsbeschränkungen beantworten, sondern muss darüber nachdenken, warum diese Quote so ist, wie man diese Quote verbessern kann und was man hier tun kann.
Österreich verfügt auch über die niedrigste Studienanfängerquote und eine niedrige Absolventenquote. Das haben Sie selbst genannt. Der Anteil der Studienanfänger im Hochschulbereich an einem Altersjahrgang liegt in Österreich mit 42 Prozent stark unter dem OECD-Schnitt von 56 Prozent. Zieht man die sogenannten Bildungsländer ab, liegt Österreich sogar nur bei 32 Prozent. Der Anteil der Absolventen eines Hochschulstudiums an einem Altersjahrgang ist in Österreich mit 22,1 Prozent ebenfalls stark unterdurchschnittlich, der OECD-Durchschnitt liegt bei 38,7 Prozent.
In Österreich hängt der Hochschulzugang stark von der Bildung der Eltern ab. In Österreich haben 27 Prozent der Väter von Studierenden einen Hochschulabschluss, aber nur 11 Prozent aller Männer in der vergleichbaren Altersgruppe. Obwohl der Bevölkerungsanteil also nur bei 10 Prozent liegt, sind knapp 30 Prozent der Studierenden mit einem solchen familiären Bildungshintergrund ausgestattet.
Die Studienbedingungen in einigen Studien an Universitäten sind unzumutbar. In bestimmten Studienrichtungen sind die Studienbedingungen schon seit Jahren konstant schlecht, vor allem das Betreuungsverhältnis von Studierenden zu Lehrenden ist in diesen Massenstudien untragbar. Die Ausgaben für Hochschulen sind gemessen an unserer Wirtschaftsleistung unterdurchschnittlich. Österreich investiert rund 1,3 Prozent des BIP in Hochschulen, in den tertiären Bereich. Spitzenländer wie Kanada und Finnland investieren 1,7 Prozent, Korea sogar 2 Prozent. Die Durchschnittsstudienzeit ist in Österreich überdurchschnittlich lang, Österreich liegt mit 5,6 Jahren deutlich über dem OECD-Durchschnitt von 4,5 Jahren.
Alle diese Faktoren führen zu mittelmäßigen Resultaten unserer Universitäten bei internationalen Rankings. In den aktuellen Times Higher Education World University Rankings findet sich nur eine unserer Universitäten unter den 200 besten weltweit, das wurde schon genannt.
Die Bundesregierung hat ein sehr ambitioniertes Programm im Regierungsprogramm genannt. Nur zu ein paar Punkten hätte ich gerne Antworten: Wie schaut es mit mehr Geld für die Universitäten aus? Ich erinnere daran, dass im Regierungsprogramm steht, dass im Jahr 2020 2 Prozent des BIP erreicht werden sollten. Wie schaut es dabei aus? Wie schaut es mit der Schaffung eines österreichischen Hochschulplanes aus? Was geht weiter, was geschieht in diesem Bereich? Wie geht es mit der Einführung eines Studienplatzfinanzierungsmodells weiter? Noch eine Frage, weil darüber sehr viel diskutiert wird, und diese Diskussionen wieder auf uns zukommen: Wie schaut es mit einer europäischen Lösung für Studierende aus anderen EU-Ländern in Bezug auf Beschränkungen aus – Stichwort: Medizin-Universität?
Das hätte ich gerne von Ihnen gewusst, Frau Bundesminister. Ansonsten danke ich Ihnen für Ihre ambitionierte Arbeit. (Beifall bei SPÖ und Grünen.)
10.17
Vizepräsidentin Mag. Susanne Neuwirth: Als Nächste ist Frau Bundesrätin Mühlwerth zu Wort gemeldet. – Bitte.
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