BundesratStenographisches Protokoll805. Sitzung / Seite 23

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Bundesminister für Gesundheit Alois Stöger, diplômé: Herr Bundesrat, bei der Frage, Ärztemangel oder nicht, muss man ein bisschen mehr die Zahlen sprechen lassen als die Emotion. Es ist natürlich für jede Patientin und für jeden Patienten ein Problem, wenn der vertraute Arzt, der einen vielleicht schon als Kind betreut hat, ins Pensionsalter kommt. Dann braucht man jemand Neuen. Das ist natürlich eine emotional belastende Situation.

Wir haben in Österreich, was die Zahlen anlangt, die höchste Ärztedichte. Österreich weist bei allen OECD-Daten aus, dass wir, bezogen auf die Bevölkerung, sehr, sehr viele Ärztinnen und Ärzte haben. Also insgesamt gesehen haben wir genügend Ärzte zur Verfügung.

Es trifft schon zu, dass wir in einzelnen Bereichen der Medizin durchaus Mangel haben. Ich nenne zum Beispiel den Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Das ist ein sehr intensives Fach, da gibt es tatsächlich Mangel. Ich habe darauf reagiert, indem ich durch die Mangelfachverordnung sichergestellt habe, dass in diesen Feldern mehr Ärztinnen und Ärzte ausgebildet werden können.

Ein zweites Feld, wo wir erkennen, dass wir zusätzlichen Bedarf haben, ist die Frage der Altersmedizin. Wir werden in Zukunft alle älter. Das ist gut so, das zeichnet uns auch als reiche Gesellschaft aus. Wir brauchen aber Ärztinnen und Ärzte, die qualitativ für die Fragen der Altersmedizin besonders geschult sind.

Ich habe daher ermöglicht, dass Allgemeinmediziner das Zusatzfach Geriatrie, also Altersmedizin, erlernen können, damit wir für die Zukunft gewappnet sind, hier Ausbildung zu haben und den zukünftigen Bedarf abdecken zu können.

Insgesamt ist es bei der Frage, ob es zu wenig Ärztinnen und Ärzte vom Aus­bildungsstatus her gibt, derzeit nicht belegbar, dass wir zu wenig haben. Wir bilden jährlich genügend Ärztinnen und Ärzte aus, damit Ärzte, die das Pensionsalter erreichen, auch ersetzt werden können. Es mag die eine oder andere Region geben, wo das nicht der Fall ist. Da braucht es andere Aktivitäten vor Ort, um die Arbeitsplätze und die Arbeitssicherheit in der Region herzustellen.

Ich habe aber in der letzten Woche ein Gespräch mit einem Ärztekammerfunktionär in Salzburg geführt, und der hat mir mitgeteilt, dass es für jede freiwerdende Ver­tragsarztstelle genügend Bewerber auch im Bundesland Salzburg gäbe. Er sagt aber auch dazu, dass manche Ärztinnen und Ärzte Sorge haben, selbständig eine eigene Praxis zu betreiben, weil diese Vereinsamung und dieses alleinige Führen einer Praxis eine Schwierigkeit ist. Dazu haben wir aber auch die Möglichkeit geschaffen, in Ärztegesellschaften die Versorgungssituation und die Kooperation von Ärztinnen und Ärzten in der Region zu stärken.

 


Präsident Gregor Hammerl: Wird eine Zusatzfrage gewünscht? – Bitte, Herr Bun­desrat.

 


Bundesrat Ferdinand Tiefnig (ÖVP, Oberösterreich): Ich habe eine Zusatzfrage, denn im Bezirk Braunau haben wir zurzeit ein Problem mit der Ausschreibung der Stelle eines Arztes, der in Pension gegangen ist und für den keine Nachfolge gefunden wird.

Eventuell ist das missglückte Apothekergesetz die Ursache, weil ein Arzt, wenn er in Pension geht, dem Nachfolger die Apotheke nicht übertragen kann. Daher meine Frage: Haben Sie mit der Apothekerkammer in diesbezüglichen Fragen schon Kontakt aufgenommen, und wie weit sind die Verhandlungen im Bereich des Apotheker­gesetzes für eine Nachfolgeregelung bezüglich der Hausapotheke beim praktischen Arzt?

 


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