BundesratStenographisches Protokoll817. Sitzung / Seite 79

HomeSeite 1Vorherige SeiteNächste Seite

Es gibt hier nämlich eine aktuelle Situation, die für den Weiterbestand dieser Bahn äußerst prekär ist, ich würde sagen, es ist nicht mehr fünf vor zwölf, es ist bereits zwölf.

Es gibt die Bahnlinie von Trofaiach über Vordernberg Bahnhof bis Vordernberg Markt, die im Eigentum der Österreichischen Bundesbahnen steht, und in weiterer Folge dann – von Vordernberg Markt bis Eisenerz – steht diese Bahn im Eigentum des Vereins Erzbergbahn, der dort eine touristische Nutzung vorsieht.

Nun ist es so, dass der Abschnitt, der den ÖBB gehört, zum Verkauf steht, und ein kleines Zwischenstück, nämlich von Vordernberg Bahnhof bis Vordernberg Markt, ganz essenziell und notwendig für den Betrieb der Erzbergbahn als touristische Erlebnis­bahn ist, weil nämlich der Bahnhof und die ganze Infrastruktur mit den Werkstätten und den Remisen sich in Vordernberg Bahnhof befinden und durch die mit Jänner dieses Jahres erfolgte Kündigung der ÖBB mit viermonatiger Kündigungsfrist bis Ende Mai des Jahres ein Weiterbetrieb nicht mehr möglich sein wird.

Die Crux dabei ist, dass die ÖBB für diesen gesamten Streckenabschnitt von Trofaiach bis Vordernberg 820 000 € an Verkaufspreis diktieren, sage ich einmal, zwar gestundet auf Jahresraten, auf zehn Raten, zinslos, aber trotzdem ist das ein erkleckliches Sümmchen, das der Verein natürlich nicht in der Lage ist aufzubringen.

Worum geht es eigentlich? Warum ist das von so großer Bedeutung? – Es ist erstens die touristische Nutzung eines eisenbahnhistorischen Juwels in einer Krisenregion, die dadurch vor dem Aus steht. Es ist auch in Zukunft ein Verkehr über diese Kernstrecke im Raum Vordernberg bis Eisenerz nicht mehr möglich, weil die ÖBB, wenn sie keinen Käufer findet, diese Strecke rückbaut, und dann ist diese Schieneninfrastruktur für alle Zeiten verloren.

Seit längerer Zeit gibt es bereits intensive Bemühungen seitens des Vereins, aber vor allem auch seitens der gesamten Region, da eine Lösung zu finden, nur, die 820 000 € plus zirka 300 000 € bis 500 000 €, die notwendig sind, um die Strecke dann auch eisenbahnrechtlich betreiben zu können, sind nicht so einfach aufzubringen. Es gibt auch bereits einen Businessplan für den Weiterbetrieb der touristischen Nutzung, der positiv ist, und zwar unter Berücksichtigung sowohl der Erhaltung als auch des Betrie­bes dieser Bahn, aber, wie gesagt, die Finanzierung hängt in der Luft.

Es haben sich auch die Gemeinden, die alle in der Region davon betroffen sind, die übrigens alle Bürgermeister aus Ihrer Fraktion haben, Frau Bundesministerin, bereit erklärt, den finanziellen Beitrag für den Erhalt und den Betrieb zu leisten. Es hat auch der Herr Landeshauptmann Voves Bereitschaft bekundet, hier helfend einzugreifen, aber die Summe ist ziemlich gewaltig.

Es wäre ein fatales regionalpolitisches Signal und eine Bankrotterklärung sowohl in touristischer als auch in infrastruktureller Hinsicht, wenn diese Strecke rückgebaut werden würde oder anderweitig, beispielsweise als Leitungstrasse für eine Wasser­leitung, für eine Energieversorgung oder Ähnliches, genützt würde.

Und es ist durchaus auch im Auge zu behalten, dass es zur Strecke bis Trofaiach Konzepte gibt, wonach eine S-Bahn-Anbindung an die zukünftige S 8 im Raum Leoben wirtschaftlich machbar wäre. Und man kann sich mit einiger Fantasie vorstellen, dass auch beispielsweise für die Skiregion Präbichl eine Eisenbahnanbindung in Zukunft einmal durchaus denkbar und von Vorteil wäre. In der Schweiz gibt es Skiorte, die damit Werbung machen, dass sie mit der Eisenbahn erreicht werden können.

Meine Bitte ist daher an Sie, Frau Bundesminister – als Infrastrukturministerin und als Eigentümervertreterin der ÖBB –, alles zu tun und einzuwirken auf die ÖBB, dass sie sich zumindest verhandlungsbereit zeigen, was den Verkaufspreis betrifft. Wir verlan­gen nicht den symbolischen Euro, aber wir bitten um eine doch erkleckliche Preis-


HomeSeite 1Vorherige SeiteNächste Seite