meinheit nutzbar zu machen. International ist Österreich diesbezüglich sehr geschätzt, es kommen zahlreiche internationale Wissenschaftler nach Österreich, um hier Forschung an Primärquellen zu betreiben und sich zu vertiefen. Diese Institution, das neue Staatsarchiv in Erdberg, erfreut sich auch hoher Frequenz. Es ist ein Missverständnis, wenn man glaubt, ein Archiv wäre nur ein totes Gebäude und nur ein Museum lebt. In diesem Fall ist es eigentlich umgekehrt, Archive beleben und erfreuen sich hoher Frequenz.
Was ist 2007 bei dieser Umsiedlung passiert? Bei dieser Umsiedlung – das muss man auch einmal erwähnen, denn Umsiedlungen sind immer mit Risiken behaftet – sind 40 000 Bestände verloren gegangen, darunter auch die österreichische Neutralitätsurkunde von 1955, die wurde nämlich irrtümlich skartiert.
Warum man dieses Archiv aufgelöst hat, ist nicht ganz schlüssig. Des Weiteren ist dieses Archiv in Erdberg eigentlich nicht als Archiv geeignet, vor allem nicht als Ort der Präsentation. Es wurde Anfang der achtziger Jahre gebaut, es war damals ein Mega-Skandal in Wien, wobei ich jetzt nicht näher darauf eingehen möchte. Es ist keine Institution, wo etwas präsentiert wird. Das ist schade, denn Archive haben zahlreiche Unikate. Gerade das Österreichische Staatsarchiv besitzt absolute Schätze, und diese verstauben in kilometerlangen Regalen oder sogar auf Stiegen und Treppen, weil einfach kein Platz vorhanden ist.
Wenn ich mir also die Nutzung dieses sehr berühmten Hofkammerarchivs, das leider seit vier Jahren geschlossen ist, vorstelle, dann würde mir einiges anderes einfallen als ein modernes Literaturmuseum. Ich verstehe unter moderner Literatur eigentlich Lesen. Ich weiß nicht, was da ausgestellt werden soll, denn ein Museum heißt ja nichts anderes als die Präsentation von Sammlungen.
Daher würde ich vorschlagen, eine andere Nutzung des Hofkammerarchivs zu überlegen, und zwar für die museale Präsentation der wertvollen Unikate, die jetzt in Erdberg eigentlich nicht ersichtlich sind und irgendwo lagern, weil kein Platz vorhanden ist. Weiters würde ich vorschlagen, dieses wunderbare Arbeitszimmer Franz Grillparzers, das heute noch eines der wenigen original erhaltenen ist, inklusive des gesamten Mobiliars – heute leider nicht zugänglich, weil gesperrt –, zu nützen und seine Epoche des 19. Jahrhunderts darzustellen, also ein sogenanntes Haus der Geschichte. Wenn man vor diesem prachtvollen Palais steht oder hineingeht, atmet man richtig Geschichte ein. So etwas hat nicht jedes Land, und darauf sollte man stolz sein.
Gegen ein modernes Literaturmuseum wäre an und für sich nichts einzuwenden, aber bitte nicht im Zentrum hinter der Oper im Jahrhunderte alten Gebäude. Hier gibt es sicher andere Nutzungsmöglichkeiten, ich denke zum Beispiel an die leerstehenden Gasometer, die verstauben. Dort gibt es auch bereits das Wiener Stadt- und Landesarchiv, dort kann ohne weiteres ein Literaturmuseum eingerichtet werden.
Ich lese hier im Antrag: „Das unter Denkmalschutz stehende Hofkammerarchiv bietet hinsichtlich Standort () beste Voraussetzungen für ein modernes () Literaturmuseum.“
Nein, bietet es nicht! Es muss nicht hinter der Oper ein modernes Literaturmuseum sein; abgesehen davon ist Literatur zum Lesen da und nicht dazu, es irgendwie darzustellen. Ich wüsste nicht, wie das stattfinden sollte. Die Architektur eines denkmalgeschützten Gebäudes ist auch nicht gerade ein Synonym für Modernität. Hier könnte man sicherlich anderes einbringen, aber ein modernes Literaturmuseum sollte woanders stehen.
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