BundesratStenographisches Protokoll817. Sitzung / Seite 114

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hanna Rachinger, für ihre Bemühungen und Vorarbeiten dazu den Dank unserer Frak­tion aussprechen.

Literatur aus Österreich ist ohne Zweifel ein wesentlicher Faktor für die Bestimmung der österreichischen Identität. Für die Bildende Kunst, für die Musik gibt es in unserem Land ja weltbekannte Ausstellungs-, Aufführungs- beziehungsweise Veranstaltungs­räum­lichkeiten, für den Bereich Literatur fehlen vergleichbare Einrichtungen. Zwar gibt es eine Reihe von interessanten und viel beachteten Gedenkstätten und literarischen Schauräumen, die jedoch auf Persönlichkeiten einer Autorin, eines Autors oder lokale literarische Milieus begrenzt sind.

Ich darf in diesem Zusammenhang als Vertreter des steirischen Salzkammergutes natürlich das Literaturmuseum in Altaussee erwähnen, das derzeit von Barbara Frisch­muth betreut wird. Der Schwerpunkt der Sammlungen liegt dort auf Literaten, die eben mit Altaussee in Verbindung stehen: Hugo von Hofmannsthal, Friedrich Torberg oder Jakob Wassermann.

Ein Museum, das die Literatur des Landes repräsentativ darstellt, existiert aber bisher nicht. Das Österreichische Literaturarchiv und die Handschriftensammlung der Öster-reichischen Nationalbibliothek verfügen ohne Zweifel über bedeutende literarische Schätze, die in dem neuen Museum präsentiert und einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden können. Die Österreichische Nationalbibliothek, vielleicht wissen das nicht so viele, betreibt ja bereits drei Museen mit Erfolg – das Papyrus­museum, das einzige Globenmuseum der Welt und das Esperantomuseum – und verfügt damit auch über das entsprechende Know-how für die Betreibung eines Museums.

Das unter Denkmalschutz stehende Hofkammerarchiv – wir haben ja gehört, dass es mehrere Jahre lang nicht zugänglich war – steht zum Teil leer. Hinsichtlich Standort, Architektur, Platzangebot und Raumaufteilung – da bin ich mit Herrn Kollegen Pisec unterschiedlicher Meinung – bietet es sehr gute Voraussetzungen für ein modernes, innovatives Museum in einem historischen Bestand, Herr Kollege, wobei sich das Raumangebot und die Raumaufteilung für die Nutzung von zwei Etagen für Dauer­ausstellungen und einer Etage für eine Wechselausstellungsfläche, wie es heißt, geradezu anbieten.

Wie soll österreichische Literatur vermittelt werden? – Im neuen Literaturmuseum soll Literatur aus Österreich einschlägig und nachhaltig einem breiten Publikum vermittelt werden. Dabei sollen literarische Zusammenhänge und Prozesse sichtbar und an­schaulich gemacht werden, wozu heute eine zeitgemäße Vermittlung über zum Beispiel neue Medien, Touchscreens bis hin zu interaktiven Leseterminals, Hör­sta­tionen, Filmdisplays oder Audioguides zum technischen Stand jedes Museums gehört.

Ausstellung, Vermittlung, Forschung und internationale wissenschaftliche Symposien stehen also im Vordergrund. Nicht angestrebt – das möchte ich betonen, das gefällt mir auch – wird die reine Funktion als Sammlungsstätte.

Das bereits angesprochene Grillparzer-Zimmer wird in das neue Museum quasi als Originalschauplatz eines der bedeutendsten österreichischen Literaten integriert werden. Damit ist der Erhalt dieses aus literaturgeschichtlicher, aber auch aus ge­schichtlicher Epoche interessanten Raumes im Original garantiert, in dem Herr Grillparzer von 1832 bis 1856 als Direktor des Hofkammerarchives amtierte. Die Originaleinrichtung samt Stehpult, an dem Grillparzer einen Teil seiner Dramen schrieb, ist zur Gänze erhalten und wird einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden.

 


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