BundesratStenographisches Protokoll817. Sitzung / Seite 123

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Einkom­menszuwachs über einen Zeitraum von zehn Jahren, das ist nicht über­wältigend, aber durchaus mit jenem von vielen anderen Arbeitern oder Angestellten oder im Gewerbebereich Tätigen vergleichbar.

Dem steht gegenüber, dass auch die Aufwendungen in der Landwirtschaft in diesem Zeitraum um 37 Prozent gestiegen sind; das muss auch erwähnt werden. In diesem Zusam­menhang ist, da wir Bauern ja den Großteil unserer Verkäufe über Genos­senschaften abwickeln und den Großteil unserer Einkäufe ebenfalls über Genossen­schaften abwickeln, schon die Frage erlaubt, warum unsere Genossenschaften alleweil um ein kleines bisschen mehr haben müssen. Diese Frage müssen wir auch disku­tieren, um ein rundes Bild zu haben.

Das Zweite, was ich mir angeschaut habe, ist die Betriebsvergrößerung in Österreich. Da ist es sicherlich so, dass seit dem EU-Beitritt (Zwischenruf des Bundesrates Pirolt) – ja, ja, sowieso –, also seit 1995, in Österreich etwas verstärkt der Weg in das unheilvolle „Wachsen oder Weichen“ gegangen worden ist. Wenn man sich die Zahlen anschaut, so muss man differenzieren: Es sind die Ackerbaubetriebe in diesem Zeitraum um 6 Hektar größer geworden, und die Grünlandbetriebe sind um 2 Hektar größer geworden. Man muss aber noch mehr differenzieren: Es haben sich jene Betriebe, die mehr als 100 Hektar Acker besitzen und bearbeiten, in diesem Zeitraum verdoppelt. Also da sieht man eine Auseinanderentwicklung, die zweifelsohne vom sogenannten bäuerlichen Familienbetrieb weggeht.

Wenn man sich jetzt diese Entwicklung anschaut, dann muss man sich auch die Ein­kommensentwicklung ansehen, um die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Und da kann man auch mit Durchschnittswerten sehr viel verschleiern. Man muss also speziell auf die einzelnen Gruppen hinschauen. Wenn man sich die Statistik anschaut und die Bergbauern, das Bundesmittel, die Biobetriebe vergleicht, wenn man sich Bauern in Gunstlagen anschaut, dann hat man dort eine Entwicklung, die durchaus argumen­tierbar ist. Dass nicht alles gleich sein kann, das versteht ein jeder. Aber wenn man sich eine Gruppe herausnimmt, und das sind die großen Getreidebauern, so kommt man dort – da kann man das Betriebseinkommen, man kann auch das Arbeitsein­kommen pro Arbeitskraft hernehmen – immer wieder zur selben Problematik: dass eine relativ kleine Gruppe ein gewaltiges Einkommen hat und dieses große Einkommen auch noch zu über 53 Prozent von der öffentlichen Hand kommt.

Da drängt sich natürlich die Frage auf, ob die Gelder, die der Steuerzahler für uns Bauern sozusagen zur Verfügung stellt oder uns gibt, um gewisse Leistungen, die nicht über den Markt erbracht werden, abzugelten oder auch um eine gewisse Basis­förderung zu gewähren, richtig verteilt sind. Ich kenne schon die Forderungen des Bauernbundes: Mehr Geld, mehr Geld! – Das ist für eine bäuerliche Organisation naheliegend und argumentierbar. Es wäre aber zumindest ebenso wichtig, dass man sich über die Frage unterhält: Wie wird das verteilt? Wird es so verteilt, dass der bäuerliche Familienbetrieb eine Überlebenschance hat, oder geht es bei uns auch in sehr große Größenordnungen hinein? Und da beweist dieser Grüne Bericht, wie viele vor ihm, dass man in die falsche Richtung geht (Bundesrat Ertl: Der Bauernchef traut sich nicht einmal mehr unter die Bauern aussi!) – dass man in die falsche Richtung geht und dass man immer schneller in die falsche Richtung geht.

Wenn ich das jetzt kurz zusammenfasse, kann man sagen: Der Grüne Bericht 2012 ist ein guter Bericht, er ist ein sehr aufschlussreicher Bericht. Es war ein sehr gutes Einkommensjahr für viele. Die Einkommensunterschiede innerhalb der Landwirtschaft werden immer schneller immer größer. Die Bergbauernbetriebe können mit der Einkommensentwicklung in der Landwirtschaft schon lange nicht mehr mithalten. Die Biolandwirtschaft hat Wachstumspotenzial; das müssen wir in Zukunft mehr ins Auge


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