9.12

Bundesrätin Heike Eder, BSc MBA (ÖVP, Vorarlberg): Sehr geehrter Herr Präsident! Lieber Herr Sportminister! Einen sportlichen guten Morgen allen meinen Bundesratskol­leginnen und Bundesratskollegen, und natürlich auch den Zusehern daheim! Ich darf meine Rede heute gleich mit einem Dank an unseren Sportminister beginnen, denn das Thema unserer heutigen Aktuellen Stunde, nämlich Sport und das Comeback des Sports, verleiht dem Sport die notwendige Anerkennung und Wertschätzung, die er auch verdient hat.

Sport hat nicht nur einen positiven Effekt auf Gesundheit und Psyche, sondern Sport ist außerdem noch ein äußerst relevanter und zumeist auch sehr unterschätzter Wirt­schaftsfaktor. Mit einem unmittelbaren und mittelbaren Anteil am österreichischen BIP von etwa 5,75 Prozent liegt der Wertschöpfungsbeitrag des Sports zum Beispiel höher als jener der Bauwirtschaft, er ist in etwa doppelt so hoch wie der Beitrag der Finanz­dienstleister und in etwa sechsmal so hoch wie jener des Sektors Landwirtschaft.

Ungeachtet dessen, dass Sport ein so relevanter Wirtschaftszweig ist, hat man, wenn man die Presseberichte und Schlagzeilen zum Thema Corona in den vergangenen zwölf Monaten Revue passieren lässt, eines kaum gehört, nämlich lautes Jammern oder das permanente Einfordern von Unterstützungsleistungen vonseiten des Sports. Das liegt auch daran, dass der Sport trotz seiner zentralen gesundheitlichen und wirtschaftlichen Bedeutung keine so große Lobby wie zum Beispiel die Unternehmer, die Landwirte, die Arbeitnehmer, die Lehrer oder auch die Pensionisten besitzt. Das fehlende Jammern und die zurückhaltende Medienpräsenz dürfen allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, wie groß die Herausforderungen im Breiten-, im Spitzen-, aber auch im Behindertensport waren und nach wie vor sind.

Im Sport aber gilt die Regel: Ärmel hochkrempeln, kreative Lösungen suchen und anpa­cken. Das haben die Dachverbände trotz dieser schwierigen Zeit bestmöglich gemacht und sich mit sehr kreativen Methoden – teilweise haben sie Onlinetrainings oder Work­shops und Vorträge abgehalten – die ganze Zeit über sehr gut um unseren Sportnach­wuchs gekümmert, und dafür ein ganz herzliches Dankeschön. (Beifall bei ÖVP und Grünen.)

Dennoch steht die ganze Sportlandschaft aktuell vor sehr großen Herausforderungen. Die Sorgen um die Zukunft der Verbände sind sehr groß. Viele Vereine im Breitensport verzeichneten bereits drastische Verluste an Mitgliedern, aber auch an Sponsoren. Bei­des bedeutet weniger finanzielle Mittel, um den Vereinsbetrieb aufrechtzuerhalten.

Drei Unterstützungsmaßnahmen waren und sind deshalb für den Sport besonders hilf­reich: erstens der NPO-Unterstützungsfonds für gemeinnützige Vereine, zweitens der Sportligen-Fonds und drittens die Möglichkeit für Vereine, die pauschale Aufwandsent­schädigung, genannt Prae, für Aktive und Betreuer weiterhin steuerfrei auszuzahlen.

Auch Maßnahmen zur Gewinnung und Rückgewinnung von Vereinsmitgliedern sind dringend notwendig und ebenso angedacht. Einen wesentlichen Beitrag zu diesem Ziel kann zum Beispiel die Bewegungsförderung von Kindern im Kindergarten- und im Volks­schulalter durch Kooperationen mit Sportorganisationen leisten. Die Chance, dass Kin­der dadurch schon sehr früh in einem Verein hängenbleiben, ist sehr groß, und wir alle wissen, dass sich, wenn Kinder im Verein sind, meist auch die Eltern und vielleicht auch noch die einen oder anderen Großeltern anmelden. Deshalb bin ich sehr froh, dass die Budgetmittel für das Programm Kinder gesund bewegen nun auch ausgeweitet werden.

Je mehr Eltern und Großeltern in unseren Vereinen tätig sind, desto größer ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass diese das eine oder andere Ehrenamt übernehmen. Das ist enorm wichtig, denn sowohl im Breiten- als auch im Spitzensport zeichnet sich ab, dass ehrenamtliche TrainerInnen und FunktionärInnen nicht mehr die Energie aufbringen können und wollen, ihre Aufgaben zu erfüllen. Das permanente Anpassen an neue Rah­menbedingungen, ständig von vorne anfangen zu müssen und die Frage, wofür man das überhaupt macht, lösen bei vielen Funktionärinnen und Funktionären Rückzugsgedan­ken aus.

Ich kann nur einen Wunsch und eine Bitte äußern: Liebe Trainer, liebe Betreuer, bitte kämpft weiter, ohne euch geht sehr, sehr viel im österreichischen Sport verloren! Ich würde mir als Motivationsschub für alle unsere ehrenamtlichen Funktionärinnen und Funktionäre einen kräftigen Applaus des Bundesrates wünschen. (Beifall bei ÖVP, SPÖ und Grünen sowie des Bundesrates Dim.)

In der Vergangenheit wurde auch oft kritisiert, dass beim Spitzensport sehr vieles mög­lich war, im Breiten-, aber auch im Kinder- und Jugendsport nicht. Diese Beobachtung ist absolut richtig, aber ich möchte hier auch für etwas Verständnis werben, denn der Spitzensport bildet über die Einnahmen ein finanzielles Fundament für den Breitensport. Nicht zuletzt deswegen muss Spitzensport jedenfalls am Laufen gehalten werden, da sonst die finanzielle Basis und die Infrastruktur für die Ausübung des Breitensports fehlen.

Da es aber ohne Breitensport natürlich auch keinen Spitzensport gibt, muss und darf man auch über Möglichkeiten im Breitensport nachdenken. Kinder und Jugendliche, die vormittags in der Schule negativ getestet werden, sollten am Nachmittag auch am Trai­ning im Sportverein teilnehmen können. (Beifall bei ÖVP, SPÖ und Grünen sowie des Bundesrates Arlamovsky.)

Sportvereine erfüllen aufgrund ihrer Struktur eben nicht nur gesundheitliche, sondern auch soziale Funktionen. Werte wie Teamgeist, Durchhaltevermögen, Ehrgeiz, aber auch der Umgang mit Sieg und Niederlage werden geschult, und der Sport verbindet Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft oder ihrem sozialen Status. Genau das leistet der Sport, aber auch genau das ist für unsere Kinder in den vergangenen Monaten leider zu kurz gekommen. Experten haben vermehrt auf die physischen und psychischen Kol­lateralschäden durch den Bewegungsmangel, aber auch den Mangel an Sozialkontakten hingewiesen. Sport ist da das beste Gegenmittel. Deshalb kann ich die Öffnung von Sportmöglichkeiten im Breitensport und ganz speziell im Kinder- und Jugendsport nur unterstützen und freue mich für alle Kinder und Jugendlichen, dass sie ihre Mannschafts­kollegen bald wiedersehen können. (Beifall bei ÖVP und Grünen.)

Ganz besonders freue ich mich, dass mein Heimatbundesland Vorarlberg ab dem 15. März als eines der Bundesländer mit einer aktuell relativ stabil niedrigen Anste­ckungsrate als Modellregion noch weitergreifende Öffnungsschritte im Sport – und im Übrigen nicht nur im Sport – durchführen kann. In Vorarlberg wird ab Mitte März nicht nur Outdoorsport, sondern auch Indoorsport möglich sein. Für den Indoorsport ist ein negativer Test notwendig, wobei dieser direkt vor Ort mittels digitaler Testmöglichkeit durchgeführt werden kann. Mit der digitalen Testmöglichkeit begeben wir uns auf komp­lett neues Terrain. Das hat bisher noch niemand gemacht, aber wir werden damit sehr verantwortungsbewusst umgehen und hoffen, dass sich diese Vorgangsweise bewährt und dadurch auch mehr Sport in ganz Österreich und speziell auch der Erwachsenen­amateursport wieder möglich wird.

Meine Kolleginnen und Kollegen, die beeindruckenden Comebacks von Niki Lauda, Hermann Maier oder Michael Jordan haben eines gemeinsam: Sie alle lehren uns, dass Mut, eine akribische Vorbereitung und Positivität zentrale Komponenten eines erfolgrei­chen Comebacks sind. Wer, wenn nicht die Sportler, kennt sich am besten mit Come­backs aus? – Danke. (Beifall bei ÖVP und Grünen sowie der Bundesrätin Grossmann.)

9.21

Präsident Mag. Christian Buchmann: Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Bundes­rat David Egger. Ich erteile ihm dieses. – Bitte, Herr Bundesrat.