1347/J-BR BR
 
der Bundesräte Rieser
und Kollegen
an den Bundesminister für Wissenschaft und Verkehr
betreffend das neue Tarifschema der PTA
Seit 1. November 1997 gelten neue Telephontarife der Post & Telekom Austria im Festnetz.
Die neuen Tarife, die wochenlang mittels Broschüre beworben wurden, sind auch Gegenstand
der Presseaussendung des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) vom 28. November
1997 (APA 275). In dieser Presseaussendung wird der VKI - Chef Hannes Spitalsky zitiert:
"Daß man eine Preiserhöhung, die in der Hauptgesprächszeit 70% ausmacht, als Ersparnis
verkauft, ist sicher einmalig.
Aber nicht nur der Verein für Konsumenteninformation, sondern auch die Bundesministerin
für Frauenangelegenheiten und Verbraucherschutz Mag. Barbara Prammer kritisierte
öffentlich die undurchschaubare Informationspolitik der PTA.
Die Kritik richtet sich dabei nicht vorwiegend auf die Tatsache, daß die neuen Tarife das
Telephonieren empfindlich teurer machen, sondern kritisiert wird die Informationspolitik der
PTA. Eine Preiserhöhung scheint wegen des ab dem Jahre 1998 entstehenden Wettbewerbes
in der EU unumgänglich. Diese Preiserhöhung sollte jedoch offen zugegeben werden und
nicht als Ersparnis verkauft werden.
Kunden werden in der Broschüre der PTA in verwirrender Weise dahingehend informiert. daß
die Gesprächsgebühr für die Anzahl der telephonierten Minuten berechnet werde. Tatsächlich
erfolgt aber die Berechnung nach Impulsen. die nach Tarif und Tageszeit unterschiedlich lang
und dem Verbraucher meist nicht bekannt sind. Eine Tarifeinheit dauert bei Tag 57 Sekunden
und in der Nacht fast 2,5 Minuten.
Kritisiert wird auch die von der PTA gepriesene Verdoppelung der Regionalzone von bisher
25 auf 50 km. Aber auch hier können Telephonkunden, die mit dem Zirkel auf der Landkarte
ihre Regionalzone gemessen haben, dennoch nicht darauf vertrauen, daß sie nur den
Regionaltarif bezahlen müssen. In der Realität erfolgen nämlich die Messungen von einem
Vermittlungsamt zum anderen. Ist somit ein Teilnehmer 45 km von seinem Gesprächspartner
entfernt, daß für den Gesprächspartner zuständige Vermittlungsamt liegt aber 51 km weiter
weg, so sind für das Gespräch die teureren Kosten der Fernzone zu bezahlen.
Eine weitere Ungerechtigkeit stellt sich für die Benutzer analoger Telefonanschlüsse dar. Aus
technischen Gründen gilt für diese Anschlüsse (z.B.: Teilanschlüsse) innerhalb der
Regionalzone immer das Verbindungsentgelt der Tageszeit zwei. Das bedeutet, daß Benutzer
analoger Anschlüsse die günstigeren Tarife ab 18 Uhr gar nicht nutzen können und jedenfalls
um rund ein Drittel höhere Tarife als vor dem 1. November zu bezahlen haben. Die Broschüre
der PTA verspricht dafür großzügig eine Verringerung des Grundentgeltes von öS 20.-.
 
In der Informationsbroschüre der PTA ist als einzige Information für Internet - Benützer ein
Internet - Adresse angegeben. Der genaue Tarif ist erst nach einiger Recherche festzustellen.
Tatsache ist, daß die Tarife für Internet - User, die lange "im World Wide Web surfen"
günstiger geworden sind. Für die beträchtliche Anzahl von Benützern, die Ihren Zugang
hauptsächlich dazu verwenden um Nachrichten ( e - mails ) zu versenden und zu empfangen,
führen die langen Impulse jedoch zu viel höheren Tarifen als früher.
Der Verein für Konsumenteninformation fordert eine Aufschlüsselung der Telephonrechnung
nach Tageszeiten und eine Abrechnung nach effektiver Gesprächszeit, statt wie jetzt nach
unterschiedlichen Impulsen.
Da Sie als zuständiger Bundesminister die Zustimmung zu diesen Tarifen gegeben haben,
erlauben sich die unterzeichneten Bundesräte folgende Anfrage an Sie zu richten:
Anfrage:
1. Wie beurteilen Sie die Kritik des Vereins für Konsumenteninformation und die Kritik
Ihre? Regierungskollegin Bundesministerin für Frauenangelegenheiten und
Verbraucherschutz Mag. Barbara Prammer?
2. Halten Sie die Informationspolitik der PTA für gerecht und nachvollziehbar?
Was werden Sie als der zuständige Bundesminister unternehmen, um einen für die
Kunden des jetzigen Monopolisten PTA befriedigenden Zustand herzustellen?
4. Werden Sie dafür sorgen, daß ein transparentes Abrechnungssystem eingeführt wird
und somit die Kunden der PTA die Möglichkeit bekommen, ihr Telephonierverhalten
den neuen Tarifen anpassen zu können.?
5. Wann wird die Umstellung auf das digitale System in ganz Österreich abgeschlossen
sein und somit eine Gleichstellung aller Telefonbenutzer?