1548/J-BR BR
 

Anfrage
 
der Bundesräte Windholz und Kollegen
 
an den Bundesminister für Wissenschaft und Verkehr
 
betreffend Ausbau der Preßburgerbahn
 
Die Preßburgerbahn, die seit Jahrzehnten infolge des ehemaligen ‚eisernen Vorhangs‘ in
Wolfsthal endet, wurde hinsichtlich Modernisierungsmaßnahmen stets stiefmütterlich
behandelt: bis in die siebziger Jahre fuhren die Originalfahrzeuge Reihe 1072 aus dem
Jahr 1914, danach folgten zwar - damals auch schon 10 Jahre alte - S - Bahn - Garnituren
der Reihe 4030, doch auch diese sind mittlerweile stolze 30 Jahre alt und entsprechend
desolat. An den Anlagen wurden so gut wie gar keine Investitionen vorgenommen, bis
heute stehen auf dieser eingleisigen Linie mechanische (handbediente!)
Sicherungsanlagen in Verwendung.
 
Unter diesen Bedingungen kann natürlich von einem zeitgemäßen S - Bahnbetrieb kaum
die Rede sein, was besonders angesichts der Tatsache, daß diese Linie gleichzeitig die
einzige Bahnverbindung zum Flughafen Schwechat darstellt, äußerst problematisch ist.
Doch auch jenseits von Schwechat ist in Anbetracht der zahlreichen Pendler und nicht
zuletzt der - vor allem im Bereich Hamburg - ohnedies hoffnungslos überlasteten
Bundesstraße eine Verbesserung dringend erforderlich.
 
Die Wiederverlängerung über die Grenze und massive Ausbaumaßnahmen mit
zumindest selektivem zweigleisigem Ausbau wurden zwar wiederholt geplant und füllen
mittlerweile zahlreiche Schubladen, von einer Realisierung ist allerdings - mit Ausnahme
des Abschnittes bis Schwechat - nichts zu bemerken. Dafür wurde vom Verkehrsminister
eine internationale Suche nach Financiers - die Realisierung der hochfliegenden Pläne
hätte etliche Milliarden Schilling erfordert - begonnen, die natürlich kein Ergebnis
brachte. Und wieder geschieht nichts, dafür wird demnächst eine rund 1 Mrd. S teure
Verbindung von Parndorf nach Preßburg eröffnet, die von den ÖBB kaum benötigt wird
und die für den Reisenden von Wien ins Zentrum Preßburgs sogar eine Verschlechterung
gegenüber dem bisherigen Weg über Marchegg bringt.
 
Es stellt sich also die Frage, wann anstelle von unrealistischen Projekten endlich Taten
folgen, die unterzeichneten Bundesräte stellen daher folgende
 

Anfrage
 
1. Wie sehen die Aktuellen Planungen zum Ausbau der Preßburger Bahn aus und wann
sollen die einzelnen Abschnitte in Betrieb genommen werden?
 
2. Ist es richtig, daß im Zuge der Ausbaumaßnahmen bis Schwechat die Strecke im
nächsten Jahr zeitweise stillgelegt werden soll, wenn ja, in welchem Umfang und
welche Ersatzmaßnahmen (Umleitungen) werden dann ergriffen?
3. Wie ist nach aktuellem Planungsstand die Einbindung in das Wiener S - Bahn Netz im
Detail geplant?
 
4. Wird das Ziel der Wiederverlängerung der Preßburgerbahn über die Grenze und der
Verknüpfung mit der Strecke Parndorf - Engerau weiterverfolgt, wenn ja, mit
welchem Realisierungshorizont, wenn nein, warum nicht?
 
5. Wird das Projekt des selektiven zweigleisigen Ausbaues zur Kapazitätssteigerung im
Pendlerverkehr weiterverfolgt, zumal die Strecke im Masterplan nur eingleisig
eingezeichnet ist; wenn nein, warum nicht?
 
6. Weiche Auswirkungen haben zuletzt die im Zuge der Semmering - Debatte
aufgetauchten Pläne für eine Einbindung des Flughafens in das hochrangige
Schienennetz auf die Realisierung der Pläne für die S7?
 
7. Welche Ergebnisse hat die Suche nach Privatinvestoren für den Ausbau der
Preßburgerbahn im Detail erbracht und wird dieses Konzept weiterverfolgt?
 
8. Wie hoch sind die Kosten für die derzeit geplanten Maßnahmen und wie sollen diese
finanziert werden?
 
9. Erscheint Ihnen die Betriebsabwicklung mit veralteten Sicherungsanlagen
(Formsignale,...> und über 30 Jahre alten Triebwagen im Hinblick auf die angestrebte
Verlagerung der Pendlerströme auf die Schien für angebracht?
 
10. Bestehen zwischen Ihrem Ressort oder den ÖBB Vereinbarungen mit dem Land
niederösterreich über die Verbesserung der Infrastruktur und/oder die
Betriebsqualität auf dieser Strecke; wenn ja, welchen Inhalts?