1567/J-BR BR
 

ANFRAGE
 
der Bundesräte Mag. Gudenus
und Kollegen
an den Bundesminister für Finanzen
betreffend Wiedergutmachung am Beispiel "Thorsch"
 
Im vor kurzem erschienenen Buch "Die Auslöschung" wird über die Entrechtung und
Enteignung der Familie Thorsch berichtet, aber auch darüber, daß zwischen 1938 und
Kriegsende mehr als 90, größtenteils jüdische, Bankhäuser zwangsliquidiert wurden. Die
Bemühungen der Familie Thorsch, die in der Zeit des Nationalsozialismus geraubten
Vermögenswerte nach der Wiedererrichtung der Republik Österreich wieder zu erlan -
gen, wurden von den Behörden abgelehnt.
 
Das seinerzeitige Vermögen des Bankhauses Thorsch ist im Wege des Wiener Giro
Credit und Cassenvereines letztlich an die Österreichische Kontrollbank AG geflossen.
 
Der Autor Hubertus Czernin beschreibt die Aktualität und die Motive zur Drucklegung
seiner Publikation im Vorwort wie folgt:
 
"Einerseits beschließt der österreichische Nationalrat Anfang November 1998 ein
Ermächtigungsgesetz, das es der zuständigen Ressortministerin Elisabeth Gehrer möglich
machen soll, rasch und unbürokratisch jene Kunstwerke ihren rechtmäßigen Eigen -
tümern zurückzuerstatten, die diesen, obwohl rassisch Verfolgte des Naziregimes, in den
Nachkriegsjahren von Repräsentanten der Zweiten Republik auf erpresserische Weise
genommen worden sind, Das zweite Motiv zu dieser Veröffentlichung liegt in der
Dimension des Falls des 1945 im kanadischen Exil verstorbenen Wiener Bankiers
Alphonse Thorsch. Er zeigt wie nur wenige andere Fälle, mit welcher Frivolität
Österreichs Behörden über legitime Ansprüche von Erbberechtigten hinweggegangen
sind und diese, nach heutigen Maßstäben, um ein Milliardenvermögen gebracht haben.
Fast ist man geneigt zu sagen, je größer diese Ansprüche gewesen sind, um so dreister
das Vorgehen von Regierung und Bürokratie."
 
Aus gegebenem Anlaß richten die unterfertigten Bundesräte an den Bundesminister für
Finanzen nachstehende
 

ANFRAGE:
 
1. Welche österreichischen Privatbanken waren von der Zwangsliquidierung in den
Jahren 1938 bis 1945 betroffen?
 
2. Wie wurde das Vermögen der einzelnen Banken abgewickelt?
 
3. Wurden nach der Wiedererrichtung der Republik Österreich Anträge auf Restitu -
ierung dieser Bankhäuser gestellt?
Wenn ja, auf welche Bankhäuser bezogen sich diese Anträge?
 
4. Welche dieser Bankhäuser wurden nach der Wiedererrichtung der Republik
Österreich tatsächlich restituiert?
 
5. Welche Gründe waren für eine Restituierung maßgebend?
 
6. Aus welchen Gründen wurde die Restituierung des Bankhauses Thorsch abgelehnt?
 
7. Wie beurteilen Sie diese Entscheidung aus heutiger Sicht?
 
8. Welche Gründe waren für die Ablehnung der Restituierung von Bankhäusern in den
anderen Fällen maßgebend?
 
9. Wie beurteilen Sie diese Entscheidungen aus heutiger Sicht?
 
10.Weshalb wurde die Restitution der Kunst- und Wertgegenstände sowie der Wert -
papiere und Bankguthaben der Familie Thorsch von den Behörden abgelehnt?
 
11. Sehen Sie Möglichkeiten, diese Verfahren neuerlich aufzurollen oder der Familie
Thorsch auf andere Weise die geraubten Vermögenswerte zurückzuerstatten oder
abzugelten?
Wenn ja, welche und werden Sie in diesem Zusammenhang Veranlassungen treffen?
Wenn nein, warum nicht?
 
12. Hat die Österreichische Kontrollbank nach dem Krieg Wertpapiere des ehemaligen
Bankhauses Thorsch gehandelt?
Wenn ja, wann geschah dies zuletzt und wie beurteilen Sie diesen Umstand?